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Behind the Masks: SMS-Liebe

von Milk-Toto
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Het
Adrien Agreste / Chat Noir Marinette Dupain-Cheng / Ladybug
30.09.2021
14.10.2021
5
9.997
6
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30.09.2021 2.331
 
LB: Hey…wie geht es dir?

Ich starre auf die Nachricht welche ich vor nicht mal einer Minute los geschickt habe. Die Häkchen die ankündigen ob die Nachricht versendet oder gelesen wurde springen um. Färben sich blau. Mein Herz stolpert heftig als dann auch noch die drei Punkte im Chat auftauchen, die zeigen das mein Partner gerade dabei ist eine Nachricht zu verfassen.

CN: Ich fühle mich GROSSARTIG M‘Lady, danke das du fragst
LB: … Du hast mich heute wirklich erschreckt
CN: Keine Sorge, diese Katze hat noch 9 Leben ☝
LB: Ich meine es Ernst
LB: Versprich das du so etwas nie wieder machst!
CN: Du weißt ich kann dir dieses Versprechen nicht geben…
LB: Wieso?!

Der Kloß in meinem Hals wird immer größer so das mir das Schlucken schwer fällt. Zugleich laufen mir heiße Tränen meine Wange entlang, benetzen meine Haut mit salziger Flüssigkeit die sich an mich klebt. Egal wie oft ich mir die Tränen auch aus den Augen wische, es werden nicht weniger. Die Angst über das was vorhin geschehen ist sitzt einfach zu tief. Hat sich in mein Innerstes eingebrannt so, wie der Eiffelturm vorhin in Flammen stand.
Noch immer zeigt der Verlauf an das Chat dabei ist etwas zu tippen. Die Sekunden oder vielleicht auch Minuten die dabei verstreichen ziehen sich wie Kaugummi. Kaugummi der an Geschmack verloren hat und nur noch eine dunkle, ekelhafte Masse ist. Das Warten auf diese Nachricht macht mich verrückt.

CN: Weil Paris Ladybug mehr braucht als es Chat Noir braucht.

Nur langsam sickern die Worte in meinen Verstand, rauschen wie ein Strudel durch meine Gedanken und treiben mir nur noch mehr Tränen in die Augen. Schnell drücke ich die Seitentaste des Handys und lasse den Bildschirm dunkel werden, bevor ich irgendeine Dummheit begehe. Meine Decke ziehe ich bis unter die Nase, vergrabe mein Gesicht darin und lasse meinen Gefühlen freien lauf. Es ist mir unbegreiflich, wie ich jemanden wie Chat in meinem Leben verdient habe. Nach all dem was ich ihm schon an den Kopf geworfen habe, wie oft ich habe abblitzen oder einfach stehen lassen: er weicht nicht von meiner Seite.
Diese Zeilen zu lesen, dass er sein Leben nicht so wertvoll ansieht wie meins, beweist nur wieder was für eine Idiotin ich all die Jahre über war. Ein leises Wimmern dringt über meine Lippen als mir diese Tatsache bewusst wird und ich mich nun noch schäbiger fühle als eh schon.
Kleine Hände welche ich Tikki und den anderen Kwami zuordne, streichen beruhigen über meinen Kopf, versuchen mich zu trösten bis ich schließlich meinem Weinen erlegen bin und erschöpft einschlafe.

Die Strahlen der aufgehenden Sonne dringen durch die Cremefarbenen Vorhänge und kitzeln meine Nasenspitze. Übermüdet schlage ich meine Augen auf. Die Helligkeit schmerzt in meinen Augen von denen ich mir vorstellen kann, dass sie ziemlich verquollen sind. Ich grabe unter der Decke nach meinem Handy, blicke auf die Uhr und das Datum, erkenne das keine neue Nachricht eingegangen ist. Zumindest nicht von Chat. Dafür aber schreit mich der Name ‚Alya‘ regelrecht an, was meinen Kopf zum Arbeiten bringt. Stück für Stück greifen die Zahnräder ineinander, beginnen zu funktionieren und dann macht es ‚Klick‘.
„Oh verdammte Scheisse!“, schreie ich hysterisch und sitze mit einem Mal kerzengerade in meinem Bett. Die Müdigkeit und Traurigkeit die ich noch bis eben bis in meine Knochen gespürt habe ist wie weggeblasen. Hastig entsperre ich das Handy, tippe auf den Namen meiner besten Freundin ehe ich mir das Teil ans Ohr halte und dem klingeln lausche. Keine zwei Sekunden später hebt eine ziemlich wütende Alya den Anruf ab.
„WO zum Teufel bist du gewesen?! Weißt du was ich mir für Sorgen um dich gemacht habe?!“.
Ihre Stimme schrillt in meinem Ohr so, dass ich mir den Hörer ein gutes Stück weghalten muss. Auch so verstehe ich jedes Wort.
Schnell drücke ich auf den Lautsprecher, lege das Gerät auf meine Brust und höre der Schimpftirade meiner Freundin zu. Neugierig blickt ein kleiner roter Kopf zu mir was ich nur mit einem Schulterzucken kommentiere. Als Alyas Stimme endlich zur Ruhe kommt erhebe ich die Stimme und antworte ihr auf das, was sie wissen will.
„Es tut mir so leid Alya! Monsieur Agreste hat mich gestern länger im Büro gebraucht und als ich schließlich nach Hause bin, bin ich auf meinem Sofa eingeschlafen…“.
Ein Knacken am anderen Ende. Ansonsten herrscht für einige Minuten Stille.
„Alya?“, frage ich vorsichtig in den Hörer bis mir ein genervtes Schnauben entgegen dringt. „Beweg deinen Arsch ins Bloom. Ich glaube dir kein Wort!“.
Dann legt sie einfach auf. Von Schuldgefühlen zerfressen beiße ich mir auf die Unterlippe und frage mich, ob der Tag wirklich noch schlimmer beginnen kann.

Gute dreissig Minuten später stehe ich vor dem Bloom. Unserem Stamm-Café welches wohl schon unser zweites zu Hause ist. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht jeden Samstag in dem süßen Geschäft zu Frühstücken, über unsere Woche zu plaudern und den Rest des Wochenendes zu verplanen. Der süßliche Geruch der Teilchen vermischt mit dem Arom von Bacon und Ei weht zu mir herüber und lässt meinen Bauch hungrig knurren. Eilig überbrücke ich die Schwelle zum Inneren des Cafés und sehe schon von weitem Alya aus unserer Stammecke zuwinken. Kurz hebe ich die Hand zu Gruß bevor ich mich in Bewegung setzte und mich entlang der Tische schlängle. Mittlerweile ist es fast unmöglich an den anderen Gästen vorbei zu kommen ohne dabei ihre Mäntel von den Stuhllehnen zu angeln. Auch dies ist eines der Dinge, die den nahenden Winter andeutet. Ich selbst schäle mich aus meinem roten Mantel, hänge diesen über meinen Stuhl und nehme platz.
„Guten Morgen!“, begrüßt mich Nino freudestrahlend, während Alya mich mit verschränkten Armen mustert. Ich seufzte.
„Wirklich Alya! Es tut mir leid!“, setzte ich an. „Du weißt wie er ist…“, beende ich meinen Satz schließlich.
„Wie wer ist?“, ertönt plötzlich eine Stimme neben mir, die mich etwas zusammenfahren lässt. Ohne das ich es mitbekommen habe hat Adrien neben mir Platz genommen und schaut fragend in die Runde.
„Dein Vater“, entgegne ich schließlich als sich mein Herzschlag beruhigt hat. Niemals hätte ich gedacht so einen normalen Umgang mit dem blonden Jungen pflegen zu können. Oder gar einen vollständigen Satz zustande zu bekommen.
Bei meiner Aussage muss er schnauben was sich aber mit einem lachen vermischt. „Ohja, das weiß ich…“.
Fordernd sehe ich nun wieder zu Alya herüber deren Blick immer noch auf mir liegt. Ich glaube aber diesmal ein wenig sanfter als noch vor einer Minute. Geschlagen wirft sie schließlich ihre Arme in die Höhe und brummt. „Na gut! Du hast gewonnen!“
Siegreich grinse ich sie an als auch schon die Kellnerin kommt und unsere Bestellung aufnimmt.

„Also Leute, wie siehts aus? Heute Abend steigt eine Party im Park“. Mit leuchtenden Augen schaut Nino jeden von uns an. Uns ist klar das wir keine andere Wahl haben als zuzustimmen. Immerhin ist er als DJ für diese Party geplant und schon mehr als einen Monat redet er über nichts anderes. Selbst seine Freundin ist schon von diesem Thema genervt und froh darum das es heute endlich zum Showdown kommt. Sie hofft inständig das danach Ruhe ist, doch ich vermute das Gegenteil. Wahrscheinlich wird er noch Wochen von seinem Auftritt reden, wie die Leute ihn gefeiert haben und wie nah er seinem Ziel schon ist. Aber das muss man ihm zusprechen: er hat genau wie wir alle an seiner Leidenschaft festgehalten und ist nun ein recht bekannter Künstler in der Szene. Immer öfter wird er zu Veranstaltungen eingeladen, bei denen sein Können, seine Musik und sein Sound zu hören sein sollen.
Alya hat es auch geschafft ihren Traum als Reporterin ausleben zu können und begleitet dabei ihren Freund zu jedem Auftritt. So gesehen eine Win-Win Situation.
„Natürlich kommen wir!“, mit dem Daumen nach oben schaue ich Nino grinsend an. Adrien klopft ihm währenddessen zustimmend auf die Schulter. Der Gedanke daran heute Abend einfach mal als Marinette leben zu können, ohne auch nur eine Sekunde an die Arbeit in gleichermaßen zu denken, lässt in mir ein Hochgefühl aufkommen. Das bleibt auch den anderen nicht vergönnt weshalb wir alle vier mit unserem Orangensaft anstoßen und auf unsere langjährige Freundschaft trinken.

Noch bevor der Abend kommt, haben Chat Noir und ich mich zu einer überaus frühen Patrouille verabredet. Zu dem Abend gestern hat keiner mehr etwas von uns gesagt, was mir persönlich umso lieber ist. Mich noch Mal mit dem schaurigen Ereignis von gestern herumzuschlagen, gleicht einem gewaltigen Tritt in den Magen. Darauf kann und ich will ich verzichten.
Die Uhr zeigt kurz vor 16 Uhr, das Zeichen für mich aufzubrechen und meinem täglichen Treiben als Ladybug nachzukommen.
Ich öffne die Tür meines Balkons und trete hinaus in die eisige Luft. Es riecht nach Schnee - ob es wohl auch bald anfangen wird?
Nachdem ich bei meinen Eltern ausgezogen bin habe ich es mir nicht nehmen lassen eine Wohnung im Dachgeschoss zu suchen. Einfach der Melancholie halber und der Tatsache, dass ich es als Ladybug somit etwas leichter habe als aus der Haustür heraus zu treten oder einem Fenster zu springen.
Auch jetzt stehe ich schon in meiner Heldenkluft auf dem knarzenden Holzboden, schwinge mein Jo-Jo zum nächsten Dach um mich an diesem durch die Lüfte zu schwingen.
Die Kinder, welche mit dicken Jacken und Bommelmützen bestückt sind, schauen lachend zu mir auf, winken mir oder rennen mir ein Stück nach. Ich komme nich drum herum ihnen immer mal wieder zu winken bis ich aus deren Blickfeld verschwunden bin. Auf der Pont des Arts komme ich schließlich zum Stehen, fast zeitgleich mit meinem Partner der eine galante Verbeugung vollführt, meine Hand ergreift und sacht einen Kuss drauf haucht. Ich spüre wie mir die Wärme die Wangen hoch steigt weshalb ich ihm die Hand schnell entziehe und zum Geländer rüber schlendere. Ich stütze meine Arme auf dem Gelände ab, spüre wie Chat sich neben mich stellt und sein Ellenbogen meinen Arm berührt. Diese kleine Berührung jagt Schauer durch meinen Körper die mein Gehirn fast aussetzten lassen.
Was ist bitte los mit mir?
Schweigend stehen wir nebeneinander, betrachten die Seine welche unter uns hinweg fließt und gehen unseren Gedanken nach.
Plötzlich ergreift Chat meine Hand. Erschrocken schaue ich ihn an, mein Puls beginnt zu rasen was meine Lippen zum beben bringt. Sein Blick ruht sanft auf mir.
„Wa…was ist los Chat?“, versuche ich meine Stimme fest klingen zu lassen, doch man hört deutlich das es mir alles andere als gut gelingt.
Immer noch sieht mich mein Partner mit seinen grünen Augen an, fixiert mich regelrecht was mir die Schweiß auf die Stirn treibt. „M‘Lady…“, seine Stimme ist so rau und heiß, dass ich schon wieder damit beginne mich nach seinen Lippen zu sehnen. Ich schlucke schwer.
„J..ja?!“. Meine Stimme ist eindeutig eine Oktaven zu hoch, doch gegen die aufkommende Nervosität bei seinem intensiven Blick komme ich nicht an. Ein Zittern erfasst meinen Körper und auch Chat sollte jetzt deutlich spüren, wie er mich aus der Bahn wirft.
Doch zu meiner Verwunderung springt er nicht darauf an, haut keinen seiner üblichen Witze raus, nein. Er schaut mich völlig ernst an, dass ich schon Sorge habe etwas falsch gemacht zu haben. Ein Zucken geht durch meinen Körper.
„Ich..ich wollte mich noch Mal wegen gestern entschuldigen..“, die Worte denen ich eigentlich dachte aus dem Weg gegangen zu sein, kommen nun über seine Lippen. Dabei starre ich ihn nur an, traue mich nicht etwas zu sagen oder gar zu atmen. Tatsächlich habe ich die Luft angehalten, was ich erst jetzt bemerke und schnell, ohne das es auffällt, meine Lungen wieder mit Sauerstoff fülle. Kein Wunder hat mich der aufkommende Schwindel übermannt.
„Ich weiß das dich meine Nachricht gestern wohl zum weinen gebracht hat, das tut mir leid! Nur du musst verstehen das du nicht nur Paris alles bedeutest, sondern auch mir. Der Gedanke daran dich zu ve….“.
Ich stoppe Chats Redeschwall indem ich wie von Sinnen meine Lippen sanft auf seine Lege. Das ich die letzten Millimeter die uns getrennt haben überbrückt habe, habe ich nicht gemerkt. Mein Körper hat von ganz allein reagiert, gehandelt und meinen Herzen das gegeben, was es braucht. Der fruchtig herbe Geruch seines Aftershaves steigt mir in die Nase, neckt sie und legt sich wie ein sanfter Schleier auf meine Zunge. Es ist, als würde ich meinen Partner schmecken. Zuerst überrascht, doch dann mitziehend, greift Chat mit seinen Händen meine Hüften während ich meine Hände, immer noch zitternd, an seine Brust lege. Nur widerwillig löse ich den Kuss der sich anfühlt als würde ich träumen.
„Ich…wollte…“, atemlos, als wäre ich einen Marathon gerannt, blicke ich in das satte Grün seiner Augen. Sie funkeln wie kleine Sterne so hell und klar, dass mir meine Beine fast versagen. „…es ausprobieren. Nur einmal..“
„Nur einmal“, erwidert Chat meine Worte und schließt die Lücke die sich gebildet hat wieder vollends und zieht mich diesmal in einen Strudel der Leidenschaft. Immer noch liegen seine weichen Lippen auf meinen, sind dieses Mal jedoch fordernd, bitte im Einlass den ich ihnen nur zu gerne gewähre. Sanft umspielt seine Zunge die meine, tanzen wild zusammen bis sich auch unser Atem heiß ineinander vermischt. Mir wird schwummrig.
Als mir dann noch ein leises Stöhnen entgleitet, seine Lippen trifft und mich erröten lässt, lässt er erneut von mir ab. Für einen Moment blicken wir uns an. Schweigend, innig, sehnsüchtig.
Ein sanftes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus und er streicht mir mit dem Daumen sanft über meine Lippen. Zu unwirklich fühlt sich das alles an weshalb ich froh bin das er derjenige ist, der als erstes wieder zu Wort findet.
„Nur einmal“, dabei zwinkert er mir vielsagend zu, haucht noch Mal sanft einen Kuss auf meine Lippen. Eine Berührung die fast keine ist, eher ein Lufthauch der mir schmeichelt. „Wir sehen uns morgen, M‘Lady“, sagt er als wäre soeben nichts passiert und ich nicke nur stumm in seine Richtung. Diesmal ist er es, der mich wie ein Trottel zurück lässt.
Was habe ich mir dabei gedacht?!
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