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(Dìonadair Gàidhlig #2) Angel of Justice

von xscullyx
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
09.09.2021
29.11.2021
23
56.798
6
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Dieses Kapitel
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25.11.2021 3.507
 
Aria hat mir erzählt, dass sie einen Zusammenhang zwischen der Fionas Vergangenheit und Zachary vermutet und nähere Recherchen durchführen will. Ich halte nicht viel davon, habe mich jedoch mit Fiona und Cal darüber unterhalten. Er selbst schwankte zwischen wütend und erstaunt, als er erfahren hat, was Aria in der kurzen Zeit alles in Bewegung gesetzt hat. Am Ende siegte das Erstaunen. Cal hat zwar selbst einige Kontakte zu verschiedenen Ermittlern und auch der Polizei, hat sich jedoch damals keine Gedanken um einen möglichen Mord an seiner kleinen Schwester gemacht. Für ihn war nach ihrem Tod klar, dass es sich um einen Suizid handeln musste, weil sie so verzweifelt gewesen ist. Dennoch könnte Aria mit ihrer Theorie Recht haben. Fiona und ich haben eine DNA-Probe abgegeben, damit Aria sie an Fionas kleine Schwester April weiterleiten und dessen Bekannter die Analyse durchführen kann. Wenn Fiona meine kleine Schwester ist, habe ich direkt zwei Schwestern dazugewonnen. Diese Wendung muss ich erst einmal verarbeiten, sollte es so kommen, wie meine Freundin vermutet.

Da wir uns so großartig verstehen, gehe ich sogar von einem Verwandtschaftsgrad aus. Wünschen würde ich es mir zumindest. Eine bessere Schwester kann ich mir nicht vorstellen, um ehrlich zu sein. Cal zieht Fiona und mich nun die ganze Zeit auf und stimmt zu, dass eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden ist. Zumindest äußerlich. Charakterlich ähneln wir uns wenig, was aber vollkommen in Ordnung ist. Wir verstehen uns trotzdem und jeder geht seinen eigenen Interessen nach. Wenn ich an Fionas Ex-Mann denke, wird mir allerdings anders und die Wut auf ihn ändert sich nach und nach. Er hat einer Frau wehgetan, sie missbraucht und wenn sie jetzt noch meine Schwester ist, dann setzt das dem Ganzen nur noch die Krone auf. Der Typ kann wahrlich froh sein, dass er bereits seine gerechte Strafe absitzt.

Ungeduldig trommle ich auf der Tischplatte von Arias Schreibtisch herum und blicke dabei aus dem Fenster, während ich auf sie warte. Sie ist unter der Dusche und ich habe all meine Beherrschung zusammengenommen, um ihr nicht zu folgen, denn sie hat ein klein wenig Erholung von mir verdient. Es grenzt an ein Wunder, dass sie überhaupt noch vernünftig laufen kann. Von ihr kann ich nicht genug bekommen, in allen Belangen. Grinsend reibe ich mir das Kinn und lasse meinen Blick wieder auf den Laptop vor mir wandern. Eine E-Mail von April hat sich angekündigt und ich kann erkennen, dass es sich um die Ergebnisse handelt, auf die wir seit zwei Wochen nervös warten. Viel mehr bin ich nervös. Fiona sieht das Ganze ziemlich entspannt und Aria ist sich ihrer Sache absolut sicher. Vermutlich bin ich der Einzige, der noch unsicher ist und erst schwarz auf weiß das Ergebnis vor sich sehen muss.

„Da bin ich auch schon wieder. Willst du noch duschen, oder…“, kommt Aria fragend in ihr Arbeitszimmer und rubbelt sich grade ihre Haare trocken, als sie mich entdeckt. „Alles in Ordnung? Du siehst so angespannt aus.“

„Du hast eine E-Mail bekommen – von April.“

„Oh. Hast du schon nachgeschaut?“

„Nein, mo chridhe. Ich will das mit dir machen. Schließlich hast du das Ganze auch in die Wege geleitet“, lächle ich sie ein wenig angespannt an und strecke einen Arm nach ihr aus.

„Verstehe. Dann lass uns gemeinsam reinschauen“, erwidert sie und ergreift meine Hand, um sich von mir auf den Schoß ziehen zu lassen. „Bereit?“

„Ja.“

Das feuchte Handtuch wirft sie in den Wäschekorb neben dem Schreibtisch und klickt mit der anderen Hand die E-Mail an, um sie zu öffnen. April schreibt kurz und knapp, was sie noch über Zachary und seine Familie in Erfahrung bringen konnte und verweist auf den Anhang, in welchem sich die verschlüsselten Ergebnisse befinden. Ich schlucke nervös und lege mein Kinn auf Arias rechte Schulter, um möglichst viel Nähe zu ihr zu schaffen, damit ich nicht vollkommen ausflippe vor Anspannung. Mit einem weiteren Doppelklick öffnet sie den Anhang und ich sehe ein Dokument vor mir, welches mitteilt, dass die Proben von Fiona und mir analysiert wurden und getestet wurde, ob wir miteinander verwandt sind. Langsam scrollt Aria durch die PDF und ich schließe für einen Augenblick meine Augen, bevor ich auf das Ergebnis schaue, welches eindeutig zeigt, dass Fiona meine kleine Schwester ist, die ich all die Jahre irgendwie vermisst habe, es selbst jedoch nicht gemerkt habe.

„Wow… es ist also wahr. Du hattest die ganze Zeit über Recht, mo chridhe“, raune ich überwältigt und sie dreht sich auf meinem Schoß seitlich, damit sie mir einen Kuss auf die Lippen hauchen kann.

„Siehst du. Nun hast du den fehlenden Teil deiner Wurzeln gefunden und fühlst dich hoffentlich nicht mehr so unvollständig“, lächelt sie mich dann an.

„Du bist der absolute Wahnsinn, weißt du das eigentlich?“

„Nein. Aber wenn du das sagst, muss es ja stimmen. Ob Fiona überrascht sein wird?“

„Ich denke nicht“, schmunzle ich belustigt und ziehe mein Smartphone aus der Hosentasche. „Ich rufe sie eben an, dann wissen wir es ja.“

Nach kurzem Klingeln meldet sie sich auch schon und ich atme einmal tief durch, bevor ich ihr die Neuigkeiten überbringe, damit ich nicht gleich vor Freude platze.

„Halo a phiuthar bheag“, begrüße ich sie grinsend als kleine Schwester. „Wie geht es dir?“

„Bràthair gaolach. Sehr subtil“, höre ich Fiona am anderen Ende grinsen. „Aber für mich ist das keine Überraschung mehr. Seitdem ich weiß, was Aria vermutet, war ich mir sicher, dass wir verwandt sein müssen. Anders wäre das Ganze nicht zu erklären.“

„Ich habe es geahnt. Aber nun habe ich es schwarz auf weiß und kann mich entspannen. Die letzten zwei Wochen haben mich nervlich einiges gekostet…“

„Du machst dich immer direkt verrückt. Ist das nicht mega anstrengend?“, zieht sie mich auf.

„Schon, ja. Aber du kennst mich doch.“

„Wohl wahr. Wollen wir zur Feier des Tages etwas gemeinsam mit Cal und Rilana essen gehen? Oder habt ihr zwei Turteltauben schon was anderes geplant?“

„Nein, bisher nicht. Wir sind noch frei“, erwidere ich grinsend. „Mo chridhe? Wollen wir mit Fio, Cal und Ri heute Abend gemeinsam essen gehen?“

„Gern. Vorher müssen Fiona und ich April aber noch informieren, dass sie einen Bruder bekommen hat. Findet sie nicht auch?“, lacht mich Aria an und ich schmelze innerlich dahin, weil sie so wunderschön ist. „Und ich werde irgendwie ein Teil der Montrose Familie. Ich fasse es noch immer nicht ganz.“

Und bald ein fester und offizieller Teil der Familie Finlay? Gib es zu, Duncan, du hast findest den Gedanken unfassbar gut. Du musst nur noch einen Ring finden, der dir und auch ihr gefällt.

Dafür ist es noch viel zu früh. Ja, ich will Aria zu meiner Frau machen – ganz offiziell. Mit Ring, romantischer Location und ganz viel Gefühl. Aber nicht auf Biegen und Brechen. Ich will nichts überstürzen und die Zeit mit ihr genießen, die wir als normales Paar verbringen. Und uns hetzt nun wirklich niemand, oder?

Gesteh dir wenigstens ein, dass du es kaum erwarten kannst, ihr einen Ring an den Finger zu stecken!

Klappe. Du weißt es sowieso immer besser, oder? Dann hast du doch deine Antwort schon. Warum muss ich dir das noch mitteilen?

Ist gut, man. Ich lasse euch mal wieder allein, ihr zwei Turteltauben…

Wieso nur hat die Stimme in meinem Kopf plötzlich die von Fiona angenommen?

„Bist du noch dran, ceann fiodha?“, reißt mich ihre wirkliche Stimme in die Realität zurück und ich räuspere mich verlegen. „Was hat Aria gesagt?“

„Nenn mich nicht Holzkopf“, beschwere ich mich gespielt empört. „Wir sind dabei. Und ihr müsst wohl noch April informieren, dass sie nun einen großen Bruder dazugewonnen hat. Ich vermute mal, sie wird das Paket mit der Probe und den Namen der zu testenden Personen ungeöffnet an ihren Bekannten übergeben haben, sonst hätte in der E-Mail sicherlich etwas gänzlich anderes gestanden, beziehungsweise hättet ihr jeder einen Anruf bekommen.“

„Mit Sicherheit. Der Anhang mit den Ergebnissen war zu hundert Prozent auch verschlüsselt und sie hat nicht reingeschaut, damit Aria als Erste erfährt was Sache ist. Ich komme nachher vorbei, dann können wir gemeinsam April informieren. Ich entscheide das jetzt mal, Dunc. Bis dahin habt ihr noch Zeit, ausgiebig zu fummeln und rumzumachen. Wenn ich anwesend bin, muss ich das nicht haben, okay? Jetzt erklärt sich mir endlich, warum ich das schon immer seltsam fand. Immerhin bist du mein Bruder. Welche Schwester guckt sich schon gern ihren knutschenden und verknallten Bruder an?“, kichert sie amüsiert und ich verdrehe die Augen grinsend. „Bis später ihr zwei.“

„Bis nachher, Fio“, erwidere ich und beende das Gespräch kopfschüttelnd.

„Was hat sie noch gesagt?“, erkundigt Aria sich bei mir.

„Sie kommt später her und wir rufen gemeinsam bei April an und informieren sie.“

„Ah, verstehe. Das wird sie sicherlich aus den Socken hauen. Nach der Misere mit ihrer geplatzten Hochzeit…“, seufzt Aria und ich küsse ihre Lippen sanft.

„Vielleicht ist Evan ja zur Stelle und fängt sie ein wenig auf? Gibt es eigentlich was Neues an der Front?“

„Bezogen auf Evan? Hm, nein. Sie meint, sie würde sich zu ihm hingezogen fühlen, aber es wäre seltsam. Seltsam, schnell nach der abgesagten Hochzeit direkt für jemand anderen Gefühle zu entwickeln und vielleicht eine Beziehung einzugehen. Sie ist durch den Wind, was das anbetrifft. Ich würde ihn gern kennenlernen, um mir ein Bild zu machen.“

„Was hältst du davon, wenn wir die Beiden mal besuchen fahren? Wir buchen uns in der Nähe ein Zimmer in einem Hotel und unternehmen etwas mit ihnen. Dann siehst du, was vor sich geht. Eher lässt dir das doch sowieso keine Ruhe, oder, mo chridhe?“, schmunzle ich und sie schaut mich mit großen grauen Augen an.

„Meinst du das ernst? Ich meine… ich habe April schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen und es wäre wirklich schön, sie wieder in meine Arme schließen zu können… Aber ich möchte nicht, dass du nur wegen mir eine solche Reise unternimmst, Duncan.“

„Ich möchte sie kennenlernen. Immerhin ist sie ebenfalls meine Schwester. Auch, wenn nicht biologisch.“

„Gott, du bist wundervoll“, fällt sie mir um den Hals und ich liebe es, sie strahlen zu sehen.

„Du musst nicht gleich so förmlich zu sein. Ein Gott bin ich nun wahrhaftig nicht“, feixe ich grinsend.

„Du bist unverbesserlich“, schüttelt sie belustigt ihren Schopf und ich ziehe sie fest an mich.

„Das weiß ich. Ich weiß auch, dass ich dich über alles liebe und du das Beste bist, was mir passiert ist. Selbst die Verwandtschaft mit der Montrose Familie wird durch dich noch übertrumpft. Und das sage ich nicht nur einfach so, Aria.“

„Ich liebe dich auch, Duncan. Es muss Schicksal gewesen sein hergekommen zu sein. Mir stand im Prinzip die ganze Welt offen und ich habe mir ausgerechnet Miami ausgesucht und dich gefunden.“

„So wird es gewesen sein“, stimme ich ihr zu und versiegle ihre Lippen lächelnd mit meinen.

Zwei Stunden später stehe ich unter der Dusche und kann nicht aufhören zu grinsen, denn ich habe mich nicht an mein Vorhaben gehalten und mich wieder mit Aria durch die Laken gewälzt. Dabei möchte ich sie nicht überfordern, aber ich kann mir nicht helfen – sie macht mich süchtig nach mehr. Noch liegt sie matt im Bett und wartet darauf, dass ich aus der Dusche komme und sie schnell den Schweiß der letzten Stunden abwaschen kann.

Frisch geduscht stehe ich wenige Augenblicke im Schlafzimmer und zwinkere ihr verschwörerisch zu, als sie wohlig brummend aus dem Bett gleitet und nackt an mir vorbei ins Badezimmer geht. Während sie an mir vorbeigegangen ist, hat sie mir grinsend einen Klaps auf den Hintern gegeben und wie ein Schulmädchen gekichert. Bevor ich mich doch umentscheiden kann und ihr unter die Dusche folge, klingelt es an der Tür und ich weiß das es Fiona ist. Ohne noch weiter Zeit zu verlieren, ziehe ich mich an und mache mich daran, ihr die Tür zu öffnen.

„Großer Bruder“, grinst sie mich neckisch an und hüpft mir dann regelrecht in die Arme.

„Endlich habe ich meine kleine Schwester gefunden und kann sie in meine Arme schließen. Wobei ich dich nicht gefunden habe, sondern Aria“, grinse ich zufrieden und halte sie fest an mich gedrückt.

„Eine Einladung zum Essen hat sie sich redlich verdient.“

„Ich stimme dir zu“, sage ich nickend und setze sie wieder ab. „Komm rein. Aria ist noch fix duschen gegangen und wird sich sicherlich gerade etwas anziehen.“

„Was mir sagen soll, sie war vorher nackt?“, lacht Fiona und lässt sich auf die Couch sinken.

„Exakt. Ich hole uns etwas zu trinken. Sekt?“

„Nein, danke. Ich nehme eine Limonade, bitte“, verzieht sie das Gesicht und ich hebe eine Augenbraue.

„Keinen Sekt? Bist du krank?“

„Nein. Ich habe nur keine Lust auf Alkohol heute. Hast du das nicht auch manchmal?“

„Doch, kam auch schon mal vor. Ich bin gleich wieder bei dir.“

In der Küche bereite ich eine Limonade vor und höre, wie Aria die Treppe hinunterkommt.

„Brauchst du Hilfe?“, fragt sie in der Tür stehend und ich schüttle den Kopf.

„Ich bekomm das hin. Gesell dich derweil zu Fio.“

„Alles klar, wird gemacht, Boss“, kichert sie und ich höre, wie sie weiterläuft.

Belustigt beende ich die Zubereitung der Limonade und stelle den Krug auf ein Tablett, um danach drei Gläser aus dem Hängeschrank zu nehmen und dazuzustellen, damit ich das Ganze ins Wohnzimmer transportieren kann und niemanden zu Hilfe rufen muss. Als ich ankomme, sitzen die beiden Frauen mit zusammengesteckten Köpfen nebeneinander und kichern, während sie in Arias Smartphone irgendwas anschauen.

„Was ist so lustig?“, möchte ich interessiert wissen.

„Nichts, gar nichts“, antwortet Fiona zu schnell und schüttelt kurz den Kopf.

„Das sieht mir nicht nach ‚nichts‘ aus.“

„Oh, ich habe Fiona nur gezeigt, wie du aussiehst, wenn du tief und fest schläfst“, grinst Aria mich an.

„Das hast du nicht getan“, bin ich sprachlos und stelle das Tablett auf dem Couchtisch ab.

„Doch.“

„Ich schwöre, es wird die Rache auf dem Fuße folgen“, prophezeie ich ihr warnend.

„Meinst du?“, klinkt Fiona sich sichtlich amüsiert ein und greift sich eines der Gläser.

„Eindeutig, ja“, bekräftige ich meine vorher getätigte Aussage energisch und setze mich zu den beiden. „Hast du mich wenigstens gut getroffen, mo chridhe?“

„Natürlich. Dich kann man gar nicht schlecht fotografieren, dafür bist du zu gutaussehend.“

„Und schon geht es wieder los…“, nuschelt Fiona und nippt an ihrer Limo.

„Stell dich nicht so mädchenhaft an, kleine Schwester.“

„Ich bin ein Mädchen!“

„Ein sonst eher zurückhaltendes, welches von ihrer männlichen Seite dominiert wird?“, ziehe ich sie leise lachend auf. „Sonst merkt man von deinem Mädchendasein nichts.“

„Arsch.“

„Ich habe dich doch auch lieb.“

„Oh, wow, ich werde dich bei April sowas von verpetzen.“

„Sie ist unsere kleine Schwester. Sie wird das höchstens amüsant finden“, weise ich sie aufs wesentliche hin. „Immerhin würdest du das an ihrer Stelle auch tun, oder?“

„Ich denke schon. Wollen wir sie anrufen?“

„Aber über einen Videoanruf. Schließlich wollen wir ihr Gesicht sehen, wenn sie es erfährt. Und dann lernt sie auch direkt Duncan kennen“, entscheidet Aria und wackelt mit ihrem Smartphone in der Luft herum. „Fertig?“

„Fertig. Dann ruf sie an, schauen wir mal, ob sie rangeht“, meint Fiona und zieht ihre Beine in den Schneidersitz – ihre übliche Pose. „Da wird sie Augen machen, wenn ich neben dir sitze, Aria.“

„Oh ja“, erwidert sie lächelnd und tippt auf ‚verbinden‘.

Es dauert eine Weile, ehe April rangeht, aber sie lächelt in ihre Kamera, als die Verbindung endlich steht. Ich kann es sehen, obwohl Aria absichtlich ihr Smartphone so hält, dass man nur sie erkennen kann. Wir wollen sie überraschen und das geht eindeutig nur auf diese Art.

„Aria! Du siehst gut aus. Hast du dich eingelebt?“, fragt April und ich finde, sie klingt nett.

„Ja, danke der Nachfrage. Und wie geht es dir? Ist er auch da?“

„Er? Evan?“, fragt meine jüngste Schwester unsicher.

„Wen denn sonst? Connor sicher nicht. Der Kerl ist unten durch, April“, erwidert Aria naserümpfend. „Also? Ja oder nein.“

„Evan ist in der Küche und kocht.“

„Oho! Er bekocht dich also“, grinst Aria und April seufzt leise. „Zeigst du ihn mir?“

„Warum…? Ach, was frage ich. Du warst schon zu Schulzeiten die Neugierde in Person. Warte einen Augenblick, ich gehe zu ihm.“

April steht von der Couch auf, auf der sie sitzt und von der ich weiß, sie gehört Evan und geht in die Küche, welche schon sehr hochwertig und teuer aussieht, wohl aber schon einige Zeit verbaut ist. Sie wechselt auf die Frontkamera und ich kann die Kehrseite eines Mannes erkennen, der im dunkelblauen Muskelshirt und hellgrauen Bermudashorts am Herd steht. Er ist barfuß und hat dunkle Haare, vermutlich schwarz. So ganz kann ich es von der Seite nicht erkennen. Als sie sich leise räuspert, dreht er sich fragend zu ihr um und zieht die Augenbrauen verwundert hoch.

„Filmst du mich?“, höre ich ihn fragen und muss grinsen.

„Indirekt, ja. Ich telefoniere mit Aria aus Miami. Ich habe dir neulich von ihr erzählt, erinnerst du dich?“

„Klar. Hi, Aria. Auch, wenn ich dich gerade nicht sehen kann, aber du mich“, grinst er und deutet ein Winken an.

„Warte eine Sekunde, Evan.“

Die Kamera wird erneut gewechselt und ich kann die blonde hübsche Frau wieder sehen, deren ausdrucksstarke graue Augen funkeln, während sie neben Evan tritt und den Arm ein wenig gebt, damit sie beide zusammen gut zu erkennen sind.

„Hi, Evan. Ich freue mich dich endlich kennenzulernen“, strahlt nun Aria in die Kamera und ich runzle die Stirn. „Es ist schön, dass du zu Hause bist und April gerade nicht allein.“

„Aria? Was ist los?“, erkundigt April sich nun besorgt und zieht die Augenbrauen ein wenig zusammen.

„Nichts. Na gut, was heißt nichts? Schon. Aber was Gutes.“

„Schieß endlich los und lass mich nicht schmoren. Du weißt, ich mag das nicht.“

„April, sag hallo“, schmunzelt Aria und dreht ihr Smartphone etwas, sodass Fiona im Bild auftaucht.

„Riona?“, höre ich April verwundert fragen. „Was machst du bei Aria? Ihr kennt euch? Wow.“

Man kann raushören, dass sie ziemlich verwundert ist und die Zusammenhänge überhaupt nicht erahnen kann. Aber das könnte ich mit großer Sicherheit auch nicht, wenn ich die Story nicht schon kennen würde.

„Wer ist Riona?“, fragt Evan neben ihr interessiert und beugt sich ein wenig vor, um besser auf das Display von Aprils Smartphone schauen zu können. „Sie hat ein wenig Ähnlichkeit mit dir, aber doch unterscheidet ihr euch sehr.“

„Das ist meine große Schwester. Catriona…, oder Riona, wie wir sie nennen.“

„April…“, fängt Fiona genervt an und ich grinse heimlich.

„Ja, ich weiß. Du möchtest so nicht mehr genannt werden“, seufzt April ebenso genervt und atmet tief durch. „Evan, du siehst meine Schwester Fiona. Sie möchte seit einiger Zeit so genannt werden. Sie ist ein wenig eigen. Auf eine gute Art allerdings.“

„Oh, danke“, brummt besagte Schwester und verschränkt ihre Arme unter der Brust.

„Und wir möchten dir noch jemanden vorstellen“, mischt Aria sich mit geheimnisvoller Stimmlage ein. „Du kennst durch meine Erzählungen bereits meinen Freund. Duncan Finlay.“

Wieder dreht Aria ihr Smartphone und nun sind wir alle drei zu sehen. Mein Grinsen wirkt ein wenig unsicher, was selbst ich erkennen kann, weswegen ich meine Hand kurz zu einem Gruß hebe, um davon abzulenken.

„Hey, April. Nett das ich dich auch kennenlerne.“

„Duncan, wow! Endlich sehe ich dich – Aria erzählt zu neunzig Prozent nur von dir, wenn wir schreiben, oder mal telefonieren. Du hast echt Eindruck bei ihr hinterlassen.“

„Ich weiß“, grinse ich nun anzüglich und Aria schnauft leise neben mir, was April wohl zum Lachen bringt.

„Hat es einen bestimmten Grund, warum ihr mich zu dritt anruft? Und Aria noch meint sie sei froh, dass Evan anwesend ist und ich nicht allein?“, möchte April nun doch wissen und ich lache leise.

„Jetzt verstehe ich, warum Aria mit dir zusammenarbeitet“, kann ich es mir nicht verkneifen.

„Du…? Moment. Aria? Hast du ihm…?“, irritiert schaut April zu ihrer Freundin.

„Er weiß davon. Alles. Ich habe ihm alles erzählt. Und es ist okay für ihn.“

„Ihr ruft wegen dem Ergebnis an, oder?“, versucht April eine Verbindung zwischen allen Ereignissen herzustellen. „Aber…?“

In ihrem Gesicht geht etwas vor, was ich nicht beschreiben kann und ich halte unbewusst den Atem für einen kurzen Moment an, um ihn leise wieder auszustoßen. Hat sie die Parallelen erkannt und richtig kombiniert? Kann man denn auf diese Verbindung so einfach kommen? Vermutlich schon, wenn man April oder Aria heißt und die klugen Köpfe besitzt. Neben mir seufzt Fiona angestrengt und ich weiß, sie will etwas sagen, verkneift es sich aber strikt.

„Ja, wir rufen deswegen an. Duncan weiß nun, wer seine Schwester ist. Dank deiner Hilfe und die deines Bekannten“, antwortet ihr Aria lächelnd und schaut dann zu mir. „Er hat seine kleine Schwester gefunden und hat sie in die Arme geschlossen.“

„Wer…?“, versucht April ihre Frage zu formulieren, unterbricht sich jedoch selbst und schluckt sichtbar für uns alle. „Du meinst es ist… Fiona?“

„Jackpot, Schwesterchen. Duncan ist mein großer Bruder und somit auch deiner. Wenn auch nicht biologisch. Das heißt, wir kennen uns schon eine ganze Weile lang und wussten es nur nicht. Jetzt haben wir es schriftlich. Die DNA verrät eindeutig: wir sind miteinander verwandt“, nimmt Fiona das Zepter in die Hand und klärt April endlich auf.
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