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Wenn sich Vergangenheit und Zukunft treffen

von MarieSol
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Riku Rajamaa
13.09.2021
25.10.2021
19
25.360
6
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Dieses Kapitel
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13.09.2021 1.245
 
... herzlich Willkommen ihr Lieben zu einer neuen Geschichte an diesem Montagmorgen, viel Spaß damit! MarieSol ...



„Dass ich euch beide nochmal zusammen in einem Raum sehe… eher dachte ich Hawaii versinkt meterhoch im Schnee!“ auf Svens Satz hin griff das latent vorhandene Unbehagen in Aurora regelrecht um sich. Deshalb hatte sie ihre Freundin Ada also derart rückwärts durch Svens ausgeräumtes Wohnzimmer und die ganze Meute an Gästen manövriert. Ihre blauen Augen blitzen Ada eisig an. Sie hatte dafür gesorgt, dass Aurora nun Rücken an Rücken mit ausgerechnet dem Mann stand, mit dem sie nie wieder auch nur noch einen Fuß auf den gleichen Kontinent setzten wollte, mit dem sie 10 Jahre ihres Lebens auf innigste Weise verbracht hatte, dem sie nun schon fast die Hälfte ihres Lebens konsequent aus dem Weg ging und dessen bloße Präsenz ihr einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Und genau dieser Mann starrte fassungslos ins Gesicht seines besten Kumpels Mika. Er hatte ihn mit einem Bier in der Hand in ein Gespräch verwickelt und ihn geschickt durch die Leute hier hin gezogen. Direkt in den Rücken der Frau, die er damals so sehr verletzt hatte, die er in den folgenden Jahren mied wie der Teufel das Weihwasser, deren Duft er unter allen Frauen dieser Welt erkennen würde: leicht, frisch, ein Versprechen auf den ewigen Sommer, ein Hauch von Orange im Wind. Auch wenn es kein außergewöhnliches Parfum war, das sie trug, so wie an Aurora, roch es an keiner anderen. Genau dieser Duft stieg ihm jetzt unerbittlich in die Nase und nahm ihn wieder gefangen.

Sowohl Riku wie auch Aurora drehten sich wie in Zeitlupe zu Sven, der breit grinsend vor ihnen stand. Rikus Hirn lief heiß, wie kam er jetzt hier weg? Wegrennen war keine Option, auch wenn es für sie alle besser gewesen wäre. Ein unachtsamer Moment und schon waren die vergangenen Jahre und die mühsam aufrechterhaltene Distanz dahin. Wie lange hatten sie das ‚sich-aus-dem-Weg-gehen‘ perfektioniert? „18 Jahre, vier Monate und … ein paar Tage.“ erhielt er als Antwort, die zwischen Auroras zusammengebissenen Zähnen hervor gepresst wurde. Er zuckte fast zusammen, weil ihm die Frage wohl doch laut über die Lippen kam. Ada schmiegte sich zufrieden lächelnd an ihren Verlobten Mika und schien voll und ganz mit dem bisherigen Verlauf von Svens Geburtstag einverstanden zu sein – inklusive der öffentlichen Zusammenführung ihrer besten Freundin und deren Ex.

Sven beugte sich vor, küsste Aurora rechts und links auf die Wange „Seit wann bist du wieder hier? Ich habe dich in den Sozialen Medien verfolgt, das muss ein Traum gewesen sein… Die Göttin der Morgenröte einige Jahre im Land des Lächelns!“. Aurora holte tief Luft, so direkt neben Riku fiel ihr das doch etwas schwer „Seit ungefähr zwei Wochen bin ich wieder im Lande.“ Sie wurde von oben bis unten gemustert „China hat dir gutgetan… Du bist nicht mehr so dürr wie früher, bist weicher geworden…“ Das ‚Danke für das Kompliment‘ blieb ihr augenblicklich im Hals stecken, sorgte aber nicht nur bei ihr für Empörung. Rikus Blick hatte sie wohl auch bemerkt, aber ignoriert, doch der sprang nun als erster in die Bresche „Na, also hör mal Sven. Ro sieht fantastisch aus.“ Er verstummte aber sofort wieder, als er ihr böses Funkeln bemerkte. Er hatte ihren alten Kosenamen benutzt, das war ganz dünnes Eis, aber eben auch einfach Gewohnheit. Sven winkte nur ab „Lass mal, Riku! Auri…“ jetzt traf ihr stechender Blick ihn, denn nichts war schlimmer als Auri genannt zu werden „versteht mich schon.“ Was ärgerte sie jetzt mehr, dieser Spitzname oder das zweifelhafte Kompliment von eben? Eigentlich wollte sie heute an Svens Geburtstag ihre spitze Zunge im Zaun halten und nett sein, doch das konnte sie so nicht stehen lassen und antwortet „Ja Sven, sei beruhigt. Das ist nur, dass du dich neben mir nicht fett fühlst! … Ich brauch noch was zu trinken, Ada kommst du mit?“ Riku nahm sich vor, Mika zu fragen, was es mit China auf sich hatte, das schien doch eine größere Sache als ein Urlaub gewesen zu sein. Überhaupt hatte er keinen Plan, was aus Aurora geworden war, was er aber definitiv wusste, war, dass sie heute noch schöner als damals war.

Seine Fantasie unternahm einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit mit ihm: Aurora turnte früher leidenschaftlich gerne, dreimal die Woche abends zum Kunstturnen war keine Seltenheit. Oft hatte er sie begleitete und auf der Tribüne fasziniert zugesehen, wie seine Freundin in diesen enganliegenden farbenprächtigen Anzügen ihren Körper in die abenteuerlichsten Formen verbiegen konnte und sich dann auch noch drehen und Springen konnte. Oder wie sie bunte Bänder durch die Luft und um ihre Figur wirbeln ließ. Und alles mit einem Lächeln auf den Lippen, als wäre es eine absolute Leichtigkeit. Durch diesen Sport hatte sie ihren Körper zum einen sehr gut im Griff, zum anderen war ihre Figur zwar weiblich, aber doch eher geradlinig. Das viele Training verhinderte zu viele Rundung, hielt alles straff und in Form. Für Riku war sie aber hin oder her sowieso das schönste weibliche Wesen auf dieser Erde. Und dass sie in allen Lebenslagen so beweglich war, nur ein weiterer Pluspunkt. Dass sie durch einen Hauch mehr auf den Rippen nur noch schöner werden würde, hätte er sich zu diesem Zeitpunkt nie und nimmer vorstellen können.

Wenig später landeten die beiden Männer doch wieder bei Ada und Aurora, die sich gerade noch aus dem Staub gemacht hatten. Kein Wunder, dass sie die Wege immer wieder zusammenführen würden, wenn man mit einem Pärchen befreundet war. Die Krankenschwester und der Lehrer waren schon ein Paar als auch Riku und Aurora noch eines waren. Deren unschöne Trennung war auch für die anderen beiden nicht einfach mit zu erleben. Wie verhielt man sich zukünftig? Fiel man dem einen in den Rücken, wenn man sich mit dem anderen traf, wieviel Interna durfte man wissen, zog man sich besser ganz zurück? Sie fanden ihren Weg, beide als Freunde zu behalten, auch wenn sich das schwierig gestaltete. Anscheinend waren sie aber jetzt der Meinung, die beiden wären sich lange genug strikt aus dem Weg gegangen. Sie standen mit neuen Getränken beisammen, Riku und Aurora so weit wie möglich voneinander entfernt. Die kurzen Seitenblicke, die sie sich gönnten, waren bestenfalls frostig, hinderten aber weder Ada noch Mika daran, weiter an ihrem Vorhaben zu arbeiten. „Da wir ja nun hier so schön beisammen sind, würden wir euch beide gern für nächstes Wochenende zu einem Spieleabend einladen.“ Am liebsten hätte Riku Mika für diesen Vorschlag einen Vollvogel gezeigt, versuchte aber sich dezenter aus der Affäre zu ziehen „Ich bin nächste Woche in Schweden, das Aufnahmestudio ist schon gebucht.“ Doch während Aurora aufatmete, ließ Ada das nicht gelten „Das wissen wir, Riku. Du kommst aber am Freitag zurück und wir sprechen hier von Samstagabend.“ Da nun keiner mehr widersprach, was sowieso überhört worden wäre, galt es wohl als ausgemacht „Riku, du holst Aurora zuhause ab und bringst sie mit, du weißt ja um die beengte Parkplatzsituation bei uns.“ setzte Mika dem ganzen noch die Krone auf. Aurora seufzte frustriert auf, das wurde ja immer schöner. Warum hatte sie sich nur darauf eingelassen Ada hierhin zu begleiten? Hätte sie sich doch bloß auf ihr Bauchgefühl verlassen. Und hätte sie gewusst, was sie hier erwarten würde, wäre ihre Antwort mit Sicherheit ein klares und deutliches NEIN, NIE IM LEBEN gewesen. Außerdem bedeutete das noch lange nicht, dass sie Bedarf an weiteren solchen Abenden hätte, nur weil sie sich heute hatte breitschlagen lassen, ihrer Freundin zuliebe mitzukommen.
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