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I'm gonna win this little game... 6-0

Kurzbeschreibung
OneshotLiebesgeschichte / P12 / Het
OC (Own Character) Samu Haber
11.09.2021
11.09.2021
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4.912
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11.09.2021 4.912
 
Tadaaaa! *Konfettikanone*
Here we are...
6-0...

Mein Dank gilt an dieser Stelle meiner Lieblingshexe und ihrem "ich war da schon mal und kenne ein paar Ecken"-Hirn. ❤️
An mein Sternchen geht eine ganz liebe Umarmung und ein dickes Küsschen. ❤️
Meine Zaubermaus wird auch umgeknutscht. ❤️
Danke, dass ihr mir mit Rat und Duden zur Seite standet. ❤️

Auch ein großes DANKE, an alle, die diese OS-Reihe verfolgt, favorisiert, gereviewt und sogar Sterne da gelassen haben.
Für Shadow gibt's ne Wanne voll Lonkero, ihr könnt sie ja fragen, ob sie teilt... Hihi...

Von mir, für euch... Das Ende einer Ära und der Beginn von etwas ganz Großem...

Wir lesen uns.

Bleibt gesund!
Beste Grüße

Joni❤️





"Was sagst du, Lenny?" mein Chef sieht mich vollkommen begeistert an. Ich bin sprachlos. Der Makler hat sich ein wenig zurückgezogen um uns etwas Freiraum zu geben. Ich drehe mich in dem Bürokomplex um meine eigene Achse.

"Lenny, ich habe in niemanden so viel Vertrauen wie in dich. Du kannst das schaffen. Und ich bin immer nur einen Mausklick entfernt. Ich habe dich nicht umsonst zu all diesen Lehrgängen geschickt. Das hier wird funktionieren. Aber eben nur mit dir. Du hast das Know-how, die Persönlichkeit und den Ehrgeiz diese Geschäftsstelle zu leiten. Anfangs werde ich dir einen unserer Dispos, eine SB und einen ITler und Mechaniker hersetzen, aber du hast ansonsten in der Personalauswahl freie Hand. Hol dir rein, wen du gut findest. Gestalte das Büro, wie du willst. Ich vertraue dir. Ich glaube an dich."


Schweißgebadet wache ich auf. Mich hinsetzend, streiche ich mir die feuchten Haare aus der Stirn. Ich sehe mich suchend um. Das hier ist nicht mein Schlafzimmer und auch keines der, in letzter Zeit üblichen, Hotelzimmer.
Eine große warme Hand an meinem Rücken lässt mich nach rechts sehen. Aus kleinen Augen blinzelt Samu mich an.
"Schlecht geträumt, Äffchen?"
"Das war kein Traum, oder?" krächze ich zurück.
"Was denn? Was hast du geträumt?" er setzt sich auf. Legt einen Arm um mich.
"Ein Büro. Mein Chef und ich soll eine Geschäftsstelle übernehmen."
"Nein, Ally, das ist kein Traum."
"Aber…" mir schießen Tränen in die Augen und Samu umschlingt mich fester.
"Shhhh, Äffchen. Ich bin hier. Alles wird sich finden."


Drei Monate ist es her, dass mein Chef mir meine neue Perspektive eröffnet hat. Drei Monate, in denen ich alle meine Angelegenheiten in der Heimat geklärt habe und ständig zwischen den zwei Standorten gependelt bin. Um alte Zelte abzubrechen und neue zu errichten.
In Helsinki.


Vier Wochen später dirigiere ich die Möbelaufbaumenschen durch die renovierten Büros. Sage ihnen, wo welche Tische und Schränke zu stehen haben. Gleichzeitig habe ich ein Auge auf die Lieferung der Maschinen, die gerade in die neue Halle manövriert werden. Die großen stehen in Reih und Glied unter einem 12 m hohen und 150 m langen Hangar. Ich bin froh, dass Ron, der heimische Werkstattleiter, für die Anfangszeit mit hier ist. Ohne ihn würde in der Werkstatthalle gar nichts sein, geschweige denn funktionieren. Logistik und Marketing, Vertrieb und Buchhaltung kann ich… aber welche Werkzeuge beschafft werden müssen, damit alle Leihmaschinen regelmäßig gewartet und nötigenfalls repariert werden können, dass weiß ich nicht.


Fix und fertig. Das sind alle Büros, die Werkstatt und ich. Im letzten Monat habe ich einen Bewerber nach dem nächsten interviewt. Ich habe ein Team zusammengestellt, das Bock auf die Jobs und ein gutes Verhältnis zueinander hat.
Ich bin guter Dinge, hätte aber jetzt gern vor der großen Eröffnung noch so 4 Wochen Urlaub.
"Hei, du sexy Businesslady…" reißt mich Samus Stimme aus meinen Gedanken. Er schlingt seine Arme um mich. Umfasst meinen Hintern und hebt mich hoch. Ich kichere, das wird er sich wohl erst abgewöhnen, wenn ich zu schwer oder er zu schwach dafür wird.
"Hei, du heißer Rockstar…" grinse ich ihn an und beuge mich zu einem Kuss zu ihm.
"Es sind alle da, wir warten auf dich."
"Ich brauchte einen Moment für mich."
"Hat sich einiges verändert für dich im letzten halben Jahr, was?" ich nicke nur. Samu stellt mich wieder auf die 10cm Pumps, gibt mir noch einen Klaps auf die Kehrseite und führt mich dann runter auf den Hof, wo alle neuen Mitarbeiter, einige Alteingesessene, mein Chef samt Frau und meine Familie warten.
"Ahhh… die Frau der Stunde!" grüßt mein Chef und lächelt mich warmherzig an. Samu stellt sich zu meinen Eltern und überlässt mich meinem Vorgesetzten, der direkt zu einer Rede ansetzt, um seinen Stolz und seine positiven Prognosen und Vorstellungen auszudrücken.
Ich bekomme den, gefühlt, 12ten Blumenstrauß überreicht und mit einem frechen Zwinkern auch eine kleine Schatulle. Als ich sie öffne, kann ich meinen Augen kaum trauen.
"Eine Frau in deiner Position braucht ein standesgemäßes Auto. Herzlichen Glückwunsch." lachend umarme ich ihn und kann nicht glauben, dass er mir gerade BMW Schlüssel in die Hand gedrückt hat.


Nach einem weiteren Monat hat sich eine gewisse Routine eingespielt. Jeder kennt seine Aufgaben. Die Aufträge kommen flüssig rein und werden kontinuierlich mehr. Wir laufen gut an. Die Zahlen sprechen für uns. Die Stimmung im Team ist gut. Allerdings sind die Jahresmarken entscheidend.

Es ist Freitag und ich mache pünktlich um 13 Uhr Feierabend. Vorteile eines Geschäftsstellenleiters.
Ich fahre nach Hause, eine schicke Altbauwohnung mit 4 Zimmern in Eira. Nur gut, dass mein Gehalt solche Dinge hergibt.
An meiner Wohnungstür klebt ein Umschlag. In Samus Handschrift steht mein Name darauf. Oh!
Nicht Ally, nicht Äffchen, nicht mal Lenny. Nein Allannah.
Das bereitet mir Bauchweh. Augenblicklich.
Denn er sagt NIE Allannah zu mir.
Mit einem mulmigen Gefühl und Herzklopfen nehme ich den Brief ab und betrete mein finnisches Zuhause.
Ich setze mich auf die Couch und drehe den Umschlag in den Händen. Schlauer werde ich davon nicht. Verdammt.


Ich werfe ihn auf den Tisch und starre ihn an. Er brennt Löcher ins Holz. Verfluchte. Verdammte. Scheiße.
Mir bleibt nichts übrig als ihn zu öffnen.


"Hei Honeybabe,

Na, hast du dich erschrocken? Hihi.
Keine Sorge, Äffchen, es ist alles gut. Ich mache NICHT Schluss mit dir…
ABER ich habe ein Attentat auf dich geplant.
Also… wirfst du dich am besten in bequeme Klamotten, vor allem bequeme Schuhe, auch wenn ich deine "Arbeitsschuhe" extrem heiß finde… *hust*
Ähm ja… und dann schnappst du dir den Stadtplan aus dem Umschlag und folgst dem ersten Hinweis…
Denn ja, Äffchen, wir machen eine Schnitzeljagd. Und glaub mir bitte - es lohnt sich.

XXX

Samu

PS: lass das Auto zu Hause… faules Äffchen"


Das Gebirge, dass mir vom Herzen poltert ist so ungefähr das Himalayagebirge.
Und das ungute Gefühl wird von Aufregung und Vorfreude verdrängt. Aber echt erschreckend, wie gut er mich mittlerweile kennt, denn ich wollte wirklich das Auto nehmen. Nun gut, aber jetzt erstmal Ratschlag Nummer eins - bequeme Klamotten. Umgezogen lande ich wieder auf der Couch. Schüttele den Stadtplan aus dem Umschlag.
Auf dem Rand steht mein erster Hinweis.


>1 ~ deine erste echte Korvapuusti<


Hmm, wo hatte ich meine erste finnische Zimtschnecke?
Ich glaube, das war… oh man, jetzt muss ich auch noch nachdenken…
Der Kerl macht mich fertig. Im Café Engel, denke ich. Ja, doch kommt hin, denn Samu meinte, ich würde danach die Engel singen hören. So ein Spinner. Die besten Korvapuusti hab ich nämlich im Café Regatta bekommen.


Vor dem Café Engel steht ein Mann mit einem roten Luftballon. Er grinst mich breit an. Wahrscheinlich sollte ich ihn irgendwoher kennen, aber mein Menschengedächtnis ist gerade im Urlaub.
"Lenny! Schön, dass du hergefunden hast. Hier ist ein Macchiato to go für dich." Er zwinkert mir zu, schiebt den Drahtring, an dem der Luftballon festgebunden ist über mein Handgelenk und geht pfeifend seiner Wege.
Ich stehe da und bin total ratlos. Mein Hinweis? Aber halt, er hat gezwinkert, als er mir den Becher gegeben hat. Tatsächlich finde ich auf dem Becher meinen Hinweis.


2 ~ dein erster Rocky Moment


Mein was? Rocky? Wie Rocky Balboa? Ich habe doch niemanden geboxt! Was meint er? Total planlos sehe ich mich um. Da fällt mir etwas rotes ins Auge. Oben auf der Treppe zum Dom. Treppe - Rocky - Treppe. Es macht Klick und leise kichernd laufe ich los. Schlürfe, während ich den Senaatintori überquere, meinen Macchiato. Ich erklimme die Stufen, weitaus enthusiastischer und sportlicher als beim ersten Mal, und in meinem Kopf spielt "Gonna fly now" von Bill Conti - das Theme zu Rocky.
Der nächste rote Luftballon wird von Mika überreicht.
"Na Honeybabe, wir müssen mal wieder zusammen einen trinken gehen." grinst er mich an. Er fädelt die Schlaufe von der Ballonschnur an den Metallring an meinem Handgelenk und gibt mir einen Zettel in die Hand. Noch ehe ich begreife, dass das mein nächster Hinweis ist, ist Mika weg.
Kopfschüttelnd entfalte ich das Papier. Eine alte Fahrkarte. Auf der Rückseite steht:


3 ~ das erste Mal, dass du als Einheimische betrachtet wurdest


Das war vor zwei Monaten am Bahnhof. Da hat mich ein Tourist angesprochen.
"Anteeksi? Excuse me? Entschuldigung? Do you speak English oder German?"
"Beides." hab ich geantwortet und dann versucht zu helfen, so gut ich eben konnte.
Nun denn, auf zum Bahnhof.
Meinen Ohrwurm vom Rocky-Theme werde ich so schnell nicht los. Aber ich verstehe, warum ich bequeme Schuhe anziehen sollte. Mein Macchiato ist leer, aber der Hinweis steht darauf. Also krame ich Taschentücher aus meiner Tasche und wische den Becher innen trocken. Schnell entsorge ich das Taschentuch im nächsten Mülleimer und verstaue dann das Ticket im sauberen Becher. So als Andenken und so.
Vor dem Bahnhof kann ich keinen roten Luftballon erkennen. Also muss ich wohl rein. Doch noch bevor ich eintreten kann, kommt ein kleiner Junge auf mich zugeschossen.
"Komm, der Mann mit dem roten Ballon wartet schon auf dich." Er greift meine freie Hand und zieht mich in das imposante Gebäude. Und tatsächlich kann ich auf der Stelle den Mann mit dem roten Luftballon sehen. Mikko.
Grinsend kommt er auf mich zu. Streicht allerdings erst dem Jungen über den hellbraunen Haarschopf und gibt ihm eine Tüte Gummibären. Der Junge ist happy und zischt ab.
"Mikko, Mikko, Mikko, jetzt bestichst du schon kleine Kinder…" lache ich.
"Er kam zu mir und hat gefragt, warum ich hier mit einem Ballon rumstehe… ich habs erklärt, er wollte helfen. Naja, dafür hatte er sich eine Belohnung verdient, meinst du nicht?"
"Ja, doch." nicke ich. Mikko fädelt derweil seinen Ballon an den Ring.
"Ich hoffe, das werden nicht so viele, dass ich nachher wegfliege…" kritisch beäuge ich die Heliumballons. Mikko lacht. Antwortet aber nicht.
"Viel Spaß und gib nicht so viel Geld aus…" zwinkert er und hängt mir eine Shoppingbag über die Schulter. Und wie auch Mika, verschwindet auch Mikko unbemerkt. Ich sehe mir die Tasche an, aber sie hat kein Label oder Logo. Als ich hinein sehe fällt mir ein quietschgrüner Zettel in der weißen Tüte auf.


4 ~ dein erster Shoppingmarathon


Da muss ich nicht lange nachdenken. Den hatte ich bei Stockmann. Weil ich da immer was finde. Ich bin noch nie ohne etwas zu kaufen aus Stockmann raus. Das wird echt schwierig. Ich hoffe Samu hat das bedacht und seinen Mittelsmann VOR das Kaufhaus gestellt. Sonst wird es kriminell - für meine Kreditkarte. Den Becher mit den Zetteln stelle ich in den Beutel und nachdem ich mir noch schnell eine Flasche Wasser organisiert habe, mache ich mich auf den Weg zu Stockmann. Und es kribbelt schon jetzt in meinen Fingern.
Schon von weitem kann ich den roten Ballon im Wind tanzen sehen. Hat er also mitgedacht - guter Mann.


Osmo schwingt im Takt zur Musik eines Straßenmusikers und winkt, als ich näherkomme. Er zieht mich in seine Arme und beginnt ein kleines Tänzchen.
Dann verbeugt er sich vor mir. Und während er den Ballon an den Reif bindet, sagt er:
"Jetzt wäre eine kleine Abkühlung nicht schlecht." Mit einem Zwinkern überreicht er mir eine Serviette. Dann geht auch er.
Wie schön, dass alle meinen, ich komme von selbst auf die Lösung.
Mit einem Seufzen sehe ich auf die Serviette.


5 ~ dein erstes Lakritzeis


Oh nein. Bitte nicht. Nicht noch mal! Ich bin nicht ausreichend finnisiert für Lakritzeis. Aber gegessen, naja, ich hab es zumindest probiert, haben wir das im Esplanadi Park.
Während ich deutlich langsamer zum Park gehe, bete ich, dass wer auch immer dort auf mich wartet, mir KEIN Lakritzeis gekauft hat. Lakritze… bäh!


Am Eisstand ist ein roter Luftballon befestigt. Aber diesmal werde ich von keinem bekannten Gesicht empfangen. Dafür spricht der Eisverkäufer mich an.
"Ah, Lenny! Da bist du ja. Nimm dir deinen Ballon, Kindchen, und sag mir, was für ein Eis du möchtest. Dein Liebster hat es schon bezahlt. Such dir aus, was du möchtest." Ich strahle ihn an und bestelle Minze und Zitrone. Ich löse den Ballon vom Stand und fädle ihn auf den Ring. So langsam fliegt mir der Arm weg hier. Also disponiere ich kurz um. Nehme den Ballonring ab, fädele auch die Henkel der Shoppingtasche darauf und schiebe das ganze dann wieder auf mein Handgelenk. Ha, zumindest ein BISSCHEN zusätzliches Gewicht, durch die Wasserflasche im Beutel.
Zu meinem Eis überreicht der Mann mir ein Ticket. Ein Ticket von einem Eishockeyspiel, bei dem wir waren. Dankend lächle ich ihn noch einmal an und lecke an meinem Eis, bevor ich das Ticket herumdrehe.


6 ~ deine erste Siegesfeier


Hm. Der Havis Amanda. Weil da prinzipiell alle Siegesfeiern sind. Doch bevor ich dahin aufbreche, suche ich mir ein schattiges Plätzchen und lecke mein Eis. Sonst bematsche ich mich noch. Und dafür ist das Eis eindeutig zu gut. Erfrischt und einigermaßen gestärkt und ausgeruht mache ich mich auf zur hübschen Amanda. Und der Weg ist wirklich nicht weit. Es sind wie immer einige Touristen unterwegs, aber dieser Brunnen ist halt irgendwie ein Blickfang.
Riku erkenne ich aus einiger Entfernung. Nervös schaut er auf seine Uhr. Dabei wirbelt er den Ballon ziemlich herum.
Ach sag bloß, ich habe auch noch einen Zeitplan einzuhalten.
"Lenny! Da bist du ja endlich. Ich hab schon auf dich gewartet." Als hätte er es eilig bindet er mir den Ballon an den Ring. Drückt mir meinen Hinweis in die Hand gibt mir ein Küsschen auf die Wange und verschwindet mit den Worten, er habe noch ein Schiff zu erwischen.
Hä? Will Riksa verreisen? Davon hat er gar nichts erwähnt.
Ich schüttle den Kopf und sehe mir an, was er mir so hastig gegeben hat. Ein gefaltetes Papierboot.


7 ~ deine erste Ankunft in Helsinki auf einer Fähre


Oh Gott, wo war das denn? Jetzt krame ich doch tatsächlich den Stadtplan heraus und überprüfe, ob er mir vielleicht einen Tipp hinterlassen hat. Aber Fehlanzeige. Ich falte das Teil wieder zusammen und zücke mein Handy. Wie soll ich Google fragen, wenn ich nicht weiß, wonach? Also packe ich das unnütze Gerät wieder in meine Tasche.
Wo zur Hölle bin ich mit einer Fähre nach Helsinki gekommen? Wie hieß das? Seit dem ist so viel passiert.
Resigniert setze ich mich auf die nächstbeste freie Bank. Ich drehe und wende das kleine Boot in meiner Hand. Falte es auseinander, finde nichts und falte es wieder zusammen.
Denk nach, Lenny, du weißt das. Der Eisverkäufer war nett, vielleicht sollte ich nochmal zurückgehen und ihn fragen.
Ach man. Ist doch kacke.
Erneut zücke ich mein Handy.

Google - Fährterminal Helsinki.

Vielleicht finde ich ja so eins, was mir vom Namen her bekannt vorkommt…
Google lädt Maps und gibt mir eine Karte mit den markierten Terminals aus.
Das erste was mir ins Auge springt: Olympia Terminal.
Na klar! Ich Trottel! Das Olympiaterminaali. Oh mein Gott! Wie doof war ich bitte gerade? Mir an die Stirn greifend, lasse ich mir die Route anzeigen. Noch einen Schluck Wasser getrunken und los geht's.


Vielleicht hätte ich mir so einen schicken E-Scooter nehmen sollen. Ich fürchte, ich werde spätestens morgen merken, dass ich den ganzen Nachmittag rumgelaufen bin. Ich sollte da vielleicht mehr drauf achten. Die Büroarbeit macht faul. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass es nicht mehr allzu viele Stationen sind und dass es sich wirklich lohnt. Wehe, das ist nachher keine gute Überraschung.
Dann…  dann… dann bekommt er Sexverbot! Ja, genau!


Menschen. Das ist das erste, was ich am Olympiaterminaali wahrnehme. Viele Menschen. Also halte ich wieder nach dem roten Ballon Ausschau. Der müsste ja theoretisch über den Köpfen dieser ganzen Menschen schweben.
Tatsächlich ploppt er unweit von mir plötzlich nach oben. Also dann, Schultern hoch und rein ins Getümmel.
Eve und Kaisa stehen vor mir.
"Entschuldige, Kaisa wollte den Ballon bemalen, deswegen hat sie ihn unten gehalten. Aber jetzt hast du uns ja gefunden." Eve küsst mir die Wangen und auch Kaisa umarmt mich.
"Und ich bekomme von euch den schönsten Ballon. Die anderen vor euch, kamen nicht auf die Idee." grinse ich und drücke nochmal die Schulter von Samus Nichte. Lachend stößt Eve ein "Männer!" aus und verfrachtet die Ballonschnur an den Metallring.
"Oma, ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich könnte einen Snack vertragen." Kaisa grinst breit und übergibt mir eine Automatik Schwimmweste.
"Ich muss aber nicht noch aufs Wasser, oder?" Lachend schütteln die beiden Blondinen den Kopf.
Allerdings verabschieden wir uns dann, Kaisa und Eve gehen irgendwo was snacken und ich stelle mich etwas abseits und studiere meinen neuen Hinweis.


8 ~ deine erste Booa-Tour pausierte hier


Meine erste Tour mit Samus Boot. Wo haben wir Pause gemacht? Was ist hier in der Nähe? Ich hole den Plan raus und werde schnell fündig. Das Café Ursula. Da waren wir. Ich war dort für kleine Mädchen, weil das Wassergeplätscher echt getriggert hat, und dann gabs noch eine große Latte für mich. Yummie.
Auf, auf! Mit Sonnenbrille, Shoppingtüte und mittlerweile 7 knallroten Luftballons am Arm, werde ich ein wenig schief angesehen, aber das juckt mich so gar nicht. Zumindest halten alle Eltern mich wohl für so verrückt, dass sie ihren Kindern verbieten zu mir zu kommen und nach Ballons zu fragen.
Jaaaa…  nehmt euch in Acht… die verrückte Ballonlady ist unterwegs…


Vor dem Café steht Sanna mit Fanni.
Letztere kommt mir entgegen geflitzt und umarmt mich fest.
"Das nenne ich mal eine Begrüßung, na Süße, alles gut bei dir?"
"Jep, alles schick!" Sanna kommt lächelnd dazu, umarmt mich herzlich.
"Wir haben Zeit für einen Kaffee. Wie sieht es aus?"
"Bin dabei." Eingehakt betreten wir das Café und ich muss aufpassen, dass ich meine nun 8 Ballons heile mit reinbekomme. Eine kurze Erklärung an die verdutzte Kellnerin später, sitzen wir an einem Tisch, wo rundherum keine potentiell ballongefährdende Deko platziert ist.


Eine halbe Stunde später stehen wir wieder vor dem beschaulichen Etablissement. Fanni kramt aus ihrem Gymbag ein Handtuch und gibt es mir. Sanna kichert über mein verwirrtes Gesicht.
"So nah am Wasser ist doch ziemlich verlockend, und da ist es praktisch, wenn man zumindest ein Handtuch dabei hat…"
Danach verabschieden sich die beiden.
Als ich das Handtuch auffalte kommt mir ein am Schildchen befestigtes Zettelchen entgegen. Mein Hinweis.


9 ~ dein erstes skinny dipping in der finnischen Ostsee


Ich erinnere mich. Und wie ich mich erinnere. An die Kälte. Brrrr. Ist noch gar nicht so lange her. Wir waren sehr spät abends noch spazieren und Kindskopf wie mein großer Blonder nun mal ist, hat er mich zum skinny dipping überredet. Vielleicht hat er gedacht, dass wir mal schnell noch zur Sache gehen, aber bei der Wassertemperatur wollte klein-Haber so gar nicht spielen. Gott sei Dank, war außer uns weit und breit niemand. Denn wir mussten ja auch wieder raus aus dem Wasser und wir hatten KEIN Handtuch dabei.
In Erinnerungen an diesen speziellen Abend, oder eher diese Nacht, schwelgend, schlendere ich gemütlich vom Café zum Eiranranta.
Und wie Sanna gesagt hat, es ist sehr verlockend. Da ich weit und breit keinen roten Ballon oder jemand bekanntes entdecken kann, schlüpfe ich aus meinen Schuhen und Socken und setze mich auf das Handtuch in den Sand.
Ich genieße die Sonne auf meiner Haut und die warme Brise.
Ach herrlich.


Irgendwann setzt sich jemand neben mich.
"Du warst wirklich schneller als ich. Ein bisschen finde ich das frech von dir. Ich habe mich extra beeilt."
"Weißt du, Sami, so ein paar Minuten faul rumsitzen, waren gar nicht so schlimm. Und unter solchen Bedingungen wie gerade, habe ich gerne auf dich gewartet." ich halte ihm mein Handgelenk hin, damit auch eher seinen Ballon daran festmachen kann.
"Du bist auf der Zielgeraden, Lenny. Nach einem langen Tag wie heute, hast du dir wirklich verdient, die Beine hochzulegen und nichts mehr zu tun."
Er gibt mir einen Umschlag in die Hand. Einen offenen, leeren Umschlag.
Der an mich adressiert ist.
Noch während bei mir der Groschen fällt, ist Sami verschwunden.


10 ~ dein erstes finnisches Zuhause


Ich sehe auf die Uhr. Ich laufe seit Stunden durch die Stadt um dann nach Hause zu gehen. NACH HAUSE?
Was zum…? Was?
Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Der bekommt ja sowas von Sexverbot. Der piept ja wohl nicht mehr richtig. Mich durch Helsinki zu schicken wie ein Psycho mit Ballons am Arm und dann sagen, ich soll nach Hause kommen. Aber nicht mit mir, Kollege! Dem huste ich aber was…


Schnell habe ich wieder Socken und Schuhe an und stapfe energisch nach Hause.
An meiner Wohnungstür klebt schon wieder ein Umschlag und am Knauf ist ein Luftballon befestigt.
Seufzend wandert auch dieser Ballon an den Ring und ich lese die Nachricht.

"Wow, mein Äffchen, du hast es bis hierher geschafft. Ich bin stolz auf dich.
Ich weiß nicht, wie spät es ist, wenn du das hier liest, aber du hast bis 19.30 Uhr deine Ruhe. Dann wirst du abgeholt.

XXX

Samu"


Ich schließe die Tür auf und bin allein. Ich kicke die Schuhe von den Füßen und entschließe mich, duschen zu gehen. Im Bad trifft mich ein Schock. Badewasser eingelassen, Rosenblätter, ein Glas Wein.
Der Weißwein ist noch kühl und das Badewasser dampft noch, also ist er noch nicht lange weg.
Ach man, mein Entschluss ihn anzuzicken schwankt. Er ist ja doch süß. Sehr sogar. Diese Tatsache wird nochmal bestätigt, als ich auf dem Hocker neben der Wanne Schokoerdbeeren entdecke.


Nach diesem wirklich entspannenden Bad, tapse ich, nur in ein Handtuch gewickelt ins Schlafzimmer. Auf meinem Bett liegt eine Schachtel. Eine große Schachtel.
Darauf ein Zettel.


11 ~ unser erstes offizielles Date

PS: bitte trag es für mich. XXX S.


Unser erstes offizielles Date.
Da waren wir in Espoo. Ein romantisches Dinner im Haikaranpesä.
Aber da ich ja eh abgeholt werde, ist diese Erkenntnis ja eigentlich nicht weiter relevant. Es sei denn, der Abholer fragt mich nachher danach.
Jetzt muss ich herausfinden, was "es" ist, das ich tragen soll. Also mache ich mich über die Schachtel her.
Ich finde ein hellblaues, vielleicht ist es auch aquamarin, Chiffonkleid im Vokuhilastil. Es hat keine Ärmel und ich befürchte später zu frieren, aber auch daran scheint er gedacht zu haben. Denn unter dem Kleid kommt eine süße Jacke zum Vorschein. In weiß. Das heißt, ich brauche weiße Schuhe.
Ich ziehe mich an, ist gar nicht so einfach passende Unterwäsche zu finden, die man unter dem Kleid nicht sieht. Vor allem beim BH habe ich so meine Schwierigkeiten. Bis ich ganz unten in der Schublade den trägerlosen finde. Hah! Gerettet!


Es ist genau 19.25 Uhr und ich stehe fix und fertig und zu Allem bereit im Flur vor dem Garderobenspiegel. Nach einem Abstecher auf den Balkon habe ich entschieden, dass ich die Jacke noch nicht brauche. Unnötigerweise zupfe ich an Haaren und Kleid herum um die Zeit totzuschlagen. Bis mir einfällt, dass ich meine Schuhe heute zum ersten Mal trage und Blasenpflaster vielleicht eine gute Idee wären.
Ich werfe gerade die Papierschnipsel von den Pflastern weg, da klingelt es. Rasch schlüpfe ich wieder in meine neuen, supersüßen Mary Janes, schnappe mir Jacke und Clutch von der Kommode und eile zur Tür.
An der Sprechanlage bekomme ich gesagt, dass ich auch meine Ballons mitnehmen soll. Oh man! Also greife ich noch schnell nach dem Metallring und bugsiere die 10 Ballons, die bis jetzt unter der Decke gehangen haben, mit mir zur Tür hinaus.


Unten erwartet mich ein breit grinsender Mikko.
"Wow. Lenny, du siehst umwerfend aus." Ich bedanke mich verlegen und helfe dann lieber, die Ballons ins Auto zu stopfen.
Als wir beide sitzen, lächelt er mich wieder an.
"Also, wo soll's hingehen?"
"Haikaranpesä in Espoo."
"Ding, Ding, Ding! Korrekt! Dann schnall dich an und los  geht's."
"Was wäre gewesen, wenn ich dir einen falschen Ort gesagt hätte?"
"Ich hätte dich weiterraten lassen und vielleicht Tipps gegeben. So oder so hätte ich dich dahin gefahren."
Und so plätschert unsere Unterhaltung locker dahin auf dem Weg zum Aussichts-Restaurant.


Am Eingang erwartet mich ein Kellner. Er führt mich zu einem Tisch, vor dem Samu steht und mir vorfreudig entgegen sieht.
Er greift nach meiner freien Hand und dreht mich einmal um mich selbst.
"Du siehst atemberaubend aus, Babe." flüstert er und zieht mich dann zu einem Kuss an sich.
Aber auch er hat sich in Schale geworfen und steht nun hier im Anzug vor mir. Ein Anblick, der mich dazu bringt ihm das Teil langsam ausziehen zu wollen.
Bevor wir uns setzen, nimmt er mir die Ballons ab und hakt sie an meinem Stuhl ein.
Wir genießen ein vorzügliches 4 Gänge-Menü und unterhalten uns leise, während wir uns verliebt anschmachten, verhalten kichern und unsere Hände auf dem Tisch ineinander verschlungen haben.
Eigentlich ist es kitschig. Aber auch so richtig. Ich liebe jeden Moment.


Nach dem Dessert führt Samu mich raus auf die umlaufende Terrasse. Hinter einer Art Paravent erwartet uns eine kerzenbeschienene Lounge. An der Lehne befestigt ist ein weiterer Luftballon. Ich schmunzele ihn an.
Wir machen es uns gemütlich mit einem Glas Wein, das Samu uns eingeschenkt hat und genießen einfach die Nähe zueinander und den wundervollen Abend. Doch irgendwann richtet er sich auf, stellt unsere Gläser auf den Tisch und wendet sich mir zu. Neugierig setze auch ich mich aufrechter hin. Samu greift nach meinen Händen und atmet noch einmal tief durch, bevor er mir in die Augen sieht.
"Äffchen, Ally, wir sind seit einem halben Jahr unzertrennlich und auch davor, habe ich dir nachgeschmachtet. Seit wir uns das erste Mal berührt haben, stehe ich unter deinem Bann. Aber wirklich gesagt, habe ich es dir nicht, bis jetzt. Ich meine, ich weiß es, ich fühle es. Aber ausgesprochen habe ich es nicht. Allannah, ich liebe dich. Mit allem, was ich habe und bin.
Ich liebe, wie du morgens meiner erster und abends mein letzter Gedanke bist.
Ich liebe, wie wir miteinander über alles reden und über noch mehr schweigen können.
Ich liebe, wie vertraut wir sind und wie viel Neues wir noch aneinander entdecken.
Ich liebe, dass wir zusammen albern und ernst sein können innerhalb von Sekunden.
Ich liebe, wie wir uns gegenseitig antreiben, die beste Version von uns zu sein, aber uns auch zurück auf den Teppich holen, heben wir mal ab.
Ich liebe, wie du mich mit diesem nachsichtigen Blick ansiehst, wenn ich Blödsinn rede.
Ich liebe, wie du mir aufmerksam zuhörst, wenn ich fachsimple, obwohl du kein Wort verstehst.
Ich liebe, wie stolz du schaust, wenn ich komponiere.
Ich liebe, wie viel Verständnis wir für einander haben.
Ich liebe, wie du dich an mich schmiegst, wenn du nach einem anstrengenden Tag im Büro heimkommst.
Ich liebe, wie stark ich für dich sein darf.
Ich liebe, wie du mir deine Stärke gibst, wenn ich sie brauche.
Ich liebe, wie du böse auf mich wirst und wie süß du dabei aussiehst.
Ich liebe, wenn wir uns versöhnen.
Ich liebe, dass ich dich lieben darf.
Ich liebe, dass du mich liebst.
Ich liebe, wie du mich liebst.
Ich liebe dich."
Ich blinzle die Tränen weg und strahle ihn überwältigt an.
"Ich liebe dich auch, Samu." hauche ich, vollkommen geplättet von seinem Geständnis. Ich nehme meine Hände aus seinen und lege sie an seine Wangen. Wir nähern uns einander und unsere Nasenspitzen stupsen aneinander. Wir lächeln. Dann küssen wir uns. Ganz zart und liebevoll. Ohne Hast. Ein Kuss, der all unsere Gefühle ausdrückt.


Später schreibt Samu all die Dinge, die er an uns und mir liebt auf eine Postkarte. Diese Postkarte wird an die Ballons gebunden. Zusammen stehen wir an dem Geländer der Terrasse. Küssen uns und lassen die Ballons steigen.
Wir lösen den Kuss und Samu positioniert sich hinter mir. Gemeinsam sehen wir den Ballons eine Weile nach. Er hat seine Arme fest um mich geschlungen. Ich fühle mich warm und sicher und geborgen. Seine Lippen an meinem Nacken, lösen eine leichte Gänsehaut aus. Er schmunzelt. Gibt mir einen Kuss auf die weiche Haut.
"6-0, Baby. Jetzt gehörst du mir."
"Du hattest mich beim: "there's so much more in me", Darling."
"Du freches Äffchen!" kichernd drehe ich mich in seinen Armen. Schlinge die Arme um seinen Nacken und lasse mich von ihm hochheben, so, wie er es gern hat.
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