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Kyourandotou - Zeit des Aufruhrs

von Vangueis
Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Historisch / P18 / Gen
OC (Own Character)
25.09.2021
28.05.2022
20
26.018
4
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11.12.2021 1.047
 
“Willst’ gucken?” brabbelte der enorme Fluchgeist vor sich hin, als er das menschliche Fleisch vertilgte

Kaum schlossen sich die fischartigen Lippen des Unholds leuchtete er von innen heraus auf und eine Wolke von erschreckend dichter Fluchkraft quoll aus der grotesken Kreatur hervor. Tsuna hatte erwartet, bei einem solchen Anblick die Fassung zu verlieren und zugegebenermaßen schrie im inneren sein Instinkt, dass er fliehen sollte, doch er hatte wie aus Reflex seinen Geist abgeschaltet, sodass er nur Leere fühlte und die natürlichen Dränge seines Körpers nur vage bemerkte. Raikou blickte ihn an. Stillschweigend gebot sie Tsuna einhalt, doch sie legte ihre Hände an Griff und Heft ihres Schwertes. Der Fluchgeist schmatzte und faltete die Hände, die eben noch den Leichnam in seinen Rachen geschoben hatten genau wie seine anderen Hände zum Gebet.

“Tsuna!” rief Raikou und wie als wären unsichtbare Fesseln gelöst wurden, zog Tsuna das silbrig glänzende Schwert von Yasutsuna aus seinem Gürtel und eilte auf den Fluchgeist zu.

Er mochte zwar seine eigene Fluchkraft noch nicht kontrollieren können, doch das Fluchwerkzeug, dass ihm der alte Mann anvertraut hatte, war mehr als genug, um gegen kleinere Fluchgeister vorgehen zu können - und auch das Fleisch des riesigen wurde wie Butter zerteilt, als der Junge zuhieb. Das rechte Vorderbein der Kreatur fiel blutig zu Boden wodurch sie überrascht aufjaulte und

“Nicht gucken! Nicht gucken!” rief und zwei Hände aus der Gebetsgeste löste und nach Tsuna schlug, doch die Arme fielen unter einem blutigen Regen zu Boden.

Raikou wischte das Blut von ihrer Klinge, nachdem sie die Arme abgetrennt hatte, doch weder sie noch Tsuna konnten eine Pause einlegen, da der Fluchgeist sich von der Überraschung des plötzlichen Angriffs auf ihn erholt hatte und nun in eine Raserei verfiel. Er löste seine restlichen Hände aus dem Gebet und schlug um sich. Dieser Schläge konnten der Samurai und sein Schüler noch ausweichen, aber plötzlich hob der Unhold unter Geheul seine abgetrennten Arme auf und schwang sie wie Keulen um sich. Hätte Tsuna nicht diese Leere in sich gefühlt und nicht konzentriert gewesen, hätte ihn der Fluchgeist mit nun verdoppelter Reichweite mit Sicherheit schwer getroffen, doch der Junge hielt sein Schwert schützend vor sich und konnte dem schweren Hieb nur schwer standhalten, doch plötzlich waren da wieder die Wassertropfen um ihn herum und verbrannten die abgetrennten Arme des Fluchgeistes wie Säure. Dennoch fiel er durch die Wucht nach hinten und riss eine morsche Holzsäule um, bevor er an der Wand des verlassenen Tempels abprallte und liegen blieb. Alles in ihm schmerzte und sein Körper wollte nicht, doch Tsuna zwang sich wieder auf die Beine, während Raikou die Flanke des Fluchgeistes aufschlitze, wodurch dieser wieder aufheulte und nach ihr hieb, doch die Kreatur erstarrte mitten in der Bewegung. Überrascht stellte Tsuna fest, dass der Fluchgeist weinte und er verstand nicht recht wieso, als sich plötzlich ein bedrückendes Gefühl in seiner inneren Leere ausbreite und ihn fast erbrechen ließ. Eine nahezu erschlagende Präsenz an Fluchkraft und Bösartigkeit machte sich aus dem inneren des Schreins breit, sodass es sogar jemand ungeschultes wie Tsuna merkte, dass dort etwas viel grausameres lauerte, als der groteske Fluchgeist mit seinen vier Beinen und acht Armen. Auch Raikou war wie erstarrt und blickte an Tsuna vorbei, zu dem Eingang des alten Schreins. Der monströse Fluchgeist jaulte leise:

“Gewonnen? Verloren? Gewonnen? Verloren?”

Aus dem Schrein schritt eine Gestalt, die auf dem ersten Blick einem Menschen glich. Sie trug einen schlichten Kimono, der sehr locker saß und die muskulöse Brust der Gestalt entblößte. Das Gesicht war auch das eines Mannes, doch da hörte die Ähnlichkeit zu einem Menschen der Gestalt auf. Die Haut war tiefrot und mündete in einem Muster, sodass das Gesicht oberhalb des Kinns eine ‘normale’ Hautfarbe hatte. Die Stirn der Gestalt war von einem dritten Auge und zwei nach hinten sprießenden Hörner geziert und von einer Mähne aus goldenem Haar umrahmt. Die Gestalt erinnerte Tsuna mit entsetzen an Azusa in jener Nacht, als sie von ihm genommen wurde.

“Man, macht ihr laut… ich hab Kopfschmerzen von meinem Kater… aaah, bin ich ausgetrocknet…” murrte die Gestalt mit einer tiefen Stimme und hob eine Kürbisflasche an seine Lippen, auf der “sehr besonderes Gebräu” geschrieben stand. Eine klare Flüssigkeit lief in den Mund der Gestalt und schwebte etwas über. Sie setzte die Flasche ab und wischte sich die Reste des hochgradigen Sake mit dem Ärmeln von den Lippen. Danach fixiere sich der Blick des gehörnten Mannes auf den Fluchgeist, der vor Angst zitterte.

“Fischi, du bist ja groß geworden..! Scheiße noch eins, wie lange hab ich den gepennt, dass du so viel futtern konntest..?”

“Wer bist du?” sagte Raikou, die sich gefasst hatte und deutete mit ihrem Schwert auf den Mann.

Dieser ignorierte sie und legte sanft seine Hand auf den Fluchgeist.

“Guter Junge…” murmelte der Mann, wodurch der Fluchgeist unkontrollierbar zitterte und weinte.

“Honenuki.” raunte der Gehörnte, woraufhin sich der Fluchgeist aufblähte, um im nächsten Moment in sich zusammen zu fallen und nur eine Wirbelsäule zu hinterlassen.

Der Gehörnte packte die Wirbelsäule und unter einem garstigen Grinsen verformte sich die Wirbelsäule so lange, bis sie ein Schwert wurde.

“Ich habe gefragt, wer du bist. Antworte!” sagte Raikou bestimmend.

Tsuna fragte sich, wie sie so gefasst bleiben konnte, selbst nach dem, was sie gerade gesehen hatten. Auch wenn sein Gefühl der Leere von seinen Ängsten, Schmerzen und vor allem seiner Verwirrung, warum der Kerl seiner Schwester so ähnlich sah, erobert worden war, zwang er sich aufzustehen. Raikou und Haruakira hatten ihn mit sich genommen, etwas, was sie nicht hätten tun müssen. Er war nur ein Bauer mit zu großen Träumen. Es war ein Wunder, dass er diese Nacht überlebt hatte. Er hatte seine Familie verloren, entweder durch den Tod oder weil sie… anders geworden sind. Raikou und Haruakira hatten ihm eine Möglichkeit gegeben, seine Familie zurückzugewinnen. Er durfte jetzt nicht aufgeben, wo er noch nichts erreicht hatte und die unendliche Güte seiner beiden Begleiter noch nicht zurückgezahlt hatte. Die Wassertropfen um ihn herum verdichteten sich zu einem dünnen Gerinnsel, dass wie ein Fluss um ihn herum durch die Luft floss und die Spitze des silbrigen Schwertes begann rot zu glühen.

“Hoh?” machte der Gehörnte. “Schaut so aus, als hätten sich ein paar Ratten in meine Speisekammer verirrt. Aber wenn ihr schonmal da seid, wollt ihr mir nicht beim Schwerttesten helfen?”


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