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Erinnerungen

von Iralenya
Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Abraxas Malfoy Argus Filch
24.09.2021
24.09.2021
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Erinnerungen

Hätte er magisches Blut besessen und wäre er nach Hogwarts gekommen, so wäre er kein Gryffindor geworden. Diese Tatsache wurde Argus in diesem Moment noch bewusster. Ein kalter Schauer rieselte über seine Wirbelsäule und kroch in sein Inneres hinein. Als würden eiskalte Hände sein Herz packen und zusammendrücken. Nebel waberte über der Insel, hüllte das Gebäude ein und machte es noch trostloser. Instinktiv rieb sich Argus über die Arme. Es brachte nichts. Die Kälte klebte wie eine zweite Haut an ihn. Fast wollte er umdrehen, zurück zu dem Boot gehen, diesen Ort hinter sich lassen. Doch seine Füße schienen ihn nicht gehorchen zu wollen. Sein ganzer Körper war wie vereist. Immer wieder glitt sein Blick zurück. Nur ein paar Schritte. Er musste nur ein paar Mal den Fuß heben und wieder aufsetzen, dann wäre er schon da und musste sich nur noch ausweisen. Man würde ihn hineinführen, nach einem Zauberstab verlangen, den es nicht gab – und nach einer kleinen Diskussion würde man ihn durch die langen, verwinkelten Gänge führen. Er würde an vielen Zellen vorbeikommen, an den Dementoren, die dazwischen schwebten und alles Glück mit sich nahmen. Vor der zwanzigsten Zelle würden sie stehen bleiben und er würde einen Blick zwischen zwei enge Stäbe werfen können, auf eine ausgemergelte unglückliche Gestalt. Auf jemanden, den er einst einen Freund nannte, der ihm viel bedeutet hatte – und der ihm von der Magie und der Macht genommen worden war. Abraxas Malfoy und er – das war eine Geschichte, die nie geschrieben werden sollte und doch geschrieben worden war. Es war Zufall gewesen, dass sie sich getroffen hatten, damals als sie noch klein waren. Argus erinnerte sich noch zu gut an diesen Moment, obgleich seitdem einundzwanzig Jahre vergangen waren.

1950. Das war das Jahr, in dem alles begonnen hatte. Es war das Jahr, in dem er hätte eingeschult werden sollen, wäre da nicht die erbärmliche Wahrheit. So oft hatten seine Eltern sich bemüht, hatten verschiedene Heiler aufgesucht, doch es hatte nichts gebracht. Er war ein Squib und diese Tatsache hatten sie akzeptieren müssen. Niemals würde er nach Hogwarts gehen können, niemals die ehrenvolle Magie erlernen. Seine Familie hatte ihn von sich gestoßen und da war er Abraxas in die Arme gelaufen. Der größere Junge mit dem blonden Haar und den kalten grauen Augen hatte ihn immer eingeschüchtert und auch an dem Tag hatte Argus ihn gefürchtet, hatte flüchten wollen. Doch Abraxas hatte ihn überrascht. Statt ihn auszulachen, hatte er sich neben ihn gesetzt. Sie hatten nur geschwiegen, doch das war in Ordnung gewesen. Die Stille hatte ihn gut getan. Es war dieses Verständnis gewesen. Dann hatten sie sich immer wieder getroffen und irgendwann auch geredet. Über sich selbst, über ihre Familien, der Druck, der auf ihnen lastete. Argus hatte begriffen, dass auch Abraxas unglücklich war, und irgendwie waren sie zwei einsame Seelen, die vielleicht durch das Schicksal zusammengeführt worden waren.

Niemand durfte von dieser Freundschaft wissen und es wurde ihr kleines Geheimnis. Auch als Abraxas nach Hogwarts kam und so viele neue Sachen erlernen durfte. Erst war Argus neidisch gewesen, doch dann hatte er sich für seinen Freund gefreut. Und er hatte nur zu gerne den Geschichten seines Freundes gelauscht. Der erste Zauber, den Abraxas ihn vorgeführt hatte, war der Alohomora. Es war ein praktischer Zauber und dank der schützenden Hand seiner Eltern war Abraxas nie in Schwierigkeiten geraten. Sie hatten zwar nichts von der Freundschaft gewusst, doch angenommen, dass er sich mit Isabella traf.

Isabella … So lange hatte er nicht mehr an seine Schwester gedacht. Den einzigen Menschen in seiner Familie, die ihn nicht abgelehnt und mit Abscheu angesehen hatte. Argus vermisste seine kleine Schwester. Und nicht zum ersten Mal wünschte er sich, er wäre an ihrer Stelle gestorben. Doch er konnte es nicht ändern, egal wie oft und wie sehr er sich das wünschte. Genauso wenig wie er seinen Freund zurückbekommen konnte. Es gab kein Zurück.

Und doch dachte er an all die schönen Momente zurück, die er mit Abraxas und Isabella erlebt hatte, wie den Moment, als Abraxas seine erste Alraune eingepflanzt hatte. Es war ein besonderer Moment.

Er drehte sich wieder um und doch rührte er sich nicht, ging nicht hinein, stellte sich nicht der Vergangenheit.

Es war ein anderes Leben, an das er sich erinnerte. Die Jungen waren gestorben, waren durch düstere Schattengebilde ihrer selbst ausgewechselt worden waren, die so fremd waren. Und er war nicht bereit, sich diesem Schatten zu stellen.

Langsam setzte sich Argus in Bewegung, ging zurück zum Boot und ließ sich aufs Festland bringen, ließ Askaban hinter sich.

Nein, Argus wäre kein Gryffindor geworden.

Nachwort

Dieser Beitrag ist für Stadt, Land, Harry von EmmaLisa entstanden. Mein Buchstabe war A. Ich hoffe, euch gefällt dieser eher ungewöhnliche Beitrag.
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