Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Kyourandotou - Zeit des Aufruhrs

von Vangueis
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Historisch / P18 / Gen
OC (Own Character)
25.09.2021
28.05.2022
20
26.018
4
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
02.12.2021 1.036
 
Der klare Sake schimmerte im Licht der Ölkerzen die den Speisesaal erhellten, als Kiyomasa Hyoga, der Kokushi von Shinano, sein Schälchen mit dem Reisbrand schwenkte. Er lächelte stetig und setzte die Schale wieder ab. Haruakira sah den exzentrischen Beamten an und dabei öffneten sich seine unnatürlich violetten Augen ein gutes Stück.

“Nun, ich kann mir vorstellen, dass man als ein so hoher Beamter Menschenkenntnis haben sollte. Daher hinterfrage ich Eure Mutmaßung nicht. Fürs Erste. Jeden Augenblick den wir miteinander sinnlos sprechen, kann einer Eurer Bürger diesen ‘Banditen’ zu Opfer fallen. Kommt zum Punkt. Dann können wir uns auch ans Werk machen.”

Der Kokushi zog eine Augenbraue hoch, doch lächelte gleichgültig weiter.

“Das kann schon sein. Aber was machen jetzt noch ein oder zwei weitere Opfer schon aus? Solange es der Mehrheit der Bevölkerung mehr oder minder gut geht habe ich meine Arbeit getan, oder nicht?”

Haruakira stand hastig auf und starrte Kiyomasa Hyoga wutentbrannt an.

“Ich verstehe schon! Ihr passt wirklich wunderbar in die Rolle eines hochrangigen Beamten! Solange es Euch gut geht, ihr versorgt seid und euren Leidenschaften nachgehen könnt, ist das Wohlergehen der Menschen unter Euch egal! Hauptsache es schmeckt, nicht war?”

“Haru!” zischte Raikou scharf und stand ebenfalls auf, doch der Weißhaarige ignorierte sie.

“Wo müssen wir hin? Woher kommen die Flüche?” redete Haruakira eindringlich auf den Kokushi ein während seine sternförmigen Pupillen den jungen Beamten fixierten.

Hyoga blickte mit seinen stechend gelben Augen zurück und wirkte kurz perplex, doch dann entgleisten seine Gesichtszüge und er begann hemmungslos zu lachen.

“Heheheheheeee… scheinbar sind meinen Menschenkenntnisse doch nicht so gut!” er hob abwehrend die Hände. “Ich dachte, ich müsste mich ein wenig mehr an Hofetikette halten, wenn ein Minamoto anwesend ist.. aber wenn das so ist… westlich von hier ist ein Shintoschrein. Verlassen. Von dort gehen die Flüche um.”

“...ein Schrein? Wem ist er geweiht?” fragte Haru nun ruhiger nach, aber er schloss seine Augen nicht.

“Amanojaku.” sagte Kiyomasa Hyoga und sein Lächeln gefror zu einer gruseligen Grimasse.

Er schluckendes Geräusch kam von Haru, als er das hörte. Der Onmyouji ließ sich wieder fallen. Er griff sich angestrengt an seine Schläfen und rieb sie. Tsuna, der sich bisher herausgehalten hatte, war verwirrt. Er hatte bisher von Haruakira dein Eindruck gehabt, dass den Mann nichts aus der Ruhe bringe. Selbst seine ständigen Beschwerden wirkten eher wie ein Spiel. Aber erst war er so aufbrausend gewesen bei den Worten des Kokushi und jetzt wirkte er aufrichtig verstört.

“...es wurde sicher vorgegeben, dass jemand anders dort angebetet wurde. Vermutlich Okuninushi oder gar der Mikoto selbst.” brachte Haru gepresst hervor.

“Selbstverständlich.” sagte der Kokushi mit einem unveränderten, unpassend wirkenden Lächeln. “Euer Wissen ist wirklich umfangreich~”

“Wisst Ihr, ob in dem Schrein irgendetwas war? Ein Objekt der Anbetung oder ähnliches?” warf Raikou ein.

“Durchaus. Ich habe dort nie einen Fuß hineingesetzt, sonst wäre ich vermutlich nicht mehr~” sagte Kiyomasa Hyoga. Seine Stimme schwang um und er klang plötzlich das erste Mal seit er den Raum betreten hatte ernst. “...werdet Ihr das Problem lösen können?”

“Schwer zu sagen.” antwortete Raikou ehrlich. “Wenn Ihr uns den genauen Standort des Schreins verratet, brechen wir trotzdem umgehend auf.”

Der Kokushi blickte kurz zur Seite und lächelte dann wieder. Er zog unter seinem Junihitoe eine zusammengerollte Karte hervor und reichte sie Raikou. Der Samurai öffnete diese und studierte sie.

“Gut.” legte Raikou fest. “Tsuna. Wir brechen auf.”

Tsuna erhob sie schnell unter dem Befehl von Raikou und gesellte sich zu ihr. Haruakira machte allerdings keine anstalten, auch zu gehen.

“Raikou.” sagte er bloß und warf ihr einen Talisman zu, damit sie die Flüche sehen konnte. “Gib mir eine Stunde, dann bin ich bei euch.”

Raikou nickte und verließ den Raum, dicht gefolgt vom verwirrten Tsuna.

“Warum kommt Haru nicht..? Ohne ihn wird es doch sicher schwierig.”

“Erstens, unterschätze dich und mich nicht.” rügte Raikou ihren Schüler. “Zweitens, er muss noch ein Bannsiegel vorbereiten. Auf so etwas waren wir ehrlich gesagt nicht vorbereitet.”


_____



Tsuna und Raikou standen vor dem zerfallenen der sich auf einer mondhellen Lichtung befand. Tsuna hatte Raikou auf dem Hinweg gefragt, was dieses Amanojaku sei, da er von diesem Gott noch nie gehört hatte.

“Amanojaku ist laut Überlieferung ein Bunrei von Susano-o. Der Gott des Sommersturmes legte eines Tages all seine negativen Emotionen, wie Zorn und Hass ab und aus diesen Emotionen formte sich Amanojaku. In Wahrheit ist Amanojaku aber nichts anderes als ein Fluchgeist, der aus der Angst der Menschen vor der möglichen Existenz eines solchen Wesens geboren wurde.”

Orte und Gegenstände, die Amanojaku zugeschrieben sind, bringen oft starke Fluchgeister hervor und der Klan der Abe, Haru’s Familie, hatte es sich zur Aufgabe gemacht die Idee von Amanojaku aus dem Land zu vertreiben - und Haru hatte viele Verwandte an Amanojaku verloren. Tsuna verstand die Reaktion des Weißhaarigen nun ein wenig mehr, wenn auch nicht endgültig.

Die Nacht war kühl und still, dennoch war es um den stillen Schrein herum bedrückend. Raikou hatte den Talisman an ihrer Stirn befestigt und ihr Schwert gezogen. Tsuna hatte es ihr nachgetan, als sie sich dem Schrein langsam näherten. Etwas knackte unter Tsunas Füßen und als er nach unten blickte, sah er menschliche Gebeine an denen noch halb verwesendes Fleisch hing. Der helle Stoff der Teile der Gebeine umhüllte, offenbarte, dass es einmal ein Mädchen gewesen war, was hier nun lag - vermutlich eine der vermissten aus der Kokufu. Der Anblick hätte Tsuna normalerweise einen Schrei entlocken müssen oder zumindest abstoßen lassen, aber er fühlte sich nur dumpf und leer.

“Willst’ gucken?” blubberte eine Stimme aus dem inneren des Schreins, woraufhin Tsuna aufblickte - erst zu Raikou und dann in die Richtung in die sie blickte.

“Willst’ gucken?” blubberte es erneut und eine groteske Gestalt stapfte träge aus dem Schrein hervor.

Der Fluch lief auf vier Beinen und hatte den Leib eines riesigen Salamanders, doch dort wo bei einem Salamander der Kopf war, spross dem Fluch ein menschenähnlicher Torso gen Himmel, der acht Arme besaß. Sechs der Arme waren wie zu einem Gebet gefaltet und hatten sogar Nenju, Gebetsketten, um die Handgelenke gewickelt. Die oberen beiden Arme führten weitere menschliche Überreste in Richtung eines Kopfes, der an den eines Koi erinnerte.

“Willst’ gucken?” blubberte der Fluchgeist erneut und schob sich das Menschenfleisch in den Rachen.


_____
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast