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Keine Zukunft

GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Andrea Schäfer Anna Engelhardt Ben Jäger OC (Own Character) Semir Gerkhan Tom Kranich
23.09.2021
30.11.2021
63
67.576
4
Alle Kapitel
192 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
25.11.2021 889
 
Hallo Zusammen!
Die Woche ist schon wieder fast geschafft…uff
Zum Abschluss des Tages habe ich euch noch ein
neues Kapitel!
Reviews werde ich natürlich auch noch beantworten.
Viel Spaß beim lesen!
Historycrime
**************


*Eine Woche später*
„Da ist ein Land der Lebenden - und da ist ein Land der Toten! Über das Land der Lebenden gemeinsam mit ihm haben wir viele Erinnerungen und könnten noch viel mehr erzählen, mehr noch, als die Zeit hier und heute reicht. Über das Land der Toten, können wir nichts sagen. Dahin ist er nun unterwegs. Wir wissen nicht, wie es dort sein wird und was ihn dort erwartet. Wir können ihm nur hilflos nachblicken. Wir geben ihm aber unsere guten Wünschen mit für die Wege, die er nun geht, für das Land, das ihn erwartet." Der Geistliche machte eine kurze Pause und hob seinen Blick zu den wenigen Trauergästen am Fuße des Mahagoni farbigen Sarges.
„Ben Jäger hatte es in seinem kurzen Leben nicht leicht und wir wünschen uns für ihn, dass er jetzt seinen Frieden finden wird!“

Sie fragte sich tatsächlich, ob sie ein Recht dazu hatte an seiner Beerdigung teilzunehmen. Sie hatte ihm nicht geglaubt, sie hatte ihre Liebe verraten und jetzt saß sie hier.
Als sie vor einer Woche dieses Handy in den Händen hielt, dachte sie, dass nun alles gut werden würde. Stattdessen war sie nun hier, mit einer weißen Rose in der einen Hand und in der anderen die Hand ihres kleinen Sohnes.
Annika hatte sich lange überlegt, ob sie den Jungen mitnehmen sollte, jedoch blieb ihr in letzter Instanz gar nichts anderes übrig, denn alle Personen welche sie ihren Sohn anvertraut hätte, waren heute gekommen, um Ben die letzte Ehre zu erweisen.
Ihr Blick wanderte über die kleine Trauergemeinde, welche nur aus Konrad und Julia Jäger, Tom und Semir und der kleinen zierlichen Gefängnisärztin Mia bestand.
Bens Freundeskreis hatte sich in den vier Jahren seines Gefängnisaufenthalts wirklich sehr verkleinert und auch wurde sein plötzlicher Tod bewußt nicht großartig publiziert.

„Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; und als Brücke zwischen beiden steht unsre Liebe. Diese Brücke ist stark; sie wird lange halten; bei einigen von uns für alle Ewigkeit. Es ist eine Brücke, gebaut aus Steinen der Liebe, befestigt mit unseren Tränen, verfugt mit unseren Erinnerungen und unseren guten Gedanken. Lasst diese Brücke stark sein, als Verbindung zu ihm; als Verbindung über die Grenze hinweg, über die Grenze zwischen dem Land der Lebenden und dem Land der Toten. Da ist ein Land der Lebenden und da ist ein Land der Toten; und da ist als Brücke zwischen beiden, unsere Liebe."

Was redete dieser Pfarrer da!
Ben würde ganz heimlich still und leise beigesetzt und von dieser Liebe, von der der Geistliche sprach, hatte Ben die letzten vier Jahre rein gar nichts abbekommen!
Tom musste sich so beherrschen, bei den Worten des Pfarrers nicht laut loszubrüllen.
Es war alles schief gelaufen, eigentlich war ihr Plan genial, jedoch kannten sie diese eine Unbekannte nicht, welche ihnen letztendlich zum Verhängnis wurde.
Als er unauffällig über seine Schulter sah, konnte er am Eingang der Aussegnungshalle einen Mann erkennen, welcher ihm wohlbekannt war.
Auch Semir hatte den stillen Trauergast gesehen und nickte ihm wissend zu.
Wie ein Lauffeuer würde die Nachricht von Ben Jägers Tod in den Kalvus-Kreisen kursieren und dieser würde sich nun wieder in Sicherheit wiegen.
Ben wäre der einzige Mensch gewesen, welcher diesem hätte gefährlich werden können.
Wieder stieg dieser unbändige Hass auf den Mörder seiner Frau und seines ungeborenes Kindes, in ihm hoch. Dieses lang unterdrückte Gefühl keimte beim Anblick des glänzenden Sarges wieder auf und er schwor sich, diesen Mann nun endlich zur Strecke zu bringen.

Seine Verlobte hatte sich hilfesuchend an seine Hand geklammert und blickte noch immer fassungslos auf das eingerahmte Bild ihres Bruders, an dem ein schwarzes Band am oberen Rand angebracht wurde. Das Bild zeigte einen für ihn völlig unbekannten Mann, so hatte er den jungen Polizisten nie kennenlernen dürfen.
Seine langen braunen Haare hingen ihm wirr in seine leuchtenden braunen Augen. Dessen ansteckendes Lachen konnte er quasi durch die Aussegnungshalle schallen hören.
Und wieder zweifelte er an diesem Rechtsstaat, welcher das Leben dieses zuvor lebenslustigen und rechtschaffenen Polizisten zerstört hatte.

Als der Sarg von den vier Bestattungsinstitutmännern in Richtung dessen letzter Ruhestätte getragen wurde, brach Julia weinend zusammen. Sie hatte ihren Bruder seit vier Jahren nicht gesehen und jetzt musste sie ihn zu Grabe tragen.
Schluchzend kniete sie vor dem offenen Grab und musste im Anschluss von Tom und Semir gestützt zum Auto gebracht werden.

Einzig Bens Vater wirkte sehr gefaßt und ließ sich seine Bestürzung über den Tod seines Sohnes kaum anmerken.
Sein zukünftiger Schwiegervater war noch nie ein Mann von großen Gefühlen und er wußte, dass deren Vater-Sohn-Beziehung schon immer sehr angespannt war. Julia hatte ihm die Hintergründe hierfür haargenau erzählt und auch er wurde mit dem taffen Geschäftsmann nie so richtig warm. Aber Tom wollte auch nicht ihn heiraten, sondern sein Tochter und dafür musste er noch dessen Erlaubnis einholen.
Doch darüber machte er sich jetzt noch keine Gedanken, denn er wußte, dass in nächster Zeit ein ganz anderes Thema sein Leben bestimmen würde.
Dieser unsägliche Fall Kalvus, hatte nicht nur Ben Jägers Leben zerstört, sondern auch seines und er wußte nicht, ob nicht schon zum zweiten Mal!
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