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Klassenfahrt

von Nimue1979
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
14.09.2021
06.06.2022
69
77.534
23
Alle Kapitel
90 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.03.2022 1.525
 
Nacht 7
Bobs Sicht


Ich unterhielt mich ein wenig mit Brian, bis Tom uns allen eine Gruselgeschichte erzählte. Tom hatte wirklich eine sehr fesselnde Art zu erzählen und obwohl ich da viel gewöhnt bin, hatte ich eine leichte Gänsehaut. Und dann war Tom fertig mit erzählen, wir standen auf einer Wegkreuzung und Hannah war verschwunden. Das war also der Startschuss.

So ein bißchen war uns bereits klar was nun kommen würde. Tom instruierte uns und schickte dann Katie und Brian los, während wir zehn Minuten warten sollten. Wir standen zu viert zusammen und überlegten, wie wir uns wohl aufteilen sollten. Tom grinste die ganze Zeit amüsiert vor sich hin und gab die Lösung aber erst nach Ablauf der zehn Minuten preis, als er mich und Mia losschickte.

Wir liefen mit unseren Taschenlampen einen dunklen Waldweg entlang. Für mich war so etwas Routine, doch nicht für Mia. „Hast du wirklich gar keine Angst?“, fragte sie mich unsicher mit dünner Stimme.

„Nein, Mia. Ich habe sowas schon oft gemacht. Hier ist niemand der nicht zu unserer Gruppe gehört in der Nähe. Es gibt keinen Grund Angst zu haben“, versicherte ich ihr.

„Wir sind hier allein in einem dunklen Wald“, sagte Mia mit sichtbarem Unbehagen und blieb stehen, während sie mit der Taschelampe einen Busch am Wegrand beleuchtete.

„Würde es die helfen, wenn ich dir meine Hand gebe?“, bot ich ihr an.

Mia sah verlegen aus und nickte nur zur Antwort. Ich ergriff ihre Hand und lief mit ihr gemeinsam weiter. Irgendwie erinnerte mich das an Peter früher. Er war auch immer so steif und kaltschweißig gewesen wenn wir im Dunkeln irgendwas erkundet hatten. Ich lächelte ihr zuversichtlich zu und irgendwie schien es Mia genauso wie Peter immer zu helfen. Um sie besser noch abzulenken, fing ich mit ihr ein belangloses Gespräch an. Ich wusste bisher überhaupt nicht, daß sie Bowling spielte, also so richtig in einer festen Mannschaft, die an Turnieren teilnahm.

Wir kamen an eine Höhle und fanden zwei Briefumschläge, einer davon war mit unseren Namen beschriftet. Ich gab ihn Mia um ihn zu öffnen, um sie weiterhin von ihrer Angst abzulenken. Die Anweisungen waren klar und fast alle anderen hatten es bereits auch schon geschafft, für Mia war es dennoch eine Überwindung zunächst die Höhle zu betreten. Sie hatte auch große Angst sich zu verirren, also liefen wir zunächst immer geradeaus bis wir ziemlich schnell wieder auf der anderen Seite draußen waren ohne den roten Luftballon gesehen zu haben.

Dennoch gab dieses erste durchqueren Mia etwas Mut. Wir bogen nun auf dem Rückweg  in die erste Abzweigung ein. Nach nur wenigen Metern endete diese. Das Einzige was hier war, war eine Holzleiter. Von Luftballons ganz gleich welcher Farbe gab es keine Spur. Wir gingen also zurück zum Hauptgang und versuchten es mit der nächsten Abzweigung und hier fanden wir eine Höhle in der zwei Luftballons unter der hohen Decke schwebten. Ein Roter und ein Weißer und darunter lagen auf dem Boden die Fetzen eines blauen Luftballons.

„Wie kommen wir da hoch?“, fragte ich Mia, um sie miteinzubeziehen, ich hatte gleich mehrere Ideen.

„Da hinten stand eine Leiter“, antwortete Mia und sah mich nach Bestätigung fragend an.

„Gute Idee , so machen wir es“, stimmte ich mit einem Nicken und einem Lächeln zu.

Die Leiter war schnell geholt, doch sie stellte sich als zu kurz heraus, die Luftballons waren zu weit von der Wand entfernt, um sie von dort aus zu erreichen und den Versuch, daß ich die Leiter sicherte, während sie an ihr hochkletterte, brach ich frühzeitig an. Dafür war ich nicht stark genug und ich hatte Angst, daß wir uns beide so verletzen würden, wenn mir die Kraft ausging. Dafür hatte ich eine neue Idee, zusammen mit Mia hob ich die Leiter so hoch, daß wir den roten Luftballon erreichten. Eigentlich wollten wir ihn bis zur Wand schubsen und ihn dort runterholen. Doch scheinbar quetschte wir ihn an der rauhen Höhlendecke ein und er zerplatzte bereits auf halben Weg.

Etwas rosanes fiel zusammen mit den roten Fetzen zu Boden. Ich bückte mich, um es aufzuheben. Es war eine rosane Feder an einer Haarklammer.

„Oh nein, nicht rosa. Ich trag nichts rosanes!“, beschwerte sich Mia davon genervt.

„Rosa ist auch nur eine Farbe“, entgegnete ich und bevor sie etwas darauf erwiderte, steckte ich mir einfach kurzerhand selbst die Klammer ins Haar.

Mia sah mich etwas entgeistert an und fragte mich: „Hast du keine Bedenken, daß dich jemand als schwul bezeichnet, wenn er dich so sieht?“

Ein wenig flau wurde mir durch ihre Worte, das hatte ich in dem Moment gar nicht bedacht. Doch nach einer Sekunde schob ich den Gedanken ärgerlich beiseite. Energisch stellte ich klar: „Wir sind doch nur eine kleine Gruppe und jeder kennt diese Aufgabe. Bei Brian bin ich mir ziemlich sicher, daß er sowas nicht macht und Jeremias - mit ist es egal was Jeremias von mir denkt!“

Mia schaute kurz nachdenklich, sagte aber nichts und wir gingen weiter. Wir nahmen die Leiter mit, um es Jeremias und Lisa nicht leichter zu machen, als wir es hatten und verließen dann die Höhle wieder.

Weiter ging es einen Waldweg entlang, bis wir zu einem breiten, aber sehr flachen Bach kamen. Auf unserer Seite fanden wir weiße und rote Eimer, auf der anderen Seite standen Blaue. Wir lasen kurz den an uns gerichteten Brief.

Mia griff direkt nach den roten Eimern, doch ich schüttelte den Kopf. „Viel einfacher wäre es, wenn wir einfach Schuhe und Strümpfe ausziehen und auf die andere Seite waten“, schlug ich vor.

„Das Wasser ist aber sicherlich sehr kalt. Ich würde lieber mit den Eimern auf die andere Seite kommen, sofern die mein Gewicht tragen“, meinte Mia.

„Natürlich tragen die dein Gewicht, mag ja sein, daß du keine Modelmaße  hast, aber Jeremias ist mit Sicherheit schwerer als du“, versicherte ich ihr.

„Das ist was anderes. Jeremias ist Footballspieler und-“, wollte sie traurig widersprechen, scheinbar hatte sie da ein echtes Problem.

„Der Eimer macht da keinen Unterschied, er hält ein Gewicht oder nicht“, stellte ich klar.

Mia nickte, stellte sich aber dennoch zur Probe drauf. Natürlich hielt der Eimer ohne Probleme Mias Gewicht. „Ich würde wirklich lieber so drüber kommen“, sagte Mia und sah mich bittend an.

„Wie wäre es mit einem Kompromiss. Ich laufe durchs Wasser und helfe dir mit den Eimern, dann sind wir beide so drüben angekommen, wie es uns lieber ist?“, schlug ich alternativ vor.

Den Vorschlag nahm Mia an. Ich zog mit meine Schuhe und Strümpfe aus, steckte die Strümpfe in die Schuhe und warf sie an die andere Seite, dann half ich Mia mit den Eimern auf die andere Seite kommen. Jetzt konnte ich mir sehr gut vorstellen, was mit Kelly passiert war, nur musste igr Sturz verdammt unglücklich gelaufen sein, daß sie es geschafft hatte sich mehr als nasse Füße zu holen.

Auf der anderen Seite stapelte Mia ordentlich die roten Eimer und stellte sie neben die Blauen, während ich mir meine Schuhe wieder anzog.

Mia reichte mir die Hand, um mir hochzuhelfen und hielt sie dann fest. „Du solltest nicht soviel darauf geben, was andere sagen“, riet ich ihr. „Solange du dich wohl fühlst, ist es ganz egal, daß du keine Modelmaße hast.“

„Danke. Ich weiß das eigentlich anders, aber es ist nicht immer so leicht, daß es einen nicht trifft“, sagte sie, „es stimmt ja, ich habe etwas Übergewicht.“

„Soviel ist das nicht. Du bist auch so nicht weniger hübsch als die Anderen und selbst wenn es viel wäre, ginge das doch keinen davon etwas an“, bestärkte ich sie ein wenig.

Mia lächelte und dann überraschte sie mich mit der Frage: „Und was ist mit dir? Bist du schwul?“

„Wie kommst du darauf?“, fragte ich unbehaglich, weil ich mir irgendwie Zeit verschaffen wollte, bis ich mich zu einer Antwort entschieden hatte.

„Das ist so ein Gefühl von mir. So wie du und Peter... wie locker du das mit der Spange nimmst und die Reaktion auf meinen Kommentar vorhin“, zählte Mia auf.

Kurz überlegte ich noch, dann entschied ich mich und beantwortete ihre Frage: „Ich weiß es selbst nicht so ganz genau.“

„Wie schaffst du es, das so locker zu nehmen? Mich würde das total verunsichern“, sagte Mia und sah mich überrascht an.

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bin etwas unsicher, aber es ist mir dennoch egal, was Andere davon halten. Das geht nur die wenigsten etwas an“, erklärte ich ihr.

„Klingt richtig“, stimmte sie mir zu und dann kamen Hannah, Brian und Katie in Sichtweite und wie beendeten unser Gespräch.

Wir tauschten uns schon etwas aus über die zwei Aufgaben, während wir auf Jeremias, Lisa und zum Schluss noch auf Tom warteten.

Es war deutlich zu spüren, daß sich etwas zwischen uns verändert hatte. Es war normaler, so wie man sich vermutlich eine Klasse vorstellte und nicht der zersprengte Haufen, der wir noch vor einer Woche waren.

Ganz besonders im Zelt war das deutlich. Jeremias, Brian und ich unterhielten uns richtig gut noch zu dritt bis wir einschliefen. Es wurde wirklich täglich spürbar besser. Wie würde das, wenn es so weiterging am Ende der Fahrt sein? War das überhaupt möglich, daß es noch weiter in die Richtung ging?
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