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Beautiful Days

von mimi-maus
MitmachgeschichteFreundschaft / P12 / Mix
OC (Own Character)
11.09.2021
25.11.2021
2
2.116
 
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25.11.2021 747
 
Mizushima Yasushi


Veränderungen waren ein fester Bestandteil des Lebens. Sie lauerten überall und warteten geduldig darauf, dass ein nichtsahnender Mensch in ihre Fänge geriet. So bösartig das auch klingen mochte, nicht alle Veränderungen waren negativ – einige waren neutral und andere gar positiv.
Der Umzug nach Hakodate war wahrscheinlich eine neutrale Veränderung, auch wenn Yasushi eigentlich nicht aus Tokyo hatte wegziehen wollen. Tokyo war immerhin seine Heimat, er war dort geboren und aufgewachsen, hatte dort die prägensten Jahre seines Lebens verbracht. Es waren nicht immer die besten Jahre, aber alles konnte sie verändern. Nichts blieb von Veränderungen verschont. Absolut nichts. Verglichen mit Tokyo brachte Hakodate den Vorteil, dass ihn hier niemand kannte. Er konnte einen Neuanfang machen. Oder eher einen Reset, bevor er wieder nach Toyko zurückkehrte.
Ein leises Seufzen entfuhr Yasushi und sein Blick wanderte von seinem Rätselheft zu der Welt vor seinem Zimmerfenster, einer ruhigen Nachbarschaft auf Einfamilienhäusern, die noch mit Schnee bedeckt waren. Yasushi konnte sich nicht daran erinnern, wann er in Tokyo zuletzt Schnee gesehen hatte und dann auch noch in den Mengen wie hier. Im Vorgarten des Nachbarhauses konnte er seine Mutter mit der Nachbarin reden sehen. Wie lange standen sie schon dort in der Kälte? 20 Minuten? Oder länger? Er hatte nicht auf die Uhr gesehen, als er es abgelehnt hatte, seine Mutter bei der Vorstellrunde bei den angrenzenden Nachbarn zu begleiten. Wenn sie wieder nach Hause kam, würde sie ihm eh alles relevante erzählen. Es gab folglich keinen Grund für ihn, dumm in der Kälte herumzustehen, während sich zwei Erwachsene unterhielten.
Yasushi seufzte erneut und streckte sich ausgiebig. Er würde nie einem Kind oder Jugendlichen diese Tortur antun, dessen war er sich sicher.

*


Wie erwartet erfuhr Yasushi alle möglichen Details über die Nachbarn und die Gegend – nur nicht wie erwartet gleich nachdem seine Mutter nach Hause gekommen war, sondern erst beim Abendessen. Immerhin war sein Vater da, so fühlte es sich nicht ganz so merkwürdig an, dem Wortschwall seiner Mutter zu lauschen. Den Überblick über all die Informationen, die er kreuz und quer und zum Teil zusammenhangslos erhielt, hatte er längst verloren. Dafür viel ihm wieder einmal mehr auf, von wem er die Angewohnheit der Gedankenspünge in Gesprächen hatte.
Aber mal ehrlich, was hatten ein gemeiner alter Mann mit freundlichem Hund (oder war das anders herum?) mit den besten Wegen zum Einkaufen zu tun?
Also aß Yasushi in Ruhe seinen Omureis, während der Wortschwall seiner Mutter und die gelegentlichen Einwürfe seines Vaters langsam zu Hintergrundgeräuschen wurden. Eine Stimme mehr noch und er hätte die Situation als perfekt und heimisch beschrieben. Blöder Tamozo. Er hätte doch einfach-
„Oh, bevor ich es vergesse! Yasushi, hier gibt es auch einige Kinder in deinem Alter!“, riss seine Mutter ihn aus seinem Gedanken, bevor er diesen überhaupt beenden konnte.
„Ich bin kein Kind mehr“, grummelte er leise, was seine Mutter aber gar nicht wahrnahm.
„Die Kusakabes gegenüber haben eine Tocher in deinem Alter! Und die Sumeragis nebenan haben drei Söhne und eine Tochter! Und alle gehen auf die Sekigahara, wenn ich das richtig mitbekommen habe.“
Ihre Stimme zitterte beinahe vor Begeisterung und wie Yasushi sie kannte, würde sie ihm gleich vorschlagen, dass er-
„Vielleicht seid ihr ja Klassenkameraden oder könnt zusammen zur Schule gehen. Und wer weiß, vielleicht werdet ihr ja auch Freunde!“
Ugh, er hatte Recht gehabt. Bitte nicht das Thema. Er würde mit aller Begeisterung über alles andere reden, wie beispielsweise das Einkaufen am Wochenende mit Besuch auf dem überfüllten Wochenmarkt. Gerade würde er den Wochenmarkt einem Gespräch über Freundschaft tatsächlich vorziehen.
„Immer mit der Ruhe, Yuki“, sagte sein Vater. „Bis zum Schulbeginn dauert es ja noch etwas. Und die Nachbarschaft allein ist keine Basis für eine Freundschaft.“
Ein tiefes Seufzen kam von seiner Mutter, dann wechselte sie auch schon zum nächsten Thema.
Innerlich atmete Yasushi auf. Kontakt zu seinen Mitmenschen zu finden war schwer. Insbesondere wenn eine überbesorgte Mutter in jede kleine Möglichkeit ihre Hoffnung legte. Entweder fand er wahre Freunde oder auch nicht. Darauf kam es nun wirklich nicht an.


---


Nach langer Zeit und einem stillen Verschwinden, weil Reallife (wer hat sich das ausgedacht), hier nun das erste Kapitel mit dem ersten Charakter! Ich hoffe, ihr werdet Yasushi genauso sehr mögen wie ich es bereits tu!
Das nächste Kapitel ist schon in Arbeit und ich freu mich sehr über all die Charaktere, die ich schon bekommen habe, und bin schon gespannt auf alle, die noch kommen werden.

Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen und bis zum nächsten Kapitel.

Buhbye,
Mimi
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