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Klassenfahrt

von Nimue1979
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
14.09.2021
06.06.2022
69
77.534
23
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.02.2022 1.078
 
Tag 7
Peters Sicht


Leise weckte uns Jørn. Wir standen auf, zogen unsere Sporthosen und Schuhe an und Luke nahm noch sein Einrad mit. Zusammen mit Jørn verließen wir so leise wie möglich unser Zelt. Auch Katie kam gerade aus dem Mädchenzelt und auf uns zu.

Katie grüßte uns gut gelaunt und lief direkt los. Sie kannte im Gegensatz zu uns die Strecke bereits von gestern. Es war ein asphaltierter Weg, der in einigen Serpentinen um den Reiterhof und um ein Waldstück herum führte. Es tat richtig gut, den Tag wieder mit etwas Joggen starten zu können. Und danach ging es direkt unter die Dusche.  

Während Luke und Katie schon zum Lagerfeuer gingen, wo es bald Frühstück geben würde, ging ich in das Zelt zurück und wollte Bob wecken. Bob schlief wie gewohnt mit dem Kopf auf seinem Buch. Da nicht Justus mit ihm im Zelt lag, sondern Brian und Jeremias, hielt ich mich etwas zurück und statt mich dazu zu legen und ihn langsam zu wecken, weckte ich die Drei mit einem lauten: „Guten Morgen ihr Schlafmützen!“

Bob drehte sich zu mir und lächelte mich noch total verschlafen an. Bob war wirklich verdammt süß, allein dafür könnte ich ihn küssen, tat es aber gewiss nicht. Die anderen Beiden regten sich schon murrend, vor allem Jeremias klagte, daß das viel zu früh wäre.

Doch die Aussicht auf Frühstück trieb sie alle drei aus ihren Schlafsäcken. Viel länger hätten sie eh nicht schlafen können. Jørn kam zwei Minuten nach mir ins Zelt, um alle auf einmal zu wecken.

Nach dem Frühstück gingen wir wieder ins Zirkuszelt, um weiter zu üben. Sogar Bob kam mit uns mit, weil er für die Reisetagebuchgruppe etwas über uns Schreiben sollte. Ich fand es schön, daß wir endlich wieder etwas zusammen machten. Seit unserem Ritt hierher auf den Zeltplatz, waren wir nur zu den Mahlzeiten zusammen gewesen. Ich zeigte Bob wie ich das mit dem Einrad inzwischen hinbekam und bot ihm an, es auch einmal auszuprobieren.

Und wieder fiel mir auf, wie gut mir das gefiel. Zu gut! Bob war mein bester Freund, aber das war keine Erklärung dafür, wie gerne ich ihn berührte, was sein Lächeln in mir auslöste. Das mir das früher nie aufgefallen war, daß das nicht so ganz normal war... Vielleicht hatte ich den Gedanken abgeblockt, weil ich mich dann schon früher mit meiner sexuellen Orientierung hätte auseinandersetzen müssen, wenn ich mir eingestanden hätte, daß ich für Bob schwärmte.

Ich genoss es sehr und doch rief es Zweifel in mir hervor. Durfte ich jetzt noch so mit Bob umgehen? Jetzt da ich wusste, daß da mehr als Freundschaft auf meiner Seite war... Doch ich schob den Zweifel beiseite, wenn ich jetzt anfing mich anders ihm gegenüber zu verhalten, würde das erst Recht Fragen aufwerfen und bis jetzt war das immer normal zwischen uns gewesen.

Das viele üben, machte hungrig, doch bevor es etwas zum Mittagessen gab, musste unsere Gruppe heute die Sandwiches für alle schmieren. Inzwischen kam aber unsere Gruppe richtig gut miteinander klar und wir unterhielten uns gut gelaunt miteinander. Kelly lachte sogar, über einen Scherz, den ich gemacht hatte. Ich empfand es als eine große Erleichterung, daß wir endlich zu einem normalen Umgang miteinander zurückgekehrt waren.

Zum Essen kam dann auch die Gruppe von Justus von der Nachtwanderung zurück. Am Liebsten hätte ich mich mit ihm darüber unterhalten, darüber wie er die Aufgaben gelöst hatte, doch das ging nicht, weil Bob, Brian und Josh, die bei uns saßen nichts mitbekommen sollten. Das Einzige was er verriet war, daß er zusammen mit Abigail die Strecke gemeinsam gelaufen war.

Nach dem Mittagessen teilten wir uns wieder auf. Bob ging nun zu Hannah in die Reisetagebuchgruppe und ich konnte mich nun voll auf meine eigenen Künste mit dem Einrad konzentrieren. Inzwischen bekam ich das schon ganz gut hin, aber sobald ich auch nur eine Sekunde abgelenkt war, stieg ich unfreiwillig ab. Daran währenddessen zu Jonglieren war überhaupt nicht zu denken und so machten für mich das keinen Sinn. Ich wollte nicht bei der Vorführung nur einmal im Kreis fahren, besonders angesichts dessen, daß Katie, Dean und Luke so verdammt gut waren in ihren Aufgaben.

Ich redete mit Jørn darüber und entschied mich um, ich besann mich lieber auf etwas, was ich bereits richtig konnte: Skaten. Ich drehte ein paar Runden, um ein Gefühl für das neue Skateboard zu bekommen und machte ein paar Sprünge. Das lag mir deutlich mehr und damit würde ich mich definitiv viel wohler fühlen vor den Anderen.

Die letzten Minuten versuchten es auch Katie und Dean mal mit dem Einrad fahren. Dean kam erst gar nicht richtig drauf und gab direkt auf. Katie dagegen hatte es mit Lukes Hilfe schnell raus und als ich die zwei beobachtete, dachte ich an heute Vormittag zurück, als ich Bob dabei geholfen hatte. Ich sollte vermutlich doch das Thema bald ansprechen. Ich musste ihm sagen, was ich empfand und dann hoffen, daß er nicht daraufhin auf Abstand gehen würde. Doch das war trotzdem richtig. Ich sollte nicht warten, bis er es herausfindet und mir dann Vorwürfe machen könnte.

Bob würde heute zur Nachtwanderung aufbrechen. Davor würde ich kochen müssen und er den anderen Zeltplatz beziehen. Ganz sicher würde es heute keine Gelegenheit mehr geben und vielleicht war die Klassenfahrt auch der falsche Rahmen für ein solches Gespräch, denn ich hatte überhaupt keine Ahnung wie Bob darauf reagieren würde, wenn ich ihm sagen würde, daß ich kein Interesse an Mädchen, sondern an anderen Jungen hatte. Ich nahm mir fest vor, nach unserer Rückkehr nach Rocky Beach Bob die Wahrheit zu sagen.

Kochen war gar nicht mein Ding. Es war wie zuhause auch, wenn ich helfen musste, nur in größeren Mengen. Teig kneten, Gemüse schneiden... Und die ganzen Sachen von der Küche zum Grillplatz tragen. Nicht schwierig aber nicht meins.

Dafür war das abendliche Lagerfeuer mit Barbecue und gemeinsamen Spielen eine gute Entschädigung. Mehrmals fiel mir Bobs Blick an diesem Abend auf. Irgendwas irritierte mich daran, als ob was nicht stimmen würde. Hatte sich etwas verändert oder lag es daran, daß ich mir heute vorgenommen hatte mit Bob zu reden und ich Angst hatte, daß sich etwas verändern würde?

Als der Aufbruch kam, griff ich nach Bobs Hand, gab ihm einen flüchtigen Kuss und wünschte ihm viel Spaß bei der Nachtwanderung und im nächsten Moment ärgerte ich mich über mich selbst. Warum hatte ich das getan? Ich verhielt mich total seltsam und auffällig. Was dachte denn Bob jetzt von mir?
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