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Rescue Me

GeschichteDrama, Romance / P18 / Mix
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley Hermine Granger Luna Lovegood Severus Snape
06.09.2021
28.11.2021
16
50.808
22
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25.11.2021 3.781
 
Talöle meine Lieben
Hier kommt das letzte Kapitel. Danach nur noch ein etwas kürzerer Epilog.



Kapitel 15

30.06.2000
Heute ging ihre Schulzeit zu Ende. Jahre voller Wissen und Abenteuer brannten sich in ihr Gedächtnis, denn nur wenige konnten behaupten, so nah am Kampf gewesen zu sein wie sie. Natürlich konnten auch Neville oder George auf besondere Schuljahre zurückschauen. Doch sie sah sich als Mitglied des goldenen Trios mit am meisten beteiligt. Und selbst ihr letztes Jahr konnte sich  in Außergewöhnlichkeit kaum übertreffen. Immerhin hatte sie sich ernsthaft verliebt, einen unglaublichen Mann durch die wohl schwerste Zeit seines Lebens begleitet, die Belastung erfahren, die ihn jahrelang angetrieben hatte. Und sie hatte die wohl wichtigste Aufgabe ihres Lebens übernommen, den Schutz eines Menschenlebens. Lächelnd drehte sie sich vom Spiegel weg und sah in den weißen Korbstubenwagen.

„Da ist ja jemand wach geworden.“, flötete sie liebevoll, strich dem inzwischen zehneinhalb Wochen alten Baby sanft über die Wange und freute sich über das zahnlose Lächeln, dass es ihr schenkte.

„Mommy ist gleich fertig mit anziehen. Dann mache ich dir ein Fläschchen, mein Schatz.“ Sie richtete den Hosenanzug, für den sie sich für den Abschlussball entschieden hatte und kämmte ihre wilden Locken zu einem festen Pferdeschwanz zurück. Es war ein praktisches Outfit, das sie nicht behindern würde, wenn sie ihren Sohn im Tragetuch durch die Gegend chauffierte. Mit Make up versuchte sie die deutlichen Augenringe zu verdecken, die die letzten Wochen ihr beschert hatten. Schmerzliche Erinnerungen fluteten sie wieder einmal und sie schluckte die aufkommenden Tränen tapfer runter. Ohne die Hilfe ihrer Freunde hätte sie es niemals geschafft, sich um das Baby und ihren Abschluss zu kümmern. Doch jeder bemühte sich, ihr zwischendurch genug Zeit zum Lernen und Schlafen frei zu schaufeln.

Sie erinnerte sich noch oft mit Verwunderung an den Tag eine Woche nach Severus Zusammenbruch, an dem sie vor Erschöpfung heulend zusammengebrochen war. Sie hatte alles versucht, dem Neugeborenen den Vater zu ersetzen, der sich die erste Woche so aufopferungsvoll um es gekümmert hatte. Leider geriet sie schnell an ihre Grenzen, weil sie vor Trauer und Sorge kaum Hilfe annehmen konnte. Sie dachte, sie müsse alles alleine schaffen. Und dann stand niemand geringeres als Molly Weasley in der Tür, sah sie Kopf schüttelnd an und schickte sie ohne Widerworte ins Bett, übernahm die Versorgung des kleinen Henry. Sie schlief bestimmt zehn Stunden am Stück und stand trotzdem gerädert auf, weil ihr Körper und ihre Seele einfach so erschöpft waren. Molly blieb zwei Wochen bei ihr, obwohl sie nur zwei Tage später Großmutter wurde. Fleur gebar die kleine Victoire am 2. Mai. Also genau zwei Jahre nach der großen Schlacht. Aber Molly erkannte, dass Fleur mit Bills Hilfe sehr wohl zurecht kommen würde und sie viel mehr bei Mione gebraucht wurde. Sie half ihr eine Routine zu entwickeln und auch Hilfe von ihren Freunden anzunehmen, Aufgaben einfach zu verteilen. Dazu gab es noch ein paar praktische Zauber, die das Leben mit Baby um einiges vereinfachten.

Inzwischen gab es einen ausgeklügelten Betreuungsplan für den Snapeschen Nachwuchs. Es erinnerte sie zeitweise an ihren Plan, mit dem sie Severus im Auge behalten hatten, damit er keine Dummheiten machte. So war Henry jeden Samstag bei den Malfoys, die absolut vernarrt in den kleinen Jungen waren. Selbst Draco meinte, dass er sich nicht erinnern konnte, dass seine Eltern sich in seiner Kindheit so benommen hatten. Allerdings fand er es sehr erfrischend, da er so davon ausgehen konnte, dass mögliche Enkel ebenso vergöttert werden würden.

In der Woche betreuten mehrschichtig sowohl Lehrer als auch ihre drei Freunde Henry. Ginny und Luna sowie Draco und Zabini übernahmen einen Nachmittag oder Abend, während die anderen drei Tage die Lehrer sich inzwischen regelrecht darum schlugen, den Mini-Snape zu verhätscheln. So war es ihr möglich gewesen, sich gut auf die Prüfungen vorzubereiten und schließlich überall ein Ohnegleichen zu erreichen und somit als Beste des Jahrgangs den Abschluss zu absolvieren.

„So, jetzt bist du dran, Engelchen.“, ging sie zurück zum Stubenwagen, nahm Henry auf den Arm und küsste ihn sanft auf die schwarzen Haaren. Wippend ging sie in die Küche, legte ihn dort in den Wipper und schnallte ihn fest.

„Wie hätten wir die Milch denn heute gerne?“, strahlte sie ihn an und er gab ein leises Quietschen von sich.

„Ahja, so wie immer also. Gut, dann brauchen wir 240 Milliliter Wasser.“, erklärte sie ihm jeden Schritt, den sie vollführte, so wie Severus es bereits in der ersten Woche getan hatte. Sie bildete sich ein, dass es Henry Sicherheit vermittelte, wenn sie diese Routine seines Vaters übernahm.

„Was denkst du? Werden alle pünktlich sein?“, lächelte sie sanft, als sie etwas später auf der Couch saß und Henry seine Flasche gab. Der saugte gierig die Milch und sah sie ruhig an.

„Ja, denke ich auch. Ich kann es kaum fassen. Es ist wirklich vorbei. Mal sehen, ob ich den Studienplatz bekomme und die sich damit arrangieren können, dass es dich und bald dein Geschwisterchen gibt.“ Ohja, sie war tatsächlich schwanger. Es war ein Schock für sie gewesen, als Poppy es ihr in der achten Schwangerschaftswoche bestätigte. Natürlich hatten Severus und sie es irgendwie darauf angelegt, aber es fegte sie trotzdem von den Füßen. Unter den momentanen Umständen dachte sie tatsächlich auch darüber nach, die Schwangerschaft abzubrechen. Doch sie wusste, dass Severus ihr das nicht einfach verzeihen würde und sie konnte schließlich auf viel Hilfe zählen. Nun war sie bereits in der vierzehnten Woche. Leute, die sie kannten, aber es noch nicht wussten, würden es wohl nur an ihre gewachsenen Oberweite erkennen können. Doch jeder, bei dem es wichtig war, wusste, dass es in einigen Monaten einen oder eine zweite kleine Snape geben würde.

„Naja, mit McGonagalls Fürsprache sollte es wohl keine Probleme geben.“, lächelte sie zufrieden, hob Henry an ihre Schulter und klopfte ihm vorsichtig auf den Rücken, damit er ein Bäuerchen machen konnte.

„Feiner Junge. Jetzt noch eine frische Windel und dann ziehen wir dich hübsch an. Vielleicht den süßen Anzug von Tante Cissa und Onkel Lucius? Dann freuen sie sich. Und das Mützchen von Tante Molly. Das wird dir gut stehen.“, erzählte sie weiter leise, während sie ihn sauber machte und eine neue Windel anlegte. Mit routinierten Griffen verschwand die Puschiwindel im Müll und ihr Sohn war fertig für die erste Party seines Lebens. Inzwischen brauchte sie auch für das Tragetuch nur noch wenige Handgriffe, dass er gut saß und alles fest verschnürt war. Zuletzt schnappte sie sich die Wickeltasche und verließ die Snapesche Wohnung, um in die große Halle zu gehen.

Die große Halle war prächtig geschmückt und viele Abschlussschüler und ihre Familien waren bereits anwesend. Es tummelten sich gefühlt mehr Leute in der Halle, als wenn alle Schüler anwesend waren. Aber allein für Ginny war ja über die Hälfte der Familie angereist, um sie bei der feierlichen Zeugnisübergabe zu bejubeln. Strahlend ging sie zu der Gruppe Rothaariger, aus der nur die blonde Fleur herausstach.

„'Ermione!“, entdeckte eben diese sie als erste und löste sich von ihrem Mann, um sie in eine Umarmung zu ziehen.

„Du sie'st fantastiesch aus.“

„Danke Fleur.“, erwiderte Mione die Umarmung, ehe die beiden Frauen gegenseitig in ihre Tragetücher schauten.

„Sie wachsen ohne Ende, was?“, brummte Bill an ihrer Seite und stupste Mione mit der Schulter an.

„Viel zu schnell.“, gab die Braunhaarige zu und umarmte auch George, Arthur, Percy und Molly.

„Kommst du auch zum Essen? Du musst dich gut ernähren.“, tätschelte ihre Ersatzmutter ihre Wange und Mione nickte lächelnd.

„Meine Güte, Henry wächst ja wie Unkraut.“, sah Ron abschätzig von oben in die Trage. Mione erinnerte sich an ihr erstes Wiedersehen. Molly hatte ihn gebeten, einen Nachmittag mal ein Stunde bei ihr zu bleiben, kurz nach dem sie selber nicht mehr konnte. Er war schüchtern und zurückhaltend gewesen. Sie wusste, dass die Information, dass Mione ausgerechnet mit Snape zusammen gekommen war, ihn sehr geschockt hatte. Von daher schien er damals nicht ganz zu wissen, wie er nun mit ihr umgehen sollte, ohne eine Wunde zu reißen, wo gerade mehr Trauer war, als ein Mensch ertragen konnte. Daher beschäftigte er sich mehr mit dem Neugeborenen. Erst kurz vor Ende meinte er leise, dass er nicht verstehen konnte, warum es ausgerechnet Snape war, er es aber akzeptierte und fest daran glaubte, dass sie eine gute Mutter für Henry sein würde und alles schaffen konnte. Danach besuchte er sie öfter, zum Reden, zum Verstehen lernen und natürlich um Henry zu betüddeln.

„Du hast ihn ja jetzt auch seit zwei Wochen nicht gesehen.“, stichelte Mione ein wenig und er nickte brummend.

„Du weißt doch, warum.“, knurrte er zurück. Mione lachte.

„Er wird dich nicht auffressen. Du musst dich nur trauen.“, gab sie ihm wieder einmal zu bedenken.

„Ja, trauen sie sich, Weasley.“, brummte eine dunkle Stimme ölig hinter ihnen. Mione drehte sich um und strahlte über das ganze Gesicht, während Ron zusammenzuckte und widerwillig zu dem schwarzen Mann sah.

„Hallo, meine Schöne.“, wechselte die Stimmfarbe zu liebevoll und er beugte sich zu Mione hinab, um ihr einen Kuss zu stehlen, voll der Blicke des Weasleysprösslings bewusst.

„Hat er endlich ausgeschlafen?“, fragte Severus sanft, als sie sich wieder lösten und strich seinem Sohn über den dunklen Haarschopf. Seine Frau in spe nickte leicht und sah ebenfalls hinab in das kleine Gesichtchen, aus denen schwarze Knopfaugen neugierig seinen Vater musterten. Fast zwei Monate im Leben seines Sohnes hatte er verpasst, nachdem der Blutsturz im April ihn ins Koma befördert hatte. Die Medimagier sagten, es sei ein Wunder, dass er überhaupt wieder zu sich gekommen wäre und sein Herz nicht einfach den Dienst versagt hatte, da er innerhalb einer halben Stunde fast drei Liter Blut verloren hatte. Sein Körper brauchte die Regenerationszeit und als er zu sich kam, schien er gesünder denn je zu sein. Obwohl selbst bei einer vergleichsweise kurzen Zeit von knapp zwei Monaten eine beachtliche Muskelschwächung auftreten sollte, stand er bereits nach einem Tag wieder auf eigenen Beinen und entließ sich am zweiten Tag auf eigene Gefahr in die Obhut von Poppy, die alles andere als begeistert war, ihn auf der Krankenstation zu haben. Doch er wusste es besser. Denn seine vollständige Genesung selber zu überwachen, brachten der alternden Hexe mehr Befriedigung als die Berichte aus dem St. Mungos. Außerdem konnte er hier in Hogwarts besser für seinen Sohn da sein. Es erschreckte ihn, wie sehr das winzige Baby gewachsen war und er musste Zähne knirschend akzeptieren, dass er kein Neugeborenes mehr hatte. Er bemühte sich schnell wieder die Beziehung zu Henry aufzubauen und Merlin sei Dank machte es ihm sein Sohn da sehr einfach. Er schien es zu lieben, auf ihm zu schlafen und nahm ohne Protest die Flasche von ihm. Ein Punkt, der ihn besonders traf. Er hatte in der einen Woche sehr genossen, ihn stillen zu können. Doch im Koma war die Milchquelle versiegt. Aber die größte Überraschung bereitete ihm seine geliebte Gryffindor, als sie ihn unter Freudentränen um den Hals fiel, ihn bat sie zu heiraten, da sie auf keinen Fall zwei Kinder alleine groß ziehen wolle. Die Nachricht bereits jetzt ein zweites Mal Vater werden zu dürfen, erfreute ihn über alle Maße und er hatte Mione und Henry den Rest des Tages nicht mehr losgelassen. Er hatte eine perfekte kleine Familie, nach all den Jahren der Entbehrung zum Wohle der Gemeinschaft.

„Severus, Kingsley ist angekommen.“, trat Minerva von hinten an sie heran.

„Ich komme. Bis gleich, Schönheit.“, hauchte er Mione zu und folgte dann der älteren Gryffindor. Diese sah ihm strahlend hinterher.

„Ich denke nicht, dass ich mich daran gewöhnen werde.“, murmelte Ron neben ihr und bekam einen Buff mit dem Ellenbogen in seine Rippen, ehe beide lachten.

Währenddessen kamen Minerva und Severus am frei geschalteten Kamin an, vor dem sich Kingsley gerade die Robe abklopfte und nun lachend aufsah.

„Minerva! Und Severus! Dass man sie noch mal so bei einander sieht. Ich hoffe, sie hören jetzt auf, uns ständig so einen Schreck einzujagen.“, tönte er mit baritonaler Stimme, nachdem er der Direktorin auf Zeit zugenickt hatte.

„Ich habe es nicht vor, Zaubereiminister.“, entgegnete Severus kühl. Er wusste nur, dass es einen wichtigen Aspekt gab, der besprochen werden sollte. Minerva bedeutete den Männern ihr in den hinteren Raum zu folgen.

„Ihnen geht es wirklich wieder gut, Severus? Keine Beschwerden mehr?“, erkundigte sich Shacklebolt noch einmal, während er in einem gemütlichen Sessel Platz nahm.

„So ist es.“, bestätigte Snape, den dritten Sessel ablehnend.

„Ich bevorzuge zu stehen.“ Er hatte einfach lang genug gelegen, da wollte seine Zeit nicht mehr mit Untätigkeit verschwenden, außer Mione und Henry waren Mittelpunkt der Untätigkeit. Der dunkelhäutige Mann nickte zustimmend und sah lächelnd zu Minerva, die ihm zunickte.

„Es verhält sich so, dass es eine wichtige Sache gibt, die zum nächsten Jahr geklärt werden muss. Wie sie ja wissen, hat in diesem Schuljahr Minerva den Posten des Direktors inne gehabt.“

„Natürlich. Ohne ihre Güte hätte ich mich kaum in meinen Räumen erholen können.“, knurrte Snape, da er es als unnötig empfand, dass Offensichtliches erwähnt werden musste.

„Naja, um genau zu sein, wäre Minervas Güte nicht nötig gewesen. Denn wie wir im Ministerium festgestellt haben, gelten noch immer sie, Severus, als offizieller Direktor von Hogwarts.“

„Bitte?“, blinzelte Severus überrascht und setzte sich nun doch in den Sessel. Kingsley nickte ruhig.

„Es ist normal, dass der stellvertretende Direktor, in dem Fall war es Minerva, den Posten übernimmt, wenn der aktuelle Direktor verstirbt oder abgesetzt wird, sollte vom Ministerium niemand anderes bestimmt werden.“ Severus nickte verstehend, sah Kingsley jedoch weiter fragend an.

„Jetzt sind sie aber gar nicht verstorben, Severus. Sie waren verschollen. Man hielt sie nur für tot und so nahm man folgerichtig an, dass Minerva ihre Nachfolge antritt. Da sie aber einigermaßen wohlbehalten wieder aufgetaut sind, wurde im Ministerium nie eine Veränderung der Einträge vorgenommen. Demnach sind sie noch immer der Direktor.“, erklärte Kingsley weiter und Severus nickte immer wieder, um ihm zu zeigen, dass er ihm noch immer folgen konnte.

„Das bedeutet, ich müsste den Posten offiziell aufgeben, damit Minerva auch nächstes Jahr die Direktorin sein kann.“, fasste er den Konsens der Erklärung zusammen.

„Korrekt.“

„Möchtest du den Posten denn weiter bekleiden, Minerva?“, wandte sich Severus ohne Umschweife an die ältere Gryffindor. Die lächelte sanft und zuckte etwas ratlos mit den Schultern.

„Die Nachricht hat mich sehr überrascht, Severus, erklärte mir aber auch einige ungewöhnliche Begebenheiten, in denen das Schloss sich nicht voll auf mich einzulassen schien. Ich schob es auf die Schäden durch die Schlacht, aber mit dem Wissen, dass es noch immer dir verpflichtet ist, macht es mehr Sinn. Von daher stellt sich mir mehr die Frage, ob du nicht lieber den Posten möchtest. Du hast eine Familie zu versorgen. Da ist ein Direktorengehalt nicht zu verachten. Zudem bist du um einige Jahre jünger als ich und könntest somit viel mehr Generationen verantwortungsvoll in ihre Zukunft begleiten.“

„Wow, was für eine Ansprache.“, sah Kingsley beeindruckt zu ihr und Minerva errötete leicht.

„Ich habe mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in meinem Jahr als Direktor.“, murmelte Severus bedenkend.

„Es waren ungewöhnliche Umstände und ich weiß, dass sie viel versucht haben, die Carrows in Schach zu halten. Das haben viele Schüler bestätigt.“, lächelte der Zaubereiminister aufmunternd und Snape atmete tief durch.

„Also weiter Direktor?“ Minerva und Kingsley nickten zustimmend und auch Severus ließ ein leichtes Lächeln sehen, um seine Zustimmung zu geben.




„Hallooo!“, hauchte es in sein Ohr und Draco spürte die Gänsehaut über seinen Nacken laufen. Er stand gerade am Buffet, um einen Moment seinen Eltern zu entkommen. Lucius und Narcissa schienen wieder vollkommen über den Punkt zu sein, obwohl sie Henry noch nicht mal in den Fingern hatten. Das machte den jungen Mann irre, weil die deutlichen Veränderungen im Verhalten seiner Eltern einfach schwer zu akzeptieren waren, wenn man es sein Leben lang anders kannte. Also schlug er vor, eine kleine Auswahl des Essens zu holen, um kurz Zeit für sich zu haben. Er sah über die Schulter zu dem Flüsterer und lächelte.

„Wie schön, dich zu sehen.“

„Natürlich, Mione und Ginny machen ihren Abschluss. Das muss ich doch würdigen. Und außerdem bist du auch hier.“, grinste Harry lässig und stupste den Größeren mit der Schulter an.

„Ach, wie nett. Selbst an mich denkst du.“, antwortete Draco herablassend und füllte weiter die zwei Teller für seine Eltern. Harry runzelte kurz die Stirn, weil er nicht sicher war, ob sein Gegenüber es ernst meinte oder nicht. Schließlich entschied er sich aber dafür, den Unterton zu ignorieren.

„Komm!“, bat er lächelnd und hielt Draco die Hand hin. Der sah unschlüssig auf die Teller für seine Eltern und dann zum Tisch, wo diese sich aber gerade angeregt mit Lunas Vater unterhielten. Kopf schüttelnd griff er Harrys Hand und ließ sich mitziehen. Mit zügigen Schritten verließen sie die große Halle und Harry führte ihn in eine ruhige Ecke auf dem Flur. Da die Schüler der unteren Klassenstufen bereits am Morgen mit dem Hogwartsexpress nach London zurückgefahren waren, herrschte schon fast gespenstische Ruhe im Schloss. Draco spürte Aufregung in seinem Inneren, als Harry sich an die Wand lehnte, die Hände an seine Hüften legte und ihn näher zog.

„Ich hab dich vermisst, Eisprinz!“, hauchte er mit einem sanften Blick und streckte sich zu Dracos Lippen. Lächelnd nahm er die Einladung an und erwiderte den Kuss glücklich. Noch war es ein Geheimnis, ihre Beziehung viel zu frisch, um damit hausieren zu gehen. Auch wenn sich dadurch unheimlich viel verändert hatte. Vor einem knappen Monat hatten sie sich bei einem Treffen in Hogsmead ihre Gefühle gestanden und sich seitdem jedes Wochenende gesehen. Draco genoss es, sich bei Harry fallen lassen zu können. Die Nähe des Braunhaarigen beruhigte ihn ungemein und die Schmetterlinge in seinem Bauch spielten regelrecht verrückt. Und wenn er alleine in Hogwarts war, vermisste er ihn, sehnte sich nach den sanften Berührungen, die zärtlichen Küsse. Er freute sich darauf, dass er nach der Ferienzeit im September sein Studium in London beginnen konnte und somit näher bei Harry war. Ohne die wachsamen Augen seiner Mutter konnten sie sich dann auch ungestört, und wann sie wollten, treffen. Widerwillig unterbrach er den Kuss, schloss kurz die Augen und biss die Zähne zusammen.

„Was? Hast du Schmerzen?“, fragte Harry sofort besorgt, drückte ihn näher an sich und strich über die helle Porzellanhaut von Dracos Wange.

„Nichts schlimmes.“, murmelte der Blonde und legte die Stirn an die seines Gegenübers, zog Harrys eigentümlichen Geruch ein. Doch er spürte noch immer dessen Besorgnis, so dass er doch die Augen öffnete, etwas gequält lächelte.

„Der Schmerztrank lässt nur gerade nach.“, zuckte er mit den Schultern, versuchte es als Lappalie darzustellen. Doch Harry begnügte sich nicht mit der Aussage.

„Schmerztrank? Hast du dich verletzt?“, bohrte er weiter nach, strich über die Arme seines Freundes, betrachtete ihn von oben bis unten. Der Slytherin lächelte leicht und schüttelte nur etwas den Kopf.

„Sagen wir es so: Ich verstehe jetzt, warum Sev einmal im Monat besonders mies gelaunt war.“, murmelte er kryptisch und Harry seufzte entnervt, sah ihn bittend an, endlich Klartext zu reden.

„Sagen wir es anders: Ich habe wohl den weiblichen Part unserer Beziehung übernommen.“, legte er die Arm auf Harrys Schultern und küsste ihn wieder. Er wollte nicht gerade jetzt mit ihm über dieses delikate Detail reden, war es unangenehm genug. Aber jetzt löste Harry den Kuss, zog den Kopf soweit zurück, dass er am kühlen Stein lehnte und sah forschend in Dracos Gesicht. Seine Hand wanderte abwärts, drückte sich gegen den flachen Bauch des Slytherin.

„Du hast eine Menstruation?“, fragte er ruhig nach, den Blick noch immer voller Sorge.

„Ja... Meine erste... Seit gestern.“, murmelte Draco, während sich seine Wangen rosa verfärbten.

„Mein armer Draco.“ Mitleidig zog Harry ihn an sich, rieb über den Bauch, während dieser seinen Kopf an dessen Schulter schmiegte. Ein Weile lang genoss er die massierenden Bewegungen, ehe er sich wieder aufrichtete.

„Ich werde wohl noch einen Trank nehmen gehen.“

„So schlimm?“

„Ich verstehe jede miese Laune der Frauen, und Sevs.“ Harry verzog wieder mitleidig das Gesicht, drückte Dracos Hand.

„Aber Madame Pomfrey meint, nach ein paar Monaten hat man sich daran gewöhnt. Dann ist es nicht immer so schlimm.“, fügte der Blonde aufmunternd hinzu, sah aus ihrer Nische heraus und zog Harry mit sich Richtung Kerkergänge.

„Und selbst Sev sagt, dass er es einfach nur noch über sich ergehen lässt.“

„Er ist besonders schlecht drauf, wenn...“

„Ja, ist dir nie aufgefallen?“, fragte Draco überrascht nach, als sie die Treppe hinabliefen. Harry schüttelte ratlos den Kopf.

„Mir ist es auch jetzt erst wirklich aufgefallen, wo ich weiß, was es bedeutet. Damals habe ich es einfach als mit dem falschen Fuß aufgestanden hingenommen.“, erklärte der Slytherin und nannte dann das Passwort zum Slytheringemeinschaftsraum. Er zog Harry mit sich hindurch und ging dann weiter zu den Schlafräumen.

„Für mich war er immer mit dem falschen Fuß aufgestanden.“, brummte Harry und beide schmunzelten sich belustigt an. Im Schlafraum ging Draco zu seinem Bett, auf dem sein Koffer stand, in den er gezielt griff und eine Phiole rausholte. Er entkorkte sie und schüttete den Inhalt in einem Zug hinunter.

„So, bin noch mal schnell im Bad.“, murmelte er daraufhin, winkte ohne Harry anzusehen mit einer Damenbinde und verschwand. Harry errötete und räusperte sich. Dann sah er sich in dem Schlafraum um. Er unterschied sich nicht sonderlich von denen der Gryffindors, bis auf dass das Fenster in den See hinaus zeigte und am Tage wohl grünliches Licht hereinließ. Jetzt sah er nur in schwarze Unendlichkeit.

„Gruselig, was?“, sprach Draco ihn nach kurzer Zeit leise an. Harry drehte sich zu ihm, zuckte mit den Schultern und ging auf seinen Freund zu. Vorsichtig legte er eine Hand auf Dracos Bauch.

„Wir können also Eltern werden.“

„Wenn wir es irgendwann wollen.“ Harry nickte, strahlte Draco an und zog ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss zu sich.




„Liebe Siebtklässler
Eure Zeit in Hogwarts ist zu Ende. Es liegen Jahre hinter euch, in den ihr euch mehr oder minder viel Wissen angeeignet, Freundschaften geschlossen und beendet, eure große Liebe gefunden oder tiefen Herzschmerz ertragen habt. Ihr musstest großes Leid erfahren, erleben wie geliebte Menschen einem grausamen Mann zum Opfer fielen. Ihr habt gekämpft für eure Überzeugungen, gesiegt und verloren. Das alles prägt euch für eure Zukunft und hat euch zu den Menschen gemacht, die diese Schule nun verlassen. Wir, eure Lehrer, wünschen euch das Beste auf euren weiteren Weg: Liebe, Gesundheit, Erfolg in all euren Lebensbereichen. Und vielleicht denkt der ein oder andere ab und an an uns und sendet uns einen Gruß aus euren neuen Leben. Auf die Abschlussklasse 2000!“ Minerva hob ihr Glas in die Luft und die Schüler und ihre Familien taten es ihr gleich, wiederholten ihre letzte Aussage. Dann wandte sie sich um und nickte Flitwick zu. Der straffte die Schüler und entrollte eine Pergamentrolle, um nach einander jeden Schüler aufzurufen, damit er sein Zeugnis von Minerva abholte.


tbc....
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