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(Dìonadair Gàidhlig #2) Angel of Justice

von xscullyx
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
09.09.2021
21.10.2021
16
37.952
6
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Dieses Kapitel
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14.10.2021 3.088
 
Idiot. Du bist ein verdammter Idiot und hast dich selbst ins Aus geschossen, in dem du erst zugelassen hast, dass sie dich küsst und sie dann mit dieser bescheuerten Ausrede verletzt und von dir gestoßen hast! Bist du eigentlich noch zu retten?! Diese Frau scheint dich zu wollen, aber du machst dicht und ziehst dich auf unmögliche Art und Weise zurück. Herzlichen Glückwunsch, du Dorftrottel.

Verflucht. Ich wollte Aria keinesfalls verletzen und doch habe ich es getan. Warum musste ich ausgerechnet in diesem Augenblick diese beknackte Aussage wiederholen? Dabei habe ich es genossen; sehr sogar. Es ist all das, nach dem ich mich mein Leben lang sehne. Alles, was ich mir wünsche und erhoffe – dann noch von einer so wundervollen Frau wie Aria Mitchell. Und was tue ich? Verpasse ihr mental eine Ohrfeige. Es stand ihr in Leuchtbuchstaben auf die Stirn geschrieben, auch, wenn sie etwas anderes behauptet hat und tapfer das Abendessen durchzieht. Ich an ihrer Stelle hätte mich nach einer saftigen Standpauke mit einem Arschtritt aus diesem Haus befördert, doch nichts dergleichen ist geschehen. Warum ist sie nicht aus der Haut gefahren?

Gedankenverloren stochert sie lustlos in dem Essen auf ihrem Teller herum und hat vermutlich auch mich in diesem Moment komplett ausgeblendet. Der Ausdruck in ihrem Gesicht ist nicht zu deuten und ich würde tendenziell behaupten, dass sie sich vor mir verschlossen hat, da ich sie tief verletzt habe mit meiner undurchdachten Aktion.

Wundert dich das jetzt etwa, du Vollpfosten? Immerhin hat sich sich dir geöffnet, in deinen Armen geweint und dir vertraut. Und wie dankst du es ihr? In dem du ihr um die Ohren haust, dass du nichts festes willst und sie sich um Gotteswillen bitte nicht in dich verlieben soll. Geile Nummer, Finlay. Warum hast du nicht direkt mit ihr geschlafen und dann ganz romantisch diese Worte in ihr Ohr gehaucht? Beim gemeinsamen Höhepunkt am besten. Kannst stolz auf dich sein.

Die Stimme in meinem Kopf ist wütend und ich kann es nachvollziehen. Ganz im Gegenteil zu sonst habe ich mich verhalten wie ein Neandertaler. Was ist nur in mich gefahren, zur Hölle? Es ist offensichtlich, dass sie meine Nähe genossen hat und mir fast schon blind vertraut hat. Und dann küsst sie mich und bei mir schrillen irgendwelche Alarmglocken los, weil ich in der Vergangenheit die Frau nicht hatte beschützen können, die mich so dringend gebraucht hatte. Weil ich es nicht gesehen, nicht gemerkt habe. Toller Hecht, wirklich. So einen Nichtsnutz wie mich hat sie definitiv nicht verdient. Aber auch niemanden, der sie halbwegs ausnutzt, um sie dann brutal von sich wegzustoßen.

Scheiße.

Wie gedenkst du das Debakel wieder gutzumachen, hm?

Sag du es mir doch. Du scheinst ja einen Plan zu haben, so wie du klingst. Belehre mich und tritt mir ordentlich in den Hintern.

Innerlich fluche ich und lege die Gabel auf den Tisch neben den Teller. Auch ich habe das Essen kaum angerührt und habe über mein unentschuldbares Gebaren sinniert. Aria zuckt kaum merklich zusammen und wirft mir einen schnellen Blick zu, nur um dann wieder auf ihren Teller zu schauen. Kurz beißt sie sich auf die Unterlippe und richtet sich dann etwas auf. Ein Lächeln erscheint in ihrem Gesicht, welches jedoch nicht ihre Augen erreicht. Sie will mir vorgaukeln, dass alles in Ordnung ist und dann in ihrem Kummer versinken, wenn ich das Haus verlassen habe. Verdammt. Das kann ich einfach nicht zulassen, denn sie trifft überhaupt keine Schuld. Gerade jetzt will ich sie nicht allein lassen. Aber was soll ich tun; was sagen?

„Es tut mir leid, Aria.“

„Was tut dir leid? Du hast doch nichts falsch gemacht. Von Anfang an hast du klar und deutlich mitgeteilt, dass du nicht auf der Suche bist. Ich muss mich entschuldigen, wenn ich habe dich scheinbar in irgendeiner Form gereizt und dann noch die Dreistigkeit besessen dich zu küssen. Mir muss es also leid tun, nicht dir“, gibt sie zurück und legt ebenfalls ihre Gabel beiseite, schaut mich dabei jedoch nicht an.

„Nein, so ist es nicht. Ich meine, ja, ich habe meinen Standpunkt klar gemacht, allerdings hätte ich einen Kuss niemals zugelassen, wenn ich ihn nicht gewollt hätte. Ich will lediglich vermeiden, dass ich dir weh tue.“

„Ach ja?“, hakt sie ironisch nach und ich seufze leise.

„Ich habe dich bereits verletzt, ich weiß. Und das tut mir wirklich leid. Es lag nicht in meiner Absicht, wirklich nicht. Aber verliebst du dich in mich, wird es dir früher oder später mit Sicherheit das Herz brechen und das will ich nicht. Glaub mir, du bist mir wichtig und ich will dich lediglich beschützen“, versuche ich ihr deutlich zu machen, was in mir vorgeht.

„Mich beschützen? In dem du mich glasklar in die Friendzone schiebst? Fragst du andere Menschen auch nach ihrer eigenen Meinung und lässt ihnen die Wahl, oder geht das über deinen Stolz hinaus und lässt das erst gar nicht zu? Nein – antworte mir nicht. Eigentlich ist es auch vollkommen egal, denn du hast mir deutlich vermittelt dass du keinerlei Interesse an mir hast. Ich werde es akzeptieren und auch respektieren, keine Sorge, Duncan. Nun weiß ich, wo mein Stand ist und was ich zu lassen habe.“

Ohne mir einen Blick zuzuwerfen, nimmt sie ihren Teller und stellt ihn auf die Anrichte. Mit leicht gesenktem Kopf steht sie mit dem Rücken zu mir dort und ich bin unsicher, was und ob ich nun noch etwas sagen soll, oder ob ich einfach gehen und sie allein lassen soll.

Wenn du nun aufstehst und gehst, hast du für immer bei ihr verschissen, mein Freund. Überleg es dir gut, denn sie ist die Frau die dein Herz gerade im Sturm erobert, ob du willst oder nicht. Versuch erst gar nicht es abzustreiten, es ist eh zwecklos. Es hat dich erwischt und selbst die Gefühle gegenüber Lani verblassen dagegen. Denk an Cal und den Rat, den du ihm bezüglich Ri gegeben hast, als er sich quer gestellt hat. Auch er hat kein leichtes Los im Leben gezogen und macht das Beste daraus.

Lani. Ich konnte sie damals nicht beschützen und habe aus falschen Gründen schlechte Entscheidungen getroffen. Sie war in meinen Augen zu jung für mich, zu aufgeschlossen für das Leben und einfach außerhalb meiner Liga. Mein Vater hat immer versucht mir einzureden, dass ich unter meinem Stand keine Frau als die Meine aussuchen solle und mich beschmunzelt, als er herausgefunden hat, dass ich mich in die kleine Lani Moldovan verliebt habe. Er hat klargestellt, dass sie viel zu jung und wild für mich sei und sie kein Umgang für mich, da ihre Familie eine bürgerlich ist und Lani sich in der Welt der Reichen und Schönen nicht zurechtfinden würde. Vielmehr würde sie verkümmern und nicht mehr die sein, die sie zu diesem Zeitpunkt war. Aus diesem Grund habe ich ihr nie meine Gefühle gestanden und mich in diesem Zusammenhang von ihr fern gehalten. Hätte ich doch bloß niemals auf meinen Vater gehört.

Entschlossen stehe ich auf und trete leise hinter Aria, um meine Arme um sie zu schlingen und ihren Rücken gegen meine Vorderseite zu drücken. Mein Kinn lege ich auf ihre Schulter und hoffe, dass sie sich nicht losreißen und weglaufen will. Verstehen könnte ich es allerdings, denn ich wüsste nicht, wie ich in ihrer Situation jetzt reagieren würde. Kurz versteift sie sich, entspannt sich jedoch sogleich wieder ein wenig. Ihre Haare kitzeln an meiner Nase, was mir in diesem Augenblick vollkommen egal ist. Meine Hände liegen auf ihrem Bauch und ich spüre wieder ein leichtes Kribbeln in meinem Körper, weil ich ihr so nahe bin und sie berühren kann. Es kann nicht falsch sein, wenn es sich so gut anfühlt, oder?

Du kleiner Blitzmerker.

„Aria, ich bin ein Idiot. Das meine ich, wie ich es jetzt sage. Ich habe dir von meinem Vater erzählt, der mein Vorbild gewesen ist, bis ich sechzehn geworfen bin und den großen Streit meiner Eltern mitbekommen habe. Dennoch habe ich über Jahre versucht, in ihm das Gute zu sehen, seine Anerkennung zu gewinnen. Etwas wert zu sein in seinen Augen. Heute weiß ich, dass ich das niemals geschafft hätte, egal wie viele Versuche ich gestartet hätte“, fange ich an mich wieder ein wenig zu öffnen, in der Hoffnung, dass sie versteht was ich damit zeigen möchte. „Damals hatte ich eine gute Freundin. Ihr Mädels bezeichnet solche Freundschaften sicherlich als die Beste. Sie war fünfzehn, als ich sie kennenlernte, ich bereits neunzehn. Ich war wie immer joggen und kam an der Stelle vorbei, an der sie saß und traurig darüber war, dass sie einen großen Streit mit ihrer damals besten Freundin hatte. Warum ich mich zu ihr setzte, kann ich dir nicht einmal genau beantworten. Es war einfach ein Gefühl, nein, ein Bedürfnis es zu tun.“

„Und dann?“, fragt Aria kaum hörbar nach einem kurzen Moment der Stille zögerlich, was mir dennoch Hoffnung gibt, dass sie mir zuhört und mich vielleicht ein klein wenig verstehen kann.

„Dann haben wir uns nach und nach angefreundet. Wir sind gemeinsam älter geworden; erwachsener. Sie vermutlich mehr als ich, obwohl ich älter war“, lache ich leise bei der Erinnerung an glückliche Jahre meiner Jugend. „Irgendwann… verliebte ich mich in sie. Ich weiß nicht wann es war, oder wie alt wir damals waren. Es kam womöglich schleichend. Aber ich habe es nie übers Herz gebracht, es ihr zu gestehen.“

Aria legt behutsam ihre Hände auf meine und ich muss gegen meinen Willen lächeln, denn sie fühlt mit mir und will mir so zeigen, dass sie für mich da ist. Dabei will ich nicht ihr Mitgefühl erregen, sondern damit bezwecken, dass sie meine die Hintergründe meiner Handlungen versteht. Nicht mehr und auch nicht weniger.

„Jedenfalls gab es einen Grund, warum ich es nicht getan habe. Eigentlich sogar mehrere. Aber einen ganz besonders triftigen Grund. Eventuell kannst du erahnen welcher dahinter steckte?“

„Dein Dad?“, rät sie auf Anhieb richtig und ich nicke leicht auf ihrer Schulter.

„Mein Vater, korrekt. Du solltest wissen, dass meine Eltern… meine Familie… Ich sag es nie gern, aber sie sind reich. Steinreich und müssten keinen Handschlag mehr tun. Selbst ich müsste niemals in meinem Leben arbeiten. Das weiß niemand; nicht einmal Cal und Ri. Damit gehe ich nicht hausieren und eigentlich ist es mir auch egal. Auf ein Konto, welches meine Mutter angelegt hat, geht jeden Monat ein höherer Betrag ein. An das Geld bin ich noch nie gegangen und habe es auch nicht vor.“

„Sag jetzt bitte nicht, dass dein Vater dir eingeredet hat, dass sie es nicht wert gewesen ist, dass du sie zu deiner Freundin, oder sogar Frau machst“, bittet sie leise und ich höre heraus, dass sie schockiert darüber ist. „Bitte sag, dass ich damit falsch liege.“

„Leider nicht. Genau das ist es, was er mir in den Kopf gepflanzt hat. Sie würde sich wie in einem goldenen Käfig fühlen, gehöre nicht in die Welt der Reichen, Schönen und dem ganzen Drumherum. Außerdem habe er größeres mit mir vor und da würde mich jemand bürgerliches nur stören und vom geplanten Kurs abbringen“, schnaube ich leise und spüre wieder das blanke Entsetzen von damals in meinen Knochen. „Außerdem wäre sie für mich viel zu jung; wild und unerfahren. Erwähnen sollte ich, dass sie sich immer heimlich nachts aus dem Haus geschlichen hat und durch das Dorf gestromert ist. Um ein ruhiges Gewissen zu haben, habe ich mir angewöhnt sie irgendwann einfach dabei zu begleiten. Ich schäme mich es zu sagen, aber ich habe ihm anfangs noch geglaubt. Gedacht, er meine es nur gut mit mir. Mit ihr. Vielleicht würde er sich auch nur um mich sorgen. Aber einige Zeit später kam ich dahinter dass er mich manipuliert hatte. Leider war es dann zu spät für ein uns mit Lani.“

„Was ist passiert, als dir klar wurde dass dein eigener Vater dich in die Irre geführt hat?“

„Sie hat ihre erste große Liebe kennen gelernt. Zachary ist ein mieser Kerl, der mit Drogen dealte und seine Flammen dazu zwang, Dinge für ihn zu tun. Hauptsächlich Drogen zu schmuggeln oder sie für ihn aufzubewahren. Andere Mädels, die Älteren, zwang er anschaffen zu gehen. Viele ließen es mit sich machen. Entweder geblendet vor vermeintlicher Liebe, oder aus Angst vor Gewalt. Lani hatte anfangs scheinbar einen besonderen Status bei diesem Schmierlappen und seinem Anhang, vermutlich weil sie ihm Paroli geboten hat und er das spannend gefunden hat. Bis es ihn nervte und sie zunehmend trauriger und auch verschlossener wurde.“

„Hat er sie… geschlagen?“

„Ja. Sie hatte mehrfach blaue Flecken und Veilchen. Allerdings hatte sie dafür immer wieder ziemlich glaubhafte Erklärungen. Aileen, Lanis beste Freundin, hat mich irgendwann abgepasst und mir erzählt was Zachary anstellt, wie er meine beste Freundin behandelt. Ich…“, nachdenklich breche ich meine Erzählung ab und atme tief durch.

Nun war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich ihr offenbaren muss, dass es sich bei Lani um die kleine Schwester von Cal handelt. Und das sie nicht mehr unter den Lebenden weilt. Dass sie keinen Ausweg mehr gesehen und sich umgebracht hat. Und sie wird erfahren, dass ich zu schwach war Lani zu beschützen. In meinem Kopf versuche ich mir die passenden Worte zurechtzulegen, damit es nicht abgedroschen klingt, oder gar zu emotional. Aria dreht sich in meinen Armen vorsichtig um und schaut zu mir auf. Ihre Hände legt sie dabei flach auf meine Brust.

„Was ist dann passiert, Duncan?“

„Nun… du solltest vermutlich vorher wissen, dass Lani die kleine Schwester von Cal war, bevor ich weitererzähle“, sage ich gepresst und schließe für einen kurzen Moment meine Augen, um sie dann wieder anzuschauen.

„War?“

„Ja, war. Sie… lebt leider seit ein paar Jahren nicht mehr. Das… Aileen kam ungefähr ein halbes Jahr vor Lanis Tod auf mich zu und erzählte mir, was sie wusste. Cal hat von alledem nichts mitbekommen, bis ich über meinen Schatten gesprungen bin und ihm von der ganzen Geschichte erzählt habe. Lani hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen von ihm und ihren Eltern abgekapselt. Inklusive Wechsel ihrer Telefonnummer, Auszug aus dem Elternhaus zu Zachary… Kontaktabbruch. Nur Aileen durfte sie in dieser Zeit sehen. Auf mich war der Idiot eifersüchtig, wie Lani mir noch vor dem Kontaktverbot erzählte. Irgendwann sperrte er sie sogar ein. Ich musste Cal beichten, dass ich quasi, seit damals fünf Jahren, der Schatten seiner geliebten kleinen Schwester war und er es nicht einmal mitbekommen hatte. Ich bin zwei Jahre jünger als er und bewegte mich mehr oder minder unter seinem Radar. So gab es weder Gerede, noch Ärger für mich, da ich älter war als sie.“

„Oh Gott. Das tut mir so leid“, haucht sie und schlingt nun ihrerseits die Arme um meine Taille, um mich an sich zu drücken. „Niemand sollte so etwas erleben.“

„Es ist leider geschehen und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Hätte ich damals nicht einen anderen Termin gehabt, wäre ich auf der Geburtstagsfeier von Aileen gewesen und hätte vielleicht verhindern können, dass Lani diesen Zachary kennenlernt. Aber leider war ich nicht anwesend“, schüttle ich kurz den Kopf, umarme Aria und lege mein Kinn leicht auf ihren Scheitel. „Als Cal nun von den erschütternden Vorkommnissen wusste, hat er es sich nehmen lassen und Zachary fast zu Brei geschlagen. Dessen eigene Mutter hat ihn vermutlich nicht mehr wiedererkannt. Wochenlang lief er herum wie der Glöckner von Notre Dame. Nach vielen Gesprächen mit Lani gelang es uns, dass sie sich eine eigene kleine Wohnung anmietete, den Kontakt zu allen rund um ihren Ex abbrach und passten abwechselnd auf sie auf. Eines Abends war Cals und Lanis regelmäßiger Kinotag, zu dem sie weder erschien, noch dieses Treffen absagte oder verschob. Er alarmierte mich umgehend und trafen uns an ihrer Wohnung. Es waren einige Monate vergangen, in denen seitens Zachary nichts mehr kam und wir uns entschieden hatten, dass sie sich wieder frei bewegen konnte. Ein vermutlich dummer Fehler.“

„Was geschah mit ihr?“

„Ich fand sie auf dem Sofa. Schlaftabletten und Wein. Dazu unzählige Abschiedsbriefe. Wir hätten ihr helfen können. Ich hätte ihr helfen können, nein, helfen müssen. Aber ich habe es nicht gesehen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sie wieder mit ihm zusammen gewesen Wwar und er sich für sie ändern wollte, es natürlich nie tat, oder auch nur vorhatte.“

„Duncan, du bist nicht Schuld an ihrem Tod, denk das bitte nicht. Sicherlich hätte Lani dir, oder Cal, an ihrem Tod niemals die Schuld gegeben.“

Betrübt schaue ich Aria an und sie legt eine Hand an meine Wange, um mir Trost zu spenden. Wie kann sie nach meinem Machoverhalten nur so ein großes Herz zeigen und mich jetzt trösten wollen? Wollte, nein sollte, ich nicht für sie da sein? Sie trösten und um Verzeihung bitten? Stattdessen ist sie nun für mich da und ist mein Fels in der tosenden Brandung. Diese Frau ist einfach unglaublich und ich ein Arschloch, welches erst in diesem Augenblick kapiert was ihm da geschenkt wird. Was mir angeboten wird. Behutsam lehne ich meine Stirn an ihre und schließe erschöpft meine Augen. Diese Reise in die Vergangenheit hat mir einiges abverlangt und ich könnte auf der Stelle im Stehen einschlafen.

„Es tut mir so unglaublich leid, dass ich dich verletzt habe, aber bisher habe ich noch keine Beziehung geführt. Nicht mal ein bisschen. Und das ist mit fast dreißig echt peinlich“, zucke ich ein wenig hilflos die Schultern und grinse halb. „Vielleicht ist es einfach nur ein Schutzmechanismus.“

Mir ist im Leben bisher nichts wirklich peinlich gewesen, aber gerade fühle ich mich wie der erste Mensch auf Gottes Erdboden. Ich bin achtundzwanzig und habe bisher noch nie eine feste Freundin gehabt. Ein paar One-Night-Stands, ja. Aber sobald es drohte ernst zu werden, kamen mir die Worte meines alten Herren wieder in den Sinn und ich habe abgeblockt. Jetzt scheint mir dieses Thema auf die Füße zu fallen und ich stelle mich an wie ein Jüngling beim ersten Date. Fehlt nur noch die Zahnspange samt Hornbrille.

„Das ist doch nichts schlimmes, Duncan. Bisher hatte ich auch nur eine einzige Beziehung.“

„Aber ihr wart glücklich und Leon wurde dir von jetzt auf gleich entrissen. Du hattest immerhin eine Beziehung die lief. Ich weiß noch nicht einmal, ob ich für so etwas geschaffen bin. Was ist, wenn ich kein Typ für eine langfristige...“
Sie legt mir lächelnd ihren Zeigefinger auf die Lippen und schüttelt leicht ihren Kopf, um mich zum Schweigen zu bringen. Wieder versinke ich in den Tiefen ihrer schiefergrauen Augen, welche nun wieder mitlächeln. Erleichtert erwidere ich ihr Lächeln und sie senkt ihren Finger wieder, um damit sanft über mein Kinn zu streicheln.

„Das kannst du nicht wissen, wenn du es nicht wenigstens ausprobierst“, meint sie herausfordernd.

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