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Kyras Adventures 2 | Schatten der Vergangenheit

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Het
OC (Own Character)
13.09.2021
18.06.2022
6
10.545
4
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13.09.2021 1.740
 
Es war schöner, als alles, was ich gedacht hatte. Viel schöner.
Jacks Lippen lagen sanft auf meinen und er hatte die Hände auf meine Wangen gelegt. Wie zu Stein erstarrt stand ich da und schloss instinktiv die Augen. Regen durchnässte meine Haare und tropfte von meiner Nasenspitze.
Da spürte ich, wie eine kleine Welle gegen das Boot klatschte. Gerade heftig, dass wir beide taumelten und wir voneinander abließen.
Als ich der Boden unter unseren Füßen nicht mehr schaukelte, starrten wir uns an. Unwillkürlich legte ich zwei Finger an die Lippen, als konnte ich Jack dort immer noch spüren.
Was war gerade passiert?
„Ich…“ Mir fehlten die Worte.
Jack fuhr sich durch die nassen Haare. „Ähm also…“ Auch schien nicht zu wissen, was er sagen sollte. Blitze zuckten über den Himmel und das Wasser erzitterte.
„Das… das versteh ich nicht“, stammelte ich. „Warum hast…“
Ich schaffte es nicht mehr den Satz zu Ende zu Ende zu bringen.
Alles geschah so schnell.
Eine Welle schlug mit voller Wucht gegen das Boot, sodass es umkippte.
Ich versuchte noch, mich irgendwie auszubalancieren und das Gleichgewicht zu halten, doch alles ging viel zu schnell.
Die Welt drehte sich um 180° Grad und ich hielt mich instinktiv an Jack fest. Auch er packte mich an den Schultern und so fielen wir gemeinsamen mit einem lauten Platschen ins Meer.
Das eiskalte Wasser schlug über uns zusammen. Salz kam in meine Nase und Ohren, Kälte umschloss meine Haut und fuhr zwischen meine Haare. Meine Augen begannen zu brennen, doch ich hielt sie dennoch offen.
Ich ließ eine Hand los und strampelte mich wieder nach oben, Jack ebenfalls. Kaum hatte ich den Kopf über Wasser, blieb mir eine halbe Sekunde, um nach Luft zu schnappen, schon wurde ich wieder durch eine Welle nach unten gedrückt. Jack versuchte mich hochzuziehen, jedoch vergeblich.
Im nächsten spürte ich, wie etwas durch meine Hand glitt und sah an mir herunter. Die Tasche! Langsam sank sie Richtung Meeresgrund. Mist, wir durften sie nicht verlieren. Ohne nachzudenken, riss ich mich von Jack los – ein großer Fehler, wie sich später herausstellen sollte – und schwamm hinterher.
Mit mehreren kräftigen Kraulzügen schaffte ich es, nach dem Lederriemen zu greifen und die Tasche an mich zu nehmen. Es war die mit den wertvollen Sachen. Als ich nach oben sah, erkannte ich mit Schrecken, dass ich viel zu weit unten war. So langsam wurde die Luft auch knapp und meine Ohren schmerzten. Die Tasche fest an mich gepresst kämpfte ich mich unter höchster Anstrengung nach oben. Sobald ich die Oberfläche durchbrach, konnte ich gar nicht mehr aufhören, nach Luft zu ringen. Ich schüttelte den Kopf und blinzelte das brennende Salz aus den Augen, damit ich wieder sehen konnte. Japsend und keuchend schlug ich um mich, sodass viele kleine Wassertröpfchen herumflogen. Donner ertönte. Ich reckte den Kopf gen Himmel und sah nichts, als grauschwarze Gewitterwolken. Dass Regen auf mich niederprasselte, merkte ich gar nicht, ich war ja ohnehin schon komplett nass. Eine kleinere Welle kam auf mich zu und hätte mich beinahe wieder unter Wasser befördert.
Ich war so beschäftigt damit, Luft zu holen und über Wasser zu bleiben, dass es mir erst gar nicht auffiel. Doch dann bemerkte ich es.
Jack war nicht da.
Verdammt.
Panisch reckte ich den Kopf und spähte in alle Richtungen. Das Boot war ebenfalls fort. Soweit das Auge ging, ich sah endlose Weiten schäumendes Wasser, Wellen türmten sich in die Höhe.
„JACK!“ brüllte ich so laut wie nur möglich, doch der tosende Regen erstickte meine Stimme.
Verdammt, verdammt, verdammt! Ich hätte ihn nicht loslassen dürfen! Das war total bescheuert gewesen.
„JACK!“
Nichts. Selbst wenn er mir antworten würde, ich würde ich nicht hören. Verzweiflung brach in mir aus.
Wie aus dem Nichts überrollte mich eine Welle von hinten und drückte mich nach unten. Ich reagierte zu langsam und Wasser kam in meine Lungen. Mein Körper verspürte instinktiv den Drang zu husten und ich konnte ihn nur mit größter Mühe unterdrücken. Bei dem Versuch, nach oben zu schwimmen, wurde ich von einer nächsten Welle erfasst und mit voller Wucht zur Seite geschleudert. Schneller, als ich reagieren konnte, zog mich der Wasserstrom in die Tiefe. Oder besser gesagt, ich wusste nicht wohin er mich zog, denn ich hatte komplett die Orientierung verloren.
Verzweifelt strampelte ich mit den Beinen herum, die Tasche immer noch fest umklammert. Alles vergeblich. Der Strom war zu stark.
Meine Muskeln wurden schwach. Ich konnte nicht… ich musste… atmen… Luft…
Das Wasser riss und zerrte an mir, als wäre ich nicht weiter als eine leblose Puppe. Ich sah alles an mir vorbeiziehen. Meine Kräfte schwanden immer mehr. Ich konnte nicht mehr kämpfen. Dann…
Ich sah den Felsen näherkommen. Im nächsten Moment erzitterte alles um mich herum. Etwas Spitzes bohrte sich in meine Stirn und ich konnte Blut schmecken. Dann wurde alles schwarz und ich fiel in eine unendliche Leere.

Das Erste, was ich spürte, war die Kälte. Und der Wind. Etwas pfiff in meinen Ohren. Wellen rauschten.
Während ich langsam die Augen öffnete, kehrten meine Sinne zurück. Ich lag auf dem Bauch mit dem Gesicht in etwas Nassem. Sand.
Meine Muskeln schmerzten, als ich mich aufrichtete. Gelenke knacksten. Sand knirschte zwischen meinen Zähnen. Instinktiv begann ich zu husten und spuckte eine Masse aus Wasser und Sand aus. Meine durchnässten Klamotten klebten kalt an meiner Haut und mein Schädel pochte wie verrückt. Ich fasste mir an die schmerzende Stirn und zuckte. Blut tropfte von meinen Fingern und ich leckte es geistesgegenwärtig ab. Nun bemerkte ich, dass mir immer noch die Tasche um den Hals hing. Verwundert betrachtete ich sie. Erst jetzt fiel mir wieder ein, was passiert war.
Der Sturm. Das Boot. Und…
„Jack!“
Mein Ruf hallte über das Wasser. Ächzend stand ich auf und sah mich genauer um.
Soweit ich beurteilen konnte, befand ich mich in einem Sumpfgebiet. Die Luft war feucht und… seltsamerweise sehr kalt. Eigentlich war es in einem Sumpf doch meistens schwül. Das Wasser hatte eine ungesunde, grüngräuliche Farbe und war dickflüssig wie Moor. Ein paar Bäume wuchsen hier ebenfalls, mit tief herabhängenden Lianen und dunklem Holz.
„Jack!“ schrie ich nochmal. Keine Antwort.
Verdammt. Verdammte Scheiße nochmal! Das durfte… das konnte jetzt nicht wahr sein! Verzweifelt begann ich, die Gegend abzusuchen. Wasser schwappte in meinen Schuhen umher und ich fröstelte. Meine nassen Haare klebten an meinem Gesicht. Der Zopf, den ich mir noch vor der Abreise gebunden hatte, war aufgegangen. Die Tasche an mich gepresst, stampfte ich durchs feuchte Gras.
„Jack!“
Ich brüllte es zum Himmel hinauf, doch nichts passierte. Und dann fiel mir auf, wie seltsam das war. Kein Vogel war aufgeschreckt, kein Huhn erschrocken davongeflattert. Ich hatte noch kein einziges Lebewesen hier entdeckt.
Wind blies mir ins Gesicht. Ich drehte mich zu dem Baum hinter mir um und betrachtete ihn. Kein einziges Blatt hatte geraschelt. Kein Ast hatte gewackelt.
Was zur Hölle…? Ein Windstoß wie dieser hätte jede Baumkrone ordentlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Doch der Baum hier hatte sich kein einziges Mal bewegt. Keine Pflanze hatte sich kein einziges Mal bewegt.
An diesem Ort stimmte etwas nicht. Es war, als wäre er… tot. Ich konnte es selbst nicht erklären.
All meine Verwunderung und das Unbehagen verschwanden urplötzlich, als ich etwas vorne einen schlaffen Körper entdeckte, der an Land gespült worden war.
„Jack!“
Ich legte drei Gänge zu und stürzte zu ihm. Er war noch nicht bei Bewusstsein. Sein sonst so blondes Haar klebte dunkel und matt an seiner Stirn und neben ihm lag eine unserer Provianttaschen. Hastig maß ich seinen Puls.
Gott sei Dank.
Seine Lippen waren blaugefroren, er hatte Schrammen im Gesicht und blutete an der Schläfe.
Aber er lebte.
Ich drehte ihn um, zog ihn ganz nah an mich heran und legte seinen Kopf auf meinen Schoß. Zitternd strich ich ihm die Haare aus dem Gesicht. In dem Moment schoss sein Kopf hoch und knallte mit dem Schädel so fest gegen mein Kinn, dass ich mir auf die Zunge biss. Schon wieder breitete sich der warme Blutgeschmack in meinem Mund aus. Jack spuckte einen riesigen Schwall Wasser direkt auf meinen Schoß und hustete.
„Uns gehts gut. Wir sind... okay“, flüsterte ich zur mir selbst, so als müsste ich mich immer noch davon überzeugen, dass wir beide lebten. Wie ein Mantra wiederholte ich es immer und immer wieder. „Uns gehts gut. Wir leben, wir... wir sind okay. Wir sind okay.“

Jack drehte den Kopf und atmete tief ein. Seine Augen blieben geschlossen. Ich musterte ihn und kurz verfing sich mein Blick in seinen dichten, schwarzen Wimpern, den paar einzelnen Sommersprossen auf der Nase. Im Moment sah er sehr... kindlich aus. Gerade konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie er als kleiner Junge ausgesehen haben mochte.
Ich könnte ihn noch stundenlang ansehen.
Die Tasche, die ich bis jetzt fest an mich gepresst hatte, rutschte auf den Boden und ein Stück Papier fiel heraus. Unwillkürlich erinnerte mich dieses Szenario an damals, wo der Zettel der Plünderer aus meiner Tasche gefallen war. Dort, wo die Anleitung stand, wie man durch Lava-Portal kam.
Damals.
Es kam mir unendlich weit weg vor.
Ich zog daran, dann merkte ich, dass es gar kein Stück Papier war, sondern unsere Landkarte. Völlig durchnässt und zerknittert. Na toll. So gut wie es ging entfaltete ich sie und kniff die Augen zusammen. Die Farben waren zwar verblichen, dennoch konnte man immer noch etwas erkennen. Ich fuhr mit den Fingern über das gewellte Papier. Dort war die Saphirwüste, wo Isy und Mike lebten. Und die Grünküste war... dort unten.
Moment mal.
Jack und ich waren schon zu weit entfernt von der Wüste. Und von der Grünküste erst recht. Dazwischen gab es eigentlich nicht viel, nur noch ein paar Taigawälder und Gebirge im Norden. Aber... wo waren wir dann hier gestrandet? Das hier war kein Wald. Berge sah ich auch keine. Und warum bekam ich jetzt eine Gänsehaut? Hier war es doch gar nicht kalt... hier hatte es nicht mal eine richtige Temperatur.
Ich runzelte die Stirn und riss dann die Augen auf. Schnell presste ich mir die Hand auf den Mund, um nicht laut nach Luft zu schnappen. Denn soeben war mir etwas eingefallen.
Es gab einen Ort.
Einen Ort, der in der Nähe war, als unser Boot gekentert war.
Mein Finger kam so ziemlich in der Mitte der Karte zum Stehen.
An diesem Ort sollte es ziemlich seltsam zugehen, sagten alle. Und hier war es mehr als nur seltsam.
Oh Gott. Ich wusste, wo wir gestrandet waren.
Jack und ich befanden und auf den Hexeninseln.
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