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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
05.12.2021 2.336
 
Hi,

willkommen zum letzten Kapitel.

An Miwi, SunriseAve66, Koersi und Krokodil30ein herzliches Dankeschön für eure Reviews zum letzten Kapitel.
Danke an alle die favorisiert und mitgelesen haben.
Auch vielen Dank für die Sternchen die allesamt nach den ersten Kapitel kamen.
Schade, dass der (anstrengende) Verlauf bei euch nicht so angekommen ist wie ich es mir gewünscht hätte. Ich hoffe ihr bleibt mir trotzdem treu und vielleicht kann ich mit meiner neuen Story überzeugen die so ganz anders ist ...

Nochmals Danke und e wäre toll wenn ihr zu diesem Ende eine Meinung habt.

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 21:     Ist das zu viel verlangt?


Mikko räusperte sich. „Du bist ein Mensch der einen fordert, das mag ich. Ich brauche kein Püppchen das zu allem Ja und Amen sagt. Und zu streiten finde ich zuweilen auch ganz reizvoll, aber es sollte berechtigt sein. Du, Phoebe“, richtete er seinen Zeigefinger auf sie, „denkst nicht mal einen Moment darüber nach, ob auch der andere Recht haben könnte. Du siehst nur deinen Standpunkt und unwillkürlich ist der richtig.“ Mikko ließ den Finger wieder sinken, rechnete damit, dass Phoebe wieder gegenschießen würde, aber sie hielt den Mund, sah ihn nur an. „Natürlich habe ich auch gerne Recht“, gab Mikko zu, „aber ich kann auch einen Fehler zugeben. Und ja, es war ein Fehler mich in etwas Neues zu stürzen bevor ich die Scheidung hinter mir habe, bevor ich das alles verdaut habe. Es geht nicht gegen dich persönlich wenn ich von einem Fehler spreche, das solltest du wissen. Das alles hätte ich langsamer angehen müssen, aber da war eben diese unglaubliche Anziehungskraft die du auf mich ausgeübt hast. Und deine widerspenstige Art hat ihr Übriges getan, es hat sozusagen meinen Jagdinstinkt geweckt.“
„Du hast von einer Chance für uns gesprochen“, meldete Phoebe sich jetzt doch zu Wort. Mikko konnte das Zittern ihre Stimme hören, die Unsicherheit die tief in ihr wohnte und die sie stets durch ihre aufbrausende Art zu verstecken versuchte.
„Ja, das habe ich. Ich sehe eine Chance darin, dass ich Hilfe bei einem Psychologen suchen werde. Das mit Jessi muss ich erst verarbeiten. Ebenso das was zwischen uns beiden passiert ist und dem was Vicky getan hat.“ Mikko fühlte, wie er innerlich ganz ruhig wurde. Er hatte seine Entscheidung getroffen und davon gab es kein Zurück, egal wie Phoebe nun reagieren würde.
„Ist das alles?“
„Nein, das ist meine persönliche Chance, aber sich sehe auch eine Chance für uns. Ich sehe sie darin, dass du auch zu dem bereit ist was ich machen werde, nämlich zu einem Therapeuten zu gehen. Ich weiß, du bist selbst Psychologin und vielleicht bist du auch eine gute Psychologin wenn du nicht in die Geschichte des Menschen involviert bist, aber das bist du bei uns beiden nun mal. Und bei Vicky sowieso. Dein schlechtes Gewissen  ihr gegenüber, das hat doch mit dem Tod eurer Mutter den Anfang genommen. Wenn wir uns die Chance erhalten wollen noch mal ganz von vorne anzufangen, dann nur, wenn du meine Bedingung akzeptierst. Macht meinetwegen eine Familientherapie um den Tod eurer Mutter aufzuarbeiten, es würde euch allen helfen. Vielleicht kannst du dich dann auch mal bei einem Mann fallen lassen, denn  das ist etwas was du nicht kannst, weil ein Teil in dir immer auf  Abwehr ist, bereit denjenigen anzugreifen der dir seelisch zu nahe kommen könnte. Sag mir nur, ob du dazu bereit bist“, griff er jetzt nach ihrer Hand. „Nein, nicht nur bereit, versprich es mir! Kein Kontakt für die nächsten drei Monate, dann können wir telefonieren und darüber reden, ob wir noch an einem  uns interessiert sind.“ Mikko atmete tief durch. „Tja, das ist das was ich dir sagen wollte. Ist das zu viel verlangt? Phoebe, nun bist du dran. Rede jetzt mit mir oder schick mich fort, aber wenn du mich fortschickst, dann wird es für immer sein.“

                                                                                 *

„Hallo Onkel Mikko!“
„Na, ihr beiden Racker. Wie geht es es euch?“ Er setzte sich an den Esstisch der Rajamaas an dem Rikus Töchter saßen und eifrig Tuschebilder malten. Laura. Rikus Frau, hatte ihn hereingelassen.
„Ich hole dann mal Riku, bin gleich wieder da.“ Mit diesen Worten verschwand Laura, um ihren Mann aus seinem Musikzimmer zu holen.
Gitarrenklänge drangen aus dem Raum und Laura lauschte für einen Moment dem Spiel.  Er war ein großartiger Musiker, er liebte nicht nur die Musik, nein, er lebte sie. Leise öffnete Laura die Tür. Riku saß auf einem Stuhl, hatte die Augen geschlossen und war dermaßen in sein Spiel vertieft, dass er ihr Eintreten gar nicht bemerkt hatte.
„Riku? Riku!“ Er öffnete die Augen, lächelte als er sie entdeckte. „Riku, Mikko ist da, er möchte unbedingt mit dir reden.“
„Okay, ich bin sofort da.“ Riku kritzelte ein paar Noten auf ein Blatt Papier, dann stellte er die Gitarre beiseite und folgte seiner Frau.

„Mikko, welch Glanz in dieser Hütte“, neckte er ihn. „Schön, dich zu sehen.“ Er ließ sich nicht anmerken wie sehr ihn Mikkos Aussehen erschreckt hatte. Mikko wirkt müde, zerschlagen und kaputt, anders als nach der unmittelbaren Trennung von Jessi, aber nicht weniger besorgniserregend.
„Gehen wir auf die Terrasse? Möchtest du einen Kaffee? Oder etwas anderes?“
„Alles gut“, winkte Mikko ab, „lass uns nach draußen gehen.“ Die beiden Männer setzten sich und Riku musterte seinen Freund sehr intensiv. „Mikko, ich will nicht drum herum reden, aber wenn ich dir sage, dass du beschissen aussiehst ist das noch schmeichelhaft für dich.“
„Mir ging es auch schon mal besser“, gab Mikko zu, „aber ich glaube trotzdem, dass ich eine richtige Entscheidung getroffen habe. Und jetzt muss ich dir die ganze Geschichte erzählen, sonst werde ich verrückt.“

Staunend hörte Riku zu was Mikko zu berichten hatte.
„Die Phoebe die du da beschreibst die kenne ich eigentlich nicht so“, schüttelte Riku den Kopf. „Ja, schlagfertig war sie immer schon gewesen, auch als Kind, aber sie war nie gemein. Und das mit Vicky verschlägt mir ehrlich gesagt die Sprache. Ich gebe dir da übrigens unbedingt Recht, sie brauchen eine Familientherapie. Ich denke auch Jari ist durch Nicolas Tod aus der Bahn geworfen worden. Alle haben sich zusammengerissen, wollten nicht zugeben, dass sie Hilfe brauchen. Vielleicht haben sie sich auch besonders deshalb dagegen gewehrt, weil Jari Psychologe war und Phoebe das Studium gerade aufgenommen hatte. Jari hat nach Nicolas Tod übrigens aufgehört zu praktizieren, hat stattdessen Vorträge gehalten und an einem Buch geschrieben.“

Mikko schwieg nach Rikus Worten eine Weile. „Tja, vermutlich ist es verkehrt nach einem Schicksalsschlag so zu tun als sei alles gut. Es ist nichts gut, gar nichts. Und Phoebe ist zu einem Zeitpunkt in meinem Leben aufgetaucht als ich mir jeden Gedanken an Jessi verboten hatte, weil ich sie vergessen wollte. Aber das ist jetzt anderes. Ich habe begriffen, das Jessika immer ein Teil meines Lebens bleiben wird, also werde mich mit dem auseinandersetzen was zwischen ihr und mir passiert ist. Wenn ich damit durch bin, dann kann ich mir Gedanken um eine neue Beziehung machen, egal ob Phoebe die Frau an meiner Seite sein wird oder eine andere. Aber ich hoffe wir haben noch eine Chance, weil ...“ Mikko lachte kurz auf. „Der Sex mit ihr war sagenhaft. Aber jetzt weiß ich, dass das nicht alles ist.“ Riku atmete prustend aus.
„Du ahnst ja gar nicht wie sagenhaft froh ich bin, dass du zu dieser Erkenntnis gekommen bist. Das musstest du wohl alleine herausfinden, denn hätte dir das ein anderer gesagt dann hättest du abgeblockt und das Gegenteil getan.“
„Vermutlich“, stimmte Mikko zu. „Ich hoffe nur, dass Phoebe dazu bereit sein wird meine Bedingung zu akzeptieren. Sie hat mich nur mit ihren großen Augen angesehen und nach einer gefühlten Ewigkeit gefragt, ob wir uns Sonntagabend treffen können. Dann werden wir sehen, ob das ein Abschied für immer ist oder nur eine Trennung bis wird beide so weit sind das wir unsere Beziehung nicht mehr vermasseln, weil wir uns selbst etwas vormachen.“ Riku nickte.
„Das hört sich jedenfalls recht vernünftig an“, fand er. „Mikko, ich bin immer für dich da, egal wie schlecht du dich fühlst. Natürlich bist du es der ganz allein einen Fuß vor den anderen setzen muss, aber du hast Freunde die an deiner Seite sind und dich nicht fallen lassen. Halte bitte nicht an Phoebe fest wenn du Zweifel hast, denn wie du selbst schon gesagt hast, sich im Bett super zu verstehen reicht nicht für ein gemeinsames Leben. Du musst dir hundertprozentig sicher sein, dass sie die Frau ist die dich durch alle Lebensstürme begleiten kann, ebenso du dich als ihr Fels erweisen solltest.“
Mikko legte die Hand auf die linke Seite seiner Brust.
„Versprochen.“

                                                        *

Es ließ sich nicht leugnen, Mikko war aufgeregt. Immer wieder sah er unruhig zur Einfangstür. Machte einen langen Hals sobald jemand das Restaurant betrat in dem Phoebe und er sich verabredet hatten.
Endlich! Die rote Haarmähne war unübersehbar. Er eilte zu ihr, nahm ihr die schwarze Jacke ab und brachte sie an der Garderobe unter.
„Unser Tisch ist dort hinten ganz rechts.“ Er ließ Phoebe vorgehen. Sexy sah sie aus, auch wenn sie kaum Haut zeigte, aber der Hosenanzug den sie trug der betonte ihre aufregenden Kurven sehr gekonnt. Mikko zog ihr den Stuhl zurecht damit sie sich setzen konnten, dann nahm er selbst Platz. Erst nachdem sie ihre Getränke und das Essen vor sich stehen hatten wagte Mikko etwas direkter zu fragen und nicht nur Smalltalk zu betreiben, was sowieso noch nie sein Ding gewesen war. Wenn er nichts zu sagen hatte dann schwieg er für gewöhnlich, aber er wollte eben auch nicht, dass gleich ein Schweigen entstand, dass sie dann womöglich nicht mehr durchbrechen konnten.

„Hast du über das nachgedacht was ich vorgeschlagen habe?“ Schnell blickte er auf seinen Teller, beschäftigt sich damit ein Stück von seinem Rumpsteak abzuschneiden.
„Das habe ich, schließlich habe ich dir das versprochen.“
„Und? Interesse?“ Er schob sich das Fleischstück in den Mund.
„Ich sehe ein, dass du Recht hattest. Zudem hätte ich es besser wissen müssen, schließlich bin ich Psychologin, aber ich habe versagt und das auf ganzer Linie.“ Mikko schlucke. Mit so einer klaren Einsicht von ihrer Seite hätte er nicht gerechnet. „Vicky ist bereits in Behandlung, aber auch Papa und ich, wir ... Sogar Vincent hat sich bereit erklärt, obwohl er wohl noch der Normalste von uns ist“, verzog sie kurz das Gesicht in dem sie ihre Mundwinkel anhob. „Also ja, wir werden eine Familientherapie machen und ich werde auch Einzelstunden nehmen um herauszufinden wie ich zu der werden konnte sie ich geworden bin. Das rothaarige Biest“, fügte sie leise hinzu. Mikko schob seinen Arm über den Tisch, legte seinen Hand auf ihre.
„Du bist wahnsinnig temperamentvoll und sehr direkt, aber du bist kein Biest“, versicherte er.
„Oh doch. Zumindest war ich das, aber das soll sich ändern.  Ich will mich ändern. Mikko, ich denke darüber nach mich beruflich neu zu orientieren. Wo mein Weg mich hinzuführt das weiß ich noch nicht, aber auf jeden Fall fort aus Helsinki.“ Mikkos Hand wich zurück. „Heißt das, dass du uns nicht die Chance gibst von der ich gesprochen habe?“
Phoebe biss sich kurz auf die Lippen.
„Ich gebe uns die Chance zu Freunden zu werden, aber ein Paar ... Mikko, da ist zu viel passiert was zwischen uns stehen würde. Ein Streit wegen ... Keiner Ahnung, meinetwegen wegen nicht weg geräumten Geschirrs würde irgendwann eskalieren und wir würden uns Dinge an den Kopf werfen die wir eigentlich überwunden geglaubt hatten. Es war aufregend mit dir, aber du brauchst eine Frau die dich auch ohne Worte versteht und die Frau bin ich nicht.“
„Okay“, murmelte Mikko. Der feine Stich in seinem Herzen tat zwar weh, aber er zeriß ihn nicht. Eine kleine Wunde die wieder heilen würde. Irgendwann.

Gleich nach dem Essen verabschiedete sich Phoebe.
„Ich denke, es ist besser nun zu gehen. Ich zahle eben noch und dann ...“
„Halt, nein, ich lade dich ein“, widersprach er.
„Das musst du nicht.“
„Möchte ich aber. Bitte.“
„Also Gut. Vielen Dank Mikko. Und vielen Dank für alles andere. Deine Zärtlichkeiten und deine ehrlichen Worte die mich wachgerüttelt haben.“
Nachdem Mikko gezahlt hatten gingen sie gemeinsam zur Garderobe und Mikko half ihr in ihre Jacke. Noch einmal umarmten sie sich.
„Es tut mir leid Mikko, aber es ist besser so.“
„Ja, ich weiß.“ Und dann öffnete sie die Tür und verschwand. Nachdenklich stand Mikko da.

„Entschuldigung, es ließ sich nicht vermeiden, dass ich die Wort gehört habe“, sprach ihn eine weibliche Stimme an. „Irgendwann geht der Schmerz vorbei und irgendwann ist man dann offen für etwas Neues,  geben Sie nicht auf.“ Mikko wandte sich um und erblickte eine der Angestellten.
„Das hört sich nach Erfahrung an.“
„Oh ja. Hat über ein Jahr gedauert bis es bei mir soweit war“, erklärte sie.
„Und? Erfolg gehabt?“ Mikko lächelte die Brünette an.
„Ob ich meinen Mr. Right gefunden habe? Nein, noch nicht. Aber ich bin mir sicher eines Tages spaziert er hier herein. Wir werden uns in die Augen sehen und wissen, dass wir füreinander bestimmt sind.“ Mikkos Lächeln wurde noch breiter.
„Auf Wiedersehen ...“, er linste auf ihr Namensschildchen „... Sanja. Ich bin mir sicher, ich werde dieses Restaurant wieder besuchen. Bis dann.“
„ Auf Wiedersehen, bis dann“, grüßte auch sie.

Draußen schob Mikko die Hände in die Hosentaschen und ging langsam zum Parkplatz auf dem sein Auto stand. Er fühlte eine angenehme Wärme in sich.
Ja, er hatte noch viel zu verarbeiten und er würde sich die Zeit dafür nehmen. Aber wie Sanja schon gesagt hatte, er würde nicht aufgeben und auch für Neues bereit sein.
Irgendwann.



                                      *** ENDE***
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