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Kyourandotou - Zeit des Aufruhrs

von Vangueis
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Historisch / P18 / Gen
OC (Own Character)
25.09.2021
28.05.2022
20
26.018
4
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
31.10.2021 1.194
 
Der junge Samurai sah Tsunemaru an und lächelte dann. Tsunemaru war immer noch recht verwirrt. Die Ereignisse der Nacht und nun die beiden Fremden - es war alles zu viel für ihn.

“Hast du Durst?” fragte der Samurai mit dem Wappen der Genji und hielt Tsunemaru einen ledernen Wasserschlauch hin.

Der Junge ergriff den Schlauch und trank einen Schluck.

“Danke, Herr…” murmelte Tsunemaru, doch der Samurai hob abwehrend die Hand.

“Sei nicht so förmlich, nur weil Haru dich mit seinem vollständigen Namen und seiner Stellung überfallen hat. Unsere Stände sind gerade nebensächlich.”

Die Stimme des Samurai war sanft aber zugleich bestimmend, sodass Tsunemaru nicht anders konnte, als ehrfürchtig vor dem schönen, jungen Mann zu sein. Und außerdem… Tsunemaru nickte in Richtung des Wappens auf dem Brustpanzer des Samurai.

“Ihr seid doch ein Genji oder zumindest ein Vasall der Genji…”

“Tjo, da hat er recht.” kommentierte Haruakira. “Ich hab erst meinen Mund aufmachen müssen, damit er wusste, wer ich bin. Da du aber dein Wappen stolz vor deiner Brust trägst, ist es doch logisch, dass Leute direkt Respekt vor dir haben. Ich muss aber schon zugeben, dass es mich überrascht, dass ein Hinterwäldler aus einem Eiterpickel am Ende der Welt ein Wappen erkennt~”

“Haru!” zischte der Samurai mahnend, bevor er sich wieder Tsunemaru zuwandte und sich vor dem Jungen hinkniete. “Du hast recht. Ich bin ein Genji. Ich heiße Raikou und bin der erste Sohn von Minamoto no Mitsunaka. Das ist allerdings nicht von belang, auch wir sind Normalsterbliche. Fühlst du dich in der Lage, uns ein paar Fragen zu beantworten?”

Tsunemaru nickte langsam, seine Verwirrung war allerdings noch nicht gemindert. Raikou blieb bei ihm gekniet und begann seine Fragen zu stellen:

“Was ist hier passiert?”

Tsunemaru begann zu erzählen, was er erlebt hatte. Von den Insekten, die wie ein Sturm über das Dorf hergefallen waren. Den Leuten, die von dem Ungeziefer getötet wurden waren. Dem Priester, der die Tiere befehligt hatte. Und natürlich erzählte er, auch wenn es ihm mit jedem Wort schwerer fiel, was seiner Mutter und Schwester passiert war. Raikou hatte die ganze Zeit zugehört, ohne Tsunemaru zu unterbrechen, doch Haruakira hatte während der Erzählung eine Augenbraue gehoben und hatte zunehmend skeptischer gewirkt.

“Dürfe ich noch ein paar Sachen erfahren?” fragte der Weißhaarige, und fuhr fort, ohne auf eine Antwort von Tsunemaru zu warten. “Was meinst du mit ‘übergroßen Insekten? Sowas wie das hier?”

Haruakira hob seine Hand, wie ein Falkner der seinen Vogel auf dem Arm landen ließ, doch anstatt eines Vogels landete eine riesige Motte auf dem Arm des Weißhaarigen - eine Motte wie die, die auch in der Nacht auf Azusa gelandet waren. Tsunemaru schreckte zurück und wich ein wenig nach hinten weg.

“Oh? Du kannst ihn also sehen? Du bist vielleicht doch spannender, als ich dachte. Tut mir leid, dich als Hinterwäldler bezeichnet zu haben.”

“Was meinst du, ich kann ihn sehen!? Natürlich kann ich das!” stammelte Tsunemaru panisch.

“Nun, ich kann nicht sehen, was Haru da hat.” sagte Raikou ruhig, woraufhin Tsunemaru ihn ungläubig anstarrte.

“Wie kannst du das nicht sehen!? Diese… riesige Motte!”

“Er sieht also wie eine Motte aus, ja?”

Raikou war nach wie vor ruhig. Konnte er das Ding wirklich nicht sehen? Plötzlich traf es Tsunemaru wie ein Blitz. Waren die Insekten des Priesters etwa Flüche? Er hatte sie schon immer sehen können und der alte Nukesaku hatte ihm einiges erklärt, aber sie hatten doch nie wie ‘richtige’ Tiere ausgesehen.
Haruakira hob den Arm und die Motte erhob sich, doch mit einem Schnippen der Finger des Weißhaarigen platzte das Insekt und seine Fetzen verglühten mit blauen Flammen.

“Du kannst also wirklich Flüche sehen. Dann mag ich zu meinen ganzen Beschäftigungen noch hinzufügen, dass ich Jujutsuist bin. Oh, verzeih, dass sollte ich vielleicht erklären-”

“Ich weiß was Flüche sind.” unterbrach Tsunemaru den Jujutsuisten und starrte zu Boden.

Haruakira machte ein kurzes “Eh?”, woraufhin Raikou lachend aufstand.

“Ich hoffe, dass es dir jetzt Leid tut, wie du ihn von oben herab betrachtet hast, Haru.”

Das Lachen ebbte ab und Raikou kehrte sofort zu seiner ernsten und ruhigen Natur zurück, die er bisher an den Tag gelegt hatte.

“Du kannst also Flüche sehen. Für wie lange?” hakte der Samurai nach.

“Schon immer, eigentlich… der alte Nukesaku hat mir dann erklärt, was die Dinge waren, die nur ich und keiner der anderen hier im Dorf sehen konnte. Nun, er konnte sie auch sehen.”

“Du sagtest, dass dir dieser Nukesaku, wie du ihn nennst, ein Schwert gegeben hat, als die Insekten kamen. Ist es das hier?”

Raikou griff an einen der Schwertgriffe, die von seinem Gürtel hervorragten und zog das silbrige Schwert von Nukesaku hervor.

“Es war in einem der Häuser. Ich nehme an, dein Haus. Du solltest dort noch einmal hin. Deine Mutter… wenn sie das ist- sie ist noch dort.”

“Raikou.” warf Haruakira mit einem ungewöhnlich trockenen Ton ein. “Sollte er das wirklich sehen müssen?”

“Er hat wenigstens die Möglichkeit, Abschied von seiner Mutter zu nehmen.” erwiderte Raikou ein wenig melancholisch, bewahrte aber seine Ruhe.


_____



Raikou und Haruakira waren vor der zerfallenen Hütte stehen geblieben, die einmal das Heim von Tsunemaru und seiner Familie gewesen war. Der Junge spürte schon seit einiger Zeit nur noch Leere. Er wusste nicht warum, aber seitdem er wusste, dass die Insekten Flüche gewesen waren, machte er sich Vorwürfe. Natürlich war das unsinnig. Selbst wenn er vorher gewusst hätte, das es Flüche waren, was hätte er tun können? Er war doch nur ein einfacher Bauer, der im Wald mit einem Stock Soldat spielte. Er war niemand, der andere beschützen konnte, so sehr es auch wollte. das Resultat davon war, dass seine Mutter tot und Azusa verschwunden und… anders war. Er schritt durch die Hütte, an dem verwüsteten Feuerplatz vorbei. Der Kochtopf war umgeworfen und die Reste der Knochensuppe mit der Asche des Feuerholzes vermischt. Überall waren blutspritzer und die abgetrennte Hand des einen Dörflers lag immer noch am Boden. Der Junge schritt weiter in das Hinterzimmer, wo seine Mutter immer auf einem Futon geruht hatte. Er hatte eine geschändete und verstümmelte Leiche erwartet, doch der Anblick der sich ihm bot, ließ ihn schreiend zusammenbrechen. Auf dem Futon lag keine Frauenleiche, sondern eine riesige Spinne, deren Beine noch zuckten. Der Kopf der Spinne war jedoch der seiner Mutter. Ihr langes Haar war immer noch so glatt und schön, wie in der Zeit, als sie noch bei Sinnen gewesen war und vor die Tür ging.

“Tsune...maru…” hauchte die Spinne mit dem Gesicht seiner Mutter mit einer Stimme, die verzerrt wie das Gebrabbel von Fluchgeistern klang.

Tränen sammelten sich in den Augen der Spinne und sie begann unaufhörlich “Es tut mir leid… es tut mir leid… es tut mir leid…” zu flüstern.


_____



Happy Halloween miteinander!
Ich hoffe, dass euch die Geschichte gefällt und sie euch auch weiterhin auch gefallen wird. Ich mag nicht viel auf eure Reviews eingehen, aber jede einzelne freut mich immer und ich bin euch dankbar für euer Interesse an dem, was ich hier fabriziere. Das nächste Kapitel wird auch nicht zu lange auf sich warten, da ich nun endlich die Planung finalisiert habe. Ich freue mich schon auf eure Reaktionen zu den verschiedenen Figuren, die ihr noch treffen werdet. Bis dahin!
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