Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Vampire's Heart

von Sanchi
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger OC (Own Character)
06.09.2021
19.09.2021
4
7.285
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
15.09.2021 1.905
 
Harry schlich durch die Gänge. Der Schnitt an seinem Handgelenk und der Biss der Professorin waren bereits geheilt. Nur noch das verkrustete Blut klebte an der Haut, doch dieses entfernte er, in dem er einige Male darüberwischte. Er zog den Ärmel seines Hemdes wieder nach unten und überlegte, was er jetzt tun sollte. Es war bereits Mittagszeit, doch er hatte kein Bedürfnis in die große Halle zu gehen und dort zu essen. Es schien ihm banal, angesichts der Gedanken, die ihn seit einigen Tagen beschäftigten. Außerdem konnte er mit dem Essen der Menschen nicht wirklich etwas anfangen. Es füllte zwar seinen Magen, stillte aber nicht seinen Hunger. Harry hatte eher das Gefühl, dass es sich in Asche verwandelte. Er sah aus dem Fenster, an dem er gerade vorbeilief. Dicke, graue Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und kündigten ein schweres Gewitter an. Er konnte die frisch gewaschene Luft fast riechen und die Regentropfen auf seiner Zunge beinahe schmecken. Er liebte die Zeit nach einem heftigen Regenguss. Die Welt kam ihm dann viel sauberer vor. Auch wenn hier, in den Highlands von Schottland, nicht so verdreckte Luft war, wie in den Großstädten. Seit er erwacht war, spürte er die Belastung der Atmosphäre sehr viel deutlicher. Er roch den Smog, hörte den Lärm und erkannte die verschmutzenden Partikel in der Luft. Ein Lächeln schlich sie auf seine Lippen, das einen Moment später aber wieder verschwand. Gedankenverloren starrte er in den Himmel. Ob er nochmal nach Hermine sehen sollte? Vielleicht war sie aufgewacht. Ihre körperliche Reaktion war sehr heftig. Vielleicht hatten Ami und er recht und etwas war mit ihrem Nightshade. Ein dumpfer, bleierner Klumpen ballte sich in seinem Magen zusammen. Er war bereits auf dem Weg zum Krankenflügel, als er abdrehte und sich nun doch auf den Weg zu Schulleiterbüro machte. Sie mussten so schnell wie möglich nach Australien. Wie schnell konnte er einen Portschlüssel bekommen? Er musste noch heute mit Ron sprechen. Entweder, er flohte ihn über den Kamin an, oder … ja, vielleicht ließ ihn McGonagall auch kurz in Ministerium reisen, obwohl er daran nicht wirklich glaubte. Seine ehemalige Hauslehrerin war ihm zwar sehr zugetan, aber dennoch ließ sie ihm keine Sonderbehandlung angedeihen. Auf der einen Seite war Harry froh darüber – er hatte diese ganze Heldensache nie leiden können – allerdings war es manchmal auch hinderlich, wie in dem aktuellen Fall. Egal. Ein Gespräch über den Kamin tat es auch. Merlin sei Dank, wusste sie aber auch um Harrys Geheimnis. Er konnte sich noch gut an ihre Reaktion und den geschockten Ausdruck in ihrem Gesicht erinnern, als Dumbledore ihr mitteilte, dass Harry als Vampir erwacht war. Genauso hatte er es genannt. Anfangs hatte er die Stirn über diesen Ausdruck gerunzelt. „Erwachen“ klang für ihn immer nach einer schlagartigen Veränderung. Doch das war es nicht. Es kam schleichend, über mehrere Monate. Erst wollte er es nicht wahrhaben, wollte es sogar geheim halten, aber nach einigen Wochen kam er an seine Grenzen, sodass er sich seinem Schulleiter anvertraute.


An seinem 14. Geburtstag fühlte er sich seltsam, als er morgens aufwachte. Er konnte seine Tante und seinen Onkel, die sich unten im Wohnzimmer befanden und unterhielten, deutlich hören, als ob er neben ihnen stünde. Es kam ihm so seltsam vor, dass er sich zwang es zu ignorieren. Doch das funktionierte nicht lange. Mit den Tagen verstärkten sich auch seine anderen Sinne. Schlimm wurde es, als er plötzlich Gerüche wahrnahm, die er nicht kannte. Vor allem, als er das erste Mal Blut roch. Dieser Duft, der ihm in die Nase stieg, verwirrte seine Gedanken und machte es ihm schwer, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Vor allem aber auch, weil er anfangs nicht wusste, woher er kam. Erst einige Monate später kam dieser unstillbare Hunger dazu, als er bereits wieder in Hogwarts war. Es wurde unerträglich. Er konnte das Blut riechen, die Herzen schlagen hören und die Schlagadern unter der Haut sehen. Von jedem einzelnen Schüler, der sich im Schloss befand und auf 20 Meter an ihn herantrat. Er versuchte es noch immer zu unterdrücken, spürte, wie sich sein Magen verkrampfte und auch nicht aufhörte, wenn er etwas aß oder trank. Er hatte es sogar mit Kamillentee versucht und den hasste er mehr als alles andere. Nichts half. Und dann kam die Nacht. Er konnte mal wieder nicht schlafen, also lief er durch die Gänge des Schlosses. Seinen Tarnumhang hatte er in seiner Truhe gelassen, denn er hörte und roch jede Person bereits, noch bevor sie um die Ecke bog. Und auch seine Sehkraft ließ in der Nacht nicht nach. Er wusste nicht mehr, wie lang er bereits unterwegs war, doch als er um die Ecke bog, in einen dunklen Gang, konnte er ihn sehen. Einen Schüler, jünger als er, vielleicht zweite oder dritte Klasse. Er hatte ihn am Hufflepuff-Tisch gesehen. Der Geruch von Blut strömte wieder zu ihm, aber viel intensiver als sonst. Er musste sich verletzt haben. Leise trat er an ihn heran, noch immer im Schatten verborgen. Jeder Schritt verstärkte das Verlangen, dass sich allmählich in ihm aufbaute. Sein Oberkiefer kribbelte, bevor er einen kurzen stechenden Schmerz verspürte, als sich das erste Mal seine Fangzähne aus seinem Zahnfleisch schoben. Er befühlte die scharfen Spitzen mit seiner Zunge und schmeckte im nächsten Moment sein eigens Blut. Sein Körper fing an zu zittern, das Blut in seinen Adern floss schneller, seine Sinne verschärften sich erneut, konzentrierten sich ganz auf seine Beute. Wie eine Raubkatze achtete er auf jede Bewegung. Nichts entging ihm. Der Junge rieb sich immer wieder über den Oberarm und sah sich um. Harry konnte Panik in seinen Augen sehen. Offenbar hatte er sich verlaufen und war in einem Teil des Schlosses gelandet, den er nicht kannte. Schön stehen bleiben. Nicht bewegen!, dachte Harry. Und wirklich, sein Opfer rührte sich keinen Schritt von der Stelle. Als er sich direkt hinter dem Jungen befand, konnte er bereits die sanfte, weiche Haut unter seinen Fingern spüren, schmeckte schon fast die Süße des Blutes mit der feinen metallischen Nuance. Er verbarg sich noch einen Moment in der Dunkelheit, lauschte, ob auch wirklich niemand weiter in der Nähe war und trat auf leisen Sohlen an seinen Mitschüler heran. Noch bevor dieser sich umwenden konnte, packte er ihn, hielt ihm den Mund zu und versenkten seine Zähne in dem weichen Hals. Jeder Schluck, der seinen Mund füllte und seinen Rachen hinunter ran, war eine Offenbarung. Nie in seinem Leben hatte er so etwas geschmeckt. Dieser rote Saft, getränkt mit Leben und Magie, erfüllte ihn von oben bis unten, ging fast sofort in seine Blutbahn über und stillte den unendlichen Hunger, der sich seit Wochen in ihm anstaute. Er spürte, wie sich sein Opfer, seine Beute, in seinem Griff wandte und versuchte sich zu befreien, versuchte von ihm wegzukommen. Halt still!, war der stumme Befehl und auch diesmal gehorchte der Junge. Harry trank und trank. Er konnte von dieser köstlichen Flüssigkeit, die ihn so sehr mit Kraft erfüllte, gar nicht genug bekommen. Erst als er merkte, dass sich sein Ofer kaum noch auf den Beinen halten konnte, als seine Knie anfingen zu zittern und er beinahe wegsackte, besann er sich wieder, kam wieder zu Verstand. Was machte er hier nur? Er trank gerade das Blut eines jüngeren Mitschülers. Vollkommen geschockt ließ er von ihm ab und starrte auf die Bisswunde, aus welcher das Blut noch immer in kleinen Rinnsalen floss. Er leckte sich über die Lippen. Noch immer sah es so verführerisch aus und er konnte es noch immer auf seiner Zunge schmecken. Gedankenlos näherte er sich diesem schlanken Hals erneut. Sanft strich er mit seiner Zunge über die Einstiche, sammelte die letzten Tropfen dieser überaus exquisiten Mahlzeit auf, bevor er beobachten konnte, wie sich die Bissspuren langsam schlossen. Er sah zu dem Jungen. Seine Hand hielt ihm noch immer den Mund zu, erstickte jeden Laut, der ihm entweichen wollte. Aber er spürte die Tränen, die dem jüngeren stumm über die Wangen flossen, als sie seine Haut berührten. Vorsichtig näherte er sich ihm.

„Wie heißt du?“, hauchte er ihm ins Ohr. Er spürte, wie der Körper in seinen Armen erzitterte. Harry löste seine Hand.

„Thomas. Thomas Brown“, antwortete er flüsternd. Langweiliger Name, schoss es Harry durch den Kopf. So gewöhnlich …

„Ok, Thomas“, sprach er wieder leise, „du wirst jetzt diese Begegnung vergessen, in deinen Schlafsaal gehen, dich schlafen legen und morgen früh holst du dir als erstes bei Madame Pomfrey einen Stärkungstrank.“ Harry überlegte, ob er den Befehl auf einen Blutbildungstrank erweitern sollte, doch das kam ihm dann doch zu verdächtig vor. Stattdessen setzte er ihm das Bedürfnis nach Flüssigkeit in den Kopf, solange, bis der Blutverlust wieder ausgeglichen war. Vorsichtig lockerte er den Griff um den Körper des Jungen, der sich, ohne sich umzuschauen, auf den Weg machte. Harry konnte sehen, wie schwach er war. Sofort meldete sich sein schlechtes Gewissen. Was hatte er nur getan? Er hatte einfach einen jüngeren Schüler angegriffen. Was war er nur für ein Freak? Langsam überkam auch seinen Körper ein Zittern, allerdings nicht aus Schwäche, sondern aus Schock und Ekel vor sich selbst. Was auch immer er gerade getan hatte, wie auch immer es dazu kommen konnte, das durfte nie wieder passieren! Er versuchte sich an die Minuten zu erinnern, doch alles was ihm in den Sinn kam, war von seinem Instinkt gesteuert worden. Keine Entscheidung hatte er bewusst getroffen. Er hatte schon die Wochen zuvor bemerkt, dass seine Willenskraft immer schwächer wurde und seine Instinkte immer öfter die Oberhand gewannen, aber das gerade war der Gipfel. Was, wenn es wieder passierte? Was, wenn er das nächste Mal nicht rechtzeitig zur Besinnung kam und jemanden tötete? Ohne weiter nachzudenken, lenkten ihn seine Schritte zum Dumbledores Büro. Als er vor dem alten Wasserspeier stand, murmelte er das Passwort und betrat die steinerne Wendeltreffe, die ihn zur Bürotür brachte, wo er energisch dagegen klopfte. Entgegen seinen Erwartungen wurde ihm sofort geöffnet. Der Schulleiter stand ihm gegenüber, musterte ihn mit verschlossener Miene und bat ihn einzutreten. Die Nachfolgenden Stunden zogen sich für Harry wie Gummi. Er beichtete dem alten Mann das Erlebnis, welches nur einige Minuten zurücklag. Erzählte ihm, wie ihm seine Veränderung aufgefallen war und sprach die Angst an, sich zukünftig nicht mehr unter Kontrolle halten zu können. Der verschlossen Gesichtsausdruck seines Gegenübers brach leicht auf und er bedachte ihn mit einem milden Lächeln, bevor er ihm eröffnete, dass er, Harry Potter, ein Vampir sei. Auch wenn sich diese Erkenntnis unterschwellig in seinem Unterbewusstsein bereits festgesetzt hatte, war es doch ein Schock, dies direkt gesagte zu bekommen. Harry wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Sollte er lachen? Sollte er weinen? Verzweifeln? Was war die richtige Reaktion auf eine solche Absurdität? Schlussendlich starrte er seinen Mentor nur fassungslos an. Dieser ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. In einer Engelsgeduld erklärte er ihm, dass er in den nächsten Ferien zu einem Bekannten von Dumbledore, Rufus McMiller, geschickt würde. Dieser war ebenfalls ein Vampir und könnte ihm zeigen, wie er sich zukünftig kontrollieren könnte. Er würde ihm beibringen zu jagen und wie er seine mentalen Kräfte bewusst einsetzte. Ohne weiter auf den Plan einzugehen, nickte Harry abwesend, erhob sich und verschwand aus dem Büro. Die Aufforderung am nächsten Tag, nach dem Unterricht, noch einmal in seinem Büro zu erscheinen, nahm er nur am Rande wahr. Er musste das alles erstmal verdauen.
__________________________

Früher als gedacht, kommt das 3. Kapitel :-)
Was sagt ihr zu Harrys erste Erfahrung als vollwertiger Vampir? Hoffe es hat euch gefallen :-D

LG Sanchi
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast