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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
28.11.2021 2.010
 
Hi,

ich wünsche euch allen einen schönen 1. Advent. In dieser Zeit ist das vielleicht noch wichtiger als je zuvor, sich darauf zu besinnen wer und was uns wichtig ist.
Auch wenn es nicht immer einfach ist, denkt positiv.

Nun aber zu dieser Story die kurz vor dem Ende steht. Ich bedanke mich für die Klicks und für die Reviews von JayJillsKleineWelt, Miwi, Krokodil30 und SunriseAve66.
Dankeschön!

Liebe Grüße
Cat
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Kapitel 20: Du bist wie eine Schildkröte



Was jetzt? Hatte er überhaupt noch eine Chance? Mikko gelang es unbemerkt von Vicky sein Handy aus der Tasche seiner Hose zu ziehen während er mit aller Kraft gegen die Müdigkeit ankämpfte die wie eine Schlange durch seinen Körper kroch. Während ihm Vicky die Schuhe auszog stellte er sein Handy an, versuchte auf das Display zu sehen und tippte auf das Feld mit Phoebes Nummer.

„Ja?“, hörte er ihre verwunderte Stimme.

„Komm in dein Schlafzimmer, schnell!“

Vickys Kopf schoss hoch und schon wollte sie ihm das Handy aus der Hand reißen, doch Mikko schleuderte es fort und es flog, wie erhofft, durch das offen stehende Fenster. Mit einer Hand griff er tief in ihr Haar, um sich darin festzukrallen, dann schwanden seine Sinne und die Finsternis war sein Gast.

Als Mikko Saukkonen wieder zu sich kam fühlte er sich seltsam ausgeruht. – Und seltsam leer. Ein kurzer Blick und er wusste wo er sich befand und was geschehen war.
„Oh Gott“, murmelte er und setzte sich mühsam auf. Noch immer trug er seine Kleidung, das war schon mal beruhigend. Seine Hände ... Er befreite sie von ein paar langen Haaren, dann fuhr er sich mit den Fingern durch das kurze, dunkle Haar. Er konnte beileibe nicht sagen was zuletzt passiert war, aber es würde interessant sein das herauszufinden.
Draußen war es hell, folglich war der Abend und die Nacht vorbei. Seine Augen entdecken das nun geschlossene Fenster.  Es tat ihm wirklich leid sein Handy fortgeworfen zu haben, aber es war der einzige Weg gewesen. Hätte er das Gerät nicht fortgeworfen, dann hätte Vicky ihrer Schwester womöglich ein weiteres Lügenmärchen aufgetischt und ihr an seinem Handy Gott-weiß-erzählt. Vermutlich hatte sie es auch jetzt getan, aber wenn Phoebe ins Schlafzimmer gekommen war musste sie ja eigentlich gemerkt haben, dass er außer Gefecht gesetzt worden war. Seufzend erhob er sich und ging auf Socken bis zu Tür. „Phoebe?“, rief er in den Flur und ging weiter. „Phoebe, bist du da?“

Nun hörte er ein leises Schluchzen. Es schien aus dem Wohnzimmer zu kommen. Langsam schob er die Tür auf und entdeckte sie auf der Wohnzimmercouch. Sie saß zusammengekauert da, hatte die Beine eng an ihren Körper angezogen. Ihr Haar trug sie offen, die rote Mähne die in diesem Moment wie ein schützender Mantel wirkte, umhüllte ihre schmalen Schultern. Ihre Hände hatte sie dicht an ihrem Gesicht. Er konnte es nicht sehen, aber die Laute die von ihr kamen ließen auf Tränen schließen. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich neben sie.
Schweigen.

„Warum, Mikko?“, fragte sie ihn schließlich und ihre Stimme zitterte dabei wie ein zartes Blättchen im Wind. Was genau wollte sie jetzt von ihm wissen? Mikko runzelte die Stirn.

„Was genau willst du wissen? Erzählst du mir, was Vicky dir erzählt hat?“ Obwohl er um Lockerheit bemüht war verkrampften sich seine Finger ineinander und seine Atemzüge wurden vor Anspannung kurz und schwer.
Phoebe zögerte kurz bevor sie dann doch zu berichten begann.

„Nach deinen Worten und einem Krachen bin ich gleich in mein Schlafzimmer gerannt. Ich dachte mich trifft der Schlag, als ich dich da mit Vicky auf meinen Bett liegen sah. Sie schrie aus Leibeskräften und du ...  Ich dachte ...“ Phoebe verstummte.

„Was dachtest du?“, forschte Mikko mit scharfer Stimme nach, obgleich er sich sicher war die Antwort zu kennen, aber er wollte es aus ihrem Mund hören.

„Na ja, ich dachte, du ... und sie ... Und das du etwas vorhast was ihr nicht gefällt. Ich habe dich sogar angeschrien du sollst sie in Ruhe lassen, aber du hast sie nicht losgelassen. Ihr Haar war derart um deine Hände gewickelt, dass es unmöglich war euch zu trennen. Als ich Vicky von dir fortziehen wollte merkt ich, dass du gar nicht reagierst und die Augen geschlossen hattest. Dann erinnerte ich mich daran, dass du gesagt hattest ich solle schnell in mein Schlafzimmer kommen und da wurde mir klar, dass  du dringend Hilfe brauchst und nicht Vicky. Mein nächster Gedanke war so fürchterlich, dass ich ihn nicht aussprechen möchte.“ Phoebes strich sich an einer Seite das Haar hinter die Ohren, sodass Mikko ihr vom Weinen verquollenes Gesicht sehen konnte. „Das alles spielte sich innerhalb von Sekunden ab, ich hatte gar keine Zeit einen klaren Gedanken zu fassen. Mikko, deine Hände hatten sich so in Vickys Haar verkrallt, dass ich es ihr abschneiden musste. Ich habe zwar versucht es dir so gut es ging aus den Händen zu entfernen, aber solltest du da doch noch Haare finden, dann weißt woher sie stammen.“
Automatisch betrachtete Mikko seine Hände.

„Nein, nichts mehr da. Was passierte dann? Was hat Vicky gesagt?“
Phoebe atmete tief durch.

„Ich denke, die Wahrheit. Sie wollte sich an uns rächen. An dir, weil du nichts mit ihr anfangen wolltest, an mir, weil etwas zwischen uns beiden war. Dazu hat sie dich ins Schlafzimmer gelockt, angeblich um da in Ruhe mit dir reden zu können. In den Drink den sie dir gereicht hat, hat sie das Schlafpulver gemischt. Sie wollte mit dir im Bett liegen und es so aussehen lassen, als wenn ihr euch vergnügt, sie wollte, dass ich euch so erwische.“
Mikko nickte.

„Ja, das deckt sich mit dem überein was sie mir gesagt hat. Zum Glück, denn ich habe mit meinem letzten Fünkchen wachen Verstand  nach einem Ausweg gesucht. Aber weißt du, ich konnte die Augen kaum noch offen halten und ich wusste, dass du uns jetzt finden musst. Und mir war auch klar, dass Vicky nicht flüchten durfte. Sie hätte mir doch glatt eine übergebraten, um so meinen Knockout zu erklären und ich wäre der böse Junge gewesen, der ihr etwas antun wollte. Oh Mann, bin ich froh, dass alles gut ausgegangen ist und du mich nicht für den bösen Buben hältst.“ Erleichtert ließ er sich zurück sinken.

„Gut ausgegangen?“ Phoebe drehte ihm kurz ihr Gesicht zu. Ihre eindrucksvollen grün-braunen Augen waren rot unterlaufen und Mikko spürte das Verlangen in sich, sie in die Arme zu ziehen. Vielleicht hätte er es sogar gemacht, doch Phoebe sprang wie gestochen auf. „Mikko, weißt du was sie mir angetan hat? Sie ist meine Schwester! Wie konnte sie nur so etwas tun?, wie? Warum bloß?“, warum?“ Mikko erhob sich ebenfalls.

„Auch wenn es eingebildet klingen mag, aber deine Schwester Vicky steht voll auf mich. Sie will mich als ihren Lover. Aus welchem Grund das weiß ich nicht, das wirst du sie fragen müssen.“ Mikko trat vor Phoebe, berührte sanft eine ihrer roten Locken. „Ich habe nie etwas getan um sie zu ermutigen, das weiß du. Ich konnte es einfach nicht, weil ...“ Sein Blick der auf die Locke in seiner Hand gerichtet war wanderte jetzt auf ihr Gesicht, „...weil ich wusste, dass ich dich dadurch verlieren würde, Phoebe Alina Virtanen. Das möchte ich nicht. Ich kann dir keine ewige Liebe versprechen, das habe ich bereits einmal getan und das Vertrauen was mich dieses Versprechen gekostet hat ist mit Füßen getreten worden. Es ...“ Seine Augen fixierten sich auf ihren Mund, ... es geht mir nicht darum, dass ich nicht treu sein könnte, das kann ich, aber ich lasse mich nicht nochmal verletzen.“

„Du bist wie eine so eine Schildkröte.“

„Bitte?“ Sein Blick löste sich von ihren verführerischen Lippen, suchte nun ihre Augen und fand sie. „Man hat mich schon mit allen möglichen Bezeichnungen tituliert, oft auch mit Vertreten aus dem Tierreich, aber Schildkröte das ist wirklich was ganz Neues.“ Seine Stimme klang leicht amüsiert.

„Na, ist doch wahr!“, verteidigte sie ihre Meinung, „sobald man dir zu nahe kommt ziehst du dich in deinen Panzer zurück und lässt niemanden an dich heran.“

„Oh oh, das ist nicht wahr!“, wehrte sich Mikko. „Ich erinnere mich, dass ich dich sogar  sehr nahe an mich herangelassen habe.“

„Ja, körperlich, aber nicht innerlich! Da hältst du Abstand, lässt keinen an deine Seele heran.“

„Meine Seele“, erkläre Mikko, „sofern ich denn eine habe, gehört mir. Ich hasse es mein Innerstes nach außen zu kehren. Ich mag das nicht.“

„Ja, weil du Angst vor dem hast was du da entdecken könntest!“, bohrt sie ihm den Zeigefinger vor die Brust. „Zugeben, dass man dich auch verletzen kann, nein, das geht nicht! Du wärst ja nicht mehr der kaltschnäuzige Geschäftsmann! Mikko, so kommen wie nie auf einen Level.“

„Aber vielleicht so?“ Schon hatte er sich an sich gezogen und presste seine Lippen hart auf ihre.

„Mik...ko!“, keuchte Phoebe auf. Sie wollte sich wehren – oder doch nicht? Automatisch schlangen sich ihre Arme um seinen Hals und Mikko merkte wie ihr Widerstand immer mehr bröckelte. Genug. Fast schon brutal löste er sich aus diesem Kuss.

„Ich bin sicherlich kein Romantiker der dir Rosenblätter auf das Bett streut und dir tausendmal versichert, du seist die schönste Frau auf Erden, aber ich bin ehrlich. Du bist sehr hübsch, aber nicht mein Traumtyp von Frau, zudem bist du frech und widerspenstig, aber du bietest viel mehr als eine makellose Fassade. Bei Jessi habe mich davon blenden lassen und ich komme erst jetzt allmählich dahinter was wirklich schön ist. Du bist es, Phoebe, für mich. Ehrlicher kann ich nicht sein. Wenn dir das nicht reicht ...“

„Schhhhh...“, legte sie einen Finger auf seine Lippen. „Das alles tut mir leid. Du hast Recht mit dem was du gesagt hast, ich habe Vicky viel zu viel durchgehen lassen, aber ich musste doch das gutmachen was ich bei meiner Mutter versäumt hatte. Mikko, ich war nicht da als sie mich gebraucht hätte! Sie war krank, todkrank, aber ich hatte nur mein Studium im Kopf. Ja, sie wollte es so, aber das war nicht richtig. Ich hätte für sie da sein müssen, stattdessen war es Vicky mit ihren gerade 16 Jahren. Ich bin es Vicky schuldig, dass sie glücklich ist, denn durch meinen Egoismus habe ich ihr einen Teil ihrer Jugend genommen.“

„Okay“, kam es ruhig über Mikkos Lippen, „ich gebe zu, dass das jetzt verwirrend für mich ist, aber was ich weiß, das ist, dass du dir keine Vorwürfe machen musst. Ich wette ...“, wieder streichelte seine Hand durch ihr Haar, „dass deine Mutter wahnsinnig stolz auf dich wäre und ich bin mir auch sicher, dass sie das was Vicky getan hat, aufs Schärfste verurteilen würde. Ich bin maßlos wütend auf Vicky und wenn sie sich nicht entschuldigt werde ich sie ignorieren, auch wenn sie deine Schwester ist. Und du, Frau Psychodoc, solltest wissen wie du mit deiner Schwester umzugehen hast. Wo ist sie überhaupt?“
Phoebe löste sich aus Mikkos Armen.

„Ich habe meinen Vater angerufen und er hat sie abgeholt. Mikki hat mir geholfen damit sie nicht ganz abdreht, sie war nämlich nahe daran total auszurasten nachdem ich ihr die Haar abschneiden musste, nur weil deine Finger darin verwuselt waren. Ich wette“, Phoebe räusperte sich, „das wird sie dir noch weniger verzeihen, als dass wir zusammen sind.“
Hörbar zog Mikko die Luft ein.

„Sind wir das denn? Vielleicht ... “ Sein Mund verzog sich zu einem traurigen Lächeln, „vielleicht war es für uns einfach noch etwas zu früh.“

„Du willst das mit uns beenden?“ Langsam nickte er. Dann sah er Phoebes Gesicht, eine Traurigkeit in ihren Augen die ihm beinahe das Herz zerriss.

„Womöglich gäbe es noch eine Chance, aber selbst dann kann ich dir nicht garantieren, dass es klappt. Ich weiß nur, dass es eine Chance sein könnte. Eine Möglichkeit die von uns beiden allerdings viel verlangt.“ Ein Funke von Hoffnung leuchtete in den grün-braunen Augen auf.

„Und was wäre das?“, fragte sie leise. „Mikko, sag es mir, bitte!“
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Hi,

noch etwas Schleichwerbung ... Heute Abend startet eine neue (fertige) Story von mir, sie heißt: 'Der EINE und das Galway girl.' Lest gerne mal rein, ich hoffe sie wird euch gefallen ;)
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