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Dance Along /Sequel Dance With Me

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Shownu
15.09.2021
21.09.2021
3
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15.09.2021 2.518
 
Langsam bewegen sich die Lider von Julyn, als sie sanft aus ihrem erholsamen Schlaf erwacht. Eine Wärme strahlt tief aus ihrem Inneren heraus. Sie fühlt sich wohlig und beschützt. Als könnte sie sich fallen lassen und tief durchatmen. Etwas, das sie schon eine lange Zeit nicht mehr gespürt hat. Nach all den letzten Monaten ist es eine willkommene Abwechslung. Es ist fühlt sich an wie ein Traum. Und würde ihr Körper nicht nach und nach erwachen, wäre sie komplett davon überzeugt, dass sie tatsächlich noch schläft. Doch ihr Gehirn sendet schon die ersten Impulse aus, denn Verwunderung macht sich in ihr breit. 'Was ist passiert, dass ich mich nach so langer Zeit endlich mal wieder gut fühle?', denkt sie schlaftrunken. Sie streckt sich langsam, stößt aber ziemlich schnell mit ihrer Hand an etwas. 'Was zum...?'
Plötzlich kommen ihre Gedanken in Wallung und ist sie schlagartig hellwach. Das gute Gefühl verschwindet im Hintergrund und macht dafür nun Platz für Szenen des gestrigen Tages. Viele verschiedene Bilder zeigen sich, allen voran ihr ganzer Trubel, der sich über den Tag aufgebaut hatte. Die Mieterhöhung. Der Brief von ihrem Ex, welcher ihr zusätzlich zu ihrem Ärger leider auch Sorgen bereitet. Das blöde und zusätzlich auch unverdiente Angeschnauze von ihrem Chef. Ihr Auftritt in der Bar. Der schmierige Typ, der sie blöd angemacht hat. Und zu guter Letzt kommt ihr das Bild von einem braunhaarigen jungen Mann vor die Augen. Fast sofort macht sich dabei das Gefühl der Wärme wieder breit und beinahe ist sie gewillt, dem nachzugeben. Ohne es sich erklären zu können, löst der Gedanke an diesen Braunhaarigen etwas in ihr aus. Vertrauen, Geborgenheit und das Gefühl, sich nicht mehr alleine zu fühlen. Doch bevor sie weiter darüber nachdenken kann, schiebt sich im nächsten Moment ein anderes Gesicht davor und macht alle guten Gefühle in ihr zunichte. 'Junmo...' Sofort ballt sich Wut in Julyn auf. Doch sie möchte sich so früh am Morgen; eigentlich am liebsten gar nicht mehr, mit ihrem Ex beschäftigen.
Sie schüttelt mit Kopf, um sich von dem Bild und den damit verbundenen Emotionen zu lösen. In der Hoffnung, ihre Gedanken auf etwas anderes zu lenken, dreht sie ihren Kopf zur Seite. Sie erkennt sofort die braunen Haare, die vor wenigen Augenblicken noch vor ihrem inneren Auge zu sehen waren und in denen sie noch vor einigen Stunden ihre Hände vergraben hatte. „Scheiße!“, entkommt es ihr fluchend und nicht gerade leise. Sie hatte gehofft, dass sie sich das alles vielleicht nur erträumt hatte. Oder wenn es schon real ist, dass der junge Mann wenigstens nicht mehr hier ist, wenn sie aufwacht.
Über den Alkohol und sich selber fluchend, dreht sie sich mit dem Rücken zu dem jungen Mann und hofft, dass sich dadurch die ganze Situation quasi in Luft auflöst. Ungefähr nach dem Motto: Was ich nicht sehe, ist gar nicht da. 'Fuck, fuck, fuck!! Das ist genau das, was du nicht wolltest. Du wolltest eine Zeit lang Ruhe haben vor Männern. Dich ganz auf dich konzentrieren. Du wolltest wieder zu dir selbst finden. Nach allem was gewesen ist, brauchst du nicht schon wieder jemanden, der dich von deinen Zielen, von deinem Leben ablenkt. Junmo hat es dir so schwer gemacht, die letzten Monate. Ach was, wenn man wirklich ehrlich ist, dann sind es eigentlich schon Jahre. Scheiße... Irgendetwas hat mich gestern nicht klar denken lassen. Da sind wohl irgendwie die Emotionen etwas mit mir durchgegangen. Und der Soju hat vermutlich auch gut mitgeholfen.'
Julyn ist so sehr damit beschäftigt, sich selbst zu beschimpfen und zu schelten, dass sie dadurch gar nicht mitbekommt, dass sich der junge Mann neben ihr bewegt und langsam aus seinem Schlafzustand zu erwachen scheint. „Guten Morgen.“, hört sie grummelnd hinter ihrem Rücken und ohne es zu wollen, durchfährt ein wohliger Schauer die junge Frau. Doch sofort tut sie alles ihr Erdenkliche, um es zu unterdrücken und nicht an sich rankommen zu lassen. Sie hält daran fest, dass sie derzeit keinen Mann braucht. Egal in welcher Form. Sie möchte sich von ihrer letzten Beziehung erholen und ihr Leben bzw. sich selber wieder komplett in den Griff bekommen.
Wütend auf sich selbst wettert sich los: „Nichts 'Guten Morgen'! Du solltest nicht hier sein... Fuck! Was hat mich da gestern nur geritten... Sag nichts! Ich weiß. Der Alkohol. Damit eins klar ist oder du dir irgendwelche Hoffnungen machst: Nein, das gestern wird sich nicht wiederholen. Denn es hätte in erster Linie gar nicht erst passieren dürfen. Eigentlich wollte ich nach dem beschissenen Tag nur ein bisschen Entspannung im Alkohol finden. Wollte meinen Ex und alles wenigstens für ein paar Stunden nicht vor Augen haben. Einfach die Scheiße von den letzten Monaten und ganz besonders vom gestrigen Tag vergessen. Ich wollte mich ablenken. Wollte mich für eine kurze Zeit gut fühlen. Mich von meinen Problemen ablenken. … Aber nicht so... Ich habe keinen Kopf, geschweige denn Platz für irgendwelche Männer-Geschichten...“ Die junge Frau plappert einfach drauf los. Als hätte sich ein Ventil in ihr geöffnet und dadurch macht sie sich nun Luft. Sie lässt einfach alles raus, was sich anscheinend schon länger in ihr angestaut hat.
Doch als plötzlich ein Lachen erklingt, verstummt Julyn. „Du bist wirklich einzigartig, weißt du das? Ich habe noch nie jemanden gleich nach dem Aufwachen so viel reden hören.“, gibt Shownu giggelnd von sich. Obwohl ihr bei dem Geräusch warm ums Herz wird, fühlt sie sich merkwürdigerweise gleichzeitig unwohl. Der junge Mann neben ihr und der Umstand, dass sie die Nacht zusammen verbracht haben, bringt so ziemlich alles in ihr durcheinander. Ihr so gut aufgebaute Fassade kam ins Kippen. Erneut macht sich Wut in ihr breit. Angespannt dreht sie sich um und sieht Shownu aufgebracht an. Und während ihr ein wütendes Funkeln im Gesicht steht, hat der junge Mann ein Grinsen auf den Lippen und seine Augen strahlen vor Heiterkeit.
„Findest du das etwa witzig? Ich meine, was ich gesagt habe. Das“, sie zeigt zwischen sie beide, um ihren Satz zu unterstreichen. „hätte nicht passieren dürfen. Scheiße... Ich wollte mein Leben auf die Reihe bekommen und nicht einen neuen Faktor hinzufügen, der es durcheinanderbringt.“, entkommt es ihr fauchend, während sie sich die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Es entsteht eine Pause, in der Stille den Raum erfüllt und in der beide ihren Gedanken nachhängen. Viele Menschen würden sich dabei unangenehm fühlen, doch für die zwei ist es fast schon entspannend. Es fühlt sich, ohne es erklären zu können, vertraut zwischen ihnen an. Auch wenn eine gewisse Spannung in der Luft liegt, ändert es nichts daran, dass sie sich wohlfühlen in der Nähe des anderen. Viel eher spürt die junge Frau, dass sie sich sicher fühlt bei Shownu. Dass sie sich fallen lassen kann. Nach so langer Zeit ein fast willkommenes Gefühl. Aber nur fast, denn als sie sich vor Augen führt, wie es beim letzten Mal geendet ist, als sie sich jemanden so hingegeben hat, baut sich ihre Fassade auf und eine Mauer um ihr Herz. Sie bereitet sich darauf vor, den Mann neben ihr nun letztendlich aus ihrer Wohnung zu befördern. Das schlechte Gefühl in ihrem Magen, was sie dabei empfindet, versucht sie zu ignorieren. Entschlossen dreht sie ihren Kopf zur Seite. Doch als sie wieder zu dem Mann schaut, bleiben ihre Augen wie magisch an seinen hängen. Noch bevor sie überhaupt ein Wort herausbringen kann, ist sie wie gefesselt und sofort ist ihr innerer Zwiespalt wieder für sie greifbar.
Es ist, als wäre sein Blick suchend und beobachtend zu gleich. Er kann nicht glauben, dass sie beide nur einer Gefühlsregung hintergejagt sind. Für den Braunhaarigen braucht es mehr als nur einen kleinen Flirt, um mit jemanden zu schlafen. Es mag altmodisch klingen, aber für ihn ist es etwas Besonderes. Etwas, wobei man sich dem Gegenüber öffnet und das macht er nicht mit jeder Frau. Er sucht in ihren Augen nach dem, was sie gestern Abend verbunden hat. Versucht zu verstehen, was hinter Gefühlsausbruch stecken kann.
Und gleichzeitig ist er versucht, keine Regung der jungen Frau zu verpassen, um ja nichts Falsches von sich zu geben. Er möchte es sich nicht mit ihr verscherzen. Ihr das Gefühl geben, dass er sie nicht ernst nimmt oder die Situation ausgenutzt hat. Vorsichtig entgegnet er ihr: „Es tut mir leid. Ich denke, uns beiden ist der Alkohol wohl etwas zu Kopf gestiegen. Mach dir keine Sorgen. Wir können einfach so tun, als wäre gestern nichts passiert.“ Sofort fällt eine gewisse Anspannung von der jungen Frau. Es ist nicht so, dass sie es wirklich vergessen will. Aber es hat in ihrem Leben momentan einfach keinen Platz.
Der Braunhaarige ist ihr gegenüber so einfühlsam. Das ist etwas, was Julyn schon lange nicht mehr entgegengebracht wurde und ehrlicherweise hätte sie es auch gar nicht von ihm erwartet. Aber scheinbar hat Shownu doch ein Gespür dafür, wenn es darauf ankommt. Und gerade jetzt ist sie unfassbar dankbar dafür. Dankbar, dass er ihr diesen Ausweg gibt. Einen Ausweg aus ihrem inneren Zwiespalt. Denn ihr Kopf sagt, dass Shownu so schnell wie möglich verschwinden soll. Doch ihr Herz oder ihr Gefühl sagt ihr, dass sie möchte, dass er bleibt. „Danke. Ich... Das wäre wirklich gut. Pass auf. Ich mache dir einen Kaffee, danach verschwindest du und wir sehen uns nie wieder, okay?“ Dass sie bei ihrem letzten Satz ein unangenehmes Ziehen verspürt, lässt sie sich nicht anmerken und auch nicht weiter an sich herankommen.
Sie steht zu dem, was sie gesagt hat. Eine Beziehung, egal in welcher Form, hat derzeit keinen Platz in ihrem Leben. Denn auch wenn es nur Sex ist, macht dieser in der Regel das Leben trotzdem kompliziert.
Sie ist felsenfest davon überzeugt, hinter dieser Aussage zu stehen und doch treffen sie die nächsten Worte unverhofft. „Kaffee klingt sehr gut. Aber ich würde dich trotzdem gerne wiedersehen. Du klangst gestern so, als könntest du einen Freund gebrauchen. Das ist alles. Ich respektiere, was du gesagt hast. Aber als Retter in der Not kann ich dich in deiner jetzigen Lage doch nicht alleine lassen. Ich kann gut zuhören.“, sagt Shownu ehrlich. Und mit einem Schalk kann er sich nicht verkneifen, auf gestern anzuspielen. Auf die Gespräche, die sie geführt haben und dass sich dadurch eine lockere und lustige Stimmung zwischen ihnen aufgebaut hat. Und gleichzeitig das Gefühl, dass sie sich auf gewisse Art und Weise aufeinander verlassen können.
Julyn ist still. Im ersten Moment ist sie geschockt und schaut den Braunhaarigen mit großen Augen an. 'Kann ich seinen Worten wirklich trauen?' Doch als er ihrem Blick nicht ausweicht, sondern weiterhin ausstrahlt, dass er seine Worte ernst meint, wird ihr Gesicht grüblerisch. Sie nimmt sich Zeit, darüber nachzudenken und auch den gestrigen Abend noch mal durchzugehen. Sie kann nicht bestreiten, dass sie sich bei Shownu wohlgefühlt hat. Dass er ihr das Gefühl gegeben hat, ganz sie selber sein zu können. Dass sie zusammen Spaß haben können, ohne sich dabei verstellen zu müssen. Dass sie nicht aufpassen muss, was sie sagt, sondern einfach ihre Meinung kundgeben kann. Etwas, was ihr so lange gefehlt hat.
Der jungen Frau entkommt ein Seufzen. „Ich kann nicht leugnen, dass der gestrige Abend sehr schön war. Die Aufmerksamkeit, die du mir entgegengebracht hast, war in dem Moment fast schon zu schön, um wahr zu sein. Nach all dem, was mit meinem Ex passiert ist, war es schön, mal jemanden zu haben, der sich für einen interessiert. Der einem das Gefühl gibt, dass man wertgeschätzt wird. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich mein Leben erst mal wieder auf die Reihe bekommen muss. Wieder zu mir selber finden muss. Ich kann es mir nicht leisten, mich davon ablenken zulassen.“, gibt sie klar von sich, obwohl sie mittlerweile das Gefühl hat, dass sie sich bezüglich Shownu selbst etwas vormacht. Dass sich irgendetwas in ihr zu dem jungen Mann hingezogen fühlt. Dass er etwas in ihr zum Vorschein bringt, was sie verloren glaubte und es für sie so einfach macht, mit ihm zu reden. Etwas, das dieser mit seinen nächsten Worten unterstreicht. „Was ist, wenn ich dich gerne kennenlernen möchte? Als Freundin. Ich weiß, wir wissen nicht wirklich viel über den anderen, aber ich würde das gerne ändern. Der Abend gestern hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch schon vor dem Sex. Die Gespräche mit dir waren schön und ich würde dich sehr gerne wiedersehen. Vielleicht einen Kaffee trinken, einen Film gucken oder eine Runde im Park spazieren gehen. Ganz ungezwungen. Nur als Freunde. Das hier muss nichts bedeutet haben.“ Bei diesem Satz zieht sich sein Herz unangenehm zusammen. Es klingt falsch, das zu sagen und es fühlt sich auch genau so an. Wie eine Notlüge, ein Rettungsanker, um in ihrer Nähe bleiben zu können, aber sie nicht zu überfordern.
Er kann absolut verstehen, was die Braunhaarige meint. Auch wenn er sie noch nicht wirklich kennt, sieht er, dass sie mit sich beschäftigt ist. Und auch von dem, was sie von sich gibt, macht es absolut Sinn, dass sie Zeit für sich braucht. Aber nichtsdestotrotz möchte er sie damit nicht alleine lassen. Und wenn er nur als Freund für sie da sein kann. Doch immerhin kann er sich dann sicher sein, dass sie so etwas wie gestern nicht noch mal macht. Denn wenn man darüber nachdenkt, dann hätte es ganz anders ausgehen können. Es hätte gefährlich werden können, wenn der Typ sie weiterhin belästigt hätte oder ihr womöglich bis nach Hause gefolgt wäre.
Er kann es sich nicht erklären, aber er spürt ein starkes Bedürfnis, sie beschützen zu wollen. Alles Schlechte von ihr wegzuhalten und an ihrer Seite da zu sein, wenn sie ihn braucht.
Schweigend überlegt die junge Frau. Sie möchte daran festhalten, dass sie momentan niemanden in ihrem Leben braucht. Aber sie merkt immer mehr, wie sehr sie sich damit belügen würde. Denn der Gedanke, jemanden zu haben, der Junmo nicht kennt, lässt alles etwas leichter werden. Dass es jemanden gibt, der sie sieht und nicht die Fassade, die ihr Ex-Freund aufgebaut hat. All ihre Freunde haben sich von ihm blenden lassen. Genau wie sie selbst es auch getan hat.
„Vielleicht hast du recht. Es könnte guttun, jemanden zum Reden zu haben.“, lenkt sie letztendlich ein. Erleichterung breitet sich in Shownus Körper aus. „Das höre ich gerne. Was hältst du davon, wenn wir zusammen frühstücken gehen? Ich habe gestern Abend gesehen, dass es nicht weit von hier eine Bäckerei gibt.“, schlägt Shownu vor.
Wie aufs Stichwort knurrt der Magen der jungen Frau und beiden entkommt ein Lachen. „Das klingt nach einem guten Plan. Ich springe nur kurz unter die Dusche.“, sagt Julyn, ehe sie sich aus ihrem Kleiderschrank neue Kleidung sucht und dann im Badezimmer verschwindet. Doch bevor sie aufsteht, greift sie nach einem Shirt, das auf einem Stuhl neben dem Bett liegt und streift es sich über. Shownu richtet derweil seinen Blick zur Decke. Er möchte nicht, dass sie sich unwohl fühlt. Außerdem haben sie beschlossen, dass sie nicht über die freundschaftliche Basis hinaus gehen, da wäre ist nicht förderlich, wenn er sie beobachtet, wie sie halb nackt durch das Zimmer spaziert. Das es ihm aber alles andere als einfach fällt, muss er ja nur mit sich selbst ausmachen.
 
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