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Die Vertretung und die Folgen

GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Mokuba Kaiba Seto Kaiba
13.09.2021
22.10.2021
58
128.146
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14.10.2021 2.519
 
Montag, 19.09.

„Ich werde einen Arm um dich legen, wenn wir ausgestiegen sind, um dich zu stützen. Denn auch wenn der Fuß gut verheilt, darfst du ihn trotzdem nicht überanstrengen. Außerdem müssen wir auch in der Schule … Na, du weißt schon“, brummte Joey genervt und saß neben Kaiba in der Limousine. Es war Montagmorgen und der CEO hatte sich natürlich nicht davon abhalten lassen, bereits heute wieder die Schule zu besuchen. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn er sich noch eine Woche zu Hause ausgeruht hätte, zumal er keine Lust auf all die anderen Schüler hatte, die sie wieder nerven würden. Nachdem publik geworden war, dass er Vertretung und Kaibas Lebensgefährte war, hatten sie ihn die Zeit über terrorisiert und Joey war kurz davor gewesen, die Schule einfach abzubrechen, aber er brauchte den Abschluss und vor allem brauchte er einen mit guten Noten, um bessere Chancen auf einen vernünftigen Job zu haben.
Aber jetzt, wenn er mit Seto gemeinsam in die Schule kam, würden wieder alle durchdrehen und dieses Mal bestimmt so richtig. Zwar wären sie auch schneller wieder ruhig, denn immerhin konnte Kaiba sie gefühlt an Ort und Stelle mit seinem Blick einfrieren, doch das Getuschel und die Blicke würden wieder unerträglich werden.
„Ja, ist gut. Bringen wir es hinter uns“, brummte auch Kaiba und Joey musterte ihn einen Augenblick. Anscheinend gab er sich seit seinem Unfall deutlich schneller geschlagen als vorher. Daran musste er sich noch gewöhnen, denn früher war jedes Gespräch ein Kampf gewesen. Daher war er auch immer auf ellenlange Diskussionen eingestellt, sobald er ein Gespräch mit ihm begann, doch es war wohl an der Zeit, sich etwas umzustellen – zumindest, solange er noch Tabletten schlucken musste.
An der Schule angekommen, öffnete der Blonde die Tür und wurde sofort von einem Blitzlichtgewitter empfangen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis er überhaupt wieder etwas sehen konnte und bemerkte, dass er ein Mikrofon unter der Nase hatte und eine Kamera direkt vor seinem Gesicht. Diese elendigen Reporter!
„Es heißt, dass Seto Kaiba aus dem Krankenhaus entlassen wurde! Stimmt das? Wie geht es ihm?“, fragte eine aufgeregte Reporterin und Joey atmete innerlich tief durch. Sie alle anzubrüllen und zu verprügeln, brachte ihm viel mehr Ärger ein. Das war es alles nicht wert. Also ruhig und sachlich bleiben.
„Kein Kommentar.“
Natürlich wollten die noch viel mehr wissen, doch der Sicherheitsdienst der Schule, der eigens von Kaiba für solche Fälle eingestellt worden war und bezahlt wurde, entfernte sie alle vom Gelände und außer Sichtweite, damit Kaiba in Ruhe aussteigen konnte, was dieser dann auch tat. Joey half ihm dabei und legte dann, wie abgesprochen, einen Arm um seine Taille und sie verabschiedeten sich von Roland.
Für die anderen Schüler sah es so aus, dass sie einfach nur kuschelnd das Gebäude betraten und das war genau das, was Joey auch erreichen wollte. Zum einen musste Kaiba sich nicht die Blöße geben, dass er noch immer verletzt war, obwohl er unter seiner Schuluniform noch immer Verbände trug und zum anderen gaben sie so das verliebte Pärchen, was sie zur Schau stellen mussten. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Vielleicht hatte Kaiba deswegen so schnell nachgegeben.
Natürlich tuschelten die anderen und gaben sich nicht einmal die Mühe, es zu verbergen. Es war einfach lächerlich.
Alle ignorierend öffnete Joey die Klassentür und betrat mit Seto den Raum, als alle Blicke auf sie gerichtet waren. Der Brünette, der ebenfalls einen Arm um seine Taille gelegt hatte, hielt mit der anderen Hand seine Schultasche, während Joey sie geschultert hatte. So standen sie einen Augenblick da, weil Seto anscheinend kurz seinen Fuß entlasten wollte und wurden von den anderen angestarrt.
„Habt ihr noch nie ein Pärchen gesehen oder warum starrt ihr uns mit offenen Mündern an?“, fuhr Kaiba die Klasse an und Joey grinste. Er hatte in etwa dasselbe gedacht, es nur nicht laut ausgesprochen.
„Dann ist das also wirklich alles wahr? Dass ihr seit fast zwei Jahren ein Paar seid? Aber so gut kann doch keiner schauspielern! Wir hätten das doch gemerkt!“ „Offenbar haben wir uns wohl den Oscar verdient, sonst hättet ihr das ja herausgefunden“, konterte Seto gelangweilt und der Blondschopf spürte einen leichten Druck von Setos Arm aus.
Er schaltete schnell und setzte sich langsam in Richtung ihrer beiden Tische in Bewegung. Während seine Freunde sie nur freudig begrüßten und in sich hinein kicherten, hatte sich der Rest der Klasse noch nicht damit abgefunden, dass die Pärchennummer wirklich echt war, wenn er das Getuschel richtig verstand.
Als Kaiba sich an seinen Platz gesetzt hatte, sah Joey, wie der Brünette aufgrund der blöden Kommentare von einigen Klassenkameraden mit den Augen rollte und ihm etwas sagen wollte. Also beugte er sich vor – war bestimmt etwas Geschäftliches –, doch dann legte er eine Hand in seinen Nacken und zog ihn nach unten.
Bereitwillig ließ der Blonde ihn machen, immerhin war es schon fast Gewohnheit, Kaiba hin und wieder kurz zu küssen, um zu beweisen, dass sie wirklich ein Paar waren, doch dieses Mal war der Kuss um einiges länger und vor allem intensiver. Für einen Moment vergaß Joey, dass er gegen Setos Tisch gelehnt stand und sie in der Schule waren. Genießend schloss er die Augen und ließ sich in den Kuss fallen, den Kaiba kurzzeitig sogar in einen Zungenkuss vertiefte, was Joey mit einem wohligen Laut kommentierte, als die Schulglocke ertönte und Joey überrascht seine Augen aufriss. Er musterte Seto, sah in diese strahlend blauen Augen, die nichts Kaltes in diesem Moment hatten und dem Blickkontakt standhielten. Er war froh, dass die anderen in der Klasse ihn gerade nicht sehen konnten, da er mit dem Rücken zu ihnen stand. Sein Herz klopfte wie verrückt und auch sein Atem war leicht beschleunigt. Der Blick des Brünetten verursachte eine Gänsehaut bei ihm und seine Nackenhärchen kribbelten, wo Seto noch immer seine Hand hatte.
„Du solltest dich hinsetzen, Schatz. Der Lehrer wird jede Sekunde hier sein“, sagte er leise, aber doch gut hörbar für die Schüler in ihrer Nähe und Joey nickte langsam.
„Ja, du hast recht.“ Lächelnd gab er ihm noch ein schüchternes Küsschen auf die weichen Lippen und wandte sich dann von ihm ab. Das Gejohle der männlichen und Gequietsche der weiblichen Mitschüler und Mitschülerinnen war ihm natürlich nicht entgangen und noch immer starrten sie zu ihnen hinüber, doch Joey war das gerade sehr egal. Er hatte diesen Kuss so sehr genossen und er hätte am liebsten noch mehr, aber ganz bestimmt nicht in der Schule und erst nicht vor anderen Leuten. Er hatte das Gefühl, sein Herz würde vor lauter Glück überquillen.


Der Lehrer zeigte sich dann auch hocherfreut, dass Kaiba wieder am Unterricht teilnehmen konnte, was nicht anders zu erwarten gewesen war.
„War es Ihnen möglich, den Stoff etwas nachzuholen, den wir in der Zwischenzeit behandelt haben?“
„Ja, Herr Shirokawa. Joey war so nett, alles mitzuschreiben und hat mir Kopien zur Verfügung gestellt, auch von den Arbeitsblättern. Ich bin also mit den aktuellen Themen vertraut.“ „Sehr schön. Ich wünschte nur, Sie hätten schon von Anfang an so einen guten Einfluss auf Mr. Wheeler gehabt, dann wären seine Noten schon früher deutlich besser gewesen.“
Seto lächelte erst leicht zu dem Blondschopf, der den Kopf zu ihm umgewandt hatte und dann zum Lehrer: „Joey ist niemand, der sich bevormunden lässt, Sir. Das tut er auch jetzt nicht. Es war seine Entscheidung, sich dieses Jahr mehr einzusetzen. Ich unterstütze ihn lediglich dabei.“
Joey traute seinen Ohren kaum. Es klang unglaublich schön, wie Kaiba über ihn sprach und er wünschte sich, dass es ernst gemeint wäre, doch mit einem Schlag wurde ihm schmerzlich bewusst, dass es nur zur Show gehörte. Leider. Er durfte sich nicht um den Finger wickeln lassen. Es war alles nur geschauspielert.
Mr. Shirokawa begann dann auch endlich mit dem Unterricht und Joey konzentrierte sich darauf, auch wenn es ihm etwas schwer fiel aufgrund des Kusses. Doch mit den Gedanken konnte er sich später beschäftigen, wenn er heute Abend irgendwann Feierabend hatte.
Die Doppelstunde verging dann auch wie im Flug, wie ihm beim Klingeln auffiel und in der Pause ging er zu Kaiba rüber, mit dem er sich recht entspannt über den Unterricht unterhielt. Es war ein ganz neues Gefühl, halbwegs normal mit ihm zu reden und nicht direkt eingefroren oder in den Boden gestampft zu werden. Yugi und die anderen winkten kurz zu ihnen rüber und verließen dann das Zimmer. Sie hatten eine Sondergenehmigung drinnen zu bleiben, da sich Kaiba mit seinem Fuß noch immer nicht gut bewegen konnte.
Am liebsten hätte Joey ihn sofort wieder geküsst, doch das war keine gute Idee. Er begann, sich in die Dinge zu verrennen und das würde ihm später alles nur unnötig schwer machen. Er musste die Distanz wahren und zwischen echt und Schauspielerei unterscheiden. Sonst würde er an dieser Geschichte zugrunde gehen. Und das wollte er nicht. Das durfte er nicht.
„Woran denkst du gerade?“, fragte Seto mit ruhiger Stimme und Joey zuckte kurz zusammen. „An das Meeting mit der Grafikabteilung nachher. Weitere Verzögerungen bei den Grafiken können wir uns nicht leisten. Sonst wird das alles viel zu knapp“, log er. Er wollte es dem Firmenchef nicht gönnen, dass er erfuhr, wie er sich in seinen Gedanken eingenistet hatte. Das kam überhaupt nicht in Frage. Er widerstand dem prüfenden Blick des Brünetten, der nur nickte. „Ja, da hast du recht. Die müssen das langsam abschließen, damit wir weiterkommen.“


Die Pausenklingel ertönte und bevor er aufstehen und sich wieder an seinen Platz setzen konnte, zog Seto ihn plötzlich zu sich. Da Joey aber schon aufgestanden war und der CEO den Stuhl etwas vom Tisch weggerückt hatte, landete er etwas ungelenk auf seinem Schoß, als er sein Gleichgewicht verloren hatte.
Mit roten Wangen schaute er Seto an und entschuldigte sich hektisch: „Es tut mir leid. Was zerrst du auch so an mir! Geht es deiner Hüfte gut? Oder tut es-“ Weiter kam er nicht, denn Seto versiegelte seine Lippen mit seinen eigenen. Überrascht keuchte er auf, dann schloss Joey wieder genießend die Augen und ließ zu, dass Seto sich weiter in seinen Gedanken einnistete. Er spürte seine langen Finger, die mit seinen Nackenhärchen spielten und ihm so einen Schauer nach dem nächsten verpassten. Die andere Hand hatte er an seiner Taille und seine Körperwärme schien sich durch seine Kleidung zu brennen.
Joey tat es ihm gleich, legte ihm eine Hand in den Nacken, die andere auf eine Schulter und streichelte ihn, während er sich frecherweise Zutritt zu Setos Mundhöhle verschaffte. Er tat es einfach, hatte seine Gefühle und Handlungen nicht mehr unter Kontrolle und sein Kopf war wie leergefegt.
Dieser ließ das natürlich nicht einfach durchgehen und begann sofort, seine Mundhöhle zu räubern und Joey keuchte genießend auf. Er wollte mehr und er wollte es am liebsten jetzt, doch die ersten Klassenkameraden kamen gerade wieder rein und fingen an zu johlen, als sie die Zwei entdeckten. Der Blonde löste daraufhin den Kuss, denn die Stimmung war dahin und er musste seinen Körper dringend beruhigen. Am besten dachte er an seine ehemalige Nachbarin. Die sah aus, wie eine alte Berghexe und diente perfekt dazu, um sich von sonstigen Gedanken zu befreien.
„Du wirst zu gierig, mein Lieber“, kommentierte Joey mit einem feinen Lächeln und stand auf. Seto bedachte ihn nur mit einem frechen Blitzen in den Augen und einem Grinsen, dass überhaupt nichts mehr von diesem überheblichen, gemeinen Grinsen von früher hatte. Joeys Herz machte einen kleinen Satz, dann setzte er sich an seinen Platz und konzentrierte sich auf die alte Berghexe, die auch noch so ein gruseliges Hexenlachen draufhatte, um nicht weiter zu verraten, was für eine Wirkung Seto gerade auf ihn hatte.
Während des folgenden Matheunterrichts klingelte Setos Firmenhandy und automatisch drehte sich Joey zu ihm um.
„Entschuldigen Sie, aber das ist wichtig. Joey, magst du dich darum kümmern? Das ist Mr. Kawaii.“ „Ja klar, kein Problem“, erwiderte er lächelnd, stand auf und nahm das klingelnde Handy entgegen. Während er sich durch die Tischreihen schlängelte, nahm er bereits ab.
„Ah, Mr. Kawaii. Hier ist Joey Wheeler. Mr. Kaiba lässt sich gerade entschuldigen, daher bin ich ran gegangen. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte er freundlich, zeigte einem Mitschüler einen Mittelfinger, den seine Lehrerin nicht sehen konnte und verließ den Klassenraum.
„Hallo Mr. Wheeler, freut mich sehr. Es geht um das Geschäftsessen am Mittwoch. Ich wollte fragen, ob es möglich ist, das spontan auf heute zu verschieben, da mir etwas Privates dazwischengekommen ist. Würde 19 Uhr passen?“ „Einen Augenblick, ich prüfe mal eben den Kalender“, erwiderte Joey höflich und öffnete an Kaibas Handy den Kalender, in dem alle Termine eingetragen waren. Da auch Kaiba über ein Geschäfts- und ein Privathandy verfügte, hatte er den Pin für dieses bekommen, da dort nichts zu finden war, was ihn nichts anging. Das machte die Arbeit gerade deutlich einfacher. Im Gegenzug konnte Seto auch auf sein Geschäftshandy zugreifen, aber auch damit hatte der Blondschopf kein Problem. Solange niemand an sein Privathandy ging, war ihm der Rest relativ egal.
„Da spricht nichts gegen. Das Restaurant bleibt das gleiche?“, vergewisserte er sich und notierte den neuen Termin im Kalender, während die Stimme am anderen Ende bestätigte.
„In Ordnung. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und bis später“, verabschiedete sich Joey, wartete noch die Verabschiedung von Mr. Kawaii ab und legte dann auf.
Einen kurzen Moment blieb er noch draußen stehen und genoss die Ruhe, doch als sich Seto mit diesen beiden Küssen wieder penetrant in seine Gedanken drängte, musste er schnell wieder an die alte Berghexe denken, sonst gab das noch ein Unglück und das musste er um jeden Preis verhindern. So schritt er lieber schnellen Schrittes zurück ins Klassenzimmer, bevor er noch so in Gedanken versank, dass die Stunde ohne ihn vorüber ging. Das wäre auch nicht gut.
Er hatte sich in den letzten Monaten so verändert. Ihm war die Schule wichtig geworden, hatte von 0 auf 100 gelernt, für Tausende Mitarbeiter Verantwortung zu übernehmen und es fühlte sich gut an. Beinahe wie … Freiheit.
Nach all den Jahren mit seinem Vater, der so oft betrunken gewesen war, der ihn geschlagen und beleidigt hatte, hatte er irgendwann selbst Zweifel gehabt, ob aus ihm etwas werden würde. Ob er das Zeug dazu hatte, besser als sein Vater zu werden. Und nun?
Es war wohl nicht zu viel, wenn er dachte, dass er seine Feuertaufe bestanden hatte.
Seine Finger berührten die Türklinke und noch ein weiterer Gedanke machte sich in ihm breit: Er hatte keine Angst mehr vor dem Schulabschluss oder was danach kommen würde. In ihm schien viel mehr zu schlummern, als er selbst jemals gedacht hätte und damit ließ sich doch bestimmt arbeiten!


Mit neuem Mut öffnete er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen die Tür und bedankte sich kurz bei der Lehrerin, dann reichte er Seto das Handy zurück und informierte ihn knapp über die Terminverlegung und der Brünette nickte kurz.
Dann nahm Joey wieder Platz und versuchte sich auf Mathe zu konzentrieren, was ihm aber nach wie vor schwerfiel. Nicht nur, weil Mathe ein Buch mit sieben Siegeln für ihn war, sondern auch weil er immer wieder an Setos Küsse denken musste. Schauspielerei hin oder her. Er hatte sie genossen und wollte mehr und das war nicht gut. Überhaupt nicht gut.
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