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Joie de Vivre - Leiden wie Gott in Frankreich

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Mix
25.09.2021
21.10.2021
10
60.784
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14.10.2021 7.284
 
Ich greife nach Azaël, er reißt mich mit und sofort durchfährt mich eine innere Wärme. Eine so wohltuende Wärme, wie ich sie noch nie gespürt habe.

Ich versuche, meine Augen zu öffnen, doch es gelingt mir nicht. Es ist, als würde ich schweben. Als würde ich im Wasser liegen; lang genug, um die Fingerspitzen nicht mehr zu spüren. Als wäre ich in Watte gepackt. Ich fühle mich entspannt, ruhig und frei.

Nur eine Sekunde kann ich dieses umfassende Gefühl wahrnehmen, da spüre ich einen Druck. Angst und Unruhe mischen sich mit einem brennenden Verlangen.
Gleich darauf folgt das Fallen. Wie dieses Gefühl, kurz bevor man einschläft und das eine Bein unkontrolliert zuckt. Ich falle und schlage auf dem Rücken auf. Ich spüre zwar den Druck, der mir wellenartig durch den ganzen Körper zu fahren scheint, doch es kommt kein Schmerz. Nur Dunkelheit und Stille folgen mir. Ich genieße den Moment.

Unvermittelt jagen Bilder vor meinem inneren Auge entlang.
Ich sehe viele Menschen, leuchtende Flecken in einem herrschaftlichen Ambiente, verschiedene Feste mit verschiedenen Ritualen an unterschiedlichen Orten. Manchmal ist es leise, manchmal unerträglich laut. Immer wieder begegne ich diesen leuchtenden Flecken, die sich zeitweise wie glühendes Metall verhalten, manchmal aber auch Wunderkerzen ähneln, oder einfach nur wie leuchtende, zu groß geratene Flummis aussehen.

Die Bilder prasseln auf mich ein und werden im Grundton dunkler. Häufiger mischen sich Szenen unter aus einer Welt, deren Himmel bedeckt ist und die aus vielen, dunklen Flüssen zu bestehen scheint. Dazwischen werde ich immer wieder durch laute, helle Momente aufgeschreckt.
Ich fühle mich gehetzt und überfordert. Gleichzeitig wird mir schlecht.

Da ich die Augen vor diesen Bildern nicht verschließen kann, versuche ich, sie zu öffnen und erstarre, als es mir gelingt. Ich spüre den kalten Waldboden in meinem Rücken, das drückende Gefühl auf meiner Brust, während langsam ein Wimmern an meinen Ohren ankommt. Ich starre auf den Scheitel wunderschönen, rabenschwarzen Haares, das mir so bekannt vorkommt.



Ohne zu zögern löse ich mich von meiner Manifestation und stemme mich gegen Luzifer, um ihn wieder durch das Portal zurückzustoßen. Ich spüre das Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird, als wir zur Erde teleportieren. Ich nehme die Schwerkraft wahr und drücke Luzifers Energie weiter nach unten. In dem Moment, wo ich seine Energie nicht mehr fühle, beginne ich, meine Gestalt wieder anzunehmen.

Gerade so schnell, dass meine Knie auf dem Waldboden aufschlagen und ich meine Hände spüren kann, die übereinandergelegt auf Angeliques Brust donnern. Panisch suche ich sie nach Lebenszeichen ab. Ihr Körper ist noch warm, aber das heißt nichts. Seit Luzifers Energie diesen Körper verlassen hatte, können höchstens drei Sekunden vergangen sein.

„Hey! Hey? Aufwachen.“, flüstere ich hektisch, während ich versuche, die unglaublich laute Natur um mich herum zu ignorieren. Ich streichle ihr über die Wange, taste gleichzeitig nach ihrem Puls an ihrem Handgelenk. Ich spüre keine Bewegung, kein Leben. Kein Brennen!
Tränen wollen mir die Sicht vernebeln, doch ich lasse es nicht zu.

Ich richte mich auf, um festzustellen, dass ich mit meinen Knien neben ihrer Hüfte gelandet bin. Eins ihrer Beine hat sich beim Zusammensacken nach innen gedreht. Die Arme sind gestreckt neben ihr zu Boden gegangen. So gut es gerade geht, starre ich ihre geschlossenen Augenlider an. Wach auf! Ich packe sie fest an den Schultern.
„Angelique! Wach bitte auf!“, flüstere ich mit erstickter Stimme, doch sie rührt sich nicht.

Sekunden vergehen, in denen mich das Gefühl überkommt, dass es jetzt vorbei ist. Dass Angelique tot ist und wir keine Ahnung haben, ob Luzifers Energie das übersteht und wenn ja, wo er jetzt auftauchen würde. Ob wir ihn überhaupt erkennen können?
Verzweifelt sinke ich langsam auf meine Unterarme, die neben Angeliques Brustkorb ruhen und lehne meine Stirn an ihr Brustbein.
„Verdammt!“, wiederhole ich mehrfach flüsternd, ohne zu bemerken, wie sich der Untergrund bewegt.

„Nergal?“
Ich reiße den Kopf hoch, als mir dieser Name wie ein Stromschlag durch den Geist rauscht: „Luzifer?“
„Wer sonst?!“
„Oh, fuck!“, bricht die Erleichterung aus mir heraus. Ich richte mich auf und spüre, wie ich mich auf ihren glühenden Oberschenkeln niederlasse. Ich lehne den Kopf in den Nacken und atme einmal tief durch. Als ich freudig meinen Blick zurück auf Luzifer richte, explodiert mir ein Schmerz an der linken Wange.

„Azaël! Runter von mir!“



„Nergal?“, frage ich ungläubig, als ich das Brennen in meiner Brust realisiere, das mein Gefährte seit Ewigkeiten in mir auslöst. Ich fühle mich in meinem Körper eingesperrt und mir ist schlecht.
Azaël schreckt von meiner Brust hoch: „Luzifer?“
Wie oft sitzt mein Kriegsgott denn auf anderen herum, ohne zu wissen, wer das ist?
„Wer sonst?!“, frage ich daher vorwurfsvoll.
„Oh, fuck!“ Er richtet sich erleichtert auf und treibt mir ein heftiges Prickeln in die Oberschenkel. Mein Herzschlag quittiert das sofort. Ich halte es kaum aus, als Azaël seinen liebevollen Blick aus tiefschwarzen Augen auf mich richtet.

Ich bin verheiratet, verdammter Gott!
Unwillkürlich hole ich aus und verpasse ihm eine Ohrfeige: „Azaël! Runter von mir!“, schnauze ich ihn an.

Ich kneife die Augen zusammen. Wieder jagen Bilder an mir vorbei. Ich kann sie nicht greifen oder verstehen. Als würde ich ein Foto ansehen, auf dem ich selbst zu sehen bin, mich aber daran nicht erinnern kann. Was ist da gerade passiert?
Als Azaël endlich aufsteht, schiebe ich mich in eine sitzende Position und reibe mir unwillkürlich über das Brustbein, unter dem sich ein merkwürdiges Brennen breitzumachen scheint. Meine Klamotten dürften hin sein, ich spüre die klamme Kälte an meiner Rückseite. Ich beobachte Azaël, der sich neben mich hockt.

Was für ein Blick war das eben? Erleichterung wohl, aber noch etwas anderes. Ich kann mich jetzt schon kaum erinnern.

„Fuck! Was ist passiert?“, frage ich ihn, während ich mir die Stirn reibe. Ein ziehender Schmerz durchfährt meinen ganzen Körper.
Azaël scheint verlegen zu sein: „Ich bin nach Kurnugia, aber du hattest nach mir gegriffen.“
„Ja und?“, frage ich irritiert. Es war noch nie ein Problem, die Portale zu nutzen.
Azaël mustert mich prüfend: „Und dabei hat deine Energie deinen Körper verlassen.“
Ich schnaube verächtlich: „Meinen Körper, aha.“, maule ich.

Plötzlich nimmt mich eine tiefe Angst ein. Ich kann sie nicht deuten.
„Ich habe meinen Körper verlassen?“, frage ich entsetzt.
Michael hat gesagt, dass ich dabei sterben werde.
Warte mal, sterben?
„Nur für ein paar Sekunden.“, ergänzt Azaël beruhigend. Tränen schießen mir in die Augen, was Azaël Besorgnis ins Gesicht treibt.
„Ein paar Sekunden.“, wiederhole ich seine Worte murmelnd.
Ich taste meinen Brustkorb ab, fühle meinen eigenen Puls am Handgelenk. Gut, ich lebe. Offenbar.
„Was mach‘ ich denn da?“, frage ich mich selbst irritiert, als mir das Puls-Tasten völlig sinnfrei erscheint.

Überforderung nimmt mich ein. Ich sehe Azaël an und würde mich gerne in seine Arme werfen, um mir selbst zu beweisen, dass ich noch da bin.

Aber etwas hält mich zurück. Das Brennen. Der Fluch!
Ich zwinge meine zitternden Beine, mich in eine stehende Position zu bringen. Azaël zuckt, als wolle er mir helfen, während er sich parallel zu mir aufrichtet.
„Wag‘ es dich!“, fahre ich ihn dunkel an. Mein tränenverhangener, böser Blick tut sein Übriges, um ihn auf Abstand zu halten.

Ich atme tief durch und ertrage die Bilder, die mich überfahren. Als ich mein Gegenüber wieder ansehe, bin ich irritiert. Etwas stimmt nicht an ihm, ich komme aber nicht darauf, was.
„Was ist passiert?“, frage ich verwundert.
Azaël legt mir eine Hand an den Oberarm und ich lasse es zu. „Ist alles okay, Luzifer?“
„Ich müsste tot sein!“, erwidere ich murmelnd. „Ich müsste tot sein, verdammt!“
Die Tränen lassen sich nun endgültig nicht mehr aufhalten. Ich mache einen Schritt vorwärts und lehne mich an Azaël an, der unschlüssig dasteht. Das heftige Prickeln nimmt mich ein, wo ich ihn berühre. Es scheint sich jetzt bis in mein Innerstes durchzufressen, bis in den Brustkorb. Trotzdem fühlt sich das gerade besser an als die Einsamkeit, die ich eben noch fühlte. Als ich mich in Azaëls Hemd kralle, legt er seine Arme um mich.
Zu viel Kribbeln.
Ich sehe zu ihm auf.

Wieso muss ich eigentlich zu ihm aufsehen?
„Azaël?“, flüstere ich verzweifelt: „Wieso bin ich so klein?“ Sein Blick wechselt unstet zwischen meinen Augen hin und her.
„Luzifer?“, fragt er prüfend. Seine Besorgnis um mich spiegelt mir die Schwäche, die ich aktuell verspüre. Der unsichere Stand, das Zittern in den Händen, die vom Verlangen nach Azaël getriebene Atmung – alles offenbart meine Schwäche.
Ich stoße ihn weg: „Lass das!“, grummele ich ihn fauchend an.
Er ist vollends verwirrt.

Ich schlage meine Arme um meinen Oberkörper. Ich fühle mich ungewöhnlich warm an, friere dabei aber schrecklich. Oder kommt das Zittern von etwas anderem? Ich spüre Einsamkeit.
Um meine schwachen Beine zu verstecken, setze ich mich wieder hin.
„Ich habe Bilder gesehen.“, murmele ich Azaël zu, der weiterhin vor mir steht.
„Bilder?“
„Ja, aber ich weiß nicht, was sie bedeuten.“
Azaël hockt sich vor mich, nicht wissend, was er tun soll. Er nähert sich meinem Knie mit einer Hand, zieht sie dann aber wieder zurück.

Fass‘ mich an, verdammt! Ich bin so allein!
„Erzähl‘ mir davon.“, bittet er sanft.

So ist er doch sonst nicht!
„Was soll ich schon erzählen? Es sind Erinnerungen!“, fauche ich, woraufhin Azaël mich wieder irritiert ansieht.
„Okay, Luzifer, du bist durcheinander. Das versteh…“
„Wie bitte?“, unterbreche ich ihn überheblich. Was wagt der sich?

Sein erschrockener Ausdruck treibt mir Schuldgefühle in die Knochen. Wieso bin ich so zu ihm?
Die Feuchte krabbelt mir durch den Hosenboden, weshalb ich mich auf den Schienbeinen niederlasse. Ich komme Azaël damit näher. Er beobachtet mich skeptisch.
„Ich habe mich so ruhig und frei gefühlt.“, flüstere ich in der Bewegung und sehe ihn an, als ich endlich bequem sitze. Neue Tränen treten über meinen Wimpernkranz.
„Für eine Sekunde war alles in Ordnung. Bevor ich gefallen bin.“ Meine Stimme ist ein Flüstern. Azaëls Züge werden weicher, aber wiederum besorgt.

Meine Erinnerungen fluten mich. Was ich ihm an den Kopf geworfen habe, bevor ich in das Portal gezogen wurde.
„Es tut mir leid, was ich gesagt hab!“, schluchze ich. Ich kralle mich in mein eigenes Shirt, um irgendetwas festhalten zu können.
„Das braucht dir nicht…“
„Ich hab‘ solche Angst, Azaël!“, gebe ich kleinlaut zu.
Ich kann diese Erinnerungen nicht greifen. Was bleibt, ist das Urvertrauen, das mein Gegenüber in mir auslöst. Immer schon. Ein Sprudeln in meiner Brust irritiert mich. Amédée!

Übelkeit übermannt mich. Ich schäme mich, während ich auf allen Vieren zur Seite krabbele und mich übergebe. Azaël sammelt meine langen Haare ein, hält sie fest und streicht mir mit der anderen Hand langsam über den Rücken. Das heiße Prickeln, das er auslöst, erregt und beruhigt mich gleichzeitig.
Ich bin völlig überfordert.
Als ich nur noch Magensäure würge, krieche ich von dem feuchten Fleck weg und wische mir mit dem Jackenärmel über den Mund.
„Entschuldige.“, murmele ich verlegen. Azaël lächelt mich aufmunternd an und setzt sich neben mich.

„Das war zu viel, oder?“, fragt er behutsam. Ich nicke schwach und umgreife meine Knie, die ich an mich heranziehe.

Zu viel? Für einen Gott? Ich bin schwach. Ich hasse das! Im Augenwinkel sehe ich, wie Azaël seinen Arm um mich legen will.
„Was soll das werden?“, frage ich arrogant.

Azaël hält urplötzlich inne. Langsam legt er seine Hand hinter mir ab, ohne mich zu berühren.

Die Einsamkeit treibt mir erneut Tränen in die Augen.
Ich sehe Azaël an und lehne meine Schulter ein bisschen zu ihm: „Darf ich?“, frage ich ängstlich.
Er zieht eine Augenbrauen hoch: „Wenn du das möchtest.“

Er weiß nicht, wie er mit mir umgehen soll. Aber ich weiß gerade selbst nicht, was mit mir los ist.
Vorsichtig lehne ich mich an seine Schulter, die er mit der Hand hinter mir noch offen anbietet. Die Hitze nimmt mich ein, aber ich ignoriere sie. Ich brauche jetzt seine Nähe.

„Luzifer?“, spricht Azaël mich behutsam an. Kurz zuckt mein Kopf von ihm weg, was er ebenso abweisend beantwortet und wir verharren so einige Sekunden.

„Scheiß auf Luzifer.“, flüstere ich.
Ich lege meine Arme um seinen glühenden Oberkörper und halte mich an seiner Schulter fest: „Was zur Hölle ist gerade passiert, Azaël?“, frage ich überfordert.

Er legt zögerlich seinen Arm um mich. Ich spüre, wie sein Brustkorb sich langsam und deutlich hebt, als er durchatmet. Ich tue es ihm gleich und bemerke dabei erneut dieses Flackern in meinem Körper. Es ist ähnlich dem Brennen, das ich bei Azaëls Berührungen spüre. Löst er das in mir aus? Es beunruhigt mich nicht sonderlich, wie ich feststelle.
„Angelique?“, spricht er mich jetzt erneut an. Ich sehe nur kurz zu ihm auf und lasse meinen Kopf dann an seine Brust sinken.
„Nein, nein.“, flüstere ich kopfschüttelnd: „Du nennst mich immer Luzifer.“



Ihr kurzer Ausflug durch das Portal hat sie verwirrt. Die letzte halbe Stunde hat sie immer wieder gefragt, was gerade passiert sei. Im Minutentakt wechselte sie zwischen Luzifer und Angelique hin und her.
Dem mir so bekannten Luzifer, der mich wegstößt, und der mir so bekannten Angelique, die immer wieder meine Nähe sucht.
Durchbrochen wurde dieses surreale Schauspiel dadurch, dass sie sich nach wenigen Sätzen nicht mehr an das Gesagte erinnerte. Ihr Kurzzeitgedächtnis ist wohl hin. Die Situation überfordert sie komplett. Es war beängstigend und anstrengend, für uns beide.

Behutsam trage ich Luzifer jetzt zurück zu ihrem Zuhause. Sie hält meinen Hals umschlungen und lehnt mit ihrem Kopf an meiner Schulter. Sie ist erschöpft und ich gebe ihr Zeit.
Wir haben schon fast die Hälfte des Weges geschafft, da flüstert sie: „Nergal.“

Dieser Name fährt erneut wie ein Blitz durch meinen Körper. Ich erwarte ihn eigentlich nicht von Luzifer. Nicht jetzt und nicht hier.
Noch weniger erwarte ich ihn von Angelique.
Ich weiß nicht genau, wie ich darauf reagieren soll, sehe sie aber an. Erstaunt wohl, unsicher. Wie könnte ich auch anders? Ihre blau-grünen Augen leuchten förmlich, sie lächelt. Ich erwidere das Lächeln und richte meinen Blick wieder nach vorn.

„Ich erinnere mich an dich.“, flüstert sie jetzt verführerisch, während sie mit ihren Fingerspitzen meinen Mantel am Hals wegstreicht.
Mein Atem quittiert das sofort mit dem nächsten Gang. Ich hätte meine Gestalt nicht lösen dürfen, als ich Luzifer zurück durch das Portal geschoben habe. Diese, selbst für uns Götter intime Berührung muss sie völlig aus dem Konzept gebracht haben. Die Berührung ihrer Lippen in meiner Halsbeuge lässt mich aus dem Tritt kommen, konzentriert muss ich meinen Griff um sie korrigieren.
„Luzifer!“, fauche ich leise, während ihre Finger auf der anderen Seite unter den Mantel und über mein Schlüsselbein wandern.
Ich spüre ihr Grinsen an meinem Hals und ergebe mich kurz der Situation, bevor ich erneut nachgreife und sie ein wenig schüttle, um sie von mir abzubringen. Ich Idiot!
Idiot! Idiot!
„Denk an Amédée!“ Ich merke, wie sich ihr Körper anspannt, bevor sie in meinen Armen wieder zusammensinkt. Leise atme ich tief durch. Was habe ich bloß angerichtet?


„Bring‘ mich zu einem Portal.“, weise ich Azaël an, während ich meine Jacke zurechtzupfe, nachdem er mich von seinen Armen gelassen hat.
„Von da kommen wir gerade.“, teilt er mir verwundert mit.
Ein stechender Schmerz fährt mir durch die Schläfen. Ja, richtig.
„Ich bin wohl noch etwas geflasht.“, gebe ich zurück: „Ich will nach Hause.“
„Dahin gehen wir gerade.“
„Nein, nach Hause!“
Azaël seufzt enttäuscht neben mir: „Luzifer, das geht nicht.“
„Wieso?“, fauche ich ihn an.
Er rollt mit den Augen und zwingt mich zum Stehen bleiben. Er sieht mir tief in die Augen: „Sortier‘ dich mal! Versuch doch mal für den Anfang, deinen Körper zu verlassen.“, neckt er mich.

Gesagt, getan. Ich konzentriere mich auf meine Energie, will mich befreien, aber stoße an eine unbekannte Blockade. Ich fühle mich eingesperrt. Minuten vergehen, in denen ich dagegen ankämpfe.
Dann spüre ich kribbelnd Azaëls Hand an meinem Kinn, das er hochzieht.

„Du wurdest wiedergeboren. Das ist dein Körper!“
Ich versuche, das zu begreifen, schiebe die Augenbrauen zusammen und suche in Azaëls wunderschönen, schwarzen Augen nach einer Antwort. Dann huschen meine Brauen wieder hoch, so weit sie können.
Er sagt die Wahrheit. Verdammt!
Ich ziehe Azaël zu mir, umarme ihn und nehme das mir bekannte heiße Prickeln wahr.
„Wiedergeboren heißt?“
Azaël erwidert meine Umarmung: „Wir wissen es nicht genau. Neben dir hat dein Körper keine Seele. Wir haben nur leider keine Ahnung, was passiert, wenn der stirbt.“
„Fuck!“, entfährt es mir.

Azaël lehnt sich deutlicher gegen mich, treibt mir das Brennen in den Körper: „Was ist damals passiert, als du gegangen bist?“, fragt er mich sanft.
Ich versuche, mich zu erinnern. Wieder dieser stechende Schmerz in meinen Schläfen. Ich schließe die Augen, sehe Bilder vor mir. Sehe meine Kindheit – oder, nein – eine Kindheit. Glücklich, spielend, dabei weinend.
Ich muss weiter zurück. Auch hier stoße ich auf eine Blockade. Mist!
„Ich weiß es nicht.“, flüstere ich schuldbewusst.

Azaël haucht mir einen Kuss auf den Kopf: „Dein Gedächtnis muss erst zurückkommen. Wird ganz schön voll da drin werden!“, kichert er.
Er löst unsere Umarmung und zieht mich an einer Hand weiter: „Na komm, dein Mann kommt bald nach Hause.“

Mir rasen Bilder durch den Kopf, begleitet von einem Ziehen hinter der Stirn. Ich muss die Augen schließen. Dieser blonde, gutaussehende Kerl. Ich entziehe Azaël meine Hand, der das unkommentiert hinnimmt. Schweigend spazieren wir nebeneinander durchs Dorf, die lange Straße entlang, biegen ab. Ich erkenne das Haus, in dem meine Wohnung liegt. Erinnere mich an die Kapelle in der Nähe und ziehe Azaël in eine Seitenstraße.
„Wo willst du hin?“
„Ich bringe dich nach Hause.“, flöte ich.
„Oh… okay.“
Wir überqueren die Straße vor der Kapelle, werden langsamer und bleiben schließlich stehen. Ich sehe mich kurz um, fixiere die Eingangstür der Kapelle. Drei Balken, heiliger Boden, ein Portal. Unerreichbar für mich, wenn ich diesen Körper nicht umbringen will. Ich werde Azaël zurück nach Hause schicken. Ich muss nachdenken. Ich muss mich sortieren. Und ich brauche unbedingt meine Erinnerungen zurück. Und all das geht nicht, solange Azaël mir den Verstand vernebelt.

Azaël steht unentschlossen neben mir und wartet auf mich. Unvermittelt schiebe ich ihn an die Seitenwand der Kapelle. Erschrocken weicht er zurück.
„Du weißt, dass uns niemand sehen…“
„Sssht!“ Ein Ruck geht durch seinen Körper, als ich ihn endgültig gegen die Wand presse. Das Verlangen in mir lässt sich nicht mehr bändigen.
„Du gehst nach Hause…“, säusele ich, während ich seinen Mantel aufschiebe.
„…erholst dich ein bisschen…“ Meine Hände wandern seinen Rücken entlang, ich presse mich gegen ihn.
„…und schickst mir Enki!“, befehle ich, während ich beginne, seinen Hemdrücken aus dem Gürtel zu nesteln.

„Ange…“, entfährt es ihm, ich drücke meine Fingernägel in den Hemdstoff, um ihn zu unterbrechen. Azaël beobachtet mich irritiert, was ich mit einem anzüglichen Lächeln beantworte. Ich zupfe weiter, bis ich seinen Rücken freigelegt habe und meine Handfläche darüberstreichen lassen kann. Feuer!
„Wovon?“, presst er durch die Zähne. Ich sehe ihn fragend an.
„Erholen? Wovon?“, wimmert er.
„Davon.“, flüstere ich lüstern, als ich ihm meine Fingernägel unter dem Gürtel in seinen Körper treibe und den gesamten Rücken von links nach rechts entlang kratze.

Lächelnd keucht er und legt den Kopf in den Nacken. Ich weiß, dass er nicht blutet. Ich weiß, dass die Spuren verschwinden, sobald er durch das Portal geht. Aber in diesem Augenblick habe ich ihn markiert. Eine Feuerspur auf ihm gelegt. Ihn an mich erinnert. Meinem Verlangen Tribut gezollt.
Ich spüre, wie Azaël leicht nach unten rutscht.
Ich sehe, wie er die Kontrolle verliert.
Meine Hände wandern am Gürtel wieder nach vorn, krallen sich neben der Schnalle um das Leder. Ich presse meinen Oberschenkel gegen ihn, als Widerstand dafür, dass ich gleichzeitig den Gürtel nach vorn und damit auf die frischen Striemen an seinem Rücken ziehe. Er presst die Kiefer aufeinander, verzieht kurz das Gesicht.

Ich nehme diesen Anblick auf, speichere ihn.
Mit einem zufriedenen Grinsen entlasse ich ihn aus meinen Fängen, lege die Vorderseiten seines Mantels zusammen und streiche noch einmal sacht über die Knopfleiste. Dann schiebe ich ihn Richtung Kapelle. Völlig überfordert stolpert er kurz, bevor er an der Tür ankommt. Ich sehe mich kurz um. Keine neugierigen Augen. Gut!
„Ab mit dir! Und denk an Enki!“ Ich zwinkere ihm fröhlich zu.
Perplex starrt Azaël mich an. Seine Atmung ist kaum ruhiger geworden. Ich grinse dreckig, als er sich an den Rücken fasst. Dann verschwindet er in einem blauen Blitz.
Ich lasse mich nach vorn sinken, suche Halt an meinen eigenen Oberschenkeln, atme tief durch. Das Brennen in mir ist augenblicklich verschwunden und macht Platz für mein schlechtes Gewissen.
Amédée. Ich muss nach Hause.



„Azaël!“ Vergnügt begrüße ich den Neuankömmling, während ich auf der Armlehne des Throns sitze. Die Seelen sind ruhig, es wird langsam langweilig. Abwechslung ist immer willkommen, wenn der Großwesir der Unterwelt nichts zu tun hat.
Ich stoße mich vom Thron ab und schlendere auf ihn zu. Abwehrend streckt er mir eine Hand entgegen. Ich bemerke, dass er tief durchatmet. Er ist durch den Wind.
„Was’n los?“ Ich klinge ein wenig besorgt. Die Hand, die mich eben noch aufhalten sollte, streckt nun den Zeigefinger hoch. Gut, dann lasse ich ihn erstmal ankommen und lehne mich mit verschränkten Armen an das Portal.
„Mach’s dir doch erstmal bequem.“, schlage ich vor. Er dreht sich von mir weg und lässt den Mantel von seinen Schultern sinken. Das gute Stück hat sich aufgelöst, ehe es den Boden berühren kann. Mein Blick fällt auf das unordentlich herausgezupfte Hemd an seinem Rücken. Neugierig mache ich einen Schritt auf ihn zu und hebe den Stoff an. Ich erkenne blutlose Striemen, quer über den ganzen unteren Rücken.

„Entweder hast du mit Eichhörnchen gekämpft…“, necke ich ihn grinsend und lasse das Hemd wieder los, „oder Luzifer ist zurück.“
Azaël dreht sich nun zu mir um. Seine Augen leuchten förmlich, aber er wirkt immer noch durcheinander. Ich lehne mich zurück an das Portal.
„Wieso lässt du sie nicht verschwinden?“
Azaëls Schultern heben sich langsam, als er mich mit ernstem Blick ansieht: „Kann ich noch nicht.“
„Sehnsucht?“
Azaël macht sich wortlos an mir vorbei auf den Weg zu den Gärten.
„Es ist dein Schicksal!“, rufe ich ihm grinsend nach.
„Schnauze!“, hallt es durch den Thronsaal.
„Was hast du vor?“
„Luzifer hat mir den Auftrag gegeben, Enki zu schicken.“, ist das letzte, das er mir mitteilt, bevor er aus dem Thronsaal verschwindet. Langsam wandere ich zurück zum Thron. ‚Ganz Luzifer. Hauptsache rumkommandieren‘, geht es mir hoffnungsvoll durch den Kopf.



Auf dem Nachhauseweg checke ich erstmals mein Handy. Vor einer Stunde hat Amédée geschrieben, dass er noch etwa zwei braucht.
Ich betrete die Wohnung, begrüße kurz die Katze, die mich widerwillig anmaunzt und sofort den Kopf wieder auf ihre Pfoten sinken lässt.
Als ich mich auf dem Sofa niederlasse, bemerke ich die ziehenden Kopfschmerzen. Naja, war auch ein echt heftiger Tag.

Mein Blick fällt auf die Tassen und Gläser auf dem Tisch. Eine leichte Verlegenheit durchströmt mich, als ich diese eilig in der Spülmaschine verschwinden lasse. Ich starre das Gerät kurz an, ziehe es wieder auf und nehme Azaëls Scotch-Glas heraus, um es von Hand zu spülen.
Mit geschlossenen Augen versuche ich dabei, die Bilder zuzuordnen, die mir durch den Schädel gerauscht sind. Aber selbst wenn ich eins zu fassen bekomme, fällt mir nichts dazu ein. Namen, Orte, Zeiten – alles weg.
Und bei allem, was mir lieb und teuer ist: was habe ich da eben mit Azaël angestellt?

Unterbrochen werden meine Gedächtnisrecherchen durch ein Motorengeräusch, das mir so vertraut ist. Amédée!
Ich spitze die Ohren. Höre, wie er die Autotür öffnet, wieder schließt, dann der Kofferraum. Hastig trockne ich das Glas ab und stelle es auf seinen Platz. Ich höre die Rollen seines Koffers an der Wohnung vorbeiziehen, dann die Haustür, schließlich die Wohnungstür. Ich gehe ihm entgegen.

„Hey.“, begrüßt er mich.
„Hey.“, gebe ich zurück, trete an ihn heran und drücke ihn in die Jacken an der Wohnungstür.
„Wow!“, entfährt es ihm überrumpelt. Während ich lüstern meine Hände über sein Jackett wandern lasse, sieht er mich irritiert an.
„Hast mich wohl vermisst?“
„Und wie!“ Ich schiebe meine Handflächen auf seine Brust.
Er lässt müde die Schultern fallen: „Chérie, ich hab‘ sechs Stunden im Auto gesessen!“
Ich brumme zustimmend, während ich meine Lippen zu seinem Hals führe.
„Ich bin platt.“, ergänzt er, wieder von einem Brummen meinerseits begleitet.
Er drückt mich an den Schultern wieder auf die Fersen: „Ich wollte erstmal duschen!“
Ich grinse, öffne die Badezimmertür neben uns und schiebe ihn hindurch: „Gut. Duschen wir!“



Einige Stunden später versuche ich, meinen Körper wieder zur Ruhe zu zwingen. Ich wusste, was mein Körper aushält, aber glauben wollte ich mir nicht. Dieses Götterding lässt mich wohl mich selbst überschätzen.
„Das war… wow!“ Amédée ist überrascht und irritiert. Ich grinse ihn befriedigt an.
„Welcher Teufel hat dich denn da geritten?“
Ich kichere: „Wenn du wüsstest.“
Langsam fahre ich seinen Beckenknochen mit den Fingerspitzen nach, als er sich zum Aufstehen wegdreht.
„Na! Pfui! Ich geh‘ jetzt eine rauchen.“ Ich tue eingeschnappt, folge ihm aber.

Meine Beine sind bleischwer, die Knie zittern. Ich stütze mich an der Türklinke ab. Verdammt! Körper! Mit dir hatte ich wohl zu lange Schindluder getrieben. Amédée reicht mir eine brennende Zigarette, nachdem ich ihm gegenüber auf dem Sofa zusammengesackt bin. Ich spüre den ersten Zug, der sich in meiner Lunge ausbreitet. Bilde ich mir ein, dass es jetzt intensiver ist? Ich schiebe den Gedanken beiseite, gönne meinem Körper Ruhe, fühle die Schwere, die sich in meinem Kopf breitmacht. Ich ziehe meine Kuscheldecke über mich und strecke mich auf dem Sofa aus. Kurz nachdem ich meine Zigarette ausgedrückt habe, falle ich in einen tiefen Schlaf.



Die Party lief nur schleppend an, die Musik war ein bisschen zu leise, der Abend noch zu jung. Es klingelte. Die junge Blondine gab sich alle Mühe, den Gesprächen ihrer Mitschüler zu folgen. Aber eigentlich wollte sie gar nicht hier sein. Sie war für das Geschenk zuständig gewesen, das war der einzige Grund für ihre Anwesenheit.
Eine Kamera tauchte auf. Ihre Sitznachbarin beugte sich zu ihr herüber, legte ihren Arm um ihre Schulter.
Gott weiß, wie unangenehm ihr das war.
Tapfer zog sie ein breites Grinsen auf, wartete auf das Blitzlicht und wand sich wieder aus dem fremden Arm.

Ein tiefes Lachen fesselte ihre Aufmerksamkeit.

Aus dem Vorraum tauchte eine Blondgefärbte auf, kräftig was auf den Rippen, dazu waren das Top und der Minirock mindestens zwei Nummern zu klein. Die Oberschenkel bewegten sich unerotisch, als sie einen Schritt weiterging. Angelique konnte den angewiderten Blick nicht abwenden. Da erschien neben diesen Oberschenkeln eine Jeans, verwaschen, über schwarzen Lackschuhen. Der betont enge Schritt zeugte von großem Selbstbewusstsein – und ordentlich Ausstattung darunter.

Als sie ihr eigenes Starren bemerkte, ließ sie ihren mittlerweile interessierten Blick über das locker sitzende Hemd weiter nach oben gleiten. Ein junger Mann, definiertes Kinn, geschwungene Lippen, die Nase vielleicht ein bisschen zu groß für das schmale, ovale Gesicht. Und darüber die zwei wohl fesselndsten, blauen Augen, die sie je gesehen hatte, eingerahmt von blonden Wimpern und blonden Augenbrauen.
Erst als sie bemerkte, wie das Objekt ihrer aufflammenden Begierde die dickliche Blondine an der Hüfte packte und weiter in den Raum schob, wandte Angelique den Blick ab. Nachdem sie vom letzten, blöden Kerl verlassen worden war und zwei Wochen durchgehend geheult hatte, konnte sie eine weitere Enttäuschung nicht brauchen. Eine Ablenkung wäre aber willkommen gewesen. Immer wieder fiel ihr Blick auf diesen Typen, wie magnetisch angezogen. Ihre Sicht verschwamm, sie nahm ein Leuchten in diesem Typen war. Ein pulsierendes Hellgrau, fast weiß. Irritiert zog sie die Augenbrauen zusammen, als die Szene um sie herum undeutlich wurde. Sie presste die Augenlider aufeinander.

Als sie die Augen wieder öffnete, stand sie vor eben diesem hellgrauen Licht, dass sie behutsam über ihren Händen schweben ließ.
„Na, du gute Seele?“, flüsterte eine ihr bekannte, männliche Stimme.
Im Hintergrund entdeckte Angelique einen schwarzen Fluss, der lilafarben schimmerte. Darunter graue Schlieren, die den leichten Wellenbewegungen folgten. Sie hörte aber kein Plätschern, kein Rauschen, kein Geräusch, das Wasser ähnelte.
„Du hast es geschafft! Bravo!“
Angelique spürte ein Brummen in ihrem Hals, die Männerstimme war ihr vertraut. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den leuchtenden Ball vor sich. Der begann, zu pulsieren. Wurde heller und wieder dunkler. Fasziniert beobachtete sie das Schauspiel.

„Sowas habe ich noch nie gesehen.“
Die Stimme - und Angelique war sich sicher, dass sie selbst die Worte aussprach - klang ebenso fasziniert. Die starken Hände vor ihr drehten den Leuchtball wiegend hin und her. Unvorsichtig näherten sich die geöffneten Handflächen dem Ball, als kleine Blitze die kurze Distanz überwanden.
Erschrocken zuckte Angelique zurück und mit ihr die Hände.
„Okay, okay! Sachte! Ich lass dich ja gehen. Hab ein schönes Leben.“, wünschte Angelique in den ungewohnten, geschätzt fünfzehn Oktaven tieferen Tönen, und gab dem Leuchtball mit den Händen einen leichten Schubs nach oben. Gebannt schaute sie der kleinen Kugel nach, die nach oben schwebte und begann, sich aufzulösen.

Sie spürte Neugier, die sich in ihrem Herzen festsetzte. Als der Körper, dem sie wohl aktuell innewohnte, sich auf dem Absatz umdrehte, bemerkte sie einen Stuhl vor sich. Ein schwarzer Steinsockel mit hoher Rückenlehne und schmalen Armlehnen, alles aus schwarzem Stein. Ähnlich wie Marmor.
Das schummerige Licht zog in Streifen darüber, als sie sich näherte. Der Sitz und die Armlehnen waren mit schwarzem Stoff gepolstert.
Ihr Körper ließ sich darauf nieder.
Angelique fühlte nur eins: Zuhause.



Noch bevor ich im Bewusstsein ankomme, bemerke ich einen zerrenden Schmerz in meinem Kopf. Ich verziehe das ganze Gesicht und öffne vorsichtig die Augen. Amédée lächelt mich an.
„Na, mein kleines Teufelchen?“, bemerkt er süffisant. Ich versuche mich an einem gequälten Grinsen.
„Kaffee?“
Ich brumme zustimmend.
„Und Tabletten.“, setzt er nach, während er aufsteht.
„Ja.“, presse ich hervor: „Aber bitte in umgekehrter Reihenfolge.“

Meine Oberschenkel strafen mich beim Aufrichten für meine Vergehen des letzten Abends, mein Rücken wiederum dafür, dass ich wieder auf dem Sofa eingeschlafen bin. Dieser ziehende Kopfschmerz ist mir neu. Ich massiere meine Schläfen und spüle die Tablette mit dem gereichten Kaffee runter. Zu schnell, zu heiß.
„Wie spät?“
„Halb acht.“
Ich seufze: „Ich hasse Montage.“, gebe ich zu Protokoll, als ich mich mit meiner Tasse nackt auf den Weg ins Bad mache.
„Und du hasst es, morgens zu duschen!“, trällert mir mein Mann hinterher. Oh ja, das auch!



Bis ich in meinem Büro angekommen bin, hat immerhin das Schmerzmittel seine Arbeit getan.
Ich hasse es, Tabletten zu nehmen – immerhin waren die mit Schuld daran, dass ich meinen Vater so früh verloren habe. Trotzdem würde ich ohne sie jetzt nicht hier sitzen.

Müde bin ich immer noch und der Muskelkater macht es nicht leichter. Ich sitze mit einem Kaffee vor meinem Rechner und gehe die E-Mails durch. Ausdrucken. Kurz antworten. Ausdrucken. Oh, muss ich das wirklich? Gut, ausdrucken.

Eine halbe Stunde später fühle ich bereits Erschöpfung. Ich knete hoffnungslos meine Schulter. Kein Wunder, das Wochenende hatte praktisch nichts mit Erholung zu tun, auch wenn der Sonntagabend einiges rausreißen konnte.
Ich greife meinen Mantel und hole die Kollegen zu einer Raucherpause ab.

Im Pausenhof angekommen, nestle ich nach meinen Zigaretten und mache das Feuerzeug an.
Fasziniert beobachte ich die kleine Flamme unter meiner Nase. Das fesselnde Blau, dort, wo sie das Metall kaum zu berühren scheint, welches in ein warmes, rötliches Gelb übergeht. Das perfekte Oval, mit dem sich die Flamme der Zigarette entgegenstreckt, das lebhafte Flackern, als ich ausatme. Ich empfinde Ruhe in meinem Inneren.
„Angelique? Alles klar?“
Verlegen bringe ich den Tabak und das Feuer zusammen und sauge Luft ein. Dann verschwindet das zu heiß gewordene Feuerzeug erst schmerzhaft in meiner Handfläche, dann in der Jackentasche.
„Alles gut!“, entgegne ich meinem skeptischen Kollegen. „Bin noch nicht ganz wach.“, füge ich hinzu.
Ich ernte ein wissendes Nicken: „Das sieht man dir an.“
Ich schiebe schmollend den Unterkiefer vor: „Nach dem zweiten Kaffee wird’s besser.“, verspreche ich.



Zurück im Büro schließe ich sachte die Tür hinter mir und lehne mich mit dem Rücken daran. Ich betrachte meinen Schreibtisch, den überquellenden Schrank daneben und den ebenso vollen Besuchertisch.
Ich brauche ein System, um hier Herr der Lage zu werden.
Gestern habe ich ungestraft einen Gott herumkommandiert, da werde ich ja wohl ein paar Blätter Papier bändigen können.
Nachdem ich den Klingelton des Telefons abgestellt habe, gehe ich penibel und zügig jede einzelne Mappe durch. Fast fertig – ein Stapel. Muss warten – ein anderer Stapel. Ist kompliziert, will ich aber heute noch machen – ein Stapel.
Nach einer Stunde betrachte ich stolz mein Werk. Fünf Stapel, drei auf meinem Schränkchen, zwei auf meinem Besuchertisch. Gebändigtes Chaos.
Den ersten Stapel platziere ich links von meiner Tastatur, schnappe mir meinen Mantel und läute zufrieden die nächste Raucherpause ein.



„Willst du etwa noch einen Kaffee?“ Amédées Tonfall verrät bereits, wie spät ich nach Hause gekommen bin. Ich brumme ablehnend, während ich mir noch im Wohnungsflur das Kleid von den Schultern streife, um in gemütlichere Klamotten zu schlüpfen. Ich lasse mich aufs Sofa fallen.
„Langer Tag.“, stellt mein Mann fest. „War es wenigstens erfolgreich?“
Ich lasse den Kopf an der Rückenlehne nach hinten sinken und grinse zufrieden. Erfolgreich? Ergiebig! Ich habe die Kontrolle über meinen Schreibtisch zurück. Ein gutes Gefühl. Mein Perfektionismus erinnert mich zwar sofort daran, dass ich mir kaum gemerkt habe, was ich heute bearbeitet habe - da könnten sich Erinnerungslücken auftun, die mir später in die Quere kommen – aber diesen kleinen Dämon schiebe ich für heute beiseite. ‚Der Teufel und seine Dämonen‘, griene ich in mich hinein.
„Ich habe heute ordentlich was weggeschafft!“, stelle ich meinem Mann gegenüber fest. Der lächelt mir zufrieden entgegen und wendet sich wieder seinem Laptop zu, auf dem er konzentriert herumtippt.
Voller Tatendrang reißt es mich hoch auf die Füße.
„Hast du schon Hunger?“
„Ein bisschen.“
Ich wandere in die Küche und inspiziere den Inhalt des Tiefkühlschranks. Dann fische ich ein Päckchen Hackfleisch raus und bereite ihm ein sanftes Auftaubad vor.
„Hachis parmentier?“, rufe ich Amédée zu und schlage damit einen leckeren Kartoffelpüree-Hackfleisch-Auflauf vor.
„Wenn du kochst: gerne.“



Satt und zufrieden liege ich auf dem Sofa und tippe einfallslos auf meinem Handy herum. Amédée ist längst in sein Spiel vertieft.
Ich bin körperlich müde, aber mein Geist ist unruhig. Ich weiß, dass Jahrtausende in mir aufleuchten müssten, dass ich Erfahrungen habe, die nichts mit diesem Leben zu tun haben. Aber greifen kann ich nichts davon.

‘Depression mit dissoziativer Amnesie und Götterkomplex‘, höre ich meine innere Therapeutin diagnostizieren. Glückwunsch!

Meine letzten Erinnerungen fluten mich. Es ist beinahe schmerzhaft.
Dieses Gefühl, als ich wohl ins Portal mitgezogen wurde. Ich kann es gar nicht nachspüren oder beschreiben. Meine innere Unruhe lässt das nicht zu, die Geräusche um mich herum verdrängen die Erinnerung an diese wunderschöne Stille. Es ist, als würde man auf einem Musikfestival stehen und versuchen, sich eine ruhige Wiese vorzustellen. Die Sinne blockieren das.

Ich zünde mir eine Zigarette an und bleibe wieder etwas zu lang mit meinem Blick auf der kleinen Flamme vor mir haften, bevor das Feuerzeug zurück auf den Glastisch wandert. Eine Woge innerer Ruhe durchzieht mich. Ich lasse mich darin fallen und die Bilder von Azaël vor der Kapelle schieben sich vor mein inneres Auge. Ich fürchte, dass ich rot werde und prüfe kurz, ob Amédée zu mir sieht. Zum Glück tut er das nicht, aber Schuld lädt sich auf meinen Schultern ab. Langsam stemme ich mich aus dem Sofa.
„Ich geh baden.“, teile ich beiläufig mit. Amédée nickt abwesend.

Um meine Ohren in dem viel zu heißen Wasser zu versenken, nehme ich in Kauf, dass meine Knie frieren. Ich spüre die Rebellion meiner Haut, die es gern ein paar Grad kühler gehabt hätte, aber gegen das innere Frösteln hilft das Wasser nicht.
Ich schließe die Augen, lausche dumpfen Geräuschen aus dem Haus. Ein paar Schritte, eine Tür, die zufällt. Dann wieder Stille.
Übermächtig dröhnt die Keramik um mich herum, als ich die Beine strecke und die Füße auf dem Wannenrand ablege.
‚Hallo Luzifer, schön, dich kennenzulernen.‘ , beginne ich einen inneren Monolog.
‚Hallo Angelique.‘
In meinem Kopf ist ausschließlich meine Stimme. Ansonsten Ruhe.
‚Also, was willst du in meinem Körper?‘
‚Das ist mein Körper.‘
‚Unser Körper?‘
‚Ich weiß nicht?‘
Okay, so wird das nichts. Es ist nicht wie mit Azaël, wo ich Antworten auf Fragen bekomme. Fühle ich mich zwiegespalten?
Eigentlich fühle ich mich genauso wie vorher. Als wäre mir nur eine vergessene Erinnerung zugeflogen, weil ich einen bestimmten Duft rieche oder ein bestimmtes Lied höre. Und doch ist diese Erinnerung für mich nicht greifbar.

‚Dein Gedächtnis muss erst zurückkommen‘, erinnere ich mich an Azaëls Worte. „Okay!“, flüstere ich entschieden, während ich mich aufrichte und heißes Wasser zulaufen lasse, dass ich mit schiebenden Bewegungen verteile, bevor ich zurücksinke.

Ich begebe mich in Gedanken zurück auf den kühlen Waldboden neben dem Portal. Versuche, die Bilder zurückzurufen. Die Gefühle. Ich presse meine Hand auf mein Brustbein, dort, wo Azaël seine Stirn abgelegt hatte. Die leichte Schwerelosigkeit des Wassers hilft mir.
Azaël. Das Brennen in mir. Seit Jahrtausenden ist er an meiner Seite, das weiß ich. Ich erinnere mich aber nicht.

Es ist, als würde man einen Kindheitsfreund wiedersehen. Ich weiß, dass er immer da war. Ich fühle eine Macht durch mich hindurchfließen, eine selbstverständliche Macht. Ich bin stark. Ich leide. Ich bin verbittert. Warum?
Mein Traum von letzter Nacht schiebt sich vor mein inneres Auge. Dieser Leuchtball. Eine Seele!, fällt mir ein. Eine besondere Seele, das spüre ich. Das sagt mir die Faszination, mit der ich dem Pulsieren zugesehen habe.
Aber warum folgten diese Bilder auf mein Kennenlernen mit meinem Mann? Mit Chloé an seiner Seite, seiner Freundin-mit-Extras, die ich wochenlang ertragen musste, bis es ihr endlich gereicht hat und sie ihn aufgab.
Ich zwinge meine Gedanken zurück an den Punkt, wo ich Amédées Gesicht mustere. Als das Licht in seiner Brust auftaucht. Als die Szenerie verschwimmt und…

Die Einsicht trifft mich so hart, dass ich kurz mit Lippen und Nasen unter die Wasserlinie rutsche.
Erschrocken suche ich Halt an der rutschigen Emaille, drück mich hoch und fixiere mich mit den Füßen in der Biegung der Wanne. Meine Ferse rutscht dabei schmerzhaft über den Wannenstöpsel und ich greife unwillkürlich nach meinem Fuß.
Das Wasser schwappt um mich herum.
„Fuck!“, entfährt es mir.

‚Luzifer ist dieser Seele gefolgt. Angelique hat sich in diese Seele verliebt.‘
Ich erinnere mich nur an Gefühle, die mich wellenartig fluten: Faszination, Neugier, Unruhe, Sehnsucht.
Azaël! Nein, Nergal!
Ein beklemmendes Gefühl macht sich in meiner Brust breit, scheint mir die Rippen auf die Lungenflügel zu pressen.
Ich habe ihn schon wieder tief verletzt.
Moment, schon wieder?
Ja, das war mein Gedanke. Ich erinnere mich nicht, aber ich weiß, dass ich ihm mindestens ein Mal so wehgetan habe, wie ich es wohl aktuell tue. Tränen verwischen mir die Sicht. Ich weiß nicht, warum, aber plötzlich fühle ich mich hundeelend.



Amédée wirkt besorgt, als er sich aus dem Büro zurückzieht. Nicht nur, dass ich eigentlich schlafen gehen sollte, er hat auch nach meinem kleinen Badewannenfiasko nach mir gesehen. Er hat mir ein Handtuch gereicht und mir eine letzte Träne von der Wange gestrichen.
Dass meine Stimmung innerhalb von Minuten wechseln kann, weiß er seit Jahren.
Dass neben meiner Unfähigkeit, meine depressive Phase in den Griff zu kriegen, nun aber auch ganz andere Dinge daran schuld sind, weiß er nicht.

Trotzdem stellt er keine Fragen. Er ist für mich da, wenn ich es will. Und er lässt mich in Ruhe, wenn ich es will. Um seine Aufmerksamkeit in mir einzubrennen, hat er mich lang und fest gedrückt, mir eine sichere Zuflucht gezeigt, bevor er mich meinem Laptop überließ.

Jetzt suche ich im Internet nach ‚Nergal‘. Ein wenig dürftig sind die Informationen schon, zumal ein berühmter Künstler dieses Pseudonym trägt. Gut, dann eben die freie Enzyklopädie. ‚Gottheit der sumerisch-akkadischen, babylonischen und assyrischen…‘
Ja, ihn beteten wohl viele an.
‚..Unterwelt Kurnugia…‘
Kurnugia. Ein sehnsuchtsvolles Ziehen in meinem Bauch. Später. Ich klicke auf den Link, öffne den Tab im Hintergrund.

‚Gatte der Ereškigal‘. Warte, Ereschkigal, ich!
Gatte, alles klar. Wenn die Menschen hier auch nur annähernd richtig lagen, würde mir das einiges erklären.
‚Kriegsgott‘. Ein schwelendes Feuer steigt in mir auf. Lust. Sein Schwert. Ich muss kurz blinzeln, um mich zu konzentrieren.

‚Der Mythos von Nergal und Ereškigal‘
Ich lese die paar Zeilen, aber in mir baut sich Gegenwehr auf. Die Geschichte erzählt, ich wäre zu einem Festmahl eingeladen worden, habe aber meinen Wesir Namtaru entsendet. Nergal habe ihn beleidigt, worauf er für eine Entschuldigung in die Unterwelt kommen muss. Wir schlafen miteinander.
Ich ertrage meine glühenden Wangen und lese konzentriert weiter.
Ich verlange, dass Nergal mich heiratet. Mit einer List behält er seine göttliche Macht, die er an den Toren der Unterwelt eigentlich hätte ablegen müssen und… okay, ich bin entsetzt. ‚Er reißt Ereškigal an ihren Zöpfen vom Thron und schläft mit ihr.‘

Übelkeit macht sich in meinem Magen breit. Das stimmt nicht. Das stimmt so nicht!
Naja, die Geschichte ist auch über achttausend Jahre alt, vielleicht sollte ich den Schreibern etwas dichterische Freiheit zugestehen.
Ich lehne mein Kinn in meine Hand und versuche, mich an Bilder zu erinnern, was natürlich scheitert.

Nach einigen Minuten klappe ich enttäuscht den Laptop zu und schlurfe ins Wohnzimmer, wo ich meinem Mann einen Kuss auf die Stirn hauche.
„Ich geh schlafen.“, teile ich beiläufig mit und lege mich ins Bett.

In die Decke gekuschelt beobachte ich die Gedanken, die an mir vorbeiziehen. Hat mich an meinen Zöpfen… das stimmt so nicht…
Ich höre Amédées Schritte, beobachte ihn, wie er sich über mich hievt und sich neben mir auf die Bettdecke sinken lässt. Zärtlich rutscht er an meinen Rücken und legt einen Arm über mich. Ich atme tief durch. Die Ruhe, die er ausstrahlt, flutet mich. Ich greife seine Hand, spüre das Sprudeln in meiner Brust und genieße es minutenlang.
Dann erhalte ich ein Küsschen auf die Wange, einen weiteren auf den Mund und ein „Schlaf gut!“, bevor Amédée mich im Schlafzimmer wieder allein lässt.
Beseelt von seiner wohltuenden Wirkung schließe ich die Augen.
Ein letzter Gedanke streift mein Bewusstsein: ich trage nie Zöpfe!


„Mein Freund, was führt dich zu mir?“, fragt die zarte Frauenstimme.
Ihr Besucher lehnt den Kiefer in die Hand: „Ach, wir zermartern uns seit Langem den Kopf, wie wir unser ‚Seelenproblem‘ in den Griff kriegen.“
Er steht an einer kleinen Sitzgruppe aus liegenden Baumstämmen und lauscht kurz dem leisen Vogelgezwitscher, das in der Luft wabert.

„Enki? Du hast gesehen, dass das Jenseits nicht ausreichen wird, stimmt‘s?“
Er nickt unmerklich: „Du weißt, dass es mir nicht möglich ist, zu viele Einzelheiten zu erzählen. Aber in der Zukunft gibt es Probleme damit, wenn wir nichts unternehmen.“
Stille nimmt die Luft um sie herum ein. Nachdenkliche Stille.
„Ich kann auch nicht ewig und drei Tage neue Dimensionen erschaffen.“, gibt sein Gegenüber kleinlaut zu.
„Das wissen wir, das wäre dein Ende.“

Die schmale Gestalt ihm gegenüber erhebt sich von dem Baumstamm, auf dem sie gesessen hat, und streckt den Rücken. Der Stoff ihres beigefarbenen Kleides, der in sorgfältig gelegten Falten zu Boden rutscht, streift ihre schmalen, dunklen Fesseln.
„Also, wie wäre es mit einem Anunna, einem Göttertreffen?“, fragt sie, während ihre Stimme eine fröhliche Färbung annimmt und sie ihr langes, schwarzes Haar über die Schulter nach hinten schiebt: „Ich lade ein! Alle sollen kommen. Und dann stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, was wir tun können.“




Ein bitterer, stechender Schmerz reißt mich aus dem Schlaf. Ich weiß sofort, welcher Schmerz das ist: meine Migräne.

War wohl ein bisschen viel in den letzten Tagen. Es wummert in meiner rechten Schläfe: betäubend, aufreibend.
Meine Gedanken wandern zu Amédée, nur wenige Meter entfernt, aber unerreichbar.
Ich bewege mich keinen Millimeter und atme flach, um dem Pochen keinen Grund zu liefern, heftiger zu werden.

Langsam hebe ich meinen Arm und presse meine Hand gegen den Kopf. Nicht zerspringen!
Beruhige dich, Herz. Je langsamer du schlägst, desto weniger muss ich ertragen.
Kurz wünsche ich mir Azaëls Notfallprogramm herbei. Ein paar Minuten nur. Der nächste, heftige Schlag in meiner Schläfe treibt mir aber die Angst vor dem ‚Danach‘ ins Hirn. Schlechte Idee. Ich lege den Arm wieder langsam neben mir ab und hoffe, bald wieder einzuschlafen.

Mit Arbeiten ist heute Essig.
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