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Wen man liebt, den beschützt man

von Schrotti
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Het
Florian David Fitz OC (Own Character)
13.09.2021
21.09.2021
18
27.350
2
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15.09.2021 1.439
 
Ich hatte Elyas erzählt, dass ich nach Berlin ziehen würde, und er war der Meinung, wir müssten noch einmal richtig Abschied feiern.
Da bot sich seine Party geradezu an. Er feierte Geburtstag, und sein Motto war Bad Taste.
Ich hatte einen pinken kurzen Rock, schwarz/pink gestreifte Overknee Strümpfe, einen pinken BH und ein weißes, enges Männerunterhemd getragen. Elyas trug einen hellblauen 80er Jahre Trainingsanzug, und insgesamt sah die ganze Truppe so aus wie aus einem wirklich schlechten 80er Jahre Film.
Ich kannte einige der Gäste bereits, es waren viele vom Set dabei, und während ich mit einer Gruppe Leute zusammen stand, kam für mich völlig überraschend auf einmal Florian dazu.
Er trug eine extrem enge Jeans, genau wie ich ein weißes Unterhemd und einen dunkelblauen Schal. Seine Haare standen struppig in alle Richtungen ab, als wäre er gerade erst aus dem Bett gekrabbelt.
Als ich ihn erkannte, blieb mir für einen Moment die Luft weg. In den ganzen Monaten, die ich mit Elyas und den anderen aus der Filmbranche verbracht hatte, war mir nicht einmal die Idee gekommen, dass er irgendwann auch mal auftauchen könnte.
Dabei wusste ich, dass er zu dieser Schauspielergruppe gehörte und sie sich alle untereinander kannten.
Elyas hatte sogar in der Serie mitgespielt, die wir wöchentlich nahezu inhalierten.
Aber ich hatte es einfach nicht auf dem Schirm gehabt, dass sie auch privat Zeit miteinander verbringen könnten.
Und da stand er nun vor mir, mein absoluter Schauspieler-Schwarm.
Am liebsten hätte ich sofort Luisa angerufen und gefragt, was ich nun machen sollte.
Eigentlich war ich nicht schüchtern, im Gegenteil. Das hitzige Temperament meiner spanischen Mutter lag auch in meinen Genen, und manchmal konnte es richtig aus mir raus platzen.
Aber bei ihm brachte ich kein Wort raus. Ich konnte ihn nur dümmlich anlächeln.
Florian schien allerdings interessiert an mir, wie ich bald darauf feststellte.
Zunächst stand er wie zufällig neben mir, stellte sich vor,  
„Ich bin der Flo.“, und lächelte mich mit diesem umwerfenden Lächeln an.
Im Laufe des Abends sprach mich immer öfter an und kam mir immer näher.
Ich brachte kaum ein Wort raus, meine Hände waren feucht und mein Herz raste. Zum ersten mal im Leben war ich von einem Mann so eingeschüchtert und beeindruckt, dass ich mich am liebsten unsichtbar gemacht hätte.
Da konnte nur Alkohol helfen! Mit Alkohol würde ich lockerer werden.
Ich trank ziemlich schnell drei Gin Tonic hintereinander, und da ich damals nur selten Alkohol trank, ließ die Wirkung nicht lange auf sich warten.
Endlich schaffte ich es, mit Flo zu reden, es war auf einmal sogar ganz einfach.
Schon bald standen wir nah beieinander und kamen von einem Thema aufs andere.
Es stellte sich heraus, dass wir einiges gemeinsam hatten. Wir lasen die gleichen Bücher, mochten die gleichen Filme, liebten beide Tiere und Natur.
Den Rest des Abends waren wir nahezu unzertrennlich, und ich wunderte mich, wie „normal“ er war. In unserer Phantasie hatten wir ihn zu etwas gemacht, dass er nicht war, wie ich jetzt bemerkte.
Immer noch unglaublich attraktiv und charmant, und unbestritten der schönste Mensch, mit dem ich je zu tun gehabt hatte.
Aber er war auch einfach witzig und „normal“, und kein bisschen so unnahbar, wie wir uns ausgemalt hatten.
Florian trank ebenfalls ziemlich viel, und so tanzten wir zusammen, was er sonst nie tat, wie er mir verriet. Erst wild und ausgelassen und schlecht, bis eine Schmuserunde eingeläutet wurde.
Er zog mich eng an sich und umarmte mich, was ich sofort nutzte, um mich eng an ihn zu schmiegen. Einige Minuten lang waren wir in unserer eigenen Welt, bewegten uns im selben Rhythmus der langsamen Musik.
Ich kam mir vor wie in einem Traum, schwebte auf Wolke sieben und genoss jede einzelne Sekunde dieses Tanzes.
Anschließend gesellten wir uns wieder zu den anderen, und Elyas, der uns hatte tanzen sehen, sah mich fragend und vielleicht auch enttäuscht an.
Vermutlich hatte er gehofft, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringen würde auf dieser Party, das war schließlich das letzte Mal, dass wir zusammen feiern würden.
Flo und ich blieben noch eine Weile bei der Gruppe stehen, aber der Tanz hatte anscheinend in uns beiden etwas ausgelöst.
„Lass uns gehen.“, flüsterte er nach ein paar Minuten leise in mein Ohr.
Ich musste schlucken und sah ihn an. Seine Augen funkelten.
Ich nickte nur.
Er lächelte, nahm meine Hand und ohne uns von den anderen zu verabschieden,  gingen wir durch die Bar Richtung Ausgang.
Wir kamen aber nur bis zur Garderobe, wo er mich auf einmal zwischen die Mäntel und Jacken zog, mein Unterhemd packte und zu sich zog. Er ging rückwärts bis er an eine Wand stieß.
Und dann küsste er mich.
Mein Körper explodierte fast, seine Lippen auf meinen, seine Zunge in meinem Mund, das konnte ich nicht wirklich realisieren. Aber es fühlte sich besser an, als ich mir jemals hätte vorstellen können, während wir damals zu sechst sabbernd vor dem Fernseher gesessen hatten und davon geträumt hatten, einmal an Gretchens Stelle zu sein.
Flo ließ sich, mit mir im Arm, an der Wand runter gleiten und saß schließlich auf dem Boden, mit dem Rücken an der Wand, ich rittlings auf ihm.
Seine Hand schob sich unter mein Hemd und öffnete meinen BH. Überall wo er mich berührte, brannte meine Haut, seine Hände waren überall.
Ich stand komplett in Flammen.
Seine Lippen an meinem Hals, seine Hände auf meinen Brüsten, es hätte nicht mehr viel gefehlt und wir hätten auch die letzten Hemmungen verloren.
Er griff in meine Haare und sah mich an.
„Wenn wir jetzt nicht sofort gehen, kann ich für nichts garantieren Clarissa.“, sagte er. „Aber ich hätte dich lieber in meinem Bett als hier.“
Seine Stimme klang leise, verführerisch. Dabei sah er mich so leidenschaftlich an, dass mir schwindelig wurde.
Ich nickte, kletterte von ihm runter und torkelnd und lachend standen wir auf.
Er nahm meine Hand und zog mich mit sich.
„Warte mal Marc, meine Jacke muss hier irgendwo sein.“
Er blieb ruckartig stehen und drehte sich um.
„Wie hast du mich gerade genannt?“
„Ehm... Florian?“
„Du hast Marc gesagt.“
Seine Hand ließ meine los.
„Nein?“
Er wirkte auf einmal schlagartig nüchtern und auch ich war plötzlich wieder klar im Kopf.
„Doch. Du hast Marc gesagt. Sag mal, kann es sein, dass du mich mit meiner Rolle verwechselst?“
„Ja also... kann sein, dass ich den Namen verwechselt habe. Aber mir ist schon klar, dass du nicht Dr. Meier bist.“, sagte ich verlegen lachend.
Er sah mich einen Moment an, nur wenige Sekunden vermutlich, aber in diesem kurzen Blick lag eine ganze Palette an Gefühlen. Enttäuschung, Wut, Bedauern, Verachtung...
„Machs gut Clarissa.“, sagte er, drehte sich um und verließ die Garderobe.
Wie ein begossener Pudel stand ich da und starrte ihm hinterher, konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Es dauerte ewig, bis ich mich traute, die Garderobe zu verlassen.  Aber dann ging ich sofort zum Ausgang, nahm ein Taxi und fuhr nach Hause.
Diese ganze Geschichte war mir so peinlich, dass ich sie so gut wie möglich verdrängt hatte.
Der ganze Abend war mir bis heute ein Rätsel. Ich hatte noch nie am ersten Abend mit jemanden geknutscht, geschweige denn war ich mit jemandem sofort nach Hause gegangen.
Und natürlich war mir bewusst gewesen, dass ich mit Florian in der Garderobe gewesen war, nicht mit Marc. Ich hatte vielleicht ein wenig zu sehr für den Schauspieler geschwärmt, aber ich war nicht völlig bescheuert.
Der Mann, mit dem ich den ganzen Abend über gesprochen, geflirtet, getrunken und getanzt hatte, hatte nichts mit der Rolle gemeinsam, in der ich ihn kannte.
Es war nicht mal so, dass ich die beiden Personen, die wahre und die fiktive, in meinem betrunkenen Kopf vermischt hatte.
Aber aus irgendeinem Grund hatte ich ihn Marc genannt.
Es war mir nicht nur todespeinlich, so peinlich, dass ich inständig hoffte, Florian niemals mehr zu begegnen.
Ich dachte auch daran, wie er sich fühlen würde.
Er hatte geglaubt, den Eindruck hatte ich jedenfalls, dass er eine coole Frau kennen gelernt hatte, eine, die er scharf fand und mit nach Hause nehmen wollte um die Nacht mit ihr zu verbringen.
Und dann nannte sie ihn bei seinem Rollennamen.
Wie unangenehm das für ihn gewesen sein musste. Er musste denken, er wäre auf ein durchgeknalltes Fangirl reingefallen oder noch schlimmer, eine irre Stalkerin.
Natürlich war ich damals Fan gewesen, aber eben nicht nur.
Denn ich hatte ihn wirklich gemocht und nicht etwa die ganze Zeit den Schauspieler vor mir gesehen.
Und jetzt würden wir uns in den nächsten Monaten täglich sehen.
Wie hoch war die Chance, dass er sich im Laufe der Zeit doch noch an mich erinnern würde?
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