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5 Minutes From Now

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P16 / Mix
Coriolanus Snow OC (Own Character)
23.09.2021
24.11.2022
17
27.456
4
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.11.2022 1.299
 
hi … ganz viel Sorry an dieser Stelle! Aber ich bekomme während der hellen und warmen Jahreszeit irgendwie nie oder selten Motivation zum Schreiben. Dafür aber immer zum Ende des Jahres umso mehr. Als wenn das etwas mit den kurzen Tagen zu tun haben könnte … nun ja! Back in the Game würde ich sagen, wollen wir nicht lang drumherumschnacken.

Peacekeepers - James Newton Forward


Kapitel 16


Tatsächlich erreichen wir wenig später eine Stelle, aus der nach einer Berührung seitens Cash kleine, aber ausreichende Stufen herausfahren. Mit leisem steinernem Schaben und Kratzen ziehen sie sich bis hoch nach oben ans Ende der Mauer und bilden einen hervorragenden Aufgang.
"Wie hast du den gefunden?", will ich unverblümt wissen. Was für ein Zufall es war, genau die Stelle zu finden, an der man hinaufsteigen kann.
"Bin gegen die Wand gelaufen und wenig später kam die Treppe zum Vorschein. Konnte meinen Augen kaum glauben." Mit strahlenden Augen betrachtet Cash das Gebilde vor sich und steigt dann langsam hinauf. Aufgeregt folge ich ihm. Was mich dort oben wohl erwartet?
Oben angekommen weht ein kleines Lüftchen, was ich nicht erwartet habe. Ich lasse meine Abwehr fallen und trete mit alles übertünchender Verblüffung bis an den Rand der Mauer, auf der wir uns jetzt befinden, und schaue in die Ferne.
Vor uns erstreckt sich das, was ich bereits vermutet habe: ein riesengroßes Labyrinth. Weiße, dicke Mauern umranden die Gänge, formen Sackgassen und Fluchtwege. Die Mauern sind etwa drei Meter dick, so dass man viel Platz auf ihnen hat und so befindet sich zwischen Cash und mir genug Abstand, als dass er unbemerkt einen Angriff starten könnte.
Alles, was ich sehe, ist unendliche Weiße. Keinen einzigen grünen Fleck oder Wasser kann ich entdecken, was in mir die Frage aufwirft, wie zum Teufel wir an Nahrung oder Flüssigkeit kommen sollen. Sind irgendwo Pakete versteckt? Gibt es Orte, Nischen, in denen sich Nahrungsmittel finden? Ich gehe in die Hocke und streiche mit den Fingerspitzen über das Gestein, dessen Oberfläche glatt und samtweich zu meinen Füßen liegt.
Dann schließe ich wider allem guten Menschenverstand die Augen und nehme die Geräuschkulisse in mich auf. Ich kann Schritte vernehmen, die sich mit dem Geräusch von aneinander reibendem Gestein vermischen, hier und da schreit jemand. Es ist ansonsten so still, dass genau diese Geräusche unüberhörbar sind und in Zukunft vermutlich auch bleiben werden. Es ist wie ein Hall, der durch die Gänge wabert, dafür gedacht, die Geräusche des bald kommenden Todes zu den Tributen zu tragen.
So in der Hocke sitzend kann ich mich selbst riechen und verziehe den Mund ob des nassen Stoffes zwischen meinen Beinen. Es gibt die Möglichkeit, die Kleidung auszuziehen und sie dann trocknen zu lassen, dann bin ich jedoch nahezu nackt und ungeschützt. Also werde ich keine Wahl haben, als damit herumzulaufen. Vielleicht finde ich irgendwann genug Wasser, um mich zu waschen, ansonsten wird das wohl mein kleinstes Problem sein, wenn es um Leben und Tod geht.
Langsam öffne ich die Augen wieder und drehe mich einmal um meine eigene Achse. Beinahe übersehe ich den herausstechenden Punkt in der Ferne, doch dann bleibt mein Blick doch an ihm hängen.
"Hast du es also auch endlich entdeckt", schmunzelt Cash, doch ich ignoriere ihn, zu groß ist meine Verwirrung.
"Ist das... Eine Stadt?", bringe ich schließlich ungläubig heraus und kneife die Augen noch ein wenig fester zusammen. Nickend tritt Cash neben mich und fährt dann mit dem Finger eine Linie an den Mauern vor uns nach.
"Es führt ein direkter Weg über die Mauern dorthin. Entweder sie wollen, dass wir dort hingehen oder sie wollen uns in die Irre führen. Allerdings glaube ich, dass reines Umherirren in einem Labyrinth auf Dauer zu langweilig werden würde, daher tippe ich auf Letzteres", sagt er und verschränkt die Arme vor der Brust.
"Ein direkter Weg...", murmle ich und denke nach. Er hat recht, zwar können wir nicht einfach geradeaus über die Mauern laufen, sondern müssen hier und da abbiegen und wenn es schlecht läuft sogar hinunter, aber der Weg ist eindeutig da. Außer der Stadt in der Ferne gibt es nichts, was man sonst ernsthaft ansteuern kann.
"Die Stadt wird als Location für das große Show Down herhalten, ich sag's dir. Wer da zusammentrifft, der bekämpft sich." In Chashs Worten schwingt sowohl Vorfreude als auch Neugierde mit - und mir fällt blitzartig kein, dass er ein Karriero ist.
"Dann halte ich mich lieber davon fern", bemerke ich trocken und klammere mich an den Speer. Komischerweise fühlt sich diese Waffe, mit der ich kaum umgehen kann urplötzlich wie mein größter Verbündeter an.
Eine Weile starren wir in die Ferne, bis mehrere Kanonenschüsse in regelmäßigen Abständen ertönen. Mit jedem Kanonenschuss wird es ein klein wenig dunkler, bis am Himmel schließlich eine Tabelle mit Bildern und Namen der gefallenen Tribute erscheint.
Isaiah ist nicht dabei.
Ich reiße die Augen auf, fahre wieder und wieder mit meinem Blick über die Tabelle, kann es kaum glauben. Doch es ist so - Isaiah ist nicht tot. Das bedeutet, er irrt hier genau so herum wie ich, verletzt und auf der Suche nach Überleben. Ob er sich an unseren Blickwechsel am Füllhorn erinnert? In mir schwebt die Angst, dass er denkt, ich habe ihm zurückgelassen. Schließlich bin ich gleich abgehauen, statt mir zu versichern, dass er tot ist.
Vermutlich hat er bereits neue Verbündete. Ob ich trotzdem nach ihm suchen soll? Aber wo soll ich anfangen? Er kann im dritten Gang neben uns sein, aber auch am anderen Ende des Labyrinthes - wenn wir uns begegnen, dann zufällig.
"Der Junge aus deinem Distrikt lebt also noch", stellt auch Cash fest, in seiner Stimme klingt eine Schwache Note Euphorie mit, die beinahe zu überhören war. Warum freut ihn das?
"Okay, wir sollten ein wenig schlafen. Wenn du möchtest, schlafe ich zuerst und du hältst Wache. Ich vertraue dir, dass du das da", Cash deutete auf den Speer in meiner Hand, "ganz weit weg von sämtlichen lebenswichtigen Organen meines Körpers hälst."
Dann nimmt er den Rucksack ab, den er die ganze Zeit auf seinem Rücken getragen hat, lässt ihn und sich selbst schwer auf den Boden fallen und dreht mir den Rücken zu. Die Tabelle erleuchtet noch immer die Arena und ich kann ihn einen Moment ungestört beobachten. Seine Brust hebt und senkt sich ruhig, als hielte er ein Schäfchen im Penthouse des Kapitols und nicht in einer Todesarena.
Was ist sein Ziel? Klar, Verbündete können nicht schaden. Aber an seiner Stelle würde ich mir jemand starken suchen, kein unerfahrenes Mädchen, dass gerade so weiß, wie rum es einen Speer halten muss. Warum also hat er mich nicht gleich getötet? Wie die Tabelle anzeigt, war der Junge, den er zum Schutz meiner getötet hat, aus Distrikt 3. Mit ihm wäre ein Bündnis sicherlich nicht von Nachteil gewesen - aber mit mir?
Mir fällt das Denken schwer, also lasse ich es für einen Moment und sehe mich noch einmal um. Zwei Tribute haben es ein gutes Stück entfernt von uns auch auf die Mauern geschafft und scheinen sich ebenfalls zur Ruhe zu begeben. Im allgemeinen hat sich die Geräuschkulisse mit zunehmender Dunkelheit ein wenig verändert. Alles ist ein wenig ruhiger, kaum jemand schreit mehr. Es ist, als habe die Dunkelheit den Gong zur Pause geläutet.
Das noch immer vorherrschende Licht von oben nutzend suche ich nach der Wunde an meinem Oberarm. Sie tut kaum mehr weh und fühlt sich auch nicht besonders tief an, was gut ist. Es wäre zwar besser, wenn ich sie ordentlich reinigen könnte, doch für den Anfang muss ich mit den Gegebenen Umständen vorlieb nehmen.
Ein oder zwei Stunden kann ich mich wachhalten, dann zieht die Erschöpfung mich in ihren Bann und schutzlos falle ich in einen erbarmungslosen Schlaf.
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