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Im Herz des Feindes

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte, Action / P12 / Gen
08.09.2021
25.12.2022
52
122.401
2
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12.09.2021 2.436
 
Hey Friends. Und weiter geht es. In diesem Kapitel erfolgt ein Zeitsprung. Ich hoffe es gefällt euch trotzdem. Ich wünsche euch viel Spaß.






2026

"Commander. Wir müssen los."

Mühsam rappelte ich mich auf. Ich sah zu dem Lietneunt der mich geweckt hatte und mit ernster Miene zu mir blickte.

"Ja, ich komme gleich. Ich muss mich erst einmal strecken. Auf diesen Dingern hier liegt es sich wie auf dem Horn eines Nashornes." Ich gab meiner Matratze einen Klaps.

Der Lietneunt grinste mich an. "Sie sind schon fünf Jahre hier und benehmen sich trotzdem noch wie die jüngsten Rekruten."

Nun lächelte auch ich. "Beweist das nicht nur, dass ich Recht habe?" Unter den Rebellen gab es gerne den Running Gag, dass das schlimmste für sie nicht die ständigen Kämpfe, das Versteckspiel oder gar der Tot sei, ein wahrer Rebell fürchtet nur die Nacht die er auf seiner Matratze verbringen muss.

"Wie oft haben sie schon Anträge auf weiche Matratzen gestellt?", fragte er lächelnd.

"Zu oft.", antwortete ich seufzend.

"Und wie oft haben sie dann abgelehnt eine weiche Matratzen zu bekommen?"

Nun, wo er Recht hatte, hatte er Recht. Ich hatte schon oft die Chance eine weiche Matratzen zu bekommen, jedoch habe ich sie meist meinen Soldaten gegeben. Sie mussten ausgeruht sein für den Kampf. Und das ging auf einer weichen Matratze besser als auf einer harten.

Ich habe es selbst gemerkt. Nachdem ich ins Exil geflohen bin habe ich eine Zeit lang auf nichts anderen als dem kalten Boden oder nasser Erde geschlafen. Solange, bis mich die Rebellen aufgelesen haben.

Sie gaben mir eine Unterkunft, Nahrung und das wohl wichtigste: Einen Sinn. Sie haben mir den Weg gezeigt, mich an den Siegern zu rächen. Sie für Melissa Büßen zu lassen. Sie gaben mir fast wieder mein Leben zurück.

Aber nur fast.

Ich schlafe immer noch schlecht, sehe immer noch ihre Augen wenn ich träume, höre immer noch wie sie fällt und fühle immer noch ihr Blut an mir. All das wirkt immer noch so surreal und ich wünsche mir jeden Tag, dass ich aufwache und merke, dass es doch nur ein Traum war. Das sie in meinen Armen liegt und mich wach küsst, ich ihr vielleicht über den Bauch streicheln kann oder schon mit unseren Kindern kuschel.

Doch es würde niemals Realität werden.

Ich wusste es. Ich zog aus für die Rebellen und tötete, tötete diejenigen die für ihren Tot verantwortlich waren. Ich brachte sie reihenweise um, nur um mich besser zu fühlen.

Doch all das brachte sie auch nicht zurück.

Und so kämpfte ich, einfach um die Welt besser zu machen. Um eine Welt zu gestalten, in der niemand seine Liebe verlor, weil er etwas verweigerte.

Niemand sollte fühlen was ich fühle. Ich will es ja nicht einmal selbst. Auch das war ein Grund, warum ich in die Schlacht zog. Ich wollte nicht mehr aus ihr hervorkommen. Ich hoffte so sehr, dass ich irgendwann einmal von einer Waffe getroffen werde, eine Bombe vor mir einschlägt oder ein Haus über mir zusammenbricht.

Doch es passierte nicht.

Ich war immer noch da. Und so langsam glaubte ich, dass es Absicht war. Ich war Anführer der Rebellen, der vielleicht größten Gruppe der Welt und hatte auf meine Leute aufzupassen. Ich konnte sie wohl nicht so einfach verlassen. Zumindest redete ich mir ein, dass das der Grund sein muss.

Doch war es all das leid wert? Nahm ich das alles auf mich in dem Wissen, dass ich Melissa trotzdem nicht vergessen kann, nur für den Hauch einer Chance auf eine bessere Welt? Oder würde das alles Wunschdenken bleiben?

"Hey Kumpel. Ich habe gehört, ich muss hier mal das Wasser abdrehen. Sonst ertrinkt du noch in deinen Tränen und dem Selbstmitleid."

Ich blickte auf und sah zu meinem besten Freund. Correy Windresh war ein dunkelhäutiger Mann in meinem Alter und mit dem leichten Ansatz eines Bartes, der nie länger zu werden schien. Er hatte Meerblaue Augen und ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht, sowie immer einen guten Witz parat. Er war der, der mich erst in diese Gruppe aufgenommen hat und so wie ich es verstand, hatte er sie sogar gegründet. Da er aber nie ein Anführer oder Truppenleiter sein wollte, hatte er mir diese Aufgabe anvertraut und blieb lieber mein Stellvertreter.

"Sorry Cor. Ich war wieder einmal in Gedanken. Das wird nicht wieder passieren."

Er sah mich traurig an. "Du weißt, dass das nicht stimmt. Du hast an Melissa gedacht, oder? Es lässt sich nicht abschalten und erst Recht nicht verdrängen. Das hast du mir selbst gesagt."

Ja, das hatte ich. Gleich am ersten Tag. Und somit war er einer der wenigen, die davon wussten. Die wussten, wie sehr mir ihr Tod auch jetzt immer noch nah ging. Wie schmerzhaft diese Erinnerungen auch jetzt noch für mich sind.

Ich stand auf und stellte mich vor ihn. "Lass uns nicht in der Vergangenheit schwelgen. Du wolltest dass ich komme? Was ist zu tun?"

Er schien froh zu sein über den Themenwechsel, andererseits wusste er, dass mich die Aufträge immer ablenkten. "Routineauftrag. Vorräte beschaffen, auskundschaften und Zeichen setzen. Das übliche eben. Also nur wenn du Lust hast und von deinem ertrinken in Selbstmitleid wegkommen kannst."

Ich erlaubte mir ein kleines Grinsen und nickte ihm zu. "Alles klar. Ich komme sofort. Wir werden nur ein kleines Zeitfenster haben. Dieses sollten wir nutzen."

Auch Correy lächelte nun. Er salutierte und brachte ein gespieltes "Aye aye, Sir", heraus, ehe er aus meinem Zimmer verschwand.

Ich folgte ihm und gemeinsam liefen wir durch die Gänge des Hauptquartiers. An allen Seiten wurde herumgewerkelt und hantiert. In einigen Zimmern wurden Speisen zubereitet oder verzehrt, in anderen schliefen Männer und Frauen, wieder andere wurden zum trainieren und zum Sport benutzt und in einigen konnte man sich einfach entspannen.

Wir marschierten geradewegs zur Kommandozentrale. In dieser befanden sich ein paar Leute die anscheinend gerade irgendetwas reparierten. Nichts unübliches im Hauptquartier.

Correy schickte sie mit einem nicken hinaus. Übrig blieben nur fünf oder sechs Männer und Frauen, allesamt wichtige Anführer der Rebellen.

Ich nickte Anne Greenland zu, einer 23-jährigen Offizierin mit Schulter bis hüftlangen blonden Haaren und erstaunlich blauen Augen. Sie zwinkerte mir zurück. Nachdem sie zu uns stieß hat sie erst einmal ein halbes Jahr mit mir geflirtet, doch meine Nichterwiderungen haben sie mit der Zeit davon abgehalten. Nach mir war sie die jüngste unter den ranghohen Rebellen. Gerade schien sie der Logistik nachzugehen.

Schlussendlich stellte ich mich zwischen Carla Bauerer, einer 48-jährigen Frau mit braunschwarzen gelockten Haaren und einem warmen lächeln und Malcolm Sinkford, einem 39-jährigen schwulen Mann mit Glatze und tiefblauen Augen, der immer traurig zu sein schien. Ich wusste, dass es irgendwie mit seinem Ehemann und deren beiden Töchtern zu tun hatte, doch mehr wusste auch ich nicht. Die beiden waren unsere besten Taktiker und unglaublich im beschaffen von Informationen.

"Also, Routineeinsatz, klingt ja unglaublich spannend." Ich blickte in die Runde und sah erstaunlich ernste Gesichter. "Warum ist es so wichtig, dass Correy und ich dabei sind?"

"Ich wünschte es wäre nur ein Routineeinsatz." Carla sah angespannt aus und hatte ihren Mundwinkel so verzogen, dass ihr Mund nur ein schmaler Strich war. "Dieser Einsatz ist verdammt wichtig. Mehr als du es dir vorstellen kannst."

Ich sah sie überrascht an. "Warum das denn? Wir beschaffen doch tagtäglich Vorräte. Also so schwer kann dies wohl nicht sein."

"Dieser Einsatz schon." Ich blickte zu Stoffel Norrison, einem Mann Mitte 60 mit weißem Haar und dunkelbraunen, fast schwarzen Augen. "Dieser Einsatz kann uns einen großen Schritt in Richtung Kriegsgewinn bringen. Und wir können einem offenen Kampf so näher kommen."

Ich blickte überrascht in die Gesichter der Menschen um mich herum. Elaise Faid, eine Frau Anfang 50 mit Verbrennungen am ganzen Körper, die sie sich soweit ich weiß geholt hat, als die Sieger ihr Haus niederbrannten, gab mir ein Tablet. Sie öffnete eine Datei und ich sah erstaunt auf das Verzeichnis.

"Wow... Das ist... Wow. Sind diese Informationen echt?" Ich blickte in die Runde.

"Ja" Giulia Louése, eine transsexuelle mit knallbunten Regenbogenhaaren sah mich gespannt an. In ihrem Blick erkannte ich Aufregung und Freude, aber auch Besorgnis und Nachdenklichkeit. "Wir könnten uns für Monate versorgen. Nahrung, Kleidung, Waffen, all das in Hülle und Fülle. Und laut den Informationen sollen diese Waren direkt an das Regierungsgebäude geliefert werden. Es wäre unser bisher größter Triumph. Wir müssen ihn nutzen."

Ich nickte. "Ja, das müssen wir. Wenn wir den Menschen zeigen, dass wir dem Führer seine Ressourcen stehlen können laufen sie vielleicht zu uns über. Aber es gibt ein Problem." Die anderen sahen mich verwirrt an und so fuhr ich fort. "Wenn wir die an den Führer geschickten Produkte klauen wird er uns erst Recht auf dem Schirm haben. Dann werden wir wirklich in Gefahr sein. Und um das zu vermeiden nehme ich an wird er auch viele seiner Leute zur Bewachung dagelassen haben."

Die älteren warfen sich Blicke zu und ich wurde misstrauisch. Doch bevor ich etwas sagen konnte, fuhr Giulia schon fort. "Soweit wir wissen sind es nicht viele Leute. Du kannst mit einem Trupp reingehen, sie erledigen und dann wieder fliehen." Dabei blickte sie mir jedoch nicht in die Augen.

"Ihr wisst etwas, oder?" Ich sah sie scharf an, Carla, Malcolm, Elaise, Giulia und Stoffel. "Was ist so besonders an dieser Mission?"

Stoffel seufzte und antwortete mir. "Laut unseren Informationen sollen die Sieger eine Geheimwaffe zur Sicherung dieser Fracht gesendet haben. Wir wissen nichts genaues, aber anscheinend ist es nicht mehr als ein Agent von ihnen du kannst ihn ausschalten und fliehen. Mehr ist es nicht."

Ich sah sie scharf an. Da war noch etwas, aber ich wusste, sie würden mir nichts mehr sagen. Also nickte ich bloß und machte mich auf zum Startplatz unserer Helis.

Anne folgte mir und ich blieb stehen. "Hast du eine Ahnung was so besonders an diesem Agenten ist? Ich glaube sie verschweigen mir etwas."

Sie lächelte mich an. "Null Ahnung. Ich habe sie die letzten fünf Stunden versucht weichzuklopfen, doch nichts. Kein Name, keine Informationen. Gar nichts."

"Also dann wie immer. Auf gut Glück mitten ins Geschehen." Ich rollte mit den Augen. "Ich sage es dir, irgendwann wird es mal richtig schlimm für uns enden."

"Dafür musst du erst einmal sterblich werden.", lachte sie. "Und hey, wenn du zurück bist können wir zusammen ja etwas unternehmen."

Sie wackelte anzüglich mit den Augen und ich musste lachen. Sie hatte mich noch nicht ganz aufgegeben. Doch ihre Flirtversuche waren eher eine Art Running Gag zwischen uns. Es heiterte uns auf und vertrieb die Sorgen ein wenig.

"Wir können gerne etwas zusammen unternehmen. Ich kann dir ja einmal die Sporträume zeigen. Ich glaube die kennst du noch nicht."

Sie gab mir einen Schlag gegen den Arm. "Haha. Ich hätte eher gesagt, wir kümmern uns um den Fortbestand der Rebellen. Das hat schließlich auch mit Sport zu tun. Und bei deiner geringen Lebenserwartung..."

Ich verdrehte lachend die Augen. "Ich wollte einmal Kinder, aber diese Zeiten sind vorbei. Tut mir Leid Anne, aber Melissa ist die einzige für mich."

"Obwohl sie schon lange tot ist.", murmelte sie, gefolgt von einem "Oh, sorry. Vergessen."

"Nicht schlimm.", meinte ich. Ich war es gewohnt. "Aber keine Sorge. Vielleicht findest du irgendwann einmal jemanden der dich liebt. Also der es liebt nur angeschrien zu werden, der in einer Beziehung keine Rechte will und der nur etwas sagen darf wenn du es willst."

Dieses mal wich ich dem Schlag aus. Sie sah mich gespielt empört an und nickte dann nach vorne. Wir waren am Heli angekommen.

Sie verabschiedete sich von mir und ich stieg ein. Drinnen zog ich mir meine Ausrüstung an und holte tief Luft. Es war wieder einmal soweit. Ich zog aus in einen Krieg, von dem ich nie ein Teil sein wollte.

Kurze Zeit später kam auch Correy mit ein paar Soldaten. Sie waren bereits angezogen und somit konnten wir starten.


"Das war der letzte." Correy sah zu, wie der Soldat zu Boden fiel und sich eine Blutlache um ihn bildete. Sie war nicht die einzige. Viele der Soldaten lagen tot am Boden, ein paar wenige luden wir als Gefangene auf. Sie konnten noch nützlich sein.

Auf unserer Seite hatte es drei unserer Kämpfer erwischt. Zwei Männer im Alter von 44 und 48 Jahren und eine Frau die gerade einmal 25 Jahre alt war. Ich kannte die drei flüchtig und gerade die Frau tat mir leid. Sie hatte eine kleine Tochter, die jetzt ohne ihre Mutter aufwachsen musste. Und das nur wegen diesem bescheuerten Krieg.

"Das kann es nicht gewesen sein.", murmelte ich. "Wo ist die Geheimwaffe?"

"Wer weiß. Vielleicht waren es ihre Waffen? Sie waren anders als sonst. Aber wen interessiert es, besser wir verschwinden jetzt."

Er stand auf und half die Güter zu verladen. Ich schnappte mir meine Waffe und zog meine Röntgenbrille auf meine Augen. Nun hatte ich auch Wärmebild.

Doch was ich sah überraschte mich. Es schien so, als wären wir in einer warmen Masse.

"Correy, Stop. Sieh dir das an."

Er sah zu mir und zog sich auch seine Brille auf die Augen. "Oh, das ist... wow... Ich Frage mich nur wieso..."

Er hielt inne. Ich hatte es genauso gehört. Ein piepen. Leise, fast nicht zu verstehen und doch war es da.

Ich reagierte sofort. "ALLE RUNTER", schrie ich und warf mich zu Boden.

In dem Moment explodierten die Bomben ich wusste nicht wie viele es waren, doch ihr Knall war so laut, dass es sich anfühlte als würde mein Trommelfell platzen.

Als es wieder still wurde sah ich auf. Ein paar der Vorräte waren zerstört und einige unserer Soldaten lagen am Boden und hatten blutige Wunden. Correy schien es gut zu gehen, er half bereits einem unserer Truppler wieder auf.

Ich wollte mich ihm gerade anschließen, als ich Schritte hörte. Ich drehte mich um und sah sie. Die Geheimwaffe.

Der Soldat hatte mich erblickt und Schritt geradewegs auf mich zu.






Und das war es für heute. Es gab ein paar erste Eindrücke in das Leben der Rebellen. Wie fandest ihr es? Ich hoffe es war gut beschrieben.

Ich sage Tschaui und LG Freiheitsträumer.
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