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5 Minutes From Now

GeschichteAllgemein / P16 / Mix
Coriolanus Snow OC (Own Character)
23.09.2021
25.11.2021
14
23.976
2
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21 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
25.11.2021 1.127
 
Es hat jetzt eine Weile gedauert und das Kapitel ist kurz, aber ich habe dafür vor, öfter wieder zu updaten! Hatte viel um die Ohren und hoffe, dass es euch trotzdem gefällt. Vielen Dank für's Reinschauen <3

Kapitel 14


Von immer bedrohlich werdender Gefahr getrieben lasse ich meinen Instinkt die Führung übernehmen. Aus irgendeinem Grund möchte ich nämlich einfach gerne stehen bleiben, obwohl alles dagegenspricht. Meine Beine bewegen sich, eins nach dem anderen. Das Blut in meinen Ohren rauscht so laut, dass ich die Geräusche um mich herum kaum mehr wahrnehme und schließlich, ohne darüber nachzudenken, befinde ich mich auf dem Boden und gleite über ihn hinweg. Gerade noch rechtzeitig, denn zwei Zentimeter neben meinen Fingern fährt die steinerne Decke komplett in den Boden. Wäre ich nur ein wenig langsamer gewesen, hätte das Ding mich gnadenlos zerquetscht. All das registriere ich binnen einer Millisekunde – mehr habe ich auch nicht, denn Geschrei und wirres Durcheinander dringen an meine Oberfläche und ich bin gezwungen, mich umzusehen.
Vor mir befindet sich in wenigen Metern Entfernung das Füllhorn, das ebenso aus weißem Stein zu sein scheint. Die meisten anderen Tribute haben sich längst aufeinander gestürzt, nur wenige befinden sich gleich mir im Stadium der Orientierung.
Auch das Füllhorn und der Bereich, in dem wir uns befinden, ist umgeben von hohen Mauern, die dick und wuchtig etwa fünf Meter in die Höhe schießen. Statt mich ebenfalls ins Getümmel zu stürzen, nutze ich den Wirrwarr an Menschen, um mich beinahe ungestört ein wenig umzusehen, nur eine ruhige Sekunde lang. Ich entdecke Gänge, die sich in unregelmäßigen Abständen durch die Mauern graben, drei an der Zahl. Einer ist direkt hinter dem Füllhorn, einer etwa zehn Meter neben mir und ein anderer fast direkt neben dem ersten.
Ich lasse meinen Blick hastig über das Handgemenge schweifen und stelle fest, dass mich kaum jemand beachtet. Sie sind alle zu sehr damit beschäftigt, das Beste aus dem Füllhorn herauszubekommen – unter anderem Cash, der sich gerade einen Zweikampf mit einem deutlich jüngeren Tribut liefert.
Mir schießt die Tatsache durch den Kopf, dass ich einen Verbündeten habe, und so suche ich ziellos nach Isaiah, bis ich ihn tatsächlich entdecke. Er kramt an einem toten Mädchen herum, vermutlich auf der Suche nach etwas Nützlichem. Dann entdeckt er mich und er hebt die Hand, um mir zu bedeuten, dass ich an Ort und Stelle bleiben soll. Dann trifft ihn etwas am Hinterkopf und er sackt nach vorne Über, so dass es aussieht, als würde er das tote Mädchen betrauern. Blut tropft auf den Anzug der Toten, er rührt sich nicht mehr. Isaiah Kolt ist tot.
Mein Blick fährt von Isaiahs reglosem Körper zu der Person, die mit einem weißen Schlagstock in der Hand hinter ihm steht und geradewegs zu mir herüberschaut. Seinen Namen kenne ich nicht, doch er scheint es auf mich abgesehen zu haben, denn er steigt lässig und mit drohendem, fast amüsiertem, Blick über die beiden Toten hinweg und beginnt dann zu rennen.
Es dauert einen Moment, bis ich auf die Idee komme, ebenfalls zu laufen. Doch dann bin ich wieder von nichts anderem getrieben. Einfach rennen, immer weiter. Bis zum Gang. Auf dem Weg dahin muss ich anhalten, weil ein Junge mit einem Messer im Hals vor mir auf den Boden kracht. Er hat einen Rucksack in der Hand und ich greife danach, ohne mir Gedanken zu machen, dass der Schütze noch immer in der Nähe sein könnte. Meine Dummheit zahlt sich aus, denn ein kleines Messer streift meinen Oberarm und hinterlässt einen tiefen Schnitt. Den Schmerz wegatmend sprinte ich davon und hoffe, schnell genug zu sein. Ich wage es nicht, mich nach meinen Gegner umzusehen, konzentriere mich auf den Gang in dem Mauern und bin wenig später schließlich wieder von weißem Gestein umgeben. Ich komme nicht weit, da gabelt sich der Weg und ich entscheide mich ohne triftigen Grund, einfach nach links abzubiegen. So geht es immer weiter, eine Gabelung nach der anderen eröffnet sich von mir und ich wähle blind eine Richtung aus. Viel zu spät begreife ich, dass der Sinn der vielen Gänge und Gabelungen vermutlich der eines Labyrinthes ist – und ich mich gerade gnadenlos verlaufe. Hin und wieder höre ich Schritte, die weit entfernt aber auch nah dran zu sein scheinen, hier und da schreit jemand. Hinter jeder Abbiegung erwarte ich, einem anderen Tribut zu begegnen, doch nichts geschieht. Irgendwann werde ich langsamer, da mir die Luft ausgeht und ich wage es, meine Gedanken zu ordnen.
Isaiah ist tot, das hier ist – vermutlich – ein Labyrinth, ich habe einen Rucksack. Ich bin verletzt.
Mit der Hand taste ich nach dem Schnitt in meinem Oberarm und ziehe kurzerhand meine Jacke aus, um die Wunde genauer betrachten zu können. Das Blut ist in den Stoff meines Oberteils gesickert und schon ein wenig angetrocknet, daher gehe ich davon aus, dass die Wunde nicht mehr allzu stark blutet. Sobald ich einen augenscheinlich sicheren Ort finde, muss ich mich näher darum kümmern. Im Laufschritt ziehe ich meine Jacke wieder an und biege nach rechts ab. Dann blicke ich nach Oben und stelle fest, dass ich den Himmel sehen kann. Also keine Decken, die näher kommen können, das ist immerhin eine gute Neuigkeit.
Es ist ein wenig umständlich, den Inhalt des Rucksacks im Laufen zu inspizieren, doch es gelingt mir. Ausgestattet hat mich meine Errungenschaft mit einer Art Maske, wie ich sie als Teil meines Kostümes getragen habe, einer leeren Flasche, Draht – und unerwarteter Weise auch mit Verbandszeug. Ungewöhnlich, aber ich verschwende keinen Gedanken an das Warum. Es ist gut, dass es da ist. Ich brauche es.
Ich laufe noch etwa zwanzig Meter, dann bekomme ich Seitenstechen und muss stehenbleiben. Tut mir leid, Gliese, aber mit dem Rennen ist es erstmal vorbei.
»Hey, Seidenschwan!«, ertönt es von irgendwo her und ich presse mich mit dem Rücken an eine der Mauern, die Fäuste in die Luft gehoben, als könnte ich so alles und jeden abwehren. Hastig sehe ich mich um, kann jedoch weder links und rechts jemanden entdecken, der mir gefährlich werden könnte. Vielleicht ist die Person noch ein wenig hinterher, hat mich jedoch schon ausgemacht. Soll ich hier warten oder weiterlaufen und ihr den Rücken zukehren? In meiner jetzigen Position habe ich alle Richtungen gut im Blick.
Da erscheint ein Schatten zu meinen Füßen und ich mache keuchend einen Satz nach vorn. Doch niemand ist da. Dann teste ich, ob ich vielleicht nur meinen eigenen Schatten gesehen habe, doch der andere bewegt sich mit mir und dem meinen.
»Hier oben!«, ruft jemand, eine männliche Stimme, die mir sehr bekannt vorkommt. Mein Gehirn kann oben nicht richtig verarbeiten, daher drehe ich mich erneut einmal um meine eigene Achse, bis meine Augen über mir eine Silhouette wahrnehmen.
Oben auf der Mauer steht Cash. In seiner Hand ein Speer.
 
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