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Ehrensache

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Het
Albert Stroller Ashley "Ash" Morgan Emma Kennedy Michael Stone OC (Own Character) Sean Kennedy
10.09.2021
15.09.2021
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15.09.2021 2.887
 
„Gute Güte, die Aussicht ist göttlich!", hauchte Sara beeindruckt, als sie sah, wie sich die Stadt vor der Fensterfront ausbreitete. Erst danach bemerkte sie die Technik. „Du magst Computer und so, wie's aussieht."
„Ich brauche das Zeug für meine Arbeit. Möchtest du dich setzen?" Ash versuchte, ruhig zu bleiben, obwohl er eine Nervosität verspürte, die er nicht gewohnt war.
Sie nahm auf seiner Bettkante Platz. „Okay, leg' los. Erhelle mich."
Er blieb stehen. „Erinnerst du dich an unser erstes Treffen?"
Ein glückliches Lächeln stahl sich über Saras Gesicht. „Sicher. Du kamst in deinem schicken Anzug hereingeschneit wie eine frische Brise und hattest es furchtbar eilig. Du meintest, du hättest in einer knappen Stunde einen Geschäftstermin und blöderweise einen abgebrochenen Nagel. Du hattest eine schnelle Maniküre und eine Handreflexzonenmassage", rekapitulierte sie. Ihr war damals schon klar gewesen, dass er geschwindelt haben musste, denn er trug seine Nägel so kurz, dass sie gar nicht brechen konnten.
„Genau so war das. Und was habe ich dabei nicht getan?" Er war darauf vorbereitet, die Antwort selbst nachliefern zu müssen.
„Du hast dich mir nicht vorgestellt. Das hast du erst bei deinem zweiten Besuch nachgeholt."
Ash war ehrlich beeindruckt. Sie war richtig gut. „Großartig! Du bist sehr aufmerksam. Viel aufmerksamer als die meisten Menschen", gab er zu. „Wir, die Crew und ich, arbeiten mit der Unaufmerksamkeit der Menschen." Zeit, die Hosen runterzulassen. „Wir sind Betrüger. Trickbetrüger. Und wir sind verdammt gut in dem, was wir tun." Er wusste nicht, mit welcher Reaktion er gerechnet hatte, doch sicher nicht mit der, die Sara parat hatte.
„Aha. Wie funktioniert das? Wen betrügt ihr? Und wie?"
Dabei schob sie ihr Haar in einer Geste über die Schulter, die Ash dazu brachte, seine Hände in den Hosentaschen zu vergraben. Er wollte diese Frau nicht nur beschützen, sondern auch ständig berühren.
„Wir erleichtern diejenigen um ihr geliebtes Geld, die es dazu nutzen, andere zu unterdrücken und schlecht zu behandeln. Die Gierigen, die den Hals nicht vollkriegen können. Es hat nichts mit Anstand zu tun, wenn man etwas für nichts will. Wir verhindern also, dass schlechtes Geld sich auf Kosten ehrlicher Menschen vermehrt."
„Wie Robin Hood und seine Bande? Nur, dass ihr das Geld behaltet und nicht den Witwen und Waisen spendet", schlussfolgerte sie trocken.
Ash lachte leise vor sich hin. Den Vergleich hörte er nicht zum ersten Mal. Er hatte ihn sogar selbst schon gezogen. „Wer sagt, dass wir nichts für gute Zwecke spenden? Es bleibt trotzdem genug hängen. Wie gesagt, wir sind gut."
Das glaubte Sara ihm aufs Wort. „Die Wohnlage zeigt, dass du recht hast. Aber wie muss ich mir das genau vorstellen?"
Ihr aufrichtiges Interesse brachte ihn dazu, ihr zu erklären, wie ihre Jobs abliefen. Albert fand die Kunden, Mickey dachte sich die Story aus, Emma spielte für gewöhnlich die Rolle an Mickeys Seite, während er selbst die Hintergrundrecherche lieferte und, wie Sean, die Überzeugungsarbeit bei ihren Kunden leistete.
„Welche Hintergrundrecherche? Brauchst du dafür die ganze Technik?", sprang Sara darauf an.
„Ich liefere die Informationen über unsere Kunden, erstelle Papiere, auf unsere Kunden zugeschnittene Zeitungen, Internetseiten und so weiter. Alles, was sie davon überzeugt, dass das Geschäft real und für sie lohnenswert ist." Mit der Reaktion darauf hatte er ebenfalls nicht gerechnet.
„Cool. Ihr nehmt demnach nur die aus, denen jeder aufrechte Mensch eine Abreibung wünscht. Hört sich nach einem Ehrenkodex an."
„Ist es auch", bestätigte Ash. „Wir klauen keiner Oma die Handtasche oder den Sparstrumpf. Einen ehrlichen Menschen kann man nicht betrügen."
Sara stand auf und kam zu ihm. Als sie direkt vor ihm stand, stellte sie eine weitere Frage, die ihr wichtig erschien. „Wieso kamst du wieder in den Salon? Und wieso hast du dich mit deinem richtigen Namen vorgestellt? So, wie ich das verstanden habe, ist das in deinem Beruf eher hinderlich."
Sie war nicht nur beeindruckend schön, sondern auch beeindruckend helle. „Ich weiß nicht, ob du dir dessen bewusst bist, aber deine Handmassagen sind unvergleichlich. Bei meinem zweiten Besuch hatten wir gerade einen Job abgeschlossen, und mir war nach ein bisschen Entspannung." Er nahm ihre Hand in seine und hauchte einen kaum spürbaren Kuss auf ihre Fingerspitzen. „Außerdem wollte ich wissen, wie es dir geht. Dich wiedersehen. Ich, nicht die Rolle, die ich damals gespielt habe."
„Warum?"
Ashs andere Hand schob das Haar auf der verletzten Seite ihres Gesichts hinters Ohr. „Du hast mich beeindruckt. Es gibt Leute, an die du dich schon nach fünf Minuten nicht mehr erinnerst und solche, bei denen fünf Minuten reichen, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben."
Die Antwort war kaum mehr als ein Flüstern. Gott, er wollte sie und wusste doch, wie hirnverbrannt allein der Wunsch war. Sachte, ganz sachte fuhren seine Fingerspitzen über die Mischung aus Purpur und Blau auf Saras Wangenknochen.
Sie lehnte sich dichter an ihn und drückte ihre Lippen auf seinen Hals. „Du hast mich auch beeindruckt, Ashley Morgan. Du warst so respektvoll und freundlich, während du mich ausgefragt hast." Sie schenkte ihm ein verschmitztes Grinsen. „Außerdem kann ich Männern mit so schönen Händen nicht widerstehen. Ganz zu schweigen von so unverschämt blauen Augen."
Ihr Atem hatte beschleunigt, ein untrügliches Zeichen der Erregung. Wie mochten die Chancen stehen, dass sie auf einen Kerl wie ihn abfuhr?
„Ich habe oft an dich gedacht und mir gewünscht, es wären deine Hände, die mich anfassen", wisperte Sara gegen Ashs Haut. „So wie vorhin. Würde es dir was ausmachen ...?"
Seine Hände glitten zurück auf ihren Rücken, strichen ohne übertriebene Vorsicht über Emmas grünes Oberteil und arbeiteten sich unter den Saum. „Gut so?"
„Fast. Irgendwer sollte mich dafür entschädigen, dass ich so übel unter Steve leiden musste."
Er ging auf das Spiel ein. Wenn er etwas konnte, dann das - spielen. „Irgendwer sollte das tun, richtig. Aber wie?"
„Körperlich", schlug Sara leise vor. „Feuer mit Feuer bekämpfen."
„Interessanter Ansatz. Erzähl' mir mehr", forderte Ash ebenso leise. Für ihn war es keine große Sache, ruhig und gelassen zu wirken, obwohl die Nerven flatterten. Trotzdem war er zum letzten Mal so nervös gewesen, als Stacie und er vor Jahren die kompromittierenden Fotos in der Limousine geschossen hatten, um seine Rolle für den Kunden erpressbar scheinen zu lassen.
In ihre Augen trat ein schelmischer Ausdruck. „Küsse sollen Glückshormone freisetzen, heißt es. Dank Steve kann ich das nicht mehr beurteilen."
„So mies?"
„Mieser als mies."
„Wie gut, dass ich nicht Steve bin." Ashs Hand legte sich behutsam um Saras Hinterkopf, bevor er sie so küsste, wie sie es verdiente.
„Aaah, so fühlt sich das an! Danke für die Glückshormone", freute sich Sara, nachdem sie sich voneinander gelöst hatten. Dabei fuhr sie sich verführerisch mit der Zunge über die Lippen.
Wie dämlich musste dieser Steve sein, so eine Frau zu schlagen? Er lächelte leicht. „Jederzeit. Stehe zu Diensten, Ma'am." Nach einem Räuspern meinte er mit einer Geste hin zur Zimmertür: „Wir sollten wieder rausgehen. Sonst hält Emma mich bald nicht mehr für einen Gentleman."
„Zu schade. Wenn du mir versprichst, die Behandlung später fortzusetzen, lasse ich mich aber überreden."
„Versprochen."

Ein Blick in Saras strahlendes Gesicht und auf Ashs leicht schuldbewusstes Lächeln sagte alles. Sean hatte Emma, Mickey und Albert zu einer kleinen Wette überreden wollen und in den Raum gestellt, ihr Kollege würde seine neue Flamme geradewegs in sein Bett ziehen, war damit aber auf ganzer Linie abgeblitzt.
„Entschuldigt die Verspätung. Wir sollten uns an die Arbeit machen", gab Ash zu. Er wusste, dass seine Freunde merkten, dass die Zerknirschung nur gespielt war.
„Richtig", stimmte Mickey gelassen zu. „Womit kann man diesen Steve drankriegen? Hat er Geld? Irgendwelche besonderen Interessen oder kostspielige Hobbys?"
Sara setzte sich neben Ash auf die Couch und dachte angestrengt nach. Sie musste tatsächlich nachdenken, denn auf Anhieb fiel ihr dazu nichts ein.
Die Crew beobachtete, wie sich ihr Blick in dem Bestreben, eine Antwort zu finden, nach innen kehrte. Als ihre Augen Mickey wieder fokussierten, schüttelte sie bedauernd den Kopf.
„Tut mir leid, aber mir fällt nur eine Sache ein, für die er sich wirklich begeistert."
„Glücksspiel? Nutten?", schlug Sean vor.
„Leider nein. Viel banaler und, wenn ihr mich fragt, total lächerlich. Ich weiß nicht mal, ob sich daraus etwas drehen lässt, aber er fährt total auf diese Sammelbildchen von Fußballspielern ab."
Sekundenlang blieb es totenstill, dann brach die Crew in kollektives Gelächter aus.
„Was? Ich kann doch nichts dafür", verteidigte Sara sich glucksend.
„Es würde uns im Traum nicht einfallen, das zu behaupten", stellte Albert klar und fragte weiter: „Wie muss man sich das genau vorstellen?"
„Nun, er kauft sich ein leeres Sammelalbum und tonnenweise dieser Packungen, in denen ein paar Bildchen stecken. Die klebt er dann in das Album ein, bis er es voll hat.. Jede Fußballsaison wieder. Damit zieht man sonst Kindern das Taschengeld ab. Ich sag's ja - lächerlich."
Albert versuchte vergeblich, sich in dieses Hobby hineinzudenken. „Stellt so ein vollgeklebtes Album denn irgendeinen finanziellen Wert dar?"
Sara zuckte mit den Schultern. „Für normale Menschen sicher nicht. Steve behauptet aber, dass die mit der Zeit immer wertvoller werden, weil einige Bilder sehr schwer zu bekommen sind. Da soll es regelrechte Tauschbörsen geben."
„Mal sehen, ob er damit recht hat." Ash lehnte sich vor, um das MacBook auf dem Couchtisch aufzuklappen. „Hm, Kleinkram. Nichts, was uns interessieren könnte. Wir arbeiten in anderen Dimensionen." Zwischen seinen Brauen bildete sich eine nachdenkliche Falte. „Aber die Bilder kosten Geld. Wie viele Packungen kauft er pro Woche?"
„Zu viele. Bei jedem Besuch im Supermarkt mindestens vier. Bedenkt man, dass er andauernd dahin rennt, macht das so um die zwanzig oder fünfundzwanzig Packungen pro Woche", schätzte Sara.
„Das sind ungefähr fünfzig Pfund jede Woche. Geht mächtig ins Geld. Verdient er so gut?", sprang Mickey auf Ashs Gedankengang auf.
Ihr Kopfschütteln wurde von einem spöttischen Schnauben begleitet. „Gelegenheitsjobs auf dem Bau und hin und wieder Schwarzarbeit."
„Wie bist du bloß an den geraten? Du spielst doch in einer ganz anderen Liga", konnte Ash sich nicht unterstehen.
Sie strich ihm liebevoll über den Rücken. „Lange Geschichte ohne gute Pointe. Wonach suchst du?"
Mickey und Albert schauten einander kurz an, bevor Albert Sean mit dem Ellbogen anstieß. „Sieht aus, als wäre da doch noch was zu holen."
„Woher?", fragte Sean irritiert.
Ash schaute von seinem Bildschirm auf, um Sara und Sean gleichzeitig zu antworten. „Dieser Kerl kauft Unmengen dieser Bildchen, die einzeln nicht viel kosten mögen, aber über den Monat gesehen ziemlich ins Geld gehen. Wovon bezahlt er den ganzen Mist, wenn er keine geregelte Arbeit hat? Um das herauszufinden, schaue ich mir sein Konto an."
Sean zog die Augenbrauen hoch. „Hat dein Typ irgendwelche heimlichen Aktiengeschäfte am Laufen?"
„Nö, schon gecheckt", gab Ash gleichmütig zurück, während er Steves Kontobewegungen durchsah. Plötzlich stoppte er. „Na, hallo, da habe ich doch was sehr Hübsches gefunden." Er tippte mit der Fingerspitze auf den Bildschirm, schaute dabei aber Sara in die Augen. „Hat der Idiot mal was von einer Großmutter und einer Erbschaft erzählt?"
„Erstens: Ich bevorzuge es, an Steve als meinen Ex-Typen zu denken. Zweitens: Nein, keine Silbe. Er hatte eine Großmutter? Wann soll er von ihr geerbt haben?"
„Den Papieren nach vor einem Jahr und zwei Monaten. Alles ordentlich verbucht. Nichts gemerkt?"
Sie schüttelte den Kopf und versuchte, sich zu erinnern. „Gar nichts. Dieser kleine Bastard hat sich von mir aushalten lassen, obwohl er Geld geerbt hat? Wie viel, Ash?"
„Siebzigtausend Pfund. Liegen brav auf einem Konto bei der Royal Bank of Scotland."
„Jemand sollte diesem miesen Arschloch die Eier abreißen und vor ihm auf die Tischplatte nageln", sagte Sara daraufhin mit geschlossenen Augen und mühsam unterdrücktem Zorn in der Stimme.
„Das übernehmen wir. Nur ohne den Teil mit der Tischplatte." Mickey begann, Spaß an diesem speziellen Kunden zu finden. „Gibt es etwas, hinter dem Steve besonders her ist? Irgendein spezielles Bild?"
„George Best. Seit seinem Tod muss das Bild unter Sammlern richtig was wert sein."
Mickeys Gesicht hellte sich auf, seine Augen leuchteten vergnügt, als er in die Hände klatschte. „Mir fällt da gerade eine Möglichkeit ein, Stevie beides zu nehmen - Geld und Würde. Ash, besorg' uns Informationen über den Verlag, der die Alben und die Bilder druckt. Albert, du wolltest doch schon immer mal einen Verlag leiten, oder?"
„Mit dem allergrößten Vergnügen, Michael. Obwohl es mich etwas betrübt, dass sich mein Imperium auf bunte Bildchen verschwitzter Sportler beschränkt. Aber gut, jeder hat schließlich mal klein angefangen." Der Gruppenälteste lächelte dem Anführer der Crew huldvoll ins Gesicht.
„Du sagst es. Emma, du lässt dir von Sara mehr über Steves Persönlichkeit, sofern vorhanden, erzählen. Danach müssen wir einkaufen gehen. Sean, du lässt dir Saras Adresse geben und spielst Schlüsseldienst. Ich möchte nicht, dass dieser Typ noch einmal bei ihr aufkreuzen kann. Das gilt auch für den Schönheitssalon."
„Geht klar." Der Jüngste der Crew sprang vom Sofa auf, schaute Sara einen Augenblick lang grübelnd an und nannte ihr dann ihre eigene Adresse.
„Woher ...?", fragte sie nur verblüfft.
„Gemerkt. Wir haben damals beide Adressen ausfindig gemacht", gab er grinsend zurück.
„Verstehe. Wisst ihr, dass ich ernsthafte Befürchtungen hatte, an ein paar zukünftigen Wohnungseinbrüchen mitschuldig zu sein? So, wie Ash mich ausgefragt hat, dachte ich, er wäre der Boss einer Einbrecherbande und nicht der gehetzte Anzugträger aus der City, nach dem er aussah." Sie schaute von einem Crewmitglied zum anderen und blieb zu guter Letzt an Ash neben sich hängen. „Dabei sahst du in diesem Anzug so umwerfend aus und warst so unglaublich charmant, dass ich dir alles erzählt hätte, um dich bei mir zu behalten."
„Wirklich? Dabei hat Ash sich danach beklagt, es wäre schwierig gewesen, die nötigen Informationen aus dir herauszukitzeln", meinte Mickey nicht ohne Erstaunen.
Ash lehnte sich zurück und dachte nicht zum ersten Mal an seinen allerersten Besuch in Saras Salon. „Du hast mich ins Schwitzen gebracht, was nicht oft vorkommt. Ich hatte ständig den Verdacht, du hättest mich durchschaut. Hast du ja auch irgendwie, nur nicht den wahren Grund für meine Fragerei."
Ihre Hand legte sich auf seinen Oberschenkel. „Hätte ich den gekannt, hätte ich dir die Informationen freiwillig und ohne Fragen durch die Blume geliefert. Ich weiß, wen ihr euch damals vorgenommen habt und auch, dass er's verdient hatte. Nicht jeder ist von eurer Berufswahl geschockt und rennt schreiend davon."
Es blieb kurz still, als alle über ihre Worte nachdachten. Emma fing sich am schnellsten wieder. „Dann bitte ich um freiwillige Auskünfte zur Persönlichkeit deines Exfreundes." Sie wies hinaus auf die großzügige Terrasse.
„Sofern vorhanden, wie Mickey so schön gesagt hat. Sehr gern."

Mickey, Albert und Ash schauten durch die Fensterfront auf die beiden Frauen, die draußen saßen und wie Schulmädchen wirkten, die eine Verschwörung ausheckten. Sean stand noch immer unverrichteter Dinge neben der Couch.
„Sie weiß es noch nicht, aber tief drinnen ist sie eine von uns", prophezeite Albert.
„Sie ist eindeutig aufmerksamer als der Durchschnitt", stimmte Mickey nachdenklich zu.
„Sie ist ziemlich scharf", sinnierte Sean.
„Sie hat einen Namen und ist nicht zu deinem Vergnügen hier", wies Ash ihn zurecht. Dann murmelte er vor sich hin: „Wenn er solche Sachen sagt, erinnert er mich an Danny."
„Allerdings." Mickey und Albert mussten darüber lachen, dann richtete der Ältere das Wort an Sean. „Sara ist Ashs Mädchen. Das macht sie für dich zum Tabu, junger Freund."
„Schon gut, schon gut. Ich hab's verstanden." Er hob abwehrend die Hände. „Eine Frau, bei der Three Socks Morgan weiche Knie bekommt. Wer hätte das gedacht?" Ihr Bastler war für gewöhnlich zu sehr Profi, um Gefühlsduseleien zuzulassen.
„Du sagst es", gab Ash trocken zu. „Und jetzt schwirr' ab, die Schlösser austauschen." Solche Aufgaben übernahm normalerweise er selbst, doch hin und wieder ließ er sich mittlerweile von ihrem Jüngsten vertreten.
Sean salutierte kurz und machte sich dann auf den Weg.
„Ist sie wirklich vertrauenswürdig?" Mickeys Stimme hatte einen geschäftsmäßigen Tonfall angenommen.
„Unbedingt. Ich habe damals einen kompletten Check gemacht. Brave Steuerzahlerin, gute Geschäftsfrau mit florierendem Salon. Spendet immer noch regelmäßig für das Seniorenheim, in dem ihre Großeltern vor deren Tod gelebt haben. Keine Spionagetätigkeit, keine Schummeleien bei den Abrechnungen, keine Beschäftigung als Trickbetrügerin. Bis jetzt." Die letzte Bemerkung wurde von einem verschwörerischen Zwinkern begleitet. „Sara ist sauber, Mick. Ich hätte die Finger von ihr gelassen, wenn es nicht so wäre."
Wenn Ash jemanden gecheckt und für integer befunden hatte, konnte man ihm das glauben. „In Ordnung. Ihren Worten entnehme ich, dass sie nichts gegen unser Betätigungsfeld einzuwenden hat."
Die Feststellung brachte sowohl Albert als auch Ash zum Grinsen.
„Sie war beeindruckt und erfreut, dass wir die Gierigen um ihr Geld erleichtern, die es unlauter erworben haben oder zu den falschen Zwecken nutzen. Hat uns mit Robin Hood verglichen. Ihr hättet sehen sollen, wie ihre Augen dabei geleuchtet haben! Gut möglich, dass Albert recht damit hat, dass Sara im Inneren eine von uns ist", stimmte Ash ihrem Roper zu.
 
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