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Begegnungen

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Het
OC (Own Character) Thomas Wächter
21.09.2021
13.11.2021
27
104.264
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17.10.2021 4.040
 
„Komm schnell. Ich glaube dahinten habe ich etwas gesehen,“ sagte Lucia und versuchte etwas in der Entgegengesetzten Richtung zu erkennen. Wenn dort jemand war, schien er sie zu beobachten. Ralf zog es vor Kami an die Leine zunehmen. Er wollte nicht, dass sie ihm zu nahekommen würde, wenn er sich dort aufhielt. Sie versuchten so schnell wie sie konnten da wieder raus zu kommen oder wenigstens an einen Ort zu kommen wo es endlich Empfang gab und sie die Polizei rufen konnten. So schnell wie sie konnten kletterten sie über Felsen und steiniges Gebiet um wieder auf den Pfad zu kommen. Dabei versuchten sie so wenig wie möglich aufzufallen und immer in Deckung bleiben. Ralf merkte das sie jemand verfolgte und sah sich immer wieder um. Lucia zog unterm rennen immer wieder das Handy aus der Tasche um zu sehen ob sie Empfang hatte. „Immer noch nichts.“ Sie übersah dabei einen größeren Stein und fiel im Lauf hin. „Ah,“ schrie sie und knallte auf den Boden. Ralf hielt an und checkte sie. „Fehlt dir was?“ fragte er etwas außer Atem. „Verdammt ich bin gestolpert! Mein Bein.“ Ralf tastete es ab. „Dein Schienbein ist durch, ich muss es wieder einrenken und schienen. Das wird weh tun,“ meinte er. „Tu es,“ sagte sie mit Schmerzverzerrtem Gesicht und versuchte die Zähne zusammenzubeißen. Er nahm ihren Fuß und lente seine Hand über ihr Schienbein und renkte es durch einen Ruck wieder ein. Ihr schossen sofort Tränen in die Augen, es tat verdammt weh, was er da getan hatte. Sie versuchte sie weg zu blinzeln und irgendwie ihre Atmung wieder herunter zu bringen. Ralf nahm ein paar Äste und Schnitt etwas von dem Kletterseil zurecht um ihr Bein zu schienen. Er wusste genau was er da tat, er hatte öfters Wanderern in den Rockys helfen müssen, wenn sie sich verletzten auf den Touren. „Du musst jetzt vorsichtig machen, du darfst deinen Fuß nicht belasten,“ sagte er und zog sie wieder hoch. „Wie soll das gehen? Wenn ich nicht draufstehen kann, ich kann mich unmöglich so über die ganzen Hindernisse bewegen,“ sagte sie. „Dann muss ich dich eben schultern,“ meinte er und legte sie über seine Schulter. „Dann sind wir aber langsamer.“ „Wir können nicht stehen bleiben hier ist noch jemand,“ sagte er und drehte sich wieder um. Es war fast so als wenn er schon ganz nahe bei ihnen war. Kami hatte ihn noch nicht gewittert, wahrscheinlich wechselte er immer mit der Windrichtung, so dass der Hund ihn nicht aufspüren konnte. „Ich hoffe ich bin dir nicht zu schwer,“ sagte sie und hing wie ein nasser Sack von ihm runter. „Ist schon in Ordnung, wir schaffen das,“ brummte er und umging die größeren Hügel ein wenig. Die Felsen waren teilweise sehr rutschig und er musste sich auf jeden seiner Tritte konzentrieren.

„Es ist jetzt verdammt nochmal 13:45 Uhr auf die Minute genau,“ maulte Thomas und hielt sein Handy hoch. Michael wurde langsam auch etwas unruhig und sah auch auf sein Handy. „Kommt lasst uns zur Basis fahren,“ sagte er. Er würde keinesfalls Ruhe geben. Sie gingen zum Auto und fuhren los. „Verdammt kann das Ding nicht schneller fahren?“ motzte er und tippte nervös mit dem Knie auf und ab. „Ja doch, ich fahr doch schon,“ gab der Notarzt zur Antwort. Der Pilot war nun mehr als wirklich extrem gereizt und eine tickende Zeitbombe. Der Wagen fuhr die lange Auffahrt zur Basis hoch, der Helikopter stand nicht dort. Die Kollegen mussten wohl im Einsatz sein.

Thomas stürmte in den Aufenthaltsraum und betätigte den Funk. „Medicopter Basis an Medicopter 117, bitte kommen.“ „Medicopter hört,“ sagte Jens. „Hey Jens hier ist Thomas, seid ihr schon im Anflug?“ „Sind in ca. 10 Minuten wieder zurück. Warum?“ „Könnt ihr mir einen Gefallen tun? Könnt ihr bitte mal checken ob ihr Lucia und Ralf irgendwo bei der Seilbahn sehen könnt? Sie sind auf dem Hausstieg unterwegs.“ „Alles klar, machen wir, bis gleich. Over and out.“ Wieder knackte es in den Boxen. „Leitstelle an alle Rettungsstationen. 2 Polizisten sind als vermisst gemeldet, ich wiederhole 2 Polizisten sind als vermisst gemeldet. Herr Peter Leitner und seine Kollegin Sabine Rotter. Sie wurden zuletzt gesehen an der A93, bei Kiefersfelden. Die Österreichischen Kollegen haben den Dienstwagen in der Nähe des St. Johann Tals gefunden, bei Niederhofen. Over and out.“ Thomas war jetzt schon fast nicht mehr zuhalten. „Leute das ist hier!“ Michal und Karin wechselten besorgte Blicke miteinander.
Ralf sah auf seine Uhr sie waren immer noch nicht bei der Seilbahn, die bald ihren Betrieb einstellen würde. Er schob sich zwischen engen Durchgängen zwischen den Felsen durch, die über ihnen ragten. Er kannte dieses Gebiet eigentlich sehr gut aber durch den Umweg war es eher die Wanderstrecke, die man damals ausgearbeitet hatte um den Wanderern ein wenig mehr Natur nahezubringen. „Hier kann man uns von oben nicht sehen,“ sagte Lucia. Sie dachte daran, dass Thomas wahrscheinlich als nächstes durchdrehen würde und nach ihr suchen würde. „Es dauert noch, bis wir auf freiem Gelände sind,“ stöhnte er. Ralf trug sie jetzt schon eine halbe Ewigkeit. „Brauchst du eine Pause?“ fragte sie besorgt. Er trug sie jetzt schon eine halbe Ewigkeit über der Schulter. „Ich sag’s dir nicht gerne, aber wir müssen da rauf,“ sagte er und zeigte auf nach oben. „Das schaffe ich nie,“ sagte sie. „Doch ich geh zuerst und dann zieh ich dich und Kami nach oben.“ Das waren mindestens 4 oder 5 Meter, bis nach oben, über die Vorsprünge war es viel einfacher um darüber zu steigen. Das war auch Lucia klar, aber mit dem gebrochenen Bein, würde sie keinesfalls etwas dazu betragen können. Es tat so furchtbar weh, bei jeder Bewegung. Die Tapfere zu spielen, mit dieser Fraktur, war gerade absolut nicht drin. „Bist du dir sicher?“ fragte sie als er sie kurz absetzte um durchzuatmen. „Muss ich ja,“ antwortete er kurz und knapp. Danach machte er sich an die Seile und nahm die Steigeisen in die Hand um sich im Felsen besser nach oben ziehen zu können. Er war relativ schnell oben und warf das Seil runter. „Mach Kami dran fest,“ rief er. „Komm her kleine,“ sagte sie und befestigte es an ihrem Geschirr. „Ok ist dran.“ Danach warf er das Seil wieder runter, sie knotete es an ihren Karabiner. Kami bellte plötzlich und jaulte auf, Ralf hatte sie schon ein zur Hälfte hochgezogen, irgendwas passierte und er ließ das Seil los. Lucia knallte mit voller Wucht ohne Vorwarnung auf den steinigen Untergrund. Sie war bewusstlos und bewegte sich nicht mehr.

Ralf hatte losgelassen, jemand hatte ihn von hinten niedergeschlagen. Er lag bewusstlos mit dem Gesicht auf dem Boden. Der Hund hatte zuvor gejault und lief davon. Der Angreifer hatte ihn gepackt und geschultert und schleppte ihn zwischen die nächsten Bäume. Ralf kam wieder zu sich, er und Kami waren fest gemacht an einen Baum. Die Hündin fletschte die Zähne, jedes Mal, wenn er näherkam. Aus der Ferne hörte er wie sich das altbekannte Geräusch näherte, die Kollegen suchten wohl schon nach ihnen. Hier würden sie ihn aber niemals sehen so weit unter den Bäumen. Jens konnte maximal an der Alm oben landen aber hier her wären das über eine halbe Stunde Fußmarsch. Es war tatsächlich der Irre aus den Nachrichten. Er lächelte ihn an als er zu sich kam, der Mann saß direkt in der Hocke vor ihm und hatte ein großes Jagdmesser in der Hand. „Keine Zeugen,“ brummte er und lächelte ihn schief an. Der Helikopter kreiste 3-mal über der Stelle und flog dann weiter.

„Jens an Thomas.“ „Thomas hört.“ „Wir können hier nichts entdecken. Sorry und mir geht der Saft aus, wir müssen wieder kommen.“ Thomas räumte vor Wut mit einer Handbewegung den kompletten Schreibtisch ab, alles verteilte sich im Raum. „Verdammte scheiße!“ brummte er und schlug beim Rausgehen mit voller Wucht gegen den Türrahmen. „Mann ist der sauer,“ sagte Karin und fing an aufzuräumen. Michael ging ihm hinterher und versuchte ihn zu beruhigen. Thomas saß unten am Bachzulauf und starrte auf das Wasser. „Hey.“ „Hmm?“ „Wir finden sie keine Sorge. Ich werde gleich bei der Polizei anrufen und sie vermisst melden.“ „Du weißt doch selber das die Trottel erst was nach 48 Stunden machen!“ brummte er wütend. Seine Fäuste waren geballt und er presste seine Zähne zusammen. „Ja, das weiß ich. Du weißt selber, dass man da oben sehr schlecht landen kann und bis wir da nochmal oben sind ist es dunkel.“ „Ja dunkel und verdammt kalt. Es ist Herbst verdammt, da oben sind maximal 9 Grad in der Nacht, dass hält keiner durch, nicht in den dünnen Klamotten!“ Sie hatte zwar eine Jacke an, aber die war recht dünn und darunter nur ein enges Top. Michael drückte seine Schulter. „Wir finden sie!“ versprach er ihm. „Ja wir können aber erst morgen früh da wieder rauf und mir ist es scheiß egal ob da ein Psychopath unterwegs ist, ich geh auf den verdammten Berg!“ Morgen war eigentlich sein OP Termin, dass wusste auch Michael, wahrscheinlich würde ihn aber nichts dazu bringen dort morgen hinzufahren. „Morgen ist dein Termin,“ sagte er leise. Thomas drehte sich zu ihm um und funkelte ihn mit seinen blauen Augen an. „Ich lass mich nicht aufschneiden, wenn ich nicht weiß was mit ihr ist, verstanden?“ schrie er wütend. „Ja schon gut.“ Michael ging wieder Richtung Gebäude und ließ ihn ein wenig allein. Thomas sah auf sein Handy und suchte in seiner Hosentasche nach der Visitenkarte. Er haderte mit sich selbst, würde er da jetzt anrufen, so würde er etwas lostreten, aber er musste wenigstens absagen.

So zog er sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer. Mittlerweile war es 16 Uhr, vielleicht war noch jemand zu erreichen. Es klingelte ein paar Mal bis jemand den Hörer abnahm. „Hallo mein Name ist Thomas Wächter, ich hätte morgen einen Termin bei ihnen,“ versuchte er so ruhig wie möglich zu erklären. Er hatte das Telefon auf Lautsprecher gestellt und atmete tief durch. „Sie haben morgen einen OP Termin, dass geht nicht den zu verschieben,“ sagte die Dame am Telefon. „Dann geben sie mir bitte Dr. Rosati.“ „Tut mir leid, Frau Doktor operiert noch und der Herr Doktor ist momentan außer Haus.“ „Äh, dann sagen sie der Frau Doktor, dass es um ihre Schwägerin Lucia Rosati geht und sie mich umgehend zurückrufen soll unter dieser Nummer, es ist wichtig!“ „Ist es sehr dringend? Die OP wird mindestens noch 2 oder 3 Stunden dauern.“ Thomas biss die Zähne zusammen, was sollte denn bitteschön diese Frage? Er überlegte kurz. „Sagen sie ihr, dass sie in den Bergen vermisst wird! Verdammt noch mal!“ presste er ungeduldig hervor. Die Dame am anderen Ende des Telefons schien mit ihrer Kollegin zu sprechen, die leise zu ihr sagte dann musst du den Herrn Dr. informieren. „Ich werde es umgehend weitergeben. Tut mir leid, wenn sie warten müssen, Herr Wächter,“ sagte sie. „Danke. Wiederhören.“ Ein paar Minuten später klingelte sein Handy. „Wächter?“ „Hallo hier ist Dr. Monika Rosati. Es geht um Lucia?“ fragte sie besorgt. „Ja tut mir leid, dass ich sie anrufe, aber unter den Umständen muss ich morgen meine OP absagen, ich kann mich nicht unters Messer legen, wenn die Frau die ich liebe vermisst wird.“ „Vermisst? Was ist passiert? Hat das etwas mit diesem Flüchtigen zu tun?“ fragte sie besorgt. „Sie ist mit einem Kollegen in den Bergen, sie sind überfällig und müssten und schon lange wieder zurück sein.“ Monika atmete am Telefon tief durch. „Ich äh, ja ich muss, äh oh mein Gott, ich muss meinem Mann Bescheid geben. Herr Wächter ich kann das verstehen, dass sie unter diesen Umständen nicht operiert werden wollen,“ sagte sie und legte auf. Thomas war nun so wütend, dass er sich kaum noch beruhigen konnte. „Scheiße, scheiße, scheiße!“ schrie er wieder und warf das Handy von sich in die Wiese.

Die BK setzte zur Landung an, die Crew war wieder da. Langsam und betroffen stiegen sie aus. Keiner wollte ihm auch nur in die Augen sehen, sie verschwanden ziemlich schnell in den Hangar, als die Turbinen ausliefen. Thomas stand vor der leeren Maschine und starrte ins Cockpit. „Du kannst jetzt nicht mehr fliegen!“ rief Karin. „Ach wirklich? Ich sehe auch das es dunkel wird!“ fauchte er zurück und ließ sich auf die Plattform nieder. „Hey, alles wird gut. Du weißt selber wenn wir da morgen rauf fliegen, müssen wir vollkommen konzentriert sein,“ sagte sie und streichelte seine Schulter. „Ich versuch es, ich bin nur gerade so unglaublich wütend! Ich muss mich erst abreagieren,“ brummte er. „Na dann sollten wir den guten alten Boxsack wieder aufhängen,“ sagte sie und lächelte. Thomas sah sie kurz an und zog Luft durch die Nase, sein Blick verriet alles. „Ich hoffe das nichts passiert ist. Ich wusste das das niemals gut gehen würde.“ Er fuhr sich mit den Händen durch die Haare und schloss kurz die Augen. „Wir finden sie und außerdem ist Ralf bei ihr. Niemand kennt sich da oben besser aus als er,“ sagte sie.

Milan schlug Ralf ein paar Mal ins Gesicht, mit jedem Schlag fühlte es sich fester und fester an. „Überall Blut, so schönes Blut,“ rief er freudig und schlug wieder zu. Kami war so fest an den Baum gebunden das sie ihrem Herrchen nicht zur Hilfe kommen konnte. Wenn sie ihn angreifen würde, so würde er ihr wahrscheinlich wieder das Pfefferspray entgegen sprühen. Sie hatte sich hinter dem Baum klein gemacht. Ralf wusste nicht wie lange er das noch durchstehen konnte, er hatte Angst das er sich als nächstes Lucia vornahm, die mit ihrem gebrochenen Bein fast nicht wehren konnte. Ralf hatte in seinem Ärmel das Taschenmesser, wenn dieser Milan nicht hinsehen würde, so würde er sich losschneiden, oder zumindest Kami, dass sie Hilfe holen konnte. „Deine Freundin ist übrigens tot, sie liegt da unten. Hab sie gesehen, also bist nur noch du da.“ Ralf prustete ein wenig, er konnte kaum noch etwas sehen sein ganzes Gesicht tat weh, er hatte gesehen das er nochmal an die Stelle ging. Wahrscheinlich war sie nur bewusstlos und oder hatte ihn wieder gehört und sich totgestellt. „Sie blutet aus den Ohren und der Nase. Ich hab sie nochmal hoch gezogen und wieder fallen lassen,“ flüsterte er leise und grinste ihn an. In seinen Augen war nichts warmes, keinerlei Ausdruck von jeglicher Reue. Er freute sich einfach nur anderen Leid zu zufügen. „Du Schwein! Du dreckiges Schwein,“ stieß Ralf hervor. Er musste sich irgendwie befreien und nach ihr sehen, wahrscheinlich lag sie nun da schwerstverletzt. Milan schien mit sich selbst zu reden, im Psychologischen Profil stand nichts von Schizophrenie oder einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Er sprach auf seiner Muttersprache Kroatisch, und schien eine rege Diskussion führen. „Hör zu, der Typ muss sterben er hat uns gesehen! Nein der kann nicht, ich sehe doch selber, dass er keine Uniform hat!“ Ralf konnte wenigstens ein paar Minuten durchatmen, wenn es dunkel wurde, würde er Kami losschneiden und sie wegschicken. Milan hatte überhaupt keine Augen für den Hund, außer dass er ihr Pfefferspray in die Augen sprühte und sie somit außer Gefecht gesetzt hatte. „Hör zu, wir müssen ihn noch ein bisschen ausbluten lassen, dann ist er tot! Dann können sich die wilden Tiere über ihn hermachen! Das ist eine gute Idee, ja wir schlitzen ihm einfach den Bauch auf! Dann müssen wir hier runter, da gibt es keine Uniformen!“ Ralf ließ das Messer in seine Hand rutschen und zog versuchte ganz langsam die Fesseln los zu schneiden. „Hey Kami.“ Die Hündin wimmerte leise als sie ihren Namen hörte. „Lauf zu Thomas, hol Thomas,“ sagte er. Sie rannte los und verschwand im Wald, es gab einen kleinen Pfad, der unter den Gondeln herunterführte. Nach der Station hatte sie es nicht mehr weit, bis zur Basis, er machte sich gar keine Sorgen das die Hündin nicht ihr Ziel erreichte. Es wurde langsam dunkler und kälter.

Thomas hatte mittlerweile den Boxsack aufgehängt und schlug wie ein wahnsinniger auf ihn ein. Michael und Karin standen in der Tür. „Morgen ist seine OP,“ sagte er. „Ja die hat er vorhin abgesagt,“ sagte Karin. „Das ist nicht gut.“ „Was würdest du denn machen, wenn ich vermisst werde? Würdest du dich operieren lassen?“ fragte sie und pikste mit dem Finger gegen seine Brust. „Ja du hast recht.“ „Er hat sogar mit ihrer Schwägerin telefoniert. Die wissen Bescheid,“ erklärte sie ihm. „Ok, kann ich verstehen.“ Auch wenn Lucia das überhaupt nicht gefallen würde, dass er die dringend benötigte OP einfach absagte, aber so war er eben nun mal. Er machte sich große Sorgen und würde es sich niemals verzeihen, wenn ihr etwas passierte. „Lass ihn sich etwas abreagieren, dass braucht er gerade,“ sagte Karin und ging wieder Richtung Ärztezimmer. Sie mussten jetzt einfach abwarten bis es wieder hell wurde. Auf den Parkplatz fuhr ein Wagen mit hoher Geschwindigkeit. Michael sah aus dem Fenster. „Was ist denn das bitte für ein Irrer?“ fragte er und ging nach draußen. Ein schwarzer BMW mit Münchner Kennzeichen. Ein Mann im Maßanzug und eine Frau stiegen aus. „Hey was rasen sie denn so? Das ist keine Rennstrecke,“ rief der Notarzt. „Tut mir leid, wo finde ich Thomas Wächter?“ fragte der Mann. „Sie sind?“ wollte Michael wissen bevor er irgend so einen Schnösel zu seinem Freund ließ. „Ich bin Dr. Fabrizio Rosati und das ist meine Frau!“ sagte er mit einem scharfen Ton. „Sie sind Lucias Bruder?“ fragte er erstaunt, er dachte nicht, dass sie gleich ins Auto springen würden und herfuhren. „Ja der bin ich, also?“ fragte er ungeduldig. „Ich bringe sie zu ihm. Tut mir leid, ich bin Dr. Michael Lüdwitz, ich leite die Basis.“ Karin kam nach draußen betrachtete die Leute. „Das ist Lucias Bruder und seine Frau,“ stellte Michael vor und begleitete ihren Bruder zum Hangar.

Seine Frau blieb bei Karin stehen. „Hallo ich bin Dr. Karin Thaler.“ „Ich bin Dr. Monika Rosati. Tut mir leid, dass wir uns unter diesen Umständen kennen lernen müssen,“ sagte sie und folgte ihrem Mann. Thomas schwitzte und drosch immer noch auf den Boxsack ein, er machte das schon seit über einer Stunde. „Herr Wächter,“ hörte er eine Stimme. Er stoppte und sah kurz zum Tor. Dort im Halbdunkeln standen tatsächlich ihr Bruder und ihre Schwägerin. Er kam zu ihnen rüber total ausgepowert, er überlegte auf dem kurzen Stück was er ihnen sagen sollte. „Hallo,“ grüßte er. Fabrizio stand wie angewurzelt da nur seine Frau schenkte ihm ein Lächeln. „Hallo Herr Wächter. Wir sind so schnell gekommen wie wir konnten, wir machen uns schreckliche Sorgen,“ sagte sie. „Ich versteh nicht warum sie bei so einer Warnung noch in die Berge geht,“ sagte ihr Bruder. „Tut mir leid, ich habe ihr auch versucht auszureden, dass zu machen, aber sie wollte es unbedingt,“ sagte Thomas. „Sie muss immer so eine scheiße machen!“ sagte er sauer und ballte die Fäuste. Monika hielt ihn an den Schultern fest, sie schien ihn zu beruhigen. „Komm schon, atme tief durch. Du musst dich beruhigen, dass hilft uns jetzt auch nicht weiter.“ Michael und Thomas tauschten Blicke aus.

Es war mittlerweile 19 Uhr und stockdunkel draußen. Sie saßen im Aufenthaltsraum und unterhielten sich nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte. „Tut mir leid, wir können da im Dunkeln nicht hochfliegen mit unseren Suchstrahlern könnten wir die Kabel übersehen und stranden da oben,“ sagte Thomas. „Ok also das heißt es vergehen wertvolle Stunden bis da jemand hoch geht,“ Schlussfolgerte Fabrizio. „Im Morgengrauen können wir und die Bergwacht oben sein. Das Gelände ist sehr unterschiedlich, aber sie mit einem unseren erfahrensten Männern da oben,“ meinte Karin. Thomas schrieb mit Peter, der auch seine Hilfe angeboten hatte. Seine Schulter wurde bereits operiert er war zwar noch etwas eingeschränkt aber er trainierte wieder um endlich wieder am Dienst teilzunehmen, zwar hatte er noch nicht wieder seine Freigabe bekommen, da es eben nur 90% waren und keine 100% die er an Beweglichkeit wieder gewonnen hatte. Er versuchte sich dem Geplänkel zu entziehen und einen Plan zu schmieden. Wahrscheinlich würde ihn Medicopter dafür feuern, seine Flugerlaubnis war ohnehin schon erloschen. Michael hatte die Basis bereits ausgebucht, auch für den nächsten Tag. Da er momentan auch nicht mal genug Personal hatte und konnte auch nur mit einer Schicht aufwarten. Zwar hat das eine rege Diskussion mit seinem Kollegen Höppler verursacht der ihm als Controller eigentlich beistehen sollte, aber wie sollte er auch mit einer kompletten Crew und ohne zusätzliches Personal 2 Schichten aufrechterhalten? Immerhin waren 2 Sanitäter Außergefecht und der dritte vermisst, 1 Pilot ohne Freigabe, der andere vermisst. Die Zentrale könnte frühstens nächste Woche für Ersatz sorgen, also musste Rosenheim die Spätschicht mit übernehmen. Das Einzige was sie tun konnten, war den einzigen Einsatzfähigen Sanitäter mit einem 2 Notarzt zu entlasten.

Lautes Gebell war vor der Tür zu hören, Thomas sprang auf und riss den Stuhl fast um als er rauslief. Die Hündin kam tatsächlich an der Basis an, sie war heute Morgen mit den beiden aufgebrochen. An ihrem Fell klebte etwas Blut. „Oh mein Gott,“ sagte er und hoffte das es nicht von den beiden war. Sie hechelte extrem stark er nahm sie vorsichtshalber mit rein. „Kami,“ rief Karin. „Sie hat Blut ihm Fell,“ sagte Thomas. „Was ist das für ein Hund?“ „Das ist der Hund unseres Sanitäters,“ sagte Michael und machte ein besorgtes Gesicht. „Das heißt der Hund weiß als einziger wo sich meine Schwester befindet? Dio Mio.“ Er fuhr sich durch die Haare und prustete. „Kami ist ein Man Trail Hund, ausgebildet jede Fährte aufzunehmen,“ erklärte Karin. „Sie wird sie auf jeden Fall wiederfinden.“ „Wenn sie wollen können sie sich im Ruheraum ein wenig ausruhen, ich bringe sie gerne hin,“ sagte Michael. „Vielen Dank.“ Monika sah zu ihrem Mann der sich die Schläfen rieb, er schien durch die lange Schicht im Krankenhaus und die Fahrt Kopfschmerzen bekommen zu haben. Mit ihren Blicken forderte sie ihn wortlos auf, ihr zu folgen und das Angebot anzunehmen. „Wie sieht das eigentlich aus wenn sie sie gefunden haben? In welches Krankenhaus wird dann angeflogen?“ fragte Fabrizio. „Kommt auf die Schwere der Verletzungen an,“ sagte Karin. „Und auf die Auslastung, die Leitstelle teilt uns anhand der Schilderung die Freigabe zu,“ brummte Thomas. „Gut ich möchte beim Auffinden informiert werden in welches Krankenhaus es geht. Meine Frau ist Chirurgin,“ stellte er klar und wurde sogleich von ihr mitgezogen.

Karin prustete. „Schwieriger Typ.“ Als sie raus aus dem Raum waren. „Naja es geht um seine Schwester, er will das sie eine gute Behandlung bekommt.“ Noch nie hatte sie jemals gehört, dass Thomas jemandem zustimmen würde. „Ich hoffe nur das er da nicht mit hochfliegen will,“ meinte Michael. „Ist halt ein Kontrollfreak schlecht hin,“ sagte Karin und lehnte sich auf der Couch zurück. „Morgen früh kommt auf jeden Fall Peter her, ich brauch jemand der gut am Seil ist,“ sagte Thomas und ging kurz in die Küche um für Kami was zu fressen zu holen. „Ich kann dich das eigentlich nicht machen lassen, dass weißt du oder?“ fragte Michael. „Ist mir scheiß egal, ich will sichergehen das es ihr gut geht meinetwegen sense ich diesem Arschloch die Birne ab, wenn er damit was zu tun hat! Scheiß egal was der in der Rübe hat! Der sollte mir nicht begegnen!“ brummte Thomas wütend. „Hey schon gut, du fliegst den Einsatz, ich werde mitkommen,“ sagte Michael und nickte seinem Freund zu. „Legt euch jetzt hin, wir müssen ein bisschen schlafen,“ schaffte Thomas an und legte seine Beine auf einen anderen Stuhl. „Ok.“ Manchmal war er schon ziemlich harsch, aber er meinte es meistens gar nicht so. Allerdings sollte ihn niemand richtig wütend machen.

Am nächsten Morgen, machte sich die Crew fertig für den Überflug. Die Polizei war mit einem Team in die Berge aufgebrochen und auch die Bergwacht unterstützte die Medicopter Crew. Monika ging nochmal zu dem Piloten, er checkte die Maschine vor dem Abflug. „Morgen,“ sagte sie und sah ihm bei seiner Arbeit zu. „Morgen,“ erwiderte er. „Wir müssen uns noch über einen neuen Termin unterhalten, für müssen dringend den Tumor entfernen. Er dreht sich zu ihr um und sah ihr in die Augen. „Darüber können wir sprechen, wenn meine Frau wieder da ist. Entschuldigen sie mich, aber ich muss diesen Check fertig machen. Dann geht’s los.“ „Ok, aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Ich verstehe sie voll und ganz,“ sagte sie und ging wieder in das Gebäude. Er atmete tief durch und versuchte sich wieder zu beruhigen.
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