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Ein geheimnisvoller Zwilling

von Arbitra
GeschichteFantasy / P12 / Gen
Draco Malfoy OC (Own Character) Padma Patil Severus Snape
05.09.2021
19.09.2021
18
34.262
2
Alle Kapitel
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14.09.2021 1.897
 
Feroca wachte sehr früh auf und konnte nicht wieder einschlafen. Nachdem sie es eine Weile versucht hatte, stand sie schließlich auf, machte sich frisch und packte ein paar Sachen für den Krankenflügel zusammen. Sie wollte ihre Haare zu einem einfachen Zopf flechten, aber es gelang ihr nicht. Ihre Hände zitterten und sie verlor immer wieder die Strähnen oder band zu locker. Also beließ sie es letztendlich bei einem einfach Dutt. Es passte perfekt zu ihrem Aussehen, denn sie sah aus, wie jemand, der gerade eben aus einem schlimmen Alptraum erwacht war und sich noch in der Realität zurecht finden musste. Nach der Völlerei des letzten Tages war sie noch nicht hungrig, im Gegenteil lag ihr das Essen schwer im Magen, weshalb sie entschied, das Frühstück ausfallen zu lassen. Es war ohnehin sicherer, falls ihr wieder übel wurde. Sie hatte wenig Lust, sich im Krankenflügel zu erbrechen, während irgendjemand zuschaute. Was auch immer gleich passieren würde, es würde nicht angenehm werden, schließlich konnte sie eins und eins zusammenzählen. Professor Snape würde sie nicht im Krankenflügel erwarten, wenn er es nicht für notwendig erachten würde, dass sie dauerhaft beobachtet werden konnte. Heute würde sie wieder eine starke Dosis des Tranks erhalten, was sie für einige Tage beschäftigen würde. Sie hoffte, dass sie bis zum Ende der Ferien wieder auf den Beinen war. Auf diese Weise würde es wenigstens kein Gerede geben. Bei dem Gedanken an Gerede wurde ihr mulmig. Ron hatte gestern unbedacht geäußert, dass jeder wusste, dass sie sich regelmäßig bei Snape einfinden musste. Es gab sicherlich allerlei Gerüchte darüber, was der Grund dafür sein mochte. Sie hatte wirklich kein Interesse daran, eine Stellungnahme dazu abzugeben, da sie selbst nicht genau wusste, warum sie das tun musste, doch zum jetzigen Zeitpunkt sah sie sich nicht in der Lage, sich gegen diese Maßnahme durchzusetzen, obwohl sie in Gedanken schon oft den Aufstand geprobt hatte. Zu groß war die Angst vor Snape und ihrem Vater. Endlich hatte sie eine Freiheit, die ihr das ganze Leben versagt geblieben war und diese wollte sie auf keinen Fall riskieren. Sie seufzte. Eigentlich hatte sie sich wirklich wohl gefühlt mit den Weasleys, aber nach dem missglückten Abschied blieb das schale Gefühl zurück, dass sie eigentlich vor allem an ihrer Geschichte interessiert waren und nicht an ihr. Das machte sie traurig und wütend. Wie viele der Schüler an Hogwarts redeten wohl heimlich über sie oder stellten wilde Spekulationen an. Eines war sicher. Keiner hier, mit Ausnahme der Lehrer, hatte mit ihr gerechnet. Es war, als wäre sie ein Geist gewesen. War das die Absicht ihrer Eltern gewesen? Dass sie ein großes Geheimnis sein würde, über das man sich den Mund zerreißen konnte? Sie dachte an ihren Geburtstag zurück. Eigentlich hatten ihre Eltern nur widerwillig zugestimmt, sie überhaupt nach Hogwarts zu schicken. Lieber wäre es ihnen gewesen, sie weiterhin zu verstecken. Was stimmte nur nicht mit ihr, dass man sie im Verborgenen halten musste? Ganz bestimmt hing es mit der Runenmagie zusammen, mit der sie irgendwie belegt war. Bisher hatte sie wenig Gelegenheit gehabt, das Muster genauer zu analysieren, da es sie sehr anstrengte, und tatsächlich gab das neue Buch auch kaum Hinweise darauf, wie man die verschiedenen Muster den einzelnen Magieformen zuordnen konnte. Dafür war das Feld zu wenig erforscht oder vielmehr gab es zu wenig kompetente Forschungsobjekte. Sie war allerdings zuversichtlich, dass sie den unbekannten Zauber irgendwann würde brechen können, denn durch ihre Fähigkeit war es nicht notwendig, dass sie den Zauber selbst kannte. Mit Geschick und wahrscheinlich einer Menge Glück würde sie das Muster entschlüsseln und die Schwachstelle finden. Falls sie nicht wahnsinnig wurde oder vor Überanstrengung ihren Tod herbei führte. Der sicherste Weg war es jedenfalls, Snape Antworten zu entlocken. Sie rechnete jedoch nicht damit, dass sie damit Erfolg haben würde. Es machte sie rasend, dass keiner bereit war, ihr etwas mitzuteilen. Wie schlimm konnten die Gründe schon sein, dass jeder annahm, dass sie nicht damit umgehen konnte?
Es wurde langsam Zeit, dass sie sich auf den Weg machte. Also warf sie einen letzten Blick in den Spiegel, öffnete den Dutt, denn sie sah wirklich schrecklich damit aus, und ließ die Haare offen. Sie glaubte nicht, dass die Länge jemandem auffallen würde, nachdem sie so lange bedacht darauf war, ihre Haare zu verbergen. Schließlich war es normal, dass sie wuchsen. Mit ein wenig Bedauern legte sie den neuen Armreif, den sie über Nacht getragen hatte, in die Schublade des Nachttischs und strich mit dem Finger über die feinen Flügel des Adlers. Sie nahm sich ihre Tasche und verließ den Schlafsaal und schlich durch den angrenzenden Gemeinschaftsraum, in dem sich jedoch keine Schüler befanden. Alle genossen es, dass sie ausschlafen konnten. In den nächsten Tagen würde Feroca genug Schlaf bekommen. Zielsicher ging sie durch die Gänge des Schlosses, als sie jemanden rufen hörte: "Hey, warte mal!" Sie blieb stehen und drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Atemlos eilte Fred Weasley auf sie zu. "Ich hatte gehofft, dich noch zu treffen", sagte er schwer atmend und hielt sich die Seite. "Ich wollte mich für meinen Bruder entschuldigen. Das war taktlos von ihm." Feroca nickte und bestätigte: "Das war es." Er lächelte sie an. "Wir haben den Abend mit dir wirklich genossen. Ich wollte nur, dass du weißt, dass wir nie die Absicht hatten, dich über irgendwas auszufragen", er holte Luft, "sondern einfach nur nicht wollten, dass du Weihnachten alleine verbringen musst. Das sollte niemand." Sie wusste es sehr zu schätzen, dass er das sagte. "Danke, ich habe die Zeit mit euch auch eigentlich genossen", sie zögerte kurz, "wahrscheinlich habe ich wohl damit gerechnet, dass Fragen kommen würden, weil ...", sie wusste auch nicht so recht, wie sie den Satz beenden sollte, aber Fred nickte nur. "Ich weiß schon. Es ist wirklich okay. Du musst nichts erzählen, was du nicht möchtest." Er rang mit sich und fragte dann unsicher: "Darf ich dich begleiten? Weißt du, du musst nicht alleine sein." Ein wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus. Konnte es sein, dass er wirklich nur um sie besorgt war und nett sein wollte? Schließlich würde keiner freiwillig zu Snape gehen wollen, wenn er es nicht ehrlich meinte. Sie wollte es einfach glauben und lud ihn ein, mit ihr zu gehen. Er war verwundert über die Richtung, die sie einschlugen. "Ich dachte ...", begann er, doch sie unterbrach ihn: "Ich gehe nicht in Snapes Büro, sondern in den Krankenflügel." Er sah besorgt aus. "Geht es dir nicht gut?", fragte Fred. "Doch", setzte sie an, "aber irgendwie auch nicht." Er schaute sie verwirrt an. Sie entschied, dass sie ihm etwas mehr Informationen gefahrlos geben konnte. "Ich bin ... krank und brauche einen Trank, der das irgendwie aufhält. So ganz genau, weiß ich das auch nicht", sie lächelte schüchtern. "Und warum kannst du den nicht einfach einnehmen?", fragte er mit ehrlicher Sorge in der Stimme. "Der Trank ist echt heftig. Ich sollte nicht alleine sein, wenn es Nebenwirkungen gibt", antwortete sie so nah an der Wahrheit wie möglich. Das genügte ihm scheinbar, denn er bohrte nicht weiter nach. Die Tür zum Krankensaal stand einen Spalt breit offen. Fred hielt sie am Arm, bevor sie durchschritt. "Darf ich dich besuchen kommen?", fragte er vorsichtig. Feroca wurde rot und wusste nicht so recht, wie sie darauf antworten sollte. "Ähm ... das wäre sicher schön, aber ...", sie konnte den Satz nicht beenden, weil sich die Tür nun vollends öffnete und Professor Snape sie erwartungsvoll anschaute. Missbilligend betrachtete er Freds Hand an ihrem Arm, der sie sofort losließ. Fred verabschiedete sich hastig und ging zügig davon. "Guten Morgen, Professor Snape", sagte sie mit gesenktem Blick. Es war ihr sehr unangenehm, dass er das mitbekommen hatte. "Ich rate Ihnen, das nicht zu wiederholen. Ihre Eltern wären nicht erfreut", bemerkte er mit bösem Blick. Feroca nickte und ging an ihm vorbei in den Raum. Es machte sie plötzlich wütend, dass er sich mit ihren Eltern drohend in ihr Leben einmischte. "Warum machen Sie das eigentlich? Ich mache alles, was Sie wollen, nehme diesen Trank, ohne zu wissen, was er macht, stelle keine Fragen, auf die ich eh keine Antwort erhalte und nehme alles hin, was meine Eltern erwarten! Verdammt! Ich darf nicht einmal eigene Entscheidungen treffen, ohne dass jemand daran etwas auszusetzen hat!", sie schrie die letzten Worte fast. Professor Snape sah sie neutral an, ließ den Hall ihrer Worte verklingen und antwortete dann mit gefährlich ruhiger Stimme: "Sind Sie fertig?" Wieder nickte sie nur, aber seine Ruhe stachelte sie innerlich nur noch mehr an. Aus einer Laune heraus setzte sie doch noch nach: "Was ist das für ein Zauber, mit dem ich belegt bin?" Der Meister der Tränke sah ihr tief in die Augen. Feroca dachte an den Morgen, als sie im Mädchenklo von Myrte aus Versehen das rosa Netz um sich herum entdeckt hatte, was ihr seitdem immer größere Sorgen bereitete. Snape schloss die Augen und sagte zu ihrer Überraschung: "Wenn ich Sie darum bäte, dass Sie das nicht weiter verfolgten, würden Sie das tun?" Sie schüttelte energisch den Kopf. "Dann setzen Sie sich auf das Bett und hören Sie aufmerksam zu. Ich werde mich nicht wiederholen und auch nur diese eine Frage beantworten", sagte er resigniert, während er Feroca zum Bett führte. "Es handelt sich dabei um einen Vergessenszauber, den Sie unter keinen Umständen brechen dürfen!", flüsterte er drohend. Einen Vergessenszauber?! Das warf nur noch mehr Fragen auf. Was sollte sie unbedingt vergessen und sich nie wieder dran erinnern? Wer hatte entschieden, dass es nötig war? Snape beobachtete sie aufmerksam. Sie setzte gerade trotz Snapes Warnung an eine weitere Antwort einzufordern, aber, als hätte er ihre Gedanken gelesen, fügte er hinzu: "Sie selbst hatten den Wunsch, dass ich Ihre Erinnerungen lösche." "Wie bitte?! Das ist doch lächerlich", platzte sie heraus. Sie stand wütend auf. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Das war so abwegig, dass sie es nicht einmal Snape zugetraut hätte, eine solch haarsträubende Lüge zu erfinden. Andererseits hatte er sie nie belogen, sondern nur Wahrheiten zurückgehalten. Sie atmete tief ein und versuchte sich zu beruhigen. "Warum?", fragte sie schlicht. "Das kann ich Ihnen nicht sagen", entgegnete er trocken. "Wann?", verlangte sie zu wissen. In seinem Gesicht arbeitete es, als überlegte er, ob sie es erfahren dürfte. Zögerlich ergänzte er: "Als Sie sieben Jahre alt waren", warnend hob er eine Augenbraue. Mehr würde sie heute nicht erfahren, aber es erweckte die Hoffnung in ihr, dass sie vielleicht bei Gelegenheit mehr Informationen würde bekommen können. Sie würde später darüber nachdenken, was sie damit anfangen konnte. Fürs Erste fügte sie sich in ihr anstehendes Schicksal und setzte sich auf das Bett zurück. "Gut", sprach der Professor und reichte ihr eine Phiole. Feroca war verwirrt, denn sie hatte erwartet, dass er zunächst eine neue Blutprobe von ihr nehmen würde. Er deutete ihren Blick richtig und sagte mit herausfordernder Stimme: "Wenn Sie wünschen, schneide ich Ihnen liebend gerne in den Finger. Aber heute ist das nicht nötig." Sie nahm den Trank zu sich und harrte der Dinge, die da kamen.
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