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Make Me Break Me

GeschichteDrama, Familie / P16 / Het
Lucy Scherer OC (Own Character) Willemijn Verkaik
11.09.2021
15.09.2021
2
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15.09.2021 2.752
 
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Jetzt geht es auch mal wieder hier weiter.





Kapitel Zwei



„Mama?“ Zoë zupfte am Jackenärmel einer Frau.

Diese drehte sich verwirrt um.

Zoë schaute ihr prüfend ins Gesicht, dann wandte sie sich ab. „Mama?“ Sie berührte den Arm einer anderen Frau und wartete, bis diese sich umdrehte. Aber das Gesicht, das ihr entgegenblickte, war ihr fremd.

Panik bahnte sich einen Weg durch ihren Körper. „Mama“, schrie sie verzweifelt und rannte ein paar Meter die Straße entlang. „Mama, Mama, Mama!“

„Ach je, was ist denn mit dir los?“, fragte eine ältere Frau. Ihr Gesicht war voller Falten und ihr Haar schon ganz weiß.

„Ich such meine Mami“, schluchzte Zoë und blickte zu der Frau auf. Tränen bahnten sich einen Weg über ihre Wangen.

„Nicht weinen, Kleines. Wir finden deine Mama schon.“

„Wirklich?“ Zoë schaute sie mit großen Augen an.

„Wirklich“, bekräftigte die Frau. „Ich schlage vor wir gehen zum Polizeirevier, das ist gleich hier um die Ecke.“

Zoë runzelte die Stirn. „Meine Mami arbeitet aber nicht bei der Polizei.“

Die Frau lachte. „Nein, aber die Polizisten können uns vielleicht helfen deine Mama zu dir zu bringen.“

Zoë sah sie voller Hoffnung an.

„Na, dann komm“, sagte die Frau freundlich.

Nach einigem Zögern folgte Zoë ihr. Ihre Eltern hatten ihr eingeschärft, nie mit Fremden mitzugehen, doch die Frau war so nett, und wenn sie sie wirklich zu ihrer Mama bringen konnte, war es das Risiko wert.  

Schweigend liefen die beiden nebeneinander her. Zoё klammerte sich an den Gedanken, dass die Frau ihr helfen konnte. Vielleicht hatte sie heute Morgen ihre Eltern zum letzten Mal gesehen. Schniefend wischte sie sich mit dem Ärmel über das Gesicht.

Die ältere Frau warf ihr von der Seite her einen mitleidigen Blick zu. „Na na na na na“, sagte sie sanft und legte behutsam einen Arm um Zoё. „Wie heißt du denn?“

Zoё sah mit großen Augen zu ihr auf. „Zoё“, antwortete sie mit dünner Stimme.

„Also, Zoё…“ Die Frau begann mit leiser Stimme zu erzählen. Die Meter zur Polizei flogen unter ihren Füßen dahin. Bald schon vergaß die Sechsjährige ihre Sorgen und lauschte andächtig, was die Frau ihr zu erzählen hatte.  

Als sie zur Polizeistation kamen, hielt die Frau ihr die Tür auf.

„Guten Tag“, sagte einer der Polizisten hinter dem Tresen. „Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

Zoë schaute zu ihm auf. Plötzlich war sie zu schüchtern um zu sprechen, stattdessen brach sie in Tränen aus.

Die alte Dame legte rasch eine Hand auf ihre Schulter. „Sie sucht ihre Mutter“, beantwortete sie die Frage des Polizisten.

Der Mann lehnte sich interessiert vor. „Kannst du uns etwas über deine Mutter erzählen?“, fragte er an die Kleine gewandt.

Zoë nickte eifrig, hielt dann jedoch inne, unsicher, wo sie beginnen sollte.

„Wie sieht sie denn aus?“, half der Polizist ihr weiter.

„Sie hat hellbraune Haare und graue Augen.“ Sie überlegte kurz, dann hellte sich ihr Gesicht auf. „Und abends hat sie grüne Haut und fliegt auf einem Besen.“

Der Polizist runzelte die Stirn. „Grüne Haut, fliegt auf einem Besen?“

„Manchmal auch nachmittags.“

Der Mann wandte sich hilfesuchend an seinen Kollegen. „Das ist eine merkwürdige Beschreibung.“

Der Mann nickte. „Allerdings. Aber wenn man drüber nachdenkt…“ Seine Miene hellte sich auf. „Meine Nichte hat mir neulich von einem Musical erzählt. Wicked heißt es, glaub ich.“

Zoë nickte. „Meine Mama spielt da mit.“

„Wie heißt deine Mutter?“, fragte der erste Polizist.

„Willemijn Verkaik.“

„Und du heißt…?“

„Zoë van den Bergen“, antwortete sie.

„Gut. Weißt du auch wie das Theater heißt, wo das Musical spielt?“, fragte der andere Polizist und tippte etwas auf seiner Tastatur.

„Palladium Theater“, antwortete Zoë wie aus der Pistole geschossen. „Da wollte ich hin, aber ich hab mich verlaufen.“

„Ganz allein?“, fragte einer der Polizisten erstaunt.

Zoë nickte. „Ich bin schon sechs“, sagte sie stolz.

Der Mann lächelte ihr zu. „Ich ruf mal beim Theater an. Die Telefonnummer müsste im Internet stehen. Sie können sich gerne dort hinsetzen.“ Er wies auf eine Reihe von Stühlen, die an der Wand standen.

Die Frau nickte und nahm Zoës Hand. „Deine Mutter wird sicher bald hier sein“, sagte sie sanft.

Zoë nickte nur. Sie konnte nicht sprechen. Die Hoffnung war wie ein Luftballon, der sich in ihrer Luftröhre festgesetzt hatte und das Atmen schwer machte, von Sprechen ganz zu schweigen.


*****


„Taub und stumpf sei sein Fleisch, ohne Blut sei sein Herz. Und bei Schlägen sei er frei von Schmerz“, sang Willemijn.

Die Tür zum Proberaum ging auf. Jemand huschte an der Wand entlang und sagte etwas zum Regisseur.

„In der grausamsten Not und der dunkelsten Zeit“, sang sie weiter, doch dann unterbrach der Regisseur sie.

„Willemijn, gehst du kurz mit Tim raus?“ Sie hörte die Sorge in seiner Stimme.

Eilig ging sie zu Tim hinüber und folgte ihm aus dem Raum. Ihr Herz pochte bis zum Hals. „Was ist passiert?“, fragte sie und versuchte ruhig zu klingen, doch ein leichtes Zittern in ihrer Stimme verriet sie. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis er zu sprechen anfing.

Sie wartete mit angehaltenem Atem.

„Es geht um deine Tochter“, sagte er.

Willemijn schnappte nach Luft. „Was ist mit ihr?“

„Es geht ihr gut“, sagte er und legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Sie ist auf einer Polizeiwache. Sie hat nach dir gesucht. Anscheinend hat sie versucht zum Palladium Theater zu kommen und sich verlaufen. Eine Frau ist mit ihr zur Polizei gegangen.“

Erleichterung durchströmte sie. Ein Glück hatte sich jemand um ihre Tochter gekümmert.

Tim nannte ihr die Adresse der Polizeiwache.

Sie eilte davon. „Danke“, rief sie ihm über die Schulter hinweg zu.

Er winkte ab. „Keine Ursache.“

Schwungvoll rannte sie um die nächste Ecke und wäre fast mit Lucy zusammengeprallt.

„Huch“, stieß sie hervor und hielt sich an der Wand fest, um das Gleichgewicht wiederzufinden.

„Da hat’s wohl jemand eilig“, scherzte Lucy, und ihre Augen funkelten belustigt, dann wurde sie schlagartig ernst. „Was ist passiert?“

„Es ist Zoё. Sie ist bei der Polizei.“

Lucys Augen weiteten sich erschrocken. „Warum?“

„Sie hat sich anscheinend verlaufen. Ich weiß auch nicht.“ Sie hob die Schultern, dann drängte sie sich an ihrer Freundin vorbei. „Ich muss sofort los.“

„Aber doch nicht so.“ Lucy deutete auf ihr Kleid aus dem zweiten Akt.

„Ich…“ Willemijn zögerte, dann rannte sie in die entgegensetzte Richtung zu ihrer Garderobe.


*****


Lucy saß mit Mathias und Roberta an einem Tisch in der Kantine. Alle drei sahen zu Willemijn hinüber, die mit ihrer Tochter etwas abseits an einem anderen Tisch saß.

Zoё war auf den Schoß ihrer Mutter gekrochen und hatte den Kopf an ihre Schulter gelegt, während Willemijn ihr übers Haar strich.

Selbst aus dieser Entfernung konnte Lucy sehen, wie sehr die Hand ihrer Freundin zitterte.

Sie lehnte sich zu ihren beiden Kollegen hinüber. „Arme Zoё, arme Willemijn. Ich konnte sie gerade noch davon abhalten im Kostüm zur Polizeistation zu laufen.“

„Sollen wir zu ihnen gehen, was meint ihr?“, fragte Roberta.

„Ich weiß nicht“, sagte Mathias.

Sie sahen zu, wie Zoё den Kopf hob und etwas zu ihrer Mutter sagte.

Willemijn antwortete, umarmte ihre Tochter und ließ sie los.

Zoё setzte sich neben sie auf die Bank.

„Geht’s dir auch wirklich gut?“, fragte sie und sah ihre Tochter besorgt an.

Zoё rollte mit den Augen. „Ja, Mama. Das hast du mich jetzt schon mindestens fünfmal gefragt.“ Ihre Augen wanderten durch den Raum, dann erschien ein Strahlen auf ihrem Gesicht. „Da ist ja Lucy. Hallo Lucy“, rief sie begeistert und winkte.

Lucy grinste und winkte zurück, dann stand sie auf und zerrte Mathias ebenfalls auf die Füße. „Komm schon, Zoё will mit uns reden.“

„Sie will mit dir reden.“ Mathias sah zögernd zu der Kleinen hinüber. „Mich hat sie nicht erwähnt. Ich weiß nicht, ob ich-“

„Jetzt komm schon!“, sagte Lucy nachdrücklich und zog ihn mit sich.

Roberta wollte nicht alleine am Tisch zurückbleiben und folgte den beiden.

„Hi, Zoёchen.“ Lucy setzte sich ihr gegenüber auf die Bank.

Willemijn verschluckte sich beinahe und Roberta mühte sich ein Kichern zu unterdrücken.

Mathias sah Lucy ungläubig an. „Willst du allen Leuten, die du kennst, Spitznamen geben?“

„Nein, nur Familie und Freunden“, gab Lucy zurück. „Du gehörst auch zu meinen Freunden Matti.“

Mathias schien nicht allzu glücklich über diesen Namen.

Roberta warf ein Blick auf sein Gesicht, und nun konnte sie ein Kichern nicht mehr zurückhalten.

„Und du ebenfalls, Robby.“

Das wischte das Grinsen von Robertas Gesicht.

„Es wird langsam Zeit“, sagte Willemijn hastig, bevor Roberta etwas erwidern konnte und stand auf.


*****


Willemijn schloss die Augen und hielt noch ein letztes Mal das Gesicht in die Sonne, bevor sie die Bühnentür schloss.

„Tolles Wetter heute, nicht?“, hörte sie die Stimme des Pförtners. Sie drehte sich zu ihm um und nickte. „Meine Tochter wollte heute Morgen im T-Shirt zur Schule. Ich hab sie dazu überreden können, dass sie sich noch eine Jacke anzieht.“

Frank lächelte. „Zoë heißt sie, oder?“

„Ja.“ Dankend nahm sie den Schlüssel ihrer Garderobe entgegen, kritzelte ihren Namen in die Anwesenheitsliste und stieg die Treppen hinauf.

Kaum hatte sie die Tür ihrer Garderobe geöffnet und ihre Sachen abgelegt, kam Lucy herein.

Sie hatte ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht. „Gut, dass ich dich hier seh.“

„Warum?“ Perplex sah Willemijn sie an.

Ihre Freundin begann auf- und abzuhüpfen. „Eristhiereristhiereristhier“, sprudelte es aus ihr heraus.

Willemijn runzelte verständnislos die Stirn. „Was? Kannst du das nochmal langsamer sagen?“

Doch Lucy war viel zu aufgeregt. Sie klatschte in die Hände und quietschte.

Willemijn hob eine Augenbraue.

„Komm schon, komm schon, komm schon!“ Lucy ergriff ihre Hand und zog sie ungeduldig den Gang entlang.

Willemijn ließ sich widerstandslos mitziehen. Lucy öffnete die Tür zur Kantine, und sie schlüpfte gleich hinter ihr hindurch.

Lucy hüpfte zu einem blonden Mann hinüber, der an einem der Tische saß. „Mark“, flötete sie.

Der Angesprochene drehte sich lächelnd um.

„Das ist Mark?“, fragte Willemijn etwas verwundert.

Der Mann trug ein Hemd, eine Krawatte und eine dunkle Hose. Sein Haar wurde von viel Haargel nach hinten gehalten und hatte einen ordentlichen Seitenscheitel. Die Jacke des Anzugs hatte er über die Lehne des Stuhls gehängt. Wahrscheinlich arbeitet er in einer Bank, überlegte sie.

Der Mann wandte sich ihr zu.

Willemijn kroch die Röte ins Gesicht, als er sie so direkt ansah. „Ich meine… Lucy hat schon viel von Ihnen erzählt… und so“, sagte sie.

„Nur Gutes, hoffe ich.“

„Natürlich“, mischte sich nun Lucy etwas entrüstet in das Gespräch ein. „Mark, das ist Willemijn.“

„Ah, die grüne Hexe“, sagte er freundlich und schüttelte ihr die Hand. „Ich schaue mir heute das Stück zum ersten Mal an. Ich hatte nicht viel mit Musicals und Theater am Hut, aber dann hab ich Lucy getroffen und…“

Willemijn lächelte höflich und tat so als würde sie zuhören, doch in Wahrheit hatte sie nach schon nach den ersten Worten abgeschaltet. Sie gewann schnell den Eindruck, dass er sehr gerne sehr viel redete.

Nach einer Weile war es still.

Sie blinzelte verwirrt.

Lucy saß nun auf Marks Schoß und beide sahen erwartungsvoll zu ihr hoch.

„Äh was?“, fragte sie, wobei sie sich dumm vorkam. Es war eigentlich nicht ihre Art, jemandem nicht zuzuhören. Und jetzt hatte sie auch nicht mitbekommen, was Lucy und ihr Freund von ihr erwarteten.

„Ich hab gefragt, ob Sie sich zu uns setzen wollen“, wiederholte Mark.

Willemijn nickte, blieb dann jedoch zögernd stehen. Eigentlich hatte sie nicht wirklich Lust zusehen zu müssen, wie verliebt die beiden waren.

„Ich hol mir nur schnell was zu trinken“, sagte sie und ging zur Theke. Dort holte sie sich ein Glas Wasser und war gerade auf dem Rückweg, als sie plötzlich mit jemandem zusammenstieß. Mit Entsetzen beobachtete sie, wie sich der Inhalt ihres Glases auf dem Oberteil des Mannes ergoss. „Entschuldigung, das tut mir so leid.“

„Nicht so schlimm. Ist doch nur Wasser.“

Die warme, tiefe Stimme rührte etwas in ihr. Sie sah dem Besitzer der Stimme ins Gesicht.

Er lächelte sie freundlich an.

Willemijn öffnete und schloss den Mund, doch ihr fiel nicht ein, was sie darauf sagen könnte. „Ich… ich meine… ich… Entschuldigung.“ Sie wurde knallrot und wandte sich ab. So schnell wie möglich lief sie zwischen den Tischreihen hindurch, doch dann sah sie, wie Lucy und Mark sich küssten und blieb abrupt stehen. Sie hatte wirklich keine Lust sich zu den beiden zu setzen.

„Willemijn, hier drüben“, rief in diesem Moment eine Stimme.

Erleichtert wandte sie sich um und sah Mathias winkend an einem der Tische am Fenster. „Mathias“, murmelte sie und ging eilig zu ihm hinüber. „Hallo.“

„Hi.“ Er grinste ihr fröhlich zu. „Ich dachte mir schon, dass du jetzt lieber nicht in Lucys Nähe sein willst.“ Er deutete nach vorne.

Willemijn drehte sich um und bekam gerade noch mit, wie Mark Lucy mit einer Erdbeere fütterte, und ihr dann einen Kuss auf die Nasenspitze gab.

„Uuärrh“, rutschte es Willemijn heraus. „Das ist… das ist…“

„Kitschig?“, half ihr Mathias weiter.

Sie nickte. „Aber das sagst du ihnen doch nicht, oder?“ Etwas erschrocken sah sie ihn an.

Er winkte lachend ab. „Keine Sorge! Willst du dich stattdessen zu uns setzen?“

Sabrina gab ihr ein kleines Winken.

Willemijn nickte und setzte sich neben sie auf die Bank.

„Hat doch etwas länger gedauert, als gedacht“, sagte jemand.

Willemijns Kopf zuckte beim Klang der Stimme hoch.

Dort stand er, der dunkle Fleck auf seinem Shirt deutlich sichtbar.

„Whoa Bart, was ist denn mit dir passiert?“, fragte Mathias überrascht. „Hast du dir eine kurze Abkühlung gegönnt?“

„Nein, ich bin mit jemandem zusammengestoßen“, erwiderte Bart und zwinkerte Willemijn zu.

Sie spürte, wie sie rot anlief. Warum musste sie jetzt rot werden? Warum? Hastig senkte sie den Blick und starrte auf den Tisch.

„Hi nochmal“, sagte Bart fröhlich.

Vorsichtig blickte Willemijn wieder zu ihm auf.

„Ich bin Bart van Hoof. Ich spiele im Orchester von We Will Rock You, drüben im Apollo Theater.“

„Hallo“, murmelte sie. Ihr Kopf glühte immer noch, als hätte sie Fieber.

Sabrina stieß ihr unsanft in die Seite.

Willemijn schaffte es gerade noch ein genervtes Seufzen zu unterdrücken und gab Bart die Hand. Sein Händedruck war warm und fest, kein nervöses Zucken. Sie blickte in seine freundliches Gesicht und merkte, wie ihre Hand in seiner zitterte. Wo seine Haut ihre berührte, breitete sich ein Kribbeln bis in ihren Arm aus. Ihr Mund wurde trocken. Was war nur los mit ihr?

„Hallo, ich bin Willemijn“, presste sie hervor, dann ließ seine Hand so schnell wie möglich los, ohne unhöflich zu wirken.

Bart reichte Sabrina eine Tasse Kaffee und Mathias ein Glas mit Apfelschorle, dann ließ er sich auf den freien Platz neben Mathias auf der Bank nieder, was bedeutete, dass er Willemijn gegenübersaß.

Ihre Augen huschten durch die Kantine, auf der Suche nach Ablenkung. Ihr Blick fiel auf Lucy, die inzwischen anscheinend völlig vergessen hatte, dass Willemijn sich eigentlich zu ihnen hatte setzen wollen. Sie hatte nur noch Augen für ihren Freund.

Willemijn wurde schlecht, allein vom Zusehen. Es erinnerte sie daran, wie glücklich sie und Adriaan einmal gewesen waren, bevor alles den Bach heruntergegangen war. Sie gab ein würgendes Geräusch von sich.

„Alles okay?“, hörte sie eine Stimme aus weiter Ferne.

Sie bemerkte, wie sie zu zittern anfing. Kalter Schweiß rann ihr übers Gesicht. Oder waren es Tränen? Sie hob eine bebende Hand und versuchte die Tropfen wegzuwischen. Sie schloss die Augen, als der Raum zu verschwimmen begann. Im gleichen Moment spürte sie, wie sich etwas den Weg nach oben bahnte. Sie schlug die Hand vor den Mund, doch es war zu spät. Sie erbrach sich auf dem Tisch.

Sie hörte, wie Sabrina erschrocken aufschrie. Willemijn dachte, sie ekelte sich vor dem Erbrochenen, was zugegebenermaßen auch eklig war, doch da hatte die Blonde schon eine Hand auf ihrem Arm gelegt. „Geht’s dir nicht gut?“

Bart war aufgesprungen und war schon auf dem Weg, um etwas zum Aufwischen zu holen.

„Ich denke, dass sie sich gerade erbrochen hat, beantwortet die Frage“, sagte Mathias etwas ungeduldig. „Einem geht es normalerweise nicht gut, wenn man spuckt.“

„Man darf ja wohl noch fragen“, sagte Sabrina ein bisschen beleidigt.

„Ich…“ Willemijn wischte sich mit dem Ärmel über den Mund und verzog angeekelt das Gesicht. „Ich geh in meine Garderobe. Nein, wirklich ich schaff es allein“, sagte sie an Sabrina gewandt, die sich schon erhoben hatte. Ihre Stimme zitterte. Verärgert über sich selbst, presste sie die Lippen aufeinander. Sie wollte nicht, dass die anderen auf den Gedanken kämen, sie hätte Probleme, oder noch schlimmer: Beziehungsprobleme. Zwischen Adriaan und ihr lief alles perfekt. Es könnte nicht besser sein.

„Bist du sicher?“, fragte Mathias.

Sie nickte und stand auf. So schnell wie möglich eilte sie aus dem Raum.
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