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Kyourandotou - Zeit des Aufruhrs

von Vangueis
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Historisch / P18 / Gen
OC (Own Character)
25.09.2021
28.05.2022
20
26.018
4
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Dieses Kapitel
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14.11.2021 1.242
 
Tsunemaru kniete mit verkrampften Händen vor der Spinne mit dem Gesicht seiner Mutter. Sein Kopf war leer und er fühlte nichts, seitdem er aufgehört hatte zu schreien. Die stetigen Entschuldigungen des Dings, was seine Mutter war, drangen gar nicht mehr an seine Ohren. Er verstand einfach nicht, was er vor sich hatte. War er wirklich das Kind von seinem Ding? Wenn nicht, war sein Leben bisher eine Lüge? Wenn ja, war Azusa dann überhaupt seine Schwester.

“Sag…” setzte er emotionslos an. “Bist du wirklich meine Mutter?”

Die Entschuldigungen der Spinne hörten auf.

“...ich habe dich nicht… geboren…” fing die Spinne an. “...ich weiß auch nicht… wer deine Eltern sind… Ein Samurai… den ich liebte.. brachte dich zu mir…” flüsterte die Spinne unter Schmerzen.

“Und Azusa?” hakte Tsunemaru nach. Die Worte der Spinne überraschten ihn wenig, was ihn selbst ein wenig wunderte.

“..sie…” setzte die Spinne an, doch gab dann ein gurgelndes Geräusch von sich.

“Sie ist wirklich deine Schwester.” beendete die Stimme eines alten Mannes ihren Satz.

Tsunemaru musste sich nicht in Richtung der Stimme zu drehen, um zu wissen, dass es der alte Nukesaku war. Der Alte humpelte an Tsunemaru vorbei und setzte sich ächzend neben die Spinne und strich ihr beruhigend über den menschlichen Kopf. Tsunemaru musst feststellen, dass dem Alten ein Arm fehlte und sein Körper mit blutigen Bandagen übersäht war.

“...Yasu…” hauchte die Spinne noch leiser und schwächer als zuvor.

“Schon gut Mikasa, ich werde es ihm so gut es geht erklären.”

“Yasu? Du hast also doch einen Namen.” stellte Tsunemaru trocken fest, ohne das plötzliche verschwinden und erneute auftauchen des Alten zu hinterfragen. Die Nacht, das Schicksal von Azusa und der Anblick seiner ‘Mutter’ hatten ihn schlichtweg die Fähigkeit geraubt, sich noch zu wundern.

“Es wäre schwierig gewesen, unter meinem Namen hier zu leben.” fing der Alte an. “Man nennt mich Washuu no Amakuni Yasutsuna. Ich bin Schmied und vor allem Jujutsuist. Deine… Mutter ist ein künstlich geschaffener Fluchgeist. Es gibt mehr von ihrer Art, doch sie war die Erste.Sie wurde geschaffen, um Menschen zu töten und in dieser Zeit wurde sie als Kugamimi no Mikasa bekannt”

“Warum konnten andere sie dann sehen? Du hast mir doch beigebracht, dass nicht jeder Fluchgeister sehen kann. Und warum sah sie aus wie ein Mensch?” fragte Tsunemaru nach, ohne dass sich eine Emotion in seine Worte einschlich.

“Ihr Jujustu ist eine Illusion. Sie tarnte sich al wunderschöne Frau unter ihren Opfern. Bis sie Liebe fand. Der Samurai, der dich an sie gab, war ein guter Freund deiner Eltern. Deine Schwester vertrauten sie mir an und ich suchte nach dir, bis ich Mikasa traf und wir hier über euch wachten.”

Kugamimi no Mikasa streckte schwach eines ihrer Spinnenbeine aus und streichelte über die Wange von Tsunemaru, während sie sich abermals entschuldigte.

“Meine… richtigen Eltern, sie sind tot, wie?”

“Getötet von dem Mann, den du letzte Nacht kennenlernen durftest. Er ist… etwas ähnliches wie ein Fluchgeist und der Schöpfer von Mikasa und ihren Schwestern.”

Yasutsuna stöhnte schmerzerfüllt.

“Mir bleibt auch nicht mehr viel Zeit… Mikasa, lass gut sein. Mehr konnten wir nicht tun…” raunte der alte Jujutsuist.

“Es tut mir so leid, Tsunemaru… ich hätte.. mit dir darüber sprechen sollen… du warst doch… mein Sohn…”

Auch wenn sein Gesicht sich nicht regte rannen Tränen über die Wangen von Tsunemaru, als er das bein der Spinne sanft ergriff.

“Danke für alles, Mama…” hauchte er und ein letztes Mal sah er ein Lächeln im Gesicht seiner Mutter, bevor sich der Körper des künstlichen Fluchgeistes auflöste und die Spinne die für ihn Mutter war endgültig starb.

“Suche diesen Mann und hol dir deine Schwester zurück, Junge.” raunte Yasutsuna. “Schütze dass, was dir lieb ist und finde dein Glück, gerade wenn du leidest…”

Amakuni Yasutsuna machte ein zahnloses Lächeln bevor sich seine trüben Augen schlossen und auch er begann, den ewigen Schlaf zu schlafen.


_____



Tsunemaru schritt von den Gräbern weg, die er für seine Mutter und Yasutsuna ausgehoben hatte. Sie waren einfach, doch Tsunemaru war ihnen zumindest so viel schuldig.

“Namu Amida daibosatsu…” raunte Haruakira ein kurzes Gebet, um die Gräber zu segnen.

“Ich kann immer noch kaum glauben, dass der Trunkenbold, der dir das Wissen über Flüche vermittelte, Amakuni Yasutsuna gewesen war. Er muss über zweihundert Jahre alt gewesen sein.” sagte Raikou, der sich zu Tsunemaru und Haruakira gesellte. “Aber das Schwert was er dir gab, spricht dafür. Es befindet sich in keinem der Register der Fluchwerkzeuge, die er geschmiedet hat.”

“Fluchwerkzeuge… Es gibt also mehr solcher Waffen, die Flüche verletzen können?” fragte Tsunemaru.

“Richtig. Mein Schwert stammt auch aus der Hand von Yasutsuna, es hat sich allerdings noch keinen Namen verdient. Da ist es deinem garnicht so unähnlich.”

Raikou löste das silbrige Schwert von seinem Gürtel und hielt es mit dem Girff Tsunemaru hin. Der Junge packte das Schwert, doch Raikou ließ es nicht los.

“Was hast du jetzt vor? Was willst du aus deinem Leben machen?” fragte der Samurai den Jungen.

“Ich möchte Jujutsuist werden, um meine Schwester zurückzuholen.”

“Nur deswegen? Da draußen gibt es viele schreckliche Dinge wie die Nacht, die du erlebt hast. Wir können uns auch um deine Schwester kümmern und du musst solchen Schrecken nicht mehr erleben.” erwiderte Raikou. Woraufhin Tsunemaru den Kopf schüttelte.

“Was bringt mir das, das auf andere abzuschieben? Wenn ich nicht aus eigener Kraft das schützen kann, was mir lieb ist, wird sich so etwas wie diese Nacht immer wieder wiederholen.” sagte Tsunemaru mit überzeugter Stimme.

“Gut.” sagte Raikou knapp und ließ das Schwert los, wodurch Tsunemaru ein wenig nach hinten stolperte. “Wir werden dich unter unsere Fittiche nehmen. Haru bringt der Jujutsu bei und ich dir Schwertkampf. Das Rumgefuchtel mit Stöcken im Wlad kann man schließlich kaum so nennen.”

“Eeehhhh… muss ich das wirklich machen? Kann nicht auch Doumatcha das übernehmen, wenn wir wieder in der Hauptstadt sind?” beschwerte sich Haruakira.

“Ich bezweifle, dass es Ashiya-dono gefallen würde, wenn du ihm deine Aufgaben aufdrückst.”

“Aber gerade dass wäre doch amüsant!”

“Haru!” zischte Raikou scharf. “Wenn du noch weiter nörgelst, wirst du Riko noch ein gutes Stück länger nicht sehen können.”

“Du bist echt ein Leuteschinder.” sagte Haruakira resigniert. “Aber ich schätze mir bleibt keine Wahl…”

Raikou lächelte kurz und begann zu laufen.

“Brechen wir auf und verschwenden keine weitere Zeit.” sagte der Samurai bestimmend, doch hielt noch einmal inne und drehte sich noch einmal zu Tsunemaru um. “Wie heißt du eigentlich?”

“Tsunemaru.”

“Das ist zu lang, ich werde dich Tsuna nennen.” legte Raikou fest und schritt weiter.

“Gewöhn dich lieber daran.” sagte Haruakira zu Tsunemaru. “Der junge Herr hat einige Eigenheiten.”

“Tsuna…” raunte der nun so betitelte. “Eigentlich gar nicht so schlecht.”


_____



Wissen zur Heian-Zeit


Washuu no Amakuni Yasutsuna:
Ein halbmytischer Schwertschmied aus der historischen Provinz Yamato, die man auch Washuu nennt. Er soll um 700 herum das gebogene Hiebschwert erfunden haben, dass man heute als Katana kennt.

In dieser Geschichte war ein Jujutsuist, der viele verschiedene Fluchwerkzeuge herstellte.


Kugamimi no Mikasa:
Eine Tsuchigumo - ein Yokai in Form einer riesigen Spinne - die lange Zeit über den Oeyama bei Kyoto geherrscht haben soll, bis sie von einer Gruppe Oni vertrieben wurde.

In dieser Geschichte ist sie ein künstlicher Fluchgeist, der vom Priester erschaffen wurde, weshalb er sie auch als seine Tochter bezeichnete.


Ashiya Douman:
Ein Onmyoji aus der historischen Provinz Harima und der ärgste Rivale von Abe no Seimei. Seine Lebzeiten sind nicht bekannt, er soll nur ein ganzes Stück älter als Seimei gewesen sein. Man kennt ihn auch Douma Hoshi.
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