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Wenn sich Vergangenheit und Zukunft treffen

von MarieSol
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
13.09.2021
17.09.2021
3
4.202
2
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Dieses Kapitel
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15.09.2021 1.456
 
Am folgenden Samstag tauchte Riku eine gute Stunde zu früh bei Aurora auf. Sie wunderte sich noch wer ausgerechnet jetzt etwas von ihr wollen könnte als es klingelte. Das Gefühl, das sie im Bezug auf die kommenden Stunden verspürte, konnte man nicht gerade als Vorfreude bezeichnen. Der Blick aus dem Badezimmerfenster ließ sie innerlich aufstöhnen, denn unten an der Haustür entdeckte sie Riku. Sie macht sich nicht die Mühe an die Tür zu gehen, sondern betätigt nur den Summer um ihn herein zu lassen. Schließlich kannte er sich hier aus, war es doch einmal für lange Zeit ihre gemeinsame Wohnung gewesen. ‚Es fühlt sich seltsam an, nach so langer Zeit wieder hier zu sein – 18 Jahre und… was hatte sie gesagt? 18 Jahre, vier Monate und jetzt ein paar Tage mehr.‘ durchfuhr es ihn. Ein kurzes „bin oben“ empfing ihn an der Wohnungstür. Da er vermutete, dass es entweder aus dem Schlafzimmer oder aus dem Bad kam, folgte er den Geräuschen nach oben. Die Wohnung hatte sich verändert, klar, der Grundriss war der gleiche geblieben und sie trug auch immer noch mehr als deutlich Auroras Handschrift, aber es war ganz anders als er sie zum letzten Mal verlassen hatte. ‚Nicht jetzt, ich will mir jetzt nicht darüber den Kopf zerbrechen, meine Laune ist eh schon strapaziert - da plätschert doch Wasser.‘ wunderte er sich noch, kurz bevor er sie über dem Badewannenrand die Beine rasieren sah. Zu erledigt um über die vermeintliche Unpünktlichkeit von Frauen zu diskutieren, ließ er sich neben sie auf den Wannenrand sinken. Die Woche in Schweden hatte eindeutig ihre Spuren hinterlassen und zu allem Übel war erfolgreich definitiv etwas anderes. Erst als sie anfing zu reden, fiel ihm der kurze, seidige Kimono auf, der, so wie sie jetzt dastand, gerade mal eine Handbreit unter ihrem Hintern endete „Was treibt dich so überpünktlich hier her?“ wollte sie wissen. „Überpünktlich? Es ist 6 und ich sollte dich um 18 Uhr abholen.“ antwortete er fast schon ein wenig gereizt. Aurora zeigte wortlos auf die Uhr an der Wand über ihr, die zeigt gerade mal 5. ‚Scheiße!‘ fluchte er innerlich, er stellt fest, dass er seine Armbanduhr nach seiner Rückkehr noch nicht umgestellt hatte. Um von diesem Fauxpas abzulenken meinte er „Du bist immer noch die einzige Frau, die ich kenne, die sich so die Beine rasiert.“ Doch damit handelte er sich nur die nächste Klatsche ein „Weißt du Riku, immerhin sind sie rasiert, ganz im Gegensatz zu dir!“ ‚und außerdem interessiert es mich nicht die Bohne, mit wie vielen anderen Frauen du so im Bad sitzt!‘ konnte sie sich gerade noch so verkneifen.

Riku fuhr sich geräuschvoll über die dunklen Stoppeln in seinem Gesicht. „Wenn du schon dabei bist, kannst du ja gleich weitermachen…“ drückte er ihr den Rasierer wieder in die Hand, den sie gerade erst zur Seite gelegt hatte – sie würde ihm sowieso einen Vogel zeigen, also warum nicht einfach mal ein klein wenig provozieren? „Du hängst wohl nicht sehr an deinem Leben?!“ meinte sie trocken und sah ihn zweifelnd an, bevor sie ein „Nicht damit!“ hinterher schob. Aurora öffnete den Badschrank, zog ein klassisches Rasiermesser heraus und drückte es ihm in die Hand. „Du hast das Messer von meinem Opa?“ fragte der erstaunt. „Ich habe es beim Umräumen gefunden, fand es aber makaber es dir einfach mit der Post zu schicken. Deshalb ist es immer noch hier.“ Sie legte ein zusammengerolltes Handtuch an die Kante des Waschtisches und deutete Riku an, sich auf dem Wannenrand nachhinten zurückzulehnen und mit dem Nacken dort aufzuliegen. Kopfschüttelnd stand sie vor ihm, sagte jedoch nichts. Er sah aus, als hätte er die letzte Woche nicht ein einziges Mal in einen Spiegel gesehen. Statt darauf einzugehen, verteilte sie jetzt nach Pfirsich duftenden Rasierschaum in seinem Gesicht und an seinem Hals. „Welcher Mann riecht schon so?“ fing er an sich zu beschweren. „Vorsicht, ich bin die, die das Messer führt…“ gab sie zu bedenken. Sie rasierte ihn achtsam und mit scheinbar geübten Strichen, die scharfe Klinge glitt mit gleichmäßigem leichtem Druck über seine Haut und entfernte die Stoppeln nach und nach.

Hin und wieder blinzelte er, sah ihr aus zusammengekniffenen Augen zu. Ihre blauen Augen waren noch immer die gleichen. Wenn sie sich konzentrierte, wurden sie einen Hauch schmaler und dunkler. Vielleicht hatte sie ein paar winzig kleine Fältchen dazubekommen, doch die gingen gut und gerne auch als Lachfältchen durch. Aber hej, beide hatten sie die 40 nun schon hinter sich gelassen. Ihr seidig glänzendes Haar war kürzer geworden, es reichte ihr nur noch bis an die Schulter, aber die Art, wie sie es zurückschob war immer noch die gleiche. Die Luft flirrte, jeder Atemzug war zu laut, die Haut nahm jede noch so leichte Berührung, und sei es nur ein Lufthauch, doppelt war, ihr Kimono streichelte sanft über die Haut an seinem Arm wenn sie sich vorbeugte, wenn sie das Messer im Waschbecken abwusch, plätscherte es verheißungsvoll, ihr Duft lag in der Luft und breitete sich wie eine kuschelige Decke in Rikus Lunge aus. Er konnte seinen Arm gerade noch so davon abhalten zu ihrer Kehrseite zu wandern, damit sich seine Hand über den seidigen Stoff auf ihren Hintern schieben könnte. Hitze flutete seinen Körper, ob er wollte oder nicht. Aurora nahm ein Handtuch, tränkte es in angenehm heißem Wasser und wischte die Schaumreste vorsichtig aus seinem Gesicht. Mit ihrem „So, du bist fertig. Lotion steht hinter dir – falls der Geruch genehm ist. Ich zieh mich an!“ riss sie ihn regelrecht aus seiner kleinen Wellness-Blase, in die er abgetaucht war.

Aurora flüchtete beinah schon aus dem Bad ‚Wie konnte ich nur???‘ Sie verordnete ihren Gedanken und erst recht ihrem rasenden Herzen, das sich gerade als kleiner Verräter entpuppte, absolute Schweigepflicht. Sein entspanntes Gesicht nach der Rasur hatte sich bei ihr eingebrannt, sein Blinzeln war ihr nicht entgangen, aber auch sie hatte ihn beobachtet, wie sein Hals sich bewegte, als er geschluckt hatte, wie seine Augen kurz zuckten, als sie das Rasiermesser angesetzt hatte. Auch wenn er aussah wie ein Waldschrat als er kam, er hatte irgendwas, das sie immer noch anzog. Riku betrachtete unterdessen sein Gesicht im Spiegel, kein Schnitt, eine perfekte und dazu noch verdammt angenehme Rasur war das. Er griff nach der Lotion und roch daran: nur frische Aloe Vera. Also benutzte er sie, auch wenn er sich jetzt wünschte, dass Aurora diesen abschließenden Schritt auch noch gemacht hätte. ‚Welcher Teufel hat mich da geritten???‘ fragte er sich schlussendlich und schloss die Flasche wieder. Das Rasiermesser wanderte jetzt in seine Hosentasche.

Mika öffnete den beiden wenig später die Tür, ließ Aurora durchgehen und hielt Riku noch einen Moment bei sich. „Gut, du bist rasiert. Ich dachte schon, wir sehen dich total verwahrlost – aber nein, ein Babypopo ist nichts dagegen.“ Riku fuhr sich mit der Hand über die Wange „Gelernt ist eben gelernt.“ Heimlich warf er einen Blick zu Aurora, die sich gerade die Schuhe auszog, von dem Gespräch aber nichts mitbekommen hatte.

Zu viert saßen sie am Tisch und spielten ein Brettspiel. Riku blockiert ständig Auroras Wege „Reg dich doch nicht auf Ro, ist nur ein Spiel…“ erneut erntete er einen bösen Blick für den Kosenamen. Aurora bewegte die ganze Zeit ihr linkes Bein leicht unter dem Tisch, bis Riku es mit seinem blockiert. Es dauerte einen Moment, bis sie es hinter seinem hervorziehen konnte. ‚Oh nein, so spielen wir nicht…‘ durchzuckte es ihre Gedanken. Er hatte seine Spielfiguren bereits alle zu Hause und betrachtete nun amüsiert die anderen drei, wie sie um jedes freie Feld kämpften, bis auch sie ihre Wege nach Hause fanden. Nach einer Weile beugte er sich nach vorn, legte seinen einen Arm auf der Tischplatte ab und seine andere Hand auf Auroras scheinbar nervösem Bein. Er versuchte es still zu halten, denn allmählich machte es auch ihn nervös. Nach der Runde, in der übrigens Ada ihre Figuren als letztes ins Ziel gebracht hatte, stand Riku auf, um ins Bad zu gehen. Nachdem er den Raum verlassen hatte, stand auch Aurora humpelnd auf und ging ein paar Schritte durch den Raum. „Er weiß nichts davon? Erzählst du ihm von dem Unfall?“ wollte Ada unvermittelt wissen. „Warum sollte ich? Er wird es nicht mitbekommen… Das ist nur, wenn ich länger gesessen oder es länger nicht bewegt habe und ich wüsste nicht, wann er das sehen sollte.“ sagte sie noch völlig überzeugt „Und ihr,“ sie sah sowohl Ada als auch Mika durchdringend an „ihr werdet es auch für euch behalten!“

Unter der Woche postet Riku auf seinem SocialMedia-Profil ein Bild vom alten Rasiermesser und seiner glatt rasierten Wange. Er versah es mit dem Kommentar „Ewig vermisst und nun wieder aus heiterem Himmel aufgetaucht… aber immer noch alles beim Alten, scharf wie eh und je!“ War hier wirklich nur das Messer gemeint?
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