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Wie Phönix aus der Asche

von Catweazle
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
04.09.2021
05.12.2021
21
52.624
8
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
03.10.2021 2.358
 
Hi,

schon sind wir bei Kapitel 10.
Dankeschön für eure lieben Reviews!

Ich wünsche euch gute Unterhaltung.
Cat
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Kapitel 10:    Da ist nichts, rein gar nichts!


Durch die Scheibe der Terrassentür sah er, dass die Schwestern heftig am diskutieren waren. Und das auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Während Vicky wirklich nur ihren Mund einsetzte sprach Phoebe mit dem ganzen Körper. Besonders ihre Finger schienen erstaunlich beweglich zu sein. Sicherlich ganz nett wenn sie damit ... Oh Gott, was sollten solche Gedanken? Mikko schüttelte den Kopf über sich selbst und trat den Rest der Zigarette aus, dann schob die Tür wieder auf. Er hatte einen Entschluss gefasst der ihn hoffentlich weiter bringen würde.
Sofort verstummte das Gespräch der beiden Frauen. Nicht schwer zu erraten um was, oder besser gesagt um wenn es gegangen war.
„Lasst euch nicht stören, ich bin Luft“, hob er die Hände leicht an.

„Ziemlich stinkende Luft, du riechst nach Zigarettenqualm!“, schimpfte Phoebe ihn aus, „das ist ekelhaft!“

„Aber Phoebe“, lächelte Vicky, „jeder braucht doch Luft zum Leben und ich für meinen Teil mag diesen Geruch durchaus.“

„Dir hat es als Kind auch nichts ausgemacht eine Woche lang mit ein und denselben Socken herumzulaufen“, versuchte Phoebe ihre Schwester bloßzustellen. Gleichzeitig begann sie sich dafür zu schämen. Warum nur tat sie das? Vicky lag ihr so sehr am Herzen wie kaum ein anderer Mensch in ihrem Leben.
Mit einem Lächeln auf den Lippen ließ sich Vicky neben Mikko nieder, der inzwischen auf der weichen Couchgarnitur Platz genommen hatte.

„Damals war ich noch ein Kind Fibsi, inzwischen wechsle ich meine Wäsche täglich. Auch die Spitzenunterwäsche die ich gerade trage“, klimperte sie mit ihren überdimensional langen Wimpern.
Am liebsten hätte Phoebe nun in Vickys langes Haare gepackt und sie zur Tür raus geschliffen. War Vicky denn übergeschnappt? Da saß sie neben diesem Kerl und erzählte, dass sie Spitzenunterwäsche trug! Unfassbar!
Und dieser freche Hund musterte Vicky derart intensiv mit seinen stechenden Augen, als wolle er ihr durch die Kleidung schauen, um zu sehen, ob sie tatsächlich Spitzenunterwäsche trug.
Vicky schien sein direkter Blick zu beflügeln. „Sie ist weiß, unschuldiges, jungfräuliches Weiß“, flirtete sie. Entsetzt schloss Phoebe für Sekunden die Augen.

„Ich könnte wetten Mikko weiß mit den Begriffen unschuldig und jungfräulich so gar nichts anzufangen“, kam es über Phoebes volle rote Lippen, die denen Mikkos noch vor wenigen Minuten so nahe gewesen waren.

„Nanu, so giftnatterig?“, erkundigte er sich und zog dabei eine Augenbraue hoch. „Doch, ich kenne mich durchaus damit aus.“

„Hast du es schon mal getan Mikko?“ Vicky kicherte wie so ein Schulmädchen.

„Bitte?“, sah er sie mit einem fragenden Blick an.

„Na ja, mir ist klar, dass du keine Jungfrau mehr bist, immerhin bist du verheiratet und ich schätze mal du hast vorher auch so einige Erfahrungen gesammelt ...“

„Mikko, das musst du dir nicht anhören!“, funkte Phoebe dazwischen. „Vicky, was fällt dir ein Mikko derart intime Fragen zu stellen?“ Ihre Stimme überschlug sich fast vor Empörung.
Mikko hob die Hand.

„Lass sie, ich möchte hören was dahinter steckt.“ Grummelnd setzte Phoebe sich in den Fernsehsessel ihres Vaters. „Du kannst weiter reden Vic“, ermutigte er die jüngere Schwester, „Frau Moralapostel hat gerade Sendepause.“ Phoebe schnappte nach Luft, brachte aber keinen Ton hervor. Moralapostel?! Noch vor ein paar Stunden hatte sie mit ihm eine ziemlich heiße Knutschszene hingelegt und ihre Fingerspitzen auf der nackten Haut seines Oberkörpers rotieren lassen, obwohl sie sich kaum kannten und er stempelte sie trotzdem als Moralapostel ab? Wie verdorben musste man bei diesem Kerl eigentlich sein?

Zuckersüß lächelte Vicky den Manager an. „Es interessiert mich einfach, ob du schon mal eine Jungfrau ... du verstehst?“ Mikko nickte nur. „Heißt das Ja?“ Wieder erfolgte das Nicken seines Kopfes. „Ist bestimmt schon lange her, oder?“

„Ziemlich lange, ja. Warum interessiert dich das?“
Innerlich schlug Phoebe die Hände über dem Kopf zusammen und zum ersten Mal in ihrem Leben fragte sie sich, ob ihre Schwester mit ihren nunmehr 24 Jahren vielleicht noch ... Nein! Geschockt von ihren eigenen Gedanken riss Phoebe ihre grünbraunen Augen auf. Das gab es doch nicht! Hatte Vicky diesbezüglich wirklich noch keine Erfahrungen mit Männern und sich nun in ihren durchaus hübschen Kopf gesetzt, dass Mikko derjenige Welcher sein sollte, der das änderte? Na, hoffentlich war es nur ihre Fantasie die ihr da nun einen Streich spielte!

„Vicky“, wandte sie sich an ihre Schwester, „ich würde mal gerne alleine mit dir reden. Komm, ich begleite dich auf dein Zimmer.“ Vicky erhob sich.

„Gute Nacht Mikko, bis morgen.“ Sie hielt ihm derart direkt ihre Hand vor das Gesicht, dass Mikko sich gezwungen sah sie zu ergreifen, um ihr ebenfalls eine Gute Nacht zu wünschen. Kaum waren sie aus dem Raum da funkelte Vicky Phoebe böse an. „Sag mal, was sollte das? Du hast mich vor Mikko wie ein kleines Kind dastehen lassen! Komm, ich begleite dich auf dein Zimmer“, äffte sie Phoebe im Originalton nach.

„Wenn du dich so benimmst, dann behandele ich dich auch so. Und sag du mir lieber was das soll, Mikko derartige Fragen zu stellen? Bist du nicht mehr ganz dicht? So aufgedreht kenne ich dich gar nicht!“ Schwungvoll stieß sie die Tür zu Vickys Zimmer auf.

„Ich wollte das eben wissen, weil...“ Sie ließ sich auf dem Bett nieder und ihre Augen begannen zu glänzen. „Phoebe, ich bin noch unberührt und ich finde Mikko ist der Richtige, um das zu ändern.“
Im ersten Augenblick verschlug es Phoebe die Sprache, obgleich sie insgeheim genau damit gerechnet hatte, aber es nun aus Vickys Mund zu hören, war noch eine ganz andere Sache.

„Vicky ...“, stotterte sie. Sich ebenfalls auf dem Bett niederlassend suchte ihr Hirn fieberhaft nach den passenden Worten die A: klar und deutlich sein mussten und B: nicht verletzend wirken durften.
„Vicky, hör mir bitte ganz genau zu, ja? Also, ich finde es wunderbar dass du dich so lange für den richtigen Mann ... aufgespart? ... aufgehoben hast, immerhin bist du eine sehr attraktive Frau und ich wette, dass dir schon viele Männer ihre Avancen gemacht haben ...“

„Phoebe, komm zur Sache.“

„Gut. Was ich sagen will: Ich kann verstehen, dass du glaubst Mikko sei der Richtige. Immerhin ist er ein gutaussehender Mann.“

„Jaaaa...“, antwortete Vicky verzückt und der Glanz ihrer Augen verstärkte sich. Phoebe versuchte das zu ignorieren.

„Trotz allem Vicky, du täuscht dich. Ich bin natürlich an meine Schweigepflicht gebunden was Mikko betrifft, immerhin war er im Krankenhaus mein Patient, daher kann ich dir nichts Genaueres sagen ... Was denn auch? ... dachte sie, „aber Mikko befindet sich gerade in einer emotional schwierigen Phase und ist nicht in der Lage mit solchen Dingen normal umzugehen.“ Gott, wie bescheuert hörte sie sich eigentlich an?

„Überlass das mir Fibsi, ich bin mir sicher ich kann Mikko umgehend aus seiner emotional schwierigen Phase befreien. Ich bin zwar noch nie mit einem Kerl im Bett gewesen, aber ich weiß auf was Männer stehen. Emotionen sind bei vielen zweitrangig, da muss man einen anderen Weg nehmen und ich bin bestens vorbereitet“, klimperte sie mit ihren Wimpern.
Phoebe starrte ihre Schwester an. Selbstvertrauen besaß sie, das ließ sich nicht leugnen. Na gut, dann die etwas härtere Schiene ...

„Victoria Virtanen, ich gestatte es ni...“

„Und ich es gestatte nicht, dass du dich in mein Leben einmischt!“, zischte Vicky aufgebracht los. „Ich bin erwachsen und ich kann selbst bestimmen mit wem ich ins Bett gehen will!“  Ihr hübsches Gesicht glühte vor Aufregung. Phoebe atmete tief durch, bemüht darum, ruhig zu bleiben.

„Vicky, verstehe doch, er würde dich nur benutzen!“, versuchte sie es nochmals. „Mikko ist jemand der sich nimmt was er will und einen dann eiskalt lächelnd stehen lässt!“

„Ach, und das weißt du so genau? Du kennst ihn genauso wenig wie ich!“ Vickys Enttäuschung darüber, dass ihre Schwester sich nicht mit ihr freute schlug in Sekundenschnelle in Wut um und Phoebe erkannte ihre Schwester gar nicht mehr wieder.
Oh doch, schoss es Phoebe durch den Kopf, ich kenne ihn sogar genauer als es dir lieb sein wird.

„Lass uns morgen reden Vicky. Und vor allen Dingen: Schlaf drüber. Mikko ist ein Mann ... Ja, was wollte sie eigentlich sagen? Vicky kicherte albern.

„Das hoffe ich doch sehr, ich hoffe, dass er ein Mann ist.“

„Gute Nacht Vicky.“ Phoebe verließ den Raum und zog die Tür schnell hinter sich zu.
Das war ja wohl die Katastrophe schlechthin! Nur gut, dass Mikko beteuert hatte, dass von seiner Seite aus kein Interesse daran bestand etwas mit Vicky anzufangen. Zum Glück fand er sie trotz ihrer 24 Jahre zu jung, was aber natürlich auch mit ihrer teilweise kindlich-naiven Art zusammenhing.

Phoebe ging einen Schritt zurück und rückte das Bild gerade, das ein wenig schief an der Wand hing. Die betenden Hände von Albrecht Dürer. Irgendwie fand sie es furchterregend. So wie Mikkos Augen.

„Buh!“ Mit einem spitzen Schrei zuckte Phoebe zusammen und das Bild fiel zu Boden wo das Glas klirrend zerbrach.

„Du Vollidiot!“ Den Zeigefinger auf Mikko gerichtet zeterte sie weiter: „Nicht nur zu dämlich um vom Hof zu fahren ohne ein anderes Auto zu beschädigen, nein, der Herr kann nicht mal diesen Flur durchqueren ohne jemanden zu Tode zu erschrecken!“

„Soll ich einen Wiederbelebungsversuch starten? Mund zu Mund Beatmung habe ich gelernt.“
Sein arrogantes Grinsen brachte Phoebes Blut zum Kochen.

„Deine Mund zu Mund Beatmung kannst du dir ...“ Nein, es war besser es nicht laut auszusprechen, Mikko würde ihr im Handumdrehen einen mörderischen Strick daraus drehen.
Sein dämliches Grinsen wurde noch breiter.
„Mikko, wir müssen reden.“ Mit hoch erhobenem Haupt schritt sie an ihn vorbei, sein Blick klebte auf ihrem Hinterteil. Ganz schön scharf ...

„Phoebe, da liegen Scherben. Nicht, dass sich jemand daran schneidet“, warnte er.

„Danke, ich weiß. Ich werde sie zusammenkehren. Nach unserem Gespräch.“ Sie stolzierte ins Wohnzimmer vor, den Kopf stolz erhoben. „Setz dich doch“, bat sie ihn.

„Danke, ich stehe lieber.“ Mit einem Ellbogen stützte er sich auf die Rückenlehne des bequem aussehenden Fernsehsessels auf.
Phoebe atmete tief durch. Okay, jetzt durfte sie Mikko keinesfalls verärgern.

„Es geht um Vicky und um das, was sie da vom Stapel gelassen hat. Vicky ... sie hegt Gefühle für dich. Das ist nicht gut für sie.“

„Da bin ich ganz deiner Meinung“, stimmte Mikko zu.

„Dann ... dann wirst du also nichts mit ihr anfangen?“ Mit einem hoffnungsvollen Blick sah sie den dunkelhaarigen Mann an.

„Nein.“
Ein erleichtertes Aufatmen war aus Phoebes Mund zu hören. Mikko schob die Hände in die Hosentaschen und schaute Phoebe an, während diese sich bemühte seinem bohrenden Blick stand zu halten. Es musste einfach sein. Es war so wie bei einem Hund den man neu hatte, man schaute sich so lange in die Augen bis einer nachgab, wer wegschaute war der Verlierer. „Vicky interessiert mich nicht“, fuhr er fort, „das habe ich bereits gesagt. Ich bin nicht hierhergekommen, um eine Frau flachzulegen. Natürlich konnte ich nicht wissen, was mich hier erwartet, aber seis drum. Ich verstehe wirklich nicht, weshalb immer alle Leute meinen, dass ein Mann der gerade keine Partnerin hat nur auf der Suche nach Frischfleisch ist.“
Phoebe trat noch näher an ihn heran.

„Ach, bist du das etwa nicht? Ich hätte schwören können ... heute in meinem Zimmer ...“

Mikko lachte leise und zog die Hände wieder aus den Taschen. „Ich bin nicht immun dagegen wenn gewisse Dinge bei einer Frau zusammentreffen. Wir beide um Beispiel ...“ er legte seine Hände auf ihre Wangen. „Da ist etwas, das kannst du nicht leugnen.“

„Da ist nichts, rein gar nichts! Da war ein Kuss der zugegebener Maßen sehr schön war, aber das war auch alles!“ Ihr Herz klopfte hart an ihre Rippen und sie war sich sicher, dass Mikko genau das mitbekam.

„Ja, das war alles“, bestätigte er, während seine Daumen sanft ihre Haut streichelten, „die Frage ist nur, muss das alles bleiben? Wenn du die große Liebe suchst bist du bei mir an der falschen Adresse, aber wenn du bereit bist deine Stachelschweinhaltung aufzugeben bin ich nicht abgeneigt ...“ Phoebes Arme flogen hoch, schlugen die seinen fort. Schnell machte sie zwei Schritte rückwärts.

„Ich suche nicht nach der großen Liebe und ich habe auch kein Interesse daran ...“

„Du lügst“, unterbrach er sie ruhig, „du machst dir selbst was vor.“

„Ach, und du nicht? Du suchst einfach nur Selbstbestätigung nach dem was dir widerfahren ist!“, heischte sie ihn an. Ein kurzes Zucken in seinem Gesicht zeigte ihr, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Mikkos  Augen suchten ihr Gesicht, fanden es und vergruben sich darin.

„Ich habe durchaus realisiert was da geschehen ist und meine gescheiterte Ehe ist auch kein Pappenstiel für mich. Ein Grund mehr, mich nicht in die Klauen einer Frau zu begeben die das hier fordert.“ Er schlug sich auf die linke Seite seiner Brust bevor er fortfuhr: „Liebe und Sex kann ich trennen und wenn du an dem zweiten Interesse hast ... du weißt. Wenn nicht ... Schade, aber andere haben da bestimmt weniger Bedenken.“

„Verdammt!, wenn du deine Griffel nicht von Vicky lässt, dann hacke ich sie dir ab! Eigenhändig!“, schrie sie ihn an. „Jeden Finger einzeln, Stück um Stück!“ Glutrot vor Wut begannen ihre Augen wie grüne Flammen zu funkeln und einmal mehr haftete Mikkos faszinierter Blick auf ihr. Fast hätte er vergessen, was er ihr sagen wollte.

„Phoebe.“ Seine Mundwinkel verzogen sich leicht was ihm einen spöttischen Gesichtsausdruck verlieh. „Ich weiß nicht, ob du mir zugehört hast, wenn nicht, dann wiederhole ich mich hier noch mal: Ich habe keinerlei Absichten was deine kleine Schwester betrifft. Ich habe keinen Notstand und wenn, dann weiß ich mir durchaus zu helfen. Dein Temperament in allen Ehren, aber heb' es dir lieber für den Kerl auf der deiner würdig ist. Wenn es so ein Exemplar überhaupt gibt.“
Die junge Psychologin schnappte nach Luft.

„Was bildest du dir eigentlich ein Mikko Saukkonen? Was glaubst du denn, wer du bist?“

„Ich bin Mikko“, sagte er tonlos während seine Hand ihren Arm im hinausgehen streifte, „einfach nur Mikko.“ Dann drehte er sich von ihr fort, verließ den Raum.

Sie spürte ihr Herz in ihrem gesamten Körper schlagen, überall, jede noch so kleine Stelle war erfüllt von diesem alles durchdringendem Gefühl.
„Mikko?“, rief sie ihm nach. „Mikko!“
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Das wars für heute.
Das 11. Kapitel (... und wenn du Nein sagst lasse ich dich gehen) gibt es dann nächsten Sonntag.
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