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Worte in deiner Handschrift

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
09.09.2021
18.11.2021
6
15.073
13
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09.09.2021 582
 
„Das ist mal wieder ein Trainingslager nach meinem Geschmack!“, tönt eine meiner Mitspielerinnen hinter mir, als wir satt und zufrieden den Speiseraum unserer Unterkunft verlassen. „Das Essen hier ist nicht mehr von dieser Welt.“
„Dem Küchenteam sollten wir ein paar Rezepte abluchsen, dann können wir die mal nachkochen“, stimmt ihr eine andere zu.
„Seit wann kannst du kochen?“
Prustend drehe ich mich zu meinen einander ärgernde Freundinnen um, die sich nach diesem Kommentar gegenseitig über den Flur schubsen. Was für ein Kindergarten, dieses Team. Und ich bin froh, dazuzugehören.
Nach dem köstlichen Abendessen, das unseren heutigen Trainingseinheiten gefolgt ist, treffen sich alle Spielerinnen nochmal im Aufenthaltsraum unseres kleinen Hotels. Machen wir oft so, wenn wir die freie Zeit nicht gerade dafür nutzen, um zusammen die umliegende Gegend unsicher zu machen. Hätte ich auch mal wieder Lust drauf, aber nicht heute Abend. Da ist irgendwie bei allen ein wenig die Luft raus.
Stattdessen entern wir jetzt den angesprochenen Raum im Keller des Hauses und machen es uns darin bequem. Ein paar spielen Karten, andere unterhalten sich. Zwei haben sich den Air-Hockey-Tisch in der Ecke des Raums gekrallt und liefern sich unter lautem Krachen eine wahrscheinlich sehr unterhaltsame Partie. Ich überlege kurz, ob ich mich dazustelle. Doch dann steuere ich lieber eins der Sofas an, quetsche mich neben meinen Mannschafts-Buddy und nehme aus dem Augenwinkel noch wahr, dass sich Merle nicht weit von uns niedergelassen hat. Was mein Herz kurz hüpfen und mich unterdrückt lächeln lässt.
Quatsch lieber ‘n bisschen mit den anderen, als Merle dauernd anzugaffen.
Okay, okay.
Im allgemeinen Chaos sitzt Sophia an einem Klavier, warum auch immer das hier steht. Seelenruhig klimpert sie vor sich hin, obwohl ihr kaum jemand Aufmerksamkeit schenkt. Wobei sie die nicht braucht. Wie ich sie kenne spielt sie einzig und alleine deswegen, weil sie Spaß daran hat. Nicht, um von einer sich vor Begeisterung nicht mehr retten könnenden Mannschaft überrannt zu werden.
Klimpern ist eigentlich nicht das richtige Wort. Im Gegenteil. Die Melodie, die Sophia spielt, ist so unglaublich schön, dass ich am liebsten alle anderen Geräusche im Raum auf lautlos drehen würde, um ihr dann mit geschlossenen Augen lauschen zu können. Ich kenne das Lied irgendwoher. Komme aber nicht drauf, woher. Ich frag Sophia nachher mal, wie es heißt.
Mein Blick gleitet wieder zu Merle. Wie so oft. Sie sitzt uns gegenüber, nur wenige Meter neben der verständlicherweise völlig versunkenen Sophia an ihrem Klavier, und beobachtet träge das Geschehen um sie herum, bis sie von einer Mitspielerin angesprochen wird.
Eigentlich will ich nur kurz hin- und dann wieder wegsehen. Aber ich kann nicht. Obwohl ich mich abwenden will, wird mein Blick von dem sich mir bietenden Bild angezogen und hat auch keine Lust, sich in absehbarer Zeit wieder davon zu lösen.
Merle lächelt. Ich kann nicht verstehen, was sie und die andere zueinander sagen, aber es lässt sie den Kopf zurückwerfen und lachen. Dann schaut sie ihre Gesprächspartnerin wieder an, während sie weiterhin breit grinst. Ihre Augen leuchten. Und dieser Anblick, in Kombination mit diesem verflucht schönen Song, den Sophia noch immer spielt, zieht meine Aufmerksamkeit auf sich wie kaum etwas anderes. Merle ist mir nicht erst gestern aufgefallen, das geht schon eine Weile so. Aber gerade jetzt merke ich wieder einmal, dass ich mir diese Gefühle nicht einbilde, wie am Anfang gedacht.
In diesem Moment weiß ich, dass ich sie näher kennenlernen muss.  

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Könnte etwas dauern, bis weitere Kapitel folgen, aber ich habe fest vor, diese Geschichte fortzusetzen :D
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