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Begegnungen

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Het
OC (Own Character) Thomas Wächter
21.09.2021
13.11.2021
27
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21.09.2021 4.775
 
Berchtesgaden

Eine junge Frau fuhr mit ihrem orangen Cabrio ziellos umher, man hatte sie ausgerechnet hier hin versetzt. Sie fühlte sich ein wenig als Stadtkind, dass mitten in der Provinz gelandet war. Ihre langen schwarzen Haare flatterten im Wind. Eigentlich war ihr das Auto auch viel zu protzig, aber ihre Eltern bestanden darauf, dass sie keinesfalls mit ihrem alten Golf so eine Fahrt machte. Das stimmte auch irgendwie, ihr Chef hatte sie wohl strafversetzt, dass musste es sein. Sie hatte einfach eine viel zu freche Klappe, ihre Kollegen hatte das nie gestört. Lucia war eben jemand die nicht unbedingt auf die Schnauze gefallen war, sie ließ sich von nichts und niemanden etwas sagen. Ihr Navi schien auch die komische Adresse nicht zu finden. Das Telefon klingelte, die Freisprecheinrichtung hob automatisch ab. „Hallo?“ Eine Frau in einem ziemlich gebrochenen deutsch sprach ziemlich laut ins Telefon. „Hallo mein Schatz, bist du schon dort?“ Lucia war ziemlich belustigt darüber das ihre Mutter nach so vielen Jahren in Deutschland immer noch so gebrochen deutsch sprach. Sie wechselte auch relativ schnell auf ihre Muttersprache italienisch um. Natürlich ging es immer wieder um das gleiche, sie hatte absolut den falschen Beruf und gefährlich war er noch dazu. „Mein Kind, ich weiß nicht was du an diesen Höllenmaschinen findest. Ich weiß auch nicht warum du unbedingt deinem Vater nacheifern musstest.“

Lucia war eine ausgebildete Hubschrauber Pilotin, sie flog für den AD/AC und auch ab und zu mal Touristen über München und das Alpengebiet. Anscheinend war sie etwas zu unfreundlich zu dem komischen Hochzeitspärchen, dass unbedingt einen Rundflug wollte und sich dann schrecklich übergeben musste auf dem Flug. Jetzt sollte sie tatsächlich nur noch irgendwelche Ambulanzflüge machen und Hauptberuflich eben nur noch Touristen durch die Luft kutschieren. Sie musste sich immer wieder an ihren Vater erinnern, der früher bei der italienischen Luftwaffe auch Helikopter flog und Leute aus Krisengebieten raus. Er war damals bei einer Sanitätseinheit, als junger Mann. Er sagte ihr immer wieder, er würde nichts mehr vermissen als zu fliegen. Später nahm er einen normalen Job, als LKW-Fahrer an, als er mit seiner Frau nach Deutschland kam. Alles nur der Kinder wegen und das er öfters bei ihnen sein konnte. Lucia hatte einen älteren Bruder, 42 der in München in einer Klinik als Arzt arbeitete. Fabrizio war das komplette Gegenteil seiner kleinen Schwester, er war ruhig und stets besonnen und vorausschauend. Er war seit 10 Jahren mit einer Deutschen verheiratet und hatte 2 kleine Kinder. Irgendwie das absolute Vorzeigeleben. Sie war 34, Single, eine komplette Chaotin und stets wild gewesen.

Eigentlich hatte sie sich ja bei Medicopter beworben, aber noch keine Antwort erhalten. Die Lizenzen dafür hatte sie ja schon, allerdings ohne Geld konnte sie bis dahin leider nicht leben. Also musste sie sich doch versetzen lassen. Ihre Mutter hätte natürlich gerngehabt, dass sie sich wieder ihrem Studium gewidmet hätte. Lucia war aber allerdings immer schon sehr sprunghaft und brach es nach 2 Semestern ab, Journalismus war absolut nichts für sie. Man konnte sie keinesfalls einsperren in einem Büro. So beschloss sie entgegen der Vorstellungen ihrer Familie einfach einen Pilotenschein zu machen und sich an diversen Maschinen ausbilden zu lassen. Allerdings war es ziemlich schwer bei den guten Firmen rein zu kommen, die meisten hatten auch ein Problem mit weiblichen Piloten. Besonders mit diesen, die ein unglaublich freches Mundwerk hatten und durch Disziplinarverfahren auffielen.
Sie achtete gar nicht wirklich auf die Straße und war eher komplett in ihren Gedanken versunken. Diese ganzen Kurven hier draußen, Berg auf Berg ab, dazu diese schreckliche BMW-Karre, die ihr aufgeschwatzt wurde. Sie musste nun endlich diesen Hangar finden, wo sie sich melden sollte. Sie hörte in der Luft ein sehr vertrautes Geräusch, es näherte sich ein Helikopter, er war noch nicht in Sichtweite. Lucia blieb mit dem Auto am Straßenrand stehen und sah in die Luft. Sie wollte genau sehen, ob sie da richtig hörte. Es müsste eine BK 117 im Anflug sein, sie liebte dieses Geräusch. Der Pilot flog ziemlich niedrig, anscheinend runter dem Radar. Die Maschine machte wirklich eine wahnsinnig gute Figur und diese Farbe, sie war in gelb rot lackiert. Diese gekonnten Manöver, der Pilot oder Pilotin hatte das Schätzchen gut im Griff. Die nächste Basis von Medicopter war drüben in Österreich direkt hinter der bayerischen Grenze in St. Johann, so weit sie sich erinnern konnte. Vielleicht würde sie sich das später mal bei einem Rundflug alles mal genauer anschauen, dachte sie sich. „Oh mein Schatz ich hoffe jedenfalls das es dir eine Lehre war und du jetzt ein bisschen umgänglicher bist. Du hättest vielleicht doch besser dein Studium beenden sollen,“ sagte ihre Mutter. Die junge Italienerin verdrehte ihre Augen, Gott sei Dank konnte ihre Gesprächspartnerin das nicht sehen. „Ja Mama, normal ist mir aber zu langweilig. Ich muss jetzt auch weiter. Ich muss mich bei meinem Chef melden.“ Sie drückte auf auflegen und atmete erst einmal tief durch.
Sie kam gerade noch so rechtzeitig bei der Firma an. Es war eins der privaten Unternehmen, dort standen zwei hübsche Babys vom Typ Airbus H135. Diese Helikopter wurden auch als RTH verwendet in Bayern gab es davon 15 Standorte. Als sie noch für den AD/AC flog, saß sie auch in solchen Maschinen. Ausgebildet wurde sie allerdings auf einer BK 117. Mal sehen wie die Leute hier so drauf waren. Die meisten Mitarbeiter wurden von der Zentrale oft durch ganz Deutschland geschickt. Medicopter und AD/AC schickte ihre Leute gerne auch mal in die Staaten zum Arbeiten. So etwas würde Lucia auch absolut reizen. Für sie war auf jeden Fall klar, dass sie nichts anderes machen wollte als zu fliegen.

Auf dem Parkplatz standen viele teure Autos, dass hieß also das man hier wohl ziemlich gut verdienen musste. Sie meldete sich beim Stationsleiter zum Dienst. Er musterte die junge Frau von oben bis unten. „Hallo ich bin Lucia Rosati, die neue Pilotin,“ sagte sie freundlich und lächelte den Mann an. Er musste mindestens in seinen 50gern sein. „Sie sind also meine neue Ersatzpilotin. Na ob das gut geht. Ich bin Herr Leitner, der Stationsleiter,“ murmelte er. Der Typ schien absolut nichts von ihr zu halten, es war wieder so wie immer. Sobald eine Frau im Cockpit saß, kamen die besten Machosprüche. Sie musste sich dermaßen zusammenreißen, dass sie einfach nichts darauf sagte. „Wo kann ich mich umziehen?“ fragte sie und sah sich um. „Herr Bauer, zeigen sie doch ihrer neuen Kollegin die Begebenheiten,“ rief Leitner und scheuchte einen der Piloten aus dem Pausenraum auf. Ein junger Blonder Mann, ziemlich durchtrainiert, saß im weißen T- Shirt auf der Couch im Raum, der Overall war bis zur Hüfte runter gekrempelt. Auch er musterte seine neue Kollegin von oben bis unten. Diese ganzen idiotischen Sprüche kannte sie schon alle auswendig, die Blicke konnte sie auch bereits jeden einzelnen deuten. „Hallo ich bin Lucia,“ sagte sie und strahlte ihn schon fast an. „Ja wie ich auch immer,“ nuschelte er und setzte sich in Bewegung.

Sie gingen in einen anderen Raum. „Das ist der Ruheraum, wenn wir 24 Stundenschicht haben. Hier schlafen wir.“ Eigentlich sah es hier ganz gemütlich aus, vier Betten und eine große Couchecke. „Den hier hast du ja schon gesehen, dass ist der Pausenraum, mit Küche. Wie du siehst, überall Standard und hier geht’s zu den Umkleiden und Duschen.“ Er öffnete die nächste Tür. Ohne auch nur auf irgendeine Antwort zu warten murmelte er einfach gelangweilt weiter. „Dahinten liegt noch ein Overall wir tragen die Farbe grau mit dem Firmenabzeichen. Hast du noch Fragen ich hoffe nicht.“ „Nein, gehen wir weiter zum Hangar?“ „Richtig du bist ja Pilotin. Also hier läuft es so du fliegst immer mit einem Co Piloten. Solo Flüge sind hier nicht, sollte dir was passieren so übernimmt der Kollege für dich. Wir starten hier mit vier Teams von der Basis.“ „Was sind so unsere Aufgaben?“ Lucia langweilte sich schrecklich bei dem Gespräch, er brachte das unglaublich trocken rüber. „Naja wir werden gebucht und das fliegen wir eben. Wenn eine Klinik einen Ambulanzflug bucht, so fliegen wir mit unserem RTH. Ansonsten transportieren wir nur.“ So nannte er also Rundflüge, sie schienen ihn genauso zu nerven wie anscheinend alles hier. „Ach du der Typ da drüben, dass ist dein Partner. Das ist Methusalem. Hey Eddie ich hab hier deine neue Kollegin,“ rief er dem grauhaarigen Typen zu, der anscheinend gerade eine Bestandsliste machte. Der Mann kam auf die junge Pilotin zu, ihm war vollkommen egal wer da vor ihm stand. „Hi ich bin Eddie. Ja ich weiß, die anderen sind nicht so begeistert von einer weiblichen Pilotin, mir egal. Hauptsache du bist kene kleene Zicke,“ sagte er und zwinkerte ihr zu. „Ich bin Lucia Rosati,“ sagte sie und lächelte höflich. Sie wurde also dem Alten zugeteilt, dem eh schon alles egal war, da er bald in Rente ging. Na das konnte ja nur ein interessanter Arbeitstag werden. Sie wusste jetzt schon, dass sie hier bestimmt nicht lang bleiben würde. Sie ging erstmal in die Umkleide und zog sich den Overall an und bändigte ihre Haare mit einem Haargummi. Boots hatte sie schon dabei, es war immer eher unwahrscheinlich das sie für die eher zierliche Frau passende Kleidung parat hatten, wie auch jetzt war das Kleidungsstück etwas zu groß, so das sie die Ärmel und Hosenbund in ihre Stiefel stecken musste.

Zur gleichen Zeit auf der Medicopter Basis. Thomas Wächter der Pilot der A Crew betrat pünktlich seine Basis. Sie hatten heute das Glück eine 24 Stunden Schicht machen zu dürfen. Da sie diesmal dran waren die Bereitschaft von Rosenheim zu übernehmen. Er war allerdings schon wieder genervt, da ihn der Stationsleiter in aller Herrgotts früh schon wieder auf seinen Kerosinverbrauch ansprach. „Ja ich weiß, ich habe den höchsten. Ja Herr Höppler wollen sie vielleicht selber fliegen? Dann können sie ja schauen ob sie das besser hinbekommen,“ murrte er und ließ sich in die Sitzecke fallen. „Unglaublich und das bevor ich überhaupt einen Schluck Kaffee hatte.“ Thomas rollte genervt mit den Augen und griff nach der Tageszeitung die auf dem Tisch lag. Er hatte noch ein wenig Zeit, die wollte er eigentlich in Ruhe verbringen. „Wollen sie mich auf dem Arm nehmen? Herr Wächter?“ fragte der Leiter erbost. „Wieso wollen sie auf meinen Schoß?“ fragte er frech und grinste ihn an. „Mit ihnen kann man überhaupt kein richtiges Gespräch führen,“ sagte er, drehte sich um und rannte dabei fast den Notarzt Dr. Michael Lüdwitz um. „Holla Herr Höppler, sie sind aber stürmisch heute Morgen,“ rief er und sah ihm nach wie er aufgebracht in sein Büro stürmte.
„Was ist denn mit dem?“ fragte Michael als er sich neben seinen Freund und Kollegen setzte. „Ach keine Ahnung, es ist noch nicht mal richtig hell und siehst du, hier ist noch Kaffee drin.“ Thomas zeigte demonstrativ auf seinen Becher. „Oh ich vergas der Herr Pilot ist ein Morgenmuffel.“ Er wusste das es sein Freund hasste früh aufzustehen. Er quälte sich jeden Morgen aus dem Bett heraus und machte für seine beiden Töchter Lisa und Laura Frühstück, wenn er allerdings noch Zeit hatte war er sofort wieder im Bett und schlief noch eine Runde. Der Vorteil an einer WG, war das auch Michael und Karin in der Villa wohnten und sie sich gemeinsam um die Kinder kümmerten. Karin übernahm gerne die Fahrten in die Schule oder machte genau wie ihr Lebensgefährte auch mal die Pausenbrote. „Hey sorry war nicht so gemeint eben, tut mir leid,“ brummte er hinter seiner Zeitung hervor.

„Guten Morgen Leute,“ rief Peter der aber gleich zu den Umkleiden durch sprintete. Er war heute etwas knapp dran. Michael sah auf seine Uhr. „Spät dran der Junge heute,“ murmelte er und suchte sich den Wirtschaftsteil der Tageszeitung raus, den Thomas eh nicht lesen würde. „Was isn jetzt eigentlich mit deinem Jobangebot?“ Der Arzt sah über den Rand der Zeitung. „Weiß nicht, klingt soweit ganz ok. Ich weiß nur noch nicht ob ich den annehmen soll. Einerseits werde ich auch immer älter. Andererseits mag ich mein Leben so, mit dir wird’s mir nie langweilig, aber du bescherst mir diese vielen Falten und graue Haare,“ lachte er. Thomas prustete los. „Hey was würdest du denn bitte ohne mich machen?“ „Ja das frag ich mich allerdings auch. Vielleicht nachts ruhiger schlafen.“ Die beiden neckten sich gerne, aber alles auf einem Freundschaftlichen Level. Sie arbeiteten schon so lange zusammen. Michael kam vor 10 Jahren zu Medicopter, erst war er in Berlin stationiert und dann hatte man ihn Richtung Österreich versetzt, was auch gut war, denn seine Frau arbeitete in München in einer Klinik. Zumindest war es damals gut, hier auf der Basis lernte er seine neue Lebensgefährtin kennen. Er war nun 48 Jahre alt und hatte ein wirklich gutes Angebot der neue Chefarzt einer Privatklinik zu werden. „Du weißt ja was ich davon halte,“ meinte Thomas. Sie arbeiteten seit dem Notarzt zum Stützpunkt dazu kam in einem Team. Mit dem neuen Posten könnte er mehr Zeit mit Karin verbringen, da sie die Notärztin der B Crew war, sahen sie sich meistens nur bei Schichtwechsel oder wenn Rosenheim eine der Schichten übernahm. „Ja ich weiß du hasst Veränderungen. Was ist jetzt eigentlich bei dir rausgekommen, mit der kleinen die du vor ein paar Wochen kennen gelernt hast?“ fragte er ebenso neugierig. Nun legte der Pilot endgültig seine Zeitung weg. „Erzähl ich dir gleich. Ich geh mich schnell umziehen.“ Bei solchen Fragen wich er gerne mal aus. Frauengeschichten waren bei Thomas eine etwas heiklere Geschichte, da er ein alleinerziehender Vater von 2 Teenager Mädchen war. Er hatte vor 5 Jahren seine Ex Frau bei einem Verkehrsunfall verloren, gerade wo es wieder gut zwischen den beiden lief und sie es noch einmal miteinander versuchen wollten. Manchmal tröstete er sein Verlangen einfach mit irgendeiner x beliebigen.

„Hey Peter,“ sagte Thomas fröhlich als er in die Umkleide kam. „Hm. Morgen.“ Auch der Blonde Sanitäter hasste es zu dieser unchristlichen Zeit aufzustehen. Vor allem, weil er auch Stress mit seiner Frau hatte und seinem kleinen Sohn. Sie war vor einigen Wochen ausgezogen und hatte ihm die Wohnung ausgeleert. Die rassige Italienerin machte ihm das Leben fast schon zur Hölle. Thomas wusste nur zu gut wie so was ablaufen konnte. Gerade auch mit den Schichtplänen die ein geregeltes Leben fast schon schwierig machten. „Komm trink erstmal einen Kaffee mit uns. Dann überlegen wir gemeinsam wies weiter gehen kann.“ „Ich fürchte daraus wird nichts meine Herren,“ sagte Höppler der im Türrahmen der Umkleide stand mit einem Zettel in der Hand. „Wir haben einen Ambulanzflug.“ „Michael! Einsatz,“ rief Thomas. Der Arzt war sofort zur Stelle und übernahm den Ausdruck vom Chef.
Während die anderen beiden die Taschen holten startete der Pilot schon mal die Turbinen des Babys. Jens der Pilot der anderen Crew hatte vorhin noch mit ihm eine kurze Übergabe gemacht. Er musste sich auch noch daran gewöhnen, dass Biggi nicht mehr da war. Sie ging mit ihrem Freund nach Italien, da sie sich vor ein paar Monaten schwer am Rücken verletzt hatte und keine Freigabe mehr für eine Flugtauglichkeitsbescheinigung bekam. Biggi war seine beste Freundin, mit ihr hatte er es sich auch fast schon versaut. Sie hatten immer Gefühle für einander, aber irgendwie konnte er sich nicht dafür durchringen, sie ihr auch zu zeigen. So war sie nun glücklich mit jemand anderem, er gönnte ihr das Neue Leben. Sie schickten sich ständig Bilder hin und her. Wahrscheinlich würde er irgendwann mal spontan mit den Mädels einfach da runterfahren und die beiden besuchen. „Hey, ich soll dir übrigens sagen, dass die Schule eben angerufen hat. Karin versucht gerade heraus zu finden was los ist,“ informierte Michael seinen Freund. Die Mädchen wurden langsam flügge und versuchten immer mehr ihren eigenen Kopf durch zu setzen. Das Teenager Alter war eben eine absolute Katastrophe. Thomas erinnerte sich daran, dass Laura letzte Woche versucht hatte ihm ihren neuen Freund vorzustellen. „Oh man, schon wieder? Was ist es diesmal. Ich glaube ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit den Mädels reden,“ meinte er. Allerdings musste er sich jetzt auf den Flug konzentrieren. „Good Morning Munich Tower, this is Medicopter 117.“ „Good Morning Medicopter 117.“ „We have an Ambulance Flight from north to south, across to Marienhospital to Großhadern.“ Es war absolut erforderlich sich für jeden Flug, anzumelden da der Luftraum von vielen genutzt wurde. Gerade über München, ging es meistens heiß her, da dort auch der große Flughafen war. Routiniert steuerte Thomas sein Arbeitsgerät, dass er liebevoll Baby nannte durch die Lüfte.

Eddie drückte im Hangar seiner neuen Kollegin das Klemmbrett in die Hand. „Kleene du machst den check, dann können wir los. Wir holen so einen Privatdoc ab. Dann kannste mal zeigen was du kannst. „Hey Methusalem, pass auf das die Neue nicht schon vorzeitig in den Ruhestand bringt,“ rief der Kollege Braun rüber. Lucia verdrehte die Augen und drehte sich zu ihm um. „Wieso hast du Angst, dass ich besser bin als du?“ fragte sie provokativ und stemmte ihre Hände in die Hüften. „Kleen, lass es dieser Typ hält sich für den besten auf Erden. Er fliegt den anderen RTH die Firma WInkelbeiner Flights liebt ihn. Junger ehemaliger Bundeswehrpilot. Der Winkelbeiner hat ihn sich beim Ausscheiden aus dem Dienst sofort gesichert als Pilot.“ „Ich hab keine Angst davor, gegen ne Tussi anzutreten,“ lachte er. „Lass dich von ihm nicht provozieren denk dran. Komm mach den Check, dann hast du was zu tun, der hat eh gleich Feierabend.“ „Ich hab was gegen Großmäuler! Der Chef hat also Bundeswehr Ken eingestellt.“ Irgendwie hatte dieser Knaller es doch geschafft, sie mal kurz aus der Fassung zu bringen. Gerade wegen solchen Aktionen, musste sie in ihrer alten Firma gehen.

Sie schüttelte ganz kurz den Kopf und fokussierte sich auf den hell blauen Heli mit dem Bergmotiv. In diesem Datenblatt stand alles so weit drinnen, sie musste eigentlich nur die Punkte abhaken. Dieses Datenblatt war sehr effizient ausgearbeitet und erleichterte wirklich den Ablauf. Sie musste lediglich, dass Datum einfügen, Kerosinstand und das Ziel. „Ach und nach dem Flug, musst du den Flyer an deine Fluggäste geben, wenn du sie sicher an den gewünschten Ort gebracht hast. Ist so eine Art Ranking.“ Irgendwie fand sie das jetzt schon ein wenig komisch, wenn sie also der Bergrettung zur Hilfe kamen so einen Wisch hinhalten? „Ok das passt dann alles so weit. Machen wir uns an den Flug,“ sagte Eddie und klopfte der 1,73m großen Italienerin auf die Schulter. Irgendwie kam sie sich vor als würde sie hier mit ihrem Vater reden. Sie schätzte Eddie auf Mitte 50, seine Statur war eher etwas untersetzt. Er ging seinen Job wohl ziemlich gemütlich an. „Ich sag dir eins kleine, wenn du irgendwo richtig arbeiten willst, dann bist du hier falsch. Die ganzen Transplantationen fliegen eh Braun und Meyer. Wir haben noch ein bisschen Zeit bis wir vor Ort sein müssen,“ sagte Eddie als er sich seinen Helm aufsetzte. Lucia tat es ihm gleich, startete die die Turbinen. Endlich wieder ab in die Lüfte, kein anderer Job ließ ihr Herz so schlagen wie die Fliegerei. „Dann wollen wir mal sehen was das Baby so draufhat. Good Morning Munich Tower, this is Charly 256, we across the airbourne vom North to South.“ „Good Morning Charly 256.“ Lucia gab die notwendigen Angaben per Funk durch.

Sie flogen eine Weile direkt an der Bergkette vorbei. Das Panorama war schon absolut der Hit, so weit das Auge reichte Berge, auf den höchsten lag sogar etwas Schnee. Sie beschloss sich etwas weiter davon zu entfernen und ein paar Tricks zu fliegen. Eddie konnte sehen das sie fliegen konnte und auch die Armaturen bediente, so zog er eine Zeitung aus seinem Overall und las sie. „Du liest jetzt Zeitung?“ fragte sie ihn. „Naja was soll ich sonst machen? Du fliegst, ich lese. Karte muss ich dir ja keine vorlesen unser Schätzen macht das über den Board Computer. Wir fliegen nur zu zweit, falls der Pilot ausfällt, ich sehe du kannst das also hab ich nichts zu tun,“ sagte er und las weiter den Sportteil. Lucia beschloss ihren Kollegen ein wenig zu ärgern und flog einen Looping nach dem anderen. Er grinste und sah kurz über seine Zeitung hinweg. „Kleine da musst du früher aufstehen.“ Von weiter hinten näherte sich ein weiterer Hubschrauber, es war wieder die BK 117. Sie flog eine Rolle um dem anderen Heli Platz zu schaffen. Sie scherte relativ knapp neben ihm wieder ein.

„Das gibt’s doch nicht. Diese Penner!“ regte sich Thomas auf, der selber einen Bogen fliegen musste um nicht mit dem anderen Helikopter zu kollidieren. „Sind das wieder die vom Winkelbeiner? Meine Güte, die fliegen wie die Irren, irgendwann holen die mal einen runter,“ sagte Michael und schüttelte den Kopf. „Medicopter 117 für Charly 256. Seid ihr blind oder was soll das?“ schnauzte Thomas in den Funk. „Charly 256 für Medicopter 117. Entschuldigen sie bitte, wusste nicht das sie doch so knapp fliegen. Sorry,“ sagte eine unbekannte Frauenstimme. Peter sah Michael an, der etwas belustigt dreinschaute. „Ganz schön frech,“ sagte er. „Frech du sagst es.“ Allerdings war Thomas etwas verwundert, nicht die gewohnten Stimmen zu hören. Die Pilotin flog ein weiteres interessantes Flugmanöver, sie ging in den Sturzflug und zog die Maschine wieder hoch in einen Looping und scherte hinter der rot-gelben wieder ein. „Ich glaub da will jemand mit dir spielen,“ sagte Michael und musste grinsen. Das was sein bester Freund überhaupt leiden konnte war, wenn man ihn in seinem Hoheitsgebiet vorführte.

„Du solltest ihn nicht so reizen, kleine. Das ist Thomas Wächter.“ „Ich habe keine Angst vor irgendwelchen großen Namen,“ sagte sie. Wieder fauchte er ziemlich sauer in den Funk. Sie stellte sehr schnell fest, dass er wohl keine Lust hatte auf irgendwelche Spielchen. Sie hätte zu gerne seinen Blick gesehen, als sie wie eben den Heli in den Kopfüberflug direkt über ihm zog. „Hey du Adrenalin Junkie. Ich hab jetzt keine Zeit für Spielchen. Medicopter Ende,“ schnauzte er wieder und flog einen weiten Bogen nach links an der Bergkette vorbei. „Schön, wir sehen uns. Beim nächsten Mal sollten sie nach links und rechts sehen. Charly Ende.“
„Was stellen die da für Leute ein? Lauter Irre? Darf da jetzt jeder bei denen fliegen?“ Thomas war etwas in seiner Ehre gekrängt. „Also ich würde zu gerne wissen, wer das war, klang nach einer schönen Stimme,“ neckte Michael seinen Freund. „Das war ne Irre, hast du die Manöver gesehen? Das war verdammt knapp!“ Thomas richtete seine Sonnenbrille und versuchte in seinem Sitz eine bequemere Position zu finden. Die Anspannung die sich da eben in ihm aufgebaut hatte, wurde zunehmend unangenehmer. Sobald er konnte, würde er diesem Saftladen einen Besuch abstatten. Sein Kollege Jens hatte erst vor 2 Monaten einen Vorfall mit einem dieser Idioten. Noch dazu, benötigten sie dann auch noch die Hilfe des Teams, da der Helikopter über den Bergen abstürzte. Mehrere Beschwerden bei der Luftfahrtbehörde brachten auch nichts, dass Unternehmen setzte seine Arbeit fort. Der Pilot des abgestürzten Helis überlebte seinen Wagemut nicht und riss noch zwei weitere Passagiere in den Tod. Er war vollkommen abwesend für einen Moment, diese freche Göre würde er sich kaufen, bevor sie noch schlimmeres anrichtete.

Die restliche Schicht verlief sehr ruhig, Michael machte seine Einsatzberichte fertig und dachte über sein weiteres Leben nach. Karin war noch jünger als er, sie hatte noch den Drang Dinge als Notärztin zu erleben. Sein Herz schlug zwar immer für das Abenteuer, aber irgendwann wurde der Drang nach mehr Ruhe einfach lauter. Karin kam vorbei um mit ihm einen Kaffee zu trinken. „Hallo was grübelst du so?“ fragte sie und streichelte ihm sanft über den Nacken. „Ach ich gehe in Gedanken noch einmal das Jobangebot durch.“ Sie sah ihn besorgt an als sie sich auch einen Becher Kaffee holte. „Entschuldige, das war nicht meine Absicht, dich so unter Druck zu setzen. Als ich dir davon erzählte, meinte ich nicht, dass du dich entscheiden sollst. Ich weiß doch, was dir der Job bedeutet.“ Karin machte sich immer zu viele Sorgen. Das schien ihre Superkraft zu sein sich über alles und Jeden Sorgen zu machen. Er nahm ihre Hand und küsste sie vorsichtig. „Es ist nicht deine Schuld. Ich überlege bereits hier und da mal über eine Veränderung. Ich bin halt doch schon ein bisschen älter.“ Sie sah ihn an und lächelte. „Du bist ein erfahrener und sehr guter Notarzt.“ Daran hatte sie nie gezweifelt, Michael wusste immer was zu tun war. Er fing nach seiner Ausbildung direkt an mit im RTW zu fahren, die Arbeit in einer Notaufnahme interessierte ihn nie wirklich. Er wer mehr der Typ, Ersthelfer, manchmal waren nur wenige Sekunden dazwischen um zu entscheiden was zu machen war. „Magarete wollte immer das ich mit ihr in der Klinik arbeite. Sie als Chirurgin und ich als Notaufnahmeleiter, aber es passte nie wirklich. Ich hatte immer das Gefühl eingesperrt zu sein.“ Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile über gewisse Dinge.

Thomas hatte sich für ein Nickerchen draußen in die Sonne gepackt. Er saß auf einem Liegestuhl und nahm noch die letzten Sonnenstrahlen mit, bevor sie untergehen würde. Ihm ging immer noch nicht diese komische Kamikaze Pilotin aus dem Kopf. Er musste sich immer wieder an die gespielte Rivalität zwischen ihm und Biggi erinnern. Es war gut, immer jemanden zu haben der ihn forderte. Jens war auch ähnlich wie Thomas, er hatte seine Ausbildung auch beim Bund gemacht und flog viele Rettungseinsätze oben in Hamburg. Er war auch 6 Jahre älter als er. Medicopter hatte ihn hier runter versetzt. In seiner alten Heimatstadt hatte ihn ohnehin nichts mehr gehalten, man bot ihm auch an die Helicopter Staffel zu leiten, in der Hauptstelle in Berlin, aber er lehnte es dankend ab. Zettelwirtschaft war absolut nichts für ihn. Thomas hatte ihn von der irren Begegnung mit der Firma unterrichtet. Jens sah es genau wie er, lauter Irre denen man die Fluglizenz entziehen sollte.
Karin kam zu ihm raus, nachdem sie sich von Michael verabschiedet hatte. Die Jungs hatten noch ungefähr 2 Stunden und dann war ihre Schicht auch rum, die Kollegen in Rosenheim konnten doch die restliche Schicht übernehmen. „Hey,“ sagte sie und gab ihm einen Becher mit Kaffee. Sie wusste das er gerne hier draußen war, so lange es das Wetter erlaubte. Während alle anderen im neu angelegten Ruheraum schliefen oder sich weiter mit irgendwelchen Papierbergen quälten war er fast immer an der frischen Luft, wenn er seine Arbeit erledigt hatte. Hier oder unten am See, aber von dort war er nicht schnell genug wieder oben, wenn der Alarm los ging. „Hey danke,“ sagte er und sah sie kurz an. Wahrscheinlich würde sie gleich los legen mit ihrem Anliegen. Er schob die Sonnenbrille ein wenig nach unten und sah sie an. „Ich hab dir ja vorhin gesagt, dass die Schule angerufen hat.“ Thomas setzte sich augenblicklich auf, sein Gesicht wurde ernster. „Wen muss ich verprügeln oder umbringen?“ Die Blondine lächelte ihn an. „Nein so schlimm ist es dann doch nicht. Naja Laura hat sich geprügelt, ein anderes Mädchen hat ihre Schwester zu Boden gerissen.“ Er sah sie verwundert an. „Meine Tochter hat wen anders geschlagen? Ist was passiert?“ Karin druckste ein wenig umher und versuchte auch seinen Blicken auszuweichen. „Naja dann ist Lisa aufgestanden und hat sie an den Haaren auf den Boden geworfen.“ Sie verzog das Gesicht. „Das wars leider noch nicht, der Direktor wünscht dich zu sprechen. Sie wurden von der Schule geworfen.“ Thomas sprang auf von der Liege und lief vor dem Hangar auf und ab. „Und das sagst du mir erst jetzt?“ Sie hatte es mit ihrer vorsichtigen Art und Weise geschafft ihn so aufzubringen, dass er sich erstmal wieder beruhigen musste. Wenn es um seine Töchter ging verstand er nur selten Spaß. Die beiden haben also ein anderes Mädchen verprügelt. „Raus geworfen? Oh mein Gott, wo sind sie jetzt?“ fragte er besorgt. „Zuhause, ich habe gesagt sie sollen in ihren Zimmern bleiben. Bis ich wieder da bin.“ „Sind sie auch verletzt?“ „Nur ein paar Schürfwunden, Lisa hat blutige Fingerknöchel ich habe ihr eine Salbe drauf gemacht und die Hand verbunden.“

Die beiden wurden auch älter, man konnte ihnen quasi Tag für Tag dabei zu sehen. Jeder von ihnen gab ihr Bestes um für die Mädchen da zu sein und bei der Erziehung zu helfen. Die beiden wurden dieses Jahr erst 17, ein unglaublich schwieriges Alter. Thomas war immer dafür, sie mit liebevoller Strenge zu erziehen, aber das hielt er selten ein, sie hatten ihn um den Finger gewickelt. Aber so ging es absolut nicht weiter, da es Freitag war, waren sie sicherlich noch nicht schlafen, wenn er heimkam. „Was schlägst du vor soll ich machen? Ich werde noch verrückt, warum fangen sie an sich zu prügeln?“ „Das müssen wir wohl herausfinden, junge Teenager sind unberechenbar.“ „Ich werde mit ihnen reden müssen, wenn ich nachhause komm.“
 
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