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Kyourandotou - Zeit des Aufruhrs

von Vangueis
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Historisch / P18 / Gen
OC (Own Character)
25.09.2021
28.05.2022
20
26.018
4
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Dieses Kapitel
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16.10.2021 1.365
 
Der Holzscheit knackte und Funken flogen von dem Lagerfeuer auf, als ein junger Mann deprimiert das angebrannte Stück Fleisch aus schmalen Augen ansah, die seinem Gesicht etwas fuchsartiges gaben. Er seufzte laut und blickte nach unten, wodurch ihm sein struppiges, schneeweißes Haar in die Stirn fiel.

“Ah… die letzten Wochen immer diese Fetzen Fleisch zu essen tagein, tagaus, wie unzivilisierte Barbaren, macht mir echt zu schaffen. Ich vermisse Riko’s Küche. Reis, Edamame und alles was ich mir wünsche.. hach, Riko fehlt mir auch… ihre weiche Haut, ihr wohlgefor-”

“Hör auf zu heulen und iss, du geiler Lurch!” sagte sein Gegenüber und steckte sich genüsslich den dritten Fleischspieß in den Mund. “Wenn du nur am rumningeln bist, dauert es nur noch länger, bis wir nach Heian-kyo zurückkehren können.” sagte ein zweiter junger Mann unter lautem Geschmatze.

Im Gegensatz zur einfachen Gewandung eines pilgernden Buddhisten, die der weißhaarige trug, war der andere Mann in eine rot und grün bemalte Rüstung über dunkelblauer, weiter Kleidung. Das lange dunkler Haar war zu einem Zopf gebunden, sodass nur noch ein kurzer Pony in das weiche Gesicht des jungen Mannes fiel. Neben ihm ruhte ein Schwert, dass in einem Heft aus Bärenpelz steckte und der Eboshi, der normalerweise seinen Kopf schmückte. Der Weißhaarige rümpfte die Nase und biss widerwillig in seinen eigenen Fleischspieß.

“Manchmal frage ich mich wirklich, ob du tatsächlich ein Minamoto bist. Du isst wie ein Schwein, sprichst wie ein Rüpel und zeigst keinerlei Respekt gegenüber meiner Wenigkeit.”

“Wer dich respektiert, kennt dich nicht lang genug, Haru.” schmatzte der Samurai.

“Und undankbar ist der junge Herr auch noch!” empörte sich der Weißhaarige und schnippte mit den Fingern, woraufhin der krötenartige Fluchgeist zerplatzte, der sich dem Samurai von hinten genähert hatte. “Das war der fünfzehnte diese Nacht.” sagte Haru trocken. “Machen wir uns an die Arbeit, Raikou.”

Minamoto no Raikou warf den abgeknabberten Fleischspieß hinter sich und stand auf, während er sich den Eboshi aufsetzte und das Schwert in seinen Gürtel steckte. Haru kramte in der Innenseite seines Gewandes und zog einen kleinen, beschrifteten Zettel hervor und klebte ihn Raikou an die Stirn. Im Moment, als der Zettel Raikou berührte, begann der Samurai die Fluchgeister im Wald zu sehen - etwas, wozu er ohne die Hilfe des Jujutsuisten Abe no Haruakira nicht in der Lage wäre. Raikou zog sein Schwert, eine lange, einschneidige und leicht gebogene Klinge. Ein Schriftzeichen schimmerte auf der Klinge und zeichnete die Waffe als ein Fluchwerkzeug aus.

“Beginnen wir.” sagte Raikou knapp, woraufhin Haru nickte und die beiden jungen Männer ins Dunkel der Nacht verschwanden, den unglaublich starken negativen Emotionen folgend, die selbst für sie spürbar waren.


___



Der Priester mit den dreipupilligen Augen musterte Tsunemaru amüsiert, während dieser sich in der Umklammerung des monströsen Hundertfüßers verzweifelt wandte, um zu seiner kleinen Schwester zu gelangen, die von schneeweißen Motten bedeckt war und keinen Mucks mehr von sich gab. Aus dem Hinterzimmer waren ekelerregende Geräusche zu hören, jedesmal wenn die Dörfler mit ihren Werkzeugen verzweifelt auf die Mutter von Tsunemaru und Azusa einschlugen, im Glauben nur so ihr Leben retten zu können.

“Freue dich, Junge.” sagte der Priester. “Die Fesseln die meine Tochter auf euch legte, sind nun gelöst. Deine Schwester und du seid nun frei..! Ihr Blumen, die von einer Spinne gepflegt wurden. Sieh hin!”

Der Priester deutete auf Azusa, auf der die Motten sich regten wie Herbstlaub im Wind. Zwischen den Motten züngelten Schwaden von dunklem Rauch, der sich auf Azusa zu bewegte.

“All den Hass und die Furcht auf euch und eure Mutter nimmt deine Schwester gerade selbstlos auf. Du solltest stolz darauf sein. obwohl sie doch eine Blume des Bösen ist, hat sie ein reines Herz und nimmt die Bürde auf sich, die Flüche aus dem Schoß der in diesem Dorf verborgen lag auf sich zu nehmen und… oh?”

Der Priester hielt inne, als er feststellte, dass sich der Hundertfüßer um Tsunemaru qualvoll wandt und er dampfte, als würde verätzt werden. Kristallklares Wasser stieg vom Boden unter den Füßen von Tsunemaru auf und schien den Hundertfüßer zu verletzen. Der Priester konnte nicht als Lachen.

“Also wirklich! Eine der Blumen wird von Suiten beschützt. Meine Tochter hat also ein Kind aus dem Haus von Byakko aufgenommen! Haha~ das ist wirklich köstlich!”

Tsunemaru wandt sich noch mehr und merkte, wie der Hundertfüßer langsam lockerte. Der Junge strengte sich so sehr an, dass Äderchen in seinem rechten Auge platzten und es rot anlief. Der Hundertfüßer quiekte qualvoll und löste sich von Tsunemaru. Während das Ungeziefer zu Boden fiel und in blaue Flammen aufging, griff Tsunemaru das silbrige Schwert von Nukesaku und stürmte schreiend auf den Priester zu. Dieser wirkte kurz überrascht, doch wich er dem unbeholfenen Hieb des Jungen mühelos aus. Der Priester hob seinen insektenartigen Arm und sah Tsunemaru grimmig an.

“Du greifst mich an? Wie tollkühn du  doch bist! ...das ist ja widerlich.”

Mit diesen Worten schnippte der Priester mit den Fingern und mehrere monströse Hundertfüßer gruben sich unter Tsunemaru aus den Boden, doch das Schwert von Nukesaku zerteilte sie, wie als hätte es einen eigenen Willen.

“Hahaha--! Großartig, ist das!” kommentierte der Priester und stieß mit seiner gepanzerten Hand zu.

Die langliedrigen Finger bohrten sich in Tsunemaru und durchbrachen seine Bauchdecke. Den Schmerz nahm er gar nicht wirklich wahr. Er fühlte sich einfach nur taub, als der Priester ihn mühelos durch die Wand der Hütte schleuderte. Der Junge prallte auf den geebneten Dorfplatz und das Schwert wurde ihm aus den Händen gerissen. Etwas warmes breitete sich unter ihm von seinen Bauch ausgehend aus, als der Priester gemächlich aus der Hütte schritt und sich wie nach getaner Arbeit streckte. Etwas später kamen auch die Dörfler nach und das Blut von Tsunemaru’s und Azusa’s Mutter tropfte von ihren Werkzeugen. Der eine, dessen Hand Tsunemaru abgetrennt hatte entdeckte den Jungen und ging auf ihn lachend zu. Tsunemaru konnte kaum verstehen, was der Dörfler sagte und die Tritte des Mannes in seine Seite nahm er auch nur kaum war, als es plötzlich taghell wurde und eine riesige Hand aus Feuer den Dörfler umklammerte und von Tsunemaru fortriss. Der Junge blickte in die Richtung der Hütte und sein Blick klärte sich. Azusa schritt mit gehobenem Arm aus der Hütte und die Pranke aus Feuer kehrte zu ihr zurück. Wie ungewöhnlich das auch sein mochte, Tsunemaru war überglücklich, dass seine kleine Schwester lebte. Seine Augen waren und Sinne waren allerdings schon soweit getrübt, dass er das dritte Auge und die Hörner auf ihrer Stirn, sowie die roten Markierungen auf ihren wundersam geheilten Körper gar nicht erkannte.


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Wissen zur Heian-Zeit


Minamoto no Raikou:
Auch bekannt als Minamoto no Yorimitsu. Das Oberhaupt des Settsu-Zweiges des Genji-Clans. Ein Samurai der von 948 bis 1021 lebte und einer der frühesten Minamoto, der für seine militärischen Erfolge in die Geschichte einging. Nach dem Anwa-Vorfall diente er gemeinsam mit seinem Bruder Yorinobu dem regierenden Fujiwara-Clan und erledigte die gewaltsamen Aufgaben, die die Fujiwara selbst nicht übernehmen konnten. Zahlreiche Mythen erzählen auch von seinen Kämpfen gegen verschiedene Yokai, weshalb er selbst mythischen Status erreicht hat.


Abe no Haruakira:
Besser bekannt als Abe no Seimei. Ein Gelehrter, Astrolog und Onmyouji (in etwa “Magier”) der von 921 bis 1005 gelebt haben soll und am Hofe des Tenno in Heian-kyo als Berater diente. Über sein Leben gibt es viele Ungereimtheiten, da sein Name auch in Aufzeichnungen vor seiner Geburt oder nach seinem Tod fällt. laut Legenden soll er hin und wieder Minamoto no Raikou geholfen haben, gegen Yokai zu kämpfen. Nach seinem Tod wurde er in den Status einer Lokalgottheit erhoben und noch heute gibt es in Japan viel Schreine, die ihm geweiht sind. Aufgrund der Ungereimtheiten zur historischen Person ist er in dieser Geschichte etwa gleich alt wie Raikou.


Heian-kyo:
Das politische Zentrum der danach benannten Heian-Zeit. Der Name der Stadt bedeutet in etwa “friedliche/ruhige Hauptstadt” was ein ironischer Name für die unruhige Heian-Zeit ist. In der Stadt selbst herrschte auch meistens Ruhe, jedoch war alles außerhalb von Heian-kyo alles andere als ruhig und die Bewohner der Hauptstadt entschieden sich dazu, die Armut und Missstände außerhalb der Stadtmauern zu ignorieren, da sie selbst in Reichtum badeten. Heutzutage kennt man die Stadt als Kyoto.
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