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Ein Fall für die Liebe

GeschichteRomance / P12 / Gen
Bibi Blocksberg Dr. Eichhorn Graf Falko von Falkenstein Susanne Martin
24.09.2021
22.10.2021
10
13.780
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14.10.2021 1.889
 
Nach einem wunderschönen langen Ausritt mit einer kleinen Kuchenpause kommen Bibi und Tina zum Hof zurück. Unbewusst hält Bibi nach Roberts Jeep Ausschau, wohl in der Hoffnung, dass der Tierarzt noch nicht wieder aufgebrochen ist, doch enttäuscht stellt sie fest, dass das weiße alte Auto nicht mehr vor dem Stall steht. Die beiden jungen Frauen bringen die Pferde in die Boxen und satteln und trensen sie ab. Als Bibi aus ihrer Putzkiste vor Sabrinas Box den Striegel holt um sich der Fellpflege zu widmen, fällt ihr ein kleiner, zusammengefaltet Zettel entgegen. Auf der Vorderseite steht 'Bibi'. Überrascht erkennt sie die zwar hastige, aber dennoch ordentliche Schrift von Robert, der entgegen der gängigen Meinung über Ärzte definitiv keine Sauklaue hat. Nervös faltet sie das Blatt auseinander. Was Robert wohl so wichtig war, dass er ihr extra eine Nachricht hinterlassen hat?

'Bibi, entschuldige, dass ich dich vorhin vom Hof jagen musste. Ich hoffe du weißt, dass ich dich eigentlich gerne beim Kuchen essen dabei gehabt hätte, aber es für das Gespräch mit Susanne so einfach besser war. Vielleicht kann ich es ja wieder gut machen, indem wir nachher zusammen spazieren gehen. Komm doch bitte um 20 Uhr zur Wildfutterkrippe, dann kann ich dir auch gleich die neuesten Erkenntnisse mitteilen. Bis nachher, Robert.'

Als Bibi den kurzen Brief gelesen hat, zieht ein fröhliches Lächeln über ihr Gesicht. Ein abendlicher Spaziergang mit Robert klingt ziemlich gut, auf jeden Fall besser, als sich irgendwohin zurück ziehen zu müssen um heimlich mit ihm telefonieren zu können oder nur mit ihm zu schreiben. Und das nicht nur, weil Bibi neugierig ist, wie Roberts Gespräch mit Susanne gelaufen ist, sondern auch, weil so vielleicht noch ein bisschen mehr Zeit gemeinsam mit Robert für sie dabei heraus springt. Bibi faltet den Brief wieder sorgfältig zusammen, steckt ihn in die Hosentasche und kümmert sich nun erstmal um das Fell ihrer Stute.

Als Bibi später den Waldweg zum Wildfutterplatz entlang läuft, kann sie Robert schon von weitem sehen. Er steht am Rand der Lichtung an einen Baum gelehnt und schaut lächelnd in ihre Richtung. Als Bibi sich ihm nähert stößt er sich vom Stamm der Eiche ab und kommt ihr ein paar Schritte entgegen. "Sehr schön, du hast meine Notiz also gefunden." stellt er fest. Erst jetzt fällt Bibi auf, dass der Zettel für ihn eine ziemlich unsichere Variante gewesen ist. Wenn Bibi heute Putzzeug von Martinshof genommen hätte, was durchaus gelegentlich vorkommt, oder Sabrina nach dem Ausritt noch für den Reitunterricht gebraucht und von den Schülern erst später geputzt worden wäre, dann hätte Bibi seine Nachricht vielleicht gar nicht rechtzeitig gefunden. "Ja, das war eine gute Idee. Ist unauffälliger als ständig heimlich zu telefonieren. Ich habe einfach gesagt, dass ich noch etwas spazieren gehen will, was ja nicht Mal gelogen war. Und da Tina heute bei Alex im Schloss ist, musste ich nicht Mal jemanden davon abhalten mich zu begleiten." erzählt Bibi, während Robert den Weg, der zum See hinunter führt einschlägt.

Die ersten paar Minuten laufen sie einträchtig schweigend nebeneinander her. Es sind nur ihre Schritte auf dem Weg, das zwischen der Vögel und hin und wieder die Laute einem davon huschenden Tieres zu hören. Erst als sie den Waldrand fast erreicht haben, beginnt Robert von seinen Gespräch mit Susanne zu erzählen.

"Also gibt es Susannes Meinung nach Gründe, die dagegen sprechen einen Kredit beim Grafen zu nehmen und aller Wahrscheinlichkeit nach, ist das wiederum der Grund, weshalb die beiden sich gestritten haben." fasst Bibi Ergebnisse von Roberts Recherche zusammen, während sie zwischen Feldern entlang gehen. "Genau, aber was das für Gründe sind, darüber können wir leider nur spekulieren. Ich konnte da nicht weiter nachhaken, das wäre zu auffällig gewesen, weil sie sehr deutlich gemacht hat, dass sie nicht weiter darüber sprechen will. Und auch ein erneutes Gespräch darüber halte ich im Moment für wenig sinnvoll." sagt Robert.

Darüber nachdenkend, wie es nun weiter gehen könnte, laufen beide nebeneinander her. "Mit einer Person haben wir bisher noch nicht gesprochen." stellt Bibi fest. Robert nickt. "Ja, mit Graf Falko." sagt er zögerlich. Mit dem, im Moment ziemlich aufbrausenden Grafen, würde er auch lieber nicht unterbringt über Susanne sprechen müssen. "Oh, dann mit zwei Leuten. Ich meinte nämlich nicht den Grafen persönlich, sondern jemanden, der alles im Schloss mitbekommt und über so gut wie alle Geschäfte Bescheid weiß." verrät Bibi. Da geht Robert ein Licht auf. "Ah, du meinst Dagobert. Aber ich weiß nicht, ob der uns etwas verrät. Der ist doch die Diskretion in Person." wendet Robert ein. "Na und. Versuchen können wir es ja trotzdem. Vielleicht rückt er mit der Sprache heraus, wenn wir ihm sagen, weshalb wir es wissen wollen. Bei ihm sollten wir tatsächlich keine Spielchen spielen, sondern ehrlich sein und dann hilft er uns vielleicht, weil er ja nicht nur diskret ist, sondern auch sehr loyal und für seinen Herren nur das Beste will." meint Bibi. Robert nickt zustimmend und die beiden beschließen, dass Bibi am nächsten Abend, genau wie Robert für sein Gespräch mit Alex, die Ausrittzeit des Grafen nutzen wird um mit dem Butler zu sprechen. Sollte das nichts bringen, dann könnte sie immer noch mit Graf Falko direkt das Gespräch suchen, wenn er wieder zurück ist.

Gerade als sie beiden am See ankommen, sind sie mit dem Planungen in ihrem Fall fertig. Der See liegt still und verlassen da, Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche und lässt alles einfach wunderschön erscheinen. "Schade, dass ich nichts für ein Picknick eingepackt habe." stellt Robert, sich über sich selbst ärgernd fest. "Wollen wir uns trotzdem einen Moment setzen?" fragt er dann noch. "Ja, gerne. Und das mit dem Picknick ist doch kein Problem." erwidert Bibi und hebt die Hände. "Eene Meene zwei, drei, vier wir brauchen jetzt ein Picknick hier. Eene Meene, lange Strecke her mit einer Picknickdecke. Eene Meene nicht verreisen mit Getränken und auch Speisen. Hex Hex!" sagt Bibi und im nächsten Moment befindet sich vor ihnen am Boden eine rot karierte Decke, auf deren Mitte ein gut gefüllter Picknickkorb steht. "Manchmal ist hexen doch ganz schön praktisch." gibt Robert zu und streicht Bibi beiläufig über die Schulter.

Kurz darauf sitzen die beiden gemütlich auf der Decke, lassen den Blick über den See schweifen und plündern den Korb mit den Speisen und Getränken. Bibi hat an alles gedacht, was zu so einem Essen im Freien dazu gehört. Gerade holt Robert eine weitere Dose aus dem Korb und klappt sie neugierig auf. "Teufelswürstchen? Die hatte ich ja ewig nicht mehr." gibt er schmunzelnd von sich, während er eines der halbierten, an den Enden eingeschnittenen und dann gebratenen Würstchen aus der Dose holt. Etwas verlegen zuckt Bibi mit den Schultern. "Für meinen Vater haben die früher immer zu einem guten Picknick dazu gehört und durften nie dabei fehlen." erklärt sie dann. Robert beißt vom Würstchen ab. "Ich kenne das nur mit Kartoffelbrei, zerlassener Butter und Ketchup dazu." stellt er fest. "Aber so ist es auch ganz lecker." fügt er dann noch hinzu, als er sieht, das Bibi immernoch etwas verlegen zu sein scheint. "Aber wo du gerade von deinem Vater sprichst, wie war eigentlich das Gespräch mit deinen Eltern wegen deinem Studiumswechsel?" will Robert wissen. Bisher haben sie darüber noch gar nicht wirklich gesprochen. Bibi hatte Robert zwar nach dem Gespräch mit ihren Eltern kurz angerufen, hat da aber nur gesagt, dass es relativ gut gelaufen ist. "Zuerst hat Papi sich tierisch aufgeregt, genau wie ich es erwartet hatte. Er hat die ganze Palette abgespielt von 'du musst auch Mal etwas fertig bringen und nicht gleich aufgeben, nur weil es schwierig wird' über 'und du erwartest jetzt wohl, dass wir dir deine Mätzchen auch noch finanzieren' bis hin zu 'und was gedenkst du stattdessen zu machen? Hast du darüber wenigstens schon nachgedacht?'. Aber als ich dann erzählt habe, dass ich bereits in Altstadt an der Uni im Veterinärmedizin Studium angenommen bin und anschließend wahrscheinlich sogar schon eine Stelle sicher habe, da hat er sich ganz schnell wieder beruhigt." berichtet Bibi. "Was heißt hier, wahrscheinlich? Ich rechne fest mit dir." wendet Robert ein. "Ich weiß. Und ich freue mich sehr darauf und kann es kaum erwarten." sagt Bibi und lächelt Robert an. Der erwidert das Lächeln, unterbricht aber bald darauf den Blickkontakt. Plötzlich wirkt der sonst so souveräne Mann ziemlich unsicher. Er räuspert sich. "Und was hat deine Mutter gesagt?" fragt er um seine Unsicherheit zu überspielen. "Ach, die stand die ganze Zeit voll hinter mir, wie immer. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie, egal was ich mache, immer zu mir hält und für mich da ist." sagt Bibi fröhlich lächelt. Robert kommt nicht umhin Bibi zu beobachten, wie sie da so zufrieden mit sich und der Welt neben ihm auf der Decke sitzt und aufs Wasser hinaus schaut. Er stellt Mal wieder fest, wie unglaublich hübsch sie aussieht.

Die beiden haben gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist, doch die Sonne geht langsam unter und färbt den Himmel in den schönsten Rot- und Lilatönen. Während Bibi noch immer fasziniert auf das Farbenspiel über den Wasser blickt, hat Robert nur Augen für die ausgesprochen hübsche Frau an seiner Seite. Er nimmt all seinen Mut zusammen und streicht mit seinen Fingern ganz sanft über Bibis Hand, die sie locker neben sich auf Decke abgelegt hat. Ohne ihren Blick vom Wasser abzuwenden, dreht Bibi ihre Hand mit der Innenfläche nach oben und umgreift seine Finger, eh er seine Hand wieder zurückziehen kann. Er schließt seine Finger ebenfalls um die ihren und drückt ihre Hand liebevoll. Kurz lächeln die beiden sich an, dann blicken sie zusammen auf den Sonnenuntergang.

Als sie sich später auf dem Rückweg machen, herrscht eine komische Stimmung. Beide sind völlig zufrieden, aber zwischen ihnen ist es, als ob die Luft knistern würde. Beide spüren dieses Kribbeln im Bauch, während sie leise miteinander reden. Robert begleitet Bibi höflich bis zum Hoftor vom Martinshof. Auf dem Sandweg davor bleiben sie nah beieinander stehen und sehen sich an. Bibi beißt nervös auf ihre Lippe. Wie verschiedet man sich nach so einem Abend angemessen voneinander? Während sie noch darüber nachdenkt, hebt Robert die Hand und steckt ihr liebevoll eine lose Haarsträhne hinter das Ohr. Bibi genießt seine Berührung dabei. Stumm schauen sie sich tief in die Augen. "Vielen Dank für den schönen Abend." sagt Bibi schließlich, beugt sich vor und gibt Robert sanft einen Kuss auf die Wange. "Nichts zu danken." erwidert Robert. "Das Picknick hast schließlich du gehext." erinnert er sie. "Ja, aber ohne dich wäre es nicht halb so schön gewesen." sagt Bibi. Normalerweise hätte Robert so eine Aussage als kitschig empfunden, aber von Bibi so etwas zu hören, lässt sein Herz schneller schlagen. Er beugt sich vor und gibt Bibi ebenfalls einen Kuss auf die Wange. "Schlaf gut." murmelt er dabei nah an ihrem Ohr. "Du auch." erwidert Bibi leise, dann dreht sie sich um und geht beschwingt vor sich hin lächelnd durch das Tor auf das gemütliche Wohnhaus der Familie Martin zu.
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