Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Champ Time

von Alona
GeschichteDrama, Romance / P6 / Het
14.09.2021
03.10.2021
18
44.305
3
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.09.2021 3.043
 
Das scharfe Curry kochte auf dem Feuer und gab eine angenehme Wärme ab, die man in den Kronen-Schneelanden, besonders an frostigen Abenden wie diesen, wirklich gut gebrauchen konnte. Wir befanden uns weit abseits jeglicher Städte, versteckt zwischen Bäumen, um einigermaßen vor den schneidenden Winden geschützt zu sein. Da konnte ich meine Pokémon bedenkenlos umherrennen und spielen lassen, ohne befürchten zu müssen, dass sie aus Versehen jemanden belästigten. Zamazenta lag friedlich auf seiner Decke, Silembrim stand daneben, bewegungslos wie eine Statue, Feelinara saß neben dem Kessel, während die anderen drei Pokémon aufgeregt herumliefen. Besonders Liberlo war noch voller Energie, rannte von der einen Ecke des Camps zur anderen und wieder zurück, während er immer wieder einen Pfiff ausstieß.
Ich lächelte über diesen Anblick, auch als Liberlo versuchte, Dedenne wie einen Ball zu treten – nur um jedes Mal an einem kleinen elektrischen Schock zu scheitern. Die kleine Elektromaus blinzelte darüber lediglich und sah Liberlo verwirrt an, während dieser herumhüpfte, um sich zu beruhigen.
»Dedenne ist kein Fußball«, mahnte ich. »Wann lernst du das endlich, Liberlo?«
Er sah mich zerknirscht an, wirkte im nächsten Moment aber schon wieder erleichtert und setzte sein Jogging fort. Seine überragende Energie erstaunte mich selbst nach acht gemeinsamen Jahren. Liberlo konnte von Glück reden, dass Dedenne nicht zu verstehen schien, dass es für ihn wie ein Ball aussah. Vielleicht wäre ihre Bindung dann nämlich nicht ganz so eng.
Knirschender Schnee lenkte meinen Blick nach rechts. Noch bevor ich sah, wer sich uns da näherte, hörte ich seine erschöpfte Stimme: »Es ist gar nicht so leicht, euch zu finden, wenn man mal Zeit mit euch verbringen will. Konntet ihr nicht irgendwo in der Naturzone trainieren?«
Hop trat zwischen den Bäumen hervor und wischte sich den herabgefallenen Schnee von seiner Jacke.
»Schön, dass du es dennoch geschafft hast«, sagte ich lächelnd.
Er erwiderte mein Lächeln, einen Arm in die Hüfte gestemmt. Er hatte sich kaum verändert in den letzten Jahren, deswegen sah er mindestens zwei Jahre jünger aus. Ich wusste allerdings, dass seine Erfahrung und sein Wissen über Pokémon inzwischen weit mein Level überstiegen hatten. Wir waren in all der Zeit immer noch Freunde und Rivalen geblieben – wobei meine Rivalität mit Delion, dem Ex-Champ, doch etwas intensiver war, seit ich dessen Titel geklaut hatte.
»Du kommst gerade rechtzeitig«, erklärte ich. »Das Essen ist gleich fertig.«
»Gut, ich bin nämlich echt hungrig.« Er massierte mit einer Hand seine Schulter und kniff ein Auge zusammen. »Ich verstehe echt nicht, warum du hier draußen trainieren musst. Wahrscheinlich hat doch eh kein Challenger eine Chance gegen dich.«
»Das hat Delion vermutlich auch gedacht, bevor ich gewonnen habe.«
Wobei einige Umstände in den Tagen zuvor dazu geführt hatten, dass er nicht in seiner besten Form gewesen war. Ich hoffte, irgendwann wäre es einmal soweit, dass er und ich uns auf unseren Höhepunkten gegenüberstanden – und dann war ich bereit.
Mein Wolly hüpfte auf Hop zu und sah ihn fordernd an. »Woll!«
Lachend tätschelte er das Pokémon. »Du hast es immer noch nicht entwickelt?«
»Das werde ich auch nicht.« Ich beugte mich ein wenig hinunter, Wolly wandte sich mir zu, um mir in die Augen zu sehen. »Ich finde, Wolly ist viel zu niedlich, um es zu entwickeln.«
Mit einem begeisterten Ausruf stimmte es mir zu. Dann wandte es sich erneut an Hop, um ein weiteres »Woll!« auszustoßen.
Da begriff Hop, was es von ihm wollte. »Oh, natürlich, wie konnte ich das vergessen?«
Er warf zwei seiner Pokébälle, aus denen Zwollock und Zacian erschienen. Aufgeregt hüpfte Wolly um das gehörnte Zwollock herum, das vollkommen unbeeindruckt von der Bewunderung seiner Vorentwicklung blieb. Zacian dagegen lief langsam zu Zamazenta hinüber. Die beiden tauschten einen Blick, sowie einen leisen Ruf, dann legte Zacian sich ebenfalls auf die Decke.
Feelinara und die anderen beachteten die Neuankömmlinge nicht. Auch nicht, als Hop sich ein wenig über den Topf beugte, um zu schnuppern. »Hmm, riecht gut.«
Da ich das Gericht seit acht Jahren fast jeden Tag kochte, zweifelte ich nicht daran. Wenn man von kleinen misslungenen Experimenten absah, hatten sich auch meine Pokémon noch nie beschwert.
»Was macht deine Arbeit bei Sania?«, fragte ich, während ich im Curry rührte.
»Da läuft es echt gut. Sania hat jetzt eine Theorie, was für die Regionalformen verantwortlich sein könnte.«
Neugierig sah ich ihn an, doch er lachte nur. »Wenn du das wissen willst, musst du ihr nächstes Buch kaufen. Sie signiert es dir auch.«
»Dann bin ich schon mal gespannt.«
Der sich weiter ausbreitende Geruch des Currys lockte nun auch Dedenne, Liberlo und Silembrim an. Wie ein vorbildlicher Pokémon-Trainer und Gastgeber, gab ich zuerst Zacian und Zwollock je eine Portion, bevor meine eigenen Pokémon ihre bekamen, und schlussendlich auch Hop und ich versorgt waren und wir uns setzen konnten.
Zacian, Zamazenta, Feelinara und Silembrim aßen ihr Curry so würdevoll es ihnen als Pokémon möglich war – während alle anderen das Essen regelrecht verschlangen und dabei für einiges an Unordnung und verklebtes Fell sorgten. Alle bis auf Zwollock, der missbilligend schaute und sich schließlich mit einem »Zwol!« Gehör verschaffte. Wolly, Liberlo und Dedenne hielten inne und sahen Zwollock an. Es schnaubte, dann meckerte es vor sich hin, bis die anderen drei ergeben die Köpfe hängen ließen. Als sie dann weiteraßen, geschah das weitaus gesitteter als zuvor.
Ich lachte leise. »Hast du Zwollock so gut erzogen?«
Grinsend schüttelte Hop mit dem Kopf. »Das war meine Mutter. Sie meinte, wenn er als Familienmitglied gesehen wird, muss er auch ähnliche Tischmanieren vorweisen.«
»Darauf hätte ich auch kommen sollen.« Aber ich hatte ihnen nur Kampftechniken beigebracht und sie einem Ausdauertraining unterzogen. Immerhin war das wichtiger für mich.
Wir aßen schweigend weiter. Aufgrund unserer vollen Terminkalender hatten wir inzwischen selten Zeit, mal so beieinander zu sitzen. Es war kein Vergleich zu damals, als wir die Arena-Challenge begonnen hatten und öfter Gelegenheit zum gemeinsamen PokéCamping fanden. Ich vermisste diese Tage ein wenig, besonders weil eine bestimmte Person so oft im Fernsehen gewesen war.
»Wie geht es Delion?«, fragte ich nach einigen Bissen beiläufig.
Hops Schmunzeln war mir fast zu neckisch. »Sollte ich das nicht eher dich fragen? Er hat mir erzählt, dass ihr ziemlich oft telefoniert.«
Typisch Delion, vor seinem Bruder schien er nichts verbergen zu können. Ich schnitt eine Grimasse. »Na ja, man sollte mit seinem Rivalen im Kontakt bleiben, oder?«
Jedenfalls hatte Delion mir gegenüber einmal betont, dass er an mir wachse, selbst wenn er verlor. Ich nahm ihm dennoch nie ab, dass er deswegen nicht sauer auf mich war, auch nicht nach unserem offenen Gespräch darüber. Oder vielleicht gerade wegen diesem Gespräch.
»Meistens reden wir daher nur darüber, was wir mit unseren Pokémon erreicht haben, nicht aber, wie es uns geht.«
Hop zweifelte deutlich an meinen Worten, aber ich musste ihm ja nicht alles erzählen. Was Delion und ich abseits unserer Karrieren besprachen, ging nur ihn und mich etwas an.
Zum Glück zeigte er keine weitere Neugier und wechselte stattdessen das Thema, nachdem er sich umgesehen hatte: »Werden das die Pokémon sein, mit denen du am Finale teilnimmst?«
»Nicht alle.« Ich nickte zu Zamazenta hinüber. »Ich möchte keine legendären Pokémon einsetzen. Das erscheint mir nämlich unfair und … unpassend.«
Hop sah ebenfalls zu Zamazenta, als er mir zustimmte. »Sie haben Galar gerettet, zweimal schon. Da wäre es echt seltsam, sie an einem ordinären Turnier teilnehmen zu lassen, auch wenn das für Trainer das Größte ist.«
Danach beantwortete ich seine Frage, indem ich auf Liberlo, Dedenne, Feelinara und Silembrim deutete. »Die vier werden auf jeden Fall dabei sein. Bei den anderen denke ich noch nach.«
Das Team sollte ausgeglichen sein, deswegen fehlten mir noch Wasser und vielleicht Pflanzen oder Käfer oder sogar Stahl. Wolly war gerade hier, weil er einfach flauschig war, und besonders beim PokéCamping in der frostigen Wildnis war es super-angenehm, sich an ein Wolly zu kuscheln.
»Du findest bestimmt noch die richtige Mischung«, sagte Hop. »In Score-City ist man schon ganz aufgeregt über den diesjährigen Champ-Cup. Ich hab es nicht mitverfolgt, weil es zu viel zu tun gab, aber bei den Arena-Challengern soll dieses Jahr ein echt außergewöhnlicher Trainer dabei sein.«
Ich hatte es tatsächlich auch nicht verfolgt. Nicht nur wegen des Trainings, ich ließ mich auch gern überraschen und wollte nicht Gefahr laufen, Sympathien für einen Challenger zu entwickeln und dann vielleicht meinen Kampfwillen zu verlieren. »Mir würde es schon genügen, wenn ich dieses Jahr nicht gegen Roy kämpfen müsste. Letztes Mal hat mir gereicht.«
In seinem wahnwitzigen Versuch, allein durch Wettereffekte einen Vorteil für sich zu erzielen, waren seine Sandstürme noch stärker und vor allem dichter geworden. Um überhaupt wieder etwas sehen zu können, war ich gezwungen gewesen, mein Alola-Vulpix mit Hagelwarnung in den Kampf zu schicken. Am Ende hatten seine großen Drachen also gegen mein kleines Vulpix verloren, das mir geschenkt worden war – und gegen den Hagel. Selbst schuld.
»Roy ist nur ein wenig sauer, weil du Delion vor ihm geschlagen hast«, erwiderte Hop. »Ihm lag echt viel daran.«
In seiner Rolle als Assistent von Sania kam er öfter mit den verschiedenen Arenaleitern in Kontakt. Außerdem vertraute Roy ihm als Delions kleinen Bruder sicher noch etwas mehr als mir.
Ich hob die Schultern ein wenig. »Ich hatte nur Glück.«
Skeptisch hob er eine Augenbraue. »Im Kampfturm auch?«
Darüber dachte ich lieber nicht nach. Delions unterdrückter Ärger nach jeder Niederlage, sowie sein verstecktes Gesicht hinter seiner Kappe stach mir selbst in meiner Erinnerung noch immer direkt in die Brust.
»Ich glaube, Delion hatte ein paar Probleme mit seinem Selbstbewusstsein«, sagte ich. »Das muss auf seine Performance geschlagen haben.«
Das glaubte er mir als Delions Bruder natürlich nicht. Hop hatte immer zu ihm aufgesehen, selbst nach seiner Niederlage gegen mich, da existierte für ihn kein Delion, der irgendwelche Probleme mit seinem Selbstbewusstsein hatte. Deswegen ging er auch nicht darauf ein.
»So oder so«, sagte Hop schließlich, »wird es bestimmt wieder aufregend.«
Genau das war der Punkt, über den ich mit ihm reden wollte. Ich stellte meinen leeren Teller beiseite und legte die Hände auf meinen Oberschenkeln ab. »Ehrlich gesagt fände ich es aufregender, wenn wir die Regeln ändern würden – und wenn es nur für den Champ-Cup selbst wäre.«
Nachdenklich neigte er den Kopf. »Solltest du das nicht mit dem Liga-Präsidenten besprechen?«
»Ja, aber zuerst wollte ich hören, was du davon hältst.« Ich brauchte unbedingt noch eine andere Meinung eines Trainers, aber dafür wollte ich keinen Arenaleiter dazuholen. »Ist das okay für dich?«
»Klar«, sagte er lächelnd. »Erzähl doch mal.«
Ich zog die Beine an meinen Körper und schlang die Arme darum. Während ich ins Feuer starrte, das mich so sehr an Delions Glurak erinnerte, begann ich mit meiner Erklärung: »Delion sagte, er wünscht sich, dass Trainer aneinander wachsen. Deswegen bat er mich damals, deine Rivalin zu werden, damit du fokussierter wirst.«
Hop dachte einen Moment darüber nach, dabei tippte er mit dem Löffel gegen seine Unterlippe. Sein Teller war bereits leer, aber er hielt ihn immer noch fest. »Stimmt. Ich habe viel durch das Beobachten von Delions Kämpfen gelernt – aber die meiste Erfahrung habe ich gesammelt, wenn wir mit- oder gegeneinander gekämpft haben. Und ich war ziemlich ehrgeizig, immer gleichauf mit dir zu bleiben.«
»Ich bin auch froh darum.« Ich lächelte ins Feuer. »Die Rivalität mit dir hat mir geholfen, auf der Spur zu bleiben – und auch einiges zu lernen, besonders was unterschiedliche Strategien anging.«
Hop nickte andächtig. Wir schwiegen beide für einen Moment.
Inzwischen beendeten auch die Pokémon ihr Essen, das ihnen geschmeckt haben musste, wenn ich die glücklichen Gesichter betrachtete; Wolly hüpfte wieder um das sitzende Zwollock herum, während Liberlo, Feelinara und Dedenne sich satt zusammengekuschelt hatten. Lediglich Zamazenta, Zacian und Silembrim ließen sich nichts in ihrer Eleganz anmerken. Ich war immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich diese Wesen sein konnten.
Hop lenkte seine Aufmerksamkeit auf mich: »Also, was genau möchtest du ändern?«
Nun kam es darauf an, die Idee zu vermarkten. Ich atmete tief durch, ehe ich anfing: »Ich habe mir überlegt, dass im Champ-Cup nur noch Paar-Duelle stattfinden sollten. Damit will ich die Challenger darin bestärken, sich untereinander kennenzulernen, miteinander zu kämpfen, aber auch gegeneinander, um herauszufinden, wer einen ergänzt oder einem hilft, seine Strategien zu verbessern.«
Zu meiner Freude brauchte Hop nicht lange, um zu verstehen, was ich damit auch bezwecken wollte: »Du willst also, dass die Kämpfe im Cup noch spektakulärer werden?«
»Genau~.« Die Zuschauer würden es lieben, zwei Trainer anfeuern zu können. »Aber ich denke auch wirklich, dass die Paar-Duelle das Mittel sein könnten, um allen zu mehr Stärke zu verhelfen.«
Plötzlich grinste Hop mich an. »Delion wird es bestimmt gefallen, dass gerade du seine Idee weiterführen willst.«
Ich konnte die in mir aufsteigende Hitze kaum verbergen und hoffte lediglich, dass es in der Dunkelheit nicht zu sehr auffiel. »Dann meinst du, ich sollte mit ihm darüber sprechen?«
»Aber klar! Ihr werdet dann nur noch Details klären müssen. Zum Beispiel, wie das mit der Champ-Rolle aussehen wird.«
Ich erklärte ihm, dass ich mir vorstellte, dass das Siegerpaar zusammen Champ sein würde, um sich die Verantwortung und auch die Pflichten zu teilen. In Galar, wo wir die zwei Prinzen als Helden verehrten – oder eben die zwei legendären Pokémon – empfand ich diese Regel als sinnvoll »Jeder Champ hätte so außerdem genug Zeit für seine Familie.«
Gerade Hop, der so lange auf seinen Bruder hatte verzichten müssen, müsste das verstehen, dachte ich – und ich hatte recht: Er nickte enthusiastisch. »Eine wirklich gute Idee. Wenn du die nicht vorbringen willst, übernehme ich das.«
»Danke, Hop.« Meine Wangen brannten immer noch vor Freude und Erleichterung. »Deine Begeisterung ist genug, um mich dazu anzuspornen. Ich werde es ihm sagen, sobald ich das nächste Mal mit ihm telefoniere.«
»Das wird sicher bald sein~.« Hop zwinkerte mir zu, dann stand er auf.
Wieder den Arm in die Seite gestützt, sah er auf mich herunter. »Ich muss dann mal los, bevor es zu spät wird. War aber toll, dich zu sehen, das sollten wir öfter machen.«
»Nach dem Finale?«, bot ich an.
»Ja, da sollte auch Sanias Buch draußen sein, ich kann dir dann direkt eines mitbringen. Ruf mich einfach an, wenn du Zeit hast. Hoffentlich bist du dann aber in einer Gegend, in der man dich auch leichter findet.«
Ich lachte und bedankte mich noch einmal bei ihm. »Sei vorsichtig, wenn du nach Hause gehst.«
Inzwischen war es wirklich dunkel geworden, und in der Nacht trieben sich noch einige ziemliche fiese Pokémon hier herum. Glücklicherweise hörte man sie im hohen Schnee ziemlich früh und konnte ihnen deswegen ausweichen oder sie vorher angreifen. Aber warum machte ich mir überhaupt Gedanken? Hop kannte sich inzwischen besser mit wilden Pokémon aus als ich.
»Klar.« Er zog sein Handy aus der Tasche. »Ich rufe mir ein Krarmor-Taxi. Zwollock, Zacian?«
Die angesprochenen Pokémon erhoben sich direkt, um sich ihm anzuschließen. Zamazenta stieß einen leisen Schrei aus, der von Zacian erwidert wurde. Wolly verabschiedete sich mit einem traurigen Ruf, der von Zwollock mit einem ernsten »Zwol« erwidert wurde. Es dauerte einen kurzen Moment, in dem die beiden sich nur ansahen, aber dann nickte Wolly und kehrte zu mir zurück. Ich tätschelte seinen Kopf, um es zu trösten und dafür zu loben, dass es sich so sehr zusammenriss.
»Danke für das Essen«, sagte Hop noch in meine Richtung, während er davonging. »Und grüß meinen Bruder von mir.«
Sein Grinsen war das letzte, was ich sah, bevor er zwischen den Bäumen verschwand, so wie er zuvor aufgetaucht war.
Ich seufzte leise und schüttelte meinen Kopf. »Was denkt er eigentlich von mir?«
Aber mein Gesicht fühlte sich schon wieder dermaßen heiß an, dass ich es am liebsten mit etwas Schnee abgekühlt hätte. Alternativ hätte ich gern sofort mit Delion telefoniert – aber was würde er denken, wenn ich ihn um diese Zeit noch anrief? Nein, das müsste ich auf morgen verschieben.
Und es gab nur eine Sache, die helfen würde, dass es früher morgen wurde.
Ich löschte das Feuer, schaufelte etwas Schnee auf die Asche, um sicherzugehen, dass keine Funken übrig blieben. Dann stand ich auf und öffnete das Zelt. Ich ließ den Blick über meine Pokémon schweifen. »Okay, meine Süßen, wir gehen jetzt schlafen. Morgen steht uns ein anstrengender Tag bevor.«
Wolly hüpfte demonstrativ ins Zelt hinein, gefolgt von Feelinara, nachdem sie herzhaft gegähnt hatte. Liberlo erhob sich und schlurfte ebenfalls hinein, mit einem müden Dedenne, das sich an sein Bein klammerte. Zamazenta und Silembrim rührten sich nicht vom Fleck. Aus irgendeinem Grund schliefen die beiden lieber draußen, selbst in der Kälte – vielleicht wollten sie Liberlos seltenen Schlaf-Tritten ausweichen oder sie bevorzugten es einfach, im Freien zu bleiben. Ich zwang sie jedenfalls nicht dazu, sich uns anzuschließen.
»Ihr passt heute also wieder auf uns auf, ja?«
Beide sahen mich an, aber nur Zamazenta neigte ein wenig den Kopf, was ich als ein Nicken verstand.
»Danke, ihr Lieben.«
Damit fühlte ich mich auch nachts sicher genug, um in Ruhe zu schlafen. So wie Liberlo, Dedenne und Feelinara, die sich auch im Zelt aneinander kuschelten; die kleine Elektromaus schnarchte leise, während Liberlos Füße, auf denen Feelinara schlief, nervös zuckten. Lediglich Wolly lag direkt neben meinem Schlafsack, damit ich es zum Schlafen in die Arme nehmen konnte.
Ich zog die Schuhe aus, ehe ich mich hinlegte. Dank der Anwesenheit von vier Pokémon war es angenehm warm im Zelt, und mit ihnen fühlte ich mich zu Hause, obwohl wir irgendwo in den Kronen-Schneelanden waren. Es gab nur eines, was ich vermisste. Um dem zumindest ein wenig Abhilfe zu schaffen, holte ich mein eigenes Handy hervor und ließ das Display aufleuchten. Das Bild darauf zeigte mich und Delion, nachdem ich den Champ-Titel errungen und er mir sein Cape um die Schultern gehängt hatte. Es war das einzige Bild, auf dem wir beide zusammen waren und auch lächelten. In jenem Moment hatte ich ihm geglaubt, dass er glücklich darüber war, dass ich Galar in eine neue Zukunft führen würde. Alles war gut gewesen – und ich hoffte, dass es noch einmal so käme.
Morgen werde ich ihn anrufen. Ganz bestimmt.
Das Display wurde wieder dunkel. Ich seufzte leise, steckte das Handy ein und rückte näher zu Wolly, um es in die Arme zu nehmen. Der vertraute Geruch half meinem Herzen, sich zu beruhigen. Ich schloss die Augen und atmete noch einmal tief durch, ehe ich mich ganz dem Schlaf hingab, damit ich so bald wie möglich mit Delion telefonieren könnte.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast