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von Sintra
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Minako Aino / Sailor Venus Prinzessin Kakyuu Seiya Kou / Sailor Star Fighter Taiki Kou / Sailor Star Maker Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II Yaten Kou / Sailor Star Healer
07.09.2021
23.06.2022
17
108.384
14
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23.06.2022 5.898
 
Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen.

                   
(japanisches Sprichwort)





Immer wieder glitt Bunnys Blick durch den festlich dekorierten Außenbereich und suchte unter den vielen Gästen nach silbernem Haar – vergeblich. Eine fröhliche Melodie, dem Klang nach einer Geige nicht unähnlich und zugleich irgendwie metallisch, klirrend, begleitete die vornehme Veranstaltung. Wo man auch hinsah, extravagante Kleider. Der letzte Schrei, so ließ die Mehrzahl der Trägerinnen vermuten, bildeten luftige Stoffe und großzügige Volants, wobei für Letzteres scheinbar je mehr, desto besser galt, weshalb einige der Damen in einem Meer aus gigantischen bunten Rüschen versanken. Die zumeist abstrakten, unförmigen Gebilde mit Ausbeulungen an den merkwürdigsten Stellen, wie zum Beispiel der Achsel, ließen den Körper darunter meist nur noch erahnen. Gewöhnungsbedürftig, fand Usagi, aber umgekehrt musste sie womöglich ebenso abstrus auf die Leute wirken.
Die Maske zurechtrückend unterdrückte sie ein Seufzen, setzte ihr Getränk an und leerte es in drei Zügen.

„Alles gut? Vielleicht machst du besser langsam. Nicht, dass du gleich betrunken bist.“, kam es leise von rechts.

Sie schnaubte.
„Schön wärs'. Geht das überhaupt mit diesem Kinderpunsch?“
Seiyas verdutztes Gesicht machte ihr deutlich, was sie soeben gesagt hatte. Peinlich berührt fuhr ihre Hand vor den Mund.

Sora, der zu ihrer Linken stand und die Unterhaltung mitangehörte hatte, lachte hemmungslos drauf los und zog damit die Aufmerksamkeit der anderen auf sich, die ihr Gespräch kurz unterbrachen, zu Bunnys Erleichterung aber sogleich wieder fortführten.

„Entschuldige Seiya.“ Sie stellte das Glas weg und trat näher an ihn heran. „Sei mir nicht böse. Der ganze Trubel ist doch etwas viel für mich.“, sagte sie mit einem künstlichen Lächeln im Gesicht – das kleine Grüppchen an Leuten bei ihnen verstand zwar kein Wort Japanisch, hatte aber Augen im Kopf.
Die Feier ging noch keine Stunde, aber der Ehrengast wollte schon das Handtuch schmeißen. Sora versuchte sie bei Laune zu halten, ebenso wie Seiya, doch sosehr sie sich über die Anwesenheit des Kous freute, bedeutete diese auch Stress.
Sie hatte fürchterliche Angst etwas Falsches zu sagen, das ihn an die Vergangenheit erinnern könnte, was jede Unterhaltung zu einem Mienenfeld machte. Und dann waren auch noch die vielen Leuten. Sie alle waren nett aber das hier war kein Plausch mit ihren Freundinnen, sondern vornehmlich sehr erwachsene Unterhaltungen über komplexe Themen wie die geopolitische Situationen der einzelnen Länder auf der Erde, grammatikalische Besonderheiten der japanischen Sprache oder dem Aufbau des Sonnensystem mit ihren Planeten – also alles Sachen, von denen sie wenig bis keine Ahnung hatte und die eher etwas für Ami wären. Kam es aber doch zu privaten Themen, rangierte aufgrund ihrer Entscheidung die Haare offen zu tragen, ihre neue Frisur ganz oben auf der Liste, und noch eine Mitleidsbekundung wegen der abgeschnittenen Haare stand sie nicht durch. Nicht nüchtern.

Seiya nickte verständnisvoll und legte locker den Arm um sie.
„Kein Problem. Kann ich etwas tun?“
„Danke, aber nein.“, sagte sie und rückte schnell ab. „Ich brauche nur eine kleine Pause. Bin gleich wieder da.“

Kaum drehte Usagi sich jedoch um, prallte sie gegen etwas Hartes. Ein vertrauter, leicht herber Geruch stieg ihr in die Nase und aller Frust war wie weggeblasen. Sie musste nicht überlegen, wusste augenblicklich zu wem die Brust im schiefergrauen Hemd gehörte, dessen Muskeln sie durch den glatten Stoff unter ihren Fingern fühlte. Sogleich hatte sie ein breites Lächeln im Gesicht und sah zu ihm auf, doch die smaragdgrünen Augen blickten nur wütend über ihren Kopf hinweg. Bunny stutzte, folgte seinem Blick über die Schulter und landete bei Seiya.
Ihr Lächeln verschwand.
Ein Grund mehr schleunigst das Weite zu suchen, bevor das Donnerwetter über sie hereinbrach, doch schon legten sich rechts und links zwei große Hände auf ihre Arme.  

„Willst du schon gehen?“ Die Stimme dunkel und schneidend blickte er noch immer zum Bruder.
„Ja, das war der Plan.“, sagte sie mit deutlich genervtem Unterton, da sah er sie endlich an. Mit einem Schlag war die Härte aus seinem Gesicht verschwunden.
Anders aber nicht weniger intensiv traf sie sein Blick, tastete sich derart akribisch über ihre Gestalt, dass sich Usagi in ihrem eisblauen Seidenkleid, welches aufgrund des weiten Rückenausschnittes keinen BH zuließ, plötzlich sehr, sehr nackt fühlte. Als sein Mund sich in Zeitlupe öffnete, ohne, dass er ein Wort rausbrachte, bekam sie schwitzige Handflächen. Überfordert von seinem Röntgenblick nahm sie einen zittrigen Atemzug, da huschten seine Augen schnell wieder hoch und blieben an ihrem Gesicht hängen. Auch nicht besser, dachte sie, schien er doch bis in ihr Inneres blicken zu wollen, so eindringlich sah er sie an.
Sie brach den Bann, blickte zu Boden und strich sich verlegen eine wild abstehende Strähne hinters Ohr, doch sie blieb nicht an Ort und Stelle, wurde wieder hervorgeholt. Von ihm.
Gefühlvoll griff Yaten in ihr luftgetrocknetes Haar, drehte die Hand und ließ die goldenen Strähnen durch seine Finger gleiten.

Die Gespräche um sie herum erstarben, alle Augen richteten sich auf die beiden, doch weder Yaten noch Bunny nahmen es wahr.

„Es ist befreiend, nicht wahr?“ Noch immer war da dieser einnehmende Blick, doch ein sanftes Lächeln umspielte die geschwungenen Lippen.
Es dauerte, bis sie begriff was er meinte.
„Und wie.“ Sie strahlte und schüttelte den Kopf, sodass die Haare herumwirbelten. „Ich könnte das den ganzen Tag machen.“
„Ging mir auch so.“ Einen Moment bestaunte er das aufgewühlte Haar, bevor er wieder das Wort an sie richtete: „Du kannst noch nicht gehen.“, sagte er, warf schnell ein paar Worte in der Heimatsprache an die verstummte Menge, die ihn verdattert ansah, und widmete sich wieder der Frau. „Komm, ich will dir ein paar Leute vorstellen.“ Wie selbstverständlich glitt seine Hand auf ihren Rücken und er zog die Frau zu sich heran. „Und ein bisschen mit dir angeben.“, sagte er mit einem schelmischen Grinsen, sodass sie lachen musste, war es doch ganz offensichtlich ein Witz, doch ihr Herz machte Purzelbäume und so ließ sie sich mitziehen. Er führte sie quer durch die Menge, aber ohne jemanden anzusteuern.
„Wo gehen wir hin?“
„Ich brauche zuvor etwas Gutes zu trinken. Wie sieht es bei dir aus?“
„Ja bitte!“, rief sie erleichtert, spürte die Blicke der vielen Leute auf sich und genoss seine Nähe, den sanften Druck seiner Hand auf ihrem nackten Rücken. „Wo hast du gesteckt?“
„Ich musste noch was erledigen.“, sagt er und lächelte. „Wieso, hast du mich vermisst?“
„Absolut.“
Jetzt war er es, der lachte, sich köstlich über ihren Witz amüsierte, doch sogleich wanderte seine Hand über ihren Rücken, griff um ihre Seite und blieb dort liegen als sie keine Anstalten machte, etwas dagegen zu sagen.
„Dann lass uns mal unters Volk mischen.“




Zwei Stunden, mehrere Cocktails und einer Vielzahl an Gesprächen später führte Yaten sie auf eine kleine Aussichtsplattform, welche sie über eine schmale Treppe erreichten. Von hier aus hatte man einen hervorragenden Blick auf den gesamten Platz. Beide Sonnen waren inzwischen untergegangen, doch die Wärme blieb. Den Sternenhimmel über sich, zog sich eine Schnur aus vielen kleinen Lichtern durch den dunklen Außenbereich, in dem sich noch immer die Leute tummelten.
Nicht unweit von ihnen schwebte ein gigantisches Hologramm der Erde in der Luft.

Sich den Bauch haltend, lachte Yaten noch immer aus vollem Halse.

„Das war total unhöflich!“, protestierte die junge Frau, konnte sich das Lachen aber ebenfalls nicht ganz verkneifen. „Die arme Frau denkt sicher ich hätte etwas Fieses über sie gesagt. Du kannst doch nicht einfach drauf loslachen.“

„Du bist schuld.“

„Bin ich nicht. Ich habe nur gesagt, dass mich das buschige pinke Kleid an einen Duschschwamm erinnert, das war überhaupt nicht wertend. Ich liebe meinen Duschschwamm. Konnte ja niemand ahnen, dass sie mir dann Seife schenkt.“

Erneut brach er in helles Gelächter aus, stellte sich vor, wie man die Frau in dem schwammigen Kleid über den Boden zog, um diesen zu säubern.

Sie schüttelte nur den Kopf.
„Was hat es damit eigentlich auf sich? Jeder dritte drückt mir Seife in die Hand. Versteh mich nicht falsch, ich freue mich, aber will man mir vielleicht etwas sagen? Stinke ich etwa?“

„Kann sein. Lass mal riechen.“ An der Hand zog er sie zu sich und schnupperte an ihrem Hals, da schubste sie ihn weg und fluchte undamenhaft, was ihn nur noch mehr amüsierte.

„Deine Manieren lassen schon den ganzen Abend zu wünschen übrig.“, beschwerte sie sich.
„Woher willst du das wissen? Du verstehst die Sprache doch gar nicht.“
„Muss ich auch gar nicht, um zu wissen, dass es unhöflich ist, seinem Gegenüber ins Wort zu fallen. Und dann übersetzt du ganze Teile nicht, ich habe keine Ahnung was sie alle erzählten. Wie oft hast du das gemacht? “
„Nicht oft genug, glaub mir.“, sagte er. „Niemanden interessiert es, wie alt die Erde ist, oder wie viele Länder es insgesamt gibt! Diese Infos kann jeder problemlos abrufen. Ich schlage mich doch nicht mit dem Quatsch herum, nur weil die Leute zu faul sind, sich interessante Fragen auszudenken.“

Überrascht sah sie ihn an und begann zu kichern. Dies traf bestimmt nicht auf die vielen hübschen Frauen zu, deren Interesse ganz sicher nicht Usagi, sondern ihrem Begleiter galt aber seis' drum. Sehr schnell hatte sie begriffen, dass Yaten sich nicht den Regeln der gepflegten Unterhaltung beugte. Zudem waren nicht wenige vor ihnen zurückgewichen, hatten erst gar nicht das Gespräch mit ihr gesucht, ob aus Angst oder Ehrfurcht vor ihm, vermochte sie nicht zu sagen, aber ihr blieben dadurch etliche Konversationen erspart und mit ihm war es viel unterhaltsamer.
„Dann muss ich dir wohl danken.“, sagte Usagi mit einem Lächeln.  

Während er stehen blieb, lehnte sie sich vor und stützte die Unterarme auf das breite Geländer ab. Einen Schluck von dem fruchtigen Cocktail nehmend, sah Usagi auf die wuselnde Masse und legte den Kopf schief.
„Kann es sein, dass es noch mehr Leute geworden sind?“

„Ja. Ich habe zuvor veranlasst, dass morgen alle das Anwesen verlassen müssen, darum sind sie noch zahlreicher erschienen.“
„Oh.“

Ein mildes Lächeln umspielte seine Lippen, als er sie ansah. Im faden Mondlicht seines Gestirns leuchtete die Haut ihres gebogenen Rückens trotzdem so hell, als befinde sich in ihrem Inneren eine Lampe. Weich schmiegte sich das Kleid um ihre Kurven, schimmerte mit jeder ihrer Bewegungen silbern wie die Schuppen eines Fisches im Wasser – wunderschön. Sirene, hallte es erneut in seinem Kopf, denn zum zigsten Mal an diesem Abend verschlug ihr Anblick ihm den Atem.  
Wieder erinnerte Yaten sich an ihre Worte am See. Sie war so viel mehr als eine 'Attraktion' oder ein 'ungebetener Gast'.  
„Sie alle kommen wegen dir, um dich zu treffen. Ja, es ist anstrengend, aber sie sind neugierig auf die Erde und auf dich, das kannst du ihnen nicht verdenken.“

Usagi seufzte.
„Ich weiß.“ Sie blickte zum Hologramm, der blauen Kugel, die sich unaufhörlich um ihre eigene Achse drehte. „Es ging mir damals nicht anders. Früher, als ich auf dem Mond lebte, war ich fasziniert von der Erde und bin immer wieder heimlich dort hin.“ Ein anderer Grund dafür war Endymion aber den Gedanken schob sie schnell beiseite und nahm einen weiteren Schluck von ihrem Cocktail. „Sie können nichts dafür, es liegt an mir, ich bin…“
Sie stoppte, drehte sich um und lehnte sich gegen das Geländer, fixierte ihn mit ihrem Blick.
„Warum hast du mich wegen Seiya angelogen?“
Überrascht fuhren seine Brauen in die Höhe.
„Wann habe ich dich angelogen?“
„Du sagtest er hätte sein Amt niedergelegt, weil er nicht mehr kämpfen wollte.“
Nun wurde er ernst, sah hinunter zu seinem Bruder, der sich angeregt mit Kakyuu unterhielt.
„Hat er auch, aber leider nicht freiwillig. Er war nicht mehr in der Lage diese Führungsposition auszuüben, wollte es aber auch nicht einsehen. Wir haben auch ohne Galaxia genug Probleme und müssen für unseren Schutz sorgen. Es hieß Taiki oder ich und ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber Taiki ist nicht mehr ganz greifbar, vergräbt sich die meiste Zeit in seiner Forschung. Seiya wollte nicht einlenken, also habe ich ihn herausgefordert und besiegt.“ Eine Hand lässig in der Hosentasche, nippte er an seinem Drink und sah sie direkt an. „Ich habe mich nicht um Seiyas Job gerissen, falls es das ist, was du wissen willst. Sobald ich sicher bin, dass er ganz der Alte ist und nicht wieder überschnappt, kann er ihn mit Kusshand wiederhaben.“
„Ist es das, was du willst? Dass alles wieder wird, wie es war?“
Ruhig sah Yaten sie eine Moment an, schien zu überlegen.  
„Es wird nie wieder so sein, aber ja.“


Eine Weile standen sie still nebeneinander und hingen ihren Gedenken nach, da ertönte eine Glocke.
„Komm.“, sagte er und führte sie zurück in die Mitte des Platzes, wo eine fünfstöckige Torte von der Größe der Frau selbst bereits auf sie wartete, zusammen mit einem überstolzen Küchenteam.
Ihr Kiefer klappte bis auf den Boden.
„Ist das…“
Yaten war nicht minder überrascht, lauschte der Ansprache und musste schmunzeln.
„In der Tat, eine Nusstorte. Man wollte dir wohl unbedingt eine Freude machen.“


„Wie sie sich aufführt, das ist doch kindisch.“ Mit einem Schnauben schwang die Frau das dunkle Haar über ihre Schulter. Nur wenige Meter entfernt stand eine überglückliche Botschafterin mit einem Stück Torte und steckte Yaten eine Gabelladung davon in den Mund.
„Eifersucht steht dir gar nicht, Kat.“, sagte Sora und gönnte sich eine Portion des Gebäcks. „Daf ift gut!“ Er schluckte den Happen runter. „Hier, probier doch wenigstens.“
„Nein danke. Ich stehe nicht auf Zucker und Yaten auch nicht.“
„Du hast recht, er quält sich richtig.“
Vergnügt lachte Yaten, hielt in jeder Hand ein Glas und beugte sich runter, ließ sich ein weiteres Mal von der Blondine füttern, was diese mit einem glockenhellen Lachen vollzog.
Angespannt mahlten Katrinas Kiefer aufeinander. Noch heute morgen kursierten Gerüchte, dass die neue Kooperation mit der Erde in Gefahr sei, weil die rechte Hand der Prinzessin und die Botschafterin sich nicht grün waren und jetzt alberten die beiden herum? Nicht zu fassen! Dass Yaten überhaupt da war und Smaltalk mit den Leuten hielt, wunderte sie, wo er genau das sonst tunlichst vermied. Vielleicht wurde ihm der Druck doch zu viel, war er zu sehr auf die Gunst der Erdenbewohnerin angewiesen und machte gute Miene zum bösen Spiel, dachte sie kurz, aber dafür hatte der Kou eindeutig zu viel Spaß. Nein, das war auch nicht seine Art. Er würde sich nicht anbiedern. Aber was wollte er nur von dieser kleinen, dürren Frau in dem lächerlich schlichten Kleid, die aussah, als würde sie bei einer stärkeren Briese davonfliegen? Sein Typ war die Botschafterin jedenfalls nicht, denn sie, Katrina war es: groß, athletisch und mit weiblichen Kurven – dachte sie zumindest.
„Vielleicht ist sie verunstaltet und versteckt es unter der Maske.“, dachte sie laut nach und wandte sich zu Sora. „Auf jeden Fall bist du wohl auch nicht mehr länger ihr Liebling. Wie es aussieht, haben sie uns beide abgeschrieben.“  
„Ist sie nicht.“ Seelenruhig strich er mit der Gabel über den kleinen Teller und sammelte die letzten Krümel auf. „Ich habe dir gesagt du sollst die Finger von ihm lassen.“
Ihm einen giftigen Blick zuwerfend, hob sie den aufgeplusterten Rock an und verließ die Feiergesellschaft.




Wie Yaten versprochen hatte, reisten die Gäste am nächsten Morgen ab und Bunny blieb noch zwei weitere Tage. Seit dem Bankett sah man sie nur noch zusammen: Wo sie war, war auch Yaten und umgekehrt. Hatte sie ihn zuvor wie Luft behandelt, wich sie jetzt nicht mehr von seiner Seite, während er sich bemühte ihr alles zu zeigen und sie mit den Gepflogenheiten des Planeten vertraut zu machen. Von politischen und gesellschaftlichen Strukturen, über geografische Besonderheiten, bis hin zu alltäglichen Dingen wie Kleidung und Essen, gab es gewaltige Unterschiede zwischen den Planeten und viel für Bunny zu entdecken.
Am Morgen des dritten Tages begleitete Yaten sie nach dem Frühstück hinter die Schlossmauer, wo sie sich zum Abschied wie zweie alte Freunde umarmten. Denn genau das waren sie. Freunde.




****




Zwei Wochen später und mitten während der ersten Tagesbesprechung spürte Yaten das inzwischen vertraute Prickeln ihrer Energie in seiner Brust. Aus dem ersten Stock, an der Spitze des neuen Tisches sitzend – dieser hatte eine schwarze Steinplatte mit grauer Maserung –, hielt er Ausschau, doch Bunny war nirgends zu sehen. Unauffällig lehnte er sich zu Sora und klopfte mit dem Finger auf die kühle Oberfläche, sprach mit leiser Stimme.
„Blue ist hier, irgendwo Richtung Westturm.“
„Wirklich?“ Auf seinem handlichen Board rief der Mann seinen Kalender auf. „Sie ist eine Woche zu früh.“
„Ich weiß. Bring sie bitte auf ihre Räumlichkeiten, bis ich fertig bin.“


Einige Minuten später dann die Nachricht: Keine Spur von der Erdenbewohnerin, also brach Yaten den Termin ab und machte sich auf die Suche nach der jungen Frau.
Statt innerhalb des königlichen Anwesens war sie zwei Kilometer weiter im Umland gelandet. In einer schwarze Röhrenjeans mit Schlitzen an den Knien, einem weißen Tanktop und gelben Flip-Flops, den Gurt der schwarzen Handtasche quer über den Körper hängend, kraxelte sie über steiniges Geländer, bis er sie einsammelte.

Usagi war so froh ihn zu sehen, dass sie ohne große Begrüßungsworte in die Flugmaschine sprang und sich bedankend in dem komfortablen Sitz zurücklehnte.
Er landete direkt im Grünbereich vor dem großen Sitzungssaal, wo Sora die Frau mit einem breiten Grinsen empfing.
„Was ist los? Bist du irgendwo falsch abgebogen?“
„Kann man so sagen.“ Peinlich berührt kratzte sie sich am Hinterkopf. „Ich war wohl etwas unkonzentriert“. Während Yaten sie skeptisch musterte, breitete Sora lächelnd die Arme aus.
Sie zögerte keine Sekunde, folgte der Einladung.
„Willkommen zurück.“, sagte der Krieger, während er sie feste drückte, sodass irgendetwas in ihrem Rücken knackste. Gerade als sie Yaten begrüßen wollte, ließ er sie mit den Worten „Wir sprechen uns später.“ stehen und machte sich auf den Weg in den oberen Sitzungssaal, wo sich mehrere Leute bereits eingefunden hatten.


Diese Besprechung ließ sich leider nicht absagen, seine Anwesenheit war von Nöten.
Als er Bunny im Anschluss nicht wie erwartet in ihrem Zimmer vorfand, musste der Kou nicht lange überlegen. Etwas versteckt, lag der kleine Garten, der ihr bei der Schlossführung am besten gefallen hatte, außerhalb der Hauptgebäude und war darum auch weniger besucht. Am einzigen Eingang, einem Rundbogenportal aus hellen Steinen, war plötzlich eine Wache platziert.
„Sorasamus und Mrs. Blue wünschen nicht gestört zu werden.“
„Ach, tun sie das?“

Zusehends verstimmt lief Yaten den schmalen Weg entlang, bis er sie sah. Auf der kleinen geschwungenen Bank saßen die beiden eng beieinander. Zu eng.
Den linken Arm hatte Sora um die Frau gelegt, während sie sich anlehnte als seien sie ein turtelndes Paar, das die Zweisamkeit in der Abgeschiedenheit genoss.
Kurz blieb Yaten stehen, setzte seinen Weg aber sogleich fort, lief schnurstracks auf die beiden zu und erlebte die nächste Überraschung. Sie turtelten nicht, sie schliefen. Bunny zumindest. Der Freund reckte mit geschlossenen Augen das Gesicht der Sonne entgegen.

„Was hat so lange gedauert?“, fragte Sora leise. Die Lieder öffnend, musste er sich ein Lachen verkneifen, starrte Yaten doch mächtig finster auf seine Hand, mit der er die Frau festhielt, damit sie nicht zur anderen Seite wegkippte. „Gerade redet sie noch und im nächsten Moment schläft sie ein. Sie muss sehr müde gewesen sein.“

Jetzt erst sah Yaten genauer hin. Die Maske war hochgeschoben, ein Ausdruck tiefster Erschöpfung lag auf den weichen Gesichtszügen. Und ob sie müde war, stellte er mit einem Anflug von Sorge fest, doch zugleich verließ eine gewisse Anspannung seinen Körper.  



Kurz darauf tauchte sie an der Seite von Sora wieder in dem Grünbereich vor dem Konferenzsaal auf. Jetzt hatte auch Seiya die junge Frau aus dem ersten Stock heraus entdeckt. Die Pause vor dem nächsten Termin nutzend, machte er sich runter und nahm sie in Beschlag. Er machte ihr Komplimente für ihre Kleidung, vor allem die Hose, und verwickelte sie in ein Gespräch über die aktuelle Mode in Japan.

Usagi hatte nichts dagegen und witzelte mit ihm über Schlaghosen, die langsam ihr Revival hatten, als plötzlich eine strenge Stimme hinter ihr erklang, sodass sie erschrocken zusammenfuhr und in den Flipflops beinahe über ihre eigenen Füße stolperte.

„Du bist zu früh. Warum?“

Yaten. Na toll, das klang eher nach einem Verhör als einer netten Begrüßung. Was war denn nur mit ihm los?
„Ich hatte Zeit.“ Sie räusperte sich und nestelte am Gurt ihrer Tasche. „Und mir war danach.“

Es klang unverbindlich und hätte sie dabei nicht wie alle schlechten Lügner starr auf den Boden geschaut, Yaten hätte es ihr vielleicht geglaubt, aber bevor er etwas erwidern konnte, schaltete Seiya sich ein.

„Du kannst kommen, wann immer du willst.“

Während Yatens Vene an der Schläfe gefährlich zu pochen begann, lächelte die Blondine und bedankte sich bei dem Bruder. Dieser lauerte nur auf eine Gelegenheit Zeit mit ihr verbringen zu können und sah seine Chance, bot an, auf den nächsten Termin, lediglich eine kurze Lagebesprechung, zu verzichten und ihr stattdessen Gesellschaft zu leisten. Tatsächlich schien sie nicht abgeneigt, also musste Yaten improvisieren. Er fackelte nicht lange und nahm sie stattdessen mit in den Termin. Ihre Bitte sich vorher umzuziehen, schlug er aus, dafür war keine Zeit.



„Die zwei streiten sich wieder.“
Seiya ließ sein Board sinken und folgte Taikis Blick nach draußen, sah Yaten mit der Botschafterin, wie sie im Grünen wild miteinander diskutierten.
„Ja…ich bin wirklich neidisch.“, gab er zu.
Entgeistert blickte der Ältere ihn an.
„Wie bitte?“
„Na er muss ihr sehr nahestehen, um so mit ihr streiten zu können. Ich würde zu gerne mehr über sie erfahren, aber mit mir redet sie kaum.“ Er trat an die Glasfront und stützte sich mit dem Arm über dem Kopf gegen die Scheibe. „Dieser glückliche Bastard.“, murmelte er und drehte sich zu Taiki. „Und sie ist sicher in festen Händen?“
„Ja, doch.“
„Hatten die zwei dann vielleicht früher mal was?“
„Was? Nein!“
„Bist du sicher?“
„Todsicher.“



„Ich verstehe nicht, wo dein Problem liegt?“

„Du bist mein Problem und deine grantige Art.“, warf sie ihm ungeschönt an den Kopf.

Yaten atmete tief durch, versuchte sein eh schon brodelndes Inneres zu beruhigen. Diese Sitzung war ein totaler Reinfall.
Er hatte sie neben sich an die Spitze platziert und die Entscheidung bitter bereut. Wie ein Kaktus stach ihn immer wieder ihr unverwechselbarer Duft wenn er näherkam, um ihr grob zu übersetzten. Die Mischung aus Parfüm und dem Geruch ihrer Haut, zusätzlich verstärkt durch eine fein würzige Note ihres frischen Schweißes machte es dem Mann nahezu unmöglich sich zu konzentrieren. Und dann schielte sie auch noch unentwegt zu Seiya – als ob er das nicht merken würde!

„Das ist Arbeit und die ist anstrengend. Niemand erwartet ein Dauergrinsen von mir.“
Usagi schnaubte verächtlich und legte einen Zahn zu, um mit ihm Schritt halten zu können.
„Ja, das habe ich gesehen. Dein Leben ist ja so hart, umringt von einer Frauenschar, die dir jeden Wunsch von den Augen abliest. Zurücklehnen und Befehle brüllen – das ist anstrengend.“
Abrupt lachte er auf und blieb stehen.
„Frage: Weißt du wie man einen Planeten regiert?“
Bereits außer Atem blieb auch sie stehen und sah ihn herausfordernd an, musste sich jedoch geschlagen geben.
„Nein.“
„Tja, ich auch nicht. Aber sie schon.“, sagte er und deutete Richtung Konferenzraum, in dem sein Beraterstab noch immer saß. „Diese Frauen sind die Fähigsten in ihrem Job, das sind Profis und ich bin auf ihre Hilfe angewiesen. Zufällig trage ich die Verantwortung für die Sicherheit eines ganzen Planeten, aber davon verstehst du nichts.“ Mit einer herablassenden Miene wandte er sich ab und setzte seinen Weg fort, passierte die hohe Hecke, während sie ihm hinterhereilte.
„Hallo? Ich habe die Erde schon vor etlichen Feinden beschützt.“
„Ja, früher.“, sagte er ungerührt. „Aber jetzt hast du den Luxus dich nur um dich selbst kümmern zu müssen und versagst kläglich.“
„Bitte was?“
Jetzt war sie es, die überrascht stehen blieb.
Verärgert fuhr er herum.
„Sieh dich doch mal an. Du schaffst es nicht mal genug zu essen!“, sagte er und deutete unzufrieden auf ihren Körper. „Du tauchst hier unangekündigt auf, bist heillos übermüdet und lügst mich an – dafür habe ich keine Zeit!“

Ihre Augen weiteten sich, da blickte Usagi betroffen zu Boden. Immer fester schlossen sich ihre Finger um den dünnen Ledergurt ihrer Tasche und für einen kurzen Moment hatte er die Befürchtung zu weit gegangen zu sein, doch da schob sie trotzig die Unterlippe vor und funkelte ihn böse an.
„Und du bist ein Miesepeter! Würde es dir das Genick brechen, hin und wieder zu lächeln und wenigstens ein bisschen nett zu den Leuten zu sein?“

„Das bringt mich nicht weiter. Außerdem bin ich nett, wenn es darauf ankommt.“, sagte er angesäuert und machte sogleich einen Schritt auf die junge Frau zu, kam ihr so nahe, dass er das Fliedershampoo in ihrem Haar riechen konnte. „Oder bin ich nicht nett zu dir gewesen?“, wollte er wissen und hatte sogleich die gewünschte Antwort, als sie aus dem Konzept geraten nach Luft schnappte. Ihr Gesicht blieb durch die Maske verborgen, doch auf ihrem Dekolleté zeichnete sich eine leichte Röte ab und fesselte seinen Blick, ließ ihn tiefer gleiten zu dem Ausschnitt, aus dem die zarte Rundung ihres Busens hervorblickte.
Dass er ihr längere Zeit wortlos auf die Brust gestarrt hatte, bemerkte er erst, als sie ihm den Rücken kehrte und im Eiltempo das Weite suchte.


Mit wild klopfendem Herzen setzte sie schnell einen Fuß vor den anderen und ignorierte das leichte Zittern ihrer Beine.
Ja, er war nett gewesen und ja, er hatte seinen Nutzen daraus gezogen, und jetzt gab es scheinbar keinen Grund mehr für ihn sich zu bemühen. Arrgh! Wie kann man nur so sein?
Dieser Blödmann.
Und dann starrte er sie auch noch an, als sei sie ein mageres Hühnchen auf dem Markt, das seinen Preis nicht wert war. Und das Schlimmste war, er hatte mit allem Recht.
Sie hatte versagt, und zwar gleich auf mehreren Ebenen. Genau darum war sie gekommen, um ihn zu sehen, glaubte hier etwas Ablenkung zu finden. Was für eine Schnapsidee. Jetzt kam sie sich furchtbar dämlich vor.
Seiya, der Seiya der sie geliebt hatte, würde sie aufheitern, wahrscheinlich sogar der Jetzige, wenn sie ihn nur ließe, aber das ging nicht.
Scheiße.
Sie drosselte ihren Schritt und ließ den Kopf hängen.
Umzäunt von hohen Hecken, die ein kleines Labyrinth bildeten, sah Bunny sich kurz um.  
„Zeit zu gehen.“, murmelte sie, griff nach ihrer Handtasche und hörte plötzlich die tiefe Stimme hinter sich.

„Wo willst du denn hin?“

Sie machte sich gar nicht die Mühe sich umzudrehen, wühlte in der Tasche.
„Nach Hause.“

„Das tust du nicht!“, kam es wie aus der Pistole geschossen und allein sein barscher Ton brachte sie wieder auf die Palme, da räusperte er sich, setzte etwas weniger aggressiv nach: „Wir sind hier noch nicht fertig.“

„Doch sind wir.“ Endlich hatte sie ihre Brosche gefunden. „Schon klar, du hast Besseres zu tun, aber nächstes Mal sag mir einfach, dass ich gehen soll, anstatt so eklig zu sein.“
Den Silberkristall zur Brust führend, spürte Usagi das angestrengte Schlagen ihres Herzens. Nicht gut. Aber Gedanken darüber konnte sie sich machen, wenn sie wieder daheim war.
„Macht des Mondl“
Weiter kam sie nicht. Besitzergreifend schlangen sich von hinten zwei Arme um ihren Leib.

Als würde sie jeden Moment wie ein glitschiges Stück Seife seinem Griff entkommen, wenn er nicht aufpasste, hielt Yaten die junge Frau so fest, dass sie sich keinen Millimeter rühren konnte.
„Ich habe einen Haufen ätzender Verpflichtungen, denen ich nachgehen muss, ob ich das will oder nicht. Das hat nichts mit dir zu tun.“, sagte er mit gepresster Stimme. „Du bist hier Gast, aber ich lebe in dem goldenen Käfig. Verstehst du das?“

Usagi schwieg, hing einfach nur steif in seinem Griff, nickte jedoch.

„Gut. Abgesehen davon denke ich, dass wir beide gute Argumente haben.“, versuchter er zu schlichten und fasste nach ihrer Hand, die noch immer die Brosche umklammert hielt. „Vorschlag, ich bemühe mich kein Arsch zu sein und dafür gehen wir jetzt zusammen Mittag essen.“
Als sie nicht antwortete, rüttelte er sie leicht. „Komm schon, der Miesepeter hat Hunger.“ Kaum ausgesprochen, hörte er sie leise lachen. „War das ein Ja?“

Usagi kicherte, sagte „Ja.“, da öffnete sich der schraubstockartige Griff, doch Yaten ließ sie nicht gehen.
Während sich ein Arm schwer um ihr Dekolleté legte, fuhr seine Hand viel zu vertraut über ihren Bauch. Überrascht hielt sie still und fühlte Hitze in sich aufsteigen, da fasste er um ihre Taille und zog die Frau sanft an sich, sodass sie den großen Körper hart in ihrem Rücken spürte. Weiche Lippen streiften ihre Ohrmuschel, als sie auch schon den tiefen Bariton seiner Stimme vernahm.

„Muss ich mir Sorgen machen?“

Er bemerkte, wie sich ihr Brustkorb hob, als sie verkrampft einen tiefen Atemzug nahm, doch beim Ausatmen gab sie nach und entspannte sich, legte den Kopf auf seiner Brust ab.
Ihre Antwort ließ dennoch auf sich warten und machte ihn zunehmend nervös, da hörte er das leise aber zugleich feste „Nein.“

Keiner der beiden rührte sich oder sprach ein Wort, als würde ein einziger Laut den zerbrechlichen Frieden gefährden, und genau das passierte auch. Als hätte man sie bei etwas Verbotenem erwischt, rückten sie schnell auseinander, sobald fremde Stimmen in der Nähe erklangen.


Auf Yatens Wunsch hin nahmen sie das Mittagessen in ihrem Zimmer zu sich. Er orderte extra große Portionen und dazu viel Nachtisch. Ohne Maske saß Bunny ihm gegenüber und verputzte mit großem Appetit das fantastische Essen, hörte aufmerksam zu, während Yaten ihr erklärte, welche Zutaten sich darin befanden – hauptsächlich gebratenes Gemüse aus dem heimischen Garten mit einem knusprigen Topping aus karamellisierten Nüssen.
Er lächelte und sie aß – beide hielten sich an den Deal und waren zufrieden, genossen die Gesellschaft des anderen.

Da er ihr erklärte weit in den Abend Termine zu haben, beschloss Usagi sich im Anschluss an das Essen heimzumachen. Als Yaten wissen wollte, ob sie trotzdem wie geplant nächste Woche käme, verneinte sie. Eher die Wochen darauf, meinte sie, vielleicht auch später, und entschuldigte sich.

Da war es wieder, das ungute Gefühl in seiner Magengegend, dass irgendwas nicht stimmte.

„Du musst mich nicht bespaßen und Sora auch nicht. Ich möchte niemanden stören. Es reicht doch, wenn wir uns zu einer gemeinsamen Mahlzeit alle kurz zusammensetzen.“

Yatens Gesicht sprach Bände, er schien alles andere als zufrieden damit, äußerte sich jedoch nicht.
Nach dem Essen verabschiedete er sie, bat Usagi zu bleiben und versicherte der Blondine, dass sich Sora sehr darüber freuen würde, doch sie lehnte dankend ab und machte sich auf den Heimweg.







****





„Das sind die Letzen, dann ist es vollbracht.“ Mit einer wischenden Bewegung transferierte Katrina die Verträge von ihrem auf Yatens Board. Es war schon spät, draußen dunkel und nur noch sie beide im großen Konferenzraum. Endlich zahlte sich ihre Geduld aus.
Seit dem letzten, eher kurzen Besuch der Botschafterin arbeitete der Kou wie ein Besessener und nicht selten wie heute bis tief in den Abend.
„Sehr gut.“, sagte er und öffnete die Unterlagen. „Er wird ein paar Monate brauchen, aber ab morgen bist du offiziell seine Beraterin. Ich zähle auf deine Hilfe.“
Ruhig trat sie hinter ihn, sah zu, wie er ein Dokument nach dem anderen unterzeichnete.
„Und was ist, wenn ich das nicht will?“
„Dann steht es dir frei zu gehen.“, gab er unbeeindruckt zurück. „Eine Frau mit deinen Qualitäten findet überall einen Platz.“
Das war nicht die Antwort, die sie hören wollte.
Katrina legte die Hände auf seinen Schultern ab.
„Oh ich kenne viele gute Plätze. Unter dir, auf dir und nicht zu vergessen auf allen Vieren“
„Ich bin beschäftigt.“, unterbrach er sie, woraufhin die Frau auflachte.
„Du bist immer beschäftigt.“ Langsam fuhren ihre Hände abwärts, wanderten über seine Brust.
Entnervt sog Yaten die Luft ein und hob den Kopf.
Kaum traf sie sein wütender Blick, ließ sie zügig von ihm ab, spürte, wie sich die feinen Härchen in ihrem Nacken aufstellten.  
„Das wäre dann alles.“, sagte er mit eisiger Stimme und wandte sich wieder den Dokumenten zu.
Laut hallte das wütende Klacken von Absätzen durch den leeren Raum, gefolgt von dem schlurfenden Geräusch einer Tür.
Die Stiftspitze glitt lautlos über die Gerätoberfläche, da stoppte er. Kurz innehaltend, blickte der Kou zur Tür, schrieb dann aber weiter.

Eine Stunde später war Yaten mit der Arbeit durch, legte den Stift zur Seite und setzte sich in Bewegung. Er brachte den Konferenzraum hinter sich, lief bis zum Ende des langen Flures, überquerte den kurzen Hofabschnitt mit palmenartigen Gewächsen und schritt durch den mit zwei Wachposten versehenen Eingang des Koutraktes. Die pompöse Eingangshalle mit dem rötlich gemusterten Boden passierend, erklomm er leichtfüßig die Stufen. Seine Wohnräume lagen im vierten Stock, doch er ging, wie schon so viele Male zuvor, in den Ersten, bog nach rechts, schritt durch den mit kostbaren Wandmalereien verzierten Gang und machte an der vorletzten Tür Halt. Sie war nicht verschlossen.
Der Raum war dunkel, nur ein schmaler Lichtstreifen aus dem Nebenzimmer zog sich über den Boden, spendete gerade mal so viel Licht, dass er ihre Gestalt, den Rücken zwischen den Vorhängen erkannte. Sie trug einen luftigen Morgenmantel aus dunkler Seide, der mit einem dünnen Gürtel zusammengehalten wurde.
„Du lässt mich lange warten.“, sagte sie und drehte sich um.
Zu weit klafften die Seiten des Mantels auseinander, gewährten ihm tiefe Einblicke, samt den obersten Rändern eines verführerischen BHs.
Er ließ seinen Blick über die schönen Brüste gleiten, verweilte einen Moment, bevor er den Stoff zu beiden Seiten weiter auseinanderschob.
Ein gefährliches Lächeln huschte über sein Gesicht, als er ihren hungrigen Blick auffing.
„Das sagt die Richtige.“  
Ohne weitere Verzögerung versiegelte er Usagis Lippen mit einem Kuss. Die verlockende Süße ihres Mundes, er verzehrte sich danach, und die Pforten öffneten sich. Ihre Zungen trafen aufeinander. Wie ein Verdurstender, der endlich an einer Oase angekommen war, fiel er über sie her und stöhnte, riss sich nur kurz los, um Luft zu holen, da kippte plötzlich alles.

Mit einem Schnaufen fuhr er auf und blickte sich blinzelnd um. Den Ellenbogen noch immer auf der Tischplatte aufgestützt, die Handfläche geöffnet, wo sich soeben noch sein Kinn befand, bis er einschlief und abrutschte. Ein Traum.
Die Uhr auf dem kleinen Board zeigte drei Uhr an. Noch immer hing schwach der verhasste Geruch von Kokos in der Luft.
Per Fingerzeig drehte er die Lüftung auf und rieb sich mit beiden Händen das Gesicht.
Den Geschmack ihres Mundes auf der Zunge, griff Yaten nach seinem Getränk. Es war inzwischen lauwarm, doch er leerte das bitter salzige Saftgemisch bis auf den letzten Tropfen, knallte das leere Glas geräuschvoll auf den Tisch und begab sich auf direktem Weg ins Bett.
Nur fünf Stunden später war er wieder da, umringt von den üblichen Verdächtigen, dem Beraterstab, Sora und Seiya. Während die anderen tief gebeugt über einer Landkarte und der damit verbundenen Aufgabe grübelten, lehnte er mit dem Rücken an der Scheibe, nippte an seinem koffeinhaltigen Getränk und checkte unauffällig den Kalender auf dem kleinen Gerät in seiner Hand. Mit einer kleinen Mondsichel war der Tag markiert, an dem sie zusammen zu Mittag aßen, und das lag nun fast drei Wochen zurück. Müde schloss Yaten die Augen. Es war besser so, dachte er. Für Seiya, für den Planeten, und auch für…

„Na endlich.“, kam es von Yaten, woraufhin alle ihre Diskussion unterbrachen und zu dem Kou sahen, doch dieser drehte sich um und richtete seinen Blick zum Heckenlabyrinth.

Endlich war sie zurück.






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Ein ganz liebes Hallo an alle Leser und vielen Dank für eure Geduld!
Ich bin gespannt, wie euch das neue Kapitel gefallen hat und freue mich über eure Meinung, Eindrücke und natürlich konstruktive Kritik.

Das nächste Kapitel ist schon fast fertig und bedarf dann nur noch einer Überarbeitung.
Bis dahin euch schon mal ein schönes Wochenende und hoffentlich ganz viel Sonne.

Liebe Grüße
Sintra
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