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Frühlingsbrise

SammlungDrama, Liebesgeschichte / P12 / Mix
28.09.2021
05.10.2021
3
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Unnützes von Maria;
Nach einer Ewigkeit - und wenn ich Ewigkeit schreibe, meine ich auch Ewigkeit - melde ich mich zurück.
Mit Prosa. Und keiner Jily-FF.
(Auch wenn euch der ein oder andere Name bestimmt bekannt vorkommt)
In der Zwischenzeit ist viel passiert, zu viel um es hier zusammenzufassen. Aber auf dem Weg ist mir das kreative Schreiben abhanden gekommen.
Ich kann aktuell nicht da anknüpfen, wo ich aufgehört habe. Und das ist in Ordnung. Also versuche ich, auf neuem Weg zurück zum Schreiben zu finden.
Schön, dass ihr hierher gefunden habt.
Viel Spaß beim Lesen & passt auf euch auf.
- M.


Prolog


Morgengrauen. Eine leichte Brise wehte über das kleine Örtchen namens Melway, während hinter den Bergen im Osten langsam die Sonne aufging. Nicht eine Wolke war am Himmel zu sehen und auf den Blättern der Bäume und Sträucher glitzerte der Tau. Es war ein friedlicher Montagmorgen, man konnte das Wasser des Bachs, welcher durch das Dörfchen floss, plätschern und die Vögel zwitschern hören. Frühlingsblumen blühten in den Gärten und zwischen ihnen tummelten sich Honigbienen und Hummeln. Auch Schmetterlinge tanzten durch die Lüfte und erfreuten mit ihrer bunten Farbenpracht. Melway erwachte langsam zum Leben und die ersten Menschen waren auf die Straßen gelaufen, bereit und voller Zuversicht auf das, was dieser Tag ihnen bringen mochte. Manch einer war bereits auf dem Weg zur Arbeit, andere wollten frische Brötchen im örtlichen Café erwerben und einige genossen einfach den Sonnenaufgang bei einem kleinen Spaziergang durch die ruhige Nachbarschaft.

Auch das Leben im Süden der Stadt, im Hause der Ferns erwachte zum Leben. Während Susan Fern die Fensterläden der Küche öffnete, um die ersten Sonnenstrahlen hineinzulassen, setzte Aaron Fern den Kaffee auf. Susan trug ihr blondes Haar zu einem tiefen Topf gebunden, aus welchem einzelne Strähnen in ihr Gesicht fielen. Die zweiundvierziehjährige Schriftstellerin hatte eine blumige Schürze über ihre bunte Latzhose gezogen und bildete damit einen auffallenden Kontrast zu ihrem Mann, dem sechsundvierzigjährigen Kriminalbeamten, welcher meist in Jacket und Hemd gekleidet anzutreffen war. Saß Letzteres am Morgen meist noch akkurat und faltenfrei, hing es ihm am Nachmittag meist locker aus der Hose, das Jacket längst über einen Stuhl gehängt. Sein dunkelblondes Haar war von Natur aus zerzaust und Aaron zu ungeduldig, um es zu bändigen. Das Paar hatte eine feste Morgenroutine, ein verlässliches Miteinander, wenn es auch manchmal eher ein hektisches Treiben war. Es kam ganz darauf an, wie sie aus dem Bett kamen. Susan heizte den Ofen für Brötchen vor und schlug die Eier für Rührei auf, Aaron hingegen deckte den Tisch, stellte Saft und Aufschnitt bereit.

Er war gerade auf dem Weg zur Haustür, um die Morgenzeitung rein zu holen, als eine verschlafene Gestalt die Treppe hinunter kam. “Guten Morgen, Nate”, grüßte er seinen siebzehnjährigen Sohn, welcher ihn aus verschlafenen Augen ansah.

Ein Morgen murmelnd, schlurfte Nathan den Flur hinunter weiter in die große Küche, dem eigentlichen Zentrum des Hauses und Hauptaufenthaltsort der Familie. Der Geruch frisch aufgebrühten Kaffees stieg ihm in die Nase und weckte seine Lebensgeister. Er fuhr sich durchs Gesicht, wobei er die Brille auf seiner Nase verrückte. “Morgen, Mom”, brachte er gähnend hervor. Er lächelte seine Mutter dankbar an, als sie ihm eine Tasse Kaffee auf den Tisch stellte.

“Bereit für das Abschlussjahr?”, fragte Susan und wendete die Eier in der Pfanne. Sie sah hinaus in den Garten, hinüber zur Hütte und warf dann einen Blick auf die Uhr.

Nathan antwortete mit einem desinteressierten Grunzen und zuckte mit den Schultern. Er ließ sich auf einem Stuhl nieder und umfasste den Kaffee mit beiden Händen. Geräuschvoll nahm er ein paar Schlucke von dem heißen Getränk, er zuckte zusammen, als er sich die Zunge verbrannte.

Susan warf ihrem Sohn einen Blick zu und schmunzelte. “Ich kenne wirklich niemanden, der ein größerer Morgenmuffel ist als du”, sie lud ihm Rührei und Tomaten auf einen Teller und setzte Nathan das Frühstück vor.

Aaron kam, die Morgenzeitung lesend, zurück in die Küche und nahm neben seinem Sohn Platz. Er goss sich ein Glas Orangensaft ein und griff nach einem Brötchen. “Du kannst heute meinen Wagen nehmen, Nate”, sagte er und legte die Zeitung beiseite. Aaron zwinkerte seiner Frau zu und biss von seinem Brötchen ab. “Deine Mutter und ich wollen den ersten freien Vormittag seit -?”, fragend blickte er zu seiner Frau, doch Susan zuckte nur schmunzelnd die Achseln, “- seit Ewigkeiten alleine genießen.”

“Schon klar, Dad”, erwiderte Nathan und nippte erneut an seinem Kaffee. Sein Vater hatte einen charmanten Hang zu Übertreibungen, über welche seine Mutter auch nur lächeln konnte. So war der letzte, freite Vormittag sicher alles, aber keine Ewigkeiten her. Er richtete die Brille auf seiner Nase und sah argwöhnisch zu seinem Vater hinüber. Mit erhobener Augenbraue hakte er nach. “Ich kann deinen Wagen nehmen?”

Aaron grinste seinen Sohn an und nickte zustimmend. “Du hast schon richtig gehört”, antwortete er und biss erneut von seinem Brötchen ab. “Ich werde heute auf dem Revier nicht gebraucht und erledige den angesammelten Papierkram vom Büro aus. Außerdem möchten wir doch, dass ihr an eurem ersten Schultag gut ankommt.”

Susan sah erneut hinaus in den Garten und warf einen Blick auf die Uhr. “Und pünktlich”, ergänzte sie und strich ihre Schürze glatt. “Wenn sie in fünf Minuten nicht hier ist, hol sie bitte, Nate.”

Nathan verdrehte die Augen und gähnte abermals. “Ich hab von meinem Zimmer aus Licht brennen sehen, Mom. Sie wird sicher gleich kommen. Den ersten Schultag möchte sich doch niemand entgehen lassen”, fügte er ironisch hinzu. Aber auch er sah verstohlen in den Garten hinaus, hinüber zur Hütte. Eine Birke versperrte die Sicht, sodass Nathan aus seiner aktuellen Position aus, nicht vielmehr als die Stufen zur Terrasse erahnen konnte.

“Ist sie sehr nervös?”, Aaron folgte dem Blick seines Sohnes für einen Moment und widmete sich dann wieder seinem Rührei. Er schlug die Morgenzeitung auf und las das Stadtgeschehen nach. Am Mittwoch fand der Wochenmarkt auf dem Dorfplatz, unweit der Kirche und im Herzen des Dörfchens, statt. Es gab eine Restauranteröffnung am Donnerstagnachmittag und zu Beginn des neuen Schuljahrs lud die Melway Academy am Samstag zu einem Begrüßungsfest ein.

“Nicht nervöser, als mit Nate fahren zu müssen.”

Nathan lachte und drehte sich zu der Stimme um. Lilian Caldwell schloss gerade die Gartentür hinter sich. Sie trug bereits, ebenso wie Nate, die dunkelblaue Schuluniform. Ihr naturrotes Haar fiel der Sechzehnjährigen locker über die Schulter und ihre grünen Augen glänzten, als sie den gedeckten Küchentisch und die Ferns versammelt vor sich sah. Susan berührte sanft ihre Schulter, schob sie weiter in die Küche hinein und bedeutete ihr, sich zu setzen. Sie reichte ihr eine Tasse Kaffee und lächelte sie freundlich an. “Guten Morgen, Liebes.”

Lilian erwiderte das Lächeln. “Danke”, sagte sie und trank einen vorsichtigen Schluck von dem heißen Getränk.

“Woher wusstest du, dass ich-”, setze Nathan an, doch Lilian winkte ab. “Mach dir keine Gedanken”, unterbrach sie ihn und er zuckte die Schultern.

Aaron räusperte sich, legte erneut die Zeitung beiseite und sah Lilian neugierig an. “Junior, eh?”, er zog die Brauen hoch und lehnte sich zurück. “Ich weiß noch, als wäre es gestern gewesen, als Nate letztes Jahr an seinem ersten Tag als Junior-”

“Dad!”, rief Nathan empört aus. Ein dunkelroter Schatten hatte sich auf seine Wangen geschlichen und er fuhr sich peinlich berührt durchs Haar.

Susan und Lilian kicherten. “Ach, komm schon, Nate”, Susan füllte ihrem Sohn Kaffee nach und klopfte ihm aufmunternd auf die Schultern.

“Jeder hätte sein Hemd vergessen können”, scherzte Lilian und hielt sich die Hand vor den Mund, um ihr Grinsen zu verbergen. Nathan war zur selben Zeit vor einem Jahr nicht gut aus dem Bett gekommen. Schlaftrunken hatte er seine Schlafsachen aus und seine Schuluniform angezogen. Jedoch hatte er das Hemd vergessen, welches seine Mutter ihm gebügelt bereit gelegt hatte, sodass er in der Schule oben ohne gesessen hätte, hätte man ihm kein Hemd aus der Fundsachenkiste gegeben. Schmuddelnate war an diesem Tag geboren, ein Spitzname, welcher den jungen Mann vier lange Monate begleitet hatte. Erst als Ryan Cormic beim Sportfest im Herbst ausrutschte und mit dem Gesicht voran in Matsch viel, hörte das Getuschel um Schmuddelnate auf.

“Ha ha”, gab Nathan von sich und verdrehte die Augen. “Danke für euer Mitgefühl. Es ist schön, Teil einer so liebevollen Familie zu sein.”

Lilian schmunzelte und sah Nathan an. Seine dunkelblonden, ebenso zersausten Haare wie die seines Vaters, fielen ihm ins Gesicht, die Brille auf seiner Nase saß erneut schief. Seine blauen Augen blickten weiterhin verschlafen, aber mittlerweile konnte man bereits den Schalk in ihnen erkennen. So still Nathan morgens auch erschien, ein richtiger Morgenmuffel, wie ihn seine Mutter zurecht bezeichnete, so aufgeweckt - beinahe aufgedreht - wurde er, war er erst einmal wach.

Als Lilian ihn kennen gelernt hatte, war er ihr recht kindisch erschienen; mit seinem Interesse an Superhelden und Zauberern hatte sie selbst wenig anzufangen gewusst und auch Konsolenspiele waren ihr fremd gewesen. Doch Nathan lebte für fantastische und abenteuerliche Geschichten, schlüpfte gern in andere Rollen und konnte sich Stunde um Stunde für andere Welten begeistern und in ihnen wandern.

Mit der Zeit hatte Lilian jedoch erkannt, dass in Nathan vielmehr als nur ein Nerd steckte. Er war ihr immer ein guter Freund gewesen und hat ihr stets zur Seite gestanden. Auch in ihren dunklen Stunden hatte er sie nie alleine gelassen, war ihr immer ein Halt gewesen.

So scherzhaft er seine Dankbarkeit auch formuliert hatte, Teil dieser Familie zu sein, so ernst war es Lilian damit. Sie war Susan und Aaron dankbar, mehr als es in Worte zu fassen war, dass sie Lilian bei sich aufgenommen hatten. Und Nathan, dass er ihr der Bruder war, den sie einst zwar hatte, der ihr jedoch genommen worden war. Wie ihr ihre gesamte Familie genommen worden war.

“Wir müssen gleich los”, unterbrach Nathan ihre Gedanken. Er wedelte mit den Händen vor ihrem Gesicht rum, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. “Bist du fertig?”

Lilian blinzelte ein paar Mal und nickte schließlich. Sie spitze die Lippen und zupfte amüsiert an ihrer Bluse. “Bluse nicht vergessen, check”, sie kicherte und erntete dafür einen bösen Seitenblick von Nathan.

Unverbesserlich, murmelte dieser und erhob sich. Er gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange und schulterte seinen Rucksack, an welchem eine Actionfigur baumelte. Auf dem Weg in den Flur nahm er den Schlüssel seines Vaters vom Sideboard und ließ ihn in der Luft klimpern.

“Beeil dich, Lily”, kommentierte er, warf den Schlüssel hoch und fing ihn wieder auf. “Sonst siehst du nur noch die Rücklichter und ich bin es, der lacht.”
 
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