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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
23.09.2021 3.018
 
Hi,

hier habe ich das nächste Kapitel für euch.
Danke euch für die tollen Reviews und den Favo.
Ich wünsche euch gute Unterhaltung  und wenn euch die Story gefällt würde ich mich über Reaktionen von euch freuen.

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 8:    Mein Fehler, sorry.


„Na endlich, ich dachte schon du hättest es dir überlegt! Was zum Teufel hast du noch gemacht?“, fuhr Riku ihn an.

„Mit Phoebe herumgeknutscht, was denkst du denn?“ , raunzte Mikko zurück und nahm Riku den Autoschlüssel aus der Hand. „Ich fahre, dann gehts schneller!“

„Übertreibe es nur nicht“, mahnte Riku der die Antwort auf seine Frage natürlich nicht ernst nahm. Mit drohendem Zeigefinger begab er sich auf die Beifahrerseite, um einzusteigen. Er war kaum im Auto, da ließ Mikko schon den Motor aufheulen. „Mikko! Dürfte ich mich bitte noch anschnallen bevor du wie ein Irrer mit meinem Auto losbretterst? Ich habe Frau und zwei Kinder!“

„Ich weiß, ich kenne sie und ich will di...“ Ein gewaltiges Krachen ertönte, ruckartig kam der Wagen zum Stehen. Mit einem kurzen Blick zur Seite vergewisserte Riku sich, dass Mikko nichts passiert war, nur um ihn dann Sekunden später aus vollem Halse anzuschreien. „Was soll das, du blöder Hammel?“ Mikkos Herz raste. Unfälle waren unangenehm, aber es war einfach was anderes als mit dem eigenen Privatwagen, zudem saß auch noch der Besitzer des Fahrzeugs neben ihm. Riku riss die Tür auf und sprang heraus. „Um Gottes Willen! Vicky, ist dir etwas passiert?“

„Scheiße“, murmelte Mikko und schnallte sich ab, um ebenfalls auszusteigen. Er hatte Vickys Wagen getroffen, volle Breitseite. Verdammt, warum musste sie auch gerade in dem Augenblick zurückkommen? Hoffentlich war ihr nichts passiert, das hätte gerade noch gefehlt!
Jaro und Vincent hatten Vicky bereits aus dem Auto geholfen nachdem sie versichert hatte, dass es ihr gut ginge, dennoch hielt sie sich den Nacken. Schleudertrauma, fuhr es Mikko durch den Kopf. Beruhigend hielt Jaro seine Tochter in den Armen. Aufregen brachte nichts, passiert war passiert, Vicky konnte noch reden und gehen, alles andere war zwar unangenehm, aber halb so schlimm.

„Was ist passiert? Oh Gott, was ist passiert?“ Aufgeregt kam Phoebe aus dem Haus gestürmt, das lange rote Haar flatterte um ihren Kopf wie ein Flammenmeer. „Vicky, Süße, gehts dir gut? Ich rufe einen Krankenwagen!“

„Nein, bitte nicht! Wirklich nicht! Ich brauche nur etwas Ruhe.“ Phoebe zögerte ein wenig.

„Also gut. Komm, ich bringe dich ins Haus.“ Zusammen mit ihrem Bruder begleitete sie Vicky ins Innere des Hauses.

„Soll ich nicht lieber doch den Rettungswagen rufen?“, bot Mikko kleinlaut an. „Es tut mir wahnsinnig leid, ich habe ihr Auto wirklich nicht gesehen.“
Jaro winkte ab.

„Lassen Sie gut sein Mikko, es ist nun mal passiert. Phoebe wird es sich übrigens nicht nehmen lassen ihre Schwester genau zu beobachten und gegebenenfalls doch einen Krankenwagen zu rufen.“ Er warf einen prüfenden Blick auf die Fahrzeuge und umrundete sie in Rikus Begleitung. Mikko blieb stehen wo er stand, schließlich sah sogar ein Blinder, dass da ein gewaltiger Blechschaden vorlag.

„Tja, mein Lieber, sieht so aus, als wenn wir heute doch noch nicht nach Hause kommen.“ Mit einen vorwurfsvollen Blick schaute Riku den Manager an.

„Bring den Wagen in eine Werkstatt und organisiere einen Leihwagen, ich weiß nicht wo dein Problem liegt.“ In aller Seelenruhe holte sich Mikko sein Zigarettenpäckchen aus dem Auto. Ungläubig und kopfschüttelnd blickte Riku zu ihm.

„Mikko ... Du kannst jetzt nicht einfach verduften! Wir müssen abwarten was mit Vicky los ist.“

„Schleudertrauma“, entgegnete Mikko, „das kann ich dir auch so sagen, ohne Arzt zu sein. Allerdings sollte sie lieber zu einem Arzt gehen.“ Er steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen, zündete sie an. Riku zog ihn am Arm ein Stück zur Seite, er wollte nicht, dass Jaro etwas von dem mitbekam was er Mikko nun zu sagen gedachte.

„Du blöder Arsch“, zischte er, „es ist deine Schuld, dass es zu dem Unfall gekommen ist, da gebietet es doch wohl der Anstand wenigstens so lange zu bleiben, bis wir ganz genau wissen was mit Vicky los ist“, wiederholte er.

„Dann sollte sie ins Krankenhaus“, stellte Mikko sachlich fest. „Aber gut, wenn es der Anstand so will bleiben wir bis mor...“

„Nein, wir bleiben solange bis mein Wagen wieder fahrtüchtig ist“, unterbrach Riku ihn. „Du kannst die Termine für die kommenden Tage absagen, es besteht kein Grund zur Eile. Und du hast ja gehört, Jaro würde sich freuen wenn wir noch bleiben. Mikko, ich habe dich nie hängen lassen, jetzt tust du mir mal einen Gefallen! Wir können froh sein, dass die Virtanens so friedlich sind. Zwei, drei Tage dann wird der Wagen repariert sein, solange wirst du es hier ja wohl aushalten. Und deinen eisigen Blick“, fuhr er fort, „kannst du dir auch sparen, der zieht bei mir nicht mehr! Ich werde jetzt mal mit Jaro reden. Aber vielleicht hast du ja auch Glück und er will dich auch gar nicht mehr in seinem Haus haben!“

„Tu das“, brummte Mikko mit gerunzelter Stirn, bei ihm eine Zeichen höchster Unzufriedenheit. Er setzte sich auf die Bank vor dem Haus während Riku zu Jaro Virtanen zurückging und dann an dessen Seite im Haus verschwand.
Jaro Virtanen, dieser friedliche Mensch er war also der Vater der temperamentvollen Phoebe. Kaum zu glauben. Manchmal war das Leben schon eine verrückte Sache.
Keine Minute später tauchte Phoebe aus dem Inneren des Hauses auf. Den Arm fest um ihre Schwester geschlungen, gingen sie langsam zu einem krachblauen Toyota hinüber. „Ich habe Vicky überreden können sie doch ins Krankenhaus zu bringen.“ Mikko überlegte, ob er seine Hilfe anbieten sollte. Er schnippte den Zigarettenrest achtlos fort und stand auf.

„Kann ich helfen? Irgendwie?“

„Nein, als Fahrer möchte ich Sie ... dich lieber nicht und außerdem ...“, begann Phoebe.

„Lass ihn mitfahren Phoebe, bitte!“, bettelte Vicky. „Er könnte hinten neben mir sitzen und meinen Kopf ein wenig halten, dann tut es mir bestimmt nicht so weh.“
Mikko glaubte nicht recht zu hören. Er sollte ... was? Ihr den Kopf halten? Am liebsten hätte er ihn ihr in diesem Moment umgedreht! Er wollte sie nicht berühren, auf keinen Fall! Es war doch unübersehbar, dass die Kleine total auf ihn stand! Klar, sie war reizvoll, aber A, zu jung und unreif, und B, nicht halbwegs so interessant wie die große Schwester die ihn nun bereits mit Giftpfeilen aus ihren Augen beschoss.
Dabei hatte er doch gar nichts getan, das war doch Vickys Idee gewesen!

„Ich finde das ist zu gefährlich“, versuchte er sich aus der Nummer zu winden. „Ein Krankenwagen wäre ...“

Er war weder scharf darauf Vickys Kopf oder sonst was von ihr zu berühren, noch wollte er in diese Reisschüssel auf Rädern steigen und erst recht nicht wollte er in Phoebes Nähe sein. Sein Auftritt vorhin in ihrem Zimmer war nicht gerade eine Glanzparade gewesen. Gott weiß was sie beide da geritten hatte, dass sie quasi übereinander hergefallen waren ...

„Ich weiß nicht, ob die Idee so gut ist“, begann Mikko abermals und wurde von Vicky unterbrochen.

„Doch, das wäre eine große Hilfe für mich, bitte komm mit Mikko!“, bettelte sie.

„Ich werde mich ganz den Wünschen der Damen beugen“, überließ er nun den Schwestern die Entscheidung. Phoebe knurrte. Es passte ihr überhaupt nicht, aber Vicky würde doch keine Ruhe geben, deshalb willigte sie seufzend ein.

„Also gut, einsteigen.“
Begleitet von Aaaaahs und Oooohs, stieg Vicky auf die Rückbank von Phoebes Auto.

„Mikko, komm her, setz dich zu mir“, bat Vicky. Das Anlegen der Sicherheitsgurte garantierte ihm zumindest einen gewissen Abstand zu ihr und zum ersten Mal segnete er diese Dinger aus anderen Gründen als dem, zu dem sie eigentlich gedacht waren.
„Mein Kopf“, jammerte Vicky, kaum dass Phoebe auf der Straße war. „Mikko, könntest du vielleicht den Arm um meine Schultern legen? Das wäre eine gute Stütze.“

Okay, es gab definitiv schlimmere Sachen für ihn als einer hübschen jungen Frau den Arm um die Schultern zu legen, aber es nicht genießen zu können machte es sinnlos. Stur richtete er den Blick nach vorne während sich Vicky zufrieden an seine Schulter kuschelte. Jedes Mal wenn sein Blick in den Mittelspiegel fiel traf er auf Phoebes missbilligende Augen.

Im Krankenhaus angekommen hatten sie Glück, Vicky kam sofort dran und konnte sich in den Behandlungsraum begeben. „Wir warten draußen auf dich Vicky, in Ordnung?“ , erkundigte sich Phoebe und lächelte ihre kleine Schwester aufmunternd an.
Wir das waren Mikko und sie.
„Wenn meiner Schwester durch deine Unachtsamkeit etwas passiert ist dann ...“, begann sie in einem drohenden Ton.

„Deiner Schwester ist nichts weiter passiert“, fiel Mikko ihr ins Wort. „Schleudertrauma, das ist normal. Nicht angenehm, aber nicht lebensgefährlich. Du kannst mich selbstverständlich verklagen, aber ich bezweifle, dass Vicky das mitmacht. Im Übrigen habe ich den Unfall wirklich nicht absichtlich verursacht, eigentlich war es nämlich mein größter Wunsch hier schnell wegzukommen.“

„Glaube ich sofort“, schoss sie spitz hinterher. „Weglaufen scheint ja auch deine Spezialität zu sein!“

„Bitte?“ Verärgert sah er sie an. Er schätzte selbstbewusste Frauen die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hielten, aber er gehörte beileibe nicht zu den Männern die sich anpampen ließen.

„Weglaufen, jawohl“, wiederholte Phoebe aufgeregt. „Aus dem Krankenhaus, aus meinem Zimmer, aus dem Haus meines Vaters ...“ Sie wirbelte mit ihren Händen durch die Luft, „... und ganz besonders vor der Wahrheit. Du hast deinen Beruf verfehlt Mikko, als Marathonläufer wärst du vermutlich unschlagbar!“

„Es reicht!“, erzürnte sich Mikko. „Was weißt du schon von meiner Wahrheit? Nichts, gar nichts! Und bevor deine beruflich bedingte psychologische Neugierde das Oberwasser gewinnt: du wirst sie auch nicht erfahren!“
Phoebe fuhr sich mit den Fingern durch ihre Haarmähne und warf ihr Haar zurück.

„Warst du zu deiner Frau auch immer so reizend? Sie hat noch jetzt meinen größten Respekt!“

„Wenn du auf die Trennung anspielst“, zischte Mikko „dazu gehören immer zwei!“

„Ganz recht! Einer der tritt und einer der getreten wird!“

„Ich habe nicht ...“, begann Mikko. Phoebe zitterte vor Wut. Sie war sich bewusst, dass sie sich absolut unprofessionell verhielt, Dinge sagte, die psychologisch gesehen schlichtweg unentschuldbar waren, aber dieser Mann trieb sie einfach zur Weißglut.

„Im übertragenen Sinne Mikko, im übertragenen Sinne!“, brachte sie hervor. „Warum greifst du jeden an der dir helfen will? Sag jetzt nichts, ich möchte nicht mit dir streiten, immerhin ...“ Sie wandte sich ab ohne ihren Satz zu Ende zu führen.

„Immerhin, was?“ Plötzlich war Mikkos Stimme wieder ganz ruhig.

„Nichts!“

„Immerhin interessiere ich dich, nicht wahr? Zumindest beruflich, obwohl ich durchaus den Eindruck hatte ... Aber vielleicht habe ich mich da getäuscht. Ich weiß nicht was über mich gekommen ist, als ich mich von dir verabschiedet habe. Es tut mir leid wenn ich bei dir damit etwas erweckt habe, was man besser nicht wecken sollte. Mein Fehler, sorry“, entschuldigte er sich.
Für einen Augenblick war Phoebe völlig verwirrt. Eine Entschuldigung hatte sie nicht erwartet und erst recht nicht eine Entschuldigung dafür. Wenn sie ganz ehrlich war, so verletzte es sie nun sogar, dass er sich dafür entschuldigte. Und was hieß hier, was man besser nicht wecken sollte? Wie eingebildet war der Kerl eigentlich?
Aber es war besser so, auf jeden Fall. Es war besser wenn er aus ihrem Leben verschwand. Und aus Vickys Leben. Trotzdem gab es etwas was sie ihm unbedingt sagen musste, damit er sie nicht für verantwortungslos hielt.

„Mikko, es war dumm nicht den Rettungswagen zu rufen“, gab sie zerknirscht zu. „Das sollte man in so einem Fall tun, das weiß ich, aber Vicky hat mir anvertraut, dass man ihr für einen Monat wegen hoher Geschwindigkeitsüberschreitung den Führerschein abgenommen hat. Sie hätte gar nicht fahren dürfen. Daher wollte sie weder Krankenwagen noch Polizei. Und ich habe eingewilligt, weil, sie nicht weiter verletzt war. Das war falsch, aber ...“
Mikko schnaufte nur. Ja, es war dumm gewesen denn die Gesundheit sollte immer Vorrang haben, das wusste er, doch auch er war schon mehr als einmal in der Zwickmühle gewesen was solche Entscheidungen betraf, daher konnte er auch Phoebes Entscheidung nachvolziehen. Außerdem zeigte es, dass Loyalität für Phoebe kein leeres Wort war und das bewunderte er. Moment! Phoebe Virtanen bewundern? Er runzelte die Stirn.

Wie zwei Fremde saßen sie im Wartezimmer, möglichst weit voneinander entfernt. Mikko hatte die Arme vor der Brust gekreuzt und ließ den Kopf leicht nach vorne hängen. Die Augen hatte er geschlossen, wie Phoebe nach einen schnellen Blick in seine Richtung feststellte. Na, der Kerl hatte ja Nerven! Da fuhr er einfach in das Auto ihrer Schwester und saß nun hier, als ginge es ihn überhaupt nichts an. Phoebe ließ absichtlich ihre Handtasche auf den Boden fallen was den gewünschten Effekt brachte, dass Mikko zu ihr hinübersah.

„Schwächanfall?“, gähnte er.

„Wünsche wohl geruht zu haben!“ Mikko stand auf, ging zu ihr hinüber und setze sich auf den Stuhl neben sie.

„Wahrscheinlich hältst du mich für kaltherzig Phoebe, aber das bin ich nicht. Ich bin ...“ Abrupt brach er ab, sah sie aber trotzdem an.

„Mikko, was?, sprich weiter“, kam sofort die Psychologin in ihr zum Vorschein. „Es wird dir gut tun. Was bist du?“ Seine Augen huschten über ihr Gesicht.

„Ich bin hungrig, sonst nichts. Gibt es hier auch etwas zu essen? Bestimmt haben die einen Kiosk.“ Fast schon panisch sprang Mikko auf und verließ fluchtartig das Wartezimmer. Draußen atmete er erst mal tief durch.
Dieses warme Gesülze war ja nicht zum aushalten! Es wird dir gut tun ... Ein Vodka würde ihm gut tun! Hätte er sich doch nicht von Riku dazu überreden lassen diese Einladung anzunehmen. Nun saß er hier für ein paar Tage fest und auch das nur, weil Riku ihn mehr oder weniger dazu zwang. Klar, er könnte sich auch entgegen Rikus Bitte aus dem Staub machen, aber es wäre unprofessionell und das war er nicht. Er war der Manager der Band und auch wenn er ihnen derzeit kein Vorbild bot so sollte er sich nicht vor einem von ihnen zum Idioten machen. Schließlich hatte er es Riku zu verdanken, dass er nach dieser Motorölmahlzeit überhaupt noch unter den Lebenden weilte.
Aus den Augenwinkeln vernahm er eine Gruppe von fünf, sechs Frauen – so genau konnte er es nicht ausmachen –  die sich flüsternd unterhielten und ihm immer wieder Blicke zuwarfen. Schnell wandte Mikko sich ab als eine von ihnen auf ihn zuging.

„Hallo, dürfte ich Sie mal etwas fragen?“ Mikkos Gesicht verfinsterte sich.

„Keine Zeit, bin spät dran.“ Zügig ging er weiter ohne sich um diese Leute zu kümmern.

„Sie ... Sie sind doch Mikko Saukkonen, nicht wahr? Der Manager von Sunrise Avenue.“ Die junge Frau hatte ihn inzwischen eingeholt.

„Sehe ich etwa so aus wie dieser Manager?“, bellte er unfreundlich. „Na also!“
Er betrat den Eingang und hörte gerade noch wie die junge Frau ihren Freundinnen zurief:

„Logisch, das war er!“

So langsam begann sich Mikko zu fragen wer er eigentlich war. Was war übrig von dem Mikko der er mal gewesen war? Von dem Mikko der er eigentlich sein wollte. Was hatte Jessi zerstört? Was hatte sie mitgenommen? Was war noch übrig?
Da waren eindeutig noch Gefühle in ihm, Gefühle die er nicht gerne zeigte. Nicht einmal sich selbst.
Er waren noch keine zwanzig Meter gegangen, als die attraktiven Virtanen-Schwestern seinen Namen riefen. Mikko drehte sich um. Zweifelsfrei kam Vicky der Vorstellung seiner Traumfrau stärker entgegen, dennoch es war Phoebe an der sein Blick hängen blieb.

„Sieh dir an was du angerichtet hast!“, bekam er auch gleich von ihr zu hören. Eine richtige Zornesfalte hatte sich auf ihrer Stirn gebildet. „Vicky muss wegen dir eine Halskrause tragen!“
Da Mikko nichts erwiderte fuhr Phoebe fort: „Findest du das gut?“

„Finde ich nicht, nein, aber Unfälle passieren. War blöd, ja, aber ich bin gerne bereit Vicky dafür zu ... entschädigen.“
Bei diesen Worten sah Phoebe rot. Sie sah aus, als stünde sie kurz vor einer Explosion und Mikko genoss es zu sehen, dass sie ihm am liebsten einen Spruch um die Ohren gehauen hätte den sie sich jetzt nur deshalb verkniff, weil Vicky neben ihr stand. Mit hoch erhobenem Kopf ging sie voran, gefolgt von Vicky die nach Mikkos Arm griff. Als Phoebe den Wagen aufschloss entging ihr der Anblick natürlich nicht und abermals begannen ihre Augen aufzublitzen.

„Vicky, steig ein.“ Vorsichtig half sie ihrer Schwester in das Auto und schlug die Tür zu, dann sah sie auf. „Wage es nicht Vicky zu entschädigen“, zischte sie ihn leise an, „sonst bekommst du es mit mir zu tun!“

„Nichts liegt mir ferner als deinen Unmut auf mich zu lenken, kleine Hexe“, erklärte er seelenruhig.

„Nenn mich nicht Hexe!, ich ...“

„Rotschopf?“ Lässig wickelte er sich einen Kaugummi aus und schob ihn in den Mund. „Auch einen?“ Fragend hielt er ihr das Päckchen entgegen.

„Nein! Ich hoffe, das Zeug verklebt dir die Klappe! Im Übrigen heiße ich Phoebe und so möchte ich auch genannt werden!“
Amüsiert registrierte Mikko wie sie mit dem Schuh aufstampfte.

„Fibsi?“, versuchte er es nun.

„Nicht von dir, nein. Es bleibt es bei Phoebe verstanden?“

„Können wir jetzt fahren?“

„Ich warne dich Saukkonen ...“

„Schon wieder?“

„... treib es nicht zu weit!“
Mikko, der die Hand schon am Griff der Beifahrertür hatte ließ los, legte die Unterarme auf das Autodach und sah Phoebe so intensiv mit seinen alles durchdringenden Augen an, dass Phoebes Herzschlag sich mächtig beschleunigte.

„Wie weit darf ich es denn treiben Phoebe Virtanen?“, flüsterte er grinsend.

„Weißt du was dein Problem ist?“, hauchte sie ebenso leise zurück, „du bist in deinem Stolz verletzt, das ist alles! Wie kann deine Frau es nur gewagt haben einen so großartigen Kerl wie dich zu verlassen? Du vereinst doch schließlich alles was eine Frau sich wünscht.“ Der beißende Spott in ihrer Stimme war unüberhörbar. „ Attraktivität, Erfolg, Reichtum ...“

„Danke für die Analyse meiner Person, aber da erzählst du mir nichts Neues.“

„Eingebildeter Fatzke!“

„Kenne ich auch schon. Fahr lieber los bevor deine hübsche Schwester Schimmel ansetzt.“ Mit diesen Worten zog er die Tür auf. „Übrigens, mit entschädigen meinte ich eine Entschädigung finanzieller Natur und nicht Sex, so wie du es offenbar aufgefasst hast“, ließ er sie wissen bevor er sich auf dem Beifahrersitz niederließ.

Phoebes Beine zitterten als sie in den Wagen einstieg. Als Psychologin war sie so einiges von ihren Patienten gewohnt und es machte ihr Spaß sich mit der Psyche der Leute auseinander zusetzen, aber was bitte ging bloß in Mikko Saukkonens Hirn vor sich?
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