Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Black Lion - Gangs, Anführer und andere Probleme

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Mix
10.09.2021
26.09.2021
17
55.014
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
10.09.2021 2.818
 
Kennst du das, wenn die Welt um dich herum so surreal wirkt? Wenn sie einfach nur so an dir vorbei zieht und du dich fühlst, als wärst du gar kein Teil von ihr? So wie der Betrachter eines 4D-Films?
So habe ich mich jedenfalls gefühlt, als ich im Zug in meine neue Heimat saß. Alles zog an mir vorbei, ich konnte hören, sehen, bekam alles um mich herum mit, saß mitten im Geschehen, und doch war irgendwie alles taub, wie durch Watte, ich war einfach nur Betrachter.
Meine Eltern hatten sich scheiden lassen. Mum wohnte mit ihrem neuen Lover in unserem alten Haus. Die Gegend war schön, ruhig, am Rande der Stadt, fast schon ein kleines Dorf außerhalb. Und jetzt? Jetzt zog ich mit Dad mitten in die Großstadt in eine kleine, dreckige Wohnung. Rein in den Lärm, die stickige Luft, die mehr aus Abgasen und Feinstaub bestand als Sauerstoff, und in ein Bad aus Neonlichtern, die gerade dann am grellsten leuchteten, wenn man sie am wenigsten brauchte.
Erst als die S-Bahn hielt und ich genau auf eines dieser Bahnhofsschilder sah, kam wieder Leben in mich. Ich musste raus. Ich nahm meinen Rucksack vom Nachbarsitz und hastete nach draußen. Die Türen schlossen sich und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Ich atmete aus und sah mich um. Ich kannte die Station, schließlich zogen wir im Grunde genommen nur in ein anderes Viertel und doch kam ich mir so fremd vor, so klein und hilflos. Endlich erkannte ich auf einem der Ausgangsschilder den Straßennamen, den Dad mir genannt hatte, also lief ich darauf zu und stieg die Treppen runter in den stinkenden Unterführungstunnel und schnell wieder rauf. Wer da im Dunkel lang ging, tat es bestimmt auch nur, weil er es musste. Ich landete auf einem großen Platz. Autos hupten, es roch nach Abgasen und Zigarettenqualm, der typische Großstadtgeruch. Ich lief ein Stück an dem Kreisverkehr entlang. Dann bog ich in eine Seitenstraße. So langsam wurde es etwas ruhiger. An der nächsten Ecke musste ich nach rechts. Schon von weitem sah ich den kleinen LKW, mit dem Dad und ein Kumpel von ihm unsere Möbel hier her gefahren hatten, vor einem der Reihenhäuser parken. Seufzend lief ich ein Stück schneller. Die Fassade des Hauses war pastellblau. Um die Fenster zogen sich vereinzelt ein paar Schnörkel. Ich warf einen Blick in den Laster. Der Großteil der Möbel war noch da, aber dafür weder mein Vater noch sein Kumpel. Also lehnte ich mich neben die dunkle Eingangstür und spähte wartend ins Treppenhaus. Es roch nach Farbe und Essen, aber alles war soweit sauber.
„Hey, Schatz, da bist du ja“, begrüßte Dad mich, als er die Treppe runter kam. „Hey“, lächelte ich schief und erwiderte seine Umarmung halbherzig. „Ach, komm schon Leonora, so schlimm wird es schon nicht“, sah er mich aufmunternd an. „Nein, es ist schon schlimm“, schob ich ihn von mir. Er seufzte. „Kannst du uns bitte trotzdem helfen?“, fragte er. „Ja, hab ich doch gestern schon gesagt“, erwiderte ich leicht gereizt, lief zum Laster und sah ihn an. „Was soll ich nehmen?“ Er kam rüber und zog einen der Umzugskartons raus, um ihn mir in die Hand zu drücken. Ohne ein weiteres Wort drehte ich ab und stapfte damit die Treppe rauf. Schwerer ging wohl nicht. Abgehackt atmend ließ ich das Teil vor der offenstehenden Wohnungstür im dritten Stock fallen. „Lass stehen, ich hol die gleich“, kam es von Kai, Dads Kumpel, der in dem Raum gegenüber der Tür, der anscheinend einmal unser Wohnzimmer sein sollte, an irgendetwas rumschraubte. Lächelnd sah er zu mir auf. Ich lächelte bemüht zu ihm zurück, stellte meinen Rucksack neben den Karton und verschwand wieder nach unten.

Spät abends waren wir endlich soweit, dass wenigstens alle Möbel halbwegs standen. Seufzend ließ ich mich mit einem Glas Apfelschorle auf das alte blaue Sofa fallen, das früher in Dads Büro gestanden hatte. „Sieht doch schon ganz gut aus“, ließ Kai sich neben mich fallen. „Hm“, machte ich und sah auf das Glas, das ich in meiner Hand hin und her drehte. „Tu mir einen Gefallen und mach es deinem Vater nicht noch schwerer, als er es eh schon hat“, meinte er. Ich stieß belustigt die Luft aus. Ich hatte es nicht schwer oder wie? Weil ich aber keine Lust darauf hatte mit ihm darüber zu diskutieren, nickte ich.
„Essen“, kam mein Vater mit drei Tellern Pizza ins unfertige Wohnzimmer und stellte sie vor uns auf den kleinen Couchtisch. Ich nahm mir die Hawaiipizza und biss von einem der Stücken ab, während ich einfach aus dem Fenster starrte. Als ich aufgegessen hatte stand ich auf, stellte den Teller in die Spüle und verzog mich in mein neues Zimmer. Links an der Wand stand mein Schrank, rechts mein Bett und daneben mein Schreibtisch. Geradeaus unter dem Fenster stapelten sich Umzugskartons. Seufzend ließ ich mich auf die Matratze fallen und starrte an die Decke. Das Zimmer roch noch immer unangenehm nach Farbe, obwohl Dad die Wohnung schon vor fünf Tagen hatte Streichen lassen. Irgendwann stand ich wieder auf, ging zum Fenster und riss es auf. Eine Weile blieb ich stehen. Man konnte von hier aus direkt auf einen Park schauen. Vielleicht war es ja doch nicht so blöd. Wenigstens musste ich Mum und Dad jetzt nicht mehr ständig streiten hören, oder Mum mit ihrem Lover rummachen sehen.
„Ab ins Bett, Leonora“, trat mein Vater ins Zimmer. „Morgen geht es wieder in die Schule.“ Ich stöhnte auf. „Ja, ich weiß. Und hör auf mich Leonora zu nennen“, schnaubte ich. Morgen waren die Osterferien vorbei und somit mein erster Tag an der neuen Schule, weil Dad der Meinung war, dass vierzig Minuten Schulweg zu lang waren. Und Mum war eh die ganze Zeit der Meinung, dass ich nicht aufs Gymnasium gehörte. Da waren sie sich wenigstens einmal einig. Leider genau in dem Punkt, in dem sie sich gerne hätten uneinig sein können.
Ich schob mich an ihm vorbei und ging ins Bad, wühlte in einem der Kulturbeutel nach meiner Zahnbürste und einer Tube Zahnpasta und stellte mich vors Waschbecken, um mir die Zähne zu putzen. Als ich wieder in mein Zimmer kam, hatte Dad zwei Kartons aufgerissen. Aus dem einen hatte er mein Bettzeug herausgeholt und aus dem anderen meine Schulsachen. „Na dann, gute Nacht“, drückte er mir einen Kuss auf die Stirn. „Nacht“, murmelte ich. Dann widmete ich mich den Kisten und suchte nach meinen Klamotten. Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich eine Jogginghose und ein T-Shirt, das ich zum Schlafen tragen konnte, legte gleich noch ein paar Sachen für morgen raus, bevor ich das Bettzeug richtig hinlegte und darunter schlüpfte.

Um viertel nach sechs schmiss mein Dad mich am Montagmorgen aus dem Bett. Noch nicht ganz wach, wie jeden Morgen, wenn ich so früh aufstehen musste, tapste ich ins Bad, putzte Zähne und ging dann wieder ins Zimmer, schlüpfte in meine Jeans, zog den schwarzen Hoodie drüber und kämmte meine braunblonden Haare soweit, dass sie nicht mehr so verfilzt aussahen. Dann machte ich mich auf den Weg in die Küche. „Ich hab dir ein Brötchen fertig gemacht“, begrüßte mich Dad und deutete auf den Teller auf dem kleinen Ecktisch, an dem er saß. Ich setzte mich zu ihm und machte mich über das Brötchen her, bevor ich mir ein weiteres für die Schule schmierte und meine Sachen packte. Ein Blick auf meine Handyuhr verriet mir, dass ich viel zu früh fertig war. Ich hatte noch eine halbe Stunde bis ich los musste und das obwohl ich mindestens zehn Minuten lang mein Mäppchen gesucht hatte, um es dann zwischen den Umzugskartons zu finden. Dem nächst konnte Dad mich echt später wecken.
Weil rumsitzen irgendwie langweilig war, beschloss ich einfach schon loszugehen und mir den Park hinterm Haus etwas anzuschauen. „Ich geh schon mal“, informierte ich Dad. Er nickte in irgendein Formular vertieft. Also nahm ich mir meine Lederjacke von der Stuhllehne, lief in den Flur, schlüpfte in meine Schuhe, schnappte mir meinen Rucksack und verschwand nach draußen. Ein Stück weiter die Straße runter fand ich eine Gasse, die zwischen der Häuserreihe hindurch führte. Auf der Rückseite der Häuser befanden sich größtenteils Garagen. Trotzdem parkten die Autos am Straßenrand Stoßstange an Stoßstange. Kurz warf ich einen Blick nach links und rechts, bevor ich die Straße überquerte. Entlang des Parks verlief eine Backsteinmauer, die mit kleinen bunten Figuren verziert war. Etwa auf Höhe unseres neuen Hauses fand ich einen Eingang. Ein beigeweißer Schotterweg führte um eine Wiese herum. Ich beschloss ihm einfach ein Stück zu folgen.
Die Sonne war schon ganz schön warm für einen Morgen Ende April. Lächelnd schob ich die Hände in die Taschen. Ein paar Vögel zwitscherten in den Bäumen, während der Kies unter meinen Füßen knirschte, von dem Autolärm und stickiger Luft merkte man hier nichts.
Das Vibrieren meines Handys holte mich aus meinen Gedanken. Seufzend zog ich es hervor. Dad hatte mir geschrieben. „Du hättest doch erst jetzt losgemusst“, meinte er. Ich verdrehte die Augen. „Ja, ich wollte aber nicht Zuhause rumsitzen“, schrieb ich zurück und schob das Handy wieder in die Tasche. So langsam sollte ich mich aber mal auf den Weg machen. Also lief ich zurück zum Ausgang und dann die Straße rechts runter.

Nach dem ich mich doch ein paar Mal verlaufen hatte, kam ich an der Gesamtschule an. Es war ein schlichtes Gebäude in einer Nebenstraße und sah weder ein- noch ausladend aus. Vor dem Eingang standen einzelne Schülergrüppchen. Einige unterhielten sich, doch vor allem die jüngeren starrten zusammen auf ihre Handys. Das war schon mal nicht wirklich anders als an meiner alten Schule.
Ich ging an ihnen vorbei und zog die schwere Glastür auf. Sie führte in einen großen Eingangsbereich. Eine Fensterfront an einer Seite ließ die Sonnenstrahlen hinein und beleuchtete die bunten Wände, die von Sitzbänken gesäumt waren. Ich nahm mein Handy aus der Jackentasche und öffnete die E-Mail, der mein neuer Stundenplan angehängt war. Dem zufolge hatte ich zuerst Englisch bei meinem Tutor Herrn Dansel. Mit dem Raum konnte ich natürlich nichts anfangen. Suchend sah ich mich um. An der Tür zum Treppenhaus entdeckte ich einen Mann mittleren Alters, kurze braune Haare, ein paar Bartstoppeln, mit Sicherheit ein Lehrer. Ich atmete tief durch und ging auf ihn zu. „Können Sie mir sagen, wo ich da hin muss?“, fragte ich, hielt ihm den Stundenplan hin und deutete auf den Raum im ersten Kästchen am Montag. „Das Treppenhaus hier rauf in die erste Etage, der letzte Raum auf der rechten Seite, aber du kannst auch einfach mit mir mitkommen, ich bin Herr Dansel“, lächelte er. Ich nickte und lächelte zurück. „Und du heißt wohl Leonora, richtig?“, fragte er. „Ja“, meinte ich, „aber Leo reicht.“
„Ah, ok, na dann, herzlich willkommen Leo“, sagte er, immer noch lächelnd. „Wenn du irgendwelche Fragen hast, kannst du gerne zu mir kommen, aber ich bin sicher, du wirst dich schnelle einleben“, fügte er noch hinzu. „Danke“, erwiderte ich. Also mein Klassenlehrer schien schonmal in Ordnung zu sein.
Es klingelte. Ich folgte Herrn Dansel zum Lehrerzimmer, einen Flur weiter, wo er anscheinend seine Tasche stehen hatte, und dann hoch in den ersten Stock. Es würde sicher einige Zeit dauern bis ich mich hier zurecht fand. Vor dem Raum warteten schon ein paar Schüler und redeten wahrscheinlich noch darüber, was sie in den Ferien gemacht hatten. Ich seufzte. Ja, wenn ich noch an meiner alten Schule wäre, hätte ich das jetzt sicher auch getan.
Herr Dansel schloss den Klassenraum auf und ließ uns rein. Der Raum war relativ groß, hatte hellgelbe, abgenutzte Wände, vorne neben der Tafel stand das Pult und davor vier Tischreihen, die in der Mitte einen Gang frei ließen, außerdem gab es ein Waschbecken neben der Tür und ein paar Regale an der Wand. Ein typisches Klassenzimmer eben. Ich stellte mich links vor die Tafel, um weder im Weg, noch mitten im Raum zu stehen und wartete. Um Punkt acht klingelte es ein zweites Mal. Die meisten Plätze waren besetzt, anscheinend war also der Großteil der Klasse da. Mein neuer Klassenlehrer schloss die Tür und stellte sich neben mich.
„Guten Morgen“, begrüßte er die Klasse kurz und bekam vereinzelt ein „Morgen“ zurück. „Wie ich vor den Ferien angekündigt hatte, habt ihr ab heute eine neue Mitschülerin. Magst du dich kurz vorstellen?“, leitete Herr Dansel ein. Ich zuckte die Schultern, schließlich war das mehr eine Aufforderung als eine Frage. „Ich bin Leonora oder einfach Leo, siebzehn Jahre alt und bin hier, weil ich umgezogen bin“, sagte ich. „Hast du irgendein Hobby?“, wollte Herr Dansel wissen. „Ich klettere“, antwortete ich knapp. „Na dann, hier vorne ist noch ein Platz frei“, deutete er auf den leeren Stuhl in der ersten Reihe. Ich nickte und setzte mich zwischen ein dunkelhäutiges Mädchen mit schwarzen Dreadlocks und einen kleinen braunhaarigen Jungen. Herr Dansel knüpfte an das Thema an, dass die Klasse vor den Osterferien begonnen hatte und ließ kurz wiederholen, worum es ging, damit auch ich mitkam.
„Hey, ähm, kannst du mir vielleicht sagen, wo ich jetzt hin muss?“, fragte ich das Mädchen neben mir, als wir unsere Sachen zusammenpackte. „Bei wem hast du denn? Wir haben Bio und Physik ja in unterschiedlichen Kursen“, meinte sie und lächelte. „Warte“, sagte ich und holte schnell mein Handy raus. „Tarel“, las ich den Nachnamen vor. „Ah, du hast Physik.“ Sie sah sich um. „Jael“, rief sie. Ein Mädchen mit welligen braunen Haaren drehte sich zu uns. „Kannst du sie mit zu Physik nehmen?“, fragte sie Jael. „Ja“, meinte diese und kam zu uns nach vorne. Ich schulterte meinen Rucksack und lief neben ihr her. Wir mussten die Treppen wieder runter und in den Nachbartrakt, wo die Naturwissenschaftsräume lagen. Eine Tür im Gang stand schon offen. Jael ging hinein. Am Pult saß ein älterer Lehrer, der mich fragend ansah, als ich vor ihn trat. „Ich bin neu in diesem Kurs, ich habe die Schule gewechselt“, sagte ich. „Wie heißt du denn und bei welchem Tutor bist du?“, wollte er wissen, während sein Blick mich zu durchbohren schien. „Leonora Nolden, ich bin bei Herrn Dansel“, antwortete ich. „Ok, dann setz dich mal“, sagte er. Ich nickte und sah mich nach einem freien Platz um. „Sitzt da jemand?“, fragte ich Jael, da neben ihr bis jetzt keiner saß. „Nee, kannst dich setzten“, meinte sie.

So ging der Tag weiter. Ich musste nachfragen, wohin ich musste, mich in den Kursen vorstellen und mich in den Stoff einfinden. Ich fand raus, dass das dunkelhäutige Mädchen, neben dem ich in Englisch saß, Zadie hieß. Sie war auch im selben Geschichts- und Kunstkurs wie ich und schien ganz nett zu sein.
„Ciao“, verabschiedete sie sich lächelnd nach Geschichte, unserer letzten Stunde heute, von mir. „Tschüss“, erwiderte ich und lächelte zurück. Dann schulterte ich meinen Rucksack und verschwand hinter ihr aus dem Raum. Ich musste die Treppen runter und im Erdgeschoss nach links, damit ich zum Ausgang kam, so viel wusste ich mittlerweile. Die Sonne schien immer noch. Kurz blieb ich stehen und sah mich um, bevor ich nach links abbog. Von da war ich mit großer Wahrscheinlichkeit heute Morgen gekommen.
Als ich nach Hause kam, war Dad noch nicht da, also warf ich meinen Rucksack in die Ecke und setze mich mit meinem Handy auf die Couch. Kia, meine beste Freundin, hatte mir geschrieben. Ich grinste, als ich die Nachricht öffnete. „Wie war’s an der neuen Schule? Ist echt langweilig ohne dich, müssen uns schnell mal wieder treffen“, schrieb sie. „Jo, wann kannst du denn? Die Schule ist ok“, antwortete ich, dann legte ich das Handy auf den kleinen Tisch und streckte die Beine aus. Ich würde mich dran gewöhnen hier zu wohnen und Kia und meine alte Klasse nicht mehr täglich zu sehen. Es blieb mir ja auch gar keine andere Wahl.
Wie lange ich einfach nichts tuend auf dem Sofa gelegen hatte, wusste ich nicht, jedenfalls war ich so sehr in meinen Gedanken versunken, dass ich regelrecht aufsprang, als ich plötzlich Dads Stimme hinter mir hörte.
„Tschuldingung“, lachte er, „ich wollt dich nicht erschrecken. „Haha, sehr witzig“, machte ich, musste aber doch grinsen.
„Ich hab Essen mitgebracht, willst du?“, fragte er dann und hielt zwei Nudelboxen vom Asiaten hoch. „Jetzt schon?“, fragte ich. „Es ist sechs“, entgegnete Dad. „Oh“, machte ich. Da hatte ich ja über eine Stunde rumgelegen. Ich rappelte mich auf und folgte meinem Vater in die Küche. Er stellte jedem von uns eine Box hin und holte Besteck aus einer Schublade, während ich mir eine Limo aus dem Kühlschrank nahm. „Willst du jetzt eigentlich jedes Mal Nudeln oder Pizza zum Essen holen?“, fragte ich und setzte mich. Das war zwar lecker, aber auch nicht auf Dauer. Dad zuckte die Schultern und schob sich eine Gabel Nudeln in den Mund. „Ich kann halt nicht kochen“, sagte er. „Dann probier‘s wenigstens oder melde dich bei einem Kochkurs an“, meinte ich leicht sauer. Mein Vater stöhnte, sagte aber nichts mehr. Seufzend wand ich mich meinem Essen zu. Das konnte was werden.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast