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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
17.09.2021 2.472
 
Hi,

mit einem Dankeschön an die Reviewer geht es nun weiter.
Meinungen dazu wären natürlich echt toll.
Danke.

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 6:   Lass mich in Ruhe!


„Komm, Riku“, forderte Jaro ihn auf, „nehmen wir im Wohnzimmer noch einen Drink zu uns.“

„Danke, für mich aber bitte ein Wasser“, erbat sich Riku während er sich setzte.

Jaro schenkte Riku ein Glas Mineralwasser ein und füllte etwas Cognac in einen edlen Schwenker. „Was weißt du?“

„Du meinst wegen Mikko und Jessika?“ Riku überlegte ein wenig. „Mikko spricht nicht darüber. Alles was ich weiß ist das, was für jeden offensichtlich ist. Mikko hat Jessi geliebt und sie haben sich auseinandergelebt ohne es wirklich zu merken. Und dann war es wohl zu spät. Jessi hat sich in einen anderen Mann verliebt, Ende der Story. Mikko ist keine leichte Kost, vielleicht war Jessi es leid sich das anzutun, ich weiß es nicht. Sie hatte sich das Leben erträumt das sie mit ihm hatte, doch irgendwann ... Ich weiß nicht was wirklich dahinter steckt. Da war mal die Rede von Kindern die Mikko noch nicht wollte, vielleicht war das für Jessi wichtiger als er dachte. Ich denke, da kam eins zum anderen.“ Nachdenklich schaute er in sein Glas. Er war sehr gut mit Mikko befreundet und es fiel ihm nicht leicht über das Ende dieser Ehe zu reden, dazu fühlte er zu sehr mit dem Bandmanager.

„Was ist mit Jessi?“, hakte Jaro nach, schwenkte das Glas in seinen Händen hin und her und hielt es prüfend gegen das Licht.

Ratlos zuckte Riku mit den Schultern. „Sie war immer für ihn da, mehr kann ich eigentlich nicht sagen. Die Beiden haben sich ihre Freiheiten gelassen. Jeder hat sein eigenes Ding durchgezogen und der Andere hat das akzeptiert.“

„Andere Partner?“, erkundigte sich Jaro interessiert.

„Nein! Himmel, nein!“ Entsetzt schüttelte Riku den Kopf. „Nicht von Mikkos Seite aus, bestimmt nicht! Er ist schönen Frauen gegenüber sicherlich nicht abgeneigt, aber soweit wäre er nie gegangen, dazu liebte er Jessi viel zu sehr. Und Jessi ... nein, aber sie hat sich eben irgendwann in jemanden verliebt, irgend so einen schwedischen Gestütsbesitzer. Es war die grausame Realität an der die Beiden gescheitert sind.“ Jaro nickte.

„Sozusagen der Sturz aus der Traumwelt. Riku, er muss unbedingt darüber reden.“

„Darüber reden? Mikko? Über Privates?“ Riku lachte auf. „Du kennst ihn nicht. Willst du wissen welchen Satz ich in all den Jahren immer wieder aus Mikkos Mund gehört habe? Ihr könnt mit mir über a l l e s reden, nur nicht über das was euch nichts angeht, nämlich mein Privatleben. Soviel zum Thema  Reden.“

„Und seine Familie?“, bohrte Jaro weiter. Er nahm einen Schluck von seinem Rémy Martin und schloss dabei für einen Augenblick genussvoll die Augen.

„Auf seine Familie lässt er nichts kommen“, erzählte Riku weiter. „Mikko hat ein wirklich gutes Verhältnis zu seiner Mutter und seinem Bruder. Sein Vater lebt schon seit Jahren nicht mehr. Doch wie gesagt, mit seinem Bruder versteht er sich ausgezeichnet, ebenso mit seiner Schwägerin, aber er ist einfach nicht der Typ der jetzt zu seiner Familie rennt und sich ausheult. Und ich glaube auch nicht, dass er es zulassen wird das jemand ernsthaft in seinem Seelenleben herum kramt. Wir kennen Mikko, wissen wie er ist und akzeptieren das. Ach Jaro, er tut mir so leid. Es muss hart für ihn sein, dass sie ihn wegen eines andern Mannes verlassen hat. Sie hatte ihm gelobt alle Wege mit ihm zu gehen und dann das.“ Jaro stellte sein Glas auf den Wohnzimmertisch während er sich auf der weichen Couch nieder ließ.

„Ja, so sollte es wenigstens sein. Mikko und seine Frau sind wohl nicht die Ersten die die bittere Erfahrung machen müssen, dass ein Versprechen häufig nur aus Worten besteht und nicht aus Taten.“

Riku nahm einen tiefen Schluck von seinem sprudelnden Wasser. „Und an was soll man dann bitte glauben, wenn nicht an die Worte? Woran Jaro? Woran?“ Jaro lehnte sich zurück, sodass sein Gesicht nun im Halbschatten lag.

„An die Liebe Riku, man kann nur an die Liebe glauben.“

„Tolle Worte Jaro, Respekt, aber mit so etwas brauchst du Mikko nicht zu kommen. Bei dem Wort stellen sich seine Ohren automatisch auf Durchzug. Er will das nicht hören“, schüttelte Riku den Kopf.

„Ja, das kann ich mir vorstellen, aber weißt du Riku ...“ Jaros Augen wanderten an die gegenüberliegende Wand wo ein Bild von Nicola hing. „Etwas zu hören und es trotzdem nicht hören zu wollen, das sind zwei verschiedene Paar Schuh. Mikko kann noch so ablehnend auf Worte reagieren, auch er kann nicht verhindern, dass sie sich in seinem Gehirn festsetzen. Einigen Menschen fällt es schwer sich diesen Gedanken zu entziehen, sie wollen auch reden, andere blocken sie ab, verdrängen sie, aber sie sind trotzdem da. Irgendwann brechen sie immer heraus, glaub mir.“

„So wie eben bei Mikko? Es ist ja ganz offensichtlich, dass er sie vermisst.“

„Genau so“, bestätigte Jaro. „Aber natürlich bringt es nichts ihm alles mit besoffenem Kopf zu entlocken, er muss bewusst darüber reden, sonst kann er damit nicht fertig werden. Ich wollte nur hören, ob das wirklich die richtige Richtung ist. Riku, lass dir etwas einfallen damit ihr nicht schon morgen zurückfahren müsst. Erzähle Mikko, da wäre etwas mit deinem Auto und ihr müsstet noch einen Tag länger bleiben. Ich würde ihn zu gerne noch ein wenig beobachten.“
Verdutzt stellte Riku sein Wasserglas beiseite.

„Ich soll auch hier übernachten? Eigentlich wollte ich gleich fahren und Mikko könnte morgen den Zug nehmen. Ich habe doch kein Alkohol getrunken, damit ich noch fahren kann.“

„Dann habe ich eine gute Nachricht für dich Riku: jetzt kannst du dich besaufen.“ Riku nahm erneut sein Glas zur Hand und trank den Rest seines Wassers zügig aus.

„Und jetzt bitte Cognac! Na dann ... Happy birthday Jaro!“

                                                                        *

Okay, er war nicht besoffen, aber zum Autofahren war er definitiv nicht mehr fähig. Riku wankte zu dem Gästezimmer hinüber in dem bereits Mikko den Schlaf der Gerechten schlief. Jaro kam hinterher, eine Luftmatratze hinter sich herziehend die zuvor unter viel Gelächter von Riku und ihm aufgepustet worden war. Riku öffnete die Tür, verzichtete aber darauf das Licht anzumachen. Mikko konnte ja so verdammt unleidlich werden, wenn man ihn in seinem Schlaf störte. Jaro brachte ihm noch Kopfkissen und Decke, dann zog sich Riku bis auf T-Shirt und Calvin-Klein-Unterhose aus und kroch unter die Decke. Nicht super bequem, aber für eine Nacht würde es gehen.
Obwohl Mikko schlief hörte Riku wie er sich immer wieder unruhig herum warf. Manchmal murmelte er sogar etwas vor sich hin, aber es war zu undeutlich, als dass Riku es hätte verstehen können.
Als er am Morgen erwachte schlief Mikko noch. Kein Wunder, er lag ja auch in einem super bequemen Bett während er selbst das Gefühl hatte ihm würde sein Rücken gleich durchbrechen. Stöhnend richtete Riku sich auf, krabbelte von der Luftmatratze. Nach ein paar Versuchen gelang es ihm tatsächlich sich in eine stehende Position zu begeben.
„Ohhh ... Gott im Himmel ...“ Stöhnend drückte er sein Kreuz durch.

„Lass mich in Ruhe!“, kam es aus dem Bett.

„Mit dir habe ich gar nicht geredet!“, raunzte Riku zurück.

„Gut“, brummte Mikko und zog sich das Kissen über den Kopf. Kopfschüttelnd verließ Riku den Raum. Nachdem er im Bad fertig war ging er Richtung Küche. Jaro saß zusammen mit Vicky am Frühstückstisch und trank Kaffee. „Guten Morgen, ihr Beiden.“

„Morgen“, kam es zweistimmig zurück. „Kaffee?“

„Gerne“, freute sich Riku. Vicky hatte vom Bäcker frische, knusprige Brötchen und herrlich duftende Croissants besorgt, sodass Riku das Wasser im Munde zusammenlief. In dieser gemütlichen Runde und bei dem herrlichen Essen ließ sich Riku auch gerne zu einem Frühstück überreden. Sie waren gerade fertig, als Mikko auftauchte.

„Morgen.“ Seine Stimme war rau, hatte einen leicht heiseren Klang, die Augen waren noch ganz klein und verschlafen.

„Hi Mikko. Frühstück? Kaffee?“, bot Jaro ihm an.

„Kaffee, ja. Danke.“ Er nahm die Tasse entgegen. „Trinke ich im Garten.“ Mit diesen Worten verschwand er wieder. Nach einigen Minuten ging Riku Mikko hinterher, der bereits bei einer Zigarette angelangt war. Eine Weile standen sie schweigend nebeneinander.

„Gut geschlafen?“, begann Riku das Gespräch.

„Ja.“

„Weißt du eigentlich, dass du im Schlaf redest Mikko?“ Mit langsamen Schritten ging dieser auf eine Sitzgruppe aus Holzstühlen zu und ließ sich auf einem von ihnen nieder.

„Ja.“

„Wie, ja?“

„Ja, ich weiß es. Hat mir Jessi schon vor langer Zeit gesagt.“ Mikko schob die Beine von sich, sah Riku auffordernd an. „Habe ich dich wenigstens gut unterhalten?“

„Du nuschelst. Da war nichts zu verstehen.“

„Dann wars wohl auch nicht für deine Ohren bestimmt. Wann fahren wir?“

„Hör mal Mikko ... Also, es ist so, ich wollte den Wagen vorhin direkt vor das Haus fahren, und da habe ich gemerkt, dass etwas mit den Bremsen nicht stimmt. Jaro hat da jemanden an der Hand der das checken will, aber der hat erst heute Nachmittag Zeit.“

„Super“, brummte Mikko. „Dann sitzen wir hier also fest?“ Mit einer unwirschen Handbewegung brachte er seinen Unmut zum Ausdruck.

„Nun tu nicht so, als sei dies ein Knast. Lass deine Seele einfach mal baumeln, entspanne dich.“

„Ja, sicher.“ Mikko schloss die Augen, wandte sein Gesicht der Sonne zu und schob sich die Sonnenbrille auf die Nase herunter. Mikko hörte wie Riku sich entfernte, blickte aber nicht hinterher. Kurz darauf merkte er, dass sich jemand auf dem Stuhl neben ihm niederließ. Der Duft verriet ihm, dass es sich um Vicky handeln musste, trotzdem blieb er reglos sitzen.

„Nicht erschrecken“, sprach Vicky ihn schließlich an, nachdem sie sich die Zeit genommen hatte ihn ausgiebig zu betrachten. „Ich bins nur.“

„Ja, ich weiß.“

„Hellseher?“, scherzte Vicky.

„Siebter Sinn“, entgegnete Mikko trocken und und schob kurz die Sonnenbrille hoch, bevor er sie wieder auf seine Nase sinken ließ.

„Ich habe gehört Rikus Auto macht Zicken“, nahm Vicky das Gespräch wieder auf.

„Habe ich auch gehört.“ Einen Moment lang zögerte Vicky.

„Wenn du magst kann ich dir ein wenig von der Umgebung zeigen, es ist hier sehr schön.“ Mikko wandte ihr den Kopf zu und musterte sie einen Augenblick lang durch seine Sonnenbrille. Vicky war das sehr unangenehm, weil sie seine Augen nicht sehen konnte. In den Gläsern spiegelte sie sich nur selbst wieder, der Rest seines Gesichts zeigte keinerlei Regung, sodass sie nicht mal annähernd erahnen konnte, was er nun dachte.

„Einverstanden“, kam es schließlich von ihm. Erleichtert erhob sie sich. Er war seltsam, undurchschaubar, aber gerade das machte ihn reizvoll. Alles was sie über ihn hatte herausfinden können war die Information, dass er ein brillanter, aber menschlich schwieriger und eiskalter Manager war. Er war verheiratet, Gerüchte besagten jedoch, dass die Ehe vor dem Aus stand, was Riku auch bestätigt hatte. Und seinen Ehering trug er auch nicht mehr, soviel hatte sie schon feststellen können. Mit langsamen Schritten folgte er ihr. Kaum, dass sie zehn Meter hinter sich gebracht hatten, blieb Vicky stehen. „Wir können uns auch da drüben in den Schatten setzen und ein wenig reden“, schlug sie vor.

„Reden? Gut, ja, reden wir.“ Sie gingen zu der Stelle, dann ließ er sich im Gras nieder. Vicky setzte sich zu ihm. Ihr Blick glitt über seine Unterarme auf denen Tattoos prangten. War er tatsächlich so mürrisch wie alle behaupteten, oder war das nur Fassade? PR, ein erschaffenes Image damit er interessanter wirkte und das es nun zu verteidigen galt?

„So etwas gefällt dir?“, zeigte sie auf seine tätowierten Arme.

„Hätte ich sonst diese Tattoos?“

„Nein Mikko, wahrscheinlich nicht“,  gab sie zu. „Warum bist du so knurrig? Das passt nicht, dein Name hört sich doch so nett an“, flirtete sie, „so freundlich.“

Er zuckte die Schultern. „Ich hieß schon immer so, vom ersten Tag an, dafür kann ich nichts. Meine Eltern hätten mich wohl besser Harras genannt.“
Sollte das ein Witz sein? Vicky war sich nicht sicher.

„Mikko, könntest du deine Sonnenbrille abnehmen? Wir sitzen hier im Schatten und ich fühle mich unsicher wenn ich deine Augen nicht sehen kann“, bat sie ihn.

„Mit einem gemurmelten: „Entschuldigung“, nahm Mikko seine Sonnenbrille ab. „Meine Augen ...“

Vicky hielt kurz die Luft an. Seine Augen, dazu musste man nicht viel sagen. Seltsam undurchdringlich. Und doch schienen sie durch sie hindurchzuschauen. Schnell wandte sie den Blick ab.

„... sie entzünden sich leicht“, fuhr Mikko fort. „Ich mag kein grelles Licht.“

„Verstehe.“ Vielleicht war es auch besser wenn er die Sonnenbrille auf behielt, diese Augen verunsicherten sie noch mehr als alles andere in ihrem Leben passierte.

„Und? Schon Patienten?“, erkundigte er sich.

„Noch nicht. Es sei denn, du würdest dich zur Verfügung stellen.“ Leise lachte er auf.

„Ich würde dich sehr gerne massieren.“ Ihre Hand legte sich auf seinen Arm während sie ihn anlächelte.
War da nicht der leichte Geruch von Schwefel? Ihre Stimme hatte auf jeden Fall einen verruchten Klang, auch das helle Braun ihrer Augen war um einige Nuancen dunkler als gewöhnlich und löste ein unangenehmes Kribbeln in seiner Magengrube aus.
„Ich vermute, du behältst viele Sachen für dich, richtig? Der stille Genießer sozusagen.“ Ihre Fingerspitzen fuhren sanft die Konturen eines seiner Tattoos nach.

In gewisser Weise hatte sie Recht, es wäre ihm nie in den Sinn gekommen über sein Liebesleben zu plaudern, weder über das was er vor Jessi gehabt hatte, und erst Recht nicht über das mit ihr, so gesehen war er schon ein stiller Genießer, aber was er über andere Dinge dachte konnte durchaus jeder wissen. Man musste ihn eben nur fragen. Und wer die Antwort dann nicht vertrug, der hatte Pech.

Würde man ihn nun über seine Meinung zu Vicky befragen, so würde diese lauten: Sexy und wahnsinnig nett. Aber genau das war auch seine Meinung von Jessi gewesen. Viele Jahre lang. Ein Fiasko reichte. Er sehnte sich noch immer nach ihr, trotz ihrer bitteren Trennung. Hatte sie womöglich mit ihm gespielt? Sein Verstand weigerte sich nach wie vor das zu glauben. Es musst anders sein. Ja, es war anders, denn nicht sie hatte mit ihm gespielt, es war das Leben, das mit ihnen gespielt hatte.

„Viiiiickyyyyyyyyyy!“

„Ja! Ich bin hier!“ Wie gestochen sprang Vicky auf und lief der Frau entgegen die sich ihnen winkend näherte. „Du unzuverlässiges Ding!“, schrie Vicky fröhlich, „warum kommst du erst heute? Wir haben dich schon gestern erwartet!“
Ein Lachen ertönte und Mikko blinzelte ein wenig ins helle Licht des Sonnenscheins.
„Komm, ich möchte dich jemandem vorstellen!“ Fröhlich fasste Vicky die Frau am Arm und zog sie hinter sie sich her. „Darf ich bekannt machen: Mikko Saukkonen. Mikko, das ist meine große Schwester.“

„Sieh an, sieh an, so sieht man sich also wieder. Hallo.“ Sie nahm sich ihren Strohhut vom Kopf und sofort kam eine rötliche Lockenmähne zum Vorschein. Mikko sprang auf.

„Frau Vir...tanen ... Phoe...be ...“, stotterte er.
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