Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Suche nach dem Licht

von Yavia
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Ellie OC (Own Character)
19.09.2021
14.11.2021
7
11.412
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
19.09.2021 2.050
 
1
Jackson

Ellie hatte die Hände erhoben, um zu signalisieren, dass sie in Frieden kam, bis sie nahe genug herangekommen war, dass die Wachleute sie erkennen konnten. Langsam ging sie durch das Tor. Zwei der Frauen leiteten sie in die Kammer, wo sie nach Bissen untersucht wurde, ehe sie weitergehen durfte.
Hatte nie jemand daran gedacht, dass auch die Pilzsporen einen Infizierten aus einem machen? Ellie wollte aber nicht wirklich zwei Tage warten, sie wollte es wissen. War es aus?
Es war ein ungutes Gefühl an den Pferden vorbei in die Stadt zu gehen. Es fühlte sich falsch an, wie alles, was sie in den letzten Monaten getan hatte. Falsch.
Es war sehr belebt und einige hoben die Hand zum Gruß, andere starrten sie nur an und zwei steckten die Köpfe zusammen. Bonnie und Tammy, natürlich. Ellie glaubte, das Zischen ihres geflüsterten Tratsches zu hören. Das Zischeln von Schlangen.

Als sie an die Hauptstraße kam, in der die meisten Tauschgeschäfte stattfanden, erblickte sie Seth. Nicht gerade die Person, der sie begegnen wollte.
Er kam auf sie zu.
„Ellie, bist du das? Du siehst furchtbar aus.“
Sie sah ihn an. Sollte sie etwas darauf antworten?
Er schien ihre Laune zu deuten, senkte kurz den Kopf und befeuchtete die Lippen. „Maria ist beim Schmied.“
„Ich suche nicht nach Maria“, sagte sie. Ihre Stimme klang trocken, wie das Gefühl, das sie hatte, seitdem sie das Tor durchschritten hatte. Ausgetrocknet und leer. Sie gehörte nicht nach Jackson, nicht mehr.
Seth gab einen kleinen Laut von sich, der abfällig klang. Er deutete mit dem Kopf zur Seite. „Du findest Dina in der Schule.“
Bewegungslos sah Ellie ihn an, schulterte ihren Rucksack neu und ging an ihm ohne ein weiteres Wort vorbei. Die kurze Wut verflog wie die kleine Schar Finken, die von den Dächern aufflogen, als sie vorbeiging. Er würde sie nie verstehen. Und es auch nicht wollen.
Sie wunderte sich, was Dina bei der Schule machte. War die kleine Kartoffel schon so groß? Ellie war Wochen weg gewesen, aber doch keine Jahre. Ihr Rückweg hatte lange gedauert. Gerade die Zeit, an der sie die Reste der Finger entfernen musste. Sie war tagelang krank gewesen. Vielleicht waren es Monate? Sie erinnerte sich nicht.

Die Tür der Schule war bunt bemalt, die Wände zeigten Tiere und Ellie betrachtete die Giraffe einen Moment, ehe sie die Veranda hinaufstieg und die Hand zur Klinke hob, um zu öffnen. Ihr Blick fiel zur Seite. An der Anschlagtafel waren alte und neue Nachrichten. Leicht flatterten sie im Wind, flatterten, wie ihr Herz.

Was sollte sie Dina sagen? Würde sie ihr überhaupt zuhören? Wie sollte es weitergehen? Sollten sie wieder zurück auf die Farm ziehen? Oder hierbleiben, wo die zischenden Stimmen ihr nachkrochen?
Sie senkte die Hand, überlegte, umzukehren und einfach zu gehen. Es war eine dumme Idee gewesen, hier her zu kommen. Sie trat die Stufen hinab und blieb stehen. Wenn sie nicht fragte, würde sie das ewig bereuen!
Sie drehte sich zurück zur Schule. Da stand jemand am Fenster und sah zu ihr hinaus.
Es war Dina.

Dina eilte zur Tür und riss sie auf, kam heruntergestürzt und blieb so dicht vor ihr stehen, dass Ellie ihren Geruch wahrnehmen konnte. Ihren Geruch, den sie die ganze Zeit vermisst hatte. Dina starrte sie an und öffnete den Mund ein paar mal, ehe sie zurücktrat, Abstand gewann. Ihr Blick fiel auf Ellies linke Hand und ihr Gesichtsausdruck war erschrocken und ihre Stimme klang dünn.
„Ellie? Was ist passiert?“
Ellie sah sie an und bemerkte die Anspannung in Dina, sowie in sich selbst.
„Ich habe sie gehen lassen.“
Dina sah sie nur an. Ihr Mund zog sich nach unten und sie sah aus, als wenn sie gleich weinen würde. „Du hast sie schon einmal gehen lassen. Für mich. Und...“ Verbissen kämpfte sie mit den Tränen. „...und du bist dennoch losgegangen, um sie erneut gehen zu lassen?“ Dina versteifte sich, die Fäuste neben ihren Körper geballt in purem Zorn. „Meinst du, das ist ein Spiel?! Meinst du, es macht mir Spaß nur zu warten, bis du dich erneut entschließt, ihr nachzujagen? Kannst du dir vorstellen, wie es war, meinen Traum aufzugeben, der schöner nicht hätte sein können? Wieder hier zu sein, ohne dich, verspottet, bemitleidet und allein?!“
Ellie ruckte vorwärts um sie in einer automatischen Geste zu umarmen, zu trösten, zu halten, doch Dina stieg rückwärts die Treppe hinauf, wich vor ihr zurück.
„Es tut mir Leid ...“, brachte Ellie über die Lippen.
„Ach ja? Warum bist du gegangen, und warum kommst du nun wieder, ohne es abgeschlossen zu haben, was dir ja wichtiger war als ich oder JJ?!“
„Ich habe damit abgeschlossen, ich werde ihr nicht mehr nachlaufen, ich bin durch damit. Es geht mir gut.“ -Was eine Lüge war, denn sie schlief schlecht und träumte immer wieder mal von Joel. „Es geht mir gut, ich ...“
„Ellie ...“, gab Dina leise von sich, sie weinte nun und wischte sich langsam über die Augen. „Es ist vorbei, es … ich kann das nicht aushalten.“ Ihr Blick fiel auf Ellies Hand und ihr Mund wurde schmal. Sie strafte sich und richtete sich auf. „Ich will dich nicht nochmals verlieren. Ich kann nicht ertragen, dass du erneut losziehst.“
„Aber ich werde nicht ...“ Dina gelangte an die Tür, sah Ellie an und ging hinein.

Ellie verstummte. Wie, das war es? Sie glaubte ihr nicht? Wenn sie es recht überlegte, war das zwar nicht die Möglichkeit gewesen, die sie erwartet hatte, aber eine durchaus nachvollziehbare. Sie war gegangen, trotzdem Dina sie aufhalten wollte. Trotzdem sie ihr sagte, dass sie Tommy nichts schuldete. Und Ellie war losgezogen, von sich aus, weil sie Abby töten wollte. Aber Abby lebte. Der gleiche Zustand, wie nach Seattle. Sie war nochmals losgezogen und kam erfolglos zurück. Der gleiche Zustand, wie nach Seattle.
Sie blickte auf die Tür, die die langsam zufiel. Das Holz stoppte bevor sie einklinkte, blieb einen Spalt breit offen, Ellie konnte hineingehen, konnte ihr folgen, sie überzeugen, es ihr erklären, um sie kämpfen!
Dinas Hand ergriff die Klinke und schloss die Tür.

Aber was hatte sie erwartet? Sie hatte sich scheiße benommen, als sie gegangen war und natürlich glaubte Dina ihr nicht, dass sie nicht einfach wieder losgehen würde. Sie selbst war unsicher, ob sie überhaupt die Wahrheit sprach. Es war einfach so sinnlos gewesen, sinnlose Gewalt. Und dann hatte sie Abby gefunden und endlich das Bild verscheucht. Endlich Joel gesehen, wie sie ihn in Erinnerung behalten wollte.
Sie ballte die rechte Hand zur Faust und verweilte auf der Straße. Sie konnte Dina nicht einfach aufgeben. Sie musste etwas tun, ihr beweisen, dass sie damit abgeschlossen hatte. Aber hatte sie? Was waren das für seltene Gedanken, in denen sie Abby im Meer ertränkte? Was war das für ein Gefühl, wenn sie das tat? Genugtuung? Befreiung? Freude?

Sie drehte sich herum und ging zurück. Sie erreichte die Straße, sah Gustavo auf seinem Stuhl, der auf seinem Banjo spielte. Sie musste hier weg, sie musste das alles hinter sich lassen. Es war vorbei und das war nicht der Ort für sie. Nicht mehr.

Tommy erschien aus der Kneipe mit einem folgenden Seth. Ohne auf den petzenden Heuchler zu hören eilte Tommy die Strecke zu Ellie entlang, rannte dabei Michael fast um und blieb vor ihr stehen, stoppte ihren Weg mitten auf der Kreuzung.
„Ellie?!“ Er fasste ihre Oberarme und sah sie musternd an. „Ellie um Gottes Willen, bist du okay?“
Ellie sprach in ihrem Kopf all die Fragen weiter, die folgen würden. Was ist mit deiner Hand passiert? Wie ist es dir ergangen? Und schließlich, das einzige was ihn interessieren würde: Hast du Abby umgebracht?

Sie schüttelte den Kopf um diesen Fragen zu entgehen und schrie es heraus: „Ich habe sie nicht getötet. Es war falsch, ich habe alles verloren nur wegen dieser Rache. Tommy, es war falsch noch einmal loszuziehen!“
Wie befreiend sich das anfühlte, auch wenn jetzt alle um sie herum sie anstarrten. Sie beide anstarrten, die dieses unglaublich komische Bild abgaben. Tommy, der wegen seiner Verletzungen nicht mehr die Stadt beschützen konnte und einfach nur da war, ohne den Status mit Maria zusammen zu sein, und Ellie, die geschunden und armselig war, sie, die nichts mehr hatte und nicht mehr dazugehörte.

Tommy suchte nach Worten, sein Blick fiel auf ihre Hand, er vermutete wohl, dass wäre der Grund, dass Ellie nicht enden wollte wie er. Verkrüppelt und unfähig zu kämpfen? Ellie blickte ihn verbissen an.
Scott kam heran, hob die Hand zum Gruß. „Hi, Ellie.“ Dann sah er unberührt von der Spannung zwischen ihnen Tommy an und begann zu reden. „Tommy, die zwei Fireflies wollen gehen. Zwar wissen wir jetzt, dass sie eine neue Basis auf Santa Catalina aufbauen und dahin wollen, aber willst du sie vorher noch irgendwas fragen? Letzte Chance.“
Tommy sah ihn an, dann Ellie. Er ließ sie los.
„Was für Fireflies?“,fragte Ellie.
„Das geht dich nichts an“, sagte Tommy barsch. Er war wohl richtig sauer.
„Ach ja?“, fragte sie drohend zurück. „Sagt wer? Der, der mein Leben zerstört hat, wegen einem Versprechen? Hast du daran gedacht, was ich verloren habe wegen deiner Rache?“
Tommy schnellte zu ihr herum. „Soweit ich mich erinnern kann, war es deine Rache! Du hast mich aufgefordert mitzukommen!“
„Ja, und du hast mich belogen und bist vor mir losgegangen.“
„Wollen wir wirklich durchkauen, wer wen zu dieser Rache gebracht hat? Es war Abbys Schuld und du hast sie leben lassen. Sie hat mein und dein Leben zerstört und du hast sie leben lassen!“
Ellie gab ihm einen leichten Schubs und schrie: „Ich bin fertig mit dir, mit dieser Stadt, mit dieser scheiß Welt!“
Sie stapfte an Tommy vorbei, Scott sah sie fragend an, dann Tommy. „Heilige Scheiße, was ist denn bei euch los?“, fragte er in die Stille.
Ellie brauchte etwas Kraft, um ihn zu ignorieren. Denn sie verstand, was sie Tommy vorwarf: Ihr eigenes Verschulden. Das, was sie getan hatte. Sie hatte Schuld, dass Jesse tot war, Schuld, dass Dina verletzt wurde und sogar Schuld, dass Tommy nun ein Krüppel war. Er mag gekommen sein, als es ihr schlecht ging und sie daran erinnert haben, dass es ihr besser gehen würde, wenn sie das beendete. Aber das tat es nicht. Sie hatte es beendet, aber es ging ihr nicht besser. Konnte sie es nur beenden, wenn sie Abby umbrachte?
Vielleicht würde Dina ihr dann wieder glauben?

Sie verließ Jackson wütend und war sich sicher, dass sie nie zurückkehren würde. Diese zwei Reisen hatten sie verändert, das hier war nicht mehr das, was sie haben wollte. Dennoch weinte sie.
Während sie die Straße entlang marschierte, wurde sie sich bewusst, das sie gar nicht wusste, was sie haben wollte.
Sie hatte nicht um Dina gekämpft. Sie hatte Tommy nicht erklärt, warum sie Abby leben ließ. Sie war sich selbst nicht mal mehr ganz sicher, ob es ein einzelner Grund, oder ganz viele waren. Auf dem Rückweg nach Jackson hatten sich ihr immer mehr Gründe aufgetan, auch wenn sie zu dem Zeitpunkt, als sie Abby unter Wasser drückte, das erste mal wieder Joels Gesicht gesehen hatte. Sein Gesicht ohne das Blut, so, wie sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Das letzte Mal, wo sie einen Neustart versuchen wollten. Das hatte ihre Rache beendet.

Aber sie hatte keinen Neustart bekommen.

Sie wischte sich die Tränen fort und hörte hinter sich ein Motorengeräusch. Als sie sich umdrehte entdeckte sie einen Humvee der sie an den in Pittsburgh erinnerte. Gepanzert und uneinnehmbar von Gegnern von draußen. Er wurde neben ihr langsamer und stoppte. Das alte Gefühl der Gefahr verblasste, als eine Frau oben die Luke öffnete und keinen Molotowcocktail herauswarf, womit Ellie auch nicht gerechnet hatte, so nahe bei Jackson. Die Frau hatte wilde blonde Locken, die mit einem Stirnband erfolglos gebändigt wurden. Sie lächelte.
„Hey, wohin willst du?“
Ellie zuckte die Schultern.
„Wir wollen nach LA, Santa Catalina, Lust mitzukommen?“
„Ah, ihr seid die Fireflies“, stellte Ellie fest.
„Jupp. Brenda und Theo, der alte Knacker fährt das Ding.“
„Ey!“, kam eine wirklich alte Männerstimme aus dem Inneren. Sie klang verärgert.
„Wir sind auf der Suche nach dem Licht. Naja, wir gucken mal, ob es einen besseren Platz gibt, als jeden anderen auf dieser kaputten Welt“, schloss Brenda
Ellie sah sie an. Abby hatte die Fireflies gesucht. Vielleicht sollte auch sie nach dem Licht suchen. Sie griff die Hand und ließ sich ins Auto ziehen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast