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Die Schlange und der Bär

Kurzbeschreibung
OneshotAction / P6 / Gen
22.09.2021
22.09.2021
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435
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22.09.2021 435
 
I

Eine Schlange schlängelte durch den Wald. Da traf sie auf einen Bären. Der Bär war mächtig groß und behaart.

Angesichts des großen, haarigen Bären richtete sich die Schlange, ihrem Schlangeninstinkt folgend, senkrecht auf.

Sie ahnte wohl, dass es dem Bären einfallen könnte, sie zu fressen.

Dem Bären wiederum brach angesichts der senkrecht aufgerichteten Schlange prompt der Schweiß aus. Ratzfatz war das dichte braune Fell glänzend feucht.

Die Schlange bestaunte gebannt die spontane Feuchtigkeitszunahme des Bären.

Ein Moment der Unaufmerksamkeit aufseiten der Schlange war die Folge, den der Bär geschickt zu nutzen wusste:

Er verschlang die Schlange mit einem Happs.


II

So fand sich die Schlange unvermittelt im Innern des Bären wieder.

Dem Bären fiel offenbar nicht ein, nach dem Verschlingen der Schlange still dazusitzen; so wurde die arme Schlange im Bären mächtig hin und her geschleudert und immer wieder auf und ab und rauf und runter gestossen.

Den Bären wiederum reizte die nach wie vor starre Schlange in seinem Innern zu manch vernehmlichen Bäuerchen.

Von alldem begann der Schlange - man glaube es oder nicht - irgendwann mächtig die Nase zu kitzeln und zu jucken, was schließlich in der diesbezüglich absolut üblichen Reaktion gipfelte: Die Schlange musste mächtig niesen.

Mächtig nieste die Schlange im Innern des Bären, und da sie von all dem Auf und Ab und Hin und Her die Nase mächtig voll hatte, nieste sie um so mächtiger ab.


III

Das Abniesen der Schlange im Bären setzte eine ganze Kette von Ereignissen in Gang.

Aufgrund des spontanen eigenen Druckverlusts erschlaffte die bis dato starre Schlange augenblicklich und schrumpfte gewissermaßen auf Normalmaß.

Synchron bewirkte das Abführen des Drucks vom Innern der Schlange in das Innere des Bären bei diesem einen Überdruck, den der Bär alsbald in Form eines mächtigen Bäuerchens seinerseits veräußerte.

Im Sog dieses Druckausgleichs flutschte - O Wunder! - auch die Schlange - mittlerweile wieder klein und weich - aus dem Bären hinaus.

Völlig erschöpft, ja, geradezu betäubt von all dem Hin und Her und Auf und Ab und Getue und Gebäuere und Geniese lagen Bär und Schlange eine Weile regungslos da.

Während der Bär allmählich wieder trocknete, gewann die Schlange ein Stückweit an Spannkraft zurück. Mehr instinktiv als geistesgegenwärtig verkrümelte sie sich unauffällig ins dichte Dickicht des Waldes.

Als der Bär schließlich wieder zu sich kam, war die Schlange längst spurlos auf und davon.

Dem Bären war es einerlei. Er hatte von Schlangen fürs Erste die Nase voll. Er trollte sich Richtung Waldsee. Er brauchte erst mal ein Bad. Außerdem hatte er einen Bärenhunger.

Unterwegs begegnete ihm ...

Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.


* Anmerkung: Diese Geschichte eignet sich auch prima zum Vorlesen!
 
 
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