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Ice and Fire

von oOShyraOo
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Familie / P16 / Gen
Zenos yae Galvus
08.09.2021
10.05.2022
2
4.579
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08.09.2021 2.055
 
Wortanzahl: 1,977

Warnungen: Erwähnung von Tod, Missbrauch, Prostitution und Vergewaltigung (die letzen beiden nicht wirklich den Hauptcharakter betreffend)

Die Bedeutung des Namens Fiene leitet sich von der männlichen Form von Joseph ab und bedeutet daher "Gott ergänzt".
Auf Gälisch hat Fine die Bedeutung "vertraut".

Der Name Rue ist ein Mädchenname aus englischen, griechischen Ursprungs mit der Bedeutung "Kraut; Bedauern". Dieser botanische Name ist auch ein zufälliger Doppelwortname, der im Englischen "Bedauern" und im Französischen "Straße" bedeutet.

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Die ersten Wochen waren hart, nicht so hart wie die ersten Tage in Garlemald oder die neun Monate im Wald und dennoch vergleichsweise unangenehm. Essen aus dem Müll zu klauen war nichts Ungewöhnliches – schwierig wurde es nur, wenn es keinen Müll gab, denn man essen könnte. Die Leute aus Ala Mhigo brauchten selbst alles für sich und die Garlear machten es sich zur Aufgabe die Straßen „sauber“ zu halten. Das schlimmste war es keine Bleibe zu haben. Im Wald voller Biester und Monster hat es niemanden interessiert, wo sie ihre Zelte aufschlugen und die paar Räuber und Wilderer hatten wenig Interesse an Kindern. Auch in Garlemald selbst war es tatsächlich einfach eine Weise zu sein – wenn man nicht erfror versteht sich.

Man war an Obdachlose gewöhnt, sie wurden ignoriert oder verächtlich angeschaut, von den Märkten oder öffentlichen Straßen gescheucht, aber mehr auch nicht. In den besetzen Städten andererseits zögerte man nicht, Streuner einfach zu erschießen. Eine harte Hand, die Rebellen fern hält oder so ähnlich. Doch es war einfach nur eine Demonstration von Macht und Macht missbrauch – und jeder wusste das. Wenn man sich benahm, konnte man hier trotzdem normal leben. Eigene Meinung laut auszusprechen, sollte aber vermieden werden.

Fine Shadowsong betrachtete ihre Schwester, wie sie eingerollt auf der Matratze lag und schlief. Immerhin – nach Jahren hatten auch sie es endlich nach Eorzea geschafft. Anders als in ihrer Vorstellung, aber man muss ja auch mal das positive sehen. Sie konnten von Glück sagen, dass sie überhaupt noch lebten. Das Au Ra Mädchen seufzte und flocht ihre weißen Haare zu zwei lockeren Zöpfen. Drei Wochen hatte sie gebraucht um eine Arbeit zu finden und zu ihrer Überraschung auch noch eine relativ gute. Der alte Schwertmeister war nichts als freundlich zu ihr gewesen und Fine brauchte nicht einmal von sich aus fragen, ob sie arbeiten durfte. Sie erledigte Botengänge für die Gilde und überbrachte ihre Post. Keine besonders schwere Arbeit, aber gut genug um ein schäbiges Zimmer über einer Taverne zu mieten – es roch zwar dauerhaft nach Alkohol, Urin und Erbrochenen, aber sie hatten ein Dach über dem Kopf. Sie durfte sich nicht beschweren.

Ein lautes maunzen riss sie aus ihren Gedanken und ihr Blick fiel auf den struppigen großen Kater, der ihr stolz eine Taube präsentierte. „Ahh hast du heute für Essen gesorgt Hades?“ Fine nahm dem schwarz-weißen Tier sanft den Vogel aus dem Maul und tätschelte seinen Kopf. Er sah sehr, sehr zufrieden mit sich aus, so zufrieden das Fine lachen musste.
Auf der Matratze regte sich ihre Schwester. Müde blickte sie auf, sah die Taube und schüttelte den Kopf. „Er wird noch fett, wenn er soviel fängt.“

Das ließ sich der Kater nicht gefallen, er maunzte ein weiteres Mal, sprang zum Fenster und im nächsten Augenblick war er auf und davon.
Fine verstaute die Taube in einem Topf und stellte ihn zum kühlen auf die Fensterbank. Es war zwar lange nicht so kalt wie im hohen Norden, aber kühl genug um Lebensmittel kalt zu halten, war es alle mal. Sie schnappte sich dann ihre Jacke und zog sie über.
„Ich muss jetzt zu Dholar, kommst du klar?“ Sie blickte rüber zu Rue, ihre Schwester hingen ihre blauen Haare struppig im Gesicht. Sie zuckte mit den Schultern. „Klar.“
Sie sah müde aus, aber auch traurig. Fine wünschte sich sie könnte mehr für sie tun, als sie bereits tat.

Wenn T‘Loura nur hier wäre, was würde sie dafür geben ihren Rat zu hören. Seit Pine gestorben war, war Rue einfach nicht mehr dieselbe. Zugegeben, war es auch erst einen Monat her, aber es brach ihr Herz ihre Schwester so verloren zu sehen.

Sie fragte sich oft wo die anderen wohl waren. In Garlemald hatte T‘Loura sie aufgenommen und obwohl sie nur ein Jahr älter war, wirkte sie so viel reifer und erfahrener. Sie wurde auf der Straße in der Hauptstadt geboren, ihre Mutter war eine Prostituierte, die in einem kleinen dreckigen Bordell arbeitete und T‘Loura verschwand so schnell wie möglich aus der Gegend, um dem gleichen Schicksal zu entkommen. Sie hatte einen Weg für sich gefunden – Untergrundkanäle. Wenn man die Abwässer so gut vermied, wie es nur ging, hatte man ein riesiges Reich nur für sich. Kaum einer wagte sich in den Untergrund, oder gab sich überhaupt die Mühe. Es war dunkel, kalt, nass und wenn man nicht vorsichtig war ekelig – doch man konnte überall hin. Von der schmutzigen Kneipe um die Ecke bis zum Kaiserpalast.

Fine gab Rue einen Kuss auf die Stirn. „Bringst du nachher noch den Müll runter?“

Das Mädchen nickte und legte sich wieder zurück auf die Matratze. Seufzend machte sich die ältere auf zur Tür und zu ihrer Arbeit.

Auf den Straßen war es ruhig, so wie immer, über der ganzen Stadt lag eine Art Schleier der Resignation. Als Fine auf die nächst größere Straße stieß, bemerkte sie einige Händler und Kaufleute, ein Chocobo Waagen rollte gemächlich vor sich hin und am Straßenende standen ein paar Garlearische Soldaten wache. Sie überquerte einen kleinen Platz mit Brunnen und machte ein möglichst unauffälliges Gesicht, als sie an den Soldaten vorbeilief. Es war zwar dumm – weil sie überhaupt nichts getan hatte, aber sie fühlte sich jedes Mal nervös, wenn sie an diesem Platz vorbeiging. Auf der anderen Seite war der Eingang zur Gilde, sie drückte sich an ein großes schweres Tor aus Eisen und dunklem Holz. Die Tür ging mühsam auf und sie empfing ein dunkler Raum, mit angenehmem Duft nach Lavendel.

Überrascht hielt Fine inne. Der Gildemeister stand im Vorraum, hinter ihm die Empfangsdame Linina und gefühlt ein dutzend Garlearische Soldaten. Soviel war hier noch nie los gewesen. Dholar unterhielt sich mit einem von ihnen und soweit Fine erkennen konnte war dies kein einfacher Fußsoldat. Sie kannte sich nicht gut aus mit militärischen Rängen, aber wenn sie raten müsste, würde sie sagen, der Mann vor ihr war mindesten Tribunus, wenn nicht sogar Legatus. Am liebsten wäre das Mädchen wieder umgedreht, aber sie traute sich nicht zu bewegen, um ja keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Was machten diese Leute hier? Hinter dem Tribunus stand ein Mann in schlichter Kleidung, er wirkte alt, wohingegen alles an ihm sagte, dass er noch gar nicht so alt sein konnte.

„Und was verschafft mir die Ehre, euren mysteriösen Schüler aufzunehmen?“

Dholar, der Schwertmeister war einer der wenigen Personen, die Fine kannte, die es sich trauten in diesem Ton zu einem Garlearischen Soldaten zu sprechen - sie bewunderte ihn dafür.

„Was für eine unnötige Frage, als einziger Schwertmeister der Stadt.“ Der Tribunus schnaubte verächtlich… „Ihr solltet euch glücklich schätzen diese Absteige von einem Laden überhaupt noch geöffnet haben zu dürfen.“

Der Meister hob eine Augenbraue. „Es wirkte wohl eher so als wären meine Dienste hier vonnöten, geschätzter Tribunus Laticlavius.“

Der Mann hinter dem genannten gab ein merkwürdiges Geräusch von sich und der Tribunus wandte seine Aufmerksamkeit zu ihm. „Dies ist sein Lehrmeister, ihr werden sehen, sein Schüler hat ein… Nun außergewöhnliches Talent.“ Damit war für ihn die Sache geklärt und er drehte sich um zum Gehen.

Fine zuckte zusammen, als er sie entdeckte und machte sich schnell daran ihm den Weg freizumachen. Kurz lag sein Blick auf ihr und dann war er auch schon verschwunden, mitsamt seiner Anhängerschaft. Der einzige verbliebene war der nicht so alte – alte Mann, der sich Schläfen massierte.

„Dürfte ich auch den Namen eures Schülers erfahren?“, fragte Dholar.

„Er reist unter dem Namen Hyde. Ich werde ihn euch in den Mittagsstunden vorstellen.“ War alles, was er sagte und damit drehte auch er sich um und verschwand zur Tür hinaus.

Ein kurzes Schweigen hing im Raum, bis Linina hörbar ausatmete, als hätte sie die ganze Zeit ihren Atem angehalten.

„Ihr könnt doch nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, irgendeine Garlearische Göre den Schwertkampf beizubringen!“ Die Empfangsdame hatte nun, wo die Luft wieder rein war, ihre exzentrische Art wieder erlangt.

Der Gildemeister schüttelte den Kopf. „Wenn es denn nur irgendeine Göre wäre, hätte ich abgelehnt, werte Dame, aber es scheint mir, wir hätten keine große Wahl.“

„Wie meinen?“ Linina stemmte ihre Arme in ihre Hüften.

„Ihr Führer war Tribunus, glauben sie, man würde solche Anstalten machen, wenn es sich um einen einfachen Garlearischen Schüler handeln würde? Die hatten ja ne halbe Armee im Schlepptau.“

Fine stand noch immer an der Tür und fing sich aus ihrer Schockstarre. Langsam ging sie auf die beiden anderen zu und räusperte sich.

„Ahhh da bist du ja!“ Dholar lächelte. „Verzeiht, ich hatte diese Meute nicht erwartet.“

Sie schüttelte den Kopf. „Das ist nicht sein echter Name.“ Überrascht schaute der Meister sie an, sein Blick verfinsterte sich kurz und nickte dann. „Ja, in der Tat, die Formulierung seines Lehrers hat mich auch etwas irritiert. Das sollte dich nicht weiter besorgen, Kind, das bekommen wir schon hin“, Er zwinkerte ihr zu. „Nun wie auch immer, ich habe bei Lady Hidga eine Ladung Kamelienöl bestellt, würdest du das für mich abholen? Hier…“ Der Meister reichte ihr einen Umschlag. „... Damit sollte sie es dir aushändigen.“ Fine nickte und drückte die Tür wieder auf.

Was sie nicht erwartete, war es, gleich vor der Gilden abgefangen zu werden. Ein Soldat riss ihr den Brief aus der Hand.

„Was haben wir denn da?“ Fine zuckte zusammen, von der unerwarteten Geste.

„Nur eine Erlaubnis, um Öl zu holen, Sir“, sagte sie dem Mann, der ungeniert den Brief aufriss. Er brummte etwas Unverständliches und musterte sie kurz.

„Ich nehme an, das geht klar.“ Und gab ihr den Brief wieder zurück. „Die Lieferung zeigst du mir bevor du hereingehst, Mädchen!“
Sie schaute etwas irritiert, aber nickte dann und machte sich schnell auf den Weg. Dass die Garlear schon immer etwas wirsch und merkwürdig waren, war nichts Neues, aber was riet ihnen zu einer solchen Vorsicht? Vom Widerstand hatte man schon ewig nichts mehr gehört, dass sie jetzt anfingen, ihre Post abzufangen war schon etwas beunruhigend. Hatte das was mit dem neuen Schüler zu tun?


- Zenos pov -

Zenos betrachtete sich im Spiegel. Eisig blaue Augen blickten ihm gleichgültig entgegen. Blondes Haar ergoss sich über seinen Schultern. Sein Schwertmeister hatte gerade das Zimmer verlassen, mit der Botschaft das er baldig dem Gildemeister vorgestellt wird.

Andere Arten des Kampfes zu lernen, würde ihn weiter bringen. Doch er wurde den Eintrug nicht los, dass er ihn einfach jemanden anderes für eine Weile überlassen wollte. Wieder einmal wurde er einfach irgendwo abgeschoben, erst von seinem Vater und jetzt von seinem Lehrer. Nicht das er sich darüber wundern würde. Sein Vater hatte ihn auch nur nach Ala Mhigo geschickt, weil es weit genug weg war - von ihm. Gut. Wenn sein Vater ein Schwert brauchte, sollte er ein Schwert bekommen.

Zenos zog sich ein schwarzes Stirnband um - diese geheime Identität kam ihm lächerlich unnötig vor. Er konnte sich wohl vor ein paar Rebellen verteidigen. Er war ein Kind, jeder würde ihn unterschätzen. Ein tödlicher Fehler. Er ertappte sich dabei, wie er sich wünschte, dass das passiert. Der Junge wusste auch, dass es nicht normal war, sich sowas zu wünschen. War das der Grund wieso sein Vater ihn verabscheute? Er hörte wie sich die Tür hinter ihm öffnete und drehte sich um. Der Gildemeister erwartete ihn.

Der Raum, den er betrat, war klein, aber groß genug für einen Platz zum Üben. Sein Lehrer unterhielt sich leise mit der Rezeptionistin und entschied sich bewusst dazu, ihn nicht zu beachten. Der Gildemeister, der, wie Zenos es mitbekommen hatte, Dholar hieß, ließ seinen Blick kurz durch den Raum schweifen. Sein Blick blieb kurz an einer recht zierlichen Figur hängen, bevor er sich an ihn wandte.

„Euer Lehrer meinte, ihr seit geübt mit dem Schwert?“ - das war wohl eine Untertreibung. Zenos antwortete ihm nicht, stattdessen betrachtete er das Mädchen, dass ihm kurz einen Blick zuwarf und sich dann eine Kiste schnappte und nach draußen trug. Eine Au Ra in Ala Mhigo? Wie ungewöhnlich. Vielleicht war es ja doch nicht so langweilig hier.
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