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Willkommen in der Fickt-Euch-Allee

von Tiargo
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bob Andrews Justus Jonas Kelly Madigan Peter Shaw Skinner "Skinny" Norris
23.09.2021
03.12.2022
44
97.240
33
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
23.09.2021 1.772
 
Diese Geschichte ist bisher noch in ihren Grundzügen, also kann es gut sein, dass ich so die nächsten drei Jahre an ihr schreibe, wer also regelmäßige Uploads mag den muss ich leider an dieser Stelle bereits enttäuschen. Aber ich brauchte zwischen meinen düsteren WIPs gerade mal etwas Flauschigeres. Eigentlich sollte das hier auch nur eine sanftere Variante von Remember Me werden, aber dann hat sich die Story irgendwie verselbstständigt. Ich weise sämtliche Schuld von mir und schiebe sie dem Eigenleben der Charaktere zu! Ansonsten war der Name eigentlich nur mein Arbeitstitel, aber ich habe ihn mit der Zeit lieb gewonnen, außerdem spiegelt er für mich Skinnys "Begeisterung" nun als Teil der drei Fragezeichen agieren zu dürfen so schön wieder.
Und die obligatorische Playlist darf natürlich nicht fehlen. Es kann gut sein, dass sich daran noch ein wenig verändert, also seid auch hier gewarnt.


Oh man ey, ich merk schon mich umgeben Profis,
Will weg weil dieses Leben doof ist,
Mach Urlaub in den Misanthropen,
Ich hör' euch nicht,
Ich bin in meinem Wochenendhäuschen in der Fickt-Euch-Allee


Skinny hustete, während er versuchte sich auf alle Viere zu stemmen. Doch da trat der Typ auch schon ein weiteres Mal zu. Hart schlug Skinny auf dem Boden auf. Instinktiv krümmte er sich zusammen. Wahrscheinlich war mindestens eine Rippe mittlerweile gebrochen, zumindest übel angeknackst.

Foxx beugte sich über ihm, schlug ihm erneut mit der Faust hart ins Gesicht. Eine weitere Explosion ging durch seinen Schädel, hinterließ kaum mehr als ein dumpfes Pochen, das ihn wegtreiben ließ.

Skinny nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie der große Kerl einen Schritt zurückwich. Langsam lichtete sich Skinnys Blickfeld und die verschwommenen Gestalten erhielten wieder ihre Konturen.

Stöhnend richtete er sich auf. Seine Seite tat höllisch weh und er schmeckte das Blut in seinem Mund. Ein Zahn schien locker zu sein, doch er hatte schon Schlimmeres überstanden.

Sein Blick zuckte zu Foxx hinüber. Dann griff der Mann in den Bund seiner Hose und Skinny sah wie das kalte Licht der Neonröhre auf dem Stahl reflektierte. Sein Blick zuckte zu der geschlossenen Stahltür, doch er wusste das ein Fluchtversuch zwecklos war. Und als die runde Mündung der Waffe gegen seinen Hinterkopf gedrückt wurde, schloss Skinny die Augen. Er hörte das leise Klicken, als die Waffen entsichert wurde, das Geräusch war so nah und vertraut.

„Das reicht.“

Die schneidende Stimme seines Bosses schnitt durch die angehaltene Stille.

Leicht wandte Skinny den Kopf. Er konnte dem Söldner ansehen, dass er gerne noch weiter gemacht hätte. Sein Sadismus verlangte danach Skinny leiden zu lassen. Ihn weiter zu quälen. Und Skinny konnte sich ausmalen wie der der ehemalige Soldat es ohne zu zögern zu Ende gebracht hätte.

„Skinny, du hast eine Woche um mir das Geld wiederzubeschaffen.“

Skinny sah zwischen dem gut gekleideten Mann der ihn mäßig interessiert musterte, hinüber zu dem Söldner, der ihn kalt anlächelte.

„Ich freu mich schon darauf, wenn wir das hier beenden.“

„Ich kann es kaum erwarten.“, erwiderte Skinny mit einem ebenso kalten Lächeln auf den Lippen.

Die Stahltür gab ein durchdringendes Quietschen von sich, als Rutherford und der Söldner hindurch gingen und Skinny allein zurückließen.

Skinny sackte ein wenig in sich zusammen, während er spürte wie sein Körper bei jeder noch so kleinen Bewegung protestierte. Dann atmete er tief durch, was nur dazu führte, dass ein stechender Schmerz durch seinen Körper zuckte. Ein beinahe höhnischen Grinsen legte sich auf sein Gesicht.

Er hatte Scheiße gebaut, und der Kerl den er hintergangen hatte, war offenbar nicht gewillt ihn so einfach davonkommen zu lassen, wie die Männer für die er davor gearbeitet hatte.

Unter einiger Anstrengung kämpfte Skinny sich auf die Beine, während er sich an der Wand abstützte. Langsam schleppte er sich zur Tür, drückte langsam die Klinke herunter. Das Quietschen hallte viel zu laut in seinen Ohren nach, dann schleppte er sich aus dem heruntergekommenen Gebäude hinaus ins Freie. Bei jedem Schritt schoss der Schmerz durch seine Seite und in den Körper. Und Skinnys Hände verkrampften sich zu Fäusten, als er einen leisen Schmerzenslaut unterdrückte.

Gehetzt sah er zu dem Haus hoch. Fast erwartete er eine dunkle Gestalt in einem der Fenster zu sehen, doch niemand war da um seinen Abgang zu verfolgen. Dann lief er los, zwang seinen Körper zu einer Anstrengung die er gerade absolut nicht zu leisten gewillt war, doch er wollte so schnell wie möglich zwischen den angrenzenden Häusern verschwinden. Skinny lief bis die Schmerzen ihn dazu zwangen inne zu halten. Und zum ersten Mal sah er sich bewusst um. Er kannte die Gegend, eine heruntergekommene Ecke von Little Rampart. Aber welche Ecke war es hier nicht? Die schäbigen, freistehenden Einfamilienhäuser ein wenig außerhalb hatte niemand haben wollen, nicht bei der Nachbarschaft, also standen sie leer und verrotteten langsam.

Mühsam schleppte Skinny sich vorwärts, während jeder Schritt kleine Wellen des Schmerzes durch seinen Körper sandte. Doch bis auf das Stechen in seiner Seite war es erträglich. Kaum mehr als einige Prellungen. Nichts was sein Vater ihm nicht auch zugefügt hätte.

Schwer ließ er sich auf eine Bank fallen und kramte eine zerbeulte Zigarettenpackung hervor. Das Nikotin wirkte beruhigend, fast als würde es auch die Schmerzen lindern.

Doch das er entkommen war, würde ihm nur vorübergehend helfen.

Gedankenverloren drehte Skinny die Kippe in der Hand, kratzte den schwarzen Nagellack hinunter, sah dabei zu wie er langsam abplatzte. Welche Optionen blieben ihm? Seine Schulden begleichen und hoffen, dass Ruthrford es dabei belassen würde? Aber er hatte das Geld nicht mehr und in absehbarer Zeit würde er es auch nicht schaffen die Kohle aufzutreiben.

Skinny fluchte innerlich, als ihm klar wurde, dass er es wohl alleine nicht schaffen würde sich aus dieser Angelegenheit herauszuwinden. Und er wollte sich den überlegenen Ausdruck auf Jonas' Gesicht gar nicht erst ausmalen, wenn er mal wieder bei den drei lästigsten Schnüfflern der Stadt zu Kreuze kriechen musste.

***

Skinny schlenderte so gelassen wie möglich durch das Tor auf den Schrottplatz. Schon von weitem konnte er das Superhirn und seine beiden Laufburschen ausmachen. Vergnügt saßen sie auf der Veranda, aßen Kuchen und giggelten wie Schulmädchen.

Jonas war der erste der ihn wahrnahm und sofort schlug seine Stimmung um. Dann wandten auch DrPlanlos und der Schisser sich Skinny zu und das Entsetzen in ihren Gesichtern entlockte Skinny dann doch ein befriedigendes Grinsen.

„Scheiße Skinny, du siehst ja furchtbar aus.“

„Fick dich.“, entgegnete Skinny. Doch es kam nicht so fies raus, wie er es beabsichtigt hatte.

„Haben sie auch die Schlagfertigkeit aus dir herausgeprügelt?“

„Haha, sehr witzig. Nachdem wir jetzt alle eine Runde gelacht haben, können wir da zum Wesentlichen kommen?“

Skinny lehnte sich an einen der Pfosten, wobei er seine Finger vielleicht ein wenig fester in das Holz krallte, nur um sicher zu gehen, dass er nicht doch noch den Schmerzen in seiner Seite nachgab.

„Also, was willst du?“

Bei Jonas wusste er nie genau, ob seine Stimme abweisend oder geschäftsmäßig klang, vermutlich ne obskure Mischung die er nur für Skinny und andere seiner Art reserviert hatte.

„Können wir das vielleicht nicht hier draußen besprechen?“

Skinnys Blick huschte zu dem alten Campinganhänger.

Jonas verschränkte die Arme vor der Brust, nickte dann jedoch leicht. Das Zeichen, dem auch seine Spießgesellen anstandslos folgten.

Im Inneren des Campinganhängers herrschte ein beinahe schummriges Halbdunkel. Langsam durchquerte Skinny ihn, sah zu dem krächzenden Federvieh das einsam in seinem Käfig umher hüpfte, dann zu den Notizen die verteilt auf dem Schreibtisch herum lagen. Und er konnte sich nicht verkneifen einen neugierigen Blick darauf zu werfen, bevor er sich in einen der alten Sessel fallen ließ. Dann grinste Skinny die drei Jungen, die ihm skeptisch gegenüber standen, breit an.

„Also Skinny was ist passiert?“, wollte Shaw wissen, während er sich an die Wand neben der fadenscheinigen Tür lehnte.

Doch bevor Skinny anfangen konnte zu erzählen spürte er wie etwas Kaltes in seinem Schoß landete.

„Für die Prellungen.“, sagte Jonas knapp. Skinny nahm die in ein Geschirrhandtuch eingewickelten Eiswürfel und drückte sie sich dankbar gegen die Schläfe, spürte wie seine langen Haare an dem Blut hafteten und jede Bewegung ein leichtes Ziehen verursachte. Dann sah er den drei Jungen betont lässig entgegen, während er anfing zu erzählen. Alles war irgendwie relevant sein konnte, doch so vage, dass man ihm nichts nachweisen konnte. Doch der Dicke bohrte immer wieder an Stellen nach, die es Skinny schwer machten Schlupfwinkel zu finden. Und er war fast dankbar, als ausnahmsweise Andrews seine Erzählung unterbrach.

„Rutherford, der Name sagt mir doch irgendwas. Wurde ihm nicht mal Versicherungsbetrug vorgeworfen?“

Hektisch blätterte er in einem grässlichen, gelben Notizbuch, während seine Augen über die Zeilen flogen. Dann erhellte sich seine Miene und ein triumphierendes Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit.

„Ja, in dem Fall mit den gestohlenen Gemälden ist sein Name schon mal aufgetaucht, aber man konnte ihm nie etwas nachweisen, weder bei dem Kunstraub, noch bei dem Fall mit der Versicherung.“

Skinny zuckte mit den Schultern.

„Darüber weiß ich nichts.“

„Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet.“, meinte Jonas und Skinny warf ihm einen strafenden Blick zu.

„Ich hab euch alles gesagt was wichtig ist. Also dann schwirrt aus und macht was Hobbyschnüffler wie ihr eben in so einer Situation tun. Wenn ihr mich sucht wisst ihr wo ich wohne.“

Skinny wollte sich gerade erheben, doch die Stimme des Schnüfflers unterbrach sein Vorhaben.

„Du gehst auf keinen Fall alleine nach Hause. Nicht in diesem Zustand und vor allem, weil du mal wieder Leute gegen dich aufgebracht hast die bedeutend mächtiger sind.“, begehrte Shaw auf.

„Aber hier in der Zentrale kann Skinny auf keinen Fall bleiben.“, wandte Jonas entschieden ein.

Skinny drückte sich das Handtuch mit den Eiswürfeln wieder auf die Schwellungen in seinem Gesicht, dann murmelte er: „Kriegt euch wieder ein, ich bin groß und kann schon alleine einen Schlüssel im Schloss umdrehen.“

„Nein.“ Shaw blinzelte ihn wütend an, was Skinny nur dazu brachte ihn überheblich zu mustern.

„Glaubst du wirklich, du könntest mir irgendetwas vorschreiben, Schisser?“

„Nachdem du uns um Hilfe gebeten hast, ja Skinny, heute schon.“ Der sportliche Junge sah in die Runde und Skinny konnte ihrem wortlosen Gefecht folgen. Keiner wollte ihn bei sich haben und ihm sollte es nur recht sein. Doch nach einigen wortlosen Sekunden meinte Shaw ergeben. „Ok, Skinny kommt erstmal bei mir unter, bis wir eine bessere Lösung gefunden haben. Ich hoffe nur, dass Kelly mich nicht umbringt, wenn sie davon erfährt.“

Jonas und Andrews nickten zustimmend.

„Ist ja nur bis wir den Fall gelöst haben.“

„Ihr redet über mich, wie über eine streunende Katze. Hab ich gar kein Mitspracherecht?“

Die drei Paar Augen die sich auf ihn richteten machten Skinny endgültig klar, dass seine Meinung hier und jetzt kein Gewicht hatte.


***


Fickt-Euch-Allee - Grossstadtgeflüster
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