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(Dìonadair Gàidhlig #2) Angel of Justice

von xscullyx
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
09.09.2021
20.01.2022
27
65.790
7
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36 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
21.11.2021 2.081
 
Dieses Gericht ist wirklich lecker, was ich vorher nie vermutet hätte. Ich freue mich darauf, es irgendwann einmal selbst zu kochen. Viel gesprochen haben wir nicht, da jeder in seine eigenen Überlegungen vertieft gewesen ist. Ich habe mir fest vorgenommen, nie wieder jemandem etwas zu verheimlichen, oder hinter dem Rücken irgendwelche Alleingänge vorzunehmen. Erneut möchte ich niemanden verletzen, schon gar nicht Duncan, der vermutlich alles für mich tun würde, wenn ich ihn nur darum bitte. Aber das verlange ich überhaupt nicht. Ich bin ein eigenständig denkender und agierender Mensch, werde jedoch um Hilfe bitten, wenn ich diese zwingend brauche.

„Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, ein solches Rezept zu testen. Dennoch bin ich hin und weg von dem Geschmack, Fiona“, lobe ich ihre Arbeit und sie lächelt mich verschmitzt an.

„Es freut mich, dass ich dich damit überzeugen konnte. Vielleicht bekocht Duncan dich demnächst auch mal mit der gälischen Landesküche. Er steht zwar nicht gern am Herd, macht für dich womöglich jedoch eine Ausnahme.“

„Was heißt denn hier, ich würde nicht gern kochen? Es kommt immer ganz darauf an was und für wen. Und für euch Mädels stelle ich mich jederzeit gern an den Herd und zaubere etwas kulinarisch köstliches“, legt er mit einem schief gelegten Kopf sein Veto ein.

„Wirklich?“, hakt Fiona interessiert nach und legt einen Finger an ihr Kinn.

„Absolut.“

„Ich komme bei Gelegenheit darauf zurück, Mister.“

„Ich freue mich darauf“, grinst er und trinkt einen Schluck seines kalten Biers. „Ich bin gespannt, was dir einfällt.“

„Oh, da habe ich einige Ideen in petto, glaub mir das.“

„Tue ich, Fiona, tue ich.“

„Fiona… ich möchte mich auch bei dir entschuldigen, weil ich hinter deinem Rücken heimlich eine DNA-Probe eintüten und in ein Labor schicken wollte. Es tut mir sehr leid und es kommt auch nie wieder vor – versprochen“, schalte ich mich ein, da mein schlechtes Gewissen drängelt.

„Ist schon vergeben und vergessen. Du hast es in ehrbarer Absicht getan und nichts Böses im Sinn. Und ich bin mir sicher, es wird nie wieder ohne Absprache vorkommen. Mach dir keine Gedanken, Aria.“

„Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen“, atme ich erleichtert auf und lächle dann kurz.

Gemeinsam räumen wir die Küche auf und machen es uns danach in meinem Wohnbereich auf der Couch bequem. Ich kuschle mich nah an Duncans Seite und seufze innerlich erleichtert, als er seinen Arm um mich schlingt und mit dem Daumen über meinen Rücken streichelt. Er scheint mir nicht böse zu sein und hat mir verziehen, genauso wie es Fiona getan hat.

„Du hast ja nun erfahren, dass ich die Schwester von April bin, und ich verrate dir, was in meiner Vergangenheit geschehen ist. Da Duncan dir vertraut, werde ich dir ebenfalls mein Vertrauen schenken. Außerdem hat April nicht allzu viele Freundinnen und da sie dich aus der Schulzeit schon zu kennen scheint…“, beginnt Fiona nach einer Weile des Schweigens zu sprechen und ich schaue sie wie gebannt an.

„Habt ihr eigentlich noch mehr Schwestern?“, wage ich zu fragen und sie zieht irritiert die Augenbrauen hoch.

„Nein, wie kommst du darauf?“

„Ich bin mit April zur Schule gegangen und kenne ihre Schwester nur vom Namen her. Begegnet sind wir uns bislang nie, weil diese immer auf Achse war.“

„Oh. Das meinst du. Du wirst den Namen Catriona kennen, richtig?“, schmunzelt Fiona nun amüsiert. „So hat meine Mum mich genannt, als ich auf die Welt gekommen bin, ja. Aber ich habe einen anderen Namen angenommen vor einiger Zeit. Es hat tatsächlich etwas mit meiner Vergangenheit zu tun, auf die ich nicht stolz bin und an die ich auch überhaupt nicht zurückdenken mag.“

„Und doch erzählst du sie mir“, bin ich überrascht.

„Vermutlich möchte ich es mir auch einfach nur einmal von der Seele reden. Calin und Duncan haben einen Teil miterlebt, kennen jedoch auch nicht die komplette Geschichte. Ich habe sie bisher noch niemandem vollständig erzählt, um ehrlich zu sein.“

„Das stimmt. Sie hat sich strikt geweigert. Bis heute. Du musst mir unbedingt deinen Trick verraten, mo chridhe“, zwinkert Duncan mir verschwörerisch zu und ich schüttle grinsend den Kopf.

„Es gibt keinen Trick.“

„Nun…“, nimmt Fiona wieder den Faden ihrer Erzählung auf. „Ich war ein echt anstrengendes Kind und auch eine wilde Jugendliche, muss ich leider zugeben. Das ein oder andere Mal bin ich aus London verschwunden und wollte in die Highlands, um meinen Erzeuger zu finden. Mit ihm zu sprechen und ihn zu fragen, warum er sich um mich nicht gekümmert hat. Sich nicht für mich interessiert hat. Unsere Mum hat sich um uns ganz allein sorgen müssen. Erst allein um mich, später kam dann April auf die Welt. Leider verließ ihr Vater sie bereits, bevor sie auf der Welt war. Ein Rockstar aus den USA, wie er im Buche steht. Ihr wisst schon: Party, Alkohohl, Musik und Sex. Ob Drogen im Spiel waren, weiß ich nicht.“

„Also hat eure Mutter kein einfaches Leben gehabt? Und du hast rebelliert?“, frage ich nach.

„So in etwa. Mum hat mehrere Jobs gleichzeitig gehabt, damit wir alles bekamen, was wir brauchten und uns wünschten. In der Liebe hatte sie leider weniger Glück. Die Männer kamen und gingen. Wir blieben zu zweit, sie bekam kein weiteres Kind mehr. Sie wünschte sich sehr einen Mann an ihrer Seite, der ihr bei unserer Erziehung hilft und besonders mir eine Vaterfigur bietet, jedoch funktionierte genau das nie. Irgendwann hat sie ihr Schicksal akzeptiert und sich nur noch ihren Kindern, uns, verschrieben.“

Gedankenversunken betrachtet sie meine Bilder an den Wänden und fährt sich mit den Fingern leicht über den Arm. Ihr Gesichtsausdruck verrät mir, dass sie gerade mit ihren Gedanken in der Vergangenheit steckt und sie einige Erinnerungen hat, welche nicht ganz so schön sind. Aber dann wendet sie sich uns wieder zu und lächelt leicht.

„Aber das ist viel zu lang her. Sicherlich bist du neugierig, was passiert ist und warum ich meinen Namen geändert habe?“

„Irgendwie schon, zugegeben, ja.“

„Ich war bis vor einiger Zeit verheiratet mit einem Kerl namens Maccus. Er verkehrt leider in einschlägigen Kreisen und ist in höchst illegale Dinge verwickelt gewesen, was mir zu dieser Zeit allerdings nicht bewusst gewesen ist. Er hat es mir nicht erzählt und ein Doppelleben geführt. Wenn ich dachte, er befände sich auf Arbeit, als hoch angesehener Immobilienmakler, hat er fleißig Drogen an den Mann gebracht und das Geld eingesammelt, welches die Junkies seinem Boss noch schuldeten“, erklärt sie mir und ich schlucke betroffen. „Calin wurde durch eine gute Seele beauftragt mir zu helfen und mich aus diesem Leben zu holen. Es handelt sich hierbei um die Tante einer Freundin. Heute habe ich aus Sicherheitsgründen leider keinerlei Kontakt mehr zu dieser Familie, was ich sehr schade finde. Aber ich möchte auch nichts mehr mit diesen illegalen Machenschaften zu tun haben.“

„So etwas wie eine Drogenmafia?“

„Man kann es als solche bezeichnen. Man hat meinen Ex-Mann festnehmen können, ebenso einige Hintermänner, weiß jedoch nicht, wer der Kopf der Bande gewesen ist. Und ob dieser noch aktiv im Drogengeschäft ist, weshalb ich vorsichtshalber einen anderen Namen angenommen habe. Meine Familie weiß nur, dass ich verheiratet gewesen bin, mich getrennt habe und nach Miami gezogen bin, weil ich ein neues Leben anfangen wollte. Sie nennen mich in meiner Anwesenheit bei meinem neuen Namen, Zuhause allerdings Catriona. Sie wissen nicht, dass ich meine komplette Identität geändert habe und in meinen Ausweisdokumenten nun Fiona Elliot steht, wo bisher Catriona Montrose gestanden hat.“

„Wow, ich ziehe echt meinen Hut vor dir, du bist so eine starke Frau, Fiona“, komme ich nicht umhin, ihr meine Bewunderung zu zeigen. „Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Aber hat es deine Familie nicht stutzig gemacht, weil du einen neuen Namen angenommen hast?“

„Es geht alles, wenn man muss und will, Aria. Glaub mir das. Ich wünsche diese Erfahrungen niemanden. Aber sie haben mich nur stärker werden lassen. Und natürlich waren sie verwundert, allerdings bin ich schon immer sehr eigen gewesen und somit habe ich ihnen glaubhaft verkaufen können, dass ich was neues möchte. Deswegen nennen sie mich auch weiterhin Catriona, wenn wir unter uns sind. Sie hoffen, dass ich irgendwann zur Besinnung komme und meinen alten Namen wieder annehme.“

Scheinbar ist ihre Familie sehr tolerant. Oder sie ergeben sich dem unvermeidlichen Schicksal. Ich fühle mich jedenfalls geschmeichelt, dass sie so viel Vertrauen in mich setzt und mir all diese Dinge erzählt, die niemand bisher in vollem Umfang kennt. Nicht einmal Duncan oder Calin. Fiona beobachtet mich und ich lächle sie offen an, weil ich sie echt in mein Herz geschlossen habe. Früher habe ich nie viele Freundinnen gehabt und freue mich um so mehr, sie nun offensichtlich zu meinem Freundeskreis zählen zu dürfen.

„Wirst du deiner Familie irgendwann von deiner Vergangenheit erzählen?“, fragt nun Duncan.

„Hm… es ist eigentlich nichts, was sie zwingend wissen müssen… Aber ich denke, ich werde es früher oder später doch tun. Immerhin stehen Offenheit und Ehrlichkeit bei meiner Mutter an oberster Stelle.“

„Was ist…, wenn du und Duncan miteinander verwandt seid? Halbgeschwister? Wird es etwas an eurer Bindung ändern?“, traue ich mich das zu fragen, was mir seit einiger Zeit auf der Seele brennt und ich schaue beide nacheinander fragend an.

„Wenn wir Geschwister sind? Nein, für mich wird es absolut nichts ändern. Ich werde mich tierisch freuen, endlich einen großen Bruder zu haben. Aber er ist es jetzt schon für mich“, grinst Fiona mich an und wirft dann Duncan einen Blick zu. „Er beschützt mich die ganze Zeit über bereits wie ein Bruder.“

„Ich schließe mich deinen Worten an, Fio. Dann ist es offiziell, ändert aber nichts an der aktuellen Situation“, erwidert er ihren Blick mit einem neckischen Zwinkern.

Nach dem Fiona gefahren ist, steht Duncan mit verschränkten Armen im Türrahmen gelehnt und schaut mich mit einem Gesichtsausdruck an, den ich nicht zu deuten weiß. Ich falte das Geschirrtuch zusammen und lege es auf die Arbeitsplatte, lehne mich dann mit der Hüfte dagegen und seufze leise.

„Warum ist es dir so wichtig, anderen Menschen zu helfen, mo chridhe?“

„Ich vermute, es wurde mir in die Wiege gelegt. Ich bin immerhin Autorin geworden. Mir liegt es nur nicht, über ungelöste Mordfälle zu schreiben, oder in diese Richtung zu schwenken. Liebesgeschichten haben mich in meiner Teenagerzeit bereits gelockt und so habe ich mich entschlossen, dieses Genre zu besetzen.“

„Du wirst hoffentlich nichts tun, was dich in Gefahr bringt, oder? Ich will nicht, dass dir etwas passiert, nur, weil du mir oder irgendjemand anderem helfen möchtest.“

Langsam nähert er sich mir und zieht mich an seine Brust, an welche ich mich wohlig seufzend schmiege, um mich von seinen Armen umfangen zu lassen. Er macht sich also nur Sorgen um mich.

Natürlich macht er sich um dich Sorgen, Aria. Warum sollte er das nicht tun? Immerhin bist du die Frau, die er liebt und mit der er eine ernsthafte Beziehung gestartet hat. Wie ernst es ihm ist, kann man deutlich sehen und auch spüren.

Ja. Es ist tatsächlich so, dass ich es mit jeder Faser meines Seins spüren kann. Duncan hat sich in den Kopf gesetzt, mich glücklich zu machen und wird mich somit auch vor allem beschützen wollen. Mich hätte es nicht besser treffen können, wenn ich so darüber nachdenke. Und natürlich möchte ich ihm keinerlei Kummer bereiten, weswegen ich ihn auf Stand der Dinge halten und keinen Alleingang machen werde.

„Ich werde mich nicht in Gefahr bringen, ich verspreche es dir. Sobald ich Informationen bekomme, die uns weiterbringen, wirst du es wissen.“

„Das ist gut. Du sollst wissen, dass du mit mir über alles sprechen kannst.“

„Und das weiß ich. Wenn du deine Schwester findest und Lani ihren Frieden gefunden hat, werde auch ich meinen Frieden finden. Auch, wenn es vielleicht seltsam klingen mag, weil ich sie gar nicht persönlich kannte.“

„Nein, gar nicht. Du bist jemand, der sich um das Wohlergehen von anderen Menschen sorgt. Geht es deiner Umgebung gut, geht es auch dir gut. Einfache Psychologie“, lächelt er mich an und ich muss schmunzeln.

„Du kennst mich bereits sehr gut, wie mir scheint“, erwidere ich leise und seufze dann innerlich. „Nach Leons Tod habe ich gedacht, ich werde niemals wieder richtig glücklich. Und dann bist du in mein Leben gestolpert, Duncan.“

„Witzigerweise bin ich tatsächlich gestolpert, hm?“, schaut er mich amüsiert an.

„Oh ja, direkt in mein Herz. Bleibst du heute Nacht bei mir?“

„Selbstverständlich. Als ob ich jetzt wieder verschwinden würde und dich ganz allein in deinem viel zu großen Bett schlafen lasse.“

Belustigt ergreife ich seine Hand und ziehe ihn sanft mit mir in die obere Etage.
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