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Schattentanz

GeschichteAllgemein / P16 / Het
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Geister & Gespenster Kobolde & Feen
13.09.2021
30.11.2021
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25.11.2021 2.853
 
Die ersten Eindrücke überwältigten sie. Die Sonne schien vom fast wolkenfreien Himmel herab. Das grelle Tageslicht war nach der Gefangenschaft in dieser Intensität noch immer ungewohnt und sie brauchte einen Moment, um sich in der abendlichen Sonne und der unbekannten Umgebung zurechtzufinden. Im Wald hatte sie unter den schattigen Bäumen noch etwas Schutz gehabt, doch nun stand nichts mehr zwischen ihr, dem Himmel, der Sonne und den Vögeln, die in weiter Ferne durch die Luft kreisten. Die wärmenden Sonnenstrahlen auf ihrem Kopf, die Düfte der Wiesenblumen, das Vogelgezwitscher, das Plätschern des Wassers...

Sie standen auf einer Lichtung an einem See. Alles um sie herum war ihr vollkommen fremd. Die Landschaft ließ keinen Rückschluss darauf zu, wo auf dieser Welt sie sich befanden. Es musste fern ab von der Zivilisation sein. Weit und breit gab es keine Gebäude, keine Strommasten, keine Wanderwege. Liora bewegte vorsichtig ihre Finger. Unsicher, ob es sich nicht doch um einen Traum handelte.

Sie hatte vollkommen vergessen, wie sie sich anfühlte, keine Wände um sich herum zu haben. Wie die Freiheit sich anfühlte. Sie blinzelte in die Sonne und lächelte dabei. Zum ersten Mal seit ihrer Gefangennahme fühlte sie sich ehrlich erleichtert. Dass sie die Wärme der Sonne noch einmal so intensiv auf ihrem Körper spüren durfte… Sie hätte es nie geglaubt.

Tränen stiegen ihr in die Augen und sie spürte wie ihre Beine nachgaben. Liora sank auf ihre Knie. Von einer Sekunde auf die andere war alles Düstere und Beängstigende vergessen. Ihr launenhafter Retter, die versiegelte Wohnung, die ständige Angst vor dem Folterkeller. Sie lebte und sie konnte noch einmal die spätsommerliche Pracht der Natur erleben. Das saftige Gras, das sie zwischen den Fingern spürte, als sie sich mit den Händen abstützte. Der Wind, der die Tränen auf ihren Wangen trocknete. All die Ängste und seelischen Qualen der letzten Wochen schienen wie ein großer, kalter Stein endlich von ihrem Herzen zu fallen. Minutenlang konnte sie nichts anderes tun, als hemmungslos zu weinen. Sie ließ sich fallen, kauerte sich im Gras zusammen und blieb mitten im Grün liegen.

„Du lebst. Du hast bis zu diesem Moment überlebt und du wirst auch jetzt einen Weg finden, weiterzukämpfen“, versuchte sie sich leise einzureden, als sie wieder zu Atem kam. Ihr Schluchzen wurde leiser. Die Wärme der Sonne tat ihr gut, tröstete sie und so schloss sie die Augen, bemüht, sich zu beruhigen. Einfach nur im Gras liegen, den Duft der Wiese und des Waldes atmen. Die Rufe der Vögel, das Summen der Bienen und das Plätschern des Wassers. Als sie ihre Augen eine gefühlte Ewigkeit später wieder öffnete, bemerkte sie, dass Alexis sich entfernt und es sich am Ufer des Sees auf einem Felsen bequem gemacht hatte. Er beobachtete sie von dort aus mit ausdrucksloser Miene und drehte nachdenklich einen Stein zwischen seinen Fingern.

Liora ließ ihre Hände noch einmal durch das Gras gleiten und seufzte leise. Sie waren sicher nicht ohne Grund hier. Er tat nichts ohne Grund. Vorsichtig erhob sie sich und wischte sich einmal über das Gesicht. Genug getrauert, mehr Schwäche wollte sie sich nicht erlauben. Liora straffte die Schultern und schritt dann langsam zu ihrem Kerkermeister. „Kommen wir ab sofort öfter hier her?“, fragte sie, als sie in Hörweite kam und schließlich neben ihm stehen blieb. „Ja, wir werden diesen wunderschönen Fleck Erde ab sofort regelmäßig besuchen, wenn du es wert bist und es zulässt“, antwortete Alexis. Er betrachtete sie aufmerksam, kommentierte ihren emotionalen Ausbruch jedoch nicht und sie war ihm dankbar dafür.

„Ich nehme an, du hast mich in dieses Niemandsland gebracht, in der Absicht eine Flucht zu verhindern. Du kennst diesen Ort offensichtlich. Ich nicht“, stellte sie sachlich fest und Alexis nickte kurz.

„Das war mein Hintergedanke. Ich hoffe, du gibst mir die Chance in Ruhe mit dir zu reden, bevor du beschließt, einen ersten Fluchtversuch zu wagen.“ Er hob die Augenbrauen und sah sie fragend an. Liora ließ die Schultern hängen und verschränkte die Arme vor der Brust. Alexis deutete dies als Einlenken und richtete seinen Blick wieder auf die Wasseroberfläche. Er drehte den Stein erneut zwischen seinen Fingern.

„In den letzten Tagen waren unsere Gespräche nicht sehr ergiebig. Du bist wach. Wir wechseln ein paar Worte. Nur nichtssagende Floskeln oder Gemeinheiten. Nichts was mir weiterhilft. Alles, was ich über dich in Erfahrung bringen konnte, ist, dass irgendetwas an dir so wichtig ist, dass man bereit ist, dich mehrfach bis kurz vor dein Ableben zu foltern, um dranzukommen. Ich kann allerdings nicht sagen, ob es sich dabei um eine Information handelt, die du besitzt, oder ob du selbst so wertvoll bist. Wenn du erlaubst, würde ich gerne etwas mehr über dich erfahren, um die Situation, in der du dich befindest, besser einschätzen zu können“, sagte er ernst.

„Und was genau möchtest du wissen?“, fragte sie leise, verwundert über das plötzliche Interesse. Hatte er nicht die letzten Tage immer wieder betont, dass er nichts über sie erfahren wollte und absolut neutral an ihren Fall heranging? Woher der plötzliche Umschwung?

„Fangen wir mit dem Wesentlichen an. Dein Geburtsdatum, dein Geburtsort, dein kompletter Name, Details zu deinem Leben vor der Gefangenschaft?“, fragte er knapp. Liora runzelte die Stirn. „Du hast mein Alter in deiner Funktion als Heiler schon richtig eingeschätzt und es reicht, wenn du mich weiterhin Liora nennst. Mein Familienname und meine Herkunft spielen keine Rolle, denn mein altes Leben gibt es nicht mehr. Mich gibt es nicht mehr“, antwortete sie, ohne ihn anzusehen und Alexis akzeptierte es zunächst mit einem leisen Brummen. Er schien nicht diskutieren zu wollen.

„Mag sein, dass du recht hast. Deine Vergangenheit ist genau das... vergangen. Dennoch hast du als Mensch eine Geschichte, die dich geprägt hat. Weißt du, unsere Herkunft spielt immer eine Rolle, denn sie erklärt, warum wir die Menschen geworden sind, die wir heute sind. Ich weiß über dich, dass du fließend Kornisch sprichst. Eine alte keltische Sprache, die nur noch in vereinzelten Teilen von Cornwall gesprochen wird. Deine Heimat befindet sich also mit großer Wahrscheinlichkeit dort im Umkreis“, riet er und warf ihr einen forschenden Seitenblick zu. Etwas an ihrer Miene schien seine Vermutung zu bestätigen, denn er nickte knapp. „Gut, also Cornwall. Du hast dich bisher weder irritiert noch verängstigt gezeigt, wenn es um das Thema Magie geht. Das lässt mich vermuten, dass du in dem Wissen aufgewachsen bist, dass es eine magische Welt gibt. Mehr noch, du beherrschst Magie, auch wenn du es bis auf einen einzigen Moment bisher nicht offen gezeigt hast. Du verzichtest im Alltag völlig darauf. Was bedeutet, dass du entweder noch zu schwach bist oder aus taktischen Gründen versuchst, mich nicht wissen zu lassen, wie gut du im Umgang damit bist“, er ließ seine Aussage so stehen und sie sahen sich eine Weile schweigend in die Augen. Liora ahnte, dass er keine aufrichtige Antwort erwartete und so war es letztlich auch. Er zog seine eigenen Schlüsse und wandte sich wieder der Wasserfläche zu.

„Du beherrschst deine Emotionen gut. Ich kann keinerlei verräterische Andeutung aus deiner Körpersprache herauslesen. Auch das ist eine faszinierende Fähigkeit, die darauf schließen lässt, dass du auf Situationen wie diese vorbereitet wurdest. Fakt ist, du verfügst über Magie und du kontrollierst sie, ohne sie mit einem Zauberstab fokussieren zu müssen, was bedeutet, dass du durchaus eine umfangreiche magische Ausbildung erhalten haben musst. Du magst weiterhin behaupten, dass du eine Zauberin bist, hast aber das Talent und Können einer Magierin. Fakt ist auch, magisches Können auf diesem Niveau ist ohne Anleitung nicht zu erlernen. Der Umfang deiner Ausbildung wäre für mich interessant, um einschätzen zu können, welches Potenzial wirklich in dir steckt. Da du mir aber kaum detailliert Bericht erstatten wirst, werde ich dich testen. Danach treffe ich weitere Entscheidungen“, erklärte er und warf den Stein in seiner Hand mit Schwung in den See. Alexis wandte sich vom Anblick der unruhigen Wasseroberfläche ab, um sie erneut aufmerksam zu mustern. Liora sah dem Stein hinterher und ließ seine Worte sacken. Sie versuchte weiterhin keinen Anhaltspunkt auf ihrem Gemütszustand zu geben, doch es fiel ihr schwer und das wiederum schien er zu bemerken.

„Außerdem stecken in dir sehr viel Wut und Angst. Was dir widerfahren ist, hat Spuren hinterlassen. Seelische Wunden, die nie komplett heilen werden, dich aber mit der richtigen Führung und dem richtigen Training stärker werden lassen. Du magst in den letzten Tagen verzweifelt und schwach gewesen sein, aber ich vermute, dass du vor deiner Entführung alles andere als das warst. Die Rolle des unschuldigen, braven Mädchens kaufe ich dir ebenfalls nicht ab.“

Sie presste die Lippen aufeinander und sah sofort den Triumph über diese kleine Geste in seinen Augen. Er war ein guter Beobachter, das musste sie ihm lassen. „Was bringen dir all diese Informationen, wenn du mich demnächst sowieso wieder den Wölfen zum Fraß vorwirfst?“, wollte sie wissen, doch Alexis ging nicht darauf ein. Er wechselte stattdessen das Thema. „Du beherrschst die Magie ohne Zauberstab und lügst deswegen. Wieso?“, fragte er schlicht.

„Die Verwendung eines Zauberstabes stand in meinem bisherigen Alltag nie zur Debatte. Es hätte sehr seltsam ausgesehen, wenn ich unter Menschen mit einem Zauberstab herumgelaufen wäre. Ich habe oft genug Aufsehen erregt, da muss man nicht auch noch über mich reden, als wäre ich nicht bei Sinnen“, sagte sie und scharrte bei der Erinnerung an ihr früheres Leben nervös mit den Füßen am Boden. Die Stiefel, die sie trug, hatte Alexis ihr zugestanden, als ihm kurz vor Verlassen des Institutes klar geworden war, dass sie sich nicht barfuß außerhalb seiner Wohnung aufhalten konnte, ohne dabei unangenehme Fragen zu provozieren. Liora fühlte sich wohl darin.
„Ich weiß, wie man mit einem Zauberstab umgeht. Ich habe es gelernt, aber nie als praktikabel empfunden. Die wenigen Tricks, die ich beherrsche, kann ich ohne Hilfsmittel ausführen. Alexis, ich bin nicht so talentiert, wie du vermutest. Du schätzt mich falsch ein, weil du unbedingt herausfinden willst, warum man mich gefoltert hat. Es war nicht wegen meiner Kräfte. Wären sie so enorm wie du vermutest, hätten sie mich nie foltern können, oder?“, fügte sie leise hinzu, als er keine nennenswerte Reaktion auf ihre Worte zeigte.

„Ich nehme diesen Einwand zur Kenntnis, will es aber trotzdem mit eigenen Augen sehen. Dass du unter Menschen aufgewachsen bist, wäre eine mögliche Erklärung für den Verzicht auf verräterische Hilfsmittel. Und da stellt sich mir sofort die Frage, wie bist du aufgewachsen?“, hakte Alexis nach, stand auf und ging ein paar Schritte, die Arme hinter dem Rücken und den Blick nachdenklich zum Himmel gerichtet. „Bei einer entfernt verwandten Großtante. Sie leitete als Oberin ein altes Kloster und hat mich nach dem Tod meiner Eltern aufgenommen“, antwortete Liora knapp und erwartete, dass er irritiert reagierte wie jeder, dem sie diese Geschichte erzählte. Ihre Erwartung wurde erfüllt. Alexis sah sich überrascht nach ihr um und musterte sie skeptisch. „Und du bist dort aufgewachsen? Im Kloster bei deiner Großtante?“

Liora zuckte mit den Schultern. „Ja, warum auch nicht? Ich hatte ein eigenes Zimmer, bin wie jedes Kind zur Schule gegangen und habe mich auch sonst nicht von Gleichaltrigen unterschieden. Das war ich, ein normales Kind und ein normaler Teenager. Ich hatte Internet, Hausaufgaben und einen Gameboy. Nur hatte ich mein Zimmer eben in einem Kloster und meine Familie bestand aus den dort lebenden Ordensschwestern. Sobald ich erwachsen war, unterstützte ich die Gemeinschaft wo ich konnte. Mit meiner Arbeitskraft und dem Lohn aus meiner Arbeit“, erzählte sie langsam und griff sich unsicher an den Bauch. Die Erinnerungen an diese längst vergangenen, glücklichen Zeiten verursachten ein unangenehmes Drücken und holten verdrängte Emotionen wieder hoch. „Schwer vorzustellen“, gab Alexis zu. „Du bist aber nicht ausschließlich unter Menschen aufgewachsen. Dafür gehst du zu souverän mit dem Thema Magie um. Wäre die magische Welt eine neue für dich, bräuchtest du erfahrungsgemäß mehr Zeit, um dich zurechtzufinden. Irgendjemand muss dich also ganz selbstverständlich in die Thematik eingeführt haben.“

Sie starrten sich einen Moment lang an, bevor Liora sich abwandte und traurig ein paar Schritte in Richtung Wasser ging. Sie ballte die Fäuste, versuchte sich aber nicht anmerken zu lassen, wie sehr das Gespräch begann sie aufzuwühlen. Warum wollte er überhaupt solche Dinge von ihr wissen? Das konnten doch nicht ernsthaft seine dringendsten Fragen an sie sein! Wusste er denn wirklich nicht, was geschehen war? Wie sie überhaupt in Gefangenschaft geraten war? Oder stellte er sich nur dumm, um ihre Version der Geschehnisse aus erster Hand zu erfahren? „Du weißt nicht, was geschehen ist, oder?“, fragte sie leise.

„Man hat mich darüber im Dunkeln gelassen“, bestätigte Alexis und beobachtete sie weiterhin aufmerksam. „Natürlich! Er weiß nichts! Warum sollte man den Heiler, der sie wieder fit für die Folter macht, auch mit grausigen Details belasten?“, dachte sie ironisch und runzelte die Stirn. Oder sagte er die Wahrheit? Alexis war nicht einfältig. Er wusste sicher, dass ihr Schreckliches widerfahren war. Bestimmt war sie auch nicht die Erste, die Diarmad Johnstone hatte foltern lassen und ihr körperlicher Zustand musste für einen Heiler Bände gesprochen haben. Er verdrängte oder ignorierte also bewusst, dass sein Auftraggeber ein grausames Monster war. Beide Möglichkeiten machten sie wütend. Es ging immerhin um ihr Leben!

„Sie haben uns mitten in der Nacht überfallen!“, platzte es aus ihr heraus und sie warf ihm einen wütenden Blick über die Schulter zu. Wütend, weil er offensichtlich im vollen Bewusstsein über dessen Schandtaten, für Johnstone arbeitete. Den Widerling, der ihr Leben zerstört hatte. „Sie haben uns aus den Betten getrieben, indem sie alles angezündet haben! Dein Herr und Meister hat mich durch die Flure zerren lassen, während seine Leute mein Zuhause verwüstet und die Ordensschwestern geschändet und getötet haben! Sie haben uns wie Dreck behandelt! Es war ein einziges Blutbad und sie haben erst aufgehört, als alle tot waren!“, sagte sie und begann dabei zu zittern vor Wut.

„Das tut mir leid“, antwortete Alexis leise und für sie klang es fast wie Hohn. „Es tut dir leid? Ich habe in dieser Nacht alles verloren! Die Leute, für die du arbeitest, haben mein Leben zerstört! Sie haben alles und jeden von Bedeutung ausgelöscht! Wie kannst du es wagen, zu behaupten, dass es dir leidtun würde? Du bist letztlich einer von ihnen und durch deine Taten keinen Deut besser!“, sagte sie mit fester Stimme und kam mit geballten Fäusten zwei Schritte auf ihn zu.

Alexis warf einen forschenden Blick hinter sie und wich dann zurück. Liora war egal, was ihn dazu bewegte, auf Abstand zu gehen. Sie hatte Lust, ihn ihre Wut spüren zu lassen und ihm den gleichen Schmerz zuzufügen, der ihr zugefügt worden war. „Auch wenn du es noch immer nicht glaubst, ich bin wirklich das Opfer! Ich habe nichts verbrochen und auch keiner sonst in diesem Kloster! Wir haben nur unser Leben gelebt! Haben unsere Tiere versorgt, die Gärten bestellt und unseren Lebensunterhalt mit der Bewirtung von Feriengästen verdient! Wir waren harmlos!“, schimpfte sie und spürte den Zorn förmlich um sich herum in der Luft flirren. „Unzählige unschuldige Leben wurden in dieser Nacht beendet! Ihr habt mir alles genommen und du besitzt die Dreistigkeit, hier zu stehen und so zu tun, als ob nichts geschehen wäre? Als ob du nichts wissen würdest! Ich verrate dir jetzt etwas: Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug gegen dich und diese Massenmörder ankämpfen!“

Alexis wich einen weiteren Schritt zurück, als ihr vor Wut wieder Tränen in die Augen stiegen. Sie konnte ein Kribbeln in den Fingerspitzen spüren und die Verzweiflung über das Geschehene verstärkte das Zittern. Doch da war noch mehr. Etwas, das sie zerbrochen und für immer verloren geglaubt hatte... Sie spürte die Magie in ihrem Körper zum ersten Mal seit ihrer Gefangennahme wieder. „Ich hasse dich! Ich hasse dich und alles wofür du stehst! Ich verfluche dich und alle die auch nur im Entferntesten dazu beigetragen haben, dass ich heute hier stehe!“, schrie sie Alexis an.

„Liora, was dir geschehen ist, ist schrecklich, aber...“ Er kam nicht weit mit dem Versuch zu deeskalieren.
„SEI RUHIG!“, schrie Liora wütend auf und diesmal konnte sie deutlich spüren, wie ihre Emotionen sich auf die Magie in ihrem Körper auswirkten. Die unsichtbare Kraft kribbelte in ihren Fingern und drang durch ihren Körper. Liora bewegte ihre Finger und war sich sicher, dass sie in der Lage war, die Magie auch wieder zu lenken. Zwar nicht gezielt und vermutlich fehlerhaft, weil ihre Gefühle die Kontrolle übernommen hatte, doch in diesem Moment war ihr egal, dass die emotionsgesteuerte Form der Manipulation die unsicherste war.


... ... ...




Alexis sah aufmerksam zwischen ihr und ihrer Umgebung hin und her. Beobachtete, wie die Wasseroberfläche hinter ihr zu beben begann und die Wellen am Ufer sich ungewöhnlich rau verhielten. Die Gräser und Büsche raschelten, obwohl kein Wind ging und er konnte es deutlich spüren. Die starke, unruhige Kraft, die sie unkontrolliert umgab. Ihm wurde warm und er sah sich um, als er glaubte Rauch wahrzunehmen. Eine Quelle für den Geruch konnte er jedoch nicht erkennen. Nirgends war ein Feuer zu sehen. Hier war niemand außer ihm und Liora, die angestrengt atmete. Die Konzentration der Magie um sie herum wurde mit jedem ihrer Atemzüge dichter. Diese Beobachtung freute ihn besonders. Sie war also in der Lage, die Magie aus der Umgebung zu lenken, genau wie ihre eigene. Das war es, worauf er gewartet hatte und es nun zu beobachten ließ ihn innerlich triumphieren.
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