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Willkommen in der Fickt-Euch-Allee

von Tiargo
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bob Andrews Justus Jonas Kelly Madigan Peter Shaw Skinner "Skinny" Norris
23.09.2021
24.11.2022
42
94.561
28
Alle Kapitel
98 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
24.11.2022 2.986
 
Im Großen lässt sich Schattenarbeit wohl damit zusammenfassen, dass es jede Methode ist die dazu dient Unbewusstes bewusst zu machen. Meine drei Lieblingstechniken dafür sind Anteilearbeit, der Completion Process und ganz klassisch innere Kind Arbeit. Und weil das einen nicht zu unterschätzenden Teil meines Lebens vereinnahmt muss Skinny hier nun auch durch, ob er will oder nicht. xD
Und wer mehr über das Thema erfahren will, hier eine kleine Auswahl: Why High Vibes May Make You Feel Bad – Teal Swan (11 Min), Diving Deep (Shadow Work) - Teal Swan (18 Min), Shadow Gold - Teal Swan (1 Min)
Und wer mit Teal nicht viel anfangen kann, dem kann ich alternativ auch die Bücher von C.G. Jung empfehlen, der ebenfalls Schattenarbeit praktiziert hat. Oder das Buch von Debbie Ford Schattenarbeit - Wachstum durch die Integration unserer dunklen Seite ist auch großartig!


Wait, I thought we were done
How'd you end up in my arms last night?
(Fuck)
I guess a little bit of pain kinda make it feel good sometimes
Why you tryna run when I feel like you're the one sometimes?
I guess a little bit of pain kinda make it feel good


Skinny öffnete langsam die Augen, er spürte die Wärme in seinem Rücken, der Atem der sanft über seine Haut strich und er hörte die verschlafenen Geräusche in seinem Nacken. Er hasste wie sehr er es in den letzten Wochen vermisst hatte den Körper warm an seinem eigenen zu spüren. Vorsichtig drehte er sich in Peters Armen, seine Finger strichen über die Seite des anderen, er fühlte den sanften Schwung der Muskeln unter der Haut, fuhr leicht über den Beckenknochen, dann verschwand der Widerstand unter seinen Fingerspitzen wieder. Peter gab einen leisen Laut von sich, blinzelte ihn verschlafen an und Skinny konnte sehen wie sich der Ausdruck in den braunen Augen schlagartig veränderte, als er erkannte wo er war.

„Scheiße, das gestern war also nicht nur ein sehr lebhafter Traum?“

Doch bevor Peter die Flucht ergreifen, bereuen konnte, dass er vor seinem Fenster aufgetaucht war, vergrub Skinny seine Nägel in der weichen Haut, genoss das leichte Whispern das über Shaws Lippen kam.

„Du hast die Gelegenheit zur Flucht letzte Nacht nicht genutzt, jetzt leb mit den Konsequenzen.“, sagte Skinny mit einem süffisanten Grinsen. Und der Blick mit dem Peter ihn ansah machte deutlich, dass Mord und Sex beides gleichwertige Optionen waren. Doch letzteres gewann offenbar das Duell denn schon im nächsten Moment zog Peter Skinny in einen Kuss, wobei es Skinny herzlich wenig störte, dass er die letzten Nacht noch auf den Lippen des anderen schmeckte.

Doch dann fuhr Peter erschrocken hoch, als plötzlich Musik ertönte. Entschieden schob er Skinny von sich und mit schmalen Augen beobachtete er wie Peter auf dem Boden in seinen Klamotten wühlte, kurz darauf das Handy ans Ohr hob und sich mit dem Rücken gegen die Wand fallen ließ.

„Hey Kells.“

Skinny schaffte es gerade noch ein genervtes Schnauben zu unterdrücken. Stattdessen ließ er seine Hand über Shaws nackte Haut fahren, spürte wie der andere sich unter seiner Berührung versteifte, sein Gehirn die Worte nur noch mit Mühe zu ganzen Sätzen zusammensetzen konnte. Ungeniert ließ Skinny seine Hand tiefer gleiten, umfasste Shaws Schwanz und einige Silben brachte das Satzzeichen sehr atemlos über die Lippen. Starken Finger schlossen sich um sein Handgelenk, versuchten Skinny zum aufhören zu bewegen, doch Skinny schüttelte nur tadelnd den Kopf, fuhr mit dem Daumen über Shaws empfindliche Spitze. Peter reagierte unwillkürlich auf die Berührung, seine Lider flatterten, seine Hand krampfte sich kurz um Skinnys Arm zusammen, bevor er sie kraftlos aufs Laken fallen ließ. Hastig brachte Peter einige weitere Worte über die Lippen und Skinny fragte sich, ob Kelly hörte wie sich sein Atem beschleunigte. Doch schon im nächsten Moment ließ Peter das Handy auf den Nachttisch fallen, doch seine Augen waren unentwegt auf Skinny gerichtet, verfolgten jede seiner Bewegungen.

„Ich gehöre jetzt allein dir.“

Und Skinny spürte einen Stich der durch sein Inneres fuhr, als sich der Abglanz eines Lächelns bei den Worten auf seine Lippen stehlen wollte. Er durfte sich nicht wieder daran gewöhnen, durfte Shaw nicht vermissen, weil der andere sein Herz schon einmal zu Hackfleisch verarbeitet hatte.

Doch Peters Haut an seiner, die Nähe schien jede Vorsicht auszulöschen. Ihn vergessen zu lassen wie sehr er gelitten hatte, dass er sich geschworen hatte nie wieder nur die zweite Wahl zu sein, dass er mehr als das verdient hatte.

Doch in dem Moment spürte er Peters Lippen auf seinen, fordernd und Skinny wollte ihm nur zu gerne geben wonach er verlangte. Er drückte Peter unter sich in die Laken, seine Hand glitt noch immer an seinem Schwanz entlang, während er die Zähne beinahe sanft in die Muskelstränge an Peters Hals schlug, der lästige Gedanke im Hinterkopf keine bleibenden Zeichen zu hinterlassen ihn in den Wahnsinn trieb.

Ein lautes Klopfen an der Tür ließ sie jäh auffahren und Skinny sah wie Peters Blick zum Fenster floh. Und dann drang die Stimme des ersten Detektivs durch das dünne Holz: „Es gibt gleich Frühstück. Peter, Tante Mathilda hat für dich mitgedeckt.“

Skinny fühlte wie Peter erstarrte und fast war es niedlich wie bleich er um die Nasenspitze werden konnte. Skinny meinte sehen zu können wie die Zahnräder hinter der Stirn des anderen ineinandergriffen, sich Fragen auftaten auf die er die Antwort eigentlich gar nicht wissen wollte. Und Skinny warf der Tür einen finsteren Blick zu. Es war verdammt geschickt von dem Superhirn wie er Peter dazu zwang zum Frühstück zu bleiben, ihnen klar machte, dass er wusste was hinter der Tür vor sich ging. Und fast wäre Skinny feixend herausgerutscht, dass es immerhin Peter gewesen war, der sich geweigert hatte zu verschwinden.

„Schwing deinen Arsch aus dem Bett, sonst steht Jonas gleich hier im Zimmer.“

Peter schluckte, nickte. Mit steifen Gliedern stand er auf, suchte nach seinen Klamotten die auf dem Boden verteilt lagen. Er streifte sich den Stoff über die Haut und langsam folgte Skinny ihm, zog sich an und als sie die Zimmertür öffneten begegneten sie Jonas finsterem Blick der sie unter zusammengezogenen Augenbrauen kritisch musterte. Skinny bemerkte wie Peter neben ihm dem Blick seines Kollegen auswich, seine Bewegungen beinahe unnatürlich steif waren. Provokant grinste Skinny das Superhirn im vorbeigehen an. Er konnte sich denken was hinter Jonas' Stirn vorging, welches Urteil er gerade fällte, ein Spielchen das sie durchaus auch zu zweit spielen konnten.

Die Stuhlbeine kratzten rau über die Dielen, als sie an den Tisch gezogen wurden. Mathilda hielt jedem von ihnen den Korb mit den Brötchen entgegen und Skinny fischte eines heraus.

„Peter, ich habe gar nicht mitbekommen, dass du letzte Nacht noch gekommen bist.“, stellte sie mit einem Lächeln fest.

Skinny gelang es nicht das amüsierte Kräuseln der Mundwinkel zu unterdrücken. Peter war gekommen, dafür hatte er gesorgt. Doch in dem Moment bedachte Jonas ihn mit einem Blick aus seinen dunklen Augen der die Hölle gefrieren lassen könnte.

„Ähm ja, es war nicht geplant. Ich...“

Fragend zuckten seine Augen zu Skinny, doch der tat als würde er es nicht bemerken, während er sein Brötchen zerteilte und Marmelade auf dem Teig verteilte.

„Ich war gestern Abend joggen und bin am Schrottplatz vorbei gekommen und da hab ich gesehen, dass bei Just noch Licht brennt, aber es war schon spät und da wollte ich Sie nicht wecken.“, fügte Peter hastig und ohne Luft zu holen hinzu.

Skinny biss von dem Brötchen ab, kaute lustlos darauf herum, während er sich darauf konzentrierte niemanden anzusehen, so zu tun, als wäre er nicht anwesend. Etwas das er noch aus dem Haus seiner Eltern verinnerlicht hatte, doch er konnte die Blicke von Jonas auf sich spüren, während er versuchte sie so gut es ging an sich abprallen zu lassen.

Das Frühstück zog sich ewig in die Länge und Skinny hasste den gezwungenen Smalltalk, während die unangenehme Spannung in der Luft knisterte. Und Skinny meinte hören zu können wie Peter erleichtert aufatmete, als sie endlich alle ihre Teller gestapelt hatten und Mathilda sie zur Spüle hinüber trug.

„Ich muss mich dann auch auf den Weg machen, ich hab gleich noch Training.“

Doch Peters verzweifelter Versuch endlich der Situation entfliehen zu können, wurde von dem Superhirn direkt zunichte gemacht.

„Zweiter, du hast noch was oben in meinem Zimmer vergessen. Kommst du eben mit?“

Peters Blick zuckte beinahe panisch zu Skinny. Doch er zuckte nur leicht mit den Schultern, bedeutete ihm mit einem leichten Kopfnicken Jonas zu folgen.

Und Skinny wollte den Kopf darüber schütteln, wie schwer es Peter fiel eine glaubhafte Lüge aufrecht zu erhalten. Es grenzte fast an ein Wunder, dass Kelly sie nicht schon viel früher erwischt hatte.

Peter folgte Jonas, als sei er auf dem Weg zur Schlachtbank und mit jedem Schritt der weiter oben auf der Treppe verhallte, wuchs Skinnys Neugierde.

„Ich bin dann auch in meinem Zimmer.“, murmelte er, bevor er den anderen leise folgte.

Die Tür zu Jonas Zimmer war geschlossen und Skinny ließ sich auf die kalten Dielen im Flur fallen, während er sich auf die Stimmen hinter dem dünnen Holz konzentrierte.

„Ich weiß, ich bin nicht Bob und für solche Gespräche fehlt mir die entsprechende Expertise, aber Peter, ich halte es für keine gute Idee, wenn du dich mitten in der Nacht in Skinnys Zimmer schleichst.

„Woher…?“

Skinny grinste, er konnte sich denken wie die Antwort des Schlaumeiers ausfallen würde.

„Du bist nicht gerade leise, Zweiter.“

Skinny Grinsen wurde breiter. Er konnte sich vorstellen wie Peters Ohren anfingen rot zu glühen, die Scham sich auf seine Wangen schlich. Peters leise Worte gingen in einem Scheppern das aus der Küche hochdrang unter und Skinny warf dem Treppenabsatz einen finsteren Blick zu. Doch schon im nächsten Moment hörte er Jonas gedämpfte Stimme: „Bei mir musst du dich nicht entschuldigen.“

Eine kurze Pause folgte, bevor das Satzzeichen hinzufügte: „Hältst du es an dieser Stelle wirklich noch für sinnvoll an deiner Beziehung mit Kelly festzuhalten?“

Skinnys Eingeweide krampften sich zusammen. Er kannte die Antwort, doch er wollte sie nicht hören, nicht schon wieder daran erinnert werden, dass er am Ende nicht genug war. Und wie von selbst trug sein Kopf ihn zu dem Moment am morgen zurück, der Klingelton von Peters Handy der sie aufgeschreckt hatte und das kurze Telefonat. Sie waren nie alleine, Kelly hing wie ein großer, dunkler Schatten über ihnen, selbst in den Augenblicken die sie sich stahlen war sie präsent. Und Skinny hatte die wenigen Stunden mit Peter nur für sich gewollt, seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Und er hatte den Schmerz beiseitegeschoben wieder nur das dreckige Geheimnis zu sein. Ein Muster aus dem er ausbrechen wollte und in das er nur zu gerne wieder zurückgekehrt war. Er fühlte sich wie ein Verdurstender und Peter gab ihm zu trinken. Nicht genug, doch immerhin starb er nicht. Und die Wüste um ihn herum war zu groß und bevor er austrocknete kam er zu Peter zurück, wollte nur spüren wie sein Wasser seine Lippen erneut benetzte.

„Ganz ehrlich.“, stieß Jonas aus und riss Skinny aus seinen Gedanken, „wenn die Situation nicht ausgerechnet einen meiner besten Freunde betreffen würde, würde ich sowohl Skinny als auch Kelly den Rat geben das mit dir zu beenden und sich jemanden zu suchen der wirklich bereit für eine echte Beziehung ist.“

Ein ungewohntes Gefühl wogte durch Skinnys Brust, fast soetwas wie Dankbarkeit. Jonas hatte ihn in einem Satz mit Kelly genannt und diese Gleichwertigkeit machte etwas mit ihm das er nicht ganz greifen konnte. Ohne der restlichen Unterhaltung weitere Beachtung zu schenken stemmte Skinny sich auf die Füße und schlich in sein Zimmer. Leise drückte er die Tür ins Schloss, ließ die Klinke nur vorsichtig los. Die Gedanken sprangen in seinem Kopf umher, doch immer wieder schob sich einer in den Vordergrund. Er verdiente mehr als das. Mehr als einige flüchtige Stunden, die ihn mit offenem, blutenden Herz zurückließen.

Skinny sah auf seine langen Finger hinunter, bemerkte, dass sie leicht zitterten. Er wollte diesen Worten so gerne glauben, wollte glauben das er es verdient hatte wirklich geliebt zu werden, doch in ihm fühlte er sich leer. Erinnerungen aus seiner Kindheit stiegen in seinen Kopf, all die Male in denen man ihm gezeigt hatte, dass man ihn nicht lieben konnte, dass er nicht gut genug war. Und er wollte wütend sein, sich selbst in den Schädel meißeln, dass er mehr verdient hatte, doch er spürte nur die Leere die sich dabei in ihm auftat. Das Wissen das er den schönen Worten nicht glaubte eine klaffende Lücke in ihm aufriss, ihm deutlicher als alles andere zeigte wie wertlos er sich fühlte.

Skinny schob das Fenster auf, ließ sich schwer auf die Fensterbank fallen und zog die Zigarettenpackung hervor. Doch bevor die kleine Flamme aufloderte, die Glut den Tabak langsam verbrennen konnte, streifte sein Blick über die Bücher die sich neben seinem Bett stapelten. Die er sich von Jonas, ohne dessen explizite Zustimmung, ausgeliehen hatte. Irgendwelche Psychologiewälzer, aber das Wort Schattenarbeit hatte verführerisch dunkel in seinen Ohren nachgehallt.

Doch ein Teil in ihm wünschte sich er hätte den Inhalt nie gelesen, dass die Stimme nie aufgetaucht wäre die ihn nun daran erinnerte, dass der einzige Weg aus den Schmerzen war sich direkt hineinzustürzen. Und alles in Skinny wollte vor dem Gefühl fliehen, er wollte nicht all die Herabsetzungen noch einmal durchleben. Er wollte nicht fühlen was tief in ihm schlummerte, ihn verschlingen würde, wenn er sich dem Abgrund zuwandte.

Skinny biss sich auf die Lippe, spürte wie der stechende Schmerz ihm kurz Erleichterung verschaffte, doch schon im nächsten Moment kehrte der Selbsthass zurück, das durchdringende Gefühl wieder auf seinen Platz verwiesen worden zu sein. Das Geheimnis das man vor der Welt verstecken musste, für das man sich schämte und der Trotz wollte an die Oberfläche dringen, ihn vor dem beschützen was ihn seit der Grundschule verfolgte. Doch er wies ihn nicht entschieden von sich, ließ sich von dem verzehren was aus seiner Seele an die Oberfläche kroch, wandte sich nicht ab.

Skinny versuchte ruhig zu atmen, doch er spürte wie eng seine Kehle war, das leichte Beben seiner Nasenflügel, während er sich von den Wellen in seinem Inneren überrollen ließ. Jede Sekunde das Verlangen nach einer Zigarette zunahm, er wollte den Schmerz wieder in den Abgrund zurückdrängen aus dem er ihn befreit hatte. Doch die leise Hoffnung eines Tages nicht mehr vor jeder zärtlichen Berührung zurückzuschrecken ließ ihn ausharren. Und Skinny wollte über sich selbst lachen, doch seine Gedanken kehrten zu Peter zurück, brachten Verzweiflung mit sich von der er nicht mal gedacht hatte, dass er in der Lage war sie zu empfinden. Er wollte Nähe und er wollte geliebt werden und zugleich gab es nichts in seinem Leben vor dem er größere Angst hatte.

Er war die Gewalt gewohnt, wusste, dass lieben bedeutete zu verletzten und verletzt zu werden, dass jeder ein Messer bei sich trug und Peter hatte ihm seines in die Brust gerammt. Oder war er es selbst gewesen der Peters Hand geführt hatte, als er ihn das erste Mal geküsst hatte? In dem Wissen, dass Kelly jede weitere Nähe zwischen ihnen unmöglich machte?

Doch die vergangenen Monate hatten ihm gezeigt, dass er mehr wollte als unverbindlichen Sex. Auch wenn etwas in Skinny das nur äußerst ungerne zugab. Also zwang er sich bei dem tosenden Sturm seiner Gefühle zu bleiben, sich den Wellen zu stellen die sich hoch vor ihm auftürmten und auf ihn niederfuhren, ihn unter sich begruben.
Und Skinny fragte sich, wann er genau dieses Gefühl das erste Mal in seinem Leben erlebt hatte.

Die Erinnerung drang aus der Tiefe wie eine Luftblase aus schwarzen Schlieren. Sein Vater der ihn für jedes noch so kleine Vergehen bestrafte, wie machtlos er sich gefühlt hatte, wie Hass und Wut das einzige gewesen waren was den Jungen am Leben erhalten hatten, der Trotz ihn genährt hatte, ihn davor bewahrt hatte zu zerbrechen. Sein Kopf sprang von einer Erniedrigung zur anderen, ließ die Bilder wieder aufleben an eine Zeit in der er gehofft hatte, seinen Vater zufrieden stellen zu können, gut genug zu sein um seinen Zorn nicht auf sich zu ziehen. Doch die andauernden Schläge hatten ihm gezeigt, dass er niemals gut genug sein konnte, dass er nicht liebenswert war, egal wie sehr er sich auch angestrengt hatte. Also wozu kämpfen, wenn es zwecklos war, wenn er eh schon verloren hatte?

Skinny gab ein höhnisches Schnauben von sich, wurde sich bewusst, dass sein Erzeuger ihm beigebracht das Liebe Schmerz bedeutete.

Skinny spürte wie seine Finger leicht zitterten, während auch das Beben der Erinnerungen durch seinen Körper ging. Und nach einer gefühlten Ewigkeit schienen die Wogen abzuflachen und jeder seiner Atemzüge schien ruhiger zu werden. Skinny meinte sich ein ganz kleines Stück leichter zu fühlen, als wäre ein bisschen von dem Gewicht seiner Kindheit von seinen Schultern gefallen. Doch so ganz konnte er nicht glauben, dass es das schon gewesen sein sollte. Das es ausreichte seine Gefühle zu fühlen, oder eher zu ertragen, um sie zu verarbeiten. Doch bisher war er immer nur erfolgreich vor ihnen weggelaufen oder hatte sie mit Zigaretten oder anderen Drogen wieder zurück in die Tiefe gedrückt. Was wusste er schon davon wie es sich anfühlte Scheiße verarbeitet zu haben?

Skinny dachte kurz an den Jungen in seinen Erinnerungen, an die Kapitel über Arbeit mit dem inneren Kind und er verzog seine Lippen zu einem höhnischen Lächeln. Es mochte Leute geben die etwas daran finden konnten ihr jüngeres, imaginäres Selbst in eine flauschige Decke zu hüllen und ihnen einen Kakao in die Hände zu drücken. Doch allein die Vorstellung wirkte auf ihn albern, hatte einen Beigeschmack von weißem Gartenzaun den er nicht mochte.

Schwer ließ Skinny den Kopf gegen den Fensterrahmen fallen, sah in den wolkenlosen Morgenhimmel und da war ein kleiner Funke in seinem Inneren. So etwas wie Stolz das er nicht weggerannt war, dass er sich seinen Dämonen gestellt hatte, das erste Mal in seinem Leben. Und damit streckten sich auch erneut die Fangarme der Hoffnung aus, dass sein Leben sich irgendwann zum besseren ändern würde.

***

Waste Love - Machine Gun Kelly
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