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(Dìonadair Gàidhlig #2) Angel of Justice

von xscullyx
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
09.09.2021
16.01.2022
26
63.242
7
Alle Kapitel
36 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.09.2021 2.457
 
Hallo meine Lieben,

ich habe mich nun an das neue Werk gemacht und wollte euch Kapitel 1 nicht vorenthalten. :) Hier lest ihr den Auftakt des Nachfolgers (Dìonadair Gàidhlig) Passionate Guardian. In diesem Teil ist Duncan unser männlicher Hauptprotagonist, dessen Hintergrundgeschichte näher beleuchtet wird. Natürlich wird auch in seiner Story eine Frau für ihn auftauchen.  

Über Rückmeldungen in Form von Herzen, Sternen und/oder Reviews freue ich mich wie immer. ^^

LG
Scully
__________________________________

Heute ist ein typischer Montag. Erst habe ich den Wecker nicht gehört, dann bin ich beim Gähnen unter der Dusche fast ertrunken und zu allem Überfluss hat auch noch meine Kaffeemaschine den Löffel abgegeben und den Dienst quittiert. Ich bin nicht abhängig von einem Kaffee, dennoch erleichtert er mir den Start in den Tag ungemein. Müde streiche ich mir die Haare aus dem Gesicht, die mal wieder einen Schnitt benötigen, wozu ich allerdings absolut keine Lust habe. Mittlerweile kann ich meinem besten Freund Konkurrenz machen, der bald schulterlange Haare gezüchtet hat. Eigentlich nicht mein Stil, aber was will man machen, wenn man keinen Elan für den Friseurbesuch hat.

Den Ladenschlüssel schmeiße ich in eine Schale hinter der Bedientheke und schiebe mir die Hemdärmel über die Ellenbogen, damit sie mich nicht stören, bevor ich mich daran mache die Auslagen zu füllen. Von Puddingteilchen über Laugenbrezeln haben wir alles im Angebot, führen aber auch Sandwiches, die jedoch frisch zubereitet werden, wenn der Kunde eine Bestellung aufgibt. Die Zutaten hierfür stelle ich in die Kühlung, damit Fiona nachher schnell an die einzelnen Komponenten herankommt und fülle die Getränke im Kühlschrank auf, um dann die Tische herzurichten. Da Fiona gern mal länger im Bett liegen bleibt und ein echter Morgenmuffel ist, bin ich als Inhaber schon immer relativ früh im Bistro, um ihr die Arbeit abzunehmen.

Privat sind wir seit etwas mehr als einem Jahr befreundet und erzählen uns so gut wie alles. Sind füreinander da, wie eine kleine Familie, welche auch meinen besten Freund Calin und seine Liebste Rilana einschließt. Endlich hat meine kleine Miesmuschel die Richtige gefunden und ist glücklich. Die Hoffnung hatte ich schon fast aufgegeben und das Schicksal angenommen, dass ich auf ewig einen nach außen hin kühlen Kumpel habe, der zum Lachen augenscheinlich in den Keller geht. Rilana hat jedoch das geschafft, was niemand für möglich gehalten hat: ihn zum Lachen gebracht und seine Ironie hervor gekitzelt.

Meine Gedanken schweifen wieder ins Hier und Jetzt, da eine grummelnde Fiona den Laden betritt und mich im Vorbeischlurfen mit einem „Morg‘n“ anbrummt.

„Dir auch einen wunderschönen guten Morgen, Fio“, grinse ich sie an und amüsiere mich über ihren Gesichtsausdruck, der mir zeigt das sie sich vor meiner guten Laune gespielt ekelt. „Hast du gut geschlafen?“

„Geht. Viel zu kurz.“

„Du solltest einfach mal eher ins Bett gehen, dann hast du auch mehr von der Nacht.“

„Mh“, gibt sie von sich und gießt sich eine Tasse schwarzen Kaffee ein, an dem sie sofort vorsichtig nippt. „Mag sein. Aber du weißt, dass ich eine Nachteule bin.“

„Dann lass mich doch die Frühschicht machen und du fängst erst nachmittags an. Das habe ich dir schon mehrfach angeboten, aber du lehnst ewig ab. Dann kannst du frühs ins Bett gehen und bis mittags schlafen und hast mehr Ruhe vor den Kunden im Frühstücksbereich“, biete ich ihr gefühlt zum hundertsten Mal an.

„Nope. Ich bin gleich wieder fit und dann habe ich auch bessere Laune, weißt du doch. Und mich stört es auch nicht, dass ich den Frühstücksbereich abdecke und keine Spätschicht mache. So kann ich nach der Arbeit wenigstens noch an den Strand und habe was von der Sonne. Abends aalt sich jeder am Meer und ich habe keine Ruhe.“

„Wie du willst. Sag später nicht, dass ich es dir nicht ständig anbiete. Ich frage ab sofort nicht mehr nach.“

„Schon okay, Duncan. Gib mir fünf Minuten und ich bin auf Stand der Dinge.“

Da ich alles vorbereitet habe, stelle ich mich an das Schneidebrett, an dem wir die Sandwiches zubereiten und belege mir zwei Scheiben mit Salami, Salat, Gurke und Ei, da ich verdammt hungrig geworden bin. Herzhaft beiße ich ab und genieße den Geschmack aller Zutaten, welche sich mit der Remoulade verbinden. Meine Hüfte habe ich gegen die Arbeitsplatte gelehnt und werfe einen Blick zu Fiona, welche gerade den Rest ihres schwarzen Golds verinnerlicht. Sie hat sich an einen der Tische gesetzt und die Beine, welche in schwarzen Caprileggins stecken, übereinandergeschlagen. Die Tasse hält sie mit beiden Händen umfasst und beobachtet mich mit einem nachdenklichen Blick. Heute trägt sie eine sonnengelbe Bluse, die Haare wie üblich in einem lockeren Pferdeschwanz. In Miami ist es im Prinzip das ganze Jahr warm, was ich manchmal richtiggehend schade finde und zu Weihnachten meistens in den Highlands zu finden bin, um wenigstens ein bisschen winterliche Stimmung zu bekommen.

„Über was denkst du nach?“, frage ich sie, da sie noch immer einen nachdenklichen Blick auf mir liegen hat. „Irgendwas bestimmtes?“

„Bist du dieses Jahr wieder in der Heimat?“

„Vermutlich schon, ja. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher. Ri und Cal haben gefragt, ob ich vielleicht vorbei kommen mag. Bisher habe ich mich jedoch noch nicht entschieden, habe auch noch gut einen Monat Zeit dafür. Wieso fragst du?“

„Neugierde. Ich würde auch gern wieder in die Highlands. Aber...“, sie bricht den Satz ab und zuckt ihre Schultern ein wenig unschlüssig.

„Dank Cal könntest du wieder. Immerhin hat er dafür gesorgt, dass dein Ex-Mann hinter Schloss und Riegel gelandet ist. Auch sein Kumpane wird das Tageslicht nie wieder in Freiheit erleben, sondern nur im Innenhof der geschlossenen Anstalt.“

„Ja. Ich würde schon gern, allerdings verbinde ich mit meiner Heimat nur schlechte Erfahrungen… Mal schauen. Vielleicht nächstes Jahr. Es läuft mir nicht weg“, lächelt sie kurz.

„Kann ich nachvollziehen. Ich ziehe meinen Hut vor dir, dass du so normal leben kannst. An deiner Stelle hätte ich vermutlich jahrelange Therapie vor mir“, sage ich und schiebe mir das restliche Stück Sandwich in den Mund.

Wieder zuckt sie die Schultern und bringt dann die leere Tasse hinter die Theke, um sie in der Küche in den Geschirrspüler zu räumen. Sie trinkt ein bis zwei Kaffee am Tag, steigt dann auf stilles Wasser um und genehmigt sich ab und an mal einen Saft. Seltsames weibliches Wesen. Aber so hat jeder seine Eigenarten. Ich zum Beispiel mag überhaupt keinen Tee und trinke ausschließlich welchen, wenn ich krank bin und nichts anderes drin bleibt. Und selbst dann nur mit einigem Widerwillen.

Drei Stunden später haben wir voll besetzte Tische und wir laufen hin und her, um die Bestellungen aufzunehmen und den Gästen zu bringen. Es macht dennoch wahnsinnigen Spaß, da die Männer und Frauen gute Laune und den ein oder anderen Spruch auf den Lippen haben, den man sorglos erwidern oder kontern kann. Es sind über jung bis alt alle Altersklassen vertreten, was eine besonders lockere Atmosphäre schafft und das Arbeiten erleichtert. Eigentlich fühlt es sich nicht nach Arbeit an; eher wie ein Treffen mit vielen bekannten Menschen.

Die Tür öffnet sich und eine auffallend hübsche Frau betritt das Bistro. Die verwaschene schwarze Jeans sitzt an ihren Beinen wie eine zweite Haut, das rote Tanktop fällt jedoch locker-lässig um ihren Oberkörper, während ihre Füße in schwer aussehenden schwarzen Boots mit locker sitzender Schnürung stecken. Ihre blonden Haare trägt sie als Longbob, hier und da kann man einige dunklere Nuancen erkennen, die im Licht bräunlich schimmern. Scheinbar legt sie nicht allzu viel Wert auf Äußerlichkeiten und hat einen eher eigenwilligen Style, der mir aber durchaus gefällt.

Über ihrem linken Arm hat sie eine Jeansjacke hängen, in der Hand hält sie ein Portemonnaie und ein Smartphone. Sie bleibt im Eingangsbereich stehen und schaut sich nach einem freien Platz um. Hilfreich trete ich vor sie und lächle sie an.

„Willkommen im Barelly´s. Ich zeige dir einen Tisch, folge mir unauffällig“, begrüße ich sie locker und sie hebt überrascht die Augenbrauen, um dann ebenfalls zu lächeln.

Ihr Lächeln ist der pure Wahnsinn und ich bin erstaunt, dass ich so auf sie reagiere. Normalerweise bin ich einigermaßen immun gegen weibliche Verlockungen, sie scheint allen Anschein nach eine Ausnahme zu bilden.

„Danke. Ihr seid hier ziemlich cool drauf? Normalerweise wird man immer stocksteif gesiezt. Da habe ich mir das richtige Lokal ausgesucht um mich ein wenig zu entspannen wie mir scheint.“

Ihre Stimme ist weich und hat einen angenehmen Klang. Nicht zu hoch, nicht zu tief, fast schon schnurrend wie eine bei einer Katze. Ich drehe ihr den Rücken zu und gehe zu einem Einzeltisch neben der Theke, in dem eine bequeme gepolsterte Eckbank steht, an den sie sich, erneut lächelnd, setzt und ihre Sachen neben sich ablegt. In dieser Ecke sitzt sonst eigentlich niemand, weswegen Fiona oder ich uns dort in den Pausen entspannen und etwas essen oder trinken.

„Was darf ich dir zu trinken bringen? Oder möchtest du generell eine Karte?“

„Habt ihr selbst gemachte Limonade?“, fragt sie und stützt ihr Kinn auf ihre Faust, den Ellenbogen hat sie auf der Tischplatte abgestellt und ihr Blick ruht auf meinem Gesicht. „Zitrone mit Eiswürfeln und einem Blatt Minze wäre ein absoluter Traum.“

„Klar. Kommt sofort. Und die Mittagskarte bringe ich direkt mit. Ich gehe zumindest davon aus, dass du was essen magst?“

„Richtig erkannt. Wobei ich auch hier nicht zwingend eine Karte brauche. Spaghetti Bolognese mit einer Extraportion Parmesan werdet ihr sicherlich anbieten.“

Ich muss grinsen, weil sie einfach herrlich unkompliziert ist, was ich erfrischend finde. In der Regel sind die Leute eher zurückhaltend und verlangen die Speise- und Getränkekarte. Nicht jedoch diese Schönheit. Neugierig legt sie ihren Kopf schräg und ich bin gespannt, was sie nun fragen wird, denn das sie eine Frage hat, kann ich ihr an der Stupsnase ansehen.

„Wie heißt du?“

„Duncan. Und wie ist dein Name, unbekanntes Wesen?“, zwinkere ich ihr frech zu.

„Man ruft mich Aria“, erwidert sie und lehnt sich an das Rückenpolster.

„Freut mich sehr, Aria. Ich bringe dir deine Limonade, einen Augenblick.“

Mit diesen Worten mache ich Kehrt und spaziere in den Arbeitsbereich, um den großen Krug Zitronenlimonade aus dem Kühlschrank zu nehmen und ein Glas voll einzuschenken, nachdem ich Eiswürfel hineingegeben habe. Wie gewünscht, gesellt sich ein Minzblatt zu dem Inhalt und ein bunter Strohhalm rundet das Ganze ab.

„Fio?“

„Ja?“

„Machst du bitte eine Portion Spaghetti Bolognese fertig? Mit extra viel Parmesan.“

„Wird erledigt, Chef“, erhalte ich aus der Küche Rückantwort.

Heute steht Fiona am Herd und bereitet die Wünsche der Gäste zu und ich spiele überwiegend Teller- und Getränketaxi. Damit uns nicht langweilig wird, wechseln wir hin und wieder die Rollen, wobei es auch Tage gibt, an denen wir der Einfachheit halber das Gleiche wie schon am Vortag machen. Als kleinen Begrüßungsdrink bekommt sie ein Glas frisch gepressten Orangensaft, der aufs Haus geht. Die täglichen Vitamine müssen immerhin abgedeckt werden.

„Einmal Zitronenimonade, die Dame und zusätzlich geht ein Glas frisch gepresster Orangensaft aufs Haus“, spreche ich Aria lächelnd an und stelle beide Gläser vor ihr auf dem Tisch ab. „Die Spaghetti sind in Arbeit, ein wenig dauert es allerdings noch.“

„Vielen Dank, sehr aufmerksam.“

Sie schaut schmunzelnd von ihrem Smartphonedisplay auf und ein funkelnder Blick aus grauen Augen trifft mich. Eine eher seltenere Augenfarbe, wie ich finde. Ihre Augen haben eine schiefergraue Färbung, die mich fasziniert. Um ihr nicht das Gefühl zu vermitteln, dass ich sie anstarre, lasse ich meinen Blick durch den Gastraum schweifen, um zu schauen ob jemand einen Wunsch hat. Dies scheint augenscheinlich nicht der Fall zu sein, weswegen ich ihr wieder meine Aufmerksamkeit schenke.

„Du kommst nicht von hier, oder?“

„Nein, aber wie kommst du darauf? Falle ich so sehr auf?“, erwidert sie verblüfft.

„Ich habe dich hier noch nie gesehen, deswegen frage ich. Normalerweise verirrt sich jeder mal in das Bistro. Und du warst überrascht, dass wir einen solch lockeren Umgangston an den Tag legen. Habe einfach kombiniert.“

„Wow, Sherlock. Ich bin fasziniert“, lacht sie leise, was mir einen kleinen wohligen Schauer über den Nacken schickt. „Warum genau verschwendest du dein detektivisches Talent in einem Bistro?“

„Nun, ich bin ganz passabel in gastronomischen Dingen und lasse die Detektei nebenher laufen“, gebe ich mit einem halben Grinsen zurück und ihre Mundwinkel zucken amüsiert.

„Wenn sich das nicht in die Quere kommt – warum nicht.“

„Ich werde mal nach deinem Essen schauen. Wir sind nur zu zweit und meine Kollegin steht in der Küche. Bin sofort wieder bei dir.“

Mit langen Schritten mache ich mich auf den Weg hinter die Theke und schaue um die Ecke in den Küchenbereich, um mir einen kleinen Überblick zu verschaffen, welche Bestellungen gegebenenfalls schon raus können.

„Schon was fertig?“, möchte ich von Fiona wissen.

„Zwei Salate Roma können an Tisch 3. Die Spaghetti sind auch gleich soweit. Bring die Salate weg und dann kannst du dir die Nudeln schnappen, Monsieur Duncan“, grinst sie mich über ihre rechte Schulter hinweg an.

„Exzellent, Mademoiselle Fiona. Ich eile zu Ihrer vollsten Zufriedenheit und bin geschwind wieder an Ort und Stelle.“

Nachdem ich die Salate ausgeliefert habe, werfe ich einen Blick durch den Raum, um aufmerksam zu prüfen, ob sich einer der Gäste nach mir umschaut, doch niemand scheint derzeit einen Wunsch zu haben, den er oder sie an mich richten möchte, weswegen ich zurück in die Küche spaziere und den nun fertigen Teller voll Spaghetti Bolognese an mich nehme, um ihn der frechen Aria zu kredenzen.

Mit einem Lächeln nähere ich mich ihrem Tisch und just in diesem Moment muss ich Dorftrottel über meine eigenen Füße straucheln. Das Ganze stellt vermutlich ein Bild für die Götter dar, wie ich so mit meinem linken Arm nach Gleichgewicht suchend in der Luft rudere, nach vorn schwanke und dabei versuche den Teller nicht fallen zu lassen, oder etwas vom diesem rutschen zu lassen. Als ich mir sicher bin, dass ich mich wieder gefangen habe, seufze ich innerlich erleichtert und dann passiert das Unglaubliche: der Teller macht einen Satz und ich kann, wie in den übertrieben dargestellten Filmszenen beschrieben, beobachten wie er auf dem Tisch vor Aria aufkommt, in mehrere Einzelteile zerschellt und der Inhalt sich in nahezu alle Himmelrichtungen versprengt.

„Fuck“, brumme ich betreten und fahre mir mit beiden Händen durch die Haare.

Sämtliche Gespräche verstummen und ich spüre die Blicke der Anwesenden quasi auf mir ruhen. Vorsichtig richte ich meine Augen auf Aria und möchte mir am liebsten die Augen zuhalten. Ihr Oberteil ist mit Spaghetti Bolognese garniert, die Jeans und ein Teil des Tops ziert den Inhalt des vor ihr auf der Tischplatte umgekippt liegenden Orangensaftglases. Holy hell.

Mit dem Glas Zitronenlimonade in der einen Hand und dem Smartphone in der anderen Hand, welche sie beide rettend in die Luft hält, sitzt sie auf ihrem Platz und blickt an sich herab, den Kopf langsam hebend und richtet ihren Fokus auf meine Person.

Lieber Gott, lass sich ein Loch unter mir auftun, welches mich verschluckt.
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